Ausgabe 
2.5.1938
 
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Nr. tOl Drittes Matt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Montag, 2. Mai M8

Ein schöner Tag der Volksgemeinschaft.

Der Nationalfeiertag des deutschen Volkes war auch in Gießen ein Freudentag.

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Augenblicksbild von der Jugendkundgebung am Vormittag. (Aufnahmen [5]: Neuner, Gießener Anzeiger.)

farbige Abzeichen ihrer Innung mit. Vor der Ge-

Lie Förster und Waldarbeiter als aufmerksame Zuhörer während der Kundgebung aus Oswaldsgarten.

Fahnen und SA.-Standarte vor dem Rednerpult. Kreisleiter Backhaus spricht.

Die Friseure mit einem schönen Berufszeichen im Festzug.

da ist und daß der Frühling seinen Einzug ge­halten hat.

Freut Euch des Lebens! Das ist heute die Pa­role für unser ganzes deutsches Volk, für Arbeiter und Bauern, für Kopf- und Handarbeiter, für Stadt und Land. Wie sieht es dagegen in den sogenann­ten demokratischen Ländern aus, beispielsweise in England und in Frankreich? In London sind 15 000 Polizeibeamte eingesetzt, um die Ruhe und Ordnung einigermaßen aufrechtzuerhalten. Das ist die soge­nannte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, die darin besteht, daß man sich gegenseitig die Köpfe zerschlägt.

Für uns ist der 1. Mai zu einem nationalen Feiertag des ganzen Volkes geworden. Während früher Unternehmer und Arbeiter sich auf das hef­tigste bekämpften, marschieren sie heute zusammen mit der Wehrmacht und dem Reichsarbeitsdienst auf, und die Betriebe sitzen in kameradschaftlicher Verbundenheit zusammen, um dieses schöne Früh­lingsfest miteinander zu begehen. Klassenkampf und Bruderzwist sind überholte Begriffe für uns ge­worden.

Aber auch im übertragenen Sinne lebt Deutsch­land wieder in der Frühlingszeit. Wirtschaftspoli­tische Not, seelische Bedrückung und außenpolitische Knechtschaft sind für Deutschland überwunden, und wir können heute glücklich sein, daß unsere österrei­chischen Brüder, die jenseits der Grenze in Knecht­schaft schmachteten, nun zu uns ins Mutterland zurückgekehrt sind und' den 1. Mai mit uns zu­sammen feiern können.

So können wir heute alle miteinander mit Recht stolz und glücklich sein, auch in unserer schönen Stadt des Aufbaues und des wirtschaftlichen Aufstiegs. Wenn jeder von uns am heutigen Tage sich be­müht, Freude zu geben, Freude'auszustrahlen und Freude in sein Herz aufzunehmen, dann ist der Sinn des 1. Mai erfüllt. Und der Führer wird imstande fein, mit diesem Volk weiterhin seine großen Aufgaben zum Wohl des deutschen Reiches und Volkes zu erfüllen.

Die Lebertraauna aus 3erlitt

Anschließend folgte die Uebertragung der Feier in Berlin. Für deren starkes Erleben waren durch die ausgezeichnete Lautsprecherwiedergabe auf Os­waldsgarten alle guten Vorbedingungen erfüllt. Man konnte denn auch allenthalben bemerken, daß die große Menschenmenge mit großer Spannung den Ansprachen, ganz besonders aber der Rede des Führers, lauschte. Die gute technische Lautsprecher­einrichtung des gestrigen Tages ermöglichte es auch, die Reden selbst beim Vorbeirattern der Züge ein­wandfrei zu hören, eine dankbar begrüßte Annehm­lichkeit.

Nach der Uebertragung schloß der Kreisleiter die Kundgebung in der üblichen Weise. Dann rückten die Gliederungen' der Partei und die Ehrenkom­panie der Wehrmacht geschlossen ab, während sich die Betriebsgefolgschaften auf dem Platze aus ihrer Marschaemeinschaft auflösten.

Die Sanitäter und zwar die Sanitäter der SA., sowie die Männer und Frauen der Gießener Sanitätskolonne versahen während des Mar­sches und bei der Hauptkundgebung (auch bei der Jugendkundgebung am Vormittag) auf Oswalds­garten in vorbildlicher Weise wieder ihren Helfer­dienst und erwiesen sich dabei ihrer Aufgabe im Dienste unserer Volksgemeinschaft bestens ge­wachsen.

Der Ausklana des Tages.

In den Nachmittags- und in den Abendstunden fanden in zahlreichen Gaststätten der Stadt und der

tun, um den großen Aufmarsch schnell und sicher in der geplanten Weise durchzufüyren. Ueberall klappte es ausgezeichnet, wobei auch die jf wiederum durch ihren guten Absperrdienst wertvolle Hilfe leistete. In verhältnismäßig kurzer Zeit waren die großen Marschgruppen und die außerdem erschienenen Zu­schauermengen auf ihren Plätzen, so daß die Kund­gebung zeitgerecht beginnen konnte. Dank der aus­gezeichnet funktionierenden Lautsprecheranlage, deren Hersteller und Betreuer mit Recht alle Anerkennung verdienen, waren die Ansprachen auf allen Teilen des weiten Platzes gut verständlich.

Nach der Meldung des Aufmarsches durch den Standartenführer Lutter an den Kreisleiter be­gann die Kundgebung mit der folgenden

Anfvrache des Kreisleiters Backhaus.

Meine Parteigenossen, Kameraden und Kamera­dinnen aus allen Betrieben, von der Wehrmacht und dem Reichsarbeitsdienst!

Angesichts dieses schönen Maibaumes begrüße ich Sie alle recht herzlich. Wenn es auch bisher nicht zum Brauchtum dieser Stadt gehörte, am 1. Mai einen Maibaum aufzustellen, so glaube ich doch, daß wir diese schöne Sitte, wie wir sie in vielen Ländern unseres deutschen Vaterlandes von alters- her haben, ruhig übernehmen und weiter entwickeln können, denn wem lacht nicht das Herz beim An­blick dieser zum Himmel emporragenden Tanne aus einem Wälde unserer Stadt Gießen. Fleißige Hände städtischer Arbeiter haben sie geschmückt mit einem wundervollen Kranze und mit vielen schönen bun­ten Bändern. Und >wenn dann die Jugend unter diesem Baume tanzt und singt, dann sehen und fühlen wir es deutlich, daß die schöne Maienzeit

Maschdisziplin einen schönen Anblick boten. Anschlie­ßend marschierten die Gefolgschaften der Privat­betriebe und zahlreicher Behördendienststellen. Be­sonders große Marschabteilungen stellten die Reichs­bahn mit einer Anzahl uniformierter Beamten an der Spitze; die Reichspost mit ihrem uniformierten Postschutz, voran; die Universität unter Führung des Rektors Prof. Dr. Seifer und mit dem NS- Studentenbund mit seiner Fahne voraus; die Stadt­verwaltung und die Städtischen Betriebe mit ihrem obersten Leiter, Oberbürgermeister Ritter, an der Spitze; das Finanzamt mit seinem Vorsteher Oberregierungsrat Schmidt voran. Einen ge­fälligen Anblick boten auch wieder die Männer der Forstämter und der Jagdbehörden in ihrer grünen Uniform und mit ihrem frischen Grünschmuck am Jägerhut. Mit kräftigem Gesang marschierte die Werkscharabteilung an der Spitze der großen Ko­lonne von Bänninger die Straßen entlang, ferner ließen <5 auch die Arbeiter und Arbeiterinnen zahlreicher weiterer Marschabteilungen an frohem Gesang zu ihrem flotten Marschtritt nicht fehlen.

Der Marschweg dieser Gruppe durch Bleichstraße, Hindenburgwall und Horst-Wessel-Wall zum Os­waldsgarten war von zahlreichen Volksgenossen beiderseits die Fahrdämme besetzt.

Die Kundgebung.

Planmäßig zur vorgesehenen Zeit trafen die bei­den Marschgruppen auf Oswaldsgarten ein. Hier war bereits eine Ehrenkompanie der drei Gießener W.e h r m a ch t st e i l e eingetroffen, die am rechten Flügel der Aufmarschfront ihren Platz bezog. Daneben war der Reichsarbeits­dienst mit seiner ganzen Abteilung aufmarschiert.

Der Aufmarschleiter dieser Hauptkundgebung, Standartenführer Lutter, und seine als Helfer befohlenen SA.-Männer hatten alle Hände voll zu

am Portal des Schlosses, auf denen auch die Mu­sikantinnen standen, leitete die Dirigentin das mun­tere Gesangskonzert der Mädels, deren Mailieder über den stillen Platz klangen. Vorsorglich waren Liederblätter verteilt worden, um auch den erschie­nenen Angehörigen das Mitsingen zu erleichtern und rasch vereinten sich die Volksgenossen mit den Mädels im Gesang der Frühlingslieder und er­lebten dadurch einen schönen Auftakt für den Nationalfeiertag.

Die Kundgebung der Zugend.

Regnerisch zog der Sonntag herauf. In den frühen Morgenstunden führten der Spielmannszug und der Musikzug der SA.-Standarte 116 das Wecken durch. Infolge des regnerischen Wetters waren die Sttaßen noch still und leer. Erst nach und nach belebten sie sich, als die Hitler-Ju­gend zur Kundgebung der Jugend auf den Oswaldsgarten marschierte. Vor der Fest­tribüne wurde rings um den buntbebänderten Mol- bäum Aufstellung genommen. Rechts von der Tri­büne stand das Jungvolk, der Tribüne gegenüber der BDM. und die IM., ausi der anderen Seite die HI. Die Marine-HI. mit ihren weißen Mützen als Hintergrund für die Fahnen und Wimpel und den Fanfaren- und Spielmannszug vollendete das ein­drucksvolle, schöne Bild.

Helle Ianfarenklänge und- die Weisen des Spiel­mannszuges des Jungvolkes leiteten die Kund­gebung ein, die

llnterbannführer Schneider

mit kurzen Worten eröffnete. Ihr steht heute, so sagte er u. a., geeint als die großdeutsche Jugend. Euch trennen keine Klassen und Interessen mehr, sondern ihr steht vereint in dem Glauben an den Führer. So können mir stolz und froh als seine Jugend den heutigen Tag begehen, und dabei wol­len mir auch nicht die Brüder der Ostmark ver­gessen, die heute zum ersten Male mit uns diesen Tag feiern können. Wenn nachher der Führer zu uns sprechen mirb, dann beseelt uns nur das eine Gefühl und der eine Wille: Führer befiehl, mir folgen dir!

Noch einmal erklangen die Weifen des Spiel­mannszuges. Dann setzte die Uebertragung der An­sprachen aus dem Berliner Sportstadion ein. Auf­merksam lauschte die Jugend den Reden, und als der Führer geendet hatte, vereinte Unterbannführer Schneider auch die Gießener Hitler-Jugend in dem Gruß an den Führer, dessen Namen zu tragen sie die Ehre hat.

Die Polizei hatte diesmal zur Vermeidung von Störungen der Kundgebung durch den Sttaßenlärm eine umfangreiche Absperrung und Umleitung des Verkehrs vorgenommen.

Dsr Nationalfeiertag des deutschen Volkes am gestrigen 1. Mai zeigte auch in Gießen wieder in eindrucksvoller Weife das gewohnte Bild der engen Gemeinschaft aller Volksgenossen und ihrer freudi­gen Gefolgschaft hinter unserem Führer, Adolf Hitler. Als äußere Zeichen der dankbaren Freude für den weiteren Aufstieg seit der vorjähri­gen Feier, den wir alle dem Führer zu verdanken haben, waren die Häuser reich mit Fahnen und mit frischem Grün, häufig in sehr schöner Gestaltung, geschmückt. In den Schaufenstern zahlreicher Ge­schäfte sah man auch das Bild des Führers, um­geben von frischem Grün und dem Schmuck der Fahne, ausgestellt. Ueberall konnte man bereits am Samstagnachmittag deutlich verspüren, wie sehr alle Volksgenossen auf diesen Feiertag eingestellt waren.

Nachdem im Laufe des Samstagvormittag auf Oswaldsgarten als Festplatz der Maibaum von Ar­beitern der Stadt schön geschmückt und ausgestellt worden war, leitete der BDM. am Samstagabend die Reihe der festlichen Veranstaltungen ein. Er gab den Auftakt mit dem M a i s i n g e n. Weiter ver­einigten sich am Samstagabend manche Betriebs­gefolgschaften zu Kameradschaftsabenden, die nach den vorliegenden Berichten über die Feiern der einzelnen Betriebe können wir aus naheliegenden Gründen nicht gesondert berichten allenthalben einen schönen Verlauf nahmen.

Das Maisingen.

Am Spätabend traten die B D M. - G r'u p p e n und IM. -Scharen an und marschierten mit frischen Weisen durch die Straßen. Am Bahnhof, am Selterstor und anderwärts, wo die Mädel ihre Maien- und Frühlingslieder sangen, sammelten sich groß und klein um sie herum, und mancher vorüber­hastende Volksgenosse blieb stehen, um den vertrau­ten Wersen zu lauschen.

Auf dem Brandplatz gaben sich, wie schon im

Vorjahr, viele Volksgenossen ein Stelldichein, um I Die Metzger und Bäcker hatten wieder ihre weißen dem Maisingen der dort versammelten Gruppen des Arbeitskittel an, und die Friseure trugen das bunt- BDM. und der IM. zu lauschen. Von den Stufen f

folgschaft des Kreisamtes, in der Kreisdirektor L o tz mitmarschierte, schritten die Gendarmeriebeamten. Dann kamen die staatlichen Betriebe des Straßen­bauamtes, des Chemischen Untersuchungsamtes, die Gießener Polizei, das Arbeits- und das Gesund­heitsamt u. a. Die Arbeitskameraden der Bau­firma Carl Freitag führten das Symbol des ihr verliehenen Gauehrenzeichens für den Lei- stungskampf im Zuge mit. Nach den Dienststellen der Wehrmacht waren die des Luftgaues, des Hee- resbauamtes, die Gefolgschaften des Flughafens mit einer stattlichen Abteilung ihrer Werkschar und der Arbeiterunterkunft Waldeslust vertteten. Neben den Dienststellen des Land- und Amtsgerichtes waren auch die Rechtsanwälte, die Aerzte und die Gefolg­schaften der Krankenhäuser sehr zahlreich aufmar­schiert. In der Gruppe des Reichsnährstandes wa­ren die Landwirtschaftsschule und die Wirtschafts­stelle einbezogen. Den Schluß bildeten die Ange­hörigen zahlreicher Einzelhandelsgeschäfte und Kleinbetriebe.

Oie Marschgruppe II

stand, mit der Spitze an her Ecke Ludwigstraße - Bleichstraße, die ganze Ludwigstraße entlang bis in den Bereich des Ludwigsplatzes und der Garten- strahe.

Mit dem Spielmannszug und dem Musikzug der SA.-Standarte 116 an der Spitze trat diese Marsch­gruppe unter Führung des Sturmhauptführers Bender als Marschgruppenleiter mit klingendem Spiel ihren Marsch an. Nach der Musik und dem Marschleiter folgte die Fahnengruppe der SA. und des NSKK, anschließend die Ehrenstürme der SA. und des NSKK., die durch ihre ausgezeichnete

Der Zestziig.

Gegen 11 Uhr versammelte^ sich überall in der Stadt die Betriebsgefolgschaften, um an dem gro­ßen Festzug der Arbeiter der Sttrn und der Faust teilzunehmen. Von allen Seiten her rückten die ge­schlossenen Marschkolonnen, zum Teil mit Betriebs­fahnen der DAF., zu den Sammelplätzen der bei­den großen Marschgruppen. Mit gewohnter Pünkt­lichkeit trafen auch die Ehrenformattonen der Par­teigliederungen an Ort und Stelle ein. Um 11.15 Uhr begann der Marsch beider Marschgruppen zum gemeinsamen Zielpunkt, dem Festplatz Oswalds­garten.

Nie Marschgruppe I

hatte auf dem Landgraf-Philipp-Platz und in der Senckenbergstraße mit der Spitze am Hitler-Wall Aufstellung genommen. Pünktlich traf unter dem Kommando des Kreisausbilders Dr. Kopp die Fahnengruppe der vier Ortsgruppen und der DAF. mit der' Ehrenbereitschaft der Politischen Leiter un­ter Voraittritt des Spielmannszuges und der Musik­kapelle der Kreisleitung Wetterau der NSDAP, ein. SA.-Sturmführer Leithäuser als Leiter der Marschgruppe und Kreisausbilder Dr. Kopp begaben sich an die Spitze des Zuges, die Fahnen wurden ausgenommen, und dann setzte sich unter klingendem Spiel die Marschgruppe I über den Hitler-Wall, die Neuen Bäue, den Neuenweg durch die Kaplansgasse zum Festplatz auf Oswaldsgarten in Bewegung.

In den Straßen standen viele Volksgenossen, die die starken Marschkolonnen an sich vorüberziehen ließen. Der Ehrenbereitschaft der Politischen Leiter, in der auch der erste Gießener Kreisleiter Adam Lotz mitmarschierte, folgte eine stattliche Abord­nung des Reichsarbeitsdienstes. Ihnen schlossen sich die Gefolgschaften aus Handel und Handwerk an.