rid) hingen freigegeben. Diese neue 25 Kilometer lange Strecke mitten durch den Knüll ist landschaftlich besonders reizvoll und dürfte viele durchreisende Fremde zum Aufenthalt im schönen Kurhessenland bewegen.
Belgische Segelflieger in Marburg.
Lpd. Marburg, 31. Aug. In Marburg wurde ein Austauschlager belgischer und deutscher Segelflieger eröffnet. In einem Kameradschaftsabend hieß der Prorektor der Universität Marburg, Professor S ch ü r r, die 15 teilnehmenden belgischen Segelflieger im Namen des Reichsministers für Luftfahrt und im Auftrag des Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung herzlich willkommen. Der Sprecher der belgischen Mannschaft betonte in seinen Dankesworten besonders, daß die deutsche Se- aelfliegerei schon immer nachahmenswertes Vorbild f ü r d i e belgischen S^ g e l f l i e g e r gewesen sei. — Das Lager, das am 5. September abgeschlossen wird, steht unter Leitung von Dr. F r o h w e i n vom Hochschulinstitut für Leibesübungen Berlin.
Sechs Jahre Zuchthaus im Mainzer Totschlagsprozeß.
Lpd. Mainz, 31.Aug. Das Mainzer Schwurgericht hat in dem dreitägigen Prozeß gegen den Friedrich Wilhelm Weinsheimer aus St. Johann .in Rheinhessen wegen Totschlags auf sechs Jahre Zuchthaus erkannt. Der Staatsanwalt hatte acht Jahre Zuchthaus beantragt.
In der Urteilsbegründung wurde ausgeführt, daß die Darstellung der Tat, die der erschossene Jagd- Pächter Beißer auf seinem Sterbelager gegeben hat, die alleinige innere .Glaubwürdigkeit habe. Danach war der Angeklagte verärgert gewesen, daß ihm der Verstorbene einen Rehbock verpfiffen hatte. Er war von seiner Jagdkanzel gestiegen und chatte den Beißer auf dessen angrenzenden Jagdgrund nach kurzem Wortwechsel niedergeschossen. Daß ihm eine solche rohe Tat zuzutrauen war, habe die dreitägige Verhandlung bewiesen, die das Vorleben des Angeklagten in ganzer Breite aufrollte. Dabei ergab sich das Bild eines brutalen egozentrischen Menschen, der alles, was irgendwie abhängig von ihm war — den eigenen Vater und die Ehefrau einge^ schloffen — seelisch und körperlich quälte und zum Gegenstand seiner üblen Launen machte.
Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er das Urteil annehme, antwortete der Angeklagte verneinend.
Erschießung eines Wilderers nach 18 Jahren aufgeklärt.
LPD. 5) e r b o r n, 31. 2lug. Im Sommer des Jahres 1920 war ein Einwohner namens Gustav B a st i a n aus Hirzenhain im Wald erschossen aufgefunden worden. Der Vorfall konnte in den ganzen Jahren nicht aufgeklärt werden.
Nunmehr ist es den Beamten der Kriminalpolizei- Leitstelle Frankfurt a. M. im Zusammenwirken mit den örtlichen Behörden gelungen, Licht in diese Angelegenheit zu bringen, die in der Bevölkerung immer wieder erörtert worden war. Am Dienstag fand eine eingehende Tatortbesichtigung durch das Amtsgericht Herborn unter Zuziehung der Staatsanwaltschaft Siegen, der Kreisjagdbehörde in Herborn und der zur Aufklärung eingesetzten Beamten der Kriminalpolizei-Leitstelle Frankfurt a. M. und Recklinghausen statt. Nach den Feststellungen muß angenommen werden, daß der Gustav Bastian am 1. August 1920 von dem inzwischen gestorbenen zuständigen Förster als Wilderer gestellt und auf der Flucht erschossen wurde. Mi! Bastian wilderten damals zwei Einwohner aus Hirzenhain, die sich zur Tatzeit in der Nähe des späteren Fundortes der Leiche aufgehalten haben. Sie haben auch den Schuß sowie den Schrei bzw. das Stöhnen des tödlich getroffenen Bastian gehört, ließen ihn aber, ohne sich um ihn zu kümmern, allein im Walde sterbend liegend. Diese beiden Einwohner, die von der Polizei gestellt wurden, haben sich bei ihren Vernehmungen durch dauernde Widersprüche selbst in den dringenden Verdacht des Mordes an Bastian gebracht. Aus Furcht vor der Rache der Wildererkomplicen des Bastian machte der Förster seinerzeit keine Meldung und nahm fein Geheimnismitins Grab.
kannst du Wiick, Dore?
Vornan von Hedda Lindner.
Copyright by Earl Duncker Verlag, Berlin W 35.
3. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Bevor sie zum Abendessen ins Hotel zurückkehrten, nahmen sie meist den Umweg über den kleinen Bergkirchhof. Das erstemal hatte Dore unwillkürlich gezaudert, als er wie selbstverständlich durch die offene Pforte schritt. Er merkte es und blieb stehen. „Gehörst du auch zu denen, die mit dem Kirchhof nur Tod und Vergänglichkeit verbinden? Dann entschuldige mich bitte für eine Viertelstunde und gehe ins Hotel voran!"
Dore schüttelte den Kopf und ging hastig die paar Stufen hinauf und hinter ihm her. „Ich war nur überrascht — ich bin sehr selten auf einem Friedhof — aber ich gehe sehr gern mit."
«Zch suche fast in jeder fremden Stadt den Friedhof auf", erzählte Gerald, während sie durch die Gräberreihen schritten. „Er verrät so sehr viel mehr von ihren Bewohnern als die Lebenden es tun. Sieh hier —" er wies auf einige Grabsteine — „ein Name, der immer wiederkehrt und mit ganz verschiedenen Jahreszahlen; es muß also eine zahlreiche und alteingesessene Familie dieses Ortes (ein. Wenn wir nun jemand treffen, der so heißt, ist er uns schon vertraut."
„Hier eine französische Inschrift! ,Der Unvergeß- lichen<", buchstabierte Dore.
„Der Unvergeßlichen", wiederholte er. „Dabei ist das Grab verwildert nach kaum dreißig Jahren! Da kannst du gleich sehen, was die Menschen unvergeßlich nennen."
Sie schob ihren Arm leicht in den seinen. „Nicht, komm weiter!" bat sie.
Der nächste Hügel war mit Blumen überdeckt. „Daisy, siebzehn Jahre alt", stand darauf. „Sicher war sie krank und kam aus dem nebligen England, weil sie hier von den Bergen Heilung erwartete, und dann war es doch vergebens", sagte Dore mitleidig.
Er drückte sacht ihren Arm. „Siehst du, jetzt spre- chen die Gräber auch zu dir. Ich habe nie begriffen daß es Menschen gibt, die das Betreten eines Friedhofes geradezu scheuen, aber ich freue mich, daß du nicht dazu gehörst", sagte er im Weitergehen.
„Vielleicht kommt diese Scheu, weil die meisten nur den Begriff der Vergänglichkeit damit oerdin-
Arbeitstagung der Jägermeister des Zagdgaues Land Hessen.
Am Dienstag hatte der Landesjägermeister, Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger feine Jägermeister zu einer Arbeitstagung in den Rathaussaal zu Darmstadt geladen.
Der Landesjägermeister eröffnete die Tagung mit einem „Horrido" auf den Reichsjägermeister, Ge- neralfeldmarfchall Hermann Göring. Gaujägermeister Rausch gab sodann einen ausführlichen Bericht über die erste Großdeutsche Jägermeistertagung, die vom 28. bis 31. Juli 1938 in Graz stattgefunden hatte. Auf der Tagung in Graz stand im Vordergrund die Frage der Jungjägerausbildung. Gaujägermeister Rausch legte den Kreisjägermeistern noch einmal dringend nahe, die von dem L-andesjägermeister bereits seit längerer Zeit angeordnete Schulung des jägerischen Nachwuchses mit allen Kräften weiter zu fördern.
Eingehend wurde die in Granz besprochene Auswirkung der seit Inkrafttreten des RIG. bestehenden Abschußplanung und des Wahlabschusses auf die Schalenwilbbestänbe erörtert.
Erfreulich war die Feststellung, daß die Ausartung der Rakwildbestände ganz bedeutende Fortschritte gemacht hat.
Ebenso bei dem Damwild ist bereits eine merkliche Besserung zu verspüren. Bei der Aufartung der Rehwildbestände, die durch den vor dem RIG. meist falsch gehandhabten Abschuß ziemlich degeneriert waren, bleibt noch viele Arbeit zu tun. Hier sind jedoch noch Maßnahmen geplant, die auch die Aufartung des Rehwildes einen großen Schritt vorwärts bringen werden.
Anschließend besprach Gaujägermeister Rausch den in diesem Jahr bereits durchgeführten Abschuß an Rehböcken. Er zeigt den Kreisjägermeistern den Weg, der beschritten werden muß, um eine restlose Erfüllung des geplanten Abschusses zu erreichen.
Im Anschluß daran gab er Richtlinien über bie Behandlung der Niederwildlag d. Nacy den schlechten Ergebnissen des vergangenen Jahres ist in diesem Jahre fast durchweg eine erhebliche Besserung des Hasen-, Fasanen- und Huhnerbestan- des zu verzeichnen. Gerügt wurden die immer noch vereinzelt auftretenden Unsitten bei Treibiagden auf Hasen. Durch Einwirkung auf die Jagerschaft wird es den Kreisjägermeistern gelingen, auch hier Ordnung zu schaffen.
Jägermeister Forstassessor Rothman n sprach sodann über die
Behandlung von wildschadensangelegenheilen.
Durch mangelnde Sachkenntnis, teils auch aus bösem Willen sind bei der Ermittelung von Wildschäden Gewohnheiten eingerissen, die der Jagdbehörde eine planvolle Arbeit ungeheuer erschweren. Durch engste Zusammenarbeit mit dem Reichsnährstand soll mit einer planmäßigen Schulungs- und Aufklärungstätigkeit einem bestehenden Mißstand abgeholfen' werden. Diese Schulungsarbeit soll alle, die mit Wildschaden zu tun haben, also die Jäger, die Bauern und die Wildschadensschätzer zu Fachmännern, auf dem Gebiete der Wildschadensermitte- lung und Wildschadensoerhütung machen. Ein besonders für diesen Zweck herausgegebenes Merkblatt soll die Schulungsarbeit erleichtern.
Zum Schlüsse erstattete der Vorsitzende des Jägerehrengerichts, Amtsgerichtsdirektor Dr. Eise, einen Bericht über die Tagung der Ehrenrichter der Jägerschaft in Graz. Ausführlich berichtete er über die Richtlinien, die in dieser Hinsicht in Graz von berufener Seite gegeben wurden.
Ein Pflichtschießen für die Jägermeister und ein Kameradschaftsabend sah die Jägermeister des Landes Hessen um ihren Landesjägermeister.
3m Dienst an der Zukunst des Volkes.
Leistungsbericht des Hilfswerkes »Mutter und Kind-.
NSG. Die nationalsozialistische Volkswohlfahrtspflege findet ihren bezeichnenden Ausdruck in dem Hilfswerk „Mutter und Kind". Es ist der Mittelpunkt aller wohlfahrtspflegerischen Arbeit geworden, denn sein Ziel ist die S t ä r f u n g der Familie, die Förderung und Beschützung der Mütter und Kinder, die Heilung von vorhandenen Schäden, aber vor allen Dingen auch die Verhütung von Krankheiten. Die Hauptaufgabe des Hilfswerkes „Mutter und Kind" ist, nicht erst den Krankheiten zu Leibe zu rücken, wenn sie sich am erwachsenen Menschen zeigen, sondern die Ursachen der Krankheiten beim werdenden jungen Menschen zu beseitigen und dafür zu sorgen, daß er an Leib und Seele gesund bleibt. Weil die völkische Wohlfahrtspflege ihre Maßnahmen an der Wiege des Lebens und nicht am Sarg trifft, kann sie auch für die Zukunft unseres Volkes viel mehr leisten als die liberale Wohlfahrtspflege, die sich in erster Linie erst dann um die Menschen kümmerte, wenn sie hilfsbedürftig, arbeitsunfähig und unheilbar krank geworden waren.
Dieses Prinzip der Vorsorge ist eine der tragenden und wichtigsten Merkmale der völkischen Wohlfahrtspflege,
und es hat naturgemäß eine gehobene Bedeutung hinsichtlich derjenigen Maßnahmen, die die Gesundung und Stärkung der deutschen Familie betreffen. Nicht der einzelne steht im Mittelpunkt der Betreuung, auch nicht eine Summe von einzelnen, sondern die Familie. Die völkische Wohlfahrtspflege ist eine individuelle Fürsorge für die F a - m i l i e, für Mutter und Kind. Wenn die deutschen Familien gesund sind, dann ist auch das gesamte deutsche Volk stark und damit der einzelne. So ist die Tätigkeit des Hilfswerkes „Mutter und Kind" Arbeit für ein ewiges Deutschland.
Soeben legt das Hilfswerk „Mutter und Kind" feinen Jahresbericht für 1 93 7 vor, der in fünf Arbeitsgebiete eingeteilt werden kann: die Hilfe für die Familie, die Fürsorge und Vorsorge für die Mütter, die Säuglingsfürsorge, die Fürsorge für das Kleinkind und die Jugendhilfe.
.Die Familienhilfe verfolgt das Ziel, die Familie zur Erfüllung ihrer Erziehungsaufgaben zu befähigen und wirtschaftliche Notstände zu beseitigen. Die Gesamtzahl der Betreuten einschließlich der Familienangehörigen betrug im Monatsdurchschnitt 971 782, gegenüber dem Vorjahre bedeutet das eine Verminderung der Zahl der Betreuten — eine Folge der gesamten Wirtschaftslage.
Einen unentbehrlichen Dienst leisten die 516.« Schwestern in der Gemeindepflege. Die Zahl der Gemeindepflegestationen ist bis zum 31. Dezember 1937 auf 2521 gestiegen. Ferner stehen 2768 Nähstuben. Bei der Arbeit der Wohnungs- und Siedlungshilfe ist grundsätzlich daran festzuhalten, daß es sich hier nur um eine ergänzende Aufgabe handeln kann. Die Lösung des gesamten Wohnungs- problemes ist Staatsaufgabe. Es wurden 171432 Wohnungshilfevorgänge bearbeitet. Mietbeihilfen usw. wurden in 22 303 Fällen übernommen.
Die Mütterfürsorge konnte in ihrem Umfang und ihren Leistungen erweitert werden. Die 22 969 Hilfsstellen „Mutter und Kind" sind als Mittelpunkte der gesamten Arbeit ausgebaut worden. Die Zahl Ser Besucher in diesen Hilfsstellen stieg von 2 824 932 im Jahre 1936 auf 3 274 049 im Jahre 1937. Der Ausbau der Schwangerenfürsorge auf dem Lande wurde zum ersten Male in größerem Umfange in Angriff genommen. Die Zahl' der betreuten werdenden Mütter und Wöchnerinnen erhöhte sich auf 219187 gegenüber 185 845 im Vorjahre.
den und nicht den des Friedens", meinte Dore nachdenklich.
Sie standen vor einem Steinsockel. Er fiel auf, weil er höher und mässiger war als die andern Denkmäler. „Zwei Brüder und zwei Führer auf dem Gipfel des Wetterhorns vom Blitz erschlagen", las Dore. „Furchtbar!" Sie blickte scheu zu dem Berg hinüber.
„Furchtbar für die Angehörigen, aber für sie selbst — ein herrischer Tod! Die alten Zeiten würden sagen, daß sie Lieblinge der Gotter waren, die sie in Donner und Blitz zu sich holten. Und bas Wetterhorn selbst hält die Ehrenwache an ihrem Grade."
Die' Tage gingen, Dore zählte sie nicht. Sie glitt nun von Stunde zu Stunde mehr' in dieses neue Leben hinein, stellte sich von Stunde zu Stunde mehr auf den Mann ein und fühlte sich dabei auf eine untergründige und unbeschreibliche Weise glücklich.
Es war genau der elfte Tag ihres Beisammenseins, als sie beschlossen, die Fahrt zum Iungfrau- joch zu unternehmen. Es war ein strahlend heller Tag, der eine wunderbare Fernsicht versprach, und Dore zeigte in dem Gedanken an das Schone, was sie zusammen sehen würden, eine fast übermütige Fröhlichkeit. Sie hatte so etwas Mitreißendes, daß er mehr als sonst aus sich herausging. Ein paarmal lachte er sogar, nicht das höhnische harte Auflachen, das sie fast fürchten gelernt hatte, weil es weh tat; nein, ein warmes, beinahe jungenhaftes Lachen, das alle Härten aus feinem Gesicht nahm. Sie betrachtete ihn staunend — so also sah er früher aus — dachte sie, was mußte er durchgemacht haben, um sich derartig zu verändern. Hastig, wie um diese Gedanken zu verbergen, senkte sie den Kopf und begann eifrig, das Frühstückpaket zu untersuchen. „Seit wann bist du so materiell, kleine Dore, ober habe ich dir nicht genug Zeit zum Frühstück gelassen?"
^Kleine Dore! — Sie sah ja in ihrem, hellen Sweater mit der Sportmütze wie ein junges Mädchen aus, aber wenn man zu einer Frau von sechsundzwanzia Jahren so etwas sagt, dann klingt das so nach Zärtlichkeit, daß man heftig in ein Brot beißen muß, weil plötzlich lächerlich' dumme Tränen kommen wollen.
Dore kaute verzweifelt, bann hatte sie sich wieder gefaßt. „Cs ist nur Rücksicht, damit du nicht so viel zu tragen hast", behauptete sie.
„Rührend! Aber ich kann natürlich nicht "mit onsehen, daß du dich allein opferst. Was hat man uns denn Schönes eingepackt?" Dann standen sie oben auf dem Plateau, überwältigt von dem Blick,
der sich ihnen bot. „Solche Sicht wie heute hatten wir lange nicht", sagte der Mann am Fernrohr. Und auf der anderen Seite, schimmernd und flirrend in der Sonne, daß muii ohne Schutzbrille diese Helligkeit überhaupt nicht ertrug, bie iiuice Welt des ewigen Eises. Dore faßte unwillkürlich nach seiner Hand, so gewaltig wirkte dieses Bild auf sie.
Andere Menschen kamen den schmalen Weg entlang, der auf die kleine Plattform führte, sie wandten sich schweigend, um Platz zu machen. Er sah, welch tiefen Eindruck sie bekommen hatte, er kannte ihre Empfänglichkeit für die Natur, darum wollte er ihr Zeit geben, dieses Bill» zu verarbeiten.
„Den Eispalast sehen wir uns nachher an", schlug er vor. „Jetzt gehen wir erst einmal hinein und lassen uns etwas Warmes ju trinken geben. Außerdem will ich sehen, wie dir der Höhenunterschied bekommt."
„Ich merke nichts", sagte Dore, dankbar die Fürsorge empfindend, die in seinen Worten lag.
„Um so besser, bann bist du anscheinend ebenso unempfindlich wie ich. Aber trotzdem wollen wir nicht leichtsinnig sein."
Es zeigte sich bald, daß der Höhenunterschied Dore tatsächlich nichts ausmachte, darum brachen sie nach einer halbstündigen Ruhepause wieder auf und wanderten zu den Polarhunden. Alle sechs lagen ausgestteckt im Schnee, einige schienen fest zu schlafen, ein paar andere hoben interessiert die Köpfe und bettachteten die beiden Fremden. Ein Mann saß auf dem schmalen Holzbrett, das als Bank in den Schneewall eingelassen mar, mehrere Paar Schier standen neben ihm.
„Gehören Sie zu den Hunden?" fragte Gerald.
„Nein. Der Rudi muß gleich kommen."
Während Dore zu den Hunden trat, begann Gerald eine Unterhaltung mit dem Mann. „Wo wird hier abgefahren.?" wollte er wissen. Der Gefragte zeigte vor sich zum Gletscher hinunter und deutete darauf in einem Bogen nach rechts. „Aufstieg da drüben", bemerkte er kurz. Darauf — mit einer Kopfbewegung. „Da kommt der Rudi."
„Ich möchte eine Schlittenfahrt machen. Geht bas?" fragte Dore eifrig.
„Aber natürlich, Fräulein, dazu sind die Hunde doch da. Setzen Sie sich mal hin! So — ein bißchen mehr nach vorn, damit das Gewicht verteilt wird, weil ich hinten draus stehe."
„Gerald, Gerald, ich fahre", rief sie begeistert und sah sich suchend um. Hilger stand immer noch ein paar Schritte abseits in eifriger Unterhaltung mit dem Manne, der auf der Bank gesessen hatte. Auf ihren Ruf kam er näher. „Viel Vergnügen!" winkte
Weiterhin wurden im Berichtsjahr 77169 ter in Erholung verschickt (1936: 69 976).
6000 Säuglinge und Kleinkinder konnten mit ihren Müttern gleichzeitig in Erholungsheimen aufgenom- men werden.
Das Ziel der Säuglingsfürsorge ist nicht nur die Senkung der. Frühsterblichkeit, sondern auch die Verminderung der im ersten Lebensjahr entstehenden gesundheitlichen Schäden. Die Mütter- und Säuglingsberatungsstellen sind vermehrt worden. Die Zahl der Besucher betrüg 299 437. Darüber hinaus wurden noch 132 018 Säuglinge in nachgehender Fürsorge und in Heimen betreut. Geplant ist ein weiterer Ausbau der Rachitisbekämpfung.
Da in vielen Gebieten, namentlich auf dem Lande, eine starke Vernachlässigung des Gesundheitszustandes des Kleinkindes festgestellt werden mußte, ist die Errichtung oonIindertagesstätten stark gefördert und nach der gesundheitlichen Seite hin ausgebaut worden. Die Dauerkindertagesstätten konnten im Berichtsjahr auf 3461 mit 153 000 Plätzen erhöht werden, was gegenüber dem Beginn des Vorjahres eine Steigerung um 81 v. H. bedeutet. Besondere Bedeutung kommt den 4111 Erntekindergärten zu, die im Sommer zur Entlastung der Landfrau errichtet wurden.
Auch die Jugend erholungspflege, dis sich auf das Kleinkind und auf schulentlassene Ju- gendliche erstreckt, ist stark ausgebaut worden. Es konnten im Berichtsjahr 632 155 Kinder entsandt werden. Für 32 983 Schulkinder wurden Maßnahmen der örtlichen Erholungspflege durchgeführt. , Auf dem Gebiete der Erholungspflege ist die Reichs- zentrale „Landaufenthalt für Stadtkinder" besonders intensiv tätig gewesen.
Innerhalb der Gesamtzahl der Kinderentsendun- gen hat die NSV. 459 944 Kinder in Heime und Landpflegestellen entsandt und 28 973 der örtlichen Erholungsfürsorge zugeführt.
Erstmalig sind in größerem Umfange schulentlassen« Jugendliche verschickt worden. Dies war ein beson- ders großer Erfolg, weil nach den ärztlichen Feststellungen der Gesundheitszustand der schulentlasse. nen Jugendlichen vielfach sehr viel schlechter ist als der der Schulkinder. Die Zahl der Verschickungen entspricht aber noch nicht dem vorhandenen Bedürfnis. 1937 sind 5 v. H. aller Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren verschickt worden. Erforderlich ist aber mindestens eine Entsendung von 10 bis 15 v. H. aller Kinder und Jugendlichen im Alter von drei bis 18 Jahren, das entspräche einer Mindestjahresentsendung von 1,6 Millionen. Die Wohlfahrtspflege steht also vor der Aufgabe, s y st e m a t i s ch die Jugenderholungspflege durch Erhöhung der Zahl der zur Entsendung kommenden Kinder zu fördern.
Auf dem Gebiet der I u g e n d h i l f e wurden 419 932 einzelne Hilfsmaßnahmen bearbeitet. Davon entfallen 79 827 auf Pflegestellenoermittlung und -beaufsichtigung, 84 380 auf Vormundschaften, 69 517 auf Erziehungsberatung, 23 976 auf Jugendgerichtshilfe, 28 478 auf Schutzauffichten, 13 591 auf Wäi- fenhilfe. Die Zahl der NS.-Iugendheirnstätten stieg im Berichtsjahr von 14 auf 36. Die Reichsadoptionsstelle konnte die einheitliche Gestaltung der Adoptionsvermittlung weiter entwickeln.
Man kann den sachlichen Leistungsbericht des Hilfswerkes „Mutter und Kind" nicht abschließen, ohne alle die Kräfte zu erwähnen, denen die Gestaltung und der Ausbau der Arbeit vor allem zu danken ist.
Auch das Hilfswerk „Muller und Kind" ist, wie das Dinlerhilfswerk, in erster Linie getragen durch den unermüdlichen Einsatz von ehrenamtlichen freiwilligen Helfern und Helferinnen.
Ihre Gesamtzahl beläuft sich auf 442 135. Daneben sind 1529 Volkspflegerinnen und etwa 5000 Kindergärtnerinnen und Iugendleiterinnen tätig. Besonderes Augenmerk wird zur Zeit auf die Lösung der Nachwuchsfrage gelegt. Es besteht heute ein ausgesprochener Mangel an Schwestern, Kindergärtnerinnen und Volkspflegerinnen. Und so dürfte gerade auch der vorliegende stolze Arbettsbericht des Hilfswerkes „Mutter und Kind" für die weibliche Jugend ein Ansporn sein, in vermehrter Zahl s i ch dem sozialen Frauenberuf zu widmen und so an vorderster Stelle im Kampf um die Stärkung unseres Volkes zu stehen.
er lachend, wandte sich aber gleich wieder ab, um seine Unterhaltung fortzusetzen.
Im selben Augenblick zogen auch die Hunde schon an. Es war herrlich, so in rasender Geschwindigkeit auf dem sonnigen Schneefeld dahinzugleiten, herrlich, nur leider viel zu kurz, fand Dore, als sie sich dem Ausgangspunkt wieder näherten.
„Wunderbar!" sagte Dore, als sie am Start angekommen waren. Dore stand auf und sah sich suchend nach Gerald um. Dann weiteten sich ihre Augen vor Erstaunen. Er stand da neben dem Manne von vorhin, beide hatten Schier an den Füßen und schienen nur auf sie gewartet zu haben.
„Willst du so gut fein und mich für eine knappe Stunde entschuldigen?" rief Gerald ihr entgegen. „Fahre noch mal Schlitten oder gehe so lange ins Restaurant, ja? Herr Matt hat mir versprochen, mit mir eine Schußfahrt zum Gletscher hinunter zu machen."
„Zum Gletscher hinunter, kann man denn das?" fragte Dore entsetzt.
Herr Matt lachte. „Für Anfänger ist es nichts, aber der Herr Gemahl faniVs schon wagen."
„Na, los, Matt!" rief Gerald ungeduldig. Sein ganzes Interesse galt jetzt nur noch dem Schilauf. „Auf Wiedersehen nachher im Restaurant!"
Matt suchte sorgfältig eine Abfahrtsstelle. „Immer tn meiner Spur bleiben, Herr Hilger!" rief er noch. Dann gab er sich einen Schwung und verschwand $n höchstens zwei Sekunden Abstand sauste Gerald ihm nach.
Dore hatte unwillkürlich die Augen geschlossen, als " sich absheß, jetzt trat sie zögernd an den Rand des Schneewalls und sah hinab. Ganz unten zwei winzige dunkle Punkte, ab und an in einer stiebenden Schnee- wolke fast verschwindend, das war alles was sie erkennen konnte. Der Schlittenlenker war ebenfalls an den Rand getreten und bemerkte ihr ratlos be- siurztes Gesicht. „Der Matt ist der Schilehrer hier weiß Bescheid", sagte er tröstend. „Und daß Ihr Mann fahren kann, Donnerwetter, ja!" Er wandte sich ab — cs kamen Leute — und machte den Schlitten z^r nächsten Fahrt bereit.
,. ^°rc sisind noch eine Weile und starrte hinunter, bis ihre Augen hinter der Brille zu tränen begannen; fte konnte die beiden Punkte nicht mehr entdecken, nur bte Schneefelder dehnten sich in endloser Weite Sie ging langsam zum Hotel zurück. Dort suchte sie einen D^n bem aus sie bie ganze Fläche des Gletschers übersehen konnte, bestellte sich einen Kaffee und wartete.
(Fortsetzung folgt!)


