Nr.77 Erstes Matt
188. Zahrgang
Freitag, 1. April 1938
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Hessen-Nassau huldigt dem Einiger des Reichs.
Der große Tag des Gaues Hessen-Nassau.
Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.
Der Führerbesuch in Frankfurt a. M., in der Gauhauptstadt, wurde für den ganzen Gau Hessen- Nassau zu einem festlichen Erlebnis, das Hundert- taufende von Volksgenossen in seinen Bann zog. Hunderttausende nahmen freudigen Anteil. Hundert- taufende nähmen manche Strapaze auf sich, um den Führer sehen zu können!
Auch für unsere Stadt Gießen sandte der Führerbesuch in Frankfurt seine Zeichen voraus. SA.- Stürme und die ff, wie auch das NSKK., rüsteten für die Fahrt nach Frankfurt. Zur Vorbereitung der Fahrt waren die Kameraden in Sturmabenden zusammengerufen worden und über ihre Aufgaben, ihr Auftreten in Frankfurt unterrichtet worden. In starken Abordnungen, manche Stürme fast in ihrer ganzen zahlenmäßigen Stärke, traten am gestrigen Donnerstagmorgen zu sehr früher Stunde — schon um 6 Uhr — an, um zum Bahnhof zu marschieren und in einem Sonderzug nach Frankfurt zu fahren. Schon bei guter Zeit waren sie in Frankfurt. Bald wurden sie für die Absperrung eingeteilt. Die Mannschaften, auch unsere Gießener Formationen, hatten gestern kein leichtes Amt. Aber jeder nahm die Mühen gern auf sich! Wurde doch jedem Kameraden in der SA., der ff, des NSKK. bestimmt Gelegenheit geboten, den Führer zu sehen, dem Führer nahe zu sein.
Ueber die Beteiligung unserer Gießener Forma
tionen hinaus ließen es sich viele Volksgenossen aus unserer Stadt nicht nehmen, mit dabei zu sein. Durch die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" wurden allein zwei Sonderzüge eingesetzt, mit denen um die Mittagsstunde über 2000 Teilnehmer nach der Gauhauptstadt fuhren. Wie wir hören, wäre es auch nicht schwer gefallen, einen dritten Zug für die Fahrt nach Frankfurt, für die Fahrt zum Führer, zu füllen. (Eine Vorstellung von dem freudigen Widerhall des Führerbesuches kann man sich machen, wenn man hört, daß von der NS.- Gemeinschaft „Kraft durch Freude" im Gaugebiet allein 80 Sonderzüge nach Frankfurt geführt worden waren.) Zahlreiche Betriebe in unserer Stadt gaben für den gestrigen Donnerstag ihre Gefolgschaften frei und führten mit der Eisenbahn und in Omnibussen Fahrten zur Gauhauptstadt durch. So war es denn kein Wunder, daß man gestern in Frankfurt manches bekannte Gesicht sah.
Tausende von Kraftwagen, Hunderte von Omnibussen strebten gestern um die Mittagsstunde aus weitem Umkreis der Rhein-Main-Metropole zu. Auf der Reichsautobahn fuhren ganze Autokolonnen von Nord und von Süd nach Frankfurt. Frühzeitig schon mußte der Strom der Fahrzeuge von der Reichsautobahn-Kreuzung (Gießen — Darmstadt / Wiesbaden — Frankfurt), dem Hauptzufahrtspunkt der Stadt Frankfurt, über Frankfurt-Süd umgeleitet werden. Wer über die Reichsautobahn die Gauhauptstadt erreichte, geriet schon frühzeitig in die festliche Stimmung des Tages. Von der großen Kreuzung her grüßte schon von.weitem ein Fahnenwald, der sich in einem Fahnenspalier bis in das Herz bet Stadt hinein fortfetzte.
Die Stadt Frankfurt im Festschninck.
Frankfurt a. M. stand schon rein äußerlich völlig im Zeichen des Füyrerbesuches. Die Geschäfte und die Betriebe waren von der Mittagsstunde ab alle geschlossen. Das lebhafte Rot der Fahnen beherrschte allenthalben das Straßenbild. In allen den Straßen, die der Führer auf seiner Fahrt vom Hauptbahnhof zum Römer, auf der Fahrt vom Römer zum Baseler Hof, vom Hotel bis zur Festhalle zu passieren hatte, waren die Häuser mit frischgrünen Girlanden geschmückt. Am Bahnhof waren zwei 10 Meter hohe Säulen errichtet worden, die durch das Hoheitszeichen der Bewegung noch überhöht wurden. Auch, vor der Festhalle standen Pylonen, während ringsum Straßen und^ Plätze mit vielen Fahnen geschmückt waren. In herrlichem Schmucke bot sich das Gebäude der Oberpostdirektion dar, das in einem Teil seiner Front ganz mit Flaggentuch und mit frischem Grün verkleidet war. Goldene und silberne Kränze und Schleifen vervollständigten den Schmuck.
In der Stadt waren ganze Straßenzüge, ja der ganze Stadtteil zwischen dem Hauptbahnhof und dem Römer, von jedem Fährverkehr abgeriegelt. In den Seitenstraßen, die zu Parkstraßen erklärt worden waren,, stand Wagen hinter Wagen. An anderen Plätzen schien es, als feien die Kraftfahrzeuge aus dem ganzen Gau zu einer Heerschau gekommen. Die Omnibusse scharten sich an wieder anderen Stellen zu förmlichen Wagenburgen.
3n Erwartung des Führers.
In den Straßen des Stadtzentrums wogte in den Mittagsstunden ein Strom von Menschen, der von Minute zu Minute stärker wurde. Bald aber schien es, als wolle dieser Menschenstrom mehr und mehr in sich erstarren. Und so war es auch! Frühzeitig sicherten sich Hunderttausende den Platz an den
Straßen, die der Führer zu durchfahren hatte, sicherten sich einen guten Platz hinter den festen Ketten der SA., die in einem zwei Mann starken Glied die Fahrbahnen säumten. Die Absperrmannschaften mußten sich von Kamerad zu Kamerad fest unterhaken, um der Brandung der Menschenmassen widerstehen und auf ihrem angewiesenen Platz verharren zu können. Hinter den lebendigen Absperrketten wuchs die Menschenmauer immer mehr an und kaum reichten die breiten Bürgersteige aus, um allen denjenigen Platz zu geben, die den Führer sehen wollten. Da aber die Volksgenossen in den hinteren Reihen der Menschenmauern schwerlich über die Köpfe der vor ihnen Stehenden hinwegsehen konnten, so war es kein Wunder, daß sich die Menschenmauer auch in die dritte Dimension aufbaute, also nicht nur in Länge und Breite, sondern auch in die Höhe wuchs. Alle erreichbaren Leitern waren aus Haus und Hof herbeigeschleppt worden, und oft standen sechs und acht Volksgenossen auf diesen Leitern, denen man niemals zugetraut hätte, daß sie eine solche Belastung gestatten würden. Selbstverständlich wurden auch viele Stühle auf den Gehsteig gebracht und auch auf diesen Stühlen teilte man sich oft brüderlich in den Stehplatz. Jeder Sockel einer Säule, jeder Schaufenstersockel bot Gelegenheit, den Standpunkt etwas über die Höhe des Gehsteiges zu verlegen und bessere Sicht auf die Straße und über die Menschenmauer hinweg zu gestatten. Die Jugend gar unternahm manche kühne Kletterpartie auf die Bäume, entlang den Straßen, boten sie doch in ihren Astwinkeln Sitzgelegenheit, wenn sie auch nicht gerade bequem genannt werden konnte. Auch die Maste für die Straßenbeleuchtung boten erhöhten Stehplatz Hinter allen Schaufenstern hatten sich die Frankfurter Volksgenossen Tische und Stühle aufgestellt, um durch das Schaufenster hindurch und über die Köpfe der Vie-
Des Führers Lriuniphfahrt durch Frauksuri.
tAujy.r Schwarz, NSG.)
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Der Führer vor der Front der Ehrenformationen. (Aufn.: Schwarz, NSG.)
len hinweg den Führer sehen zu können. Selbstverständlich waren die vielen Balkone, die in den Hauptstraßen fast einem jeden Hause und in jedem Stockwerk oorgebaut sind, willkommene und geradezu ideale Aussichtspunkte, die denn auch überreichlich in Anspruch genommen wurden. UeberaU in den dichten Menschenmauern sah man auch die kleinen und kleinsten Kinder, denn, da niemand versäumen wollte, den Führer 'zu sehen, mußte man auch die Kinder mitnehmen, die ja nicht unbeaufsichtigt zu Hause gelassen werden konnten.
Jubelnder Empfang.
DNV. 16.55 Uhr traf der Führer auf dem Frankfurter Hauptbahnhof ein. Der Zug war unterwegs etwas aufgehalten worden, da auf allen Zwischenstationen mit Rücksicht auf. die begeisterten Menschenmengen etwas langsamer gefahren wurde. Nachdem der Führer den Zug verlassen hatte, begrüßte er zunächst den Gauleiter Sprenger, die kommandierenden Generäle Dollmann und Schroth, den Oberpräsidenten Prinz Philipp von Hessen und die übrigen zum Empfang erschienenen Persönlichkeiten. Dann richtete (Sauleiter Sprenger kurze Worte der Begrüßung an den Führer, nach denen dieser, in dessen Begleitung sich SA.-Obergruppenführer Brückner, 'Reichsführer ff Himmler, Reichs- preffechef Dr. Dietrich, ^-Obergruppenführer Sepp Dietrich und Staatssekretär Backe befanden, durch die Vorhalle zum Bahnhofsvorplatz schritt, wo die unübersehbare Menschenmenge in einen unbeschreiblichen Jubel ausbrach, der sich immer und immer wiederholte, als die Tochter des Gauleiters dem Führer einen prächtigen Blumenstrauß überreichte. Nachdem der Führer die Fronten der Ehrenformationen der Gliederungen der Partei, der Wehrmacht, der -MVerfügungs- truppe und der Schutzpolizei in Begleitung des Gauleiters und des Kommandierenden Generals Dollmann abgeschritten hatte, bestieg er seinen Wagen und hielt nun seinen triumphalen Einzug in die alte Reichsstadt. Hunderttausende, fast alle mit kleinen Fähnchen in den Händen, umsäumen den Weg des Führers und gestalten ihn zu einem unvergleichlichen Bekenntnis eines Volkes zu feinem Führer. Als der Wagen des Führers am Schillerplatz eintrifft, fetzt das Geläut der Glocken ein, das ihn bis zum Römerberg begleitet.
Der Führer kommt...
Mit unerschütterlicher Geduld standen die Hunderttausende von Volksgenossen auf ihren eingenommenen oder gar erkämpften Plätzen. Von Minute zu Minute steigerte sich, als der Zeitpunkt der Ankunft des Führers heranrückte, die Stimmung der hochgemuten Erwartung. Mit Windeseile und in Bruchteilen von Minuten pflanzte sich in den
Menschenmauern die Kunde fort, als der Führer im Hauptbahnhof angekommen war und den Bahnhofsvorplatz betreten hatte. Kaum eine Minute, nachdem der Führer vor dem Hauptbahnhof den Wagen bestieg, wußten es auch alle jene Volksgenossen schon, die am Römer die Menschenmauer bildeten. Wie ein elektrischer Funke pflanzte sich die Kunde von der Ankunft des Führers in Frankfurt als freudige Erregung in den Menschenmassen fort. Bald jagten die Kameraden der ff mit der gelben Flagge auf Motorrädern und in Kraftwagen durch die Straßen und ließen damit wissen, daß der Führer jeden Augenblick kommen mußte. Bald brauste denn auch, zunächst am Bahnhof, der Jubel der Tausende auf, die den Bahnhofsvorplatz in weitem Runde säumten, als der Führer die Fahrt nach der Stadt antrat. Der Jubel und die Begeisterung der Massen brausten dann wie ein Sturmwind vor und um den Führer her. Die vielen Fähnchen und viele Taschentücher wurden geschwungen. Hunderttausende von Händen waren zum deutschen Gruß erhoben. Viele Volksgenossen gaben ihrer Begeisterung durch laute „Sieg-Heil!"-Rufe Ausdruck. Wieder andere standen stumm und ergriffen mit der erhobenen Hand an der Straße und grüßten den Führer wohl nicht weniger herzlich wie jene, die ihrer Begeisterung lauten Ausdruck zu geben vermochten. So wurde die Fahrt des Führers durch Frankfurt'wieder eine Triumpffahrt sondergleichen, so wie sie der Führer nun schon oft erlebt hatte, weil ihm überall die Herzen seines Volkes in gleicher Liebe und schier überirdischer Verehrung entgegenschlagen. Hunderttausende gaben sich nicht damit zufrieden, den Führer einmal gesehen zu haben. Hunderttausende verharrten auf ihrem Platz, um den Führer auch auf der Rückfahrt zum Baseler Hof noch einmal zu sehen. Viele versuchten dann auch noch, über die dichte Menschenmauer hinweg, den Führer zu sehen, als er vom Hotel zur Festhalle fuhr. Als der Führer dann in der Festhalle sprach, hörten die Menschenmassen, die in der Festhalle keinen Einlaß finden konnten, in den Straßen und über das große Netz der 57 Lautsprecher die Rede des Führers.
Auf dem Römerberg.
Festlicher Empfang im Römer.
Der Römerberg bietet ein phantastisches Bild, und der Zeil her brausende Heilrufe das Nahen des Halbkreis von zahlreichen Masten in langen Bahnen die Hakenkreuzfahnen und die Fahnen der Stadt Frankfurt. Besonders prächtig nimmt sich die Fassade des Römers aus, dessen überaus reicher Fahnenschmuck durch lange goldene Fahnenbänder noch verschönt ist. Vom Turm, der uralten Nicolaikirche wehen lange, bis zur Hälfte des Turmes reichende Fahnen herab, die malerischen Dächer überragt der fahnengeschmückte Dom. Kopf an Kopf bis tief in die einmündenden Gassen hinein stehen


