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(en kleinen Schlitten, mit dem haben wir angefan- gen. Er erzeugt ganze vier Kubikmeter Druckluft in der Minute. Daneben steht Nr. 2, heute auch nicht mehr im Gebrauch, damit haben wir 12 Kubikmeter geschafft, Nr. 3, der jetzt gerade arbeitet, schafft 23 Kubikmeter, damit kommen wir am Sonntag aus, um unter Tage die Pumpen und die für die Repara­turen nötigen Geräte in Gang zu setzen. Das sind so die kleinen Sonntagsarbeiten bei uns." Wir müssen durch eine Mauerlücke kriechen in elften An­bau. Hier steht ein ganz neuer Kompressor, der erst vor wenigen Tagen fertig geworden ist. Es ist das Kunstück der Grube. Mit dem Können 70 Ku­bikmeter Preßluft in der Minute erzeugt werden."

Ueberall auf dem Werkgelände wird noch ge­baut. Ueberall stehen Gerüste, liegen Balken und Bretter im Stapel. Man sieht förmlich das ständige Wachsen und Dorwärtsstreben des Werkes. Rings um den Grubenschacht wurden hübsche Siedlungs­häuser gebaut, in denen die Arbeiter nahe am Werk wohnen und in den kleinen Gärten ihren Kohl bauen können. Es ist geradezu unglaublich, was hier in so kurzer Zeit geleistet wurde.Hier auf dem Fleck, auf dem wir jetzt stehen, wo sich heute Häuser erheben, wo der Förderturm emporragt, da war noch im Jahre 1935 Buschwerk und Gras, totes, unbrauchbares Land", so berichtet der Betriebs­führer. Dann ruft er einen Arbeiter heran. Der er­zählt uns, wie er und feine Kameraden aus den verschiedensten Berufen, in denen fie Jahre durch keine Arbeit fanden, gekommen sind, um hier um­zulernen und heute als Bergmänner ihr Brot zu verdienen.

Später erfahren wir vom Kreisleiter, welche ent­setzliche Not diese Stadt bis zur Machtübernahme Adolf Hitlers durchgemacht hat. 1932 waren in ganz Freiberg nur sieben Betriebe in Arbeit, und auch die mußten sich mühsam durchschleppen. Heute sind alle früheren Freiberger Be­triebe wiederin Gang und dazu sind zehn neue Fabriken und Betriebe gekommen. Praktisch gibt es überhaupt keine Arbeit s- losigkeit mehr. Der Erzbergbau dieses Ge­bietes, den man schon tot wähnte, ist wieder von neuem aufgelebt. Im Zeichen des Vierjahresplanes werden hier täglich erhebliche Werte an deutschen Rohstoffen gefördert. Die Erfahrungen dieser alten Bergwerksstadt werden im ganzen Reiche hochge­wertet. Es ist deshalb nicht weiter verwunderlich, daß heute zu der ältesten deutschen Bergakademie, die in Freiberg ist, noch eine ganze Reihe weitere Forschungsinstitute für Kohlen- und Erzbergwerks­fragen gekommen sind. *

Weiter geht unsere Fahrt in das sächsische 3 n b u ft r'i e g e b i e t. Unterwegs berühren wir den Ort Brand-Erbisdorf, der noch 1932 als eines der rötesten Städte ganz Sachsens galt. Der Ortsgruppenleiter von Brand-Erbisdorf gibt uns ein paar Zahlen, die mehr als langatmige Berichte den Wandel dieser Ortschaft zeigen. 1932 waren von 5700 Einwohnern 1400 erwerbs- I o s. Nur 350 Beschäftigte gab es in dem ganzen Ort. Heute sind bei einer Gesamteinwohnerzahl von 5070 Menschen nur noch 26 Erwerbslose gegenüber 2000 Beschäftigten zu Der» zeichnen. Interessant sind auch die Zahlen aus den früheren Wahlen der Systemzeit. 1932 wähl­ten von 3600 Wahlberechtigten 1000 kommunistisch. 1400 bekannten sich zur SPD. und der Rest ver­teilte sich auf die bürgerlichen Parteien und auf die nationalsozialistische Wahlliste. Bei der Wahl im Jahre 1936 stimmten 98 v.H. aller Wahlbe­rechtigten für Adolf Hitler. Ein sol­cher Wandel ist nur aus der Leistung, die die Par­tei in den Jahren, die sie an der Macht ist, voll­brachte, zu erklären. *

Unser Wagen rollt weiter durch Wälder und über Hügel, durch eine herrliche Landschaft nach C h e m - nitz. Hier besuchen wir die Sächsische Textil- mafchinenfabrik, norm. Hartmann, ein Werk, das bereits über 100 Jahre besteht und das doch eingegangen wäre, wenn nicht im Jahre 1933 Adolf Hitler die Zügel der deutschen Staats­führung in die Hand genommen hätte. Wir gehen mit dem Betriebsführer dieser Fabrik durch die hel­len, sonnigen Büroräume, die überall den Schmuck von Blumen und Blattpflanzen tragen, in das

schlichte Direktionsbüro, wo er uns einen Aufriß gibt von dem nahezu unwahrscheinlichen Aufschwung den dieses Werk genommen hat. Der Umsatz dieser Fabrik konnte seit dem Jahre 1931, wo er 3,9 Mil­lionen betrug, bis zum Jahre 1937 verviel­facht werden. Allein der Umsatz bei den Baum­wollwebmaschinen, der damals 200 000 RM. be- trua, ist um das fünfzigfache gestiegen. Auf meine Frage, wie eine derartige verblüffende Entwicklung überhaupt möglich gewesen ist, erklärte uns der Direktor zunächst die katastrophale Rück- entwicklung der Webereien vor der Machtübernahme.

Es gab ja niemanden mehr, der sich noch irgend etwas anschaffen konnte. Als bann ber Aufbau in Deutschland begann, wurde jeder bis dahin Arbeitslose, der jetzt Beschäftigung fand, e i n Käufer. Er brauchte Arbeitskleidung, die Klei­dung und Wäsche, die in den Jahren seiner Er­werbslosigkeit überhaupt nicht ergänzt werden konnte, wurde jetzt von den neu in den Produk­tionsprozeß Eingereihten als erstes in Ordnung gebracht. Die Aufträge an die Baumwollwebe­reien häuften sich derart, daß diese Fabriken einfach mit ihren alten Maschinen, die meist durch die lange Stillegung gelitten hatten, nicht mehr mitkamen. Damals mußten Neueinrichtungen in den Webe­reien vorgenommen werden und unsere Maschinen­fabrik hatte Arbeit mehr als je zuvor. 1930 war unser Werk am Ende, wir mußten uns völlig um­stellen. Damals hatten mir ganze 425 Arbeiter. Ende 1933 waren es schon 560. Heute haben wir 2040 und wir schaffen unsere Arbeit kaum. Aber Neueinstellungen sind nicht möglich, da es keine Facharbeiter gibt, die wir einstellen könn­ten. Ich habe deshalb in unserem Werk eine Lehr­werkstatt eingerichtet, in der mir uns unfern Nachwuchs selbst freranbilden."

Als wir bann durch das Werkgelände gehen, er­zählt uns ber Betriebsführer von eigenartigen Auf­tragserteilungen, die jetzt gar keine Seltenheit mehr sind, die jedoch früher unvorstellbar gewesen wären. Neulich ruft mich eine Weberei aus Westdeutsch­land an und bestellt 40 Maschinen, die jede einzelne

einen Wert von 10 000 RM. repräsentiert. Also immerhin ein Auftrag von 400 000 RM., der uns am Telephon erteilt wurde, so als wenn der Auftraggeber sich ein paar Brötchen bestellte. Das ist eine Entwicklung, wie ich sie selbst niemals für möglich gehalten hätte. Das ist auch nur damit zu erklären, daß die deutsche Industrie und die deutsche Wirtschaft, d. h. also die Männer, die von berufsroegen vorsichtig und skeptisch sein müssen, ein so felsenfestes Vertrauen in die deutsche Staatsführung haben, daß sie sich ohne Bedenken derartige Investitionen erlauben. Ein andermal tarnen ein Oberingenieur, ber irgenb» wo brausten bie Montage einer von uns gelieferten Maschinenserie prüfen wollte, mit eifern Auf­trag für weitere 20 Maschinen zurück. Das alles wäre noch im Jahre 1932 völlig unmög­lich gewesen. Ich hätte mich damals gehütet, der­artige Aufträge anzunehmen, in der Ueberzeugung, daß nur ein Verrückter derartig disponieren könnte. Heute sind solche Aufträge gar nicht mehr unge­wöhnlich, denn wir leben in einem Deutschland, das einen unvorstellbaren Aufschwung genommen hat und daß aus Jahrhunderte hinaus fest begründet ist. Da kann man es sich leisten, so zu disponieren.

Wieder rollt unser Wagen durch sächsisches Land, über bie hügeligen Ausläufer bes Erzgebirges. Vor uns im Tal liegt Zwickau unter den rauchigen Dunstfcheiern der von zahllosen Schloten in den Abendhimmel geschickten Qualmwolken. Ein Sonn­tag liegt hinter uns mit Eindrücken von unerhörter Wucht. Nur zwei Werke von den vielen, die hier Werte schassen, haben wir gesehen. Nur wenige Arbeiter von den vielen Taufenden, die hier ihren Brot nachgehen, haben wir gesprochen. Aber der Eindruck ist überall ber gleiche: Ei n schaffen- bes glückliches, stolzes Volk, in bem ein jeher einzelne weiß unb fühlt, wem dieser unvor­stellbare Aufschwung zu danken ist, bem Führer aller Deutschen, Aböls Hitler!

Otto von Bismarck als Soldat.

Zum Geburstage des Altreichskanzlers am 1. April.

Der Politiker, ber ßanbroirt unb der Soldat tra­fen sich in Bismarck. Sie lagen ihm im Blut. Das Stendaler Bürgergefchlecht ber Bismarcks ist schon früh ansässig geworben. Seine Söhne haben aber auch ben Degen geführt ober ihren Kurfürsten unb Königen als Beamte unb Diplomaten gebient. Ein Oberst August Friebrich von Bismarck verblutete an der Spitze der Ansbach-Bayreuther Dragoner bei Czaslau, unb ein August von Bismarck trat unter Friebrich Wilhelm I. als ßanbrat unb Führer ber altmärkischen Stände kraftvoll hervor. Das Ge­schlecht der Mutter, der Oldenburger Kaufmanns- familie Mencken hat sich früh gelehrten Berufen zu- gewandt, hat bedeutende Juristen zu den Seinen gezählt. Bismarcks Großvater, Anastasius ßubroig Mencken, ist der erste wahre Staatsdiener in ihrer Reihe gewesen. Er hat als preußischer Legations- fekretär in Stockholm und als Kabinettssekretär und Geheimer Kriegsrat in der unmittelbaren Umge­bung dreier preußischer Könige, des Großen Fried­rich, Friedrich Wilhelms II. und III. gewirkt. Seinem Blut verdankt Bismarck wahrscheinlich jenen gött» lieben Funken politischen Genies, der ihn zur Un­sterblichkeit emportrug.

Seine feste Verwurzelung im Heimatbvden ber junge Bismarck hat mit Eifer unb Verstänbnis sein po'mmersches Erbteil Kniephof bewirtschaftet, der alte Bismarck mit ßiebe unb Hingabe feinen Sachsenwalb, seine pornmerschen unb märkischen Besitzungen Darzin unb Schönhausen betreut sorgte dafür, daß seine hochfliegenden Pläne an der Erde haften blieben, organisch aus ber norbbeut» schen Landschaft in das größere Deutschland hinein­wuchsen. Der soldatische Zug seiner Ahnen gab seiner Gestalt äußerlich die Prägung, seinem Cha­rakter jene Willenskraft, jenen Kampfesmut, bie ihn vor keinem Hindernis, keiner Gefahr zurück­schrecken, bie ihn im Vertrauen auf die eigene Kraft das Höchste wagen ließen.

Wir können ihn uns gar nicht anders denken als in bem blauen Ueberrock mit bem gelben Kragen ber Seydlitz-Kürasfiere, mit bem blitzenden Helm auf bem mächtigen Haupte, mit den Reiterstiefeln an den sicher dahinschreitenden Füßen. Wenn ich als ßeutnant vor meine Rekruten trat unb sie fragte:Wer war Bismarck?", fo antwortete be­stimmt zum mmbeften bie Hälfte:Ein General!" Er selbst war stolz daraus, schon im Aeußeren sein Soldatentum, auch wenn er bie Uniform nicht trug, zum Ausbruck zu bringen. Er hat noch 1882 im Reichstag bekannt:Das erste, was man mir bei meinem ersten Auftreten als Ministerpräsibent ent­gegenhielt, war etwas, was mir sehr schmeichelhaft war. Man sagte mir: Dem sieht man auf den er­sten Blick an, daß er nichts ist als ein preußischer Offizier in Zivil. Ich habe das Anerkenntnis dank­bar angenommen; und das Gefühl als preußischer Offizier, wenn ich auch nur die äußeren Kennzeichen davon habe, trägt mich noch höher auf der Woge ber nationalen Bestrebungen der Vaterlandsliebe als irgendeine parlamentarische Attribution, die ich hier ausübe."

Innerlich fühlte er sich in seiner Stellung zu seinem König stets als Offizier, nicht als ein Offi­zier, der um der ßaufbahn ober gar bes Soldes willen seine Rekruten drillt, sein Regiment exerziert, sondern der als Edelmann der Herkunft unb Ge­sinnung feiner vaterländischen Pflicht in wahrhaf­tem Einsatz seiner Person für sein Land, sein Volk unb seinen Obersten Kriegsherrn sieht. Der prak­tische Militärdienst hat Bismarck anscheinend wenig zu fesseln verstanden. In seinen Briefen und Nieder­schriften findet man kaum Erinnerungen an ihn. Er hat in feinem Einjährigen-Jahr zuerst bei ben Garde-Jägern in Potsdam, bann bei den pom­merschen Jägern in Greifswald seine juristische und landwirtschaftliche Ausbildung fortgesetzt, ja, sich so­gar mit chemischen Forschungen beschäftigt. Doch

hat auch er den Segen ber Erziehungsarbeit des preußischen Mllttärdienstes an sich selber erfahren unb oft bezeugt, fo wenn er 30 Jahre später im Jahre 1868 in einem Tischgespräch bemerkte:Die Opfer, welche bie allgemeine Wehrpflicht fordert, treten weit hinter dem Nutzen zurück, ben fie schaffen. Ich selbst bin ein verzogenes Muttersöhn­chen gewesen, und es hat mir sehr gut getan, auf das Wohlleben, in bem ich mich befanb, zu verzich­ten, den Tornister auf bem Rücken, bie Muskete auf bie Schulter nehmen unb mitunter auf Stroh schla­fen zu müssen. Sie glauben nicht, welche Wirkung es hat, wenn ber Bauer sagen kann: da neben bem Junker bin ich in Reih und Glied gestanden. Auf Meilen von meinem Gut hinaus, in unferm ganzen Wehrbezirk kenne ich infolgedessen die ßeute per­sönlich. Don ber Militärzeit her sind mir bie Be­dürfnisse ber verschobenen Klassen bekannt gewor­den."

In späteren Jahren ist er bann zur Landwehr« kavallerie übergetreten und hat ihre Uniform ge­tragen, als er ben König als Ministerpräsident ins Feld begleitete. Während einer militärischen Hebung beim Ulanen-Regiment 4 hat er sich bann seinen ersten Orden, ben ehrenvollsten, ben ein Soldat im Frieden erwerben kann, bie Rettungsmedaille ver­dient, als er seinen Burschen aus ben Fluten des ßippehner Sees zog.

Er kannte unb schätzte sie beibe, ben Mann in ber Front unb den Offizier vor ber Front. Am Abend von Königgrätz gab er seine letzte, vorsorglich auf­gesparte Zigarre einem verwunbeten Reiter am Wege, und bem preußischen ßeutnant stellte er bas Zeugnis aus,baß niemanb in ber Welt ihn uns nachmachen könne. Den Wert militärischer lieber« lieferung verstanb er vollauf zu würdigen. Er ließ ,darum bei ber Gründung des neuen Reiches die Kontingentsheere der Einzelstaaten mit ihren Son­derrechten unb ihrem (Eigenleben bestehen. Er sorgte nur dafür, daß im Einzelfalle der Oberbefehl bes Königs von Preußen als Deutscher Kaiser im Frie- ben bie Einheitlichkeit ber Ausbilbung unb Aus­rüstung gesichert waren.

Als Abgeorbneter unb Diplomat war er feinem König stets burch feine mannhafte folbattfche Hal­tung aufgefallen. Das wurde ausschlaggebend, als er ihn in banger Sorge um bie Fortentwicklung des Heeres am 22. September 1862 auf den Poften bes Ministerpräsidenten berief. Er hoffte, baß er in Bismarck einen Mitarbeiter gewonnen hatte, ber gleich ihm die Ueberzeugung in sich trug, baß jeder Staat, dem feine Ehre und Unabhängigkeit lieb ist, sich bewußt fein muß, daß fein Friede unb feine Sicherheit auf feinem eigenen Degen beruht. Als das Parlament bem König unb dem Kanzler die' Gefolgschaft versagte, hat Bismarck auf eigene Ver­antwortung bie Reform durchgesetzt. Er hat damit die Grundlagen für die glorreichen Siege des näch­sten Jahrzehntes und für bie Einigkeit Deutschlands geschaffen. Er hat im ßaufe ber brei Felbzüge häu­fig nicht immer zur Freude der Generale, aber oft zum Segen des Vaterlandes in ben Gang der Operationen eingegriffen, fo, als er nach König­grätz von einer Fortsetzung des Feldzuges bis zur gänzlichen Niederwerfung unb Demütigung bes Bruderlanbes Oesterreich abriet. Ob er, wie er es selbst gerne wahrhaben wollte, alsGeneral an ber Spitze einer Kavallerie-Division auf ber Verfolgung noch Besseres geleistet hätte", sei bahingeftellt. Sein König hat sicherlich das richtige getroffen, wenn er bei der Verleihung des Pour le merife ihm schrieb: Wenn auch die Bedeutung dieses Ordens eine spe­zifisch militärische sein soll, hätten Sie ihn doch längst haben müssen; denn Sie Wen wahrlich in mancher schweren Zeit den höchsten Mut des Sol­daten bewiesen, unb Sie haben auch in zwei Krie­gen an meiner Seite voll unb ganz bestätigt, daß Sie neben jeder anderen auch auf eine hervor­ragende militärische Auszeichnung den vollsten An­spruch haben. Ich weiß in Ihnen so sehr das Herz und ben Sinn eines Soldaten, daß ich Ihnen in diesem Orden, den ja viele Ihrer Vorfahren mit Stolz trugen, eine Freude zu machen hoffe."

Das harte Muß des Soldaten, ber bas eigene unb frembe ßeben um hoher Ziele willen nicht schont, war ihm natürlich, verkörperte sich in ihm in ber Weisheit vonEifen unb Blut, mit bem das deutsche Schicksal nur geformt werden konnte"^

Frühling an der Ostsee.

Von Margarete von Olfers.

Noch gar nicht lange ist es her, da jagte der Tauwind die oftpreußifchen Küsten entlang, und in immer erneuten Stürmen wurde die See auf­gewühlt, riß an den Ufern, zerstörte elektrische Leitungen, hinderte die Ausfahrt der Schiffe aus dem Hafen und hüllte den Pillauer Molenturm in eine einzige Gischttvolke. Ja, vor kurzem noch tobte der Kampf zwischen Winter und Frühling mit einer Gewalt, wie wir es lange nicht erlebten, donnernd barst das Eis auf den Seen und Flüssen. Die Schollen trieben in Hast dem Meer zu, sie stauten sich auf dem Haff, Eisberge wie noch nie um­schlossen bas kostbarste Gut der Fischer, ihre Boote und Netze.

Der Arbeitsdienst mit Hacken, Schaufeln unb Eispickeln würbe zu ihrer Befreiung ausgesandt. Erschwert wurde die Arbeit durch die anhaltenden eisigen Stürme. Nie sah man solche Scharen von Möwen im Binnenland wie in diesen Tagen, die Vögel flohen vor der erregten See, suchten Schutz vor den Winden. Dann auf einmal trat Stille ein... Unb so siegreich war der Frühling aus die­sem Kampf mit dem Winter hervorgegangen, daß er, was frier selten geschieht, pünktlich seine goldene Fahne am Meeresstrand hißte unb seine Herrschaft in Ostpreußen antrat...

Nur noch leicht bewegt war jetzt die See, war wie ein Kind, das sich müde geschrieen unb ge­strampelt hat unb nun artig werben möchte und noch unter leisem Schluchzen, das die Brust hebt unb senkt, zu lächeln beginnt. Möwen und Taucher schaukelten auf ben Wellen auf und ab, und auf den Dünen brannte die Sonne wie im Sommer.

Ich suchte einen geschützten Platz im Rücken der Dünen unb scheuchte unzählige Schmetterlinge auf, rote unb blaue und weiße, die berauscht von der plötzlichen Sonnenkraft und dem ßebensftrom des Frühlings davonflatterten und die Kraft ihrer Flügel erprobten. Ich legte mich auf meinen un» erträglich warmen Wintermantel in die Sonne unb sah burch das silbrige Gezweig der Erlen in den Himmel. Weidenkätzchen schimmerten seidig, die Zweige waren sehr leuchtend rot. Und bann schloß ich bie Augen und hörte auf bas Rufen ber Dogel- ftinrmen. Fliegen summten an mir vorüber und Bienen aus ihrem ersten Arbeitsflug. Und auf unb ab war das leise Geräusch der Wellen unter mir am Ufer, einschläfernd, als würde man in einer Hängematte geschaukelt.

Fischer kamen vorüber, stapften wortlos einer hinter, dem anderen zum Meer hinunter, sie trugen

ihre Netze. Unten lag ihr Boot. Nun konnten sie nach all den Sturmtagen zum ersten Male wieder fyinausfafrren. Nach einiger Zeit wurde es fast zu heiß in der Sonne. Ich stand auf und ging vorn Meer fort dem Haft zu.

Noch war die Natur im Walde nicht erwacht, noch gab es keine Blumen, außer ein paar luftigen knallgelben Fetthennen, die am Wegrand blühten. Ueberall aber sahen bie spitzen Irisblätter frisch- grün aus dem dunklen Moorboden hervor. Grau standen die (Erknftämme, nur in ihren Kronen schimmerte es gelbrot von hängenden Blüten. In bem Geäst jedoch war ßeben, es schwirrte von un­zähligen kleinen Vögeln, die Grünröckchen, die Zeisige waren es, die zu Hunderten in einem Diel« hundertstimmigen Chor in süßem erregten Ge­zwitscher den Frühling begrüßten. Sie schwirrten auf bei meinem Näherkommen, um ein paar Schritt entfernter sich wieder niederzulafsen und weiter zu zwitschern, zu fingen unb zu jubilieren. Ein Vogel­zug. Ich weiß es nicht, ich kenne die Gepflogen­heiten der Zeisige nicht. Aber ich stand lange still und lauschte auf bas ohrenbetäubende harmonische Gelärm. Ich lehnte an einem Erlenstamm und sah in den tiefblauen Himmel durch das klare rötliche Geäst. Der Wind ging rauschend durch die Kronen der Kiefern, die jenseits des Weges standen.

Und wieder begegnete mir an diesem Frühlings­anfang etwas Besonderes. Zwei große Rauboögel kreisten in wunderoollen Schwingungen über mir, und es kam der eine fo tief hinab, daß ich ihn deutlich erkennen konnte, diesen wundervollen unb so seltenen Vogel, den Fischadler mit dem unten hellen Gefieder (Weißbauch wird er unpoettscher- weise auch darum genannt) und den gewaltigen dunkelgeränderten Flügeln. Das schöne Geschöpf glänzte hell in der. Sonne über mir, stieg wieder auf unb kreiste dann mit dem Gefährten in dem strahlendsten Frühlingshimmel.

Zeitschriften.

Die ,ZUustrirte Zeitung ßeipzig" bringt in ihrem letzten Heft u. a..eine eindrucks­volle Bilderfolge zum Rechenschaftsbericht des Füh­rers in ber Rede vor bem Reichstag am 20. Fe­bruar. In ganzseitigen Illustrattonen werden der Aufbau ber deutschen Wirtschaft, ihre ßeiftungen im Rahmen des Vierjahresplanes und die Wand­lung des deutschen Menschen gezeigt. Gut fügt sich in das Heft auch die BildseiteDas SA.-Sportab- zeichen" ein. Ein weiterer Beitrag ist ber Erinne­rung an bie große Schlacht im Westen gewidmet, die unter dem KennwortMichael" freute allgemein bekannt ist.

Aus der Alltagsarbeit des Großen Königs.

Nimmt man alte Aktenbündel zur Hand, um einmal durch die originalen (Eingaben, Kabinetts- Ordres unb Entscheidungen einen Einblick in die Alltags- unb Friedensarbeit des großen Friedrich zu gewinnen, so fällt einem dabei zweierlei auf: Zunächst die unglaubliche Schnelligkeit der Erledi­gung. Fast immer werden Briefe aus Berlin schon unter bem Datum des folgenden Tages vom könig­lichen Kabinett in Potsdam beantwortet. Bei der amtlichen Poft, im Verkehr zwischen dem König unb feinen Ministerien, wäre das burch den ein­gerichteten täglichen Kurierdienst gar nicht weiter auffallend; die gleiche Schnelligkeit zeichnet aber auch den privateren Briefwechsel aus;poft» wendend" im vollen Wortsinn verläuft die ganze Korrespondenz. Dazu kommt eine staunenswerte Gründlichkeit bei der Bearbeitung der eingehenden Schriffttticke. Sie ist besonders dazu angetan, unsere Ehrfurcht vor der ßeiftung, der Gewissenhaftigkeit unb Pflichttreue des großen Königs zu steigern, ber nichts anderes als der erste Diener feines Staates sein wollte.

Blättert man zum Beispiel in den Akten über bie Errichtung der königlichen ßotterie, so findet man, daß ber Plan schon früh, zum ersten Male bei bem 37jährigen Monarchen auftauchte. Der helle Ruhm ber beiben ersten Schlesischen Krieae leuchtet um Friedrichs Stirn. Er frört von der ßotterie in Genua. Was ist damit los? Warum wurde sie ein­gerichtet? Welchen Nutzen kann der Staat daraus ziehen? Friedrich verlangt also ein Gutachten und beauftragt damit keinen Geringeren als den welt­berühmten Mathematiker (Euler. Dieser Mann ist der einzige, ßeibniz ebenbürtige Gelehrte in Deutsch­land. Er überreicht bald darauf einen wunderbar geschriebenen Bericht einzigarttg schön unb klar im Schristbilb, sachlich unb erschöpfen!) im Inhalt, genau unb überzeugend in der ßogit der Beweis­führung über die Wahrscheinlichkeit der Gewinn­chancen für Spieler und Bank, über die zu ver­mutenden staatlichen Einnahmen.

Da sie nicht beträchtlich erscheinen, außerdem ein Risiko mit diesem Glücksspiel verknüpft rft, wird das Projekt nicht weiter verfolgt. Ebensowenig wie sechs Jahre später ber Vorschlag eines Chevalier Delchampigny aus Namur, ber seinem Brief einenProspekt" der inzwischen gegründeten Pari­ser ßotterie beilegt. Mit bem gleichen Plan tritt im Januar 1763 b e Ca 1 zabigy vor ben König. Der Siebenjährige Krieg liegt hinter ihm. Die Frie- bensverhandlunLen stehen vor dem Abschluß. Der

Staat muß alle Geldquellen ausnützen, um das fast erschöpfte Land zu neuer Blüte zu bringen. Dazu kann auch bie ßotterie mithelfen. Unb nun geht es Schlag auf Schlag: noch im gleichen Monat wirb durch eine Kabinettsorder ein königliches Depot bei der ßanbfchaftsbank für den Lotterie» Unternehmer errichtet; am 8. Februar 1763 wird das Patent über die Einrichtung der Lotterie ver­öffentlicht genau eine Woche vor der Unter­zeichnung des Hubertusburger Friedens unb fchon ein halbes Jahr später findet die erste Zie­hung statt.

Abenteuer eines Arztes im australischen Ausch.

Das Flugzeug hat sich in den schwachbesiedelten Teilen Australiens als ein wertvoller Helfer für den Arzt erwiesen, aber die Ausübung seines Be­rufes, indem er feine Patienten in schnellem Flugs durch die Luft auftucht, bringt auch manche Gefah­ren mit sich, mit denen er sonst kaum zu rechnen braucht. Ein solcher Fall wird in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift berichtet. Am 21. Nov. 1937 erhielt Dr. Fenton in feinem Wohnsitz New­castle Waters in Nordaustralien ben Anruf einer ent­fernten Farm, unb er bestieg sein Flugzeug, um diese unb noch einige andere in derselben Gegend zu besuchen. Der Besitzer einer Farm, die 56 Kilo­meter vom Sitz des Arztes entfernt liegt, sah das Flugzeug auch unterwegs, dann aber war es ver­schollen. Polizeistreifen, Autos und Flugzeuge such­ten in den nächsten Tagen die Gegend ab, ohne den Arzt zu finden. Erst am 28. November bemerkte ein Flieger Rauchsignale, und so wurde der ver­mißte Arzt in einer Waldlichtung neben einem Wasserloch aufgefunden. Dr. Fenton war bei seinem Fluge von einem starken Ostwind abgetrieben wor­den und hatte sich verflogen. Seine Bemühungen, sich wieder zurechtzufinden, eine Farm ober eine ielegrapfrenlinie zu sichten, blieben vergeblich. Da ber Brennstoff zu (Enbe ging, war er zur Landung gezwungen. Wasser fanb er an der Landungsstelle genug, und das war feine Rettung. Dieeiserne Ration", bie er für ben Notfall immer bei sich führte, hätte nicht lange vorgehalten. Am zweiten Tage fanb er jeboch eine verirrte, in einem Morast halb versunkene, sterbende Kuh. Er tötete sie unb hatte für drei Tage Steaks von zweifelhafter Güte; länger war das Fleisch infolge der raschen Fäulnis nicht zu genießen. Die Hilfe kam zur rechten Zeit, denn ber Verirrte begann doch schon schwach zu werden. Er erholte sich aber rasch und lenkte nach einiger Zeit bie mit Brennstoff neu versehene Ma­schine selber wieder nach Hause.