hörte ihn lächeln in Zukunftsphantasien schwel' gen, die er selbst, ,der Vater von's Janze', wie §rau Hedwig ihn bezeichnete, gar nicht zu denken wagte. In den nächsten Tagen schon wollte (Stel» ling »seinen Professors den gewichtigen Dr. Hauschild vom Forschungslaboratorium des Dampf- kesselvereins, mitbringen. Er würde ihn breitschla- gen, prophezeite er. Hauschild würde, nein, müßte sich überzeugen lassen. „Und wenn der Hauschild erst überzeugt ist, dann stehen wir so da?" Das Jo' begleitete Stelling mit einer erhobenen Faust, die kraftvoll gegen die Zimmerdecke stieß.
Macher verdarb ihm nicht die Freude, aber er war vom jahrelangen Kampf zermürbt und glaubte nicht mehr an überraschende Wendungen. Indessen versuchte er, um sich seinerseits erkenntlich zu zeigen, zwischen Lisbeth und dem Ingenieur zumindest einen Waffenstillstand herbeizuftihren.
„Sie müssen sich", sagte er ein oder das andere Mal, „auch mit der geschäftlichen Seite unserer Angelegenheit befassen, wenn Sie ein genaues Bild haben wollen. Fräulein Lisbeth ist die einzige, die Sie wirklich aufklären kann. Nicht wahr, Lisbeth, Sie haben die Güte.. "
„Wenn Sie es wünschen ...", pflegte Lisbeth mit eisiger Kälte zu sagen.
Herr Stelling bekam dann ein Aktenbündel nach dem anderen vor die Nase gelegt und hörte dazu knappe, im Telegrammstil vorgebrachte Erläuterungen, worin es von Vertragsklauseln, Voraus, zahlungen, Optionen, Beteiligungen, Vorbehalten, einzuhaltenden und versäumten Terminen dermaßen wimmelte, daß er schließlich beschwörend die Hände heben mußte. „Stop, Fräulein Lenz! Ich behalte nicht den zehnten Teil davon. Bedenken Sie doch, daß ich in geschäftlichen Dingen ein ahnungsloser Säugling bin!"
Dann zuckte Lisbeth die Schultern und räumte die Aktenbündel wieder in die aus Kistenbrettern hergestellten Regale. Sie vermied es, mit Stelling mehr zu sprechen, als unumgänglich nötig war. Sie vermied es auch, ihn anzusehen.
Die erste Zeit belustigte ihn ihr Verhalten, dann wurde er ärgerlich. „Fräulein Lenz", sagte er, „ich würde Sie bitten, mir zu verzeihen, und ich hätte ein gutes Recht dazu, denn gar so Böser habe ich ja nicht verbrochen. Aber ich sehe es Ihnen an, daß meine Bitte vergeblich märe. Bleiben Sie alsa in Gottes Namen dabei, mich für einen Erzgauner zu halten. Wenn Sie aber Macher helfen wollen, stören Sie bitte meine Arbeit nicht. Ich bitte Sie, seien Sie wenigstens darin mein Kamerad, wenn Sie es auch sonst nicht sein mögen."
(Fortsetzung folgt.)
Aus her engeren Heimat.
Schweres Unwetter.
Am gestrigen Dienstag früh gegen 8 Uhr, während wir in Gießen den kurzen, aber außerordentlich starken Regenguß erlebten, ging über dem Kreisort Q u e ck b o r n ein gewaltiger Wirbelsturm mit starkem Regenfall hinweg. Aus mehreren Berichten, die uns über das Unwetter zugingen, ist zu ent- nehmen, daß an etwa 20 Häusern die Dächer durch Abreißen der Ziegeln Schaden gelitten haben. U. a. wurden die Scheune des Schmiedes Koch und eine Scheune an der Grünberger Straße auf einer Seite des Daches fast vollständig der Zie- gel beraubt. An vielen anderen Häusern sah man nach dem Abzug des Wirbelsturms die Dächer mehr oder minder ohne Ziegeln, die in den Dorfgassen verstreut herumlagen. Glücklicherweise kamen Menschen nicht zu Schaden, da in dieser frühen Morgenstunde die Einwohner kaum auf der Straße sind und' sich meist innerhalb ihrer Höfe aufhalten. Der Wirbel- sturm kam aus Westen und brauste in ostwärtiger Richtung dahin. Er kam sehr rasch heraufgezogen und war ebenso schnell wieder verschwunden, jedoch verursachte er auf diesem kurzen Augenblicksbesuch erheblichen Schaden.
Neuer Bürgermeister in Lang-Göns.
s. Lang.Göns, 1. Febr. Nachdem unsere Bürgermeisterftelle über ein Jahr lang verwaist war (die Geschäfte besorgte der Beigeordnete Karl Faber), wurde sie heute wieder neu besetzt. Am gestrigen Abend wurde der Orts- bauernführer Albert Weil vom Kreisdirektor Dr. Lotz im geschmückten Rathaussaal, im Beisein des Gemeinderates, xin feierlicher Weise als kommissarischer B ü r g e r m e i st e r eingeführt. An die Einführung schloß sich eine kleine Feier, an der die Politischen Leiter, die Gemeindebeamten und der Kreisdirektor teilnahmen. Der neue Bürgermeister steht im 29. Lebensjahr. Er entstammt einer alteingesessenen angesehenen Bauernfamilie.
Das Ausbildungslager fürWaldarbeit beginnt seine Arbeit.
LPD. S ch o t t e n , 1. Febr. Anfang März wird in der hiesigen Försterschule das A u s b i l - idungslager für Waldarbeit mit seiner Kursusarbeit beginnen. Gegenwärtig ist man damit beschäftigt, die erforderlichen Einrichtungen für die Wohnräume der Kursusteilnehmer herzurichten. Zunächst wird ab Anfang März ein Probekursus statt- finden, dem von Anfang April ab der regelmäßige, jeweils auf eine Woche bemessene Kursusbetrieb bis in den Herbst hinein folgen wird. In diesem Jahre sollen zunächst die Waldbetriebsbeamten und die Re- viersörster an den Kursen teilnehmen.
Geflügelzüchter feiern Jubiläum.
s. Lana-Göns, 1. Febr. Aus Anlaß des 25jährigen Bestehens des hiesigen Geflügelzuchtvereins wurde am Samstag eine Feier abgehalten, die von den Züchtern, ihren Angehörigen und von vielen auswärtigen Gästen sehr gut besucht war. Die geplante Jubiläums-Geflügelschau mußte leider ausfallen; sie soll aber, wenn die Maul- und Klauenseuche erloschen ist, nachgeholt werden.
Nach dem Vortrag eines Prologs durch Frl. Erna May begrüßte der Vorsitzende Otto May die Züchter und die Gäste. Er gab einen kurzen Rückblick über die Entwicklung des Vereins und sprach die Hoffnung aus, daß der Verein sich auch in Zukunft weiter aufwärts entwickeln möge. Die Mitglieder sollten mithelfen, daß wir dem großen Ziele, uns in der Eierversorgung vom Auslande freizumachen, immer näher kommen. Seine Ausführungen wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen.
Es sprach sodann der Gauvorsitzende Ackermann (Sprendlingen). Er überbrachte die Grüße und Glückwünsche des Gaues Hessen-Nassau und gab dann in großen Zügen ein Bild von der Arbeit der Geflüaelzuchtvereine im Rahmen des Vierjahresplanes. Auch feine Ausführungen^wurden mit großem Beifall ausgenommen.
Anschließend an- ben Vortrag des 72jährigen, noch sehr rüstigen Gauvorsitzenden wurde ein Film u b e r „Z weckmäßige Geflügelhaltung" vorgesührt. In zahlreichen Bildern wurden die Fehler aufaezeigt, die heute in der Geflügelhaltung immer noch begangen werden, weiter wurden die rechte Fütterung und eine gute Ausführung der Geflügelställe sowie der Geräte an Zahlen und Lehrbeispielen erläutert. Die erklärenden Worte zu dem Film und weitere Beispiele aus der Praxis gab der Ortsfachberater Hofmann. Eine Anzahl anderer Bilder aus der Geschichte des Vereins sowie ein großes Bild des Gauvorsitzenden lösten spontanen Beifall aus.
Nach einer Pause wurden zwei kleine, gut eingeübte Theaterstücke von Mitgliedern des Vereins gespielt. Beide Stücke fanden reichen Beifall. Zwischen den einzelnen Darbietungen spielte eine kleine Kapelle flotte Märsche und volkstümliche Musikstücke.
Der Gauvorsitzende Ackermann überreichte sodann verschiedenen Mitgliedern für ihre Treue, die sie dem Verein während 25 Jahre bewiesen hatten, ein Ehrendiplom. Auch hier sprach Erna May einen entsprechenden Vorspruch. Folgende Mitglieder wurden ausgezeichnet: Heinrich B e p p l e r, Wilh. Datz, Ludwig Gerhardt (Kirch-Göns), Willi R o m p f, Georg Schäfer, Heinrich Schaub, Konrad Spies, Otto Velten.
Besonders geehrt wurden außerdem noch vier Mitglieder, die während dieser 25 Jahre auch als Züchter besonders tätig gewesen waren. Es sind dies: Otto Eckhardt, Wilhelm Merz, Karl Müller II. und Heinrich Z ei ß. Sie erhielten die silberne Ehrennadel, die von der Reichsfachschaft verliehen wird. Ebenso wurde dsr Vorsitzende des Vereins Otto May vom Gauvorsitzenden durch eine besondere Urkunde besonders ausgezeichnet.
Die Glückwünsche der auswärtigen Vereine übermittelten die Herren Bauer für den Gießener Geflügelzuchtverein, er überreichte zugleich eine sinnige Gabe, für den Marburger Verein sprach Herr Hofmann (Marburg), für Kirch-Göns Herr Gerhardt, der auch Ehrenvorsitzender des hiesigen Vereins ist.
Zusammenfassend konnte bann Lehrer Hofmann allen Mitwirkenden für ihre Darbietungen den Dank aussprechen. Den Schluß des Abends bildete Tanz.
Hauptversammlung
der Freiwilligen Feuerwehr.
+ ©rünberg, 1. Febr. Am Samstagabend fand im „Gasthaus zum Rappen" die Hauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr ftatt Der Leiter der Wehr, Hauptbrandmeister Reinhard Haas, ehrte zuerst das Andenken von drei verstorbenen Kameraden: Richard Horz, K. Köhler und Friedr. Feldmann. Dann erstattete er den Jahresbericht. Dabei erwähnte er, daß zwei Kameraden, O. Pfeffer und August Mohr, mit dem neu gestifteten Reichsfeuerwehrehrenzeichen ausgezeichnet wurden. Die von Kamerad O. Allmendinger oorgetragene Rechnung ergab keinerlei Beanstandung. Oberbrandmeister Magel wies auf die Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehren, wie auch des einzelnen Wehrmannes im neuen Staate hin, besonders eindringlich waren [eine Mitteilungen über BrandschadenverHütung und die Ausmaße des jährlichen Brandschadens. Erster Beigeordneter Albach gab dann folgende Beförderungen bekannt: zum Oberbrandmeister den Brandmeister W. Ide, zum Brandmeister den Löschmeister K. Iöckel I., zu Löschmeistern die Oberfeuerwehrmänner Frdr. Schröder, Hch. Balser, Rich. Iöckel, Wilh. Weber und Walter Horst; zu Oberfeuerwehrmännern die Feuerwehrmänner Hch. Gravelius, Ludw. Bausch, O. Schmitz, Fritz R i e Ö m a n n , Rud. Trink- aus, O. Habicht, Heinr. Schön hals,. K. Trinkaus und Wilh. M a r g o l f. Anschließend sprach Beigeordneter Albach über das Verhältnis der Stadt zu der Feuerwehr, und er sagte der Wehr weiteste Unterstützung zu. Zur Altersabteilung traten über Brandmeister K. B ö ß sen. und Löschmeister Fritz Gehr inger. Der Führer der
Wehr widmete ihnen Worte des Dankes für ihre langjährige treue Arbeit. Oberbrandmeister Ide gab dann die Aufstellung der Wehr für 1938 bekannt. Der frühere Hauptbrandmeister Seif art, der lange Jahre die Wehr leitete, wird zum Ehrenhauptbrandmeister ernannt. Von der. Wehr wird ihm eine Uhr überreicht, die Stadt läßt ihm ein Bild (die Burg zu Grünberg) überreichen. Der Geehrte dankte herzlich für die anerkennenden Worte und für die Geschenke. Ortsgruppenleiter Schütz sprach für die Partei, ferner sprach noch Oberbrandmeister Horst (Oueckborn) im Namen seiner Wehr. Nach einem Lichtbildervortrag von Oberbrandmeister Ide über das Löschwesen schloß Haupt- brarbmeifter Haas mit dem Gruß an Vaterland
und Führer die Hauptversammlung. Musikvortr3ge der Kapelle belebten den Abend.
Landkreis Gießen.
£ Raufen, 2. Febr. Am 3. Februar feiert Frau Katharina Donderheid, 'geb. Schlund, in voller geistiger und körperlicher Rüstigkeit ihren 81. Geburtstag. Frau Donderheid, die schon seit 34 Jahren den' Gießener Anzeiger trägt, sieht man heute noch zur gewohnten Stunde jeden Tag, ohne Rücksicht auf Wetter, durch das Dorf schreiten, um den Lesern des „Gießener Anzeiger" die neuesten Tagesereignisse zu übermitteln. Auch selbst nimmt Frau Vonderheid an den Ereignissen der heutigen Zeit regen Anteil. An ihrem Ehrentag
Schach-Ecke.
Gearbeitet von K. Helling.
Auf Umwegen zum Ziel.
Aufgabe von E. Schütte.
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Weiß: Kc6, Tg8, SH6, Bf4 (4). — Schwarz Ketz, Ld8, Be7, f5, f6 (5).
Weiß zieht und setzt in vier Zügen matt. Der Lösungsverlauf enthält einen klaren Grundgedanken und nur eine Variante.
Es ging auch einfacher.
Kd6. 5. Kg2, Kc5. 6. a3). 3. Kg2, d2. 4. La4, c4. 5. Kf2, b5. 6. Lc2, Lf4, wonach auf die Dauer nicht vermieden werden kann, daß der schwarze König nach c3 gelangt und Schwarz entweder durch Zugzwang oder Eroberung des weißen a-Bauern gewinnt. Das Ablenkungsopfer d6 ändert nichts daran, denn der schwarze König gelangt trotzdem nach c3, und der weiße d-Bauer wird durch Lc7 aufgehalten. Eine eindeutige Darstellung scheitert leider an der Langwierigkeit der Gewinnführung; man überzeuge sich also selbst und ziehe in Rechnung, daß es sich um eine Stellung aus der Praxis und kein Kunstendspiel handelt.
Lösung der Schachaufgabe „Vierfache Liniensperrung".
Weiß: Kfl, Dd8, Sa5, Ba6, e3 (5). — Schwarz: Khl, Ldö, Lgl, Bdh, d7, f2, H2 (7). — 1. Dd8—a8! Ld5Xa8. 2. Sa5—b7, d6—d5. 3. Sb7—d6, La8—c6. Bindet den Springer durch die Drohung ßb5+. 4. a6—a7, d5—d4. Nach La8? käme 5. Ss5. 5. e3—e4, d4—d3. 6. Sd6—f5 nebst 7. Sf5—g3 matt. Die Züge 2. Sd7, d5 und 5. e4 sperrten die große Diagonale, und durch 5. ... d3 wurde das Schach auf b5 aus geschaltet.'
Die Narrenkappe.
Splitter und Sparren vom RedaktionStisch.
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■ W
d e f g h
a b
a b
Die obenstehende Stellung kam vor in Oeynhausen zwischen Loose (Weiß) und Schmahl (Schwarz). Weiß 'spielte hier 1. Dg4—g3 und gewann erst nach langem Kampf. Statt dessen konnte er aber die Partie auf elegante Weise sofort für sich entscheiden.
Lösung der Schachaufgabe „Zu Unrecht Remis gegeben".
Weiß (von Hennig): Khl, La8, Ba2, d5, e4, f3 (6). — Schwarz (Särnisch): Ke7, Le5, Db6, c7, d4, f6 (6). Schwarz am Zuge gewinnt.
1. ... c7—c5! 2. La8—c6 (dc6: e. p. scheitert an Ü3. 3. c7, d2. 4. c8 Dame, dl Dame-b. 5. Kg2, 2)e2+ nebst entweder 6. Kgl, Ld4-b. 7. Khl, Dfl + . 8. KH2, Se5 + nebst Lf4: ch oder 6. KH3, DH2-b. 7. Kg4, Dg3+ nebst Dg5ch), 2. . ..d4—d3! (Nur dieser Zug gewinnt! c4? zu ziehen wäre übereilt und scheitert an.der Verteidigung 3. Lb5, c3. 4. Ld3,
Die Gartentür.
Einmal beklagte sich ein Freund Edisons, der den Erfinder in seinem Landhause besuchte: „Du solltest wirklich deine Gartentür reparieren lassen, sie geht entsetzlich schwer auf!"
Edison lächelte pfiffig.
„Ich werde mich hüten!" sagte er.
Der Freund war verwundert. Da führte Edison ihn zu der Gartentür und zeigte ihm eine Drahtleitung, die von der Türschwelle bis zum Gemüsegarten lief.
„Jedesmal, wenn jemand die Tür öffnet", erklärte der Erfinder, „werden durch diese Vorrichtung hundert Liter Wasser in das Gartenreservoir befördert. Darum ist mein Gemüse stets so gut gepflegt." foe.
INusik wird oft nicht schön empfunden...
Bei einer amerikanischen Gesellschaft wird das sentimentale Lied „My old Kentucky hörne“ vorgetragen. Die Hausfrau sieht, wie einer ihrer Gäste sich in einer Ecke zurückzieht und die Augen hinter der Hand verbirgt. Leise geht sie auf ihn zu und fragt verständnisvoll und gerührt:
„Nicht wahr, Sie sind ein Mann aus Kentucky?"
Der Gast sieht sie mit schmerzverzogenem Gesicht an und flüstert:
„Nein, Mrs. Atkins, ich bin ein Musiker!"
Was selbst Shakespeare nicht konnte.
„Haben Sie mein neues Stück gesehen?" fragte der Dramatiker einen Bekannten, „Was halten Sie davon?" „Wissen Sie, mein Lieber, da sind zwei Szenen drin, die hätte Shakespeare nicht schreiben können." „Meinen Sie wirklich? Welche Szenen sind denn das?" „Die eine da in dem Laden für Rundfunkapparate und dann noch die andere in dem Filmatelier."
(Nachdruck verboten.)
6. Fortsetzung.
er'?" kleinlaut. Sie war
„Was wissen Sie?" fragte Lisbeth gereizt.
„Det janze Mißverständnis, die janze Komödie
Die Mädchen aus der Burgflraße
Vornan von Hilde K Lest.
plötzlich blaß geworden und wandte sich wortlos ihrer Arbeit zu. Frau Macher verschwand ebenso geräuschlos, wie sie gekommen war.
IV.
Carla Lenz empfand die überraschende Befreiung aus ihrer Welt der Bücher und Hörsäle, aus der Enge des Mittagtisches in der Burgstraße rote eine zärtliche Liebkosung. Das Wunder der Thü- ringer Landschaft offenbarte sich ihr wie ein Märchen. Sie reckte die Arme nach beiden Seiten, legte den Kopf zurück und atmete in tiefen Zügen den Duft der Wälder, den der Fahrwind ihr zuführte.
Der Schwede saß allein im Rücksitz. Er mar nicht ganz so alt, wie Viereck ihn geschildert hatte. Er mochte ein Vierziger sein — wie man so sagt —, ein guter Vierziger. Aber er sah nicht so aus, wie Carla sich einen Schweden vorgestellt hatte, er war klein und stämmig, hatte dunkle Haare und braune Augen. Er hieß auch nicht Palmstrom oder so ähnlich, sondern ganz einfach Mollwitz. Aber alles andere, stimmte. Schreibmaschine, Photgzeug und eine ganze Bibliothek reiften im Autokoffer mit
Professor Mollwitz war ein einsilbiger Herr. Er kannte zwar jeden Berg, Fluß und Baum mit Namen, aber er paßte nicht in die Landschaft. Hier klangen [eine Geistreicheleien wie Hohn auf iegliche Schönheit. Sie fragte sich, ob sie verpflichtet fei, ihn zu unterhalten Auch Viereck, der fein Herz immerfort auf den Lippen trug, war beim Fahren ein stiller Mann. Carla betrachtete ihn von der Seite. Es gefiel ihr, rote er die Hände ruhig und doch mit behutsamer Leichtigkeit auf dem Steuer- , rab liegen hatte, wie fein bewegungsloses Gesicht mit einem entschlossenen Ausdruck auf Die Strafe gerichtet war, wie nur die Augapfel mit blitzschnellen Bewegungen hin und her ettten alles erfassend, was weit voraus im Bereich der Fahrbahn lag. Sie ertappte sich dabei ihn hübsch und männlich zu finden. S:e wurde rot und sah seit ich aus dem Fenster. ,Dumme Gans! schalt sie sich- Aber just in diesem Augenblick nahm der Wagen eine scharfe Haarnadelkurve nach rechts und da sie sich nicht festgehalten hatte, mußte sie aus Vierecks rechter Schulter landen und dort verweilen bis der, Kurs wieder geradeaus ging. Letzt lächelte Bieteck, aber er lächelte vor sich hin. iur sich allem, und Carla ärgerte sich. Er hatte schließlich zu ihr hm- ^ÄÄgtamer!" ries der Prasessar. und Viereck nahm gehorsam Gas weg. Es war das erstemal, daß ls dem Professor zu fdmeü gmg sie waren in dem gleichen Tempo von Berlin her durchgefahren, und Viereck nahm keine Kurve
der Irrungen!"
Lisbeth [prang auf und faßte die rundliche Dame fest ins Auge. „Ich weiß nicht, was man Ihnen erzählt hat, Frau Macher, aber ich kann Ihnen eines verraten: wenn ein Mann, den ich eben erst geschäftlich fennenlernte, mir nachgeht und Steine an die Fenster meiner Wohnung wirft, um sich bemerkbar zu machen, bann irre ich mich nicht, wenn ich ihn für einen zweifelhaften Kavalier halte Glauben Sie, ich hätte ihm den geringsten Grund gegeben, mich so einzuschätzen?"
„Aber Mädel", sagte Frau Hedwig lächelnd, „von Ihnen ist doch gar nicht die Rede! eie drohte mit dem Finger. „An sich wäre es kein Wunder, wenn Ihnen dis Männer nachliefen, aber man soll als Frau doch vorsichtig fein und Milcht alles, jede Bewunderung, jedes Zeichen von Sympathie auf sich beziehen. Man soll immer erst die Adresse lesen, ehe man einen Brief ausmacht.
„Meine Adresse ist Burgstraße 118.
„Schon gut. Aber das ist nicht nur Ihre Adresse. , ,. „
„Der Stein flog an mein Wohnungsfenster.
„Wohnen Sie in der Wohnung allem? _____
„Allerdings wohnen dort noch meine Mutter und meine beiden Schwestern."
„Also da haben wir's! Die Mutter fallt aus, Sie sind es nicht gewesen —" , „ , , ... -
„Ich bitte Sie, Frau Macher, Ursel ist em
„Ursel? Ursel mag ein Kind fein. Ist Carla auch noch ein Kind?"
„Carla ist so gut wie verlobt." . .
„Hand aufs Herz, Lisbeth, ist Carla wirklich> soo verlobt, daß Ihr kein Zweiter Sternchen ans Fensier werfen könnte?" . , , ....
„Ich weiß es nicht — es geht mich auch nicyrs an!" sagte Lisbeth ärgerlich.
„Schön, mich geht es noch weniger an, aver haben Sie nun ein Recht, Herrn Stelling abzuwlm- meln und pathetisch zu sagen: »Ich oder
„Wenn es so ist...", sagte Lisbeth „wird mir manches klar. Und doch..."
schneller, als es gut und richtig war. Freilich, es mar ihm auch niemand an die Schulter gefallen. Vielleicht ärgerte sich der Professor.
Er ließ halten und bat, mit Carla die Plätze wechseln zu dürfen. Und nun saß er also vorn neben Viereck, und wenn eine Kurve kam, hielt er sich am Fensterrahmen fest, und es passierte Ihm nicht, daß er gegen Vierecks Schulter fiel.
Carla aber ließ sich willig hin und her tragen, und als die Dämmerung hereinbrach, schlief sie ein, lehnte im Schlaf den Kopf fest an eine Seitenlehne, und Viereck, der sie im Rückspiegel sah, fand, daß dieses schlafende kleine Mädel um vieles liebenswerter mar als die etmas hochnäsige Studentin der Philosophie.
Der Professor sah seinen Fahrer von der ©eite an und bemerkte ein Lächeln, das unverroandt auf dessen Gesicht stand. Das grämte den Professor. Er sagte sich, daß ein Fahrer ans Fahren denken sollte und nicht an irgendwelche Dinge, die abseits von der Landstraße liegen, vielleicht gar an hübsche Mädchen.
„Fahren Sie langsamer!" sagte er wieder. Und als Viereck beim Bremsen einen erstaunten Blick abschoß, fügte er hinzu: „Sie sind nicht bei der Sache!"
Viereck schwieg, denn er mußte gerade einen schweren Lastzug überholen. Als das bewerkstelligt war, hatte er seinen Aerger [o weit überwunden, daß er auch weiterhin schweigen konnte. ,Der Herr Professor ist eifersüchtig', überlegte er, ,wer hätte das gedacht!' Drei Wochen lang sollten sie nun auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden fein, zwei Männer und ein junges Mädchen. ,Du lieber Himmel', dachte er, ,Mädels sind unberechenbar, auch wenn sie noch so klug erscheinen, und dieses verrückte Huhn von schwedischem Professor ift gefährlich, weil es von Frauen gewiß weniger versteht als ein sechzehnjähriger Lehrling. Da heißt es: aus dem Spiel bleiben!'
Er nahm sich zusammen, straffte den Oberkörper, klammerte die Hände fester ums Steuer und schoß stahlharte Blicke auf das Band der Landstraße. Bei einer plötzlichen Wendung erhaschte er mit innerem Schmunzeln die Augen des Professor, die befriedigt und nun wieder wohlwollend auf ihm ruhten.
V.
Seit einer Woche kam der Ingenieur Stelling Tag für Tag auf einige Stunden zu Machers, und es schien, als habe er über den Plänen und Berechnungen. die der kleine Mann ihm vorlegte, den Hauptzweck feines Kommens vergessen. Der Idealismus des Erfinders steckte ihn an, und Macher


