Ausgabe 
3.6.1938
 
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Ausland, nicht gerechnet die zahlreichen Ver- gnüaungsreifen, die von den deutschen Schiffahrts­gesellschaften veranstaltet wurden. An diesen Reisen der Reiseunternehmer haben mehr als 2,2 Millio­nen Personen teilgenommen. Im Rahmen aller anderen Arten von Reisebürogeschästen für Einzel­reisende (Verkauf von Eisenbahn-, Schiff- und Flugkarten aller Art, Hotelgutscheinen, Stadt- und Hafenrundfahrten) wurden fast 9 Millionen Per­sonen -betreut. Die Reisebüros haben durch den Kundenkreis von 11 Millionen Personen einen Ge­samtumsatz von fast einer Diertelmilliarde Mark er­zielt. Für Werbung haben sie über 2,5 Millionen Mark ausgegeben. Die wirklichen Zahlen des ge­samten Reisebürogewerbes liegen naturgemäß weit über den statistisch erfaßten. Insbesondere dürste die kostenlose Auskunftserteilung, die nicht au einem Kaufabschluß (Fahrkartengefchäst) führte, die Zahl- von 50 bis 60 Millionen Auskünfte erreichen. Wich­tig ist bei diesem ersten Versuch, die Tätigkeit der Reisebüros zahlenmäßig zu erfassen, die Feststellung, daß das deutsche Reisebürogewerbe heute einen be­achtlichen und nicht mehr wegzudenkenden Faktor der deutschen Wirtschaft darstellt.

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Die in der deutschen Hochseefischerei vertretenen Arbeitszweige unterscheiden sich nach der Fang­weise. Die tragende Stütze ist die Fischerei mit Fischdampfern oder die Dampfhochseefische­rei. Hierauf entfielen im Jahre 1937 allein 72 v. H. vom deutschen Gesamtfang an Seefischen. Die Fisch­dampfer fischen zumeist auf den entfernter gelege­nen Fanggründen mit Schleppnetzen. Das Schlepp­netz, im wesentlichen aus dem Fischsack und den Netzflügeln bestehend, wird mit starker Maschinen­kraft über den Meeresboden gezogen. Gefangen werden hauptsächlich Massenfische, wie Kabeljau, Rotbarsch, Seelachs, Schellfisch usw. Daneben gehen die Fischdampfer etwa von Ende Juli bis Anfang Oktober dem Heringsfang nach, da sich die Heringsschwärme zu dieser Jahreszeit in den den deutschen Fahrzeugen zugänglichen Fanggründen aufhalten. Die Fischdampfer bringen einengrü­nen", gut vereisten Frischhering in die Häfen, der dann in die Räuchereien, in die Marinieranstalten, die Konservenfabriken und den Grünhandel wandert, z. T. auch an Land zu Salzheringen (land­gesalzenen Heringen) verarbeitet wird. Im Gegen­satz zur Dampferfischerei beschäftigt sich die Log­ge r f i s ch e r e i ausschließlich mit dem Herings­fang. Hierauf entfallen nicht ganz 11 v. H. der ge­samten Fischfangmenge. Uedt der Dampfer mit dem Schleppnetz eineaktive" Fischerei aus, so ist die Fischerei des Loggerspassiv". Der Logger setzt eine feststehende Netzwand (die Fleet) aus und wartet hinter dieser Wand, daß sich die Herings­schwärme in den Maschen des Netzes fangen. Die dritte Säule der Seefischerei ist die Kutter­und Küstenfischerei, die Spezialitäten und Edelfische fängt. Ihr Anteil am Gesamtfang betrug 1937 rund 17 v. H.

Rhein-Mainische Börse.

Miklagsbörse uneinheitlich.

F r a n k f u rt a. M., 2. Juni. Die Börse eröff­nete am Aktienmarkt mit uneinheitlichen Kursen, doch hielten sich die Abweichungen in engen Grenzen und zumeist unter 1 v. H. Der Auftrags­eingang war weiterhin klein. Anderseits zeigten die Berufskreise im Hinblick auf die mehrtägige Verkehrsruhe durch die Feiertage keine nennens« werte Unternehmungslust, so daß sich die Umsätze allgemein in kleinen Bahnen bewegten. Trotz der uneinheillichen Entwicklung blieb ein freundlicher Grundton unverkennbar, obgleich besondere An­regungen fehlten. Verhältnismäßig fest setzten am Montanmarkt Rheinstahl ein mit 145 (143,50), ferner von Elektrowerten Schuckert abzüglich Divi­dende und Anleihestockausschüttung mit 176 (181,90), was einer Befestigung von etwa 1,25 v. H. ent­spricht, ebenso lagen von Maschinenwerten Jung- Hans 1,50 v. H. höher mit 118,50. Für IG.* Farben hat das Interesse erheblich nachgelassen, bei kleinen Umsätzen bröckelte der Kurs auf 161 bis 160,75 (161,25) ab. Leichte Rückgänge bis 0,50 v. H. er­fuhren u. a. noch Metallgesellschaft auf 134,25 bis 134, Daimler auf 147,50, Reichsbank auf 192,50, Deutsche Erdöl gingen auf 137 (137,75) zurück.

Für Verein. Stahl machte sich etwas Nachfrage geltend zu 108,90 bis 109 (108,75).

Der variable Rentenmarkt war still. Reichs­altbesitz 0,13 v. H. höher mit 132, hingegen Reichs- bahn-VA. weiter abbröckelnd auf 125,13 (125,25). Kommunal-Umfchuldung stellten sich auf unverän­dert 96,30. Don Goldpfandbriefen wurden die beiden Frankfurter mit unverändert 100 repartiert. Liqui­dationswerte schwankten bis 0,25 o. H. Stadt­anleihen lagen meist unverändert, Heidelberg 0,25 o. H. auf 98,75. Auch Industrie-Obligationen notierten nicht ganz einheitlich, höher 4,50 v. H. Krupp mit 100,25 (100).

Im Verlaufe blieb das Geschäft zwar weiter sehr klein, die freundliche Grundtendenz hiell jedoch an, was sich kursmäßig allerdings nur ganz vereinzelt auswirkte. Für Montanwerte erhielt fick etwas Nachfrage, Hoefch 113,25 nach 112,50, Deutsche Erd­öl auf den Vortagsstand von 137,75 nach 137 er­holt, Rheinstahl unverändert 145. IG. Farben schwankten zwischen 160,75 bis 161. Die später notierten Werte wichen im allgemeinen kaum ab, fest lagen aber MAN. mit 136,50 (134,50), während Kaliaktien bis 1 v. H. nachgaben.

Der Frei verkehr hatte ruhige? Geschäft. Dingler 95,13 (95,50), Rastatter Waggon 52,50 (52), Ufa 74 (73,50). Elsäss. Wolle 87 (87,50). Tages­geld weiter erleichtert auf 2,50 (2,75) v. H.

Abendbörfe behauptet.

Wenn auch die Umsätze nirgends besonderen Umfang erreichten, so zeigte auch die Abendbörse einen freundlichen Grundton, so daß die meisten Papiere am Aktienmarkt voll behauptet und vielfach auch etwas höher zur Notiz gelangten. Fest lagen bei nicht sehr großem Umsatz Akkumulatoren mit 239 gegen einen Schlußkurs von 235,25 in Berlin. Sonst zogen u. a. an Buderus auf 113,75 (113,25), Laurahütte auf 18,50 (17,90), Demag auf 147,75 (147,25), Deutsche Erdöl auf 138 (137,50),

Bemberg auf 140,25 (140). Etwas niedriger lagen Holzmann mit 162 (162,75), Deutsche Linoleum in Anpassung an Berlin mit 160 (161), Hanfwerke Füssen nach Pause mit 133 (133,50) und Junghans mit 117,75 (118,50), aber bereits 117 am Berliner Schluß. IG. Farben notierten bei kleinem Umsatz unverändert 161, ebenso Adlerwerke mit 116, Aschaf­fenburger Zellstoff mit 128,50, Scheideanstalt mit 246, Moenus mit 131,50, Berger mit 149,50, BMW. mit 147 und Rheinstahl mit 145. Von Renten befestigten sich Altbesitzanleihe des Reiches auf 132,25 (132). Im übrigen notierten 4,50 v. H. Nass. Landesbank Gold R 12 bis 13 mit 100,40, 6 v. H. Hartmann & Braun mit 104 und 6 v. H. IG. Farben mit 129,75 (129,90). Kommunal-Umschul- dung nannte man wie mittags mit 96,30.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 2. Juni. Auftrieb: Rinder 774 (gegen 887 am 24. Mai), darunter 213 (214) Ochsen, 147 (168) Bullen, 260 (378) Kühe, 154 (127) Färseu. Kälber 531, Härnrnel und Schafe 44, Schweine 353. Notiert wurden je 50 kg Lebend- gewicht in RM.: Ochsen a) 43 bis 45 (43 bis 45), b) 39 bis 41 (39 bis 41), c) 35 bis 36 (33 bis 36);

Bullen a) 42 bis 43 (40 bis 43), b) 39 (35 bis 39),

c) 34 (33 bis 34); Kühe a) 40 bis 43 (40 bis 43),

b) 36 bis 39 (34 bis 39), c) 28 bis 33 (26 bis 33),

d) 17 bis 25 (17 bis 25); Färsen a) 43 bis 44 (43 bis 44), b) 37 bis 40) (39 bis 40), c) 33 bis 35 (33 bis 35). Kälber a) 62 bis 65 (63 bis 65), b) 54 bis 59 (53 bis 59), c) 43 bis 50 (43 bis 50), d) 32 bis 40 (40). Härnrnel b2) 48 bis 50 (46 bis 47), c) 42 bis 45 (36 bis 40); Schafe a) 39 bis 42 (36 bis 38), b) 34 bis 38 (33 bis 35). Schweine a) 57 (56,50), bl) 56 (55,50), b2) 55 (54,50), c) 53 (52,50), d) 50 (49,50); Sauen gl) 54 (53,50). Markt­verlauf: Rinder, Kälber und Schweine zugeteilt; Härnrnel und Schafe mittel.

Aus der engeren Heimat.

Wertungssingen in Krofdorf.

<D Krofdorf, 2. Juni. Krofdorf war der Treff­punkt des dritten und letzten Wertungssin­gens von 16 Gesangvereinen aus dem Osten des Sängerkreises Solms-Wetz­lar. In der geräumigen Turnhalle begrüßte Kreis- sängerführex Kling (Wetzlar) Sänger und Gäste und gab bekannt, daß für den erkrankten Wer­tungsrichter H. B l a ß der Kreischorleiter das Amt der Krttik übernommen habe. Der Verlauf des Sin­gens zeigte, daß die Ehorarbeit durchweg auf hoher Stufe steht. Sänger und Chorleiter gaben ihr Bestes, galt es doch, nicht nur den Ausgaben des Wertungssingens gerecht zu werden, sondern gleich­zeitig auch die Rüstfertigkeit für das Gausängerfest in Gießen unter Beweis zu stellen. Die anschlie­ßende Massenchorprobe sämtlicher Vereine auf dem Turnhallenplatz unter der Stabführung des Kreis­chorleiters hatte zahlreiche Zuhörer angelockt, die sich an den gesanglichen Darbietungen erfreuten. In gründlicher und allen verständlicher Weise übte dann Kreischorleiter Lotz die Kritik, würdigte als Mann der Praxis und Erfahrung das Gute und zeigte Wege und gab Anregungen, wie noch vor­handene Schwächen auszumerzen sind. Der Beifall der Sängerschaft und herzliche Worte des Kreis­sängerführers bezeugten den Dank für die richtung­weisenden Ausführungen. Sieg-Heil und die Lieder der Nation bildeten den feierlichen Abschluß der Veranstaltung.

Allerlei Unfälle

In Wieseck erlitt ein 14 Jahre alter Schüler durch einen Unfall eine Verbrennung zweiten Gra­des an der linken Hand. Der Landwirt Heinrich Artz aus Lang-Göns erlitt durch einen Huf­schlag eines Pferdes ernste Brust- und Rippenprel­lungen. Auf der Reichsautobahnbaustelle fiel ein Rollwagen dem Arbeiter Wilhelm Maier aus K e s s e l b a ch auf die Hand, wodurch der Mann schwere Handverletzungen erlitt. In Treis an der Lumda geriet der Arbeiter Willi Bender mit der. rechten Hand in eine Hobelmaschine, wobei er

schwere Verletzungen davonttug. Der Müller Karl Sandweier aus Großen-Linden er­litt bei einem Unfall schwere innere Verletzungen, ebenso der Kaufmann Gustav Z a h l h o f e r aus Nidda. Der Zimmermann Karl Eckhardt aus Grünberg verunglückte bei der Arbeit auf der Reichsautobahn und trua schwere Brust- und Rip­penquetschungen davon. Alle Verunglückten mußten nach Gießen in die Chirurgische Klinik gebracht werden.

Landkreis Gissten.

# Staufenberg, 2.Juni. Etwa 40 Sänger des hiesigen Gesangvereins machten am Sonntag einen Sängerbesuch bei dem Männergesang­verein in Nordeck. Bei schönen Chorgesängen und bei kameradschaftlichem Gedankenaustausch verbrach­ten die Sänger einige schöne Stunden der Kamerad­schaft. Die Jugendgruppe der Frauenschaft veranstaltete einen Filmabend, an dem die Frauen der Ortsgruppe (Staufenberg, Mainzlar und Daub- ringen) zahlreich teilnahmen.

Allendorf a. d. Lumda, 2. Juni. An der verkehrsreichen Sttaßenkreuzung beim Rathaus ereignete sich ein V e r k e h r s u n f a l l. Ein Motor­radfahrer stieß dort mit einem Personenauto zu­sammen, wobei der Motorradler eine Gehirnerschüt­terung und einige Hautabschürfungen erlitt. Das Motorrad wurde stark, das Auto gering beschädigt. Bei den Reichsjugendwettkämpfen der I M. - Gruppe 7/116 Allendorf a. d. Lumda waren folgende Ergebnisse zu verzeichnen: 1. Rö­mer, Allertshausen, 278 Punkte; 2. Wagner, Allen- dorf, 262 Punkte; 3. Nachtigall II., Allertshausen, 252 Punkte; 4. Mootz, Allertshausen, 236 Punkte; 5. Rabenau, Treis, 230 Punkte; 6. Nachtigall I., Allertshausen, 224 Punkte; 7. Grube, Allertshausen, 214 Punkte; 8. Waldeck, Londorf, 211 Punkte; 9. Dort, Allertshausen, 219 Punkte; 10. Wießner, Climbach, 209 Punkte; 11. Reinhardt, Allertshau­sen, 209 Punkte. '

Kreis Friedbetg.

- Butzbach, 2.Juni. Der Bund Deutscher Mädel und die Jungmädel veranstalteten im

Hesi. Hof" einen Dolksgemeinschafts- abend, der den Eltern und den übrigen Besu­chern einen Einblick in die Gestaltung der Heim­abende gab. Musikvorttäge des Jungvolkes, Spiele, Volkstänze, Lieder, szenische Darstellungen und tur­nerische Vorführungen fanden den reichen Beifall aller Besucher.

Kahrrad-OiebeS- und Hehlerbande festgenommen.

100 Fahrräder bereits sichergestellt.

F r a n k f u r t a. M., 2. Juni. (Lod.) Durch die Zusammenarbeit der Frankfurter Polizei und der Gendarmerie in Flörsheim und Wicker konnte eine vierköpfige Fahrrad - Diebes- und Hehlerbande festgenomm en werden, die seit etwa zwei Jahren laufend Fahrraddiebstähle begangen hat. Drei von den Festgenommenen haben die Fahrräder in Frankfurt a. M. gestohlen und nach Wicker gebracht, wo sie von einem Vierten in Empfang genommen und verschärft wurden. Durch die Gendarmerie in Flörsheim und Wicker sind bis jetzt ungefähr 100 Fahrräder sichergestellt worden.

G. A.-Sport.

Handball im Kreis Gießen.

Es hat wohl selten ein Spieljahr gegeben, in dem sogar noch die Pfingstfeiertage für die Pflichtspiele freigehalten werden mußten. Diesmal aber läßt es sich nicht anders machen, weil durch dauernde Spiel­verlegungen der Abschluß der alten Runde keines- wegs gefordert werden konnte. So sind im Augen­blick nicht nur die Aufstiegspiele noch im Gange, die Bezirksklasse muß, um den endgültigen Tabellen­stand feststellen zu können, noch eine Begegnung nachholen.

Zu seinem letzten Auffttegspiel tritt der Turnv. Lützellinden gegen den Tuspo Butzbach an. Butzbach hat Platzsperre erhalten, so baß damit also auch das Rückspiel in Lützellinden steigt» Das Spiel selbst hat keine Bedeutung mehr, nachdem die Frage des Aufftiegs eindeutig geklärt ist. Immerhin wird man gespannt sein dürfen, wie Lützellinden die Niederlage des Vorspiels überstanden hat. Butzbach hat nach der Vorspielniederlage kaum Gewinn­chancen.

Zum letzten Spiel der Bezirksklasse tröffen sich Tv. Hörnsheim und Tv. Heuchelheim. Die Hörnsheimer haben natürlich auf eigenem Platz zweifellos die größeren Chancen, zumal Heuchel­heim noch mit Ersatz antreten muß.

Das zwischen den beiden Mannschaften von Groß-Rechtenbach und Garbenheim auf dem Platz des Tv. Allendorf (Lahn) stattfindende Entscheidungsspiel wird diesmal wohl die gewünschte Aufklärung bringen. Die Elf, die diesmal als Sie­ger den Platz verläßt, steigt in die Bezirksklasse auf und hat außerdem die Möglichkeit, Kreisbester der 1. Kreisklasse zu werden. Aussichten haben beide Gegner, Favorit ist zweifellos Groß-Rechtenbach.

Zu einem interessanten Kampf sollte es zwischen A tz b a ch und Wißmar kommen. Der Sieger wird wahrscheinlick auch Staffelsieger und damit aufstiegsberechtigt fein. Aus dem Grunde wird man in beiden Lagern die Sache ziemlich ernst nehmen und mit den besten Vorsätzen in den Kampf gehen.

Das Freundschaftsspielprogramm ist nicht allzu umfangreich. Es werden sich gegenüberstehen am 1. Feiertag:

Tv. Grüningen Turngesellschaft Offenbach Tuspo W.-Niedergirmes Ffm.-Praunheim Man darf auf das Abschneiden der Gäste aus dem Gau 13 gespannt sein. Beide Mannschaften stehen dort an führender Stelle in der Bezirksklasse und werden den Verhältnissen entsprechend auch einen anständigen Handball spielen. Ob unter diesen Um» ständen unsere heimischen Mannschaften Schritt hal­ten können, bleibt abzuwarten.

Am zweiten Pfingstfeiertag spielt Offenbach noch in Hausen. Die Platzbesitzer haben zwar nicht mehr ihre komplette Mannschaft zur Verfügung, trotzdem sollte es zu einem ausgeglichenen Spiel kommen, in dem die Aussichten ziemlich gleichmäßig verteilt sind.

Kaden hin und her.

Vornan von Hedda Westenberger.

Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.

38 Fortsetzung (Nachdruck verboten!)

Vielleicht, denkt Marga und bläst langsam den Rauch zwischen den geschlossenen Lippen hindurch, vielleicht wäre jetzt der Augenblick, einmal Monika auf den Zahn zu fühlen. Der Doktor ist abgerufen worden und wird schwerlich in der nächsten halben Stunde zurück sein. Die gute Tante kramt in den oberen Regionen herum; wer weiß, was sie jetzt wieder kontrolliert. Wir sind also allein. Und eben hat Kahl angerufen. Monika wird also zugänglicher Laune sein; sie kam mit so weichem, sttahlendem Gesicht vom Telephon zurück. Monika geht plötzlich zu Chopin über.Kennen Sie das? Es ist eines sei­ner unbekanntesten Sachen."

Nein, ich kenne es nicht."

Marga hört eine Weile zu. Dann greift sie zu einer zwecken Zigarette und unterbricht Monikas Spiel.Sagen Sie, Monika, sind Sie eigentlich gern hier in Eigelstein? Ich meine, Sie sind doch eigent­lich ein Mensch, der sich sehr wohl in einer größeren Stadt zurechtfinden könnte."

Monika hört zu spielen auf, ohne die Hände von den Tasten zu nehmen. Sie greift nur nachdenklich ein paar Akkorde, ohne sie jedoch ausklingen zu lassen. Dann lehnt sie sich plötzlich weit zurück und verschränkt die Arme hinter dem Kops.Warum wollen Sie das wissen?"

Marga kann eine kleine Verlegenheit nicht un­terdrücken.Warum ich das wissen will? Tja, viel­leicht nur, weil ich mir nicht vorstellen kann, daß ein so junger Mensch wie Sie sich gern hier ver­gräbt."

Und das sagen ausgerechnet Sie, die Sie doch so hell begeistert von Eigelstein sind, daß Sie Ihre geplante Fahrt aufgegeben haben und hiergeblieben sind?"

Eine kleine Pause entsteht.

Monika läßt langsam die Hände sinken und dreht sich auf ihrem Klavierstuhl so herum, daß sie Marga voll zugewendet ist.

Marga hat auf einmal das Gefühl, daß es gut ist, vor dem Fenster so zu sitzen, daß das Gesicht nn Schatten ist.

Da Marga schweigt, nimmt Monika die Unter­haltung wieder auf.Zuerst hatte ich allerdings, ehrlich gesagt, den Eindruck, als ob Sie nicht von

Eigelstein, sondern von Ihrer Begegnung mit Lenzsch so begeistert wären. Aber das war wohl ein Irr­tum."

Was glauben Sie jetzt, was mich in Eigelstein hält?"

Jetzt ist es Monika, die nicht gleich zu antworten weiß. Sie wendet sich wieder dem Flügel zu und läßt gedämpft ein paar wuchtige Akkorde aufklin­gen, die sie vom Dur ins Moll abwandelt und wie­der auf Dur zurückführt.

In Marga steht ein kühner Entschluß auf: Diese Monika da drüben ist kein Kind mehr. Man muß deutlich mit ihr reden. Man kann mit ihr reden. Vielleicht wird es einem dabei selbst em bißchen klarer und Heller im Kopf.

Sie setzt sich etwas auf und löscht ihre Zigarette aus, obwohl sie nur zur Hälfte geraucht ist.Wenn es nun Ihr Vater wäre, der für mich hier so eine besondere Anziehungskraft hätte?"

Die Akkorde verstummen. Monikas Finger trom­meln ein paar harte Tonleitern herauf und her­unter.Dachten Sie, ich wüßte nicht, daß es mein Vater ist?"

Dann wußten Sie mehr als ich. Ich weiß es erst seit ganz kurzer Zeit."

Monika lacht leise, ein wenig spöttisch auf.Wenn Sie auch chn in Aufruhr versetzt haben, was tun Sie dann?"

Wieso, wie meinen Sie das? Wen habe ick denn hier in Aufruhr versetzt?"

Die Tonleitern wandeln sich wieder in Akkorde. Oh, so ziemlich alle. Lenzsch zum Beispiel, der seine alte Liebe zu Ihnen entdeckt hat. Tante Martha, die Sie mit Lenzsch verkuppeln wollte und dabei plötzlich bemerkte, daß auch ihre eigene Nichte ein gewisses Interesse an diesem Herrn ge­nommen hatte. Und dann auch mich, die ich immer­hin die ersten amei Tage ziemlich gekränkt war, weil doch Lenzsch schließlich bisher... Aber na, das war ja nur gut so. Dafür muß ich Ihnen heute beinahe dankbar sein."

Marga ist es siedend heiß geworden.Ja, um Gottes willen", stottert sie verlegen,Sie tun ja gerade, als ob ich, als ob ich..

Monika hebt höflich die rechte Hand.Darf ich mal ausreden, ja? Ich sagte eben, dafür, daß Sie mir sozusagen über diese kindliche Liebelei mit Lenzsch hinweggeh offen haben, muß ich Ihnen nach­träglich nur dankbar fein. Ich bin es auch. Sie werden wohl selber gemerkt haben, daß ich mich heftig bemühe, nett zu Ihnen zu sein. Das heißt, ich muß mich gar nicht so heftig bemühen; Sie ge­fallen mir jetzt nämlich wirklich sehr gut. Aber

Ihre sonderbaren Aktionen in Eigelstein scheinen noch nicht beendigt zu sein. Neuerdings rft es Papa, der dran glauben muß. Ich kann y^nen nur ver­raten: Daß Tante Martha heute gar so aufgeregt getan hat, hängt damit zusammen!"

Sie macht eine Pause und lauscht ins andere Zimmer hinüber.War da nicht eben jemand?"

Auch Marga hebt flüchtig den Kopf.Ja, mir war's auch so. Aber wer soll es schon sein? Viel­leicht poltert Ihre Tante in dem Zimmer obendrüber herum."

Aber mir war doch, als wäre die Tür gegangen. Na, also wenn schon. Ja, was ich also sagen wollte: Tante Martha war so ganz besonders aufgeregt, weil im tiefsten Untergrund ihrer Seele plötzlich ein Verdacht und eine Angst wach geworden sind. Die Angst nämlich, daß Sie daß Sie sie hier ver­treiben könnten. Sie will sich diese Angst zwar vor sich selber noch nicht zugeben, aber sie ist da, und Der Krach heute früh war nur das Ventil dafür."

Aber ich bitte Sie, wieso sollte ich denn Tante Martha vertreiben? Inwiefern denn? Ich habe ihr doch nie etwas getan. Wir sind die besten Freunde."

Vorläufig", nickt Monika ttocken.Aber glauben Sie vielleicht, das bliebe so, wenn Sie... na, sagen wir mal, ernsthafte Beziehungen zu Papa aus­nehmen würden? Wenn die Möglichkeit näher- rücken würde, daß Sie Papas Frau würden?"

Aber, Monika! Wie kommen Sie daraus!"

Monika lächelt altflug.Wenn Männer in Papas Alter, die nicht mehr allzuviel Zeit zu versäumen haben, sich verlieben und Papa hat sich in Sie verliebt dann haben sie's mit dem Heiraten meistens sehr eilig. Und da Sie sowieso eine helle Begeisterung für Eigelstein an den Tag legen..."

Marga steht langsam, beinahe schwerfällig von ihrem Stuhl auf und geht zu Monika hin. Sie lehnt sich gegen den Flügel und schaut mit einem ganz merkwürdigen Ausdruck auf Monika hinunter. Sie sind ein eigenartiges Mädchen, Monika. Was andere Leute unter den allergrößten Hemmungen in ihren tiefsten Gehirnwinkeln höchstens zu denken wagen, bas sprechen Sie aus, als handele es sich um den Ankauf von ein paar Blumentöpfen. Gut, ick) gebe zu, daß mir Ihr Vater durchaus nicht gleichgültig ist. Ich gebe auch zu, daß Ihr Vater eine besondere Sympathie für mich hat, und daß also vielleicht Erwägungen der Art, wie Sie sie aussprechen, beiderseits vorhanden sind. Aber..."

Sie geht um den Flügel herum, streift einmal rund ums Zimmer und lehnt sich dann gegen die Fensterbank, so daß ihr Gesicht wieder völlig im

Schatten ist. Ihre Stimme klingt auf einmal ganz anders, viel tiefer als sonst und in einer Weise, daß Monika nicht wagt, die andere anzuschquen.

Nein", sagt Marga mit einer wegwischenden Handbewegung durch die Luft,nein, ich will Sie lieber nicht mit all den Gedanken belasten und mit all den Erwägungen' und Sorgen und Vernunft- gründen, mit denen ein Mensch meiner Art und meines Alters an so eine sehr heikle Geschichte wie diese herangeht. Es hat keinen Zweck. Diese feinsten, schwebenden, von tausend nie ganz zu definierenden Gefühlsnuancen abhängenden Dinge muß jeder mit sich selbst abmachen, gleich, ob sich nachher die an­deren über das Resultat den Kopf zerbrechen und nicht begreifen, warum man so und nicht anders gehandelt hat. Es gibt nämlich Handlungen, Monika, die nach außen hin oftmals einen viel schlechteren und unverständlicheren Eindruck machen, als sie es ihrer inneren Entstehung nach sind! Aber wie gesagt, genug davon. Nur eins ist zwischen uns beiden wichttg. Gesetzt den Fall, ich könnte mich vor mir aus dazu entschließen, an der Seite Ihres Vaters hier in Eigelstein ein neues Leben anzu­fangen glauben Sie nicht, daß ich es als meine Pflicht bettachtete, auch an Sie zu denken und an Ihre Tante, ehe ich diesen Entschluß Ihrem Vater mitteilte? Wir wollen doch mal ganz vernünftig von Frau zu Frau reden, Monika. Wenn ich Sbren Dater heiratete, so wäre es zwar keine ganz platte Vernunftheirat, aber auch keine dringende Liebes­heirat, bei der man einfach über alle Hindernisse roegftürmt. Sondern es wäre ein Mittelding zwi­schen beiden, und es bliebe dabei genug Vernunft in einem, auch an die anderen Beteiligten zu den­ken, in diesem Falle also an Sie und Ihre Tante. Ich würde also, ehe ich Ihrem Vater mein Jawort gäbe, mit Ihnen reden."

Eine lange Pause entsteht. Monika sitzt völlig zusammengesunken. Im Nebenzimmer knarrt leise die Diele.

Soll das heißen", fragt Monika schließlich mit kaum noch hörbarer Stimme,daß Sie in diesem Augenblick mit mir darüber geredet haben?"

Marga macht eine kurze, verblüffte 'Bewegung mit dem Oberkörper. Dann atmet sie tief auf. Nein, Monika. Nein. Aber immerhin ist es mir interessant, zu wissen, wie sehr Sie die unterirdischen Strömungen in Ihrem Kreise verfolgen. Und ich darf wohl aus der Art, wie Sie sie fast ängstlich verfolgen, entnehmen, daß Sie mich lieber in Buxte­hude als in der gefahrdrohenden Nähe Ihres Vaters sähen."

(Fortsetzung folgt.)