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Nr. 257 Erstes Blatt
188. Jahrgang
Mittwoch, 2. November 1938
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„Gras Zeppelin" in seinem Heimathafen.
Das Bekenntnis von Marseille
Von unserem E.J -Korrespondenten
Frankfurt a. M., 1. Nov. (LPD.) Nach seiner 24-Stundenfahrt ist das Luftschiff „Gras Zeppelin" am Dienstag 15.11 Uhr auf dem Luftschiffhafen Rhein-Main glatt gelandet. Das Luftschiff war bereits um 13 Uhr über Frankfurt gesichtet und von der Bevölkerung mit Jubel begrüßt worden. Es kreuzte dann noch einige Zeit über der Gauhaupt- ftadt und dem Rhein-Main-Gebiet. Kurz nach 14 Uhr wurde der Ankermast ausgefahren und die Haltemannschaften aufgestellt. Um 15.03 Uhr erschien das stolze Schiff in Geringer Höhe über dem Wald und steuerte in langsamer Fahrt, von Nord- Osten kommend, seinen Üandeplatz an. 15.08 Uhr wurden die ersten Haltetaue ausaeworfen, und um 15.11 Uhr setzte die Gondel auf den Baden auf. Die Haltemannschaft zoa das Schiff nach dem Haltemast, wo es festgemacht und um 15.4Q Uhr in Halle I gezogen wurde.
In der Halle begrüßte Gauleiter Sprenger mit herzlichen Worten die Besatzung. Er sprach von den Erfolgen der deutschen Luftfahrt, deren stolzen Luftschiffe Zeugnis von deutscher Schaffenskraft und Weltgeltung ablegten. Auch durch die Katastrophe des „Hindenburg" in Lakehurst hätten wir den Glauben an das Werk des genialen Grafen Zeppelin nicht verloren. Der Gauleiter würdigte dann die Verdienste Dr. Eckeners, den er den getreuen Ekkehard der Luftschiffahrt nannte und betonte, daß alle, die sich in den Dienst der Lustschiffahrt gestellt hätten, auch weiterhin ihre ganze Kraft diesem großen Werk widmen würden. Kapitän Samt, der das Kommando über das Luftschiff während seiner Fahrt von Friedrichshafen nach Frankfurt hatte, dankte für den Empfang. Die Zeppelin-Männer freuten sich, daß mit LZ 130 die deutsche Luftschiffahrt wieder in Gang gekommen sei, sie hofften, daß recht bald wieder die Luftschiffe wie früher durch den Aether ziehen würden.
Dann besichtigte der Gauleiter das neue Luftschiff und nahm später an dem Kameradschafts- abend der Besatzung teil, bei dem er über den Sinn der Kameradschaft sprach, die sich darin zeige, daß man Freude und Leid miteinander teilt Des Führers höchstes Wollen fei, daß alle Deutschen Kameraden werden. An der Verwirklichung mitzu- arbeiten, sei uns eine Verpflichtung. Zum Schluß
überreichte der Gauleiter allen Mitgliedern der Besatzung das Buch des Führers „Mein Kampf" als Erinnerung an den denkwürdigen Tag. Der Direktor der Zeppelin-Reederei, Issel, dankte dem Gauleiter für die Förderung, die er der Luftschifffahrt zuteil werden ließ. Nach einem Rückblick auf die Entstehung des Flug- und Luftschiffhafens versicherte er dem Gauleiter, daß alle Männer mit starkem Willen und festen Glauben sich dafür ein- setzen werden, wieder einen Ozean umspannenden Weltverkehr zu schaffen.
Als „Graf Zeppelin" seinen neuen Heimathafen, aus der Richtung Friedberg kommend, ansteuerte, überflog er in mäßiger Fahrt die Gräber der sieben Desatzungsmitglieder des in Lakehurst zerstörten Luftschiffes „Hindenburg" auf dem Fran.kfur - ter Hauptfriedhof, die zum Allerheiligentag mit Weißtannen und Blumen geschmückt waren. Augenblicklich wird das Erinnerungsmal errichtet, ein hoher, mächtiger, viereckiger, aufstrebender Stein auf einem breiten Sockel, der die Namen der Besatzungsmitglieder tragen wird.
Ein Bildtelegramm von der Einfahrt des „Graf Zeppelin" in die Halle. — (Scherl-M.)
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Mittelländisches Bekenntnis zum deutschen Volkstum.
Oer Memel-Landtag gegen die Beto-Politik des litauischen Gouvetneurs. — Oas Memelstatut muß Recht bleiben. , .
Memel, 11. Nov. (DNB.) Am Dienstagnachmittag trat unter größter Beteiligung der memeldeutschen Bevölkerung und in Anwesenheit zahlreicher deutscher und ausländischer Pressevertreter der memelländisckse Landtag zur Schlußsitzung der laufenden Landtagsperiode zusammen. Auf der Tagesordnung stand die Stellungnahme zur Detopolitik des Gouverneurs. Abgeordneter B i n g a u erklärte, der Landtag habe während seiner dreijährigen Legislaturperiode dem Gouverneur 72 Gesetze vorgelegt. Davon sei gegen 18 Ge setze Einspruch erhoben, gerade gegen diejenigen, die für das wirtschaftliche und soziale Leben des Memelgebietes am wichtigsten gewesen seien. Das Vetorecht sei dazu verwendet worden, das Memelstatut in feinen wesentlichen Punkten aufzuheben und aus diesem Statut ein Instrument für die allmähliche völlige Assimilierung des Memelgebietes an Großlitauen zu machen. Das sei jedoch das gerade Gegentell dessen, was das Statut den Memelländern zugesichert habe. Das Memeldeutschtum sei nicht gewillt, sich den bisherigen Methoden der Litauer noch weiterhin zu unterwerfen.
Nach dem Sinn des Statuts hätten die 2He- melländer das Recht, sich zum deutschen Volkstum zu bekennen, hierzu gehöre auch das Recht des freien Bekennt- nlsses zum Nationalsozialismus. Abgeordneter Bingau schloß seine Rede mit den Worten: Wir Wemeldeutschen verlangen das Recht und nehmen uns das Recht, uns zur Weltanschauung unseres Volkstums zu bekennen, und wir wiederholen es heute noch einmal: Recht muh Recht bleiben, auch wenn es sich um Deutsche handelt!
Zum Schluß der Sitzung wurde das Direktorium des Memelgebietes ersucht, für die Abscha ff u n g der Disageb »ihren nach dem Ausland e sowie für umgehende Freilassung der von den Kriegskommandanten bestraften Personen Sorge zu tragen.
Memel feiert die Aushebung des Kriegszustandes.
Memel, l.Nov. (DNB.) Anläßlich der Aushebung des Kriegszustandes, der fett zwölf Jahren auf den Memelländern lastete, versammelten sich Dienstagabend auf dem Neuen Markt
in Memel rund 25 000 memeldeutfche Männer und Frauen, um in einem Fackelzug durch die Straßen der Stadt zum neuen Stadion zu marschieren. Um 20.30 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung, gleichzeitig begannen d i e Glocken der Stadt zu läuten. Die. Häuser hatten reichen Flaggenschmuck angelegt, und der größte Teil der Fenster war s e st l i ch erleuchtet. Dem Zuge marschierte ein Spielmannszug und eine Musikkapelle voraus; die vielen Fahnen, Banner und Wimpel der Turner, Gesangvereine, der Innungen usw. boten ein schönes Bild. Die Angehörigen der Innungen trugen ihre schmucken Trachten.
Unter Heilrufen und mit dem Gesang von Heimat- und Volkslieder marschierten die Teilnehmer der Kundgebung in das große Oval des Stadions ein. Hier ergriff Dr. Neumann das Wort. Er sprach von den zwölf Jahren des Kriegszustandes, der wie eine drückende Last auf allen Memeldeutschen gelegen habe. Aber schließlich mußte Recht doch Recht bleiben. Dr. Neumann forderte die Memeldeutschen auf, auch weiterhin zusam - menzu stehen im Kampfe um ihr Volks- t u m. „Wir alle", so schloß Dr. Neumann, „können stolz darauf sein, einem ftarfen Volke mit einem großen Führer ander Spitze anzugehören." Immer wieder wurden die Ausführungen des Redners von der großen Masse der Zuhörer durch Beifallskundgebungen unterbrochen.
Mit dem Gesang der Heimatlieder fand die eindrucksvolle Veranstaltung ihren Abschluß. Der Führer der Memeler Sportbewegung, Wal gähn, richtete an die Teilnehmer der Kundgebung einen Appell, diszipliniert nach Hause zu gehen und sich nicht provozieren zu lassen. Dem improvisierten memeldeutschen Ordnungsdienst war es zu verdanken, daß sich die Massen ohne jede Stockung wieder auflösten.
Zu Tausenden strömten die Volksgenossen auch nach Heydekrug. Ueberall begrüßten sich freudig aeftiinmte Menschen mit dem deutschen Gruß, der bis dahin im Memelland schwer bestraft wurde und formierten sich kurz vor Mitternacht zu einem Fackelzug durch die Stadt. Deutsche Marschmusik begleitete den Zug, oft von Sieg-Heil-Rufen unterbrochen. Auf dem Marktplatz stimmten die Memel- deutschen entblößten Hauptes das Niederländische Dankgebet an. Der Kreisleiter des Memeldeutschen Kulturverbandes, Grau, sagte dann: Es habe unermeßliche Opfer gekostet, diese Stunde zu erreichen. Der Dank gebühre dem ganzen deutschen Volk und dem Lenker des Schicksals aller Deutschen. Abschließend erklangen die Heimatlieder des Memelvolkes. Völlig diszipliniert und ohne Mißklang ging die Feier mit dem Verlöschen des Freudenfeuers zu Ende. Die Bauern vom Moor und die Fischer vom Haff und von der See fuhren in ihre Dörfer zurück.
Beginn der Wiener Konferenz.
Heute nachmittag Verkündung des Schiedsspruchs.
Wien, 2. Nov. (DNB.) Heute werden um 11 Uhr im Schloß Belvedere zunächst die Beratungen der vier Außenniinister, die von je einem zweiten Delegierten, für das Deutsche Reich Unterstaatssekretär Woerrnann, unterstützt werden, beginnen. Bei den Beratungen der vier Außenminister wird besonders dem ungarischen und dem tschechischen Delegierten Gelegenheit zur Darlegung ihres Standpunktes gegeben fein. Nach einem Frühstück um 14 Uhr werden von 16 bis etwa 18 Uhr die Beratungen der Schiedsrichter dauern. Mit der Verkündung des Schiedsspruches ist gegen 18 Uhr zu rechnen. An die Verkündung des Schiedsspruches wird sich die Unterzeichnung eines Zusatzprotokolls schließen.
Oie tschecko-slowakisch-polnische Grenzziehung.
Prag, l.Nov. (Europapreß.) Zwischen dem tschecho-slowakischen Außenminister Choalkoosky
und dem polnischen Gesandten in Prag, Papee, wurden Noten ausgetauscht, die endgültig die Grenzziehung zwischen Polen und der Tschecho-Slowakei regeln. Ein aus Fachleuten bestehender Ausschuß wird die Grenze in ihren Einzelheiten festsetzen. Dieser Ausschuß muß die Arbeiten .an der schlesischen Grenze bis zum 15. November und in der Slowakei bis spätestens zum 30. Noveinber beendet haben. Die neuen Grenzen werden dann sosort von den Truppen der beiden Staaten besetzt werden. In Schlesien wird die Okkupationslinie Grenzlinie. Schlesisch-Ostrau bleibt tschechisch. In der Slowakei werden an Polen abgetreten: 1. Das Gebiet nördlich von (Tabea, welches Dorf selbst noch der Tschecho-Slowakei verbleibt. Damit fällt die direkte Bahnlinie von Teschen nach Zwardon an Polen; 2. den nördlichen Teil der Hohen Tatra und den westlichen der Jaworin. Die neue Grenzlinie läuft von Rysy ostwärts über die Gerlsdorfer Spitze zur Jaworin, wobei die Lomnitzspitze noch der Slowakei derbleibt.
Paris, 31. Oktober 1938.
Niemand wird den tragischen Begleitumständen des Marseiller radikalsozialistischen Parteitages sein tiefes menschliches Mitgefühl versagen. Im Augenblick rechnet man damit, daß die Brandkatastrophe auf der Cannebiere mehr als 70 Todesopfer gefordert haben kann. Mag es sich um einen verbrecherischen Anschlag oder nur um sträflichen Leichtsinn gehandelt haben — auf jeden Fall erhebt fick im Unglück die Stimme des Mitgefühls über die Grenzen hinaus. Sache der verantwortlichen Behörde»» wird es fein, aus dem furchtbaren Unglück, bei dem Hunderte von Menschen verzweifelt um ihr Leben kämpften, die Lehren für die Zukunft zu ziehen und dort Abhilfe zu schaffen, wo sie sich als dringend notwendig erwiesen hat.
Der Gang der Politik war durch die Katastrophe auf Stunden unterbrochen, aber er hat sich nicht aufhalten lassen. Der Zwang zur inneren Einkehr hat sich unter dem Eindruck dieser Dinge eher noch verstärkt. Ministerpräsident D a l a d i e r geht als der unbestrittene Sieger aus der Marseiller Tagung hervor; er kehrt, mit dem Vertrauen feiner Partei ausgestattet, nach Paris zurück, um nunmehr die gesetzgeberische Arbeit für die Wiederaufrichtung Frankreichs auf finanziellem und wirtschaftlichem Gebiet in Angriff zu nehmen. Die Vollmachten hierfür hat er bereits seit der Kammerabstimmung vom 5. Okto- ber in der Tasche. Die Kammer wird im Laufe des Novembers oder Dezembers zu diesem Wiederaufrichtungswerk Stellung zu nehmen haben, und dann werden sich die praktischen Konsequenzen des Frontwechsels ergeben, der jetzt in Marseille beschlossen worden ist. Denn den schwachen Widerständen der Reste der Volkssrontanhänger innerhalb der Partei zum Trotz hat die Marseiller Schlußresolution die klare Bescheinigung dafür ausgestellt, daß die Volksfront durch die Schuld der Kommunisten zerbrochen ist.
Die Kommunisten mit ihren 73 Abgeordnete,» in der Kammer werden al'o in unversöhnlicher Opposition zur Regierung Daladier stehen. Die Sozia* l i st e n mit ihren rund 140 Abgeordneten werden sich vor schwerwiegende Entschlüsse gestellt sehen. Alle Brücken zu ihnen sind nicht abgebrochen. Aber es ergibt sich trotzdem die Möglichkeit, daß ein geschlossener oppositioneller Block der marxistischen Parteien entsteht. Den Parteien der Mitte und der Rechten, vor allem der starken Grupve der Republikanischen Vereinigung unter Louis Marin, würde dann die verantwortungsvolle Aufaabe erwachsen, Daladier die Fortführung seines Werkes zu ermöglichen, das nichts anderes ist als die Aufräumung der Schutthaufen, die die Herrschaft der Volksfront in zwei Jahren in Frankreich hinterlassen hat. „Die Zeit der Ministerkrisen muß vorbei sein!", hat Daladier in seinem Marseiller Schlußwort ausgerufen, die Delegierten haben ihm mit stürmischen „Ia?-Ia!"-Rufen geantwortet, der Gesang der Marseillaise und eine riesige Kundgebung für Daladier hat dieses Bekenntnis bekräftigt.
Der Weg ist also ziemlich genau vorgezeichnet. Sollte sich im Parlament eine Mehrheit aegen Daladier ergeben, so würde es zu der seit Wochen erörterten Kammerauflösung, zu Neuwahlen, dem „Appell an das Land", kommen, nicht ohne daß vorher noch die Wahlreform verabschiedet wäre, die mit der Einführung des Verhältniswahl- f n ft e m 5 dem Kubhandel unter den Parteien ein Ende gemacht hätte. Neuwahlen nach einer Kammerauflösung — ein für Frankreich gänzlich neues Ereignis — wären sicherlich ein Experiment, ober es besteht begründete Aussicht dafür, daß die Mehrheit des Volkes, so wie die Senatswahlen es gezeiat haben, Daladier folgen würde.
Daladier bat „alle Republikaner. alle Patrioten, alle Franzosen" zur Mitarbeit aufaerufer», und er hat von der Verteidiaung her Demokratie aesprochen. Aber es gebt ein starker autoritärer Zug durch, alles das. was letzt gedacht und ausgesvrochen wird. Frankreich ftebf an einem Wendepunkt feiner Entwicklung Der Bruch mit der Venaanaenbeit erstreckt sich nicht nur auf die Innenvolitck. sondern, aenau so auf die Außenpolitik. D'" Rede Herri o t s, des Mannes de« Genfer Protokolls, war nichts anderes als ein Schwanenaefang auf eine ^“roangenheit hör Irrtümer, .fierriot hat zwar hen Rusiennakt in S^utz genommen, aber Daladier hat ihn mit feinom Wort ermähnt, ebensowenig wie die Mfpffine Sicherheit. S^att dessen eröffnet sich der Au-chlick auf eine ..Prllitik de-; französi'chen Imve- riums". deren Blick>ichtuna über die Meere, nach d"n Kolonien, aeht. Frankreich wendet sich zwar nicht nöllig ab nm» hem Osten Europa-; und von der ^innamif Mitteleurovas. hie hem Lande ungeheure Risiken auforleaen, ohne ihm besonderen Nutzen ein- lubrinaen. Der gonntor Berthod hat es in seinem Bericht über die Russenpolitik aan< klar ausaosvro- chen: „Frankreich will nicht mehr der Gendarm und der Bankier Europas sein", daladier "nd Außenmin'ster Bonnet haben im Grunde nichts anderes aefaat. aber st-» haben h:nau- aefügt. daß diese Politik eine V e r st g n d i c» u n g mit Deutschland zur Boraussetzuna hat. Und has ist für hie Nachhrwn Frankreichs das wichtigste Ergebnis von Marseille.
Der Führer an K-neraloberst Keitel.
Berlin, 1. Nov. (DNB.) Der Führer sandte a n de n Chef des Oberkommandos der Wehrmacht Generaloberst Keitel anläßlich seiner Beförderung folgendes Glückwunschschreiben- „Mit hem 1.November befördere ich Sie zum Generaloberst und verbinde dainit meine besten Glückwünsche und meinen Dank für ihre allzeitige wertvolle Mitarbeit. Adolf H i 11 e r."


