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Chamberlain weist die Angriffe -er Opposition zurück

Das Echo der presse

wechsel im französischen Finanzministerium

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Marchandeaus Pläne einer Oevisentontrolle abgelehnt.

icht; in ihm sang es von der kommenden Zeit: er war nicht der, den er sich als Schiffsjungen gedacht Segeln unter den weißen Türmen, vom Wachen! hatte; er war noch nicht bereit, seinem Munde fehlte

vom

London, 2. Noo. (DNB. Funkspruch.) Zur De­batte im Unterhaus stellt die Times fest, daß sie klar gemacht habe, wie fruchtlos es fei, tue ganze Geschichte des Münchener Abkommens noch­mals durchzukauen. Wenn die von dem Führer und Chamberlain unterzeichnete Erklärung zu einem allgemeinen Abkommen über die noch of­fenen Fragen einschließlich der Kolonien und der Rüstungsbegrenzung ausgebaut -werden könnte, dann werde niemand mehr auch nur den geringsten Grund daiür haben, das Münchener Ab­kommen als eineNiederlage" für England hinzu­stellen. Man könne nicht oft genug wideicholen, daß kein innerer Wider spruch zwischen der Hoffnung bestehe, daß die Münchener Erklärung der erste Schritt zu einem dauerhaften Frieden sein möge, und dem Entschluß Englands, seine natio­nale Verteidigung wirksam zu gestalten. Außerdem sei es höchste Zeit, den Gedanken abzu­lehnen, der anscheinend im Ausland an Boden ge­wonnen habe, daß nämlich England während der jüngsten Krise das Opfer einer völligen Verwir­rung gewesen sei. Das sei gänzlich irreführend.

Die Daily Mail meint, daß nach der Rattst- zierung des englisch-italienischen Pak- t e s Chamberlain einen Plan für weitere Ge­spräche mit Deutschland entwerfen werde. Chamberlain wolle folgende Punkte in diesen Ge-

Das war der Anfang. So ging er an Bord, wie er war, nicht in den neuen Sachen. Er wußte jetzt, worauf es ankam und was ihn erwartete. Er sah noch einmal hinüber zu den Lichtern der breiten Straße, dann nahm er den Sack auf und ging weiter über die Brücke am Zollhaus vorbei nach dem An­leger; die Fähre kam, sie machte fest, er stieg ein.

dahin, an den Läden vorüber. Er sang, man hörte es nicht; in ihm sang es von der kommenden Zeit

Das Aufrüstungsprogramm sei auf f ü n f I a h r e bemessen, man stehe erst im dritten Jahre. Es habe sich die besondere Dringlichkeit gewisser Teile dieses Programms herausgestellt. Englands Aufruftung liege die Sorge zugrunde, darauf zu sehen, daß das Mutterland und seine Verbindungen innerhalb des Weltreiches sicher seien und daß England im Ver­hältnis zu anderen Ländern nicht zu schwach fei, daß seine Diplomatie nicht auf gleichberech­tigter Grundlage in diplomatische Verhand­lungen eintreten könne.

In der in München zwischen ihm und dem Führer unterzeichneten Erklärung liege, wenn sie richtig weiterverfolgt würde, die Möglich- keit einer neuen Aera des Friedens in Europa.Ich glaube", so sagte der Premier, ja ich bin überzeugt, daß Hitler dies meinte, als er die Erklärung unterschrieb, und ich bin ebenso überzeugt, daß die darin zum Ausdruck gebrachte Ueberzeugung von der Mehrheit der Völker sowohl in Deutschland wie in England geteilt wird." Chamberlain fügte hinzu, er sei fest entschlossen, nicht stlllzusihen und auf das kommen des Friedens zu warten.

sprächen erörtern: Einen offenen Ueberblick über die Probleme in Eeuropa, die wahrscheinlich zu einer Spannung führen könnten, Behandlung des Kolo­nialproblems mit dem Ziel ein« B e f r i e - digungdesdeutschenAnspruches, einen Waffenstillstand in den gegenwärtigen Rüstungen, gefolgt von einer Rüstungsbegrenzung und schließ­lich Handelsgespräche. Des Premierministers heißer Wunsch sei, das Vertrauen wiederherzustellen.

Daily Expreß meint, daß Chamberlains Worte die Hoffnung auf eine Befriedung in der Welt ver­stärkt haben. Bei seinen außenpolitischen Absichten zeige er sich als ein Staatsmann mit Phantasie und innerem Gleichgewicht, der mit Entschlußkraft Ziele verfolge, die jeder Friedliebende begrüße. Chamber­lain glaube, daß autoritäre Staaten und Demokra­tien freundschaftlich nebeneinander leben können. Das sage auch der gesunde Men­schenverstand. Die inneren Regierungsformen frem­der Staaten seien kein Gegenstand für englische Kri­tik, noch weniger aber für Feindseligkeiten. Bei Ent­wicklung seiner europäischen Märkte kreuze Deutsch­land nicht den Weg britischer Entwicklung, die zu Gebieten führe, die weit von Europa entfernt lie­gen. Bei gutem Willen, Vertrauen und kluger Füh­rung könne also eine Regelung zwischen Deutschland und England erreicht werden.

Die Regierung wolle versuchen, den guten Willen der vier Mächte, der in München zutage getreten sei, zu befestigen und nach der Wieder­herstellung des europäischen Friedens durch die Beseitigung von Furcht und Argwohn zu streben. Man könne aber nicht weit kommen, wenn man sich in den Kopf sehe, daß Demo­kratien und totalitäre Staaten in feindlichen Lagern sich gegenüberstehen müßten. Man müsse vielmehr den Gedanken haben, daß sie, wenn sie wollten, Zusammenwirken könnten für die Beseitigung bestehender Schwierigkeiten und für die Aufstellung konstruktiver Pro­gramme, die den internationalen Handelsaus­tausch und die internationalen Beziehungen auf mannigfaltige weise verbessern würden.Dies ist", so schloß Chamberlain unter langanhalten- dem Beifall auf den Regierungsbänken,was man wohl als eine Politik der Befrie­dung bezeichnet hat. Das ist die Politik, der die englische Regierung sich von ganzem Herzen zu widmen beabsichtigt."

DieEpoque" meldet, die von dem zuruckgettete- nen Finanzminister vertretenen Zwangsmaßnahmen seien auch von Außenminister Bonnet besonders heftig bekämpft worden; er habe erklärt, durch der­artige Maßnahmen würde das Drei-Mächte-Abkom- men Gefahr laufen, aufgekündigt zu werden, was wiederum eine Lockerung der politischen Zusammen­arbeit mit Großbritannien zur Folge haben würde. Ein so geschwächtes Frankreich würde aber die an­gestrebte loyale Zusammenarbeit mit Deutschland und Italien nicht anbahnen können. Das Blatt glaubt, Paul Reynaud ziehe bereits zwei Maßnahmen in Erwägung, nämlich die Neubewertung des Goldbestandes der Bank von Frank­reich auf der Grundlage des gegenwärtigen Kurses von rund 179 Franken, was dem Schatzamt ungefähr 35 Milliarden Franken verschaffen mürbe, eine Ren­tenkonvertierung und - die Auflegung einer großen Anleihe mit Währungsgarantie.

Frankreich gedenkt der Gefallenen.

Paris, l.Noo. (Europapreß.)^Allerheiligen be­stimmte am Dienstag das Gesicht Frankreichs. Tau­sende und aber Tausende zogen -hinaus auf die Friedhöfe, um die Gräber der Angehörigen zu schmücken. In den Vormittagsstunden erschien Mi­nisterpräsident . D a I a ö i e r gemeinsam mit dem Kriegsmarineminicher Campinchi und dem Luft­fahrtminister Guy La Chambre am Grabmal des Unbekannten Soldaten unter dem Triumph­bogen, um einen Blumenstrauß niederzulegen. Kurz danach traf auch Präsident Lebrun am Triumphbogen ein. Ueberall in Frankreich wurden am Allerheiligentag die Ge'ollenengräber geschmückt. Besonders eindrucksvoll gestaltete sich die Feier auf dem Kriegerfriedhof in Versailles, wo in die­sem Jahre auch zum erstenmal die Gräber der deutschen Gefallenen in die Ehrung einbe­zogen wurden.

Im Beisein des Bürgermeisters von Versailles, des Senators Henry haye, des Präfekten, des Kommandierenden Generals, des Vorstandsmitglie­des des Comits France-Allemagne, Weiland, und des Stadtrates wurden die Gräber der französi­schen, der alliierten und der deutschen Ge­fallenen mit Blumen geschmückt. Ein Vertreter der deutschen * Botschaft legte einen Kranz mit der Hakenkreuzschleife nieder, während die Fahnen der Frontkämpferverbände sich über die Gräber senkten. DieLigue Internationale des Meres et des Educatrices pour la Paix" hatte jedes deutsche Grab mit Blumensträußen geschmückt, die auf wei­ßer Schleife die InschriftPax" trugen. Die Vor­sitzende des Frauenverbandes, die die Ortsgruppe Paris der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Frauen im Auslande zu dieser Ehrung eingeladen hatte, hielt an den deutschen Gräbern eine herzliche An­sprache. Die Vorsitzende der Pariser Ortsgruppe der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Frauen im Auslande, Frau Gesandtschaftsrat Bräutigam, legte an den Gräbern der französischen Gefallmen einen Blumenstrauß nieder.

Reynaud, der neue Rann.

Paris, 1. Nov. (Europapreß.) Der Kabinetts­rat am Dienstag hat eine große Überraschung ge­bracht. Finanzminister Marchandeau hat sein Amt mit dem bisherigen Justizminister Paul Reynaud getauscht. Das bedeutet, daß Marchan­deau mit den von ihm vorgeschlagenen, Finanz- maßnahmen nichtdurchgedrungen ist. Mar­chandeau soll dem Ministerpräsidenten erklärt haben, daß er die großen Richtlinien seines Finanz- und Wirtschaftsprogramms aufrechterhalten wolle. Da- ladier habe darauf auf die Unannehmlichkeiten eines solchen Planes hingewiesen, da eine Devisen­kontrolle sehr langwierig durchzuführen und nur dann von Wirkung wäre, wenn sie in den Rahmen einer Organisation zur Bekämpfung der Kapitalflucht gipfeln würde. Der neue Finanz­minister Reynaud soll nicht die Absicht haben, von der bisherigen liberalen Finanzpolitik abzu­gehen. Er trete entschlossen für eine Erhaltung des Währungsdreierabkommens ein und fei ein Gegner jeder währungspolitischen Manipulationen. Reynaud stehe jeder Devisenkontrolle ablehnend gegenüber.

Paul Reynaud wegen seiner früher geäußerten

die Festigkeit, was alles würde ihm sonst noch fehlen ...

Er schüttelte den Kopf. Er begann noch einmal von vorn. Entsagung? fragte er sich, und in ihm ant­wortete es mit einem Frösteln: Ja. Strenge? fragte er. Ja. Zähigkeit, Härte? Ja.

Dann, so schoß es durch ihn hin, dann fang jetzt gleich damit an und geh an Bord!

Aber darauf freue ich mich doch! war die zögernde Antwort.

Wieder blieb der Junge stehen. Gut, dachte er, einerlei. Jetzt soll es eben anfangen.

Als er über die Bohlen der Brücke ging, immer tiefer hinein in die winddurchflogene Finsternis, ent­sann er sich seines Messe'rs. Er zog es hervor. Er sah den Hellen Griff aus Birkenholz und die blanke, an der Spitze gebogene Klinge. Ein finnischer Dolch, ein Puukko, so hatte der Mann im Laden dazu ge­sagt. Das sollte nun sein Seemesser werden. Er würde es immer an seiner Seite haben, bei allem, was kommen mochte. Bei allem ... und plötzlich dachte er:

Dunkel wie jetzt und Wind wie jetzt und See ... und oben im Mast und arbeiten sollen, vielleicht alleine ... wenn man alles noch nicht richtig kennt, denn richtig kennt man es doch erst, wenn man lange ... Und dann wirft es einen nach allen Seiten raus und schwankt und stampft, und die Füße wissen nicht wohin, und die Hände kalt, kalt, die steifen Hände im Segel, im harten Tuch, auswehend im Sturm auf und ab, donnernde Knalle des schlagenden Segels, und die Rah fällt ... und fliegt hinauf, fliegt durch die heulende Finsternis voll von Frost ... Der Junge klammerte sich an das Geländer der Brücke und hörte und sah. Er hielt sich fest und sah es und wußte, daß es das war, worauf er sich vor­bereiten mußte. Er fetzte den Seesack ab. Er über­legte noch eine kurze Weile, dann schnürte er ihn auf. Er zog den neuen Isländer über den Kopf und die Schisferhose von den Beinen, packte beides rasch ein und fuhr wieder in den alten Anzug, den er in seiner Lehrjungenzeit getragen, und den Mantel, den sein Vater aus einem größeren für ihn zurecht­geschneidert hatte. Dom ersten Tage an war er sich darin verächtlich und elend vorgekommen. Jetzt nicht mehr. Er knöpfte ihn zu und steckte die geballten Hände tief in die Taschen.

Neue japanische Truppen­landung in Güdchina.

Schanghai, 1. Nov. (Europapreß.) Ein neuer japanischer Vorstoß in Südchina hat mit der Lan­dung von Truppen im Hafen von Futsien begonnen, das ungefähr auf halbem Wege zwischen Schanghai und Hongkong liegt. An der Landung waren 32 japanische Kriegsschiffe beteiligt. Die Lan­dung rief eine Panik unter der Bevölkerung her­vor. Von keiner Seite wurde den japanischen Trup­pen Widerstand entgegengesetzt, die Japaner konn­ten die wichtigsten Teile des Hafenviertels in kurzer Zeit besetzen. Banken und Regierungsstellen haben geschlossen. Der gesamte Geschäftsverkehr ruht. So­fort nach dem Bekanntwerden der Nachricht vom Nahen der japanischen Flotte setzte eine regellose Flucht der Bevölkerung in das Lan­desinnere ein.

Futsin ist der Hafen der 50 Kilometer von der Küste entfernt liegenden Hauptstadt der Provinz Fukien, Futsch au, die mit 320 000 Einwohnern das Einfallstor der Provinz Fukien bildet. Man rechnet damit, daß die japanischen Truppen Futschau in ein bis zwei Tagen erreichen werden. Futschau stellt mit seinen Verbindungen nach dem Innern längs des Flusses Minkiang den wichtigsten strate­gischen Punkt der Provinz Fukien dar. Außerdem befindet sich auf einer Insel bei der Stadt eins der größten chinesischen Munitionsdepots.

Napoleon und der Hase.

Die historisch und menschlich höchst bedeutenden Denkwürdigkeiten des Großstallmeisters Napoleons, des Generals von Caulaincourt, haben im vorigen Jahre Aufsehen erregt, als sie im Verlag von Delhagen & Klasing erschienen. Jetzt ist ein zweiter Band in Vorbereitung, und die Monatshefte brin­gen einige Stellen daraus in, ihrem Novemberheft. Als Napoleon nach Rußland zog, ereignete sich ein böses Omen vor dem Uebergang über die Memel. Während der Kaiser über die Felder galoppierte, sprang zwischen den Beinen seines Pferdes ein Hase auf und veranlaßte es zu einem leichten Sprung zur Seite. Der Kaiser, der sehr schlecht zu Pferde saß, fiel zu Boden, erhob sich aber schnell. Er stieg, ohne eine Wort zu sagen, wieder zu Pferde. Ich stellte, so schreibt Caulaincourt, sogleich die Betrachtung an, daß der Vorfall von böser Vorbedeutung sei, und ich war sicher, damit nicht der einzige, denn der Fürst von Neuchätel faßte mich unmittelbar darauf an der Hand Und meinte: Wir täten besser barem, nicht über den Njemen zu gehen. Dieser Sturz ist ein schlimmes Omen!" Der Kaiser hatte in den ersten Augenblicken das tiefste Schweigen beobachtet. Seine Bettachtungen waren zweifellos nicht heiterer als die unseren. Er scherzte bann in einer gezwungenen Weise mit dem Fürsten von Neuchatel und mir über feinen Sturz, vermochte aber seine Verstimmung und seine düste- ren Gedanken nicht zu verbergen. Jedermann war innerlich mit diesem Sturz beschäftigt, und der Ge­sichtsausdruck der meisten Offiziere des Hauptquar­tiers schien deutlich zu sagen: wären wir Römer, die an Orakel glaubten, wir würden den Njemen nicht überschreiten! Der Kaiser, der sonst in Augen­blicken, wo seine Truppen vor der Ausführung großer Operationen standen, so heiter, so voller Tatendrang war, zeigte sich den ganzen Tag über sehr ernst und versonnen ...

in den Passatnächten, vom Arbeiten bei Sturm hoch im fliegenden, taumelnden Rigg. Er ging mit langen, raschen Schritten, so sehr trieb es ihn dahin. Er trug den Seesack über der linken Schulter, das neue Segel­tuch roch gut. Er spürte das Messer am Gürtel und an den Beinen Fall und Schlag-der weiten Schiffer­hosen; ihr Stofs war fest und dick und weich. Der Wind wehte durch seine Haare und strich sie ihm in die Stirn, um den Wirbel herum zuckten und flatter­ten sie. Er spürte das alles in der Wachheit seiner bewegten Glieder und wiegte sich im Gehen zu dem großen Gesang. Diese Straße hieß Vorfetzen, dort drüben in der sausenden Dunkelheit lag der Hafen, ein Teil des Hafens; in ihm, eingedockt noch, sein Schiss.

ViermastbarkWahrhaftigkeit". Heute abend an Bord aber noch nicht, noch nicht und morgen früh auslaufen. Vor ein paar Stunden schrieb im Seemannsamt die Feder des Beamten auf den Deckel eines Seefahrtsbuches feinen Namen, und ein paar Seiten weiter füllte sie die leeren Stellen des Vor­druckes aus: Inhaber ist angemustert als Schiffs­junge auf dem SegelschiffWahrhaftigkeit", Heimat­hafen Hamburg, und zwei Zeilen weiter: für unbe­stimmte Zeit.

Der Bestimmungsort war unbekannt, die Order wurde unterwegs erwartet. Angemustert für unbe­stimmte Zeit nun kam es nur noch auf eines an: War die Welt groß genug, und verging die Zeit nicht zu schnell?

Ausgerüstet und versehen für alle Meere und Himmel und Winde ... und angenommen als Schiffsjunge. Nun erst sollte sein Leden beginnen, und er war des festen Willens, sich als zäh, schnell und hart zu erweisen und sich unter alle Entsagung und Strenge zu stellen.

Entsagung, dachte er, Strenge.

Er blieb stehen. Er preßte seine Zähne zusammen und machte die Lippen schmal; jedoch um den Mund herum blieb ein Mangel an Straffheit, dem er nicht beitommen konnte, so sehr er es auch versuchte. Nachdenklich und langsam ging der Junge weiter. Was er sich [eit je gewünscht hatte, das war er jetzt i geworden, ein Schiffsjunge. Seine Vorstellungen, i feine Träume, sie waren nun eins mit der Wirklich- : keit. Er aber hatte sich nicht mit ihnen verwandelt,

Abwertungsideen, wegen seiner politischen Haltung in der letzten europäischen Krise, eine vielum­strittene Persönlichkeit, erklärte, wenn er früher unter ganz anderen Umständen die Ab­wertung des Franken für unerläßlich gehalten habe, so sei dies heute nicht mehr der Fall. Die Wieder­aufrichtung der französischen Finanzen und der Wirtschaft sei kein Währungsproblem, sondern eine rein wirtschaftliche und finanzielle Frage. DerMatin" schreibt: Seit Bildung der Re­gierung Daladier seien 19 Milliarden nach Frank­reich zurückgekehrt. Das Problem sei ausschließlich wirtschaftlicher Natur. Man müsse mehr arbeit ten und besser erzeugen. Das Nationalein­kommen Frankreichs, das auf 220 Milliarden Fran­ken gesunken sei,' müsse auf 350 Milliarden Fran­ken hinaufgeschraubt werden, dann wstrde die Frage des Gleichgewichts im Staatshaushalt von selbst gelöst sein. Ohne Zweifel sei dies das Ziel Dala- diers und Paul Reynauds. Es sei aus jeden Fall nicht zweifelhaft, daß Ministerpräsident Daladier sein Programm mit Hartnäckigkeit verfolge. Es laufe: Weder Abwertung noch Devisenkontrolle, fi­nanzielle Wiederaufrichtüng, wirtschaftliche Aufrich­tung des Landes._______________________________.

EinGchiffsjmige geht anBord.

Von Görge Spervogel.

Die Frau sagte:Deine Fähre hat eine rote Blech­flagge vorne dran. Diese Brücke runter, Kehrwieder­brücke heißt das hier, am Zollhaus vorbei, rechts, da muht du abfahren. Ach, ich sollte schon längst zu Hause sein. Aber du findest es wohl alleine."

Ja", sagte der Junge und hob mit der Schulter den Seesack an.

Was ich noch sagen wollte ... Sei immer vor­sichtig. Schone deine Sachen. Wer wäscht die eigent­lich?"

Ich weih nicht. Ich."

Ein Zug der Hochbahn rauschte hallend oben durch die Dunkelheit. Er hielt mit einem langen, scharfen Atemstoß der Druckluftbremsey an.

Ach, daß du auf so ein altes Segelschiff gehen magst, wo es so schöne Dampfer gibt!"

Der Junge schwieg. Es hatte keinen Zweck. Dies war die Schwester seiner Mutter. Sie wohnte hier in Hamburg. Die Mutter lebte nicht mehr. Sein Vater hatte ihn heute morgen an die Bahn gebracht. Er sagte beim Abschied:Nun mußt du selbst zu­sehen. Auf See kann ich dir nicht mehr helfen."

Und so einfach aus der Lehre weglaufen! Die Zeit hättest du doch noch abroarten können. Nicht mal sechzehn bist du. Wer dir das erlaubt hat, der muß wissen, was er getan hat."

Vater weiß das wohl."

Der Wind schauerte über sie hin.

Die Fähre kam, aber der Junge stieg nicht ein. Er sah sich um: die Frau war fort, niemand au der Brücke. Er ging beiseite in das tiefe Dunkel Jetzt endlich konnte er tun, was er wollte. Er holte das neue Zeug aus dem Seesack, die Schisferhose und den dicken handgestrickten Isländer. Er zog sick eilig um und ging zurück an Land, um nun doch noch das schöne finnische Messer und die Postkarte mit dem Bild seines Schiffes zu kaufen. Vorhin hatte er es nicht gedurft.

Als er das Messer bekommen hatte, ging er noch einmal die breite Straße entlang unter den Lichtern

London, 1. Nov. (Europapreß.) Im Unterhaus wiederholte der Führer der Arbeiterpartei, Att- lee, die Angriffe der Sozialisten gegen die Regie- I rung, wie sie bereits seit Wochen bekannt sind. Attlee verlangte Rechenschaft darüber, was seit München zugunsten der Tschecho-Slowakei unter­nommen worden sei und ersuchte um Auskunft, wie es um die Garantie stehe, die England der Tschecho- Slowakei zugesagt habe.

Ministerpräsident Chamberlain antwortete, Attlee habe das Münchener Abkommen als eine große Niederlage für England und Frank­reich und für die Sache des Rechtes und der Ord­nung bezeichnet. Selbst wenn Attlee dies wirklich glaube, fei es bedauerlich, daß er es öffentlich aus- jpreche.Es ist wenigstens keiner der Charakterzüge eines totalitären Staates, daß man dort das eigene Nest beschmutz t!" Starker Beifall auf den Regierungsbänken begrüßte diese Feststellung. Chamberlain fuhr fort, indem er sich gegen Chur­chill wandte, er verdamme nachdrücklich alle Er­klärungen, die von Personen in verantwortlicher ober selbst unverantwortlicher Stellung gemacht und sogar durch Rundfunk im Ausland verbreitet wür­den, daß ihr eigenes Land sich in einem Zustand der Dekadenz befinde. Das Abkommen von München fe> ein Schritt, um auf dem Wege der Aussprache zwischen zwei demokratischen Mächten und zwei to­talitären Staaten die vereinbarte Lösung eines Problems durchzuführen, als deren Alternative sich die Anwendung von Gewalt ergeben hätte. Man habe zwischen harten Alternativen wählen müssen. Das Münchener Abkommen sei in wenigen Stun­den erreicht worden, deshalb habe man es der inter­nationalen Kommission überlassen müssen, die Ein­zelheiten zu regeln. Die Frage der Garantie für die Tschecho-Slowakei könne erst aufgeklärt werden, sobald das Gesamtproblem der Volksgruppen in der Tschecho-Slowakei geregelt sei.

Attlee habe erklärt, daß hinter der wirtschaftlichen Tätigkeit des Reichswirtschaftsministers finstere politische Motive lauerten. Deutschland komme die geographisch beherrschende Stellung, die es jetzt habe, durchaus zu. Da die Staaten Südost- curopas in ihrem Charakter vorwiegend landwirt­schaftlich sind, sind die Handelsbeziehungen zwischen ihnen und Deutschland ganz natürlich. Sie können Deutschland mit Rohstoffen und Nahrungs­mitteln im Austausch für Jndustrieerzeügnisse ver­sorgen, für deren Lieferung Deutschland (o, gut aus­gerüstet ist. Der Ministerpräsident erklärte, daß England nicht den Wunsch habe, etwas gegen Deutschlands wirtschaftliche Stellung in diesen Län­dern zu unternehmen. England habe selbst dort ge­wisse Handelsinteressen und beabsichtige diese auf­rechtzuerhalten. Ein Wirtschaftskrieg zwischen Deutschland und England sei nicht nötig. Wenn durch den Handel zwischen Deutschland und den Staaten Ost- und Südosteuropas deren wirtschaft­liche Stellung sich verbessere, so würde auch der eng­lische Handel Vorteil davon haben.

Chamberlain ging dann auf die Derteidigungs- fragen ein. Die Regierung sei zu dem Schluß ge­kommen, daß die ganze Frage des Luftschutzes jo gewaltigen Umfang angenommen habe, daß sie nicht länger dem Innenministerium überlassen bleiben könne. Deshalb habe er Sir John Ander- j o n mit dieser Aufgabe betraut. Dieser werde das Amt des Lordsiegelbewahrers innehaben, aber er werde in der Tat als Minister für zivile Verteidigung für den Luftschutz verantwort­lich sein. Er werde gleichfalls in Meinungsaustausch mit den zuständigen Regierungsämtern über einen freiwilligen Nationaldienst treten. Chamberlain wiederholte die Versicherung, daß die Regierung nicht die Absicht habe, in irgend­einer Form einen Dien st zwang einzuführen. Sie sei überzeugt, daß die Bedürfnisse der zivilen Verteidigung durch Freiwillige zu befriedigen seien, vorausgesetzt, daß eine geeignete Organi­sation geschaffen werde. Die Schaffung eines Munitions - oder Beschaffungsmini­steriums sei von der Regierung erneut geprüft worden. Es würde keinen Zweck haben, die Voll­machten des Ministers für die Zusammenarbeit der Wehrministekien einem neuen Ministerium zu über­tragen, wenn man diesem nicht zusätzliche Voll­machten zu geben bereit sei. Man würde sogar Ge­fahr laufen, die Erzeugung von Kriegsmaterial zu verlangsamen, anftatt sie zu beschleunigen.