Nr. 102 Erstes Blatt
188. Jahrgang
Dienstag, 3. MaN0Z8
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Oer Führer auf italienischem Boden.
Herzliche Begrüßung -es Führers auf -em Brenner -urch -en Herzog von Pistoja un- Minister Giarace. — Heute oben- Eintreffen -es Son-erzuges in ORom.
Hörberichie
von der Italienfahri des Führers.
Don der Ankunft des Führers in Rom und der Triumphfahrt zum Quirinal am Dienstag, den 3. Mai, bringt der deutsche Rundfunk im Rahmen eines Unterhaltungskonzerts des D e u t s ch l a n d s e n d e r s von 20 bis 22 Uhr laufend Hörberichte. Am Mittwoch, den 4. Mai, 16 bis 19 Uhr, berichten alle Reichs- ; e n d e r im Rahmes eines Unterhaltungskonzertes vom Aufmarsch der Iungfaschisten sowie von der Kundgebung der Ausländsdeutschen in der Basiljka
Sie Grenze überschritten.
Am Brenner. 3. Mai (DRV. Funksprnch.) Der große Staatsbesuch des Führers und Reichskanzlers in Italien, mit dem Adolf Hitler den Ve- such Mussolinis im September 1937 in Deutschland erwidert, hat begonnen. Am Dienstagmorgen um 8.01 Uhr traf der Sonderzug des Führers auf der Italienischen Grenzstation des Brenner-Passes ein. Zwischen zwei mächtigen viereckigen Pfeilern, die gekrönt sind von dem Hoheitszeichen des faschistischen Italien und des nationalsozialistischen Deutschland fuhr der Zug unter den klängen der Rationalhymnen langsam in den erst kürzlich großzügig ausgebauten und erneuerten Bahnhof ein.
Auf dem mit Blumen und den Fahnen der beiden Rationen prächtig geschmückten B a h n st e i g empfing die Sondermifsion des Königs von Italien und Kaisers von Aethi- o p i e n, geführt von Seiner Königlichen Hoheit, dem Herzog von Pistoja. und eine Abordnung der nationalen faschistischen Partei, geführt von seiner Exzellenz dem Parteisekretär Minister S t a r a c e, den Führer, um ihm den ersten herzlichen Willkomm auf italienischem Boden zu bereiten. Die Ehrenkompanie präsentierte, mäh- tenb der Führer die Front abfchritt. Dann setzte nach kurzem Aufenthalt der Zzig, der den Führer am heutigen Tage nach Rom bringen wird, seine Fahrt fort,
DerAusenthatt aus dem Brenner
Eine erste Ehrengabe wird dem Führer überreicht.
Auf dem zu einer breiten Estrade ausgebauten und mit Teppichen überzogenen Bahnsteig, standen die zum Ehrendienst für den Führer angetretenen 5ormationen des italienischen Heeres und der faschistischen Partei. An die mit den Hoheitszeichen des faschistischen Italiens und des nationalsozialistischen Deutschlands gekrönten Pfeiler reihten sich in einer Ausdehnung von 400 Meter entlang des Bahnsteiges Hakenkreuzfahnen, Trikoloren und faschistische Banner, unterbrochen durch reichen Blumenschmuck. Wie der Bahnhof prangt auch der ganze Ort im Schmuck unzähliger Fahnen und Wimpel, diL im leisen Morgenwind dieses schönen, wenn auch kalten Tages flattern. Gestern abend war hier noch Schnee gefallen.
Als der Führerzug, langsam den Berg her- aufkommend, in den Bahnhof einlief, präsentierten die Truppen und die Zeichen senkten sich zum Gruß. Die deutschen Rationalhymnen und jubelnde Vegrüßungsrufe erklangen. Der Führer empfing sogleich im Zuge die offiziellen 13er- freter Italiens. Der Herzog von Pistoja, der in großer Uniform erschienen war, entbot Adolf HMer in herzlichen Worten die Grüße des könig- lichen und kaiserlichen Hauses. Dann überbrachte der Parteisekretär, Minister 5 t a r a c e, dem Führer die Grüße des Duce und der Partei. Das Mitglied der Mission der faschistischen Partei, Major R a p i c a v o 1 i, überreichte dem Führer im Auftrage des italienischen Ministeriums für Volkskul- tur ass Dillkommensgruß in einem künstlerischen Ledereinband eine ausführliche Beschreibung der Städte und Landschaften, die der Führer auf feiner Fahrt durch Italien berührt.
Rachdem der Führer mit dem Herzog von Pistoja, dem Parteisekretär Starace und dem Armeekommandanten von Bozen, General G u i d i, die Front der Truppen abgeschritten hatte, bestieg Adolf Hitler wieder den Zug. Bis zur Abfahrt unterhielt sich der Führer vom Wagenfenster aus angeregt mit dem Herzog von Pistoja. Um 8.20 Uhr setzte sich der von einer mit dem italienischen Hoheitszeichen und dem Hakenkreuz geschmückten Lokomotive gezogene Sonderzug unter den Freudenrufen der Menge: „Hitler, Hitler!" wieder in Bewegung. Als der Zug den Bahnhof verließ, erklangen Erneut die deutschen und die italienischen Hymnen.
di Massenzio. Um 17.30 Uhr *wird die Veranstaltung vom Deutschlandsender übernommen.
Die ersten deutschen Gäste mRom
Rom, 2. Mas. (Europapreß.) Die ersten größeren Abordnungen deutscher Gäste im Zusammenhang mit dem Führerbesuch sind in Rom eingetroffen. 140 deutsche Schriftleiter unter der Führung von Ministerialrat Berndt waren am Montagmittag im Militärklub bei dem italienischen Minister A l f i e r i zu Gast. Bereits am Vormittag hatten die deutschen Pressevertreter Gelegenheit ge
habt, sich auf einer Rundfahrt durch die italienische Hauptstadt ein Bild von der prachtvollen Ausschmückung der Straßen zu machen, wo man sie erkannte, wurden sie von der Bevölkerung herzlich begrüßt. Auch der M u s i k z u g der S A. - Standarte Feldherrnhalle hat sich bereits zahlreiche Freunde in Rom geschaffen, wozu zwei Konzerte im Pincio-Park und auf dem Na- vona-Platz nicht wenig beitrugen. Auch die Mut- t e r des Freiheitshelden Horst Wessel ist dank einer persönlichen Einladung des Duce in Ronn ein- getrofsen, um als Gast an den Festlichkeiten teilzunehmen.
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Der Abschied von Berlin.
Feldmarschall Göring übermittelt dem Führer die herzlichen Wünsche des deutschen Volkes.
Unser Bild zeigt den Führer, wie er sich auf dem Anhalter Bahnhof von den Oberbefehlshabern der drei Wehrmachtsteile, Generalfeldmarschall Göring, Generaloberst von Brauchitsch und Generaladmiral R a e d e r, verabschiedet. — (Scherl-M.)
Aus dem Walter Bahnhof.
Berlin, 2. Mai. (DRB.) Der Führer und Reichskanzler ist mit seiner Begleitung am Montagnachmittag im Sonderzug vom Anhalter Bahnhof zu seinem Staatsbesuch nach Italien abgereist. Die Berliner Bevölkerung, die sich zu Zehntausenden an der festlich geschmückten Anfahrtsstrecke eingefunden hatte, gab dem Führer ein jubelndes
Ein letzter Blumengruß für den Führer. — (Scherl.)
Abschiedsgeleit. Während das Deutschlandlied erklang, geleitete Generalfeldmarschall Göring den Führer in den Bahnhof. Zn der festlich geschmückten
Halle war fast das gesamte Führerkorps versammelt, darunter der Gauleiter von Berlin, Reichsminister-Dr. Goebbels, und Reichsaußenminister von Ribbentrop in der neuen Diplomatenuniform. Man sah ferner fast die gesamte Reichsregierung, Generale, Gauleiter, Staatssekretäre und viele Führer aus der Partei und" ihren Formationen, die gesamte italienische Botschaft unter Führung des Geschäftsträgers Botschaftsrat Graf Magi st rat i, und den Berliner Fafcio sowie die Militär- und Luftattaches Italiens.
Tausendstimmiges Heil erfüllte die weite Bahnhofshalle, als um 16.20 Uhr der Führer in Begleitung von Generalfeldmarschall Göring die Halle betrat. Der Jubel und die Segenswünsche, die das Volk dem Führer mit auf die Reise nach Rom gaben, schlugen ihm auch entgegen, als Generalfeldmarschall Göring kurze Äbschiedsworte an den Führer richtete.
„Dem Führer!", so sagte er, „in diesem Augenblick darf ich Ihnen die Abschiedsgrüße des ganzen deutschen Volkes übermitteln. Sie fahren jetzt als Staatsoberhaupt, als unser Führer, zu einer befreundeten Ration, um den Besuch zu erwidern, den der Duce im Herbst dem deutschen Volk und Ihnen abgestattet hat. Unsere aufrichtigsten und heißesten Dünsche begleiten Sie. Wir wissen, daß auch dieser Besuch dazu beitragen wird, die F e ft i g f e i t der Achse Berti n—R o m auss neue unter Beweis zu stellen, und wir wissen, daß diese Zusammenkunft wieder für den Frieden beider Völker und den Frieden der Welt von größter Bedeutung sein wird. D i e beiden größten männer dieses Jahrhunderts treffen sich, und diesem Treffen gelten heute, mein Führer, die herzlichsten wünsche Ihres Volkes. Gott segne Sie bis zu Ihrer Rückkehr."
Während sich darauf der Führer mit feiner Begleitung nach dem vorderen Teil des Zuges begab,
riefen die Berliner in Sprechchören: „Glückliche Reife!" und „Gruß an den Duce!" Etwa 10 Minuten unterhielt sich der Führer vor der Abfahrt mit Generalfeldmarschall Göring, dem Stellvertreter des Führers, Dr. Goebbels und Botschaftsrat Magistrati auf dem Bahnsteig. Dann setzte sich der Zug in Bewegung. Der Führer grüßte noch einmal zu seinen Mitarbeitern auf dem Bahnhof hin. Ähre Heilrufe und die der Bevölkerung jenseits der Bahnsteige begleiteten den Führer aus dem Bahnhof hinaus. Der Stellvertreter des Führers und die mitreisenden Minister nahmen darauf i m zweiten Sonderzug Platz und verließen, ebenfalls jubelnd begrüßt, zehn Minuten später Berlin.
Sine Weltstadt im Fieber der Erwartung.
Don unserem Sonderberichterstatter
Gerhard Bohlmann
Rom, 2. Mai 1938.
Rom kam über Nacht in jene fiebernde Erwartung, die einem großen Erlebnis vorhergeht — einem Erlebnis, von dem man weiß: es wird zu einem unvergeßlichen, seelischen Eigentum werden. Als ich vor einigen Tagen in Florenz war, war es noch etwas erstaunlich, plötzlich die italienischen Farben mit dem Hakenkreuz auf einem Fahnentuch zusammen zu sehen — aber das ist hier nun alltäglich geworden. Die Farben des Reiches und die des Imperiums, sie sind überall: sie wehen an den kleinen, wendigen Fiats, die mit einer unwahrscheinlichen Behendigkeit dutch die römischen Straßen surren, sie liegen in allen Schaufenstern aus, sie wehen in großen Ausmaßen an den Rändern der Straßen, sie wiederholen sich im Kleinen durch die Fähnchen, die die faschistische Jugend sich in die Brusttaschen der Uniformen gesteckt hat — die Farben der beiden Nattonen wehen überall zusammen.
Und die Männer: her Führer und der Diiee, auch sie sind überall gemeinsam zu finden im Bild. - Es gibt ein großes graphisches Blatt, bas die Köpfe Hitlers und Mussolinis im Profil nebeneinander zeigt — jetzt ist das Blatt auch schon im Ansichtskarttznformat vorhanden. In dem kleinen (Safe, in dem ich rasch einen Espresso trinke, wirb mit diesen Karten ein großer Handel betrieben.
Die Ankunft Adolf Hitlers durchsetzt und durchzieht die ganze Stadt bis in ihre letzten Aederchen und Nerven — eine solche fiebernde Erwartung kann nicht auf Befehl entstehen, weil sie nicht befohlen werden kann... nein, hier fühlt und spürt eine befreundete Nation ein Ereignis, das vom Schicksal vorherbestimmt und von den beiden Fü^ rern heraufgeführt worden ist. Der Besuch Hitlers, er ist keine kalte, formelle, politische Höflichkeit — nein, hier werden die Wege der beiden Nationen von den Führern zusammengeschmiedet: das ist der gefühlsmäßige Eindruck, der die ganze Stadt Rom, das „Roma aeterna“, durch alle Nerven durchpulst.
Gewiß, von diesen Empfindungen künden allenthalben die Fahnenmasten, die goldenen Symbole, die die Einzugsttaße des Führers umsäumen, davon reden die bronzen-patinierten Feuerschalen und die Lichthalter, die Kandelaber, das riesige Hakenkreuz über dem Hauptbahnhof, das mit einem goldenen Lorbeerkranz umfaßt wird — das alles find die offiziellen, großarttgen und monumentalen Vorbereitungen. Aber das Gefühl der Freude, die Empfindung einer fieberhaften Erwartung, sie sind allenthalben spürbar, wohin man kommt.
Der Kellner des kleinen Lokals hat mich bald als Deutschen erkannt und zeigt mir tn einer Zeitung die Bilder der Männer, die den Führer begleiten werden. Fragen: „Haben Sie Hitler gesehen? Kennen Sie Goebbels — hier ist sein Bild! Hier ist die Photograpbie Ribbentrops — direttore tedesco — Haben Sie Mussolini in Berlin äe- sehen?"
Während ich hier im Hot/lstmmer schreibe, kommt das Zimmermädchen. Sie ist eine Oesterreicherin. „Wie ist es nur möglich", fragt sie, „daß unser Volk so lanae getrennt war? Reden wir denn nicht die gleiche Sprache, haben wir denn nicht den gleichen Gedanken?" Ja. wir haben hier in Rom alle den aleichen Gedanken. Er wurde gestern durch die Schlagzeile einer Zeitung so ausgedrückt: „Un popolo, uno stato. un capo — ein Volk, ein Reich, ein Führe r" We>in der Führer nach Rom kommt, gebt das Licht dieser weltgeschichtlichen Tat mit ihm.
Rom ist gerüstet.
Rom, 2. Mai. (Europapreß und DNB.) Rom ist gerüstet! Die bewundernden Menschenmassen, die schon seit den letzten Tagen Abend für Abend die Stadt durchzogen haben,' stellen es am Vorabend des großen Ereignisses noch einmal fest. Die B e - leud)tunq 5 anlagen, die die Denkmäler des klassischen Roms wie die Bauwerke des jungen faschistischen Italiens in eine Flut von Licht tauchen werden, sind bis ins Letzte erprobt. Alle die unzähligen Fahnen, die eine wogende Flut von Farben zwischen die ernsten Linien der Gebäude tragen werden, sind bis auf die letzte auf ihrem Vlatz. In buntem Farbenspiel mischen sich die Wappenfarben der Ewigen Stadt, violett und gelb, mit dem goldenen Liktorenbündel auf schwarzem Grunde, wie es die faschistische Flagge zeigt, und neben den drei Farben der italienischen Trikolore flattern die roten Tücher der Hakenkreuzflagge.
Auf dem eigens für den Empfang des Führers errichteten Bahnhof im Süden der Stadt, auf • dem Wege nach Ostia, hat die Faschistische


