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Dienstag. 2. August 1958
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Ar. (78 Zweites Blatt
die Rückseite ge- ift aufgegangen.
Aus der Stadt Gießen
auf
Himmel hingen!" Dazu paht Spruch: „Mariä Himmelfaher
Der Tipperary-Marsch.
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seine Kameraden, bald sang das ganze englische
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Heer, sang vier Jahre lang unermüdlich diesen Kehr-
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kleinen Blatt zu sehen, das auf geheimnisvolle und 1 nie zu begreifende Weise Tiefe und Weite bekommen , hat. Nicht nur die Nähe, Hermann und ich auf der - chönen breiten Straße: auch der weite und flache , Wiesengrund ist da, durch den, weidenumstanden, , der Bach fließt. Auch die sanft ansteigenden Berge, , halb baumbewachsen, halb kahl, auch das Häupt- chen, nackte Basaltkuppe über dem Wald, ein still- ; liegender Steinbruch und Wahrzeichen des Dorfes. Schön ist das alles. Mich selbst in der Mitte des Weges mag ich nicht ansehen, aber Hermann macht gerade eine große Handbewegung, und darum ist ein Arm verwackelt. Ich weiß noch, was er sagte, denn darüber verging mir die Seekrankheit und der Mut kam mir wieder. Die Leute da (verächtlich), die da alle ringsum in den Pensionen wohnten, die könnten ihm nur leid tun. Leid tun? Wieso? Ja natürlich, sagte Hermann, den schließlich könnten ie doch nicht alle in der Mühle wohnen, nicht wahr? In der Mühle wohnen, nein, das konnten sie nicht, denn da wohnten wir.
Der Mond ist aufgegangen...
Gern würde ich noch des längeren und breitern erzählen, wie wir in der Mühle ankamen unt/r mancherlei Streitereien zwischen Hermann und Dorothea und vielen fruchtlosen Versuchen „seinerseits", seine Geldbörse auch noch in dem Lederetui unterzubringen, in dem eben Dorothea den Apparat verstaute; wie ich den Müllersleuten vorgestellt und von ihnen nachrichtenhungrig ausgefragt wurde, wie ich sie selbst und Hermann und Dorotheas Zimmer im ersten Stock des Mühlenhauses bewundern mußte; wie wir dann rasch mit viel Lachen und wenig Geschirr den kleinen Tisch deckten und danach um so langsamer,und ausgiebiger Pellkartoffeln und Butter, Salat und Buttermilch aßen und tranken... Aber Dorotheens zweites Photo ist so wunderlich, so ungewöhnlich, daß ich nicht vergessen darf, es zu erwähnen. Es wäre bloß so ein Experiment, schrieb damals hie Photographin in ihrem Brief. Mich erinnert es an den Kaspar aus unserm Kinderkalender, der ganz allein eine große Reise machte, und der eines Nachts, als er sich verlaufen hatte, im Wald auf einem Baum schlafen mußte. Da war in dem Buch an Stelle eines Bildes ein schwarzgetünchtes Rechteck zu sehen, und daneben stand: Dies ist die kohlpechrabenschwarze Nacht, die Kaspar im. Walde hat zugebracht. — Kohlpechrabenschwarz ist die Nacht auf dem kleinen Photo nicht, sondern grau wie Nebelschwaden vor dunkelndem Himmel. Aber wenn man es genau ansieht, zeichnen sich blaß und wie schemenhaft Bergräder hinein, Wiesenstreifen und ein bleicher Fleck am Himmel.
Es war noch nicht dunkel, als wir abends die Mühle verließen, um spazierenzugehen, darum mag sich Dorothea den Apparat umgehängt haben. Es muß ebenso unbemerkt geschehen sein, wie sie ihn später aufstellte, denn Hermann und ich merkten nichts davon, und nur das Bild ist der Beweis, daß sie irgendwann die „Strahlenfalle" geöffnet hat. Wir wollten ganz früh zu Bett gehen, um am Sonntag recht munter zu sein; aber als es langsam dämmerte und dann der Mond aufging, weich glänzend am milden Himmel, vergaßen wir alle Vorsätze und stiegen langsam bergan, auf das : Häuptchen zu. Vorsichtig mußten wir gehen, denn ; der Weg war uneben von Wurzeln und herabge- > rollten Steinen, und als wir auf der Wiese, noch
weit unterhalb des Steinbruchs, rasteten, waren schon die Sterne da, und der Wald wurde dunkel. Sollten wir, sollten wir nicht? Doch, wir wollten sehen, wie das Land von oben und im Mondlicht aussähe, und wir stiegen munter weiter. Erst untersuchten wir die Rückseite des Steinbruchs, der ja einmal ein ganzer Berg gewesen war, hörten zu.
wie die Bäume im leisen Nachtwind sich bewegten, dann kletterten wir vorsichtig über die Bruchsteine bis an den Rand der Plattform, aus der die Basaltkuppe sich erhob. Wir suchten breite und bequeme Steine aus und setzten uns nieder. Hermann legte sich auf den Rücken und benannte die Sternbilder, wir fragten ihn dies und das, nach dem Polarstern und der Milchstraße, die vor dem Mond nicht zu sehen war. Wir waren wieder still und horchten auf die Steinchen, die sich lösten und fielen, wir spürten den Wind, der vor uns heraufstrich und von den Waldhängen noch die Wärme des Tages mit sich brachte. Und mit einemmal, wie der Mond schon hoch über dem Wald stand und weithin das ganze Land Berg an Berg sich in seinem Licht dehnte, farblos grausilbern und doch lebendig, hob sich aus den Wiesen unten am Flüßchen etwas Weißes; ganz sacht krochen zarte Nebel vom Wasser her über die Wiesen. Im Dorf waren alle Lichter erloschen. Mit einmal fing Dorothea ganz leise zu summen an, und ich summte eine zweite Stimme zu der ihren, und Hermann brummte im Liegen ganz still einen tiefen Baß. Den Text des Liedes brauchten wir nicht, denn wir kannten ihn alle, viele schöne Strophen, und es lag ja auch alles vor uns ausgebreitet, was darinsteht. Aber Dorothea hat, obwohl zur Erinnerung und zur Rechtfertigung ihres Photos, doch etwas auf <vx"'ef“£' schrieben. Da steht: Der Mond i
gaben, so weit die spätere abendländische Malerei neue Aufgaben zu finden und zu erfüllen wußte, so unbedingt steht Gainsboroughs nachwirkende Bedeutung für uns fest. Daß gerade die bedeutendsten Kenner der Malerei diese Anerkennung dem englischen Landschafts- und Bildnismaler zollten, geht beispielsweise aus der Arbeit hervor, die der kürzlich verstorbene Direktor der Bremer und Hamburger Kunsthalle, Gustav Pauli, Thomas Gains- borough gewidmet hat. Und es gibt einzelne Gemälde dieses englischen Malers die — wie fein be= rühmter „blauer Knabe" für alle Zeiten — zu den ausgewählten Meisterwerken der gesamten abendländischen Materei gehören werden.
. R. A. Dietrich.
„Herbst" ist in Süd- und Westdeutschland oft gleichbedeutend mit „Weinlese". In Tirol und
dann der rheinische Spruch. „
ohne Regen, verspricht reichen Herbstessegen .
Der Erntemond des Bauern Fleiß.
„Ist der August recht warm und trocken, so können Bauer und Städter frohlocken." Dieser Vers mahnt, daß man nicht schelten soll, wenn die Hundstage, die noch die ersten drei Augustwochen andauern, es mit der Sonnenwärme arg gut meinen. Denn es hängt ja davon, wie das Korn hereinkommt, für die Volksernährung außerordentlich viel ab. Und der August ist doch vorwiegend Hauptschnittzeit des Landmannes. Und nicht nur das Korn verlangt trockene Witterung; sondern auch Spätgemüse, Obst und Weintrauben brauchen — obwohl sie erst in den kommenden Monaten ein- aeheimst werden — gute Wärme zur Reife. Drum sagt ein alter Bauernvers zutreffend:
„Der August reift — der September greift." In Uebereinstimmüng sagt man: „Hundstage und wenig Regen geben vollen Erntesegen."
In so bedeutsamer Zeit wird man natürlich schon ein bißchen in die Zukunft schauen. Und da der erste August zu den „Lostagen" des deutschen Volkstumes gehört — zu den Tagen, deren Witterung auf das Wetter der Folgezeit schließen läßt—, so hat man an diesem Tage besonders viel Wetterorakel. So sagt man:
„Fängt der Erntemonat mit Tröpfeln an, er's meist bis zum Ende nicht lassen kann." Dazu paßt dann dieser Bauernreim:
„Kommt der August mit Gewitter gegangen,
bleiben die Regenwolken noch lange hangen." Der erste August heißt im Kalender „Petri Kettenfeier". Don ihm heißt es im Einklang mit vorgenannten Versen des Augustbeginns:
„Trockne Peterketten
, werden die Ernte retten. Peterkettenregen
bringt den Schnitten um den Segen." Uebrigens wurde ehedem der immerhin seltsame Name des Tages — er bezieht sich auf eine alte Apostel-Legende — auch als Knabenname gebraucht. Als vor 95 Jahren der Familie Rosegger am 31. Juli ein Junge geboren wurde und man ihn nach gutem steiermärkischem Brauche am Folgetage taufen ließ, gab man ihm den Rufnamen „Petri Kettenfeier", was natürlich im täglichen Leben zu „Peter" verkürzt wurde. Aber noch die ersten Werke des Bauerndichters tragen den vollen, ungewöhnlichen Vornamen, den der Poet erst dann
Hochschulnachrichten.
Der emeritierte Professor der Botanik an der Universität Breslau Geheimrat Dr. Ferdinand P a x vollendete am 26. Juli fein 80. ßebensjabr. Er ist in Königinhof in Böhmen geboren, studierte in Breslau, wurde 1887 Kustos am Botanischen Garten in Berlin und 1893 außerordentlicher Pro- feffor der Botanik und Direktor des Botanischen Instttuts der Universität Breslau. 1926 trat er m den Ruhestand.
zu „Peter Rosegger" abänderte, als er auch in solchen Gegenden gelesen wurde, die diese sonderbare Namensgebung nicht verstanden hätten.
Der 10. August ist St. Laurentius im Kalender geheiligt. Er ist Lostag erster Ordnung! Der Winzer zählt deshalb auf „Sankt Lenzl", weil er Hitze für die Trauben braucht; Laurentius wurde bekanntlich einem glühenden Rost gemartert. Und genau
Zauber einer Sommerwoche
Eine Ferien-Erinnerung
reim: „It’s a Iong way to Tipperary, / It’s a long way to go, / It’s a long way to Tipperary, / To the sweetest girl I know. / Good bye, Piccadilly, / Fare- well, Leicester Square, / It’s a long way to Tipperary, / But my heart’s right there.“ (Es ist ein langer Weg nach Tipperary, ein langer Weg zu gehen es ist ein langer Weg nach Tipperary, zu dem süßesten Mädel, das ich kenne. Leb wohl, Piccadilly, leb wohl, Leicester Square, es ist ein langer Weg nach Tipperary, aber mein Herz ist einzig dort) Tipperary, die unbekannte Kleinstadt im Innern Irlands mit ihren 6000 Einwohnern, wurde zum Symbol der Heimat, in dem Lied sang die eine große Sehnsucht der Männer im Schützengraben: heimzukommen. Kein Kriegslied, auch kein patriotisches Lied, nur das eine ewig menschliche Heunwey und das einfach und männlich hingenommene Wissen: Es ist ein langer Weg nach ... Hause.
Die rettende Brieftaube.
Eine Brieftaube erwies sich als Retterin in einer sehr schwierigen Lage, in die englische Soldaten während der Kämpfe in* Waziristan gegen öen Fakir von Ipi gekommen waren. Eine Abteilung von hundert Mann war van 500 Eingeborenen angegriffen und umzingelt worden; der Führer war gleich im Beginn des Kampfes gefallen, und Die Soldaten wehrten sich verzweifelt gegen die An- ftürrnenden. Da drohte ihnen die Munition auszugehen, und sie sandten eine Brieftaube ab, um Meldung nach hinten zu geben. Die Taube traf auch richtig bei dem Haupttrupp ein, unb man entsandte sofort den Flieger Leutnant Jackson, dem es gelang, indem er ganz niedrig über das Lager der Angegriffenen hinwegflog, mit kleinen Fallschirmen versehene Pakete von Munitton teils mitten unter die Soldaten, teils in ganz kurzer Entfernung von ihnen fallen zu lassen. Er führte diesen Flug mehrmals aus, obwohl er von den Eingeborenen hefttq beschossen wurde. Jetzt konnten die Einge- schlossenen Widerstand leisten, bis am nächsten Morgen Verstärkungen eintrafen.
in England, für die Gainsborough nun gleichsam der letzte und überzeugendste Vertreter wurde. Gainsborough war zunächst der Porträtist der ersten englischen Gesellschaft. Die Möglichkeiten, d.e sich ihm äußerlich dadurch boten, hätten manchen von der rein künstlerischen Aufgabe, die ja keineswegs immer mit dem persönlichen Vorteil überein« stimmt, abgezogen. Gainsborough folgte auch hier seinem Prinzip, trotz absoluter Porträtgenauigkeit, die ihm als gutem Maler selbstverständlich sein mußte, ähnlich wie bei der Landschaft das einzelne, Individuelle im Typischen zu konzentrieren. So steht sein nachgelassenes Werk wie eine Galerie nicht nur des Zeittypus, der Mode- und Interessensphäre jener Männer und Frauen der damaligen englischen Hof- und Adelsgesellschaft vor uns sondern auch in ihrer zeitlosen Bedeutung, in ihrem bestimmten englischen Rassetypus. Es mag scheinen, als habe sich das für den Engländer Gainsborough zwangsläufig ergeben. Aber ein genauerer Blick wird das außerordentliche Studium erkennen, das Gainsborough angewandt hat, diesen Typus, diese Rasse der kultivierten Engländer und Engländerinnen gleichnishaft herauszustellen. Sie alle, diese Bildnisse der Herzogin von Richmond, Lady Sheffield, des Reverend Henry Bate-Dudley, des William Pitt, Thomas Linley u. a. ähneln sich iw Typus, als gehörten die Dargestellten alle einer Familie an. Auch wo der Gesichtsschnitt wesentliche Abweichungen zeigt, bleibt allen das Gemeinsame, bleibt das Nationale, Typische in Ausdruck und Haltung das gleiche. Es gibt kaum eine bessere Einführung in das Wesen der englischen Gentry al» eine aufmerksame Betrachtung der Gemälde Gams- boroughs (von denen sich allerdings nur ein kleiner Teil — so in der Nationalgalerie in Berlin, in Wien usw. außerhalb Englands befindet).
Mit dieser Auffassung steht Gainsborough für uns als der Vertreter einer ausgesprochen nationalen Kunst in der Geschichte der Malerei. Wie er Die Landschaft, wie er die Menschen sah, wie er ohne Anwendung äußerlicher Mittel rein durch die künstlerische Darstellung das für sein Land, st" lerne Nation Typische festzuhalten verstand,, das ist neben seinen malerischen Qualitäten unb i^r wegweisenden Stellung in der Entwicklung der Malerei absolut vorbildlich. .
Die Anerkennung, die Gainsborough zu ß^ fluten in England fand, mußte sich später auch> wett darüber hinaus fortpflanzen. Auch ^ Deutschland hat man dem Werk dieses nationalen Künstlers immer stärkere Achtung entgegengebracht. So weit mTueute in gewisser Hinsicht °°n der Techmk und dem Themenkreis uns entfernt haben, die sich für ' Gchnsborough aus seiner Zeit und Umwelt er-
Dies find die beiden Bildchen, die mir lieber sind als jene zahlreichen des andern Sommers. Weit bin ich davon entfernt, einem schlechten Handwerk das Wort zu reden (auch Dorothea machte heute keine „Experimente" mehr). Aber auf jenen Bildern sitzt jeweils vor der schönsten Landschaft eine Gruppe von Menschen, wie sie sich damals zu- sammenfand, immer dieselbe Gruppe. Einmal so, einmal so geordnet, die einen sitzend, die andern kniend, und mir ist es, wenn ich sie betrachte, nicht möglich, mich der Tage und Stunden zu erinnern, in denen sie ausgenommen wurden, noch an den Ablauf dieser Wochen. In diesen beiden andern Photos jedoch ist alles beschlossen, was den Zauber jener Sommerwoche ausmachte: ein beglückender Auftakt, eine Folge von Tagen unter einem gütigen Himmel. So blau war der Himmel dieser Tage, der nächtliche so tief und gestirnt, so glühend durchzog einen jeden die Sonne, daß wir nur so in die Tage hinein- und hinauslebten, kamen und gingen, wie es uns gefiel, ohne daß jemand unsre Zeit einteilte, in einer Sommerfreiheit, die ihre Ordnung nach unferm Wohlgefallen empfing. — Das alles scheinen die beiden Bildchen zu bergen, denn darauf kommt es wohl an, daß man d i e „Konstellation" des Lebens und der Menschen festhält, die besonders, in der ein Vorher und ein Nachher beschlossen ist. Sie sind dann beim Ansehen wie jene kleinen trockenen japanischen Blumen aus knittrigem | Papier, die man ins Wasser wirft.
von Etta
> Manche Menschen sind der Ansicht, daß der, der photographiere, mehr vom Leben habe als der, der es nicht tut. Andre wieder glauben, daß der, der photographiere, nichts vom Leben habe, da er immer nur mit den Augen der Kamera, nicht aber mit feinen eignen sähe. Wie so oft, mag auch hier die Wahrheit in der Mitte liegen. Ich war einmal vier Wochen lang in einem wunderschönen Gebirgsort, wo ich viele Menschen traf und kennenlernte, darunter so viele leidenschaftliche Photographen, daß ich aus diesen vier Wochen vierzig Aufnahmen besitze. Aus dem vergangenen Sommer, aus einer Woche dieses Sommers, habe ich zwei; von ihnen ist eine verwackelt, auf der andern ist nichts drauf. Trotzdem find mir diese beiden Ausnahmen und besonders die letztere kostbarer als die vierzig guten und scharfen Bilder von damals, und an diesem Unterschied begriff ich das „Geheimnis" des Photographierens.
Sv steht auf der Rückseite des einen. Die Gäste, das bin ich, und im Hintergrund steht noch der große gelbe Postomnibus, in dem ich gekommen bin, und den Hermann, als er mich sah, den Walfisch nannte, weil er mich aus seinem Bauch aus« gefpi-uft hatte wie der Walfisch den Ionas. Denn anders kann der Fisch den Propheten nicht durch die Meere geschleudert haben, als mich der Gelbe über die Berge und die vielen Kehren zwischen Linz und R. und als ich eben beschloß, alle Haltung aufzugeben, hielt er mit einem Ruck, und Hermann und Dorothea standen davor. Hermann wischt schnell noch den Bierschaum von den Lippen (denn der Omnibus hatte Verspätung gehabt), ergriff mein Gepäck und mich selbst; Dorothea schloß mich in ihre Arme und wollte meine Meinung über Bier an heißen Tagen wissen. Dann drückte sie mir ein Pfund Butter 'in den einen, Hermann in den andern Arm und sagte feierlich, jetzt müsse sie zuerst meine Ankunft dokumentarisch festlegen und außerdem probieren, ob ihr Apparat auch im Gehen photographiere. Schwache Einwände meinerseits von wegen Seekrankheit und grüner Farbe; kurzes Gelächter und höhnische Anmerkungen Hermanns wegen der Qualitäten des Apparates; und doch hat Dorothea recht behalten. Denn es ist alles auf dem
Beide Bildchen stammen von Dorothea, unsrer Freundin Dorothea. Da sie zu Hermann gehört, nennt jeher sie beide gern und beziehungsreich Hermann und Dorothea, und dies, daß ihrer beider Namen an das klassische Paar erinnern und daß niemand in dieser Erinnerung etwas Widersinniges findet, sagt mehr über sie selbst und ihr Wesen aus, als eine lange Beschreibung es könnte. Mit Hermann und Dorothea also wohnte ich eine Ferienwoche lang in einem kleinen Dorf im Westerwald, genauer gesagt in der Mühle dieses Dorfes. Denn es gab viele Häuser im Dorf, aber nur eine einzige Mühle, und sie lag abseits da an einem Bach und Weg, der hinter der Mühle gleich in das schönste und sanfteste Wiesental führt und von da hinauf in die waldigen Berge.
Dorothea gehört zu den Menschen, die nicht in feder Lebenslage knipsen, was Hermann mit der Tatsache in Zusammenhang zu bringen pflegte, daß sie ihren Apparat schonen müsse. Er hatte sie fast fünf Mark gekostet. Aber Dorothea ließ nichts auf ihren Apparat kommen. Sie trug ihn gern am Riemen über der Schulter, trug ihn immer selbst und duldete nicht, daß Hermann, wie er gern getan hätte, auf unfern Wanderungen feine Zigarren in ihm aufbewahrte. Aber sie ließ auch nicht viel auf ihre Filme kommen, und so konnte es geschehen, daß ich als Ausbeute unsrer Streifzüge nur zwei Bildchen von ihr geschickt bekam.
Einzug der Gäste.
„Laurentius steht bei dem Landmann in Gnaden, weil nun die Gewitter nicht mehr schaden." Der Vers kann aber auch deshalb entstanden fein, weil die Gewitterneigung dann abnimmt. Wie ja überhaupt der Sommer ganz allmählich zum Abschied rüstet. In Schwaben sagt man drum: „Dr Auguscht isch d'r Dagfresser (Tagfresser)."
Der schwäbische Weingutsbesitzer erhofft zumal vom 15. August, das ist Mariä Himmelfahrt, Sonnensegen für feine Rebstöcke. Denn der ist besonders wohltätig an diesem Tage, meint man. Hingegen heißt es: „Wenn es an Mariä Himmelfahrt regnet, so wird der Wein nicht gut, und wenn die Trauben oben am ---f **:*""*"'"
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SPORT-SONNE
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die gleiche Hitze, die den Bekenner Laurentius zum Märtyrer und Heiligen machte, wünscht der Reb- bauer sich:
„Glüht an St. Lorenz Sonnenschein,
gibt es allerbesten Wein."
Weil der Kornschnitt an diesem Tage oft beendet und das Getreide eingebracht ist, sagt man:
Thomas Gainsborough.
Zum 150. Todestag des englischen Malers am 2. August.
Die Entwicklungsgeschichte unserer Kultur und unserer Kunst vollzieht sich nicht in einer Geraden, sondern in Kurven. Würde man etwa die bildende Kunst als einen Messer der schwankenden Kulturbedürfnisse nehmen, so würde man immer wieder Zeiten und abwechselnd auch Zonen feststellen, in denen die Landschaft, das Bildnis, die Historie oder ein anderer der Hauptgegenstände malerischen und bildnerischen Ausdrucksüermögens souverän in den Vordergrund tritt, um dann wieder anderem Platz zu machen. Die englische Landschaftsmalerei weist im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine derartige für die ganze Entwicklung dieses Genr-s entscheidende Etappe auf. In ihr steht vor allem Thomas Gainsborough an hervorragender Stelle, obgleich er, was fein Hauptgebiet und die Hauptzahl feiner Gemälde betrifft, eigentlich Bild- nismaler war und neben Reynold s gier in feiner Zeit den größten Zuspruch fand. Aber mit seiner Loslösung von der Barocktradition, der Aufhellung der Atmosphäre, der ganzen Erfafsung des Typischen einer Landschaft, beginnt er bereits ben Weg, der dann bei John Constable alle Vorbedingungen erfüllt, die wir im 19. Jahrhundert im französischen Impressionismus nicht mehr vec ■ einzelnen, sondern als Stilrichtung erkennen.
Nichts ist vielleicht in dieser Hinsicht so bezeichnend für den Landschafter Gainsborough wie jene Worte, die der junge John Constable — bamais Schüler der Londoner Kunstakademie ., Tages bei einem Landaufenthalt in Ipswich nie- derschrieb: „Ich bilde mir ein, ich sähe Gainsborough in jeder Hecke und in jedem hohlen -ocmm . Tatsächlich gab es vor Constable kaum einen englischen Maler, der das Wesenhafte, den besonderen Typus der englischen Landschaft koloristisch |o ZU treffen vermochte wie Gainsborugh. Bilder wie fein „Blick auf Suffolk" oder seine berühmte „Tränke" (in der National Gallery in London) offenbaren die intimen Reize des englischen Landschaftscharakters in einer Weife, daß allein darum die Bedeutung Gainsboroughs weit über fein eigenes Land hinaus vorbildlich wurde.
Dieser Zug, aus der Mannigfaltigkeit immer wieder das Typische herauszuholen, zeigt sich aber auch auf jenem anderen Gebiet, das nicht wie die Landschaftsmalerei in England jetzt erst sich entfaltete, sondern auch in der bereits durch Reynolds und andere zu hoher Qualität geführten Bildnismalerei
Den Namen des ehemaligen Fischhändlers I u d g e her soeben im Alter von 60 Jahren in einem LcmKner Krankenhaus gestorben ist, kennt heute in Deutschland kein Mensch. Das Sieb aber, das er gedichtet und komponiert hat: „I t ’ s a 1 o n g way to Tipperary“, von dem wissen wir alle, daß es im Weltkrieg das Lied der englischen Soldaten gewesen und als solches unsterblich berühmt geworden ist. Die Entwicklung des Liedes vom sehr harmlosen Schlager zu dem englischen Knegslied ist außerordentlich interessant. Als der Londoner Verleger im Kriege das vielgesungene Lied unter bem Xitel herausgab: „Der Marschhymnus ber Schlachtfelder Europas, das unsterbliche: Es ist em langer Weg nach Tipperary...", da druckte er nur einen neuen Titel auf alte Exemplare eines Schlagers, die chon eine ganze Weile bei ihm lagen. Das ßieb i|t zwei Jahre vor dem Kriege entstanden, fein Inhalt ist der unkriegerischste, den man sich nur vorstellen kann Es drückt einen der üblichen englischen Scherze über den Provinzialismus des Iren aus: der nach London verschlagene Ire Paddy hat Sehnsucht nach seiner ländlichen Heimat und nach seiner dort zuruckgelassenen Dolly und klagt daß der Weg zu ihr 4o lang sei. In der zweiten Strophe schreibt Paddy an Dolly und bittet sie, es ihm sofort mit3uteilen falb ber Brief nicht ankäme, m ber britten bittet Dolly Padby, gleich heimzukommen, ba ein anberer Bewerber ihr hart zusetze. Entsprechenb bem Text ist die Melodie, von einer Banalität, die sich mit nichts über den Durchschnitt erhebt. Nur der Kehrreim hat einen kräftigen, einfachen Marschrhythmus Dieser Rhythmus war es zweifellos, dem das Lied ferne beispiellose Volkstümlichkeit verdankt. Irgendein Tommy im ed)ü8engraben fing an ZU fingen, bald fangen alle
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