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Nr.M Drittes Blatt

Donnerstag, 2.Zuni 1938

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Dornotizen.

Aus der Stad« Gießen.

Die neue Katze.

gegenüber war so liebens- würdig. Nach einem längeren Besuch, den sie neu= hd» meiner Frau machte, sah ich am Abend in der Küche etwas Weihes m der Ecke stehen. Ein Kar- w??.'P11* Holzwolle gefüllt, und darin lag das neue" Kätzchen. Ganz weih, bis auf einen Flecken am Kopf, em schwarzes Schnäuzchen und ein eben­solches Schwänzlein. Also das war die Ueber- raschung!

Ich wußte, daß meine Frau die Katzen liebt Auch Frau Müller wußte es. Ich dachte aber die Erlebnisse mit der letzten Katze hätten genügt,'eine kleine Aenderung in der Katzenliebe hervorzurufen. Ich jedenfalls kann auf Katzen verzichten.

Aber nun war das Geschenk da, und mir wurden die Vorzüge und die Schönheiten des kleinen Dinges mit begeisterten Worten auseinandergesetzt. Dabei wurde ganz vergessen, daß das neue Kätzchen doch auch Mäuse fangen wird. Aber vorläufig haben wir noch keine. Was nicht ist, kanü aber noch kommen. Also, in Gottes Namen, mag es bleiben, Lachte ich.

Da hob es auf einmal sein schwarzes Schnäuz­lein und schaute mit seinen dunklen Aeuglein über den Rand des Kartons, dann gähnte es streckte sich, wälzte sich um sich selbst und sprang in die Küche. Meine Frau war außer sich vor Entzücken. Doch als das kleine Ding versuchte, mit seinen scharfen Krallen an ihren dünnen Strümpfen emporzuklettern, schrie sie auf. Aber es war nicht böse gemeint. Das Kätzchen, Peter soll es heißen, bekam einen kleinen Ball, da ließ es alles andere fahren und begann nun, damit zu spielen...

Ob es uns seine Jungen auch einmal in die unterste Schrankschublade legen wird? Ach so, es soll ja ein Kater sein. So behauptet wenigstens meine Frau. Ich verstehe nichts davon. Wir haben aber schon einmal einenKater" gehabt, der nach­her fünf junge Kätzchen zur Welt brachte! Diesmal ist es vielleicht aber doch einrichtiger". Ob er auch Las Bett der Hausfrau zu seinem Lieblingsplätzchen erwählt? So machte es wenigstens die frühere Katze.

Das alles scheint Peter nicht zu interessieren. Er spielt unentwegt mit seinem Ball, beißt an einem Stück Papier herum, rollt sich um sich selbst, ver­sucht am Tischbein hochzuklimmen usw.... Man - farm ihm stundenlang Zuschauern Ich wünschte auch, ich könnte noch so sorglos und so wohlgeborgen im Leben stehen! Er bekommt seine Milch, ein Stück­chen Fleisch und vieles andere. Er bringt Leben ins Haus.

Und so mag denn das Kätzchen bleiben. Wenn die Kinder größer werden und das Elternhaus ver­lassen, darf schon eine junge Katze ihren Einzug halten.U

WMMWeMWoi»

Tageskalender für Donnerstag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Jugend". Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Der nackte Spatz".

AS.-GemeinschaftKraft durch Freude".

Sonderzug nach Hamburg.

Wir fahren vom 9. bis 13. Juni 1938 anläßlich der Reichstagung Kraft durch Freude einen Sonder­zug nach Hamburg. Die Teilnehmergebühr, Fahr­preis einschließlich zwei Uebernachtungen mit Früh­stück beträgt 19 RM. Den Teilnehmern ist Gelegen­heit gegeben, in Hamburg zum verbilligten KdF.- Preis eine Dampferfahrt nach Helgoland, sowie Hafenrundfahrt, Stadtrundfahrt, Fletenfahrt usw. zu unternehmen. Anmeldungen nimmt die Kartenver­kaufsstelle, Gießen, Seltersweg 60, entgegen. (3805D

3m Dienste der Volksgesundheit.

Jahresbericht des Hessischen Chemischen Untersuchungsamts.

Das Hessische Chemische Untersu­chungsamt in Gießen erstattet jetzt seinen Bericht über die Tätigkeit des Amtes im Jahre 1937. Aus dem Bericht ist folgendes von allge­meinem Interesse hervorzuheben:

Die Tätigkeit des Untersuchungsamtes erstreckte sich auf die amtliche Lebensmittelkontrolle in den Städten Gießen, Friedberg und Bad-Nauheim so­wie in den Landkreisen Alsfeld, Büdingen, Fried­berg, Gießen, Lauterbach und Schotten; auf die Untersuchungen von Auslandswaren und Der- gällungsmitteln für die Zollämter; auf Unter­suchungen für sonstige Behörden und auf Unter­suchungen für Private.

Im Berichtsjahre wurden 4 015 Untersuchun­gen ausgeführt. Davon entfallen auf Lebens- und Genußmittel und Gebrauchsgegenstände 3692 Pro­ben mit 445 Beanstandungen, auf hygienische, physiologisch-chemische und gerichtliche Untersuchun­gen 271 Proben, auf technische Untersuchungen 53 Proben.

Gegenüber dem Vorjahre ist eine wesentliche Er­höhung in der Zahl der untersuchten Proben ein­getreten. Dies ist zum Teil auf die stärkere In­anspruchnahme des Amtes von privater Seite, zum Teil auf die Durchführung der zur Sicherung der Volksernährung und des Vierjahresplanes erlasse­nen Bestimmungen zurückzuführen. Auch hatten die Blutalkoholbestimmungen ganz erheblich zuge­nommen.

Die Untersuchung an Nahrungs- und Genuß­mitteln und Gebrauchsgegenständen erstreckte sich im einzelnen auf folaendes: Mehle, Back- und Teig­waren 307 untersuchte Proben (72 Beanstandun­gen); Konditoreiwaren, Fruchtsäfte, Obst und Obst­konserven 108 (34); , Zucker, Sirup, Honig 9 (2); Wurst- und Fleischwaren, Fische, Eier 184 (17); Milch und Milchkonserven 2070 (151); Butter und Käse 105 (15); Margarine und sonstige Fette und Oele 19 (4); Wein und Obstwein 43 (3); Bier und

Branntwein 94 (16); Kaffee, Tee, Kakao, Schoko­lade 32 (8); Wasser und Mineralwasser 542 (84); Essig, Gewürze Spezereien, Tabak 170 (38); Ge­brauchsgegenstände 9 (1).

Den hygienischen, physiologisch-chemischen und ge­richtlichen Untersuchungen waren folgende Proben gewidmet: Abtreibungsmittel 1, Arzneimittel 3, Badesalze 26, Badewässer 9, Blut a u f Alko­hol 185, Därme 2, Fische 2, Flußwasser 7, Flüs­sigkeit auf Gifte 1, Harn auf Morphium 1, Klei­dungsstücke auf Blut 1, Kleidungsstücke auf Säu­ren 1, Lebensmittel auf Gifte 3, Leichenteile auf Gifte 3, Mageninhalt auf Gifte 1, Mineralwosser- apparate auf gesundheitsschädliche Metalle 13, Pflanzen 1, Sägemehl 1, Tiermagen auf Gifte 3, Schlammproben 7.

Die technischen Untersuchungen betrafen folgende Proben: Ausscheidungen aus Rohren 4, Beton 2, Düngemittel 1, Erdproben 8, Futtermittel 6, Im­prägnierungsmittel 3, Kalkwasser 1, Kohlensäure, 1, Lacke 3, Melasse 2, Metalle 3, Mineralöle 10, Rei­nigungsmittel 1, Seifenpuloer 5, Spiritus 1, Fla­schenverschlüsse aus Kunstharz 1.

In Verbindung mit allen diesen Untersuchungen wurden zahlreiche kleinere Gutachten und 78 aus­führliche Gutachten erstattet.

Besonders interessant ist noch die Mitteilung des Amtes, daß die Bestimmungen von Alkohol im Blut gegenüber dem Vorjahre f a st um das Doppelte gestiegen sind.

Nach dem Bericht mußten im Berichtsjahre 445 Beanstandungen, d. h. 12 v. H. der im Verkehr er­hobenen Lebens- und Genußmittelproben ausge­sprochen werden. Gegenüber dem Vorjahre mit einer Beanstandungsziffer von 13,1 v. H. ist zwar eine Besserung im Lebensmittelverkehr eingetteten, doch ist wie in dem Bericht betont wird die Beanstandungsziffer immer noch sehr hoch und eine scharfe Konttolle des Lebensmittelverkehrs dringend geboten.

besitzen. Ihr Abstand von der Erde beträgt 80 Licht­jahre oder 750 Billionen Kilometer. Die Deichsel des Himmelswagens weist auf Arktur, den gelben Riesenstern im Bootes. Die umgekehrte Stellung hat der Kleine Wagen, dessen Deichsel nach unten zum Polarstern gerichtet ist. lieber, dem Kleinen Wagen zieht die gewundene Sternreihe des Drachen und leitet zur hell funkelnden Wega in der Leier, unter der wir den Schwan, das Kreuz des Nordens, erblicken. Aus dem hellen Dämmerungsschein am Nordhorizont hebt sich nur die Kapella im Fuhr­mann heraus, sowie die schon etwas höher stehende W=förmige Kassiopeia.

Im Osten ist das schöne Sternbild des Adlers heraufgekommen. Sein Hauptstern Atair bildet mit Wega und D e n e b im Schwan ein großes, gleichschenkliges Dreieck, das bekannte Sommer­dreieck, welches bis in den Herbst hinein den Süd- himmel beherrscht und ein leichtes Zurechtfinden er* möglicht.

Zwischen Wega und Arkturus sehen wir das aus­gedehnte Sternbild des Herkules und den Halbkreis der Nördlichen Krone, in der Gemma als hellster Stern leuchtet. Man muß schon ein Fernglas zu Hilfe nehmen, um auch die zahlreichen schwächeren Sterne dieser Bilder wie auch die des Schlangeir- trägere (Ophiuchus) und der Schlange zu erkennen. Der Große Löwe mit Regulus ist bereits stark nach Westen gerückt. Im Südsüdwesten strahlt die bläu­lich weiße Spika in der Jungfrau; links davon be-

warum kam Gcete so blaß von öec See? D-ii

vergaß, ihre Haut mit Nivea ein-

zureiben. Nivea mindert die Ge- [OwfflpO fahr des Sonnenbrandes und

fördert die natürliche Äräunung. vÖSSHsSy c,»

zeichnen die beiden benachbarten Hellen Sterne die Waage. Spika bedeutet Aehre; im Altertum wurde die Jungfrau mit einer Aehre in der Hand abge­bildet.

Tief am südlichen Horizont flimmert der rötliche Antares im Skorpion. Dieses schon weit tm Süden befindliche Sternbild kommt bei uns nie-

Nächtliche Dämmerung

Trotz der kurzen Nächte und des erhellten Him­melsgrundes bietet auch der Juni dem Sternfreund reiche Beobachtungsmöglichkeiten. Bald nach Son­nenuntergang erstrahlt am Westhimmel die Ve­nus, deren Sichtbarkeitsdauer jetzt 2V< Stunden beträgt. Ein Blick durchs Fernrohr zeigt, daß etwa vier Fünftel der Scheibe des Planeten erleuchtet find. Im Laufe des Sommers wird bei starker An­näherung und wachsender scheinbarer Größe und Helligkeit die Scheibe zur Sichel werden.

Gegen 1 Uhr steigt im Osten der Riesenplanet Jupiter auf und beherrscht den Südosthimmel während der zweiten Hälfte der Nacht. Saturn, im Stkrnbild der Fische, folgt ihm nur eine Stunde später. Am 22. Juni, eine Stunde vor Sonnenauf- S, bietet sich bei klarem Wetter eine hübsche tellation: die Sichel des abnehmenden Mondes über dem Saturn. Bemerkenswert ist das Entfer- nungsverhältnis beider Himmelskörper. Der Mond hat einen Abstand von 360 000 km, Saturn einen solchen von 1450 Millionen km; Saturn ist also 4000mal so weit entfernt wie der Mond.

Am abendlichen Fixsternhimmel zeigen sich wegen der Aufhellung des Himmelsgrundes nur die helle­ren Fixsterne. Der Himmelswagen im Sternbild des Großen Bären chat den Zenit überschritten; er steht um 23 Uhr links vom Polarstern. Unmittelbar neben dem mittleren Deichselstern, Mizar genannt, erkennt ein normales Auge ein kleines Sternchen: Alkor oder das Reiterlein. Beide Sterne gehören

mals hoch über den Horizont, ist aber im Juli nach der Zeit der hellen Nächte besser zu erkennen. Die Milchstraße zieht von der Kassiopeia über den Schwan zum Adler. Ihr zarter Glanz hebt sich nur wenig von dem hellen Himmelsgrund ab; doch sehen wir in einem guten Fernglas besonders in der Ge­gend des Schwans auffallend viele schwache Sterne, Der Mond zeigt im Juni folgende Lichtgestalten: erstes Viertel am 5., Vollmond am 13., letztes Vier­tel am 21., Neumond am 27. Juni.

Glücksmänner!

5000 Kameraden sind wieder im ganzen Reich angetreten, um im Dienst der vom Reichsschatz­meister der NSDAP, angeordneten 11. Reichs­lotterie für Arbeitsbeschaffung zu wirken.

Die Arbeit, zu der sie sich heute verpflichtet haben, ist keineswegs leicht. Der volle Einsatz ihrer ganzen Arbeitskraft und unermüdlicher Fleiß, allein schon der Idee wegen, der wir alle dienen, muß verlangt -werden.

Deutschland, als einzigem Staat der Welt, ist es gelungen, die Arbeitslosigkeit in kürzester Zeit zu beseitigen. Die gewalttgen Werke des national» sozialistischen Deutschlands beschäftigen heute die Millionen Volksgenossen, die früher untätig beiseite stehen mußten. Dieses Aufbauprogramm war und ist aber nur durch die Konzentration aller Kräfte durchführbar. Immer wieder gilt es daher, neue Mittel zu schaffen, um die begonnenen Arbeiten zu vollenden und neue Projekte aufzugreifen.

Losverkäufer! Auch euere Arbeit trägt zur Er­füllung unserer Aufgaben bei. Keiner von euch soll darum der Auffassung sein, daß es bei den unge­heuren Ausmaßen unseres Arbeitsbeschaffungs- Programms gar nicht so darauf antomnrt, wie er seine Pflicht erfüllt. Gerade die Gewaltigen Auf-

Oer gestirnte Himmel imZnni.

Von Or. Erwin Kossinna.

Am 21. Juni, dem längsten Tag des Jahres, er­reicht die Sonne um 3 Uhr 4 Minuten MEZ. den nördlichsten Punkt ihrer scheinbaren Bahn, womit astronomisch der Sommer beginnt. An diesem Tage beträgt die Mittagshöhe der Sonne in der geogra­phische Breite von Flensburg und Königsberg 58V2 Grad, in Frankfurt a. M. 63V- und in Kla­genfurt, an der Südgrenze des Deutschen Reiches 67 Grad. In Kärnten bleibt die Sonne um diese Zeit 153/4 Stunden über dem Horizont, an der deutschen Nordsee- und Ostseeküste reichlich 17 Stun­den. Die Tageslänge nimmt also im Hochsommer nach Norden zu, und da von der Dauer der Dämmerung das gleiche gilt, so tritt nördlich vom 50. Parallelkreis, der Breite von Frankfurt a. M. und Oberschlesien, die Erscheinung der hellen Nächte oder der immerwährenden Dämmerung auf. Die Sonne steht dann selbst um Mitternacht weniger als 16 Grad unter dem Horizont. Ihre Strahlen erleuchten noch den oberen Teil der bis etwa 70 km Höhe reichenden lichtreflektierenden Schicht der Luft­hülle. Ein heller Dämmerungsbogen im Norden zeigt uns während der Nacht den jeweiligen Stand der unter dem Horizont dahinziehenden Sonne an. Die Zeit der hellen Nächte dauert in Norddeutsch­land von Ende Mai bis Mitte Juli, in Schleswig und Ostpreußen von Mitte Mai bis Ende Juli. Im südlichen Deutschland dagegen gibt es auch am längsten Tage keine nächtliche Dämmerung. Abend- und Morgendämmerung werden dort durch eine wenn auch kurze Zeit völliger Dunkelheit getrennt.

gaben verlangen den restlosen Einsatz jeder einzel- zusamrüen, da sie die gleiche Bewegung im Raum! nen Arbeitskraft.

les eigenen sein Leben

Marga schüttelt ungläubig den Kopf.Es gibt keine Möglichkeit, das alles abzustellen "

Der Doktor ist gerade an der Tür angelangt. Er bleibt bart stehen und lehnt sich gegen das dunkle Holz. Er sieht lange vor sich hin und nagt an seiner Unterlippe.

Dann hebt er plötzlich den Kopf, schaut Marga an, schaut wieder weg, tut einen Schritt auf sie zu und lehnt sich dann doch wieder gegen die Tür.

Fäden hin und her.

Vornan von Hedda Westenberger.

Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.

37. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Armer Doktor! denkt Marga.

Inzwischen haben sich die drei Kampfhahnetze- Luckt an dem Doktor vorbei in die Küche, bezie­hungsweise nach oben verzogen. Als dre Tur hinter der letzten zufällt, nimmt der Doktor Marga beim Arm und führt sie in sein Studio. ^Kommen Sie, schnell einen Schnaps! Herrgott ich konnte doch wahrhaftig dieses ganze Weiberpack mit dem Stock verbleuen, bis sie nicht mehr sitzen und gehen

Hastig gießt er ein Glas Kognak hinunter. Marga rührt das ihre nicht an.

Wenn man Ihnen nur helfen könnte", sagt sie nach einer Weile herzlich.Wenn man Ihnen nur irgendwie aus Ihrer Vielweiberei heraushelfen ^er Doktor gibt keine Antwort. Er ist bei Margas Worten nur kurz stehengeblieben, um aufzuhorchen; dann hat er feinen verärgerten, nervösen Gang durch das Zimmer wieder aufgenommen.

Maraa sitzt auf der Lehne eines Klubsessels und schaut ihm zu, wie er da auf und ab geht. Wirklich, er tut ihr leid. Aber warum nimmt er denn solche Lchenrevvlten nicht mit Humor? Warum laßt er *"U° cinmÄmt »er Doktor direkt °us sie zu und legt seine beiden Hande auf ihre Schultern.

euu weiß was Sie denken", sagt erReifer.Sie wunbern sich, daß ich mich über solchen Stiwm im Wa serglas so maßlos errege, aber wissen wie a^ch wie das weiterqeht nach 1° einem Krach? Noch acht läge lang wird jetzt mem- Schwägerin über die Dienstboten lamentieren und über die neu wnhifrhen Sitten, mit denen sie sich mct)t einoer siandeNrZrem [ann Seher Mitani.rt Jeimti« eben Das Mäbchen die Tan e, die Tante me Putzfrau, die Putzfrau das Mäbchen. Selbst Monika beteiligt sich an b?m Spiel. Ironisch zwar und mehr aus Spaß und Schabenfreude - aber immerhin Glauben Sie nicht selbst, daß man dabei auf die Trauer verrückt wird? Noch dazu, wenn man to­nen einzigen Menschen hat mit dem man zwischen-

>»««

tos, UM wieder auf und ab zu gehen.

Margas Herz beginnt, ohne daß sie weiß, war­um, plötzlich zu klopfen.

Doch", sagt der Doktor bann plötzlich mit gänz­lich veränderter Stimme,doch, es gibt eine Mög­lichkeit, alles, überhaupt alles, abzustellen. Wenn Sie meine Frau werden, Marga. Nein, still, sagen Sie jetzt nichts. Hören Sie mich erst an! Don meinen Gefühlen will ich nicht reden. Heber die sind Sie wohl ziemlich orientiert. Sondern nur über mein Dasein und über das Ihre. Sie suchen, nach Ihrem wahrscheinlich ziemlich bewegten Leben, Ruhe und Geborgenheit und einen friedlichen Hafen. Sie brauchen einen Menschen, der Ihnen das Steuer des Lebens endlich aus der Hand nimmt. Und ich ich brauche einen Menschen, eine Frau, die mir etwas Licht und Luft und Be­weglichkeit in mein eingerostetes Dasein bringt. Die aus ganz anderer, lebendigerer Atmosphäre kommt. Und die das nötige Quantum an gesundem Men­schenverstand, an geistiger Überlegenheit, an Klar- heit und innerer Haltung besitzt, das einem Mann in meinen Jahren zur Vollendung seines eigenen Jchs unbedingt notwendig ist, wenn sein Leben überhaupt noch irgendeine Farbe haben soll. Dar­um, Marga, wenn Sie mich vielleicht heute auch noch nicht lieben und ich vielleicht auch niemals in Ihrem Leben das sein werde, was man eine ganz große Liebe nennt vielleicht können Sie mich so gern haben, so... liebhaben, wie es für eine Ehe zwischen zwei nicht mehr ganz jungen Menschen notwendig ist. Vielleicht können wir uns eine wunderbare Kameradschaftsehe aufbauen. Eine Ge­meinschaft, in der Achtung und Sympathie fürein­ander eine bessere Grundlage gibt als em Stroh­feuer von Liebe. Obwohl ich mich nicht scheue. Ihnen zu sagen, Marga, daß ich, für meine Person, Sie aufrichtig liebe. Nein, reden Sie noch nichts. Sagen Sie, bitte, weder'jetzt noch in einer Stunde noch überhaupt heute etwas, was als Antwort auf meine Frage angesehen werden konnte Denken Sie, bitte, erst sehr gründlich nach über das, was ich vorgebracht habe. Und überlegen Sie .lange. So lange Sie wollen. Denn Sie sollen m keiner Weise bedrängt handeln. Ich kann warten Ich kmm wenn es sein muß, sogar über Jahr und Tag

warten. Und machen Sie, bitte, nicht so ein maß­los verwirrtes Gesicht. Dachten Sie nicht, daß es um mich so ernst stehen könnte? Ja, sehen Sie, vor ein paar Tagen habe ich das auch noch nicht gedacht. Vielleicht sogar habe ich noch gestern das Gefühl gehabt, es wäre besser, über dies alles hin­wegzukommen, Sie gehen zu lassen, wie Sie ge­kommen sind, und der Vernunft zu gehorchen, die mir zuflüstert: Was fällt dir ein, du oller Datier» greis, so ein junges Geschöpf an dich fesseln zu wollen! Aber nun haben wir zusammen diesen Un­glücksmorgen erlebt, dieses widerwärtige Alt- jungferngezänke im Haus, und Sie haben mich zu dem Arbeiter hinausgefahren und sich in die Situa­tion hineingepaßt, als führen Sie mich seit Jahr und Tag zu Patienten, und als wäre Ihr Wägel­chen ausschließlich dazu bestimmt, Verunglückte zu transportieren; und Ihre ganze Art, zu handeln, einzugreifen ober auch nur dabeizusein, hat auf mich so wohltuend gewirkt, daß nun auch meine letzte Vernunft über den Haufen geworfen worben ist. Ich weiß jetzt ganz positiv, daß wir prachtvoll miteinander leben könnten, daß Sie die geborene Frau für mich, für meinen Beruf, für meine ganze Lebenssphäre sind. Und darum habe ich mich doch noch entschlossen, zu reden. Könnten Sie sich nun entschließen, über alles das einmal nachzudenken, es zu erwägen?"

Er atmet tief und erregt, unb seine Hand gleitet mit einem kleinen Zittern durch das Haar.

Marga Monttvill hat das Kinn in der Hand, den Ellenbogen auf ihr Knie gestützt, und schaut mit halbgeschlossenen Augen vor sich hin.

Ein sonderbares Gefühl ist in ihr: Ein ganz leises strömendes Glück. Und daneben eine große, beklemmende, dunkle Angst.

Eigelstein. Ein Leben lang Eigelstein. Das Haus, der Garten, die Nachbarn. Ein Faktotum von Haus­gehilfin. Ein Faktotum von einer Tante... Ein Leben lang ein Idyll.

Das Leben hier sei ohne alle Tiefe, hat der Doktor einmal gesagt.

Aber der Mann? Der Mensch Doktor Gottfried Hammerbacher? Ist ihr nicht jede Minute, die sie mit ihm zusammen war, ein Gewinn gewesen?

Ja. Aber galt das dem Mann? Galt es nicht vielleicht nur dem Menschen? Und jetzt soll der Mensch Gottfried Hammerbacher ihr Mann fein, ihr ganzes weites, ihr selbst vielleicht in feinen letzten Ausmaßen noch unbekanntes weibliches Ge­fühl soll sich auf diesen Mann konzentrieren? Der sein halbes Leben schon hinter sich hat? Der zwei- undfünfzig Jahre alt ist?

Sie schaut unwillkürlich auf, unter dem Eindruck: zweiundfünfzig Jahre. Aber der Doktor ist nicht mehr im Zimmer. Sie ist allein.

24. Auch der anständigste Mensch unterliegt manchmal der Versuchung^ zu lauschen.

Der Doktor hat recht gehabt. Die schwarze Wolke über dem Hammerbacherschen Hause verzieht sich nicht wieder so schnell. Zwar ist Tante Martha schon beim Mittagessen wieder von fließender Liebenswürdigkeit, aber man kann ja auch in aller Liebenswürdigkeit über nichtsnutzige Dienstboten, klatschsüchtige Putzfrauen und herrschsüchtige Män­ner, die sich immer in alles hineinmischen müssen, reden, nicht wahr? Und man kann dabei unter dem Schleier lächelnder Höflichkeit zuweilen mehr Gift verströmen lassen als bei der gröbsten Auseinander­setzung.

So kommt's, daß alles plötzlich Hintergründe hat: jedes Wort, jede Anweisung an das Mädchen, jede Frage an den Doktor, sogar jede Unterhaltung mit Marga. Es ist plötzlich ungemütlich. Es zeiA sich plötzlich, daß die Weltabgesondertheit dieses Hauses nicht nur Frieden, sondern unter der fried­lichen Decke auch eine verblüffende Fülle an klein­lich-menschlichen Regungen produziert.

Kurzum, Monika hat nicht unrecht, wenn sie bos­haft Marga erklärt, daß sich alle paar Monate einmal dieses Haus in ein Untersuchungsgefängnis verwandle.

Und warum verbittet sich Ihr Vater dies alles nicht ganz energisch?"

Monika zuckt die Achseln.Glauben Sie, daß irgendein Mensch gegen Tante Martha etwas aus­richten könnte? Was sie nicht offen tun darf, tut sie heimlich. Sie ist heilig überzeugt von ihren Rech­ten, und eher geht die Welt unter, als daß sie etwa das Mädchenzimmer, wenn es ihr notwendig er­scheint, nicht untersucht. Und außerdem ist Papa viel zu müde, den Kampf gegen Tante Martha ernsthaft aufzunehmen. Er brüllt mal, dann läßt er die Dinge wieder laufen. Wie er ja überhaupt von Jahr zu Jahr alles immer mehr laufen läßt, wie es läuft. Gott, er wird eben auch langsam alt."

Marga beißt sich auf die Sippen.

Monika sitzt am Flügel und phantasiert über ein paar Brahms-Melodien. Von Zeit zu Zeit schaut sie zu Marga hinüber, die drüben am Fenster sitzt und nachdenklich eine Zigarette raucht.

(Fortsetzung folgt)