Ausgabe 
3.5.1938
 
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Miliz die Absperrung übernommen. Der 300 Meter lange Bahnsteig und die 150 Meter lange, im Stil des neuen Italiens von Professor Nar- dncci errichtete Halle dürfen nicht mehr betreten werden. Es ist schade, daß dieser Prachtbau, der nach der Weltausstellung 1941 durch einen festen Bau ersetzt werden soll, nur' ein Provisorium ist. Er ist aus einem neuen italienischen Werkstoff er­richtet, der täuschend dem Travertiner Stein ähnlich sieht. Aus dem gleichen Material sind im übrigen auch die Triumphbögen und die großen Fahnen­blöcke in der Stadt hergestellt worden. Die Bahn­hofshalle besteht aus 32 gewaltigen quadra­tischen Säulen mit zwei Seitenschiffen, der Boden ist mit roten Keramikplatten und einem dicken Velour­teppich in dunklem Weinrot belegt. Am Ostende, wo der Führer die Halle vom Bahnsteig betreten wird, ist ein Kolossalgemälde Rufas in etwa 15 Meter Höhe angebracht, das das junge Deutschland, versinnbildlicht durch drei ideale Frauengestalten, zeigt; auf dem gegenüber­liegenden Ende verkörpern ebenfalls drei Frauen­gestatten das junge Italien. Beim Betreten der Halle fällt der Blick sogleich auf eine über­

lebensgroße Plasttk der Göttin Roma von Pedrones. Vor der Ausgangshalle sind zwei Kolossalfiguren in rotem Marmor von Rossi aufgebaut, die den Vormarsch des Faschismus und des Nationalsozialismus versinnbildlichen. < '

Der Bahnhofsvorplatz selbst, der größer als der Petersplatz ist, ist ringsum mit gewaltigen Fahnenblöcken besetzt, von denen die Banner Deutschlands, Italiens, des Faschismus mit dem Liktorenbündel und die Fahne des alten und neuen Rom in gelb und dunkellila wehen. Ueberwälttgend ist die Ausschmückung der Via Aventtno zwischen dem Großen und Kleinen Aventin. Hier sind gewaltige Boskettwände errichtet, in deren Nischen riesige Leuchtbrunnen sprühen. Gewaltige Feuerschalen auf hohen Pylonen, pattnafarbene Kandelaber mit unzähligen Lichtquellen und Fah­nen, immer wieder Fahnen, dazu Lorbeer- und Tannenschmuck, frisches Grün und Blumen in ver­schwenderischer Fülle. Von der Via Aventtno an ziehen sich die großen Tribünen die ganzen Sttaßen entlang, die der Führer kommen wird. Im Kolosseum werden ihn die Deutschem Italiens erwarten.

Die deutsche Kolonie in Italien

Don unserer Sonderberichterstatierin

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Rom, Mai 1938.

An einem der kurzen Tage, die der Führer in Rom weilen wird, hofft die deutsche Kolonie Ita­liens ihn für eine Stunde in ihrer Mitte zu sehen. Der Rahmen für dieses bedeutsame Ereignis könnte nicht großartiger sein: in der Konstantins- basilita am Forum Romanum, deren mächtige antike.Tonnengewölbe sich auf die grün­umsponnene Ruinenwelt des-Forums und des pa- latinischen Hügels öffnen, werden sich gegen 4 0 0 0 Deutsche aus allen Teilen Ita­liens versammeln, um den Führer Großdeutsch­lands in Treue und Dankbarkeit zu grüßen.

Es ist eine sinnvolle Fügung, daß! gerade die deutsche Kolonie Italiens die e r st e auslandsdeutsche Kolonie ist, die der Führer besucht, denn in keinem anderen Lande der Welt sieht das Deutschtum auf eine so bedeutsame, ja stolze Vergangenheit zurück wie gerade in Italien. Wir wollen hier nicht von dem Jahrtausend sprechen, in dem germanisch-ita­lienische Geschichte eine untrennbare Einheit bil­dete, 'von der noch zahlreiche Denkmäler auf italieni­schem Boden zeugen. Nur daran sei erinnert, daß vier deutsche Kaiser in Italien ihre letzte Ruhestätte gefunden fyabe'n: Otto II. gest. 983 (in den vatikanischen Grotten in Rom), Heinrich VI. gest. 1197 und Friedrich II. gest. 1250 , (beide im Dom zu Palermo) und Heinrich VII. gest. 1313 (im Dom zu Pisa).

Dieser ganzen Epoche der deutsch-italienischen Ge­schichte gelten die klassischen Worte von Ferdinand Gregorovius, die in unseren Tagen einen neuen tiefen Sinn bekommen haben:Deutschland und Italien, die reinsten Repräsentanten antiker und germanischer Kultur und die schönsten Provin­zen im Reich menschlicher Gedankenmacht, sind durch eine geschichtliche Notwendigkeit in eine lang­dauernde Beziehung gebracht worden. Deshalb dür­fen es die Enkel nicht beklagen, daß jenes römische Reich wie ein Schicksal auf unser Vaterland gelegt wurde und dasselbe zwang, jahrhundertelang fein Blut jenseits der Alpen zu verströmen, um die Grundlagen der allgemeinen europäischen Kultur zu schaffen, welche die moderne Menschheit wesent­lich der Verbindung Deutschlands mit Italien zu danken hat."

Seit den'Germanenzügen der Völkerwanderungs­zeit und den Romfahrten der deutschen Kaiser bis aus unsere Tage hat eine unabreißbare Kette deut­scher Jtalienpilger die Alpen überstiegen. Sie alle wurden von der klassischen deutschen Jtaliensehnsucht getrieben, zu der sich Eroberungsdrang oder fromme Schwärmerei, Abenteuerlust oder Wissensdrang, Schönheitsdurst ober Sehnsucht nach Vergessen und Genesung gesellten. Aus Deutschland kamen Ritter, und Kriegsknechte, Kleriker und Pilger, Gelehrte und Künstler, Studenten und Handwerker. Es bil­deten sich geschlossene deutsche Siedlungen auf ita­lienischem Boden. Deutsche Humanisten führten die Buchdruckerkunft in Italien ein, um nur ein Bei­spiel für die Gegenseitigkeit des Gebens und Neh­mens zu nennen. Es kamen Dürer und Goethe,

Adelheid Oehio.

Humboldt, Gregorovius und viele andere... War durch die Kämpfe des Reformationszeitalterz und Deutschlands Verarmung durch den Dreißigjährigen Krieg der deutsche Einfluß in Italien sehr zurück­gegangen, so kam es Ende des 18. Jahrhunderts zu einer neuen Blüte. Es kam die Zeit derdeutschen Künstlerrepublik am Tiber", die zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht weniger als 1200 deutsche Künstler Romantiker, Nazarener und Klassizisten in Rom zählte. 1845 wurde der deutsche Künstler­verein in Rom gegründet, deutsche Schulen, deut­sche wissenschaftliche Jnstttute entstanden, die be­fruchtende Wechselbeziehungen zwischen deutscher und italienischer Kunst und Kultur pflegten, bis der Ausbruch des Weltkrieges hiermit ein Ende machte.

Nach Friedensschluß mußten die Fäden in müh­samer Arbeit wieder angeknüpft werden. Fast un­bemerkt begann eine neue Epoche im Leben der deutschen Kolonie Italiens, als mehrere Jahre vor der Machtergreifung ein deutscher Journalist Dr. Willis den Keim zur Ortsgruppe der NSDAP, in Rom legte. Wie gern erinnern wir uns noch jener Frühzeiten, als im Keller des Deutschen Hau­ses in Nom kaum ein Dutzend deutsche Männer und Frauen sich an einem Abend in der Woche im Zei­chen des Hakenkreuzes zusammenfandeN. Unter ihnen und einigen durchreisenden deutschen Wander­vögeln saß auch der Gatte der italienischen Königs­tochter Mafalda, Prinz Philipp von Hes - s e n und erzählte von Hitler, den er persönlich kannte. Man glaubt zu träumen, wenn man sich vorstellt, daß das noch keine zehn Jahre her ist!

Heute gibt es in allen größeren Städten Jta- ttens Ortsgruppen der Auslandsorganisation der NSDAP., im ganzen 16 an der Zahl sowie eine Anzahl Stützpunkte. Landesgruppenleiter Ettel, ihm zur Seite steht die Landesleiterin Prinzessin Schaumburg-Lippe, die die Arbeitsgemeinschaften der deutschen Frau in Italien aufgebaut hat. Die Früchte dieser mühevollen Arbeit zeigten sich be­sonders deutlich am Abstimmungstage des 10. April, an dem in ganz Italien fast 20 000 Deutsche ihr Ja für den Führer abgaben, eine Zahl, die alle früheren Abstimmungsergebnisse in Italien um ein Vielfaches übertraf. Ebenso haben sich auch die Er­träge der Winterhilfsaktion in Italien von Jahr zu Jahr gesteigert, abgesehen von dem festen natio­nalen Zusammenhalt und der reichen geistigen An­regung, die die zahlreichen Veranstaltungen der Ortsgruppen der ^tSDAP. bieten.

Wenn die Sorge für das Auslanddeutfchtum in aller Welt zu den großen Leistungen des Dritten Reiches gehört, so wird der Besuch des Führers bei den Jtaliendeutschen diesem uralten Vorposten deutscher Kulturarbeit neue Impulse geben. An die endlose Reihe deutscher Gäste in Italien, an Ritter und Pilger, Gelehrte, Künstler und Reisende, schlie­ßen sich in den letzten Jahren Männer eines neuen Typus: es sind die Männer, die am Werk des Füh­rers mitbauen, und die im gleichgesinnten faschisti­schen Italien Beziehungen anknüpfen und pflegen, die in die Zukunft weisen und hohe Menschheits­ideale verwirklichen wollen.

Das britische Unterhaus stimmt dem Abkommen mit Italien zu.

Heftige Vorwürfe der marxistischen Opposition.

London, 2. Mai. (Europapreß.) Die Unter- hausaussprache über das am 16. April unterzeich­nete englisch - itali enische Abkommen wurde mit einem Abänderungsantrag der Opposition eingeleitet. Für die Opposition sprach der erst kürzlich aus den Vereinigten Staa­ten zurückgekehrte Arbeiterabaeordnele Herbert M o r r i s o n , der sich in wüsten Ausfällen und Ver­dächtigungen gegen Italien erging.

Hierauf erhob sich Ministerpräsident Cham­berlain um in scharfen Worten gegen den neuen Störungsversuch der Opposition Stellung zu nehmen. In dem Antrag würden der Regierung Dinge vorgeworfen, die nichts mit dem englisch- italienischen Freundschaftsabkommen zu tun hätten. Um die Spannungen zwischen den beiden Ländern im Mittelmeer zu beseitigen, sei das am 22. Januar 1937 unterzeichnete Gentlements Agree­ment abgeschlossen worden. Unglücklicherweise, so sagte Chamberlain, hat das Genttemens Agreement wenig dazu beigetragen, um die gegen­seitigen Mißverständnisse sowie das Mißtrauen auf beiden Seiten zu verhindern. Im Gegenteil, das Mißtrauen wuchs, und als ich die Nachfolge meines Freundes Lord Baldwin antrat, war das englisch-italienische Verhältnis in ein Stadium getreten, wie man es sich nicht schlechter vorstellen konnte.

Wir haben öfters betont, daß unsere Außen­politik die Aufrechterhaltung des Friedens und somit auch das hinarbeiten auf die Beendigung des Bürgerkrie­ges in Spanien bleiben wird, hierzu ge­hört das gegenseitige Vertrauen, und um dieses herzustellen, müssen wir die Mißverständnisse und die auf beiden Seiten bestehenden Ver- dachttgungen sowie alle anderen erschwerenden Umstände beseitigen, da sie, wenn wir sie unbeachtet lassen, zu einem Kriege füh­ren können. Niemand wird bezweifeln, daß

vor der Unterzeichnung unseres Abkommens mit Italien das Verhältnis Englands und auch Frankreichs zu Italien mit solchen Gefahren­momenten ungefüllt war."

Der Ministerpräsident entwickelte die in dem Pakt von Rom feftgelegten Vereinbarungen, wobei er den Austausch, v o rtt militärischen In- formationen als besonders bedeutsam bezeich­nete, damit weitere gegenseitige Verdächttgungen ausgeschlossen feien. Die Palästinafrage habe eine wichtige Rolle gespielt. Der italienische Außen­minister habe versichert, seine Regierung werde da­von absehen, England in Palästina in Zukunft irgendwelche Schwierigkeiten zu bereitem Es fei seit Unterzeichnung des Abkommens bereits ein sichtbarer Wandel in dem englisch-italieni­schen Verhältnis eingetreten, die Wolken des gegen« fettigen' Mißtrauens seien verflogen und an Stelle der Feindschaft sei eine Freundschaft getreten. Die vollen Auswirkungen des Abkommens können erst dann eintreten, wenn di e Spanienfrage ge­löst fei und England die Möglichkeit sehe, die italie­nische Eroberung in Ostafrika anzuerkennen. Eng­land werde Genf lediglich bitten, eine Entschließung abzuändern, die während des abessinischen Krieges gefaßt worden fei. Die Regierung beabsichtige aber nicht, von anderen Staaten einen Schritt zu ver­langen, der mit ihren Verpflichtungen nicht zu ver­einbaren fei. England werde durch den britischen Antrag in Genf nicht irgendwie gebunden werden.

Ich für meinen Teil", fo schloß Chamber­lain,weise den Gedanken zurück, daß es für Demokratien unmöglich sei, zu einem Abschluß und zur Verständigung mit Staaten zu gelan­gen, in denen autoritäre Ansichten vorherrschen. Das englisch-italienische Abkommen b e w e i st das Gegenteil. Es ermutigt zu der Hoff­nung, daß wir den ersten Schritt auf dem Dege zu einem gesünderen Stand der

Dinge in Europa getan haben. Ich glaube, daß man jetzt einer Freundschaft mit dem neuen Italien entgegengehen kann, die ebenso fest ist wie die Freundschaft mit dem allen Italien."

Morrison von der Labour-Opposttlon behaup­tete, die Art, in der man jetzt mit Spanien ver­fahre und wie man Abessinien erledige, fei eine Schande für Englands Ehre und feinen Namen in der Welt. Das Abkommen fei kein Beitrag für den Frieden und die Sicherheit Englands, sondern ein Verrat an den Demokratien u nd an Englands Sicherheit. Die britische Regierung habe jetzt offen der Genfer Liga und der kollektiven Sicherheit den Rücken gekehrt. Lloyd George ritt bann die übliche scharfe Attacke gegen die Regierung. Das Abkommen habe die internationale Lage verschlechtert. Heute fahre Hitler nach Rom. Seit Anfang der Welt habe man noch nie für einen ausländischen Herrscher einen derartigen Empfang vorbereitet. Es sei eine gigantisch? Angelegenheit. Mussolinis Freundschaft mit Hitler habe im Falle Oesterreich die Feuerprobe bestanden. Unterstaatssekretär B u t- l e r erklärte, daß die Politik des Premierministers, konstruktive Lösungen zu finden, erfolg­reich gewesen sei. Das englisch-italienische Abkommen falle zusammen mit der Beendigung des langen Konfliktes mit Irland, den Abmachungen mit Frank­reich und einem Handelsabkommen mit den Ver­einigten Staaten. Die Opposition scheine ein Ab­kommen mit dem Haupt eines Staates, mit dessen Innenpolitik sie nicht übereinftimme, für unmöglich zu halten. Sie scheine es für den besten Weg zum Frieden zu halten, Worten und Absichten fremder Staaten zu mifjtraiftn. Man fei keineswegs etwa hinter den Kulissen nicht schriftlich niedergelegte Verpflichtungen oder irgendwelche mysteriöse Ab- machungen eingegangen.

Der marxistische Ablehnungsantrag wurde darauf mit 322 gegen 110 Stimmen ver­worfen, der Antrag der Regierung auf Zu­stimmung zum englisch-italienischen Abkommen mit 316 gegen 103 Stimmen angenommen.

Der Skandal von Troppau.

Prag verspricht Untersuchung undkompromißlose Bestrafung".

Die Prager Regierung hat sich beeilt, durch ihr Pressebüro eine Mitteilung' über die Vorgänge in Troppau zu veröffentlichen, der deutlich anzumerken ist, daß man sich lebhafteste Mühe gibt, die attak- kierte sudetendeutsche Bevölkerung mtt Strahenmob auf eine gleiche Stufe zu stellen, die Polizisten aber als rechtschaffene Beamte hinzustellen, die eben nichts anderes taten, als die Ordnung und Sicher­heit wieder herzustellen. Wir könnten diese amt­liche Mitteilung nach allen Richtungen hin zer­pflücken und durch eine Gegenüberstellung der Tat­sachen, so wie sie sich wirklich abgespielt haben, dem Prager Versuch, die tschechischen Gummi­knüppelpolizisten reinzüwaschen, den Boden ent­ziehen. Zunächst weiß ja alle Wett, was sich tatsäch­lich in Troppau ereignet hat. Und das genügt. Was interessiert, ist die Bestrafung der Schul- d i g e n und die Schaffung von Vorkehrungen, da­mit sich derartige Angriffe der Polizei auf sudeten- deutsche Bürger nicht wiederholen. Prag hat durch sein Pressebüro versichern lassen, daß einekom­promißlose Bestrafung" erfolgen werde, wenn ein vom Ministerium des Innern entsandter höherer Beamter bei seiner Untersuchung irgend­eine Schuld der Organe der Sichert; eitswach? oder eines anderen Organs der öffentlichen Ver­waltung feststellen sollte. Wir wollen uns das Wort von tferkompromißlosen Bestrafung" merken. Wir haben oft genug gesagt, daß es richtiger wäre, die tschechische Polizei in den deutschen Gebieten durch deutsche Polizisten zu ersetzen. Dann wird es niemalsbedauernswerte" Zwischenfälle dieser Art geben. Und auch keine unliebsamen außen­politischen Begleiterscheinungen, die Prag am meisten fürchtet. Gerade jetzt, wo Prag alles darauf anlegt, daß die Umwelt, vornehmlich die angel­sächsische, die angenehmsten Eindrücke von den Tschechen erhält, muß es ihnen passieren, daß die Sicherheitsorgane in folgerichtiger Fortsetzung ihrer bisherigen Politik Sudetendeutsche fo mißhandeln, daß einer von den Ueberfallenen kaum mit dem Leben davonkommen wird. Warten wir also ab. was der entsandte höhere Beamte zutage fördert und wie diekompromißlose Bestrafung" aussehen wird.

D. S.

Prags Aationalitäten-Statut.

Informationen derTimes".

London, 3. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der tschechoslowakische Gesandte in London, Masa - ryk, hatte eine Unterredung mit Außenminister Lord Halifax über die sudetendeutsche Frage. Es sei wahrscheinlich, heißt es in derTimes", daß in den nächsten Tagen in Prag ein englischer Schritt unternommen werde. In London weise man darauf hin, daß es sich in erster Linie um Ver­handlungen zwischen der tschechoslowakischen Regie­rung und dem deutschen Volks teil un­ter Konrad Henlein handeln würde. Der Prager Korrespondent der ;,Times" will die Haupt­punkte des Nationalitäten-Statuts ken­nen, das die Prager Regierung vorbereite. Dieses Statut sehe vor: .

1. Aenderung d e s S p ra ch e n g e s e tz e s , dahingehnd, daß im Amtsverkehr die deut- sche Sprache der tschechischen oder slowaki­schen gegenüber gleichberechtigt ist.

2. Zugestehung einr kulturellen Auto­nomie für alle Dolksteile mit gleichzeitigen eigenen Organen für kulturelle Aufgaben.

3. Eigene Verwaltung in kulturellen und er­zieherischen Fragen für die Volkstette.

4. Einführung der Sprache der betreffenden Minderheit als Amtssprache in allen kulturellen und erzieherischen Verwaltungs- zweigen einschl. der Schule.

5. Proportionelle Einstellung von Beam­ten der Minderheiten.

6. Proportionelle Beteiligung der Min­derheiten an öffentlichen Aufträ­gen.

7. Errichtung eines besonderen Kontroll­amtes, in dem die Dolksteile proportionell oertreten sind, um die unparteiische A n - Wendung des Nationalitäten- Statuts zu überwachen.

Daily Expreß" meint, dem tschechoslowakischen Gesandten sei von Lord Halifax als Rat des briti­schen Kabinetts mifgeteilt worden, daß es besser sei, die tschechischen Pläne für eine Selbst- regierung der Minderheitanziehender" zu gestalten.

Italiens Willkomm.

Von unserem E.S.-Äerjchiersiatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

R o m, Mai 1938.

Nicht nur die Aehnlichkeit ^es historischen Schick­sals, die vielfach bis ins Einzelne genaue Über­einstimmung des geschichtlichen Werdeganges, son­dern auch eine instinktive Wahl- oder vielmehr Seelenoerwandtschaft heißt die Italiener der Ge­genwart zutiefst die Freude empfinden, die die An­kündigung des Führerbesuches auslöste. Gewiß: der Italiener ist leicht begeistert. Er hat die runden Gesten, die schön klingenden Worte seiner harmoni­schen Sprache sehr leicht zur Verfügung und manch­mal mag die Gentilezza wirklich nichts mit dem zu tun haben, was der Deutsche Herz nennt. Aber die seit Jahren erprobte Freundschaft des Führers zu Italien hat in jedem Einzelnen das Bewußtsein aufkommen lassen, daß hier mehr ist als die üb­liche internationale Höflichkeit.

Ein selbstbewußtes, auf seine werdende Kraft stolzes Volk,^fand sich überall in der Welt zurück- gestoßen. Gerade die besitzenden Nationen England und Frankreich betrachteten den Italiener nur nach der Vergangenheit der letzten 100 Jahre mit dem westlerischen Parlamentarismus der avvocati und vergaßen darüber, daß Mussolini das Volk geeint und fähig gemacht hatte, sich selbst zu erneuern und nach dem Höchsten zu greifen. Nur einer erkannte die volle Bedeutung von Mussolinis Werk: Adolf Hitler und mit ihm das deutsche Volk. Und daher bricht die Freude des Italieners aus dem Herzen, sie sprengt selbst die schöne Sprache bei dem Ge­danken, daß Adolf Hitler kommen wird, um die Stätten der italienischen Kultur, das neue Italien und seinen Duce, feine Streitmacht und seine Taten für den Frieden zu sehen. Es ist schon so, wie es ein Blatt darstellte: Nicht nur zwei Führer, auch zwei Völker treffen sich, weil sie sich verstehen.

Im Jahre 1907 hatte ein italienischer Schrift­steller, Giooaüni Dioalleoi, ein sehr gescheites Buch veröffentlicht, das klar zu machen versuchte, was der Italiener van Deutschland und den Deutschen hält. Er bringt in den deutschen Kem, weil er von der Sprache ausgeht und sagt, daß der Deutsche des ausgesprochen romanischen Vermögens entbehre, die Worte das sagen zu lassen, was sie in Wirklichkeit nicht bedeuten, die eigene Psyche durch die sprach­liche Beleuchtung mehr zu verbergen, als zu offen­baren. Die deutsche Sprache sei ganz anders. Fast könnte man sagen, der Deutsche, der seinen Bauten so gern die vielgewundenen Formen der Gotik ver­leihe, wette in seinem Charakter die regelmäßige, mit dem Winkelmaß geschaffene Architektur der ro­manischen Bauten auf. Das Werk war wie eine Prophetie: Deutschland werde binnen kurzem Frank­reich, aber auch England, überflügeln. Das Buch schließt:Und nun, o großes, erhabenes Deutsch­land, sage ich Lebewohl dem Buche, das ich gewid­met habe deinen zahlreichen positiven und idealen Fähigkeiten und der edlen, schlichten Aufrichtigkeit deines Charaktes, die nach wie vor den gefährlichen Anstürmen romanischer Dekadenz widersteht. Und endlich deiner ruhigen und zuversichtlichen Wirksam­keit in der Werkstätte der Welt, wo mit dem Ham­mer aller Energien,' auf dem Amboß der Geduld und Zähigkeit langsam und sicher die eisernen Ge­schicke der Welt geschmiedet und gestählt werden!"

Dieser Hammer der Energien ist durch Hitler und Mussolini geschwungen worden. Beide haben ihre Völker zu einer Einheit geführt, die mit den alten Formen eines Volkes nichts gemein hat, und beide sind die Führer der ältesten Kultur- nationen Europas. Nicht Frankreich oder England, Nationen, die an der Peripherie des euro­päischen Geschehens lagen und auch heute noch lie­gen, sondern Deutschland und Italien gaben Europa Schicksal und Gestalt für Jahrhunderte. Hier wie dort Zersplitterung, Kämpfe'der Geschlechter, Grup­pen, innerhalb des großen Kampfes zwischen Staat und Kirche. Ein Dante lehnte die weltlichen An­sprüche der Kirche ab, bannte Päpste in die Hölle und harrte sehnsüchtig des deutschen Kaisers, der Italien einen sollte. Die Deutschen befuhren mit ihren Handelsschiffen das Meer und. verbreiteten deutsche Kultur von Brügge und London bis in die fernsten Winkel der Ostsee. In Italien stützten sich die Stqdttepubliken auf die Seemacht Venedig, Amalfi, Pisa, Genua, und sie eigentlich, nicht die Franzosen, haben den Mittelmeernationen ihr Ge­sicht gegeben.

Dann diesseits und jenseits der Alpen tiesstr Zersplitterung und Ohnmacht, aber zwei Bewegun­gen, nicht ähnlich, aber gestaltend, geben dem euro­päischen Geist neue Gewalt: das rinascimento in Italien, der Humanismus und die Reformation in Deutschland. Ein Schwarm von Genies taucht plötz­lich auf. Leonardo da Vinci, Michelangelo, Raffael, Dürer, Holbein, dazu die Wegbereiter neuen Gei­stes. Das war Inhalt aller Bewegungen: Italien und Deutschland schufen die Menschwerdung, gaben der Einzelpersönlichkeit Daseinsrecht, lösten es von allen kirchlichen Bindungen, und währens beide Länder in Ohnmacht sanken wirkte der Geist fort und fort. Noch ein Dioallevi feiert den das Individuum befreienden Charakter der deutschen Reformation. Der ganze Reichtum der Gedanken­prozesse wird über die Alpen hinweg ausgetauscht.

Und als die Nacht der Gegenreformation auf Italien sank, einige Menschenalter später der Dreißigjährige Krieg Deutschlands Volk und Kul­tur vernichtet zu' haben schien, lebte doch in beiden Völkern das Gefühl und das Wissen um eine bessere Zukunft, um ihre Eigenwertigkeit. In Deutschland kam Preußen, in Italien Savoyen auf. Beide einten das Reich durch politische Genies, durch Bismarck und Cavour. Als die Deutschen Sedan geschlagen hatten, zog der italienische General Cadorna der Aettere, da Frankreich seine Truppen nicht mehr zum Schutz des Kirchenstaates stellen konnte, durch oie Mauerbresche Roms. Mit dem Verschwinden des Kirchenstaates war die äußere. Einigung Ita­liens vollendet. Ohne die Schläge des deutschen Schwertes ist diese Einigung Italiens gar nicht denkbar.

Nachdem das Reich durch den Weltkrieg zerbro­chen war, bedrohten zwei Gewalten Deutschland und Italien: Die Uebermacht der periphe­ren Mächte, Englands und vor allem Frank­reichs, und im Innern der Bolschewismus. Als Mussolini den Drachen der Vernichtung nieder- wars und nach dem Marsch auf Rom Italien von Grund auf erneuerte, bewies er, daß er tatsächlich eine sekuläre Gestalt ist, wie der Führer rühmte. Die Schaffung eines neuen Italiens der Zucht und des Nationalwillens, die Ordnung der Wirtschaft und Kultur war um so notwendiger, als man ge­wohnt war, im Italiener den Südländer zu sehen, wie er sich in ausländischen Gehirnen malt, und darüber den starken Familiensinn, die Sparsamkeit und den Selbstbehauptungswillen vergaß, die jetzt mit ursprünglicher Gewalt durchbrachen, zusammen­gefaßt wurdM. und gegen eint; abgestorbene Welt