Nr. 128 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Freitag. 3. Zum 1958
Einsame Fahrt in die Wildnis des „Hie wieder".
Mit dem Kraftwagen in das „tote Herz" Australiens.
33on Heinrich Hauser.
»Fahre solange du kannst, halle nur, wenn hu unbedingt mußt — und auf gar keinen tfau laß oid) von Sorgen unterkriegen." m . Australisches Sprichwort.
Em Vorstoß in das „tote Herz Australiens" ist für den Neuling ein beängstigendes Erlebnis. Es liegt em furchtbares Schweigen über einer Landschaft, die irgendwo auf einem erloschenen Stern liegen könnte, aber kaum auf der bewohnten Erde. In der Stille klingt das Motorenaeräusch so unnatürlich laut, es dröhnt in den Ohren. Aber dies Pochen des Maschinenherzens ist Trost und Gesellschaft in dieser Einsamkeit, die wie ein eiserner Reifen das Herz umschnürt, wenn man ihr zum erstenmal begegnet.
lieber dem blinkenden Kühler zittert die heiße Lust, im Winkel zwischen Kotflügel und Motorhaube wölben sich die dicken Rollen der Kokosmatten, die man als Fahrbahn in tiefem Sand benutzt: hinten im Wagen tanzen klappernd die Blechkanister mit hundert Liter Reservebenzin und sechzig Liter Reservewasser. Das ist die unbedingt notwendige Ausrüstung. Man nimmt soviel Benzin mit, wie man kann, denn im Innern steigen die Betriebsstoffpreise/ unheimlich an bis zu fünf Schilling für den Liter. Man muß an Wasser immer eine Reserve für eine Woche haben und muß an Trinkwasser-Verbrauch für den Mann täglich vier Liter rechnen — so groß ist der Wasserbedarf des Körpers durch die ftändiae starke Ausschwitzung. Außer den Wasserblechkästen, die verlötet sind, führt der Wagen noch mehrere Leinwandwassersäcke «n Bord für den Kühler, den man ein halbes dutzendmal am Taa nachfüllen muß. Die Säcke hängen unterm Verdeck, im Schatten; würde man sie in der Sonne hängen lassen, sie wären in ein bis zwei Tagen leer. Startpunkt war Port Augusta, ein kümmerlicher kleiner Mllblechhafen im innersten Zipfel des Spencer-Golfs, das Ziel ist Alice- Springs, die „Hauptstadt" von Zentral-Australien.
Wir haben die Bahnlinie überquert, die Port Augusta mit Adelaide verbindet, wir sind noch auf gebahnten Wegen an den Flinders-Bergen entlang gefahren und haben den Eyre-See gesehen.
Die beste Beschreibung dieses Sees, der mit fünfzehntausend Quadratkilometer Fläche so groß ist wie ganz Baden, hat der Forscher Warburton gegeben: „Es war kein einziger Tropfen Wasser
büchse stimmt nicht — er hat beides nicht immer zur Hand; er wird stattdessen ein Stück rohe Kuhhaut nehmen. Mit rot)er Kuhhaut umwickelt man zerbrochene Federn. Rohe Kuhhaut ersetzt zerrissene Hardy-Scheiben. Rohe Kuhhaut ersetzt den Ventt- lator-Riemen und eventuell Kupplungsscheiben und Bremsbelag. Mit roher Kuhhaut ist dem Australier kein Ding unmöglich.
Begegnen sich im Busch zwei Autos, so wird unbedingt Halt gemacht, und die Fahrer tauschen ihre Streckenerfahrung aus. Rohe Karten werden dabei mit den Fingern in den roten Sand gemalt: „Wie weit ist's bis zum nächsten Weidegut?"
„150 Meilen."
„Wasser?"
,Kein Wasser. Du fährst erst zwanzig Meilen Spur bis zum ausgetrockneten Wasserloch. Dann vierzig Meilen Kompaß nordwest, bis du zwei weiße Bäume siehst. Von da ab sechzig Meilen genau Nord bis zum ausgetrockneten Flußbett, dem folgst du dann."
Nach den Reifenspuren kann man sich nicht immer richten, selbst nicht in Gegenden, wo es welche gibt; die Sandstürme verwehen oft alle Spuren. Wenn man die Spur verloren hat, läßt man erst mal den Wagen stehen und sucht zu Fuß, ob man sie wiederfind et. Die Kokosmatten sind hauptsächlich für die Durchquerung der sandgefüllten trockenen Flußbetten da. Meist genüat es, wenn man sie vom festen Ufer auslegt, hat der Wagen etwas Schwung, so kommt er schon durch. Nur wo regelmäßig Karawanen ziehen, sind die Flußbetten mit abgehauenem Gestrüpp etwas befestigt.
Die Spuren spielen Versteck mit dem Buschwerk, in dem flimmernden Sand schleudern die Räder; oft sitzt man fest und muß ausgraben. Manchmal sind hundert Kilometer schon eine gute Tagesleistung. Selbst in den trostlosen Einöden wird man manchmal einem „Sundowner“ begegnen, einem wandernden Gelegenhellsarbeiter, die auf phantastische Art von Weidegut zu Weidegut sich durchschlagen. Sundowner nennt man sie, weil sie meist zur Abendbrotzell, bei Sonnenuntergang, auf der Station auftauchen, und weil der erste Whisky des Tages gewöhnlich zu Sonnenuntergang getrunken wird. Diese Menschen sind erstaunlich abgehärtet gegen Strapazen, Hunger und Durst. Bietet der
Autofahrer einem Sundowner einen Trunk Wasser an, so kann es geschehen, daß der antwortet: „Nein, danke schön, ich habe ja erst gestern was zu trinken gehabt." Seine blaue Decke und ein verbeulter Teekessel sind fein einziges Hab und Gut, nicht selten wird er in dem Teekessel einen jungen Hund bei sich tragen, der koch zu schwach ist, mitzulaufen. Die Liebe so zu einem kleinen Tier ist oft die einzige, die im Herzen solcher Menschen geblieben ist.
Hat man am Abend das Glück, ein Weidegut zu erreichen, bann bekommt man fast immer Erlaubnis, (einen Schlafsack auf der Veranda aufzuschla- gen. Oft wird man auch zum Essen eingeladen, aber Gastbetten gibt es selten. Immer willkommen wird man sein, wenn man Briefe ober Pakete mitbringt ober mitnehmen kann. Manchmal taucht aus ber Leere ber Wüste ein (Eingeborener auf, überreicht stumm einen abressierten Brief unb ver- schwinbet fifr zauberhaft, wie er gekommen ist. Die Mahlzeiten nimmt man unterwegs vor Tagesanbruch ein ober abenbs nach Dunkelwerben. Tagsüber zu essen ist fast unmöglich: Mit jebem Bisien bekommt man bann auch ein Dutzenb Fliegen in ben Mund. Eine Hanb muß überhaupt ftänbig als Fliegenwebel bienen, sonst verwandelt sich eine Tasse Tee im Augenblick in Fleischextrakt. Nichts geht mehr auf die Nerven als diese Plage. „Tea - Oh!“ Das- ist ber Morgenweckruf auf bem Weide- gut. Der Australier trinkt seinen Tee schwarz, so stark, baß beinahe ber Löffel barin steht unb er trinkt ihn zu allen Tages- und Nachtzeiten. Keine Mahlzeit ohne Tee; auf ben Kopf ber Bevölkerung hat Australien ben breisachen Teeverbrauch wie England ober China. Im übrigen ist bie Buschküche einfach genug. Ihr klassisches Gericht ist ber „Dampfer"; Mehlklumpen in kochendes Wasser geworfen, unter glücklichen Umständen mit Speck gespickt. Das Festmahl ist ber wilde Truthahn, den man in einen nassen Lappen wickelt unb in einem Erbloch in heißer Asche braten läßt. Obenauf kommt bann bas Brot aus Mehlflaben mit Backpulver.
Vor jeber Tagesstrecke muß man bie Namen der Orte memorieren — wenn solche überhaupt vorhanden sind. Das ist nicht immer ganz leicht, wenn man sich solche Beispiele vor Augen hält: Oodna- datta, Cadibarrwirracanna und GiddAiddina und Carringgallanna.
Im Mittelpunkt Australiens liegt ein Tafelberg, er heißt Mount Stuart. Als der Mann, der ihn entdeckte, in die Zivilisation zurückkehrte, wurde er auf einer Bahre getragen — erblindet. Die Wildnis des „Nie wieder" hat Hunderte, Taufende von Opfern gefordert, einsame Habenichtse von Vagabunden ebensogut wie mit allen Hilfsmitteln ausgerüstete Expeditionen.
Wie sieht es in der Wirtschaft ans?
darin, vor uns lag nur eine tote, ebene Fläche von reinem, weißem Salz, scharf abgehoben gegen bas Abendrot im Westen, den dämmernden, stahlblauen Himmel im Osten und die purpurnen Ufer. Völliges Schweigen herrschte, keine Vogelstimme war zu hören, es gab kein Zeichen von tierischem Leben. Wenn ber ermattete Wanderer auf ber Suche nach Wasser unerwartet auf biefe Ufer stieße, er würbe sich mit Schaubern abwenden vor einem Anblick, ber jede Hoffnung sinken läßt. Er könnte sein Haupt in einen Sand Hügel stecken unb mit Ergebenheit ben Tod erwarten — aber ben Fuß aus biesen See zu setzen, würde heißen: sich von allem menschlichen Schicksal lösen. Ich hatte einen lustigen Begleiter, ein gutes Pferd, auch etwas Tee unb Mehl, inbes, ich fühlte mich erschauern und wußte kaum, was ich vor mir sah, ob Erbe, Wasser ober Himmel —" Was wirb geschehen, wenn man hier, hunbert Meilen vorn nächsten Wasser, eine Panne hat? Vielleicht kommt in vierzehn Tagen bas Postauto an biefer Stelle vorbei — vielleicht. Sie zehren an ben Nerven unb an ber seelischen Widerstanbs- fraft: bas reglose graue Gestrüpp, die glitzernben Flächen bes Bodens, der zitternd heiße Dunst, der die Augen quält, das tödliche Schweigen.
Man sagt, daß der wahre australische Hinterwäldler jedes kaputte Auto mit einem Stück Draht und einer Konservenbüchse wieder fahrbar machen kann, aber bas mit dem Draht unb ber Konserven-
V. A. Seit die Vitaminforschung insbesondere D b ft unb Gemüse als Träger ber hochwertigen Aufbaustoffe erkannt hat, ist bei den Erzeugnissen des Gartenbaues eine zum Teil überraschende Konsumausweitung erfolgt. Heute gehören Gemüse unb Obst zu ben wichtigsten Welthanbels- artikeln. Im Jahre 1935 z. B. nahmen sie im Welthandel mit einem Umsatz von 976 Millionen Mark hinter ber Steinkohle bie zweite Stelle ein. Tatsächlich erreichte ber Welthandelsumsatz an Obst und Gemüsen eine höhere Wertziffer als Weizen oder Fleisch. Deutschland ist dabei eines der Hauptverbrauchsge biete gartenbaulicher Erzeugnisse, wobei allerdings auch wieder erst in den letzten Jahrzehnten ber Verbrauch sich entschieden ausweitete. Die Einfuhrmenge an Gemüse stieg vom Jahre 1891 mit 52 000 Tonnen bis zum Jahre 1929 auf 520 000 Tonnen. Während ber gleichen Zeit vergrößerte sich bie Einfuhr von Obst von 158 000 Tonnen auf 456 000 Tonnen, bie Einfuhr an Südfrüchten von 57 000 Tonnen auf rund 500 000 Tonnen. Die Bedeutung bes beutschen Gartenbaues für bie fteigenbe Bereitstellung von Obst und Gemüse aus eigenen Mitteln wird aus diesen Zahlen- eindeutig ersichtlich.
Am 21. Dezember 1844 eröffneten 28 arme englische Weber in der Krötengasse in Rochedale mit 560 ersparten Mark einen kleinen Laden, um gemeinschaftlich Waren des täglichen Bedarfs zu beziehen. Die. „redlichen Pioniere von Rochedale" wollten mit dieser Konsumgenossenschaft eine „neue moralische Welt" aufbauen. .Die Konsumgenossenschaftsbewegung gewann im Zeitalter bes Liberalismus gewaltigen Umfang, auch in Deutschland entstanden diese Genossenschaften. Sogar bie Beamtenschaft schloß sich in Beamtengenossenschaften zusammen, Reichswirtschaftsminister Funk kündigte auf der Tagung des deutschen Handels an, daß die Deutsche Großeinkaufsgefell- schast und damit die einzelnen Verbrauchergenossenschaften liquidiert würden, weil sie als kollektive Großbetriebe von Verbrauchern nicht der natio- nalsozialisttschen Wirtschaftsführung entsprechen. Der Handel bietet ber persönlichen Initiative bes Kaufmanns bie Möglichkeit, zwischen Erzeugung unb Verbrauch unter eigenem Risiko bie Brücke zu schlagen. Der beistsche Handel erfüllt reibungslos bie Funktionen, die seinen Trägern, einem selbständigen, fachmännischen unb sehr lebendigen Teil ber Nation, zukommen, gerade im Zeitalter bes
Die Geschichte vomWiderhall.
<Zin Paradiesmärchen von M x Mell.
Adam vergnügte sich, von einer Felswand im Garten bes Paradieses ben Klang seiner Stimme zurückzuerhalten. Er hatte bie Eigenschaft dieser Wand entdeckt, da er mit lauten Subelrufen, wie er allmorgendlich ben Tag anhub, ben ©arten durchwanderte. Er hatte zuerst gemeint daß ein Wesen seinesgleichen seinen Ruf erwiderte, unb er hatte die Wand und bas Gehölz der Umgebuna dann bie anschließende Berghöhe nach diesem Wesen bas bort verstummt war, ab gesucht. Da war er wohl innegeworden, baß er es erzeugt hatte, was ryn an bem Klang erfreute, unb daß dies am lenen Ort gebunden war; und war s zuletzt zufrieden.
Der Böse hatte Adams Treiben belauert, wie er es immer tat, und wunderte sich nicht wenig über den Schall, ber von jener Wand kam. Daß Adam es aufgab, nach bem Wesen zu forschen, schrieb er feiner Unbeholfenheit zu; allein, ob er auch zu Füßen ber Felswand entlang stolperte, die Krone des Absturzes erstteg unb jede Falte bes Berges untersuchte, bas Geschöpf, bas ben Ruf zuruck- aeaeben hatte, mit bem es Adam angerufen, unb von dessen Erschaffung ber Böse zu feinem Der- flin» Kenntnis hatte, blieb ihm verborgen, ß? wmutetf d-ch -ng-lähnlich-r Beschaffenheit wär”‘™6 um |o mehr bedrängte chn da- B° >
s •; “Ää »:l".S &#■ X'SÄä’ÄttÄ™-« „erwehrt. Er meckerte wie em Ziegenbock, uno zu
die B-Ichaffenheit jenes W-s-n- genug ZU wjj n.
(Fr nahte sich bem Herrn unb sprach. ,,^>ag mir, ifMas -ig-ntttch in deinem Schöpfung-p an. M es ein Wesen gibt, m-lche- genau fo spricht nne ich
„§as ist nicht in meinem Schöpfungsplan , er- “tVNöfeÄiö verzerrte sich in Vergnügen. -?> ift hir boch vielleicht etwas mißlungen , L° -r. „Denn Ä chbt eL doch ein Wesen, dass spricht wie ich spreche.
„Bringe es mir her", antwortete, ber Herr.
Der Böse meinte etwas verdrossen, bas könnte er freilich nicht, er müßte ben Herrn schon bitten, mit ihm in ben Garten zu kommen, in bem alle Geschöpfe ihren Aufenthalt hatten. Da ging ber Herr beim mit ihm.
„Da brin steckt es", sagte ber Böse, als sie an gelangt waren, „unb spricht wie ich will. Höre nur!" unb er ließ bie Stimme bes Ziegenbockes ertönen und bann bie bes Tigers unb' bie bes Geiers, unb bas Wesen gehorchte seinem Ruf unb sprach, wie er wollte.
Der Herr nickte unb sagte lächelnb: „Du riefst es aber nicht mit beiner eigenen Stimme an."
„Darf ich? Darf ich?" rief ber Bose, sah ben Herrn unterwürfig an unb stotterte beinahe vor Eifer. Der Herr gewährte es.
Der Böse sah sich geschmeichelt unb voll Erregung um, als wollte er ben ganzen Garten ein- laben, nur ja aufzumerken, ba seine Stimme ertönte.
„Was soll ich also rufen? Was soll ich rufen?" erwog er in Ungeduld.
„Es braucht keine lange Ueberlegung", entgegnete der Herr. „Es reicht aus, was dir grat) durch ben Kopf geht."
Da rief ber Bose: „Neid!"
Vom Fels zurück erklang es: „Leid!
Der Böse runzelte bie Stirne und sah ben Herrn unsicher an. Dann rief er: „Haß!"
Leise klang es zurück: .Laß!"
Der Böse ballte bie Faust unb drohte bem unsichtbaren widerspenstigen Ding. Er rief: „Not!"
„Brot!" klang es zurück
Der Böse kämpfte auf. Es mußte boch an ihm liegen! Er wechselte bie Stimmlage unb rief schnell: „Elend!" .
„Heiland!" tönte es zurück.
Heber dieses Wort erbebte ber Bose tm Innersten und ber Schweiß brach ihm aus. Er wischte mit ber Hanb über die Stirn. „Es geht heute nicht", gestand er keuchenb ein. „Es kommt nicht bas heraus, was ich will. Es ist auf einmal voller Tucke. Aber ich wähle vielleicht bie, Worte schlecht. Sag bu eines, das ich rufen soll."
„Ich fürchte, ich weiß keines, das dir zusagt", antwortete der Herr. . , .
Da bist bu wieder zu bescheiden , meinte der Böse Ober soll ich glauben, daß bir nichts Ordent- liches 'einfällt? Sprich boch bu jetzt, was bir grab durch ben Kopf geht!"
Der Herr sagte: „Leben!
Da ging ein Unbeschreibliches durch ben ganzen Raum. Das Himmelszelt über ihm leuchtete wie
mit tausend Regenbogen beladen; ein seliger Donnerton machte bas ganze Felsgefüge sanft erbeben, unb bie fernen Staubbäche stürzten, als wären sie plötzlich reicher geworben, mit Überschwang zu Tal; bie Bäume rauschten auf, ihre Blätter küßten einander, eine bunte Vogelschar stürmte jubelnd von schatttgen Räumen in helle Räume; wonnevoll fühlten Dinge unb Wefen in sich bas volle Regen ihrer Kräfte, inbem sie sich zu ihrer eigenen Gestalt feurig zu vollenden „ vermochten; und so strebten sie mit ber Aufwallung höchsten Glückes, die geahnte Nähe des Schöpfers zu erwidern.
Der Böse hatte, als er jenes Wort hörte, ben Herrn erst noch ergrimmt angesehen; denn er wußte, baß er es über seine Lippen nicht brächte. Dann aber brückte ihm bas, was um ihn vorging, so sehr gegen bie Brust, daß er zu ersticken meinte unb nach Atem rang unb hinausgedrängt war von ber gewaltig lobsingenden Einheit ber Wesen, ehe er noch wußte, wie ihm geschah.
Aufschriften, die's in sich haben.
In einer Stabt in Pommern bin ich gewesen unb habe bort zwei Aufschriften entbecft, bie mich zuerst belustigten unb bann recht nachbenklich machten.
Da war also ber Friebhof. An ihm vorüber lief eine kleine Straße mit etwas kläglichen Häusern. Es wat, als seien bie Häuser burch bie unmittelbare Nachbarschaft bes Friebhofes in gelindem Schrecken erstarrt und etwas tiefsinnig geworden.
Nur ein Haus hatte sich scheinbar bewußt und auftrumpfenb einen anberen Charakter angeeignet. Eine kleine Schenkstube. Unb groß, gerabezu auf» bringlich, steht auf ber Stirn biefes Hauses: „Bei mir ist es besser als gegenüber!"
' Unb dieses Haus sagt bas mit solcher Zuversicht, baß viele, bie gegenüber hinter einem Sarge gingen unb nun auf bem Heimweg finb, kurzerhanb in bie Schenkstube gehen.
„Fünf Schneiber machen einen Mann!" So steht's an einem anberen Hause. — Steigt ba nicht so etwas wie ein Abenteuer auf unb nimmt ben Beschauer in bie Mitte! Gewiß, hinter biefer Aufschrift sitzt ein heißgeglühtes Leben. Einer malte bas an sein Haus, ber sein Auge auch vor dem Teufel nicht zugekniffen hat. Das war um bie Mitte bes vorigen Jahrhunderts. Da trat ein vierzehnjähriger Junge in bie Werkstatt bes ersten Schnei- bers biefer Stabt. Der Bengel sah hungrig und ab- geriffen aus. Er bat um ein Almosen. Fünf Gesellen saßen da hen m. Das Aussehen bes Jungen unb fein demütiges Bitten brannte sich in ihre
Vierjahresplanes, ber alle fortschreitenben Kräfte zusammenfaßt. Die Steigerung der Handelsumsätze von 1932 bis 1937 um fast das Doppelte beweist, baß ber Handel seinen Weg geht. Die Ankündigung bes Ministers über bie Lockerung ber Devisenbestimmungen im Außenhanbel zur Erleichterung ber Geschäfte zeigt, welches Vertrauen ber national« sozialistische Staat seiner Kaufmannschaft entgegenbringt.
Die Belebung ber inbuftriellen A r - beit, bie früher unb stärker als im Frühjahr 1937 Lttrgesetzt hatte, hielt im April mit unverminderter Kraft an. Nach ber Jnbustrieberichterstattung des Statistischen Reichsamtes ist bie Zahl ber beschäftigten Arbeiter von 112,0 (1936 = 100) im März auf 113,7 im April gestiegen. Noch kräftiger, nämlich von 114,7 auf 118,4, hat sich bas industrielle A r b e i t s v o l u m e n, d. h. die Summe ber geleisteten Arbeitsstunben gehoben. Die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit hat sich von 7,73 auf 7,85 erhöht. Die Zahl der in ber Industrie beschäftigten Arbeiter betrug im April 7,234 Millionen (März 7,124). Sie liegt um 354 000 über April 1937 unb hat ben Höchststand bes vergangenen Jahres um 70 000 überschritten. Das industrielle Arbeitsvolumen beträgt im April 1,363 Milliarben Arbeiterstunden gegen 1,323 im März 1938 unb 1,291 Milliarden im April 1937 und liegt bereits um 9 Millionen Arbeiterstunden über bem Höchst- stanb bes Vorjahres.
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Die Umsätze ber 472 Einzelgenossenschaften, die bem Ebeka-Verbanb beutfdjer kaufmännischer Genossenschaften angehören, haben sich 1936 von 330 Mill. RM. auf 350 Mill. RM. in 1937 erhöht. Währenb am Enbe bes Jahres 1929 noch etwa 130 Genossenschaften Verluste in ihren Bilanzen aufwiesen, ist bie Zahl biefer Genossenschaften Enbe 1937 auf 30 gefallen. Der zentral erfaßte Umsatz erhöhte sich auf 196 (177,5) RM. Die Ebeka-Bank, bas eigene Gelbinstitut ber Edeka- Organisation, hat ihren Umsatz von 1,43 auf 1,55 Milliarben Reichsmark gesteigert. Die Liquidität ist weiter günstig, unb die Dividende wirb roieber in Höhe von 5 v. H. ausgeschüttet.
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Deutschlands größter Versicherungskonzern, die Gruppe Alliance Stuttgarter hat mieber ein erfolgreiches Jahr hinter sich. .,Sie Prömien- cmnahmen (netto) im ganzen Konzern stiegen auf 109 Millionen gegen 101,3 im letzten Geschäftsjahr. Die Schüben, ebenfalls netto, beliefen sich auf 55,2 gegen 51,1 Millionen, aber ber sogenannte technische Gewinn, d. h. die Ueberschüsse ohne Berücksichtigung ber Erträge aus Kapitalanlagen sank dabei von 5,6 auf 3,0 Millionen. Durch ben ganzen Geschäftsbericht ziehen sich Mitteilungen über steigende Schäden, zum Teil aber auch über Prämiensätze, die als nicht ausreichend bezeichnet werden können. Aber im ganzen ist der Eindruck sehr günstig: Wenn man berücksichtigt, daß in ber Lebensversicherung ber Dersicherungsbestand von 3,9 auf über 4,2 Milliarben Mark gestiegen ist, daß bie gesamten Vermögensanlagen ber Lebensversicherung eine Erhöhung von 920 Millionen auf 1,03 Milliarben Mark erfahren haben, wenn man schließlich hinzunimmt, baß bie Aktionäre bei ben beiden wichtigsten Gesellschaften je 8 v. H. Dividende erhalten, so zeigt das die Gesundheit unb bie weiteren Fortschritte bes größten beutschen Versicherungskonzernes.
Die Reichsverkehrsgruppe Hilfsgewerbe bes Verkehrs (Spitzenorganisation der deutschen Reisebüros) veröffentlichte in diesen Tagen erstmalig eine umfassende Statistik der hauptberuflichen Reisemittler über die Veranstaltung und Vermittlung'von Reisen und Fahrausweisen, über die Auskunftserteilung unb die Ausgaben für Werbung in ben Jahren 1936/37. Die nach dieser Statistik erfaßten Reisebüros haben im Jahre 1937 fast 70 000 Reisen, und zwar Gesellschafts- und Pauschalreisen, Ausflugs- und Sonderfahrten im Inland durchgeführt und rund 8000 derartige Reifep ins
Herzen. Sie wurden so gerührt, daß sie augenblicklich eine kleine Sammlung unter sich veranstalteten. (Ein harter Taler unb einige Groschen kamen ba zusammen.
Mit biefem winzigen Kapital fuhr der Junge nach Hamburg, schmuggelte sich auf ein Schiff, wurde auf offener See ertappt. Der Kapitän hatte Mitleid mit ihm, gab ihm Arbeit und fand zuletzt Gefallen an dem Jungen. In Indien ging er an Land. Mit einer Empfehlung des Kapitäns kam er zu einer Farmerfamilie, arbeitete' bort einige Jahre, bis er fo viel hatte, baß er sich selbst an sieb An konnte.
Ein Traum von Macht hatte ihn ergriffen. Durch eisernen Fleiß unb durch Geschicklichkeit wurde cr hochgeachtet unb ein reicher Mann. Als er bie Sechzig überschritten hatte, verkaufte er seine Farm, setzte sich auf ein Schiff, unb eines Tages war er ' roieber ba, wieder bort, wo er einst, arm unb hungrig, ausgezogen war. Unb nun fuhr er in einer Kutsche, ließ sich ein herrliches Haus bauen. Niemals verleugnete er feine Abkunft, immer wieder erzählte er, baß er feiner Mutter, ber armen Wäscherin, davongelaufen fei unb von fünf Schneibergefellen auf feine große, erfolgreiche Laufbahn gebracht worden war.
Unb bamit es ja jeber wissen sollte, ließ er's an sein Haus schreiben. Da steht's, auf hellem Marmor, in Goldbuchstaben: „Fünf Schneider machen einen Mann!" Uebrigens hat er dieses Haus, nach seinem Tode, ber Schneiberinnung vermacht.
Max Jungnickel.
Zeitschriften.
— „Sie W i r t sch a f t s ku r v e", Heft 1, Jahrgang 1938. Preis pro Heft 2,70 Mark. Jahrgang (4 Hefte) 8,80 Mark. Societäts-Verlag Frankfurt am Main. Der einleitenbe Aufsatz von Erich Welter zeigt, baß es für bie deutsche Wirtschaft keineswegs gleichgültig ist, ob ber Rückschlag in ber Welt, ber sich im Frühjahr unb Herbst vorigen Jahres in heftigen Kurszusammenbrüchen angefünbigt hatte, nur vorübergehender Natur ist oder nicht. Ein ausführlicher Aufsatz von Dr. Hans Jlau besaßt sich mit ber Vorgeschichte unb ben SIrbeitsbebingungen ber „Reichswerke AG. Hermann Göring", bes neuen großen Eisenwerkes, am Ort des wichtigsten deutschen Erzvorkommens, im Salzgittergebiet. Ebenfalls ein Dierjahresplanthema ist ber Walfang, über bessen Entwicklung und Aussichten ein Fachmann, Dr. Ebmund Winterhoff, ein geschlossenes Bild vermittelt. Aus bem vielseitigen Inhalt bes Heftes konnten hier nur wenige Aufsätze herausgehoben werben.


