EPNH. Da wiederholt Anfragen dieser Art an die kirchlichen Stellen gerichtet worden sind, hat der Evangelische Presseverband für Nassau-Hessen von zuständigen Stellen diese Frage klären lassen.
Zur Militärgemeinde gehören nur Angehörige des Wehrmachtstandes, deren Ehefrauen und Kinder, solange sie nicht 21 Jahre alt find. Unter Ange- hörigen des Wehrmachtstandes werden in diesem Sinne folgende^Personen verstanden: 1. Die Wehrpflichtigen wählend der Erfüllung ihrer aktiven Dienstpflicht. 2. Die aktiven Offiziere und solche Unteroffiziere und Mannschaften, die länger dienen als das Wehrgesetz festsetzt. 3. Die aktiven Beamten und Beamtenanwärter der Wehrmacht. 4. Die Wartestandsbeamten der Wehrmacht, solange sie berufsmäßig in, der Wehrmacht wieder Verwendung finden. .
Kirchliche oder seelsorgerische Handlungen dürfen an diesen Gliedern der Militärgemeinde von anderen, nicht mit der Wehrmachtseelsorge beauftragten Geistlichen nur dann vorgenommen werden, wenn sie im Besitz eines Erlaubnisscheines des-zuständigen Militär- oder Standortpfarrers sind. In diesem Falle ist die vollzogene Handlung dem zuständigen
Wer gehört zur Mititärgemeinde?
Standortpsarrer zu melden, damit sie von ihm tn das Militärkirchenbuch eingetragen werden kann. Im Kirchenbuch der zivilen Kirchengemeinde dürfen derartige Handlungen nur ohne Nummer eingetragen werden. Weiter ist festzustellen, daß wegen der freiwilligen Beteiligung der Familienange- hörigen -an der Gemeindearbeit der kirchlichen Zivilaemeinde keine Bedenken bestehen. So dürfen Militärkinder an dem Kindergottesdienst der zivilen Kirchengemeinde teilnehmen, wenn nicht ein besonderer Militärkindergottesdienst gehalten wird.
Nicht zur Militärgemeinde gehören dagegen die zu einer Uebung einberufenen Angehörigen des Beurlaubtenstandes, freiwillige Teilnehmer an Kurzlehrgängen und Zivilangestellte der Wehrmacht. Diese Personen werden während ihrer Zugehörigkeit zur Wehrmacht von den Wehrmachtgeistlichen betreut, bleiben aber mit ihrer Familie während dieser Zeit Mitglieder ihrer Ortskirchengemeinde. Ebenso gehören nicht zur Militärgemeinde die Heeres- und Marinefachschullehrer und auch nicht die in endgültigen oder einstweiligen Ruhestand versetzten Wehrmachtsangehörigen.
Aus den Gießener Gerichtssälen.
Große Strafkammer Gießen.
Der Hans R e v e n aus Kalmar hatte^sich gestern vor der Großen Strafkammer wegen schweren Diebstahls im Rückfall zu verantworten. Der Angeklagte, der bereits zweimal wegen des gleichen Delikts vorbestraft ist, wurde aus der Untersuchungshaft gefesselt in den Gerichtssaal geführt, mit Rücksicht darauf, daß er einen Ausbruchsversuch unternommen hatte. Im Herbst vorigen Jahres hatte er, der sich ohne festen Wohnsitz. im Lande herumtreibt, in Binnen und in Nieder-Weisel je zweimal einge- brocyen und Schmuckgegenstände, sowie Eßwaren und Kleidungsstücke, kurz alles, was nicht niet- und nagelfest war, mitgehen heißen. Bezeichnenderweise hatte er sich in Nieder-Weisel den Kirmesabend ausgesucht, an dem, wie er vermutete, die Bevölkerung an den Feiern teilnahm. Er munde jedoch von mehreren jungen Leuten gestellt und der Polizei übergeben. In der gestrigen Hauptverhandlung war der Angeklagte restlos geständig, und er behauptete, aus Not gehandelt zu haben. Das Gericht sah sich außerstande, dem Angeklagten noch einmal mildernde Umstände zuzubilligen, und erkannte wegen fortgesetzten schweren Diebstahls im Rückfall auf eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren, von der zwei Monate durch die Untersuchungshaft als verbüßt gelten. In der Urteilsbegründuna bezeichnete der Vorsitzende den Angeklagten als asoziales Element, weil er jeder regelmäßigen Arbeit abhold fei und einen erheblichen Teil feines Unterhaltes dadurch bestreite, daß er sich an fremder Leute Eigentum vergreife. Daher müsse mit der ganzen Schärfe des Gesetzes gegen ihn vorgegangen werden.
Sodann wurde unter Ausschluß der Oeffentlich- feit gegen den K. R. aus Bettenhausen wegen Sittlichkeitsverbrechens verhandelt. Dem Angeklagten wurde zur Last gelegt, im Herbst vorigen Jahres an dem 11jährigen Pflegekind einer Familie unsittliche Handlungen vorgenommen zu haben. Der Angeklagte war restlos geständig. Mit Rücksicht auf feine Jugend — er ist noch keine 20 Jahre alt — billigte das Gericht ihm in weitesten Maße mildernde Umstände zu und erkannte auf die Min - deststrafe von 6 Monaten Gefängnis.
Amtsgericht Gießen.
Der Jude Hermann Ziegelstein aus Treis' (Lumda) hatte wegen Uebertretung der Gewerbeordnung einen Strafbefehl über 5 Wochen Haft und eine Geldstrafe von 40 Mark erhalten. Auf feinen Einspruch hin kam die Sache gestern zur Hauptverhandlung. Der Angeklagte hatte, obwohl ihm wegen seines umfangreichen Vorstrafenregisters — er ist fast wegen aller Vermögensdelikte vorbestraft — die Ausübung des Viehhäßdlergewerb^s Untersaat war, in Mainzlar mehrere Stück Vieh aufgekauft. Zur Begründung feines Einspruchs machte der Angeklagte geltend, er habe das Vieh nicht für sich gekauft, sondern es nur einem bekannten Großhändler vermittelt. Abaesehen -davon, daß die Vermittlertätigkeit ebenfalls genehmigungspflichtig ist, konnte der Angeklagte in der Hauptverhandlung überführt werden. Das Gericht hob zwar die Freiheitsstrafe auf, erhöhte aber dafür die Geldstrafe auf 1 4 0 M a r k.
Sodann wurde der Einspruch des R. K. in Gelnhaar, der wegen fahrlässiger Körperverletzung und Uebertretung der Reichsstraßenverkehrsordnung einen Strafbefehl über 35 Mark erhalten hatte, vor dem Amtsgericht verhandelt. Der Angeklagte befand sich im Herbst 1937 mit einem Omnibus mit Anhänger auf der Fahrt von Münster nach Lich. Dabei schlug er ein derart schnelles Tempo an, daß er seinen Anhänger unbemerkt unterwegs verlor. Obwohl die Straße sehr stark belebt war, hielt er es nicht für nötig, seine Geschwindigkeit zu mindern. Durch einen plötzlich vor ihm auftauchenden beladenen Erntewagen wurde der Angeklagte gezwungen, ganz unvermittelt abzustoppen. Er tat dies auch, versäumte aber, einem hinter ihm herfahrenden Motorradfahrer das Stoppzeichen zu geben, so daß dieser auf den Omnibus des Angeklagten auffubr. Er zog sich dabei geringfügige Verletzungen zu. Da der Angeklagte bei Öör Angabe feiner Personalien verschwieg, daß er bereits wegen Verkehrsdelikten vorbestraft ist, kam das Gericht zur Erhöhung der Strafe auf 60 Mark.
Sofortige Rückgabe des Arbeitsbuches auch im Baugewerbe.
NSG. . Gemäß § 5, Absatz 2, der ersten Durchführungsverordnung zum Gesetz über die Einführung eines Arbeitsbuches vom 16. Mai 1935 hat der Unternehmer das Arbeitsbuch dem Arbeiter „bei Beendigung" der Beschäftigung zurückzugeben. Diese Bestimmung kann mit Rücksicht daraus, daß eine Neueinstellung eines Arbeiters nur bei gleichzeitiger Vorlage Des Arbeitsbuches erfolgen darf und daß sich bei Nichtbeachtung sowohl der Arbeiter, als auch der Unternehmer strafbar machen, nur dahin ausgelegt werden, daß die Rückgabe am gleichen Tage, an dem die Beschäftigung endet, zu erfolgen hat. Einer solchen Auslegung steht auch § 9, Ziffer 5, der Reichstarifordnung für das Baugewerbe vom 26. November 1936, wonach bei auswärtigen Baustellen dem Arbeiter die Arbeitspapiere spätestens binnen drei Tagen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu übersenden sind, nicht entgegen; denn diese Tarifordnung muß als schwächere Quelle dem Gesetz weichen. Wird einem entlassenen Beschäftigten entgegen der Bestimmung des 8 5 der ersten Durchführungsverordnung zum Gesetz über die Einführung eines Arbeitsbuches sein Arbeitsbuch nicht am selben Tage, an Dem Die Beschäftigung endet, aus gehändigt, und ist es ihm deswegen nicht möglich, anderweit auf einer neuen Arbeitsstelle anzutreten, so hat ihm Der Betriebsführer Den entgangenen Lohn zu ersetzen. — Urteil des Arbeitsgerichts Neustrelitz, vom 5. September 1937 — Ca 87/37 DAF. — Entscheidungssammlung 1937 — Seite 256.
Der deutsche Kampf in Mitteleuropa.
Der Kyfthäuserverband (DDSt.), Bund Gießen, und die Kameradschaft Kaiser im NSDStB. vereinigten die Alten Herren und Die junge Mannschaft zu einer Vortragsveranstaltung und einem kameradschaftlichen Beisammensein im VDSter-Haus an Der Wolfstraße.
Kameradschaftsführer Kaiser sprach kurz über Den Sinn des Abends, der Der deutschen Dolkstums- arbeit gewidmet sei, und forderte Die Kameraden auf, auch einmal über Die Grenzen des Vaterlandes hinauszugehen und sich Der Dolkstumsarbeit zu widmen.
Prof. Funk begrüßte anschließend im Namen des Altherrenbundes die zahlreichen Teilnehmer des Abends, insbesondere den Redner, Der sich durch sein mannhaftes Eintreten für die Sache des deutschen Volkstums schon manches Verdienst erwarb.
Sodann sprach Landgerichtsrat Dr. Dr. Fr. Lange (Berlin), ein Mitarbeiter in Der VDA.« Leitung, über das Thema „Der deutsche Kampf in Mitteleuropa". Er sprach zunächst von Der unabdingbaren Gemeinschaftshaftung aller Deutschen für alle Volksgenossen deutscher Sprache. Er wies darauf hin, daß Friede und Ordnung, Recht auf Arbeit in Deutschland als etwas Selbstverständliches betrachtet würden. Anders fei Dies außerhalb unserer Grenzen. Die Behandlung der Deutschen jenseits Den Grenzen schwanke zwischen Duldung, Willkür und Dem Willen zur Vernichtung deutschen Volkstums. Die Absichten anderer Staaten, dem Deutschtum Kraft und innele Sicherheit zu rauben, bewiesen sich in Den Bemühungen einer Beeinflussung von Der frühesten Jugend bis über Die Militärdienst- zeit hinaus. Insbesondere Die Tschechoslowakei erweise sich als eine grausame slawische Faust gegen alles Deutsche. Das Grundübel für Die Haltung jener Staaten Dem Deutschtum, wie Der Minderheit überhaupt, gegenüber liege in der französischen Revolution begründet und in ihren Grundsätzen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, in Dem Triumph Der „Mehrheit" und Der Rechtsbeugung durch sie. Staat und Volk seien einander gleichgestellt, obwohl sich praktisch die Grenzen von Staat und Volk im mitteleuropäischen Raum nirgends deckten. Das gelte insbesondere von Deutschland. Deutschlands geschlossenes Sprachgebiet verteile sich auf 15 umliegende Staaten. Das bedeute für Menschen deutschen Blutes 15 verschiedene Formen der Kmdererziehung, 15 Münzsysteme, 15 verschiedene Rechte. Allenthalben bedeute das Unfriede und Ungerechtigkeit für Das Deutsche Volk. 14 Drei-Staaten- grenzen fallen in Das geschlossene deutsche Sprach-
gebiet. Staatsgrenzen seien aber niemals Dolks- grenzen und nie Kulturgrenzen. In seinen weiteren Darlegungen schilderte der Redner eine Fülle der durch Den Versailler Vertrag geschaffenen grotesken Grenzziehungen und deren Auswirkungen für Die einzelnen Volksgenossen in jenen Gebieten. Er schilderte auch Die immer wieder gepflegten Methoden Der Enteignung deutscher Volksgenossen unter Dem Worte „Bodenreform" und Die Ahndung kleinster Vergehen durch Kerkerhaft. Der Redne^
betonte, daß es gelte, in allem Kampf um Die Behauptung unseres Volkstums härter zu werden Der Umwelt gegenüber. Manches Unbequeme müsse in Kauf von Den Deutschen im Ausland genommen werden, manche Opfer gebracht werden im Reiche. Es gelte vor allem, Die stete Verbindung mit Den Deutschen Volksgenossen außerhalb unserer Grenzen aufrechtzuerhalten. An Hand einiger Zeichnungen, im Lichtbild wiedergegeben, wies Der Redner das Verhältnis von Volks-, Sprach- und Staatsgrenzen auf
und förderte Damit Das Verständnis für Volksdeutsche Probleme.
Prof. Funk dankte Dem Redner für feine Ausführungen und gab Die Anregung, Daß sich auch Die junge Mannschaft an Den Grenzen umtue und Den Kampf Der Grenzlanddeutschen unterstütze. An Den Vortrag schloß sich eine Aussprache an.
Dtzr weitere Verlauf des Abends war der tarne- radschastlichen Unterhaltung gewidmet, insbesondere wurde die Verbindung ausgenommen zwischen den Alten Herren Des DDSt. und Der KameraDschast Kaiser im NSDStB.
Pferdemusterung.
Bei regnerischem Wetter sand heute vormittag auf dem Pferdemarktplatz am Schlachthof Die Musterung Der Pferde aus Dem Stadtbereich statt. Wenn auch Der Bestand von 210 Pferden und etwa 50 Fuhrwerken für eine Stadt wie Gießen nicht allzuhoch erscheint, so zeigte Die Musterung doch das Vorhandensein einiger sehr schöner Tiere, wie sie z. B. von Den Brauereien und vorn Universitäts- Reitlehrer Schörnbs gehalten werden. Um 9.30 Uhr begann Die vorn Pferde-Dormusterungsofsizier, Major (E) Roeder von Diersburg vorgenommene Musterung, bei Der Die Pferde auf Trense mit Zügel vorgeführt und Die Fuhrwerke und Geschirre einer eingehenden Besichtigung unterzogen wurden.
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** E i n Schellend aum-Glöckchen Der« I o r e n. Bei Dem Marsch unserer SA. am Sonntagabend anläßlich des großen Fackelzuges ifijoon Dem Schellenbaum Des Musikzuges Der SA.-Standarte 116 unterwegs ein Glöckchen verloren gegangen.
Die Trägerin des Musikpreises der Stadt Berlin Mar ia Neuss ow am 6. Februar 1938, 17 Uhr, Universitäts-Aula
Wer es gefunden hat, möge es auf Dem Geschäftszimmer Der SA.-Standarte 116 am Landgraf- Philipp-Platz abgeben, da dieses Glöckchen an dem Schellenbaum natürlich nur ungern vermißt werden würde.
LPD. Reichsbahn gibt gebührenfreie Platzkarten für Kinder unter v i er Jahren. Bei Benutzung von Zügen, für Die Platzkarten ausgegeben werden, können Reisende mit Kindern unter vier Jahren jetzt außer für sich selbst auch Plätze für ihre Kinder bestellen. Ein Fahrausweis braucht für die Kinder nicht gelöst zu werden. Die Kinder-Platzkarten werden gebührenfrei ausgestellt und zur Verhütung von Mißbrauch mit dem handschriftlichen Vermerk ,Kind" versehen.
DNB. Einstellung von Dienstansän» gern bei Der Reichspost. Die Reichspostdirek- tionen stellen im April roieDer eine beschränkte Anzahl von Lehrpraktikanten als Dienstanfänger für Den gehobenen mittleren Fernmeldedienst ein. Höchst- alter 20 Jahre, für Bewerber, die Den Arbeits- und Wehrdienst abgeleistet Haden, 23 Jahre. Bewerber müssen als Nachweis Der notroenDigen Allgemeinbildung mindestens das Versetzungszeugnis in Die ! Oberstufe einer Höheren Schule ober Das Abschlußzeugnis einer anerkannten Mittelschule besitzen und sich in Der Volksgemeinschaft (HI., SA., SS., NSKK. usw.) betätigt haben.
** R i ch t i g st e l l u n g. Auf Wunsch von beteiligter Seite vermerken mir, Daß in unserem gestrigen Bericht über Den Volksgemeinschaftsabend Der Ma- rine-HI. Der Name Des Scharführers Plaetsch richtig P l e t s ch geschrieben werDen mußte.
Briefkasten der Tredattion.
Sport. Wenden Sie sich mit ihrem Gesuch an den BDM, Untergau 116, Gießen. Von dort wird Ihre Bewerbung an Die zuständige Stelle weitergeleitet. Eine sofortige Erledigung kann nicht erwartet werden, Da Die Ausführungsbestimmungen für Die neue Organisation noch nicht erlassen sind.
5. (5. 100. Jeder Rechtsanwalt. Sie können.sich aber auch an Den Mieterverein in Gießen wenden.
Spanisches Theater.
Von Dr. Inh Zeffel, Malaga.
Aus 5 Uhr nachmittags ist Die Aufführung an- gesetzt. Ich erscheine pünktlich. Nur wenige Plätze sind erst besetzt. Langsam füllt sich der Zuschauer- raum. Einer tritt rauchend ein, ohne sich um die polizeilichen Vorschriften zu kümmern. Viele einfache Männer und Frauen füllen die Ränge. Wenn Der Eintrittspreis auch Doppelt fo hoch ist wie im Kino, können ihn doch sehr viele erschwingen. Zunächst bestaunt man den Vorhang. Auf ihm sind, | ebenso wie im Kino, allerhand Reklameschilder angebracht. Neben mir nimmt eine Frau mit zwei Kindern Platz. Sie weiß sicher nicht, wo sie die sonst so lange lassen soll. Der Raum ist festlich geschmückt mit Den Fahnen Der befreundeten Nationen Deutschland, Italien, Portugal und Marokko. Dazu kommen die Farben des Staates, der Fa- lange und der Requetös (Karliften). Es herrscht außerdem eine festliche Befeuchtung. Man schreibt Den 1. November. Allerheiligen! An diesem Tage ist es Tradition, morgens auf den Friedhof und nachmittags ins Theater zu gehen. Da die Aufführung nicht pünktlich beginnt, spielt die anwesende Militärkapelle ein Stück zur Unterhaltung. Das hält die Verkäufer aber nicht ab, ihre Erfrischungen anzu- preifen. Festliche Kleidung sieht man eigentlich nicht. Jeder kommt in seinem alltäglichen Anzug. Manch einer hat seinen Hut auf Dem Kopf behalten. Das spanische Theater ist im wahrsten Sinne ein Dolks- theater. Die Aufführungen dienen weniger der seelischen Erbauung als der Unterhaltung. Der Spanier will lachen und sich vergnügen, wenn er ausgeht. Es ist schon 20 Minuten nach 5 Uhr. Immer kommen noch Menschen. Wegen Der Verspätung steckt sich mancher noch eine Zigarette an. Während beim Stierkampf das Volk schreit und auf allen möglichen Instrumenten pfeift, wenn nicht pünktlich auf Die Minute Der erste Stier in Der Arena erscheint, bleiben hier alle ruhig. WieDer tritt eine Mutter mit zweijährigen Kindern ein. Ein Soldat nimmt ihr eins ab und setzt es auf seine Knie.
Endlich nach halbstündiger Verspätung hebt sich Der Vorhang. Man hat auf Der Vühne ein Kreuz zu Ehren Der Gefallenen aufgebaut, das zu beiden Seiten von Soldaten gegrüßt wird. Alle erheben sich. Langes Schweigen. Es erklingt die Nationalhymne. Das wirkt sehr feierlich. Wie viele unter den Zuschauern mögen bereits ein Familienmitglied durch Die Bluttaten der Bolschewisten oder an der Front verloren haben. Aus Dem Zuschauerraum ruft jemand; „Es lebe Der Tod!" und Dann alle:
„Es lebe Spanien!" Nach einer Pause Tjebt sich Der Vorhang wieder. Auf der Bühne ist Das Bild des Generals Franco aufgestellt, flankiert von einigen jungen Mädchen und von Jungen in Falange- Uniform, die das Bild grüßen. Laut erschallen von allen Seiten Die Rufe: „Es lebe Franco!" Das spanische Volk will solche Bilder sehen, um sich daran zu begeistern. Nachdem der Vorhang gefallen ist, ist die feierliche Stimmung auch ebenso schnell wieder verschwunden. UcberaU hört man eifrige Unterhaltung. Laut erschallt Die Stimme eines Jungen, der seine Brauselimonade feilbietet. Manch einer stärkt sich erst einmal. Da es inzwischen warm geworden ist. Es ist bereits %6 Uhr. Das Volk wird langsam unruhig, weil Das Stück immer noch nicht begonnen hat. Hier und Da hört man, wie einige taktmäßig in Die Hände klatschen. 50 Minuten Verspätung! Endlich klingelt es. Der Anfang scheint nach dieser Geduldsprobe zu nahen.
Das Schauspiel beginnt Man spielt „Don Juan Tenorio von Zorrilla". Jedes Jahr geht dieses Stück am 1. November über alle Bühnen Spaniens, da es sich Darin um Das Problem Des Weiterlebens Der Seele nach dem^ToDe hanDelt. Jeder Spanier hat es sich schon oftmals angesehen, wie ich aus dem Munde meines Nachbarn zur Linken erfahre. Begeistert deklamierte er die bekanntesten Verse Daraus. Ein Zischen geht durch Dert Raum, Da es immer noch nicht ruhig geroorDen ist. Dann lauschen alle gespannt Den Worten Der Schauspieler. Das Kind auf Der andern Seite neben mir ist bald im Arm seiner Mutter eingeschlafen. In den Pausen gehen junge Mädchen durch Die Reihen, uch 'für die Verwundeten zu sammeln. Als die Schauspieler nach Dem nächsten Akt durch reichen Beifall belohnt werden, treten sie vor Die Rampe und grüßen mit erhobenem Arm. Während Der Pause spielt die Kapelle einen Marsch. Einige pfeifen begeistert mit Andere schlagen den Takt mit dem Absatz. Als es im nächsten Akt recht grausig zügelst, fängt ein Kind an zu schreien. Auf Der Bühne schießt Don Juan Den Vater seiner Geliebten, Die er aus Dem Kloster geraubt hat, nicber und tötet bann auch seinen Konkurrenten mit Dem Schwert. Die Folge im Zuschauerraum ist nicht eine tiefe Erschütterung, wie wohl anzunehmen gewesen wäre, sondern es bricht ein Begeisterungssturm los, weil Don Juan seine Aufgabe so gut bewältigt hat. Zunächst schüttle ich den Kopf. Dann muß ich auch lachen. Hier meldet sich die andere Volksseele.. Kein Mensch nimmt Die Angelegenheit ernst. Da es ja doch keine Wirklichkeit ist. Bezeichnend für Die Einstellung Der Spanier zu diesem Stück ist die Tatsache, daß nach Be-. enbigung bieses tragischen Aktes eine Reihe von jungen Leuten einen Marsch pfeifen, in Den viele andere eivsallen. Es kommt der letzte Akt. Das Kind
neben mir ist inzwischen aufgewacht und recht unruhig geworden. Es ist rnärnlich schon 9 Uhr. Aber die spanischen Kinder sind Daran gewohnt, spät ins Bett zu kommen.
Kaum ist der Vorhang nach Dem Ende des letzten ergreifenden Aktes gefallen, da setzt Die Kapelle im Orchesterraum ein und intoniert abermals die Nationalhymne und Dann Die Der Falange. Die Menge, welche diese Weisen gar nicht oft genug hören kann, singt begeistert mit. Es sind sehr feierliche Minuten. Den Abschluß bildet ein Hoch auf den fast abgöttisch verehrten General Franco, von dem alle in kurzer Zeit die Befreiung aus dem Chaos des Kommunismus erwarten."
Damit hatte dieser denkwürdige Nachmittag ein Ende gefunden. Kritik ist hier nicht am Platze. Man muß in bas Volk hineingehen, um seine Seele und seine Hanblungen verstehen zu lernen.
„6'tt raubes Abenteuer".
Nachbern bie englische Jacht „Endeavour 1", die I längere Zeit verschollen war und um Die man | bereits schwere Besorgnis gehabt hatte, glücklich wieder in England angekommen ist, werden die Erlebnisse des Schiffes bekannt, Die fast zu seinem Untergang geführt hätten. Ein Mitarbeiter der „Daily Mail" hat die Ankunft der Jacht nicht ab- gewartet, sondern ist ihr bei stürmischem Wetter tn einem Tender entgegengefahren. Zehn Seemeilen südlich vom Cap Lizard konnte er längsseit der „Endeavour I" anlegen und an Bord gehen, um als erster sich von Kapitän Heard seine Abenteuer erzählen zu lassen. So erfuhr er, daß die Jacht, als sie sich am 13. September in einem schweren Orkan an Der amerikanischen Küste von der „Viva", Die sie im Schlepptau hatte, losriß, ohne Segel mar und mehrmals sekundenlang vollkommen vom Wasser überflutet wurde. X
„Der Sturm war von furchtbarer Gewalt", sagte j Kapitän Heard, „ünd Die See ging sehr hoch. Der .Wind heulte durch das Takelwerk, und es wäre un- I möglich gewesen, auch nur ein Hemd zu setzen. Als bas Schlepptau riß, trieb unser Boot steuerlos in der hohen See. Unzählige Male überspülten riesige Wellen Das Deck, und wir kämpften in einer kochenden See. Ich ging mit einigen Leuten nach vorn, um das Schlepptau zu tappen, das den Bug ständig unter Wasser zog und das Boot ganz hilflos machte. Dabei wurde ich und noch ein Mann von einer schweren See erfaßt und über Bord gerissen. Es gelang uns, ein p-^r Seinen zu erhaschen, und so wurden wir mit Mühe wieder an Bord ge- , zogen. Es war ein rauhes Abenteuer." Das war ! alles, was Kapitän Heard über dieses Schreckens
erlebnis zu sagen hatte. „Als wir erst einmal von der Seine frei waren", fuhr er fort, „bekamen wir das Schiff mehr in unsere Gewalt, und irgendwie überstanden wir Den Sturm. Dann hatten wir ein paar Tage lang überhaupt keine Brise, und an anderen Tagen mußten mir-ununterbrochen kreuzen, weil der Wind östlich war ..."
Der Berichterstatter brachte Der Mannschaft frische Sebensmittel und Zeitungen, Dafür nahm er Briefe mit an Land. Die Briese Des Bootsmannes William Mutton an seine Mutter, die ebenfalls abgedruckt werden, enthalten noch einige interessante Einzelheiten über die Fahrt. „Siebe Mutter", schreibt er, „wir sind jetzt noch 500 Seemeilen von Land, so sollten wir bei gutem Wind in drei Tagen Da sein. Wir hatten eine schlimme Nacht, als wir uns von der „Diva" losrissen, aber seitdem haben wir es ganz gut gehabt. Das erste, was wir aus Der Heimat hörten, war, daß wir entweder untergegangen oder mit eigenen Segeln auf der Heimreise sein müßten. So bat Der Kapitän mich, eine Radi ob o t- schast abzuschicken. Ich funkte in der Nacht mindestens ein dutzendmal unsere Nachrichten. Am nächsten Abend horten wir wieder die Nachrichten, da wurde nichts von uns berichtet, aber am folgenden Abend hörten wir, daß jemand unsere Botschaft aus- gefangen hatte. Es war uns eine Erleichterung, zu denken, daß ihr es auch gehört hattet... Heute ist der 27. und wir sahen einen Dampfer, den wir baten, Radiobotschaft von uns zu geben. So nehme ich an, du wirst es heute in den Abendnachrichten auch gehört haben. Wir haben jetzt Gegenwind und kommen nur langsam voran.. Heute ist Der 28., wir sind noch 300 Seemeilen von Sand und haben immer noch Gegenwind. Heute sahen mir viele französische Fischerboote. Jetzt geht auch unser Radio wieder, zum ersten Male seit einer Woche. Es ist hübsch, ein bißchen Musik zu hören. Wir haben nicht mehr viel Sebensmittel, Da ein Teil unserer Vorräte oerDorben ist und wir sie über BorD werfen mußten... Heute, am 29., haben wir gerade Nachrichten gehört, Die behaupten, daß wir 27 Seemeilen von Falmouth entfernt wären, aber es sind 127 Meilen. Wir haben immer noch Ostwind, können aber unseren Kurs anliegen und es weht eine gute Brise. Heute morgen verloren wir unser Sog, Das zweite auf dieser Reise, jetzt haben mir keins mehr und tönen nur raten, wieviel Fahrt mir machen.
Viele hatten die Jacht verloren gegeben, so mairen auf Die Nachricht von ihrer Annäherung an Sand aus Dem ganzen Südmesten Englands große Menschenmengen herbeigeströmt. Die die Küste säumten, an Der Das Schiff unter vollen Segeln majestätisch vorbeiglitt. In Gosport, mo es einlief, murDe es mit großer Begeisterung empfangen.


