Aus -er Sta-i Gießen
Gau- und Kreissieger
imReichsberufsweMmpfly38,KreisMtterau
Die Zuchthaus-Ausbrecher vor Gericht
Vers:
(Nachdruck verboten!)
1L Fortsetzung.
Herren" oder — wie man in alemannischen Gegenden sagt — ,chie drei Aergsten", Es sind das nach dem Volksmunde dortzulande zwar „Drei Heilige, ober der Teufel trau ihnen!" Und dabei haben diese zweifelhaften Kalenderheiligen gar noch ein Weibsbild im Gefolge, das es manchmal noch
Wer braucht denn im Frühling Pantoffeln? Das ist doch viel zu warm! Aber ihr seid so stupid, daß man euch das tausendmal auseinandersetzen kann, und ihr begreift's doch noch nicht!"
„Mein Gott", sagt Monika ehrlich beleidigt, „das soll ein Mensch wissen, daß bei dir Anfang März schon Frühling ist. Aber schön, dann ist eben von heute ab Frühling. Ganz, wie du willst."
Dann fällt die Tür hinter ihr zu, und der Doktor ist wieder allein.
Glatt und frischrot leuchtet ihm sein Gesicht aus dem Spiegel entgegen. Jetzt noch rasch einen frischen Kragen und fertig.
Und was die verfluchten Pantoffeln anlangt ... Ach was!
Das heißt, warte mal ...
benachbarten Ausflugsplätze Betriebsfeiern statt, über die mir nicht' im einzelnen berichten können, von denen aber nach den heute früh bei uns vorliegenden Informationen gesagt werden kann, daß sie überall einen schönen Verlauf genommen haben.
So kann denn auch der gestrige Gießener Nationalfeiertag des deutschen Volkes nach jeder Richtung hin in der (Erinnerung aller Volksgenossen einen Ehrenplatz einnehmen.
Tabakwarenverkauf in Gaststätten.
Fwd. Der Wirtschaftsminister hat in einem Schreiben an die Wirtschaftsgruppe Einzelhandel bestätigt,
daß der Verkauf von Tabakwaren in Trinkhallen ebenso wie in anderen Schankwirtschaften sowohl vor als auch nach der Ladenschlußzeit nur an Gäste zulässig ist. Es kommt ferner vor, daß Trinkhallen, die auch Tabakwarenverkauf als Zubehörhandri betreiben, den Ausschank von Getränken einstellen, aber den ursprünglich nur als Zubehörgeschäft betriebenen Tabakwarenverkauf weiter betreiben wollen. Der Minister stellt sich auf den Standpunkt, daß ein in einer Trinkhalle als Zubehörhandel betriebener Tabakwarenverkauf nach Aufgabe der Trinkhalle nur mit behördlicher Genehmigung nach dem Einzelhandelsschutzgesetz weitergesuhrt werden kann.
will betrifft, die ist nicht so heikel. Die futtert, was man ihr vorsetzt. Die ist nämlich für ein Frauenzimmer erstaunlich vernünftig, verstehst du?"
Monika hat sich langsam auf dem Absatz herumgedreht und ist auf die Tür zugegangen. Als sie schon die Klinke in der Hand hat, ruft sie der Vater plötzlich in ziemlich verändertem Ton zurück: „Du, Monika, hör' mal eben ..."
„3d?"
„Geh doch mal, bitte, runter ins Wohnzimmer und nimm die Pantoffeln beim Ofen weg."
„Deine Pantoffeln?"
„Ja, natürlich meine. Und bring sie hier 'rauf, ja? Sei so gut."
Monika reißt erstaunt die blauen Augen auf: „Hier 'rauf? Uebrigens fällt mir ein — der Seppl . fchleppt sie schon seit fünf Minuten mit sich herum. Er sucht dich überall, und Tante Martha hat deiner Dame schon erzählt, wie niedlich das ist, wenn Seppl dir die Pantoffeln bringt, und daß sie sich das unbedingt ansehen soll. Laß doch Tante Marthchen den Spaß, und deine Dame hat auch so gelacht, wie sie Seppl mit den Pantoffeln gesehen hat."
Doktor Gottfried Hammerbacher fuhrwerkt mit dem Handtuch in seinem Gesicht herum, als sei er damit in Juckpulver gefallen: „So. Na schön. Also bring sie nich 'rauf."
Er macht eine kleine Pause, und Monika drückt erneut die Türklinke herunter, um zu gehen. Da nimmt der Doktor plötzlich das Handtuch, wirst es in hohem Bogen auf das Bett, zerrt hastig beide Hosenträger hoch und brüllt zornrot die Tochter an: Aber hab' ich euch nicht schon hundertmal erklärt, daß ich nut im Winter ötf Pantoffeln anziehe?
Nach zweitägiger Verhandlung wurde am Samstagnachmittag der Angeklagte H. Hunstock aus Langula wegen Meuterei, Widerstand gegen die Staatsgewalt und drei gemeinschaftlich begangenen Einbruchsdiebstählen zu einer Gesamtzuchthausstrafe von drei Jahren verurteilt. I. Kaffitz erhielt wegen Meuterei und drei gemeinschaftlich begangenen Einbruchsdiebstählen e i n Jahr und sechs Monate Zuchthaus. Der Angeklagte O. Nagel wurde wegen der gleichen Straftaten zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Bei H u n st o ck und Kaffitz wurde außerdem noch die Sicherungsverwahrung angeordnet, und sie wurden unter Polizeiaufsicht gestellt.
Bei Hunstock war für die Bemessung der Strafe ausschlaggebend, daß dieser — wie schon am Samstag in unfern Bericht dargelegt wurde — der geistige Urheber und der eigentliche Ausführer der strafbaren Handlungen war, während die anderen beiden ihm nur Hilfsdienste leisteten und sich seinen Anordnungen in jeder Beziehung fügen muß-
Fäden hin und her.
Vornan von Hedda Westenberger.
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlins35.
Das ist ein außerordentlich gutes Ergebnis. Die allgemein gute Leistung im Kreise Wetterau wird weiter dadurch bestätigt, daß bei insgesamt 5400 ausgegebenen Beteisigungsurkunden 1450 Teilnehmer die besondere Ehrenurkunde für gute Leistungen erringen konnten. Voraussetzung dabei war das Erreichen von 75 v. H. der Gesamtpunktzahl. Die Gau- und Kreissieger sind:
Gottwald Schönwandt, Nordeck, Gau- und Kreis- fieger, Eisen und Metall.
Heinrich Motz, Gießen, Gau- und Kreissieger, Verkehr und öffenti. Betriebe.
Theodor Möbus, Reiskirchen, Gau- und Kreissieger, Verkehr und öffentL Betriebe.
Albert Scheller, Ranstadt, Gau- und Kreissieger, Bergbau.
Otto Altensen, Bobenhausen, Kreissieger, Nahrung und Genuß.
Günter Sämann, Gießen, Kreissieger, Nahrung und Genuß.
Emmi Hoffmann, Heuchelheim, Kreissieger, Nahrung und Genuß.
Wilhelm Jung, Holzheim, Kreissieger, Holz, Otto Schultheiß, Grünberg, Kreissieger, Holz. Hermann Jöst, Gießen, Kreissg., Eisen u. Metall. Karl Behlen, Bad-Nauh., Kreissg., Eisen u. Metall. Wilh. Hch. Schutt, Dorheim, Kreissg., Eisen u. Met.
Schreiner Willy Kramer aus Seelbach wurde . beim Absteigen von einer Maschine so unglücklich - gequetscht, daß er mit einem Beckenbruch in arzt- liebe Behandlung gebracht werden mußta — In der oberen Marburger Straße ereignete sich m der Nacht zum Samstag ein Verkehrsunsall. Der Kraftfahrer einer Dame aus Frankfurt, die von lieber- fee kam, wollte einem entgegenkommenden tfabr- zeug ausweichen, geriet aber dabei, infolge der durch den Regen schlüpfrig gewordenen Straße gegen einen Baum. Die Insassin wurde dabei schwer in Mitleidenschaft gezogen und mußte unter bem Verdacht auf innere Verletzungen in die Chirurgische Klinik gebracht werden. — Eine Hausangestellte aus der Neustadt fiel in eine große Glasscheibe und zog sich dabei eine schwere Sehnenoerletzung am Arme zu. , . , .
** Geisteskranker entwichen. In diesen Tagen ist ein bei der Arbeit im Hofe beschäftigter Geisteskranker aus der hiesigen Landes-All- und Pflegeanstalt entwichen. Der Mann, 1,76 Meter groß, 54 Jahre alt, bekleidet nut gestreifter Anstaltshose und gestreifter Arbeitsbluse und blauer Schirmmütze, ist ein harmloser Kranker, dessen Zuruck, bringung aber notwendig ist, um ihn vor Verwahrlosung zu schützen. Zweckdienliche Mitteilungen sind an die nächste Genbarmeriestation oder an das nächste Polizeiamt zu richten.
Becker, o. B., 80 I., Wühelmstraße 48. 27.: Ludwig Anches, Pfarrer, 54 I., Ludwigsplatz 2; Georg Fischer, o. B., 78 I., Bahnhofstraße 69.
** Di e Hundesteuer wird von der bisherigen Berechnung für das Kalenderjahr auf das Rechnungsjahr umgestellt und künftig von den Ge- meinden für ihre eigene Rechnung erhoben. Der Oberbürgermeister veröffentlicht darüber heute eine wichtige Bekanntmachung.
„Meine Dame — um mich deines geistreichen Ausdrucks zu bedienen — meine Dame war schon hier bei uns im Haus, als du überhaupt noch nicht geboren warst, verstehst du! Und außerdem weiß ich gar nicht, warum ihr so ein albernes ©etue, macht. Wenn's nötig ist, gebt ihr eben Regensburger und Frankfurter und in Gottes Namen auch noch Wiener Würstchen zusammen. Was ist denn dabei? Und wenn's dem Lenzsch nicht paßt, soll er draußen bleiben. Und was meine Da ... was Fräulein Mont-
gerechnet hier diesen Walter Lenzsch zuzuführen, dem sie vor vielen, vielen Jahren regelrecht durchgebrannt ist! O je, das dumme Gesicht, das er macht! Und beim Verbeugen versinkt er so tief, daß man fein Kragenknöpfchen hinten am Hals freundlich schimmern sieht — genau wie früher.
„Wie nett, Herr Doktor, daß ich Sie wiedersehe", sagt Marga Montwills tiefe Stimme, nachdem der Verblüffte aus seiner abgrundtiefen Verbeugung wiederoufgetauckt ist. Dabei ist in ihren braunen Augen ein Ausdruck, den Walter Lenzsch noch sehr gut von früher her kennt. Es war dann nie gut Kirschen essen mit Marga Montwill, und wahrscheinlich hat sich in dieser Richtung nichts geändert. Es ist also besser, sich zurückzuhalten, wenigstens vorläufig.
So schlägt er denn noch mql die Hacken zusammen und drückt die Hand, die er vorher vorschriftsmäßig bis auf Fingerbreite an die Lippen geführt hat, und murmelt etwas von „entzückender lieber» raschung" und ,^anz besonderes Vergnügen" und „hoffentlich zu Hause alles wohl" und ist sehr dankbar, daß Marga ihm alles weitere abnimmt und den Hammerbacherschen Damen so ein bißchen von oben herab erklärt, daß Doktor Lenzsch mit ihr in die Tanzstunde gegangen sei und als — als Schulfreund ihres Bruders nachher noch etliche Jahre in ihrem Elternhaus verkehrt habe. Bis er dann plötzlich — jetzt streifen Margas braune Augen wieder drohend und zugleich spöttisch des Doktors Gesicht — wie vom Erdboden verschwunden war, ja, wie vom Erdboden verschwunden.
Doktor Lenzsch reibt sich die Hände und wiegt sich ein wenig in den Hüften: Na, also verschwunden ...
„Jawohl, jawohl, leugnen Sie nicht, lieber Doktor, auf einmal waren Sie nicht mehr aufzufinden. Wir, mein Bruder und ich, wir haben telephoniert und geschrieben und herumgefragt, aber der Stud. med. Lenzsch war weg."
„Ein bißchen undankbar, Herr Lenzsch, nicht wahr?" fragt Tante Martha und denkt im stillen: Also so einer ist das!
Aber nun verteidigt ihn Marga Montwill plötzlich. O nein, undankbar, das kann man nicht sagen, sondern — nun, in Berlin verschwinden die Leute eben manchmal so von der Bildfläche. Das liegt an der Großstadt, da ist nichts weiter dabei, iwS. Aber ulkig, nicht wahr?
„Sehr ulkig", sagt Monika plötzlich betont und lächelt dazu auf eine sehr merkwürdige Weise.
(Fortsetzung folgt.)
Er geht auf Zehenspitzen aus dem Zimmer und pfeift, über das Treppengeländer gebeugt, leise nach dem Hund.
Und richtig taucht unten in der Diele Seppl auf, die Pantoffeln seines Herrn treulich im Maul.
„Komm, Seppl, komm schön. Bring die Pantof- fein zum Herrchen herauf. Komm ..."
Seppl kommt zögernd und nicht erbaut über diese Abänderung des Programms. Aber er kommt, und sein Herr atmet auf.
10. Gin junger Mann machtein dummes Gesicht, und Marga kann sich an nichts mehr erinnern.
Tante Martha sitzt mit hochroten Bäckchen auf der Stuhlkante und macht krampfhaft Konversation. Dabei jagen ihre Gedanken hin und her wie aufge- scheuchte junge Mäuse. Wie schrecklich, was hat nur Gottfried, daß er sich am Sonnabend vor Tisch rasiert? Und daß dieser Lenzsch mit so viel Der- spätung kommt! Er weiß doch, daß sonst Sonnabends punkt ein Uhr die Suppe auf hem Tisch stehen muß. Ob Frieda draußen in der Küche auch daran denkt, die Würstchen getrennt zu servieren. Man kann doch nicht Regensburger und Frank- furter ... Und Monika, warum kommt den Monika nicht herein? Sie hat noch keine drei Worte mit der fremden Dame gewechselt; sie hat ihr nur flüchtig die Hand gegeben und ist dann wieder gegangen. Eigentlich könnte man nach Tisch Kaffee servieren, ober Frieda könnte schnell ein paar „Aepfel im Schlafrock" machen, Aepfel sind ja genug da ...
„Hoffentlich störe ich Sie nicht zu sehr, gnädiges Fräulein", sagt Marga vorn Fenster her, wo man sie in Tante Marthchens Lehnstuhl komplimentiert hat. Und hoffentlich stört Tapsy nicht. Er ist ja
ten. Bei der Verlesung der Vorstrafenliste zeigte es sich, daß man es bei Hunstock mit einem Menschen zu tun hatte, der, einmal auf die schiefene Ebene gekommen, kein Halten mehr kennt, sondern bei jeder passenden Gelegenheit sich am Eigentum der anderen vergreist, und, wenn sich ihm Widerstände in den Weg stellen, auch zu der Waffe greift. Bei ihm handelt es sich um einen gewalttätigen Burschen, dessen Gefährlichkeit durch seine Intelligenz noch gesteigert wird. Die nicht epdenwollende Liste der seinen früheren Verurteilungen zugrunde liegenden Diebstähle, seine jetzt zur Verurteilung stehenden Straftaten und die Art seines Auftretens in der Verhandlung zeigen, daß er ein Gewohnheitsverbrecher ist, vor dem die Allgemeinheit geschützt werden muß. Selbst die noch lange dauernde Zuchthausstrafe schloß nicht aus, daß Hunstock auch nach seiner Entlassung nicht wieder das Eigentum seiner Mitmenschen verletzen würde, allein die Sicherungsverwahrung stellt einen ausreichenden Schutz der Allgemeinheit bar.
Kasfitz, der im Gegensatz zu Hunstock ein gei-
schlimmer treibt, als die drei frostigen Männer 1 selbst; drum wirft man — neben einer unglaublichen Fülle von anderen Versen über die „Eisheiligen"! — alle vier in einen Topf und sagt kurz und bündig:
„Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophai geh'n selten ohne Eis vorbei."
Dom Tage des Pankrattus — 12. Mai — sagt man im besonderen noch: „Wenn's Pankrazi regnet, fallen die Birnen ab, auch wenn sie mit Eisendraht an den Bäumen hingen". Von Bedeutung in der ländlichen Wettervoraussage ist dann zumal der Urbanstag, 25. Mai. Horten wir oben, daß als Tag des Bohnensäens am Rhein der erste Maientag empfohlen wird, so können wir daraus schließen, daß die folgende Bauernregel, die auf das Monatsende yinweift, in rauheren Gauen unseres Vaterlandes entstanden ist, also im Norden oder im Hochlande:
„Auf Urban soll man Bohnen legen, da gedeihen sie zum Segen."
Seine Hauptbedeutung aber hat Sankt Urban als „Weinheiliger". Drum will man an seinem Ehrentage Sonnenwetter, das die Rebe so nötig braucht, sehen. Man traut ihm schon zu, daß er wenigstens keinen Frost beschert und reimt zuversichtlich: „Urban bringt keinen Frost mehr her, der den Reben schädlich wär'." Was aber Sonnenschein und Regen für diesen Maientag anbetrifft, da ist man sich — aus gemischten Gefühlen heraus — nicht ganz sicher. Aber man wird sich doch sogar einen Heiligen erziehen können, nicht wahr? So steht denn in manchem deutschen, Weinberg, auf manchem Marktplatz eines Mnzerdorfes ein Bill) St. Urbani. Scheint am Urbanstag die Sonne, so bringt man ihm Blumen und andere Ehrungen dar. Regnet's aber, so wirft man die Statue in den Brunnen, da man dem Heurigen für dies Jahr nichts Gutes zutraut; in Schwaben heißtis von diesem alten Brauche:
„Wenn Urban kein gut Wetter geit (gibt), so wird er in die Pfütz' geleit (gelegt^"
Dornotizen.
Tageskalender für Montag.
Gloria-Palast, Seltersweg: ,T)lympia, Fest der Schönheit". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Groh- alarm". — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand.
Don der Universität Gießen.
Von der Pressestelle der Ludwigs-Universität Gießen wird uns mitgeteilt: Der ordentliche Professor Dr. Beller ist zum Dekan der Veterinärmedizinischen Fakultät ernannt worden.
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*♦7 5 Jahre alt. Frau Marie Bleden- kapp, geb. Beckel, Alicenftraße 33, vollendet am heutigen 2. Mai ihren 75 Geburtstag in voller körperlicher und geistiger Frische.
** Sterbefälle in Gießen. Es oerftar- ben: 18. April: Anna Albrecht, geb. Trettin,. o. B., 65 Jahre alt, In Löbershos 6; Elise Volz, geb. Grein, o. B., 74 I., Bahnhofstraße 8. 19.: Hans Cüsters, Kanzlrigehilfe, 32 I., Moltkestraße 20. 20.: Karl Winther, o. B., 21 I., Eichgärten 23. 21.: Karl Born, Viehhändler, 77 I., Walltorstraße 8. 24.: Margarete Schmidt, geb. Schmitt, o. B., 59 Jahre, Werrastraße 11; Karl Spannagel, Feld- wedel, 26 Jahre. 25.: Johanna Wagner, o. B., 52 Jahre, Westanlage 17. 26: Gertrud Einhäuser, geb.
Paul Lieber, Wölfersheim, Kreissg., Chemie. Wilh. Weinandt, Gr.-Linden, Kreissg., Bergbau. Felix Klimowicz, Tr.-Horloff. Kreissg., Bergbau. Wilhelm Schuster, Hochelheim, Kreissieger, Banken und Versicherungen.
ftebi Klaus, Butzbach, Kreissieger, Leder.
Engelbert Bayer, Butzbach, Kreissieger, Leder.
Wiegand Pfeil, Treis (Lda.), Krssg., Stein u. (Erbe. Erwin Jammer, Gießen, Kreissg., Stein u. (Erbe. Dina Michel, Lich, Kreissieger, Handel.
Maria Maidhof, Lich. Kreissieger, Hausgehilfen. Frau Marie Müller, Bab-Nauh., Krsg., Gesundh. Hugo Daüini, Bad-Nauheim, Krsg., Gesundheit. Willi Philippi, Gießen, Kreissieger, Gesundheit. Hanna Keubel, Lich, Kreissieger, Gesundheit.
Die Gau- und Kreissieger unterließen zukünftig einer besonderen Betreuung der Deutschen Arbeitsfront, da es gilt, sie als besonders befähigte und leistungsfreudige Arbeiter auf die Plätze zu stellen, wo sie der Volksgemeinschaft im verstärkten Maße dienen können. Erfreulich ist, daß bereits einige betriebe, die die Sieger gestellt haben, eine berufliche Forderung durchführten.
Die vier erstgenannten Gau- und Kreissieger waren außerdem zum Reichsentscherd in Hamburg zugelassen. Wir hoffen, daß der Kreis Wetterau zum mindesten einen Reichssieger stellen wird.
Mai.
Maisonne ist des Städters Wonne, aber Maien- regeh bringt dem ganzen Lande Segen! Das ist so ungefähr die Quintessenz aller Maidichtung und der — damit keineswegs in vollem Einklana stehenden — Bauernregel, die der Landmann harter Erfahrung übgerungen hat. Zwar heißt es ausnahmsweise in der bäuerlichen Wetterprophetie einmal:
„Mai warm und trocken,
schadet weder Weizen noch Roggen";
aber meist wünscht der Landmann sich den lieblichen Mai nicht allzu sonnig und wonnig. Er hat es oft genug erfahren, daß diese alte Beobachtung stimmt: „Regen im Mai — gibt fürs ganze Jahr Brot und Heu!" Nur der Winzer wünscht sich für die Tage der Rebenblüte, die nicht selten in den Maibe^nn fällt, trockenes Wetter, damit die Fruchtbestäubung der Weinstöcke nicht gestört wird, und reimt:
„Regen im Anfang des Maien tut den Reben brauen (drohen)!"
Die Fruchtbarkeit des Mairegens ist ja sprichwörtlich; Kinder laufen im Mairegen umher und lassen sich den Kopf netzen, damit sie schneller wachsen, der Traum aller Kleinen, während die Großen gern „wieder Kind" würden. Und in Deutschböhmen empfiehlt man den Mädels, barfuß zu gehen im Mai, denn die Bodenfeuchte bringe in den Körper ein, so daß die Haare gut wachsen; und — abgesehen von aller städtischen Knaben- kopfrnode — welch natürliches Landmädel mochte nicht einen festen Zopf haben! Sonderbarerweise gibt es einen alten Aberglauben, der besagt, man solle kein Kind im Mai, ih der (weißen) Blütezeit, entwöhnen, sonst bekomme es frühzeitig weiße
** Aufschrift von Postsendungen nach dem Auslande. Postsendungen nach dem Auslande tragen in vielen Fällen noch unzureichende Aufschriften. Die Post empfiehlt den Absendern, die Aufschrift stets so genau und so vollständig abzufassen, daß die Sendung ohne Nachforschungen befördert und dem Empfänger ^gestellt werden kann. Die Aufschrift ist in lateinischen Buchstaben äu schreiben, wenn die Sendungen nicht nach deutschsprachigen Ländern gerichtet sind.
** Unfälle. In der Nacht zum Samstag verunglückte der hiesige Maurer Wilhelm Fuchs unweit der Ganseburg mit seinem Motorrad. Nach seiner Angabe wurde er durch ein entgegenkommendes Fahrzeug geblendet und fuhr in den Straßengraben. Fuchs erlitt dabei einen Unterschenkelbruch und mußte durch die Sanitätsbereitschaft Gießen in die Chirurgische Klinik gebracht werden. — Der
onst sehr brav, aber ich fürchtt, er wird sich mit Ihrem Teckel nicht vertragen."
Oh, das mache nichts, wehrt Tante Martha ab, und ihre Augen wundern sich sehr, daß die Pantoffelecke am Ofen leer ist. Sollte da etwa der remde Hund ... Oh, das mache gar nichts. Hunde eien reizende Tiere, und solange der Herr des Hauses in der Nähe fei, greife der Teckel auch feinen erbittertsten Feind nicht an. Um diese Zeit herum habe er sowieso nur Interesse für Herrchens Pantoffeln, ja. Aber du lieber Himmel, nun schlage es chon halb zwei, und man sitze noch nicht einmal! Sonst, wenn die Suppe nicht punkt eins auf dem Tisch stehe, och, dann gebe es ...
Da endlich geht die Tür auf, und herein kommt Monika, gefolgt von einem jungen Mann. Sein blondes Haar steht ihm ein bißchen wirr um den Kopf, und an den Hosenröhren hängen ihm noch die Klammern; wahrscheinlich ist er mit dem Rad gekommen, und da Monika jetzt die Deckenbeleuchtung anknipst, kann man auch sehen, wie der Dreck an seinen Seinen hochgespritzt ist.
Der junge Mann stürzt auf Tante Martha zu und küßt ihr demütig die Hand. Sie möge verleihen, diese entsetzliche Verspätung sei ihm wirklich sehr peinlich, aber er habe unterwegs eine Patientin getroffen, die vorgestern erst entlassen worden sei, und die noch ein paar Tage in Eigelstein Aufenthalt genommen habe.
Tante Martha legt freundlich den Kopf schief: „Ach, wer roar's denn, wenn man fragen darf? Docy nicht die Schwiegertochter von Rietschels?"
Nein, die sei noch immer im Sanatorium, sagt der junge Mann, die sei noch nicht so weit, o nein. Aber die junge Nichte von Friedmeiers, die sei's gewesen. Ja, die habe sich prachtvoll herausgemacht. (Eine Freude, wirklich eine Freude...
„Erlauben Sie", mischt sich Monika dazwischen und tippt dem jungen Mann leise auf die Schultern, „ich möchte Sie gern mit Fräulein Montwill bekannt machen, Doktor Lenzsch."
Der Doktor fährt herum, als habe ihn Monika nicht nur angetippt, sondern empfindlich gepiekt oder gekitzelt. „Wie bitte? Ja, Verzeihung, ich..."
Monika zieht ihn am Aermel zu dem Fenster hinüber, vor dem Marga bisher immer noch gesessen hat. „Fräulein Montwill, darf ich vielleicht ...? Herr Doktor Lenzsch — Fräulein Mont- ; will aus Berlin." Um ein Haar wäre Marga her- ausgeplatzt. Sie freut sich schon feit fünf Minuten : auf diesen Augenblick! Da hat sich ja das Schicksal i Vahrhastig einen herrlichen Witz geleistet, ihr aus*
Haare. ..
Will der Landmann einen feuchten, natürlich nicht gerade unfreundlichen Mai — denn „Maienfroste sind unnütze Gäste" — sehen, so kann ihn auch das frühzeitige Froschgequake nicht erfreuen; heitzt es doch:
„Wenn iw Mai die Frosche knarren, (quarren), muh man lang auf Regen harren!"
Interessant für den Jägersmann ist dieser Volks- sprach, der über die Tätigkeit des Jägers hinsichtlich Pirsch und Forstvflege im Mai sich verbreitet: „Im Mai soll der Weidmann ausschlafen, aber der Forster soll die Augen nicht zu tun."
Der 1. Mai ist — außer Walpurgis — Philipp und Jakob geweiht. Drum sagt man:
„Ha'n Philipp uyh Jakobus Regen, so folgt ein reicher Erntefegen."
Dn fast allen deutschen Gauen gilt dieser „Ist am 1. Mai Tau gefallen, bedeutet's Segen den Früchten allen!"
Rheinischen Ursprungs ist der Reim:
„Wer c*n ersten Mai abend setzet Bohnen, dem wird es sich reichlich lohnen!"
Immerhin ist der Bauer aerobe in jenen Wochen wegen der Frostgefahr besorgt. Zusammenfassend sagt er für den 4, urtb 10. Mai:
„Florian und Gordian
richten oft noch Schaden an."
Aber — und das weiß auch der Städter gut genug — die heikelsten Maientage sind die der Monatsmitte. Dann kommen die „Qeftr engen


