Ausgabe 
31.3.1937
 
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Ur. 74 Erstes Blatt

Mittwoch. 31. Marz M7

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187. Jahrgang

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Tokio. 31. März. (D3tB. Funkspruch.) Ostafien- dienfl des DNB. Das japanische Kabinett hat in einer außerordentlichen Sitzung die Auflösung des Reichstags beschlossen, nachdem sich heraus­gestellt hat, daß die Parteien trotz zwei­maliger Verlängerung der Tagungsdauer nicht gewillt waren, die noch ausstehenden Regierungs­vorlagen ordnungsmäßig zu verabschieden. Die Reuwahlen sind auf den 30. April fest­gesetzt worden.

Berlin, 30.März. (DNB.) Der Führerund Reichskanzler hat mit feiner Vertretung bei den Krönungsfeierlichkeiten in London den Ge- neralfeldmarfchall von Blomberg beauftragt. Der deutschen Delegation gehören außerdem der kommandierende Admiral der Marinesialion der Nordsee, Admiral Otto Schutze, und der Gene­ralmajor der Luftwaffe, S t u m p f f, an.

Keldmarschall von Blomberg vertritt den Führer in London

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Sämtliche Londoner Abendblätter geben in gro­ßer Aufmachung die amtliche deutsche Meldung wieder, wonach Generalfeldmarschall von Blom­berg den Führer bei der englischen Königskrö­nung vertreten wird. Sie nehmen die Ernennung des Reichskriegsministers freundlich auf. So weift Evening News darauf hin, daß Blomberg eine große Rolle bei dem Neuaufbau der deutschen Wehr­macht gespielt habe und daß er sich des vollsten Vertrauens des Führers erfreue, dessen Sprecher er bei vielen wichtigen Gelegenheiten gewesen sei. Generalfeldmarschall von Blomberg spreche sehr gut

Oer nationale Heeresbericht.

Salamanca, 31. März. (DNB. Funkspruch.) Nach dem nationalen Heeresbericht haben nationale Flieger den bolschewistischen Flugplatz Andujar bombardiert und dabei 12 Flugzeuge ver­nichtet. Weiterhin meldet der Heeresbericht, daß die nationalen Truppen auch vor Masada- Honda bei Madrid einen Angriff der Bolsche­wisten zurückschlugen. 24 Milizmänner und zwölf Zivilpersonen liefen zu den nationalen Truppen über. An der Südfront ist im Frontabschnitt Or- jiva (Provinz Granada) ein bolschewistischer An­griff zusammengebrochen. An der Guadala­jara-Front haben die Bolschewisten einen An­griff auf die nationalen Stellungen bei Cifuentes versucht. Die nationalen Truppen ließen die bol­schewistischen Milizen auf kurze Entfernung heran­kommen und zerstreuten sie mit Maschinengewehr­feuer. Die Bolschewisten erlitten dabei große Ver­luste.

der Außenpolitik Dr. Stojadinowitschs widerspre­chen würde, wenn es an solchen offenkundigen Frontenbildungen teilnähme. Im übrigen haben aber weder Paris noch Prag auf Grund ihrer be­stehenden vertraglichen Abmachungen mit Jugosla­wien irgendeinen Grund zur Klage anläßlich der jugoslawisch-italienischen Abmachungen. Im italie­nisch-jugoslawischen Vertrag wird ausdrücklich fest­gestellt, daß durch ihn die b e st e h e n d e n poli­tischen Verpflichtungen der beiden Staa­ten, die öffentlich sind, nicht verletzt werden, Dr. Stojadinowitsch betonte dies auch ausdrücklich in seiner Erklärung nach Abschluß des Vertrages. Graf Ciano wies in seiner Erklärung darauf hin, daß Italien und Jugoslawien bei den Vertragsab- chlüssen nicht nur ihren Nutzen vor Augen gehabt hätten, daß sie vielmehr einen tatsächlichen und unmittelbaren Beitrag zur Sicherheit Europas lei­ten wollten. Unter solchen Gesichtspunkten betrach-

Die Auflösung des Reichstages ist insofern über­raschend gekommen, als die Zusammenarbeit von Regierung und Parteien noch kürzlich als ein Er­folg des Kabinetts Hayaschi bezeichnet wurde. Allerdings war das Kabinett zu weitgehen­dem Entgegenkommen gegenüber den Par­teien gezwungen, um eine Verabschiedung des Haushalts in Höhe von 3 Milliarden Pen und der wichtigsten Regierungsvorlagen zu ermög­lichen. Das Kabinett wollte unbedingt eine vor­zeitige Auflösung und damit notwendig werdende kaiserliche Notverordnungen zur Inkraftsetzung des Haushaltes verhindern und verlängerte deshalb auf Druck der Parteien die Tagungsdauer um etwa zwei Wochen, obwohl die gesetzliche Tagungsdauer des Reichstages drei Monate beträgt. Nachdem je­doch am Dienstag die Parteien fast in der Form eines Ultimatums eine neue Verlängerung forderten und hiervon die Verabschiedung wichtiger Vorlagen, darunter der Gesetze über Wirtschafts­kontrolle, Agrarreform, des Wahlgesetzes und des Gesetzes zur Sicherung des Militärgeheimnisses, ab­hängig machten, bestanden Heer und Ma­rine auf der Auflösung.

Politische Kreise betonen, daß die Parteien die ernste Lage vollkommen verkannt und anscheinend geglaubt hätten, die Nachgiebigkeit des Kabinetts zur Stärkung ihrer Parteipolitik ausnutzen und die geplante Staatsreform verhin­dern zu können, die den wachsenden Einfluß der

englisch. Sein natürlicher Charme und seine Freund­lichkeit würden ihm während seines Londoner Be­suches eine allgemeine Volkstümlichkeit sichern.

Oer japanische Krönungsgejandte.

London, 31. März. (DNB.) In Vancou­ver in Kanada traf der Br u d e r des japani­schen Kaisers, Prinz T s ch i t s ch i b u , ein, der sich nach London zur Teilnahme an den Krö­nungsfeierlichkeiten begibt. D'er Prinz wird König Georg VI. den Chrysanthemen-Orden überreichen. Der Chrysanthemen-Orden 1. Klasse wurde bisher nur vom japanischen Kaiser selbst sowie von dem Fürsten Manin, dem ältesten Feldmarschall der japanischen Armee getragen. Königin Elisabeth wird die erste Klasse des Ordens der Heiligen Krone er­halten, eine Auszeichnung, die nur von einigen javanischen Prinzessinnen getragen wird. Prinz Tschitschibu erklärte, daß die Beziehungen zwischen England und Japan seit jeher äußerst herzlich seien. Er sei der Ueberzeugung, daß sie in Zukunft noch freundschaftlicher gestaltet würden.

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Parteipolitik auf die Staatspolitik unterbinden soll. Die unter der Oberfläche schlummernde Regierungs­krise sei durch den vom Kabinett Hayaschi ange­bahnten Waffenstillstand mit den Parteien nicht zu beheben. Die gegenwärtige Krisenzeit könne nur durch eine starke, also von parteipolitischen Einflüssen unabhängige Regierung überwunden werden. Freilich sei zweifelhaft, ob das Kabinett in seiner jetzigen Zusammensetzung stark genug sei gegen die Parteien, die schon vom Ka­binett Hirota geforderte Staatsform durchzusetzen.

Anterrichtete kreise meinen, daß Neuwah­len nach dem geltenden Wahlgesetz bestenfalls eine Stärkung der Gegen­gruppen ergeben werden. Entscheidende Aenderungen werde das Parlament in seiner bisherigen Zusammensetzung nicht erfahren. Es wird deshalb behauptet, daß die Regierung ent­schlossen sei, von sich aus in den Wahl- , kampf einzugreifen und noch im letz­ten Augenblick den Versuch zu machen, mit Hilfe des Militärs und nationali­stischer Gruppen eine neue Regie­rungspartei ins Leben zu rufen. Aller- dinas, heißt es, fei der Erfolg zu bezweifeln, selbst wenn die neue Partei durch Teile der alten Parteien (Minseito, Seiyukai, kokumin) unterstützt würde. Die Regierungskrise sei höch­stens aufgeschoben. Die einzige Lösung fei, daß das Kabinett hayaschi z u r ü ck t r e t e und daß die für die Ernennung des neuen Mini­sterpräsidenten entscheidenden Kreise in der Umgebung der Krone die Bildung eines un­abhängigen Kabinetts ermöglichten, das über genügende Entschlossenheit und Rückhalt im Staat verfüge, um die so oft geforderte starke und unabhängige Staatspolitik durch­zusehen.

B u k a r e st, 30. März. (DNB.) König Carol empfing den Ministerpräsidenten und den Außen­minister in gemeinsamer Audienz. Es handelte sich offensichtlich um die Festlegung des Standpunktes, den Rumänien bei der Belgrader Tagung der Klei­nen Entente einnehmen soll. DerUniversul" erin­nert an die Schwierigkeiten, die einer Einigung zwischen Jugoslawien und Italien im Wege standen und die dennoch "durch den politischen Weitblick und den Tatsachensinn Mussolinis überbrückt wer­den konnten. Das Blatt bedauert, daß nicht auch Rumänien, das keine Meinungsverschieden­heiten mit Italien hat, den gleichen Weg der Eini­gung beschreiten konnte. Mussolini selbst werde viel­leicht die Möglichkeiten zu einem Abkommen auch

et, können auch Paris und Prag gegen die tändigung BelgradRom nichts 'einwenden.

Rumänien

und der Verlraa von Belgrad.

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ZwischenRomantiklindWellreich

Bon unserem tbg.-Berichterstatter.

London, (£ni)e März 1937.

Der Tod Sir Au st en Chamberlains hat der deutschen Presse Gelegenheit gegeben, das We­sen dieses Staatsmannes ausführlich zu schildern, er veranlaßt uns auch, ihn noch /inmal als ge­schichtliches Phänomen in den größeren Zusammen­hang der englischen Kontinentalpolitik zu stellen. Sir Austen, dessen Tod von England mit einer ge­wissen Höflichkeit und kühlen Reserviertheit be­dauert wird, war keine so überragende staatsmän­nische Persönlichkeit, als daß sein Leben und seine Leistung über seinen plötzlichen Tod hinaus wir­ken könnten. Niemals wird sein Charakterbild in der Geschichte schwanken, weil er auch im Leben selbst anders als sein Vater Joseph nie­mals um ft ritten war. Ein Lloyd George läßt sich aus dem Zeitbild Englands, ja Europas nicht Hinwegdenken, selbst vielleicht ein Winston Chur­chill nicht. Aber dieser ehemalige Schatzkanzler, als der er wohl sein Bestes geleistet hat, und Außen­minister wird still in die Reihe jener durchschnittlich begabten und wohlerzogenen parlamentarischen Be­amten zurücktreten, mit der das in die herrschende Schicht einrückende Bürgertum England versorgt hat und noch versorgt.

Was uns in diesem Zusammenhang an Sir Austen von Belang ist denn wir gedenken keiner­lei Biographie zu schreiben, ist nicht sein Leben, das Durchschnittsleben eines für die Politik erzo­genen Puritaners aus Birmingham, auch nicht seine mehr in der äußeren Erscheinung als im inneren Wesen ausgeprägte Persönlichkeit, sondern sein Typus als Ausdruck einer Generation, die vor dem Weltkriege halb in die feindliche Koalition gegen Deutschland hineinstrauchelte, halb sich ihr aus Ueberzeugung anschloß und für ihre Bildung mit allen Kräften wirkte, im Weltkrieg mit briti­scher Zähigkeit den Kampf durchstand und nach Versailles mühselig zu kleben und zu kitten ver­suchte, was im Siegesrausch zerschlagen wurde. Locarno, an dem Chamberlain eigentlich gegen seinen Willen mitwirkte, war ein solcher Versuch, das gerissene Europa zusammenzuflicken. Es wäre billig, Sir Austen Chamberlain auf seinen bekann­ten Ausspruch, er liebe Frankreich wie eine schöne Frau, festzunageln. Diese mehr als platonische Liebe teilte er mit manchen anderen, wie denn ja die Frankophilie in bestimmten Kreisen auch heute noch zum guten Ton gehört. Man wird dieses Phänomen der Frankreichliebe in den Zusammen­hang der Generationen stellen müssen, um es zu begreifen. Man wird dabei aber auch nicht über­setzen dürfen, daß es sich bei Männern wie Sir Austen um den Ausdruck eines soziologischen und erzieherischen Problems handelt.

Wir wissen, daß der Neuschöpfer des britischen Imperialismus, Sir Austens Vater, Joseph Chamberlain, nicht nur aus nüchterner Er­kenntnis der politischen Möglichkeiten heraus einen bündnisähnlichen Zusammenschluß zwischen Deutsch­land und England anstrebte. Joe Chamberlain ge­hörte einer Generation an, die durch kulturelle und geistige Ueberlieferung eng mit Deutschland verbun­den war, für die noch um nur ein Beispiel zu nennen die Rheinreise den Vorrang hatte vor einem Aufenhalt an der französischen Riviera. Ein typischer Vertreter jener Generation war zum Bei­spiel Lord Haldane, der in Göttingen studiert hatte und der Weimar zu seinen geistigen Heimatstätten zählte.

Wenn man den Ursachen dieser kulturellen Verbun­denheit zwischen Deutschland und England nachgeht, so stößt man auf geschichtliche Überlieferungen, die unseres Wissens auch von der zünftigen Wissen­schaft nicht genügend beachtet und gewürdigt wur­den. Die hannoverschen Könige, deren Be­deutung gewiß nicht überschätzt werden soll, haben nur langsam, ja, fast möchte man sagen, mühselig, ihr Deutschtum abgestreift und verloren. (Als vor einigen Jahren in einer der typischen Revuen ein "Abriß" britischer Geschichte auf den Brettern, die die Welt bedeuten, gegeben wurde, ließ man Georg IV. auftreten und seufzend erklären:Ich wueiß nicht, wuas sol es bedoiten".) Die Heirat Viktorias mit dem Prinzen Ulbert von Co­burg und umgekehrt die Ehe zwischen Kaiser Friedrich mit der Tochter Viktorias haben bann die Tendenz der kulturellen Verbundenheit noch verstärkt. Wir wissen sehr wohl, daß diese Tenden­zen und Einflüsse, die ja wiederum stark auf Deutschland zurückwirkten und gegen die Bismarck heftig ankämpfte, auf gegenseitigen Vorstellungen beruhten, die der politischen und wirtschaftlichen Wirklichkeit kaum standhielten. Noch für Haldane und Joe Chamberlain war Deutschland ein Land der Romantik, das nur langsam in den Indu­strialismus und Kapitalismus hineinwuchs. Und umgekehrt gab man sich in Deutschland nicht Rechenschaft darüber, daß das England von 1890 nicht mehr das England Cobdens und des überstei­gerten Manchestertums war, sondern ein Reich, das unter Disraeli die Hüllen des Liberalismus abzustreifen begann und in einen großräumigen Imperialismus hineinwuchs.

Mit diesem gegenseitigen Mißverständnis bekam die gegenseitige kulturelle Verbundenheit, die nun lU't Zwei Jahrhunderte währte, ihren ersten Riß. Politische Fehler und Mißgriffe auf deutscher wie auf englischer Seite haben dann den Schaden im­mer mehr vergrößert. In die geistige Kluft von der politischen ganz zu schweigen schob sich dann die großzügige französische Ä u 11 u r Pro­paganda. Um gerecht und historisch richtig zu ur=

< mnn Vilich nicht übersehen, daß das Deutjchland des ausgehenden 19. Jahrhunderts Eng- lanö nicht allzu viel zu bieten hatte, nicht einmal 1° ^1, daß es etwa den Vergleich mit den fraiv

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Oie Parteienkrisis in Japan.

Auflösung des Reichstags. Um eine unabhängige Staatsgewalt.

mit Rumänien und der gesamten Kleinen Entente finden.

Oer Annunziatenorden für den jugoslawischen Prinzregenten.

Belgrad, 30. März. (DNB.) Die Blätter ver­öffentlichen den Wortlaut eines vomKönig von Italien, Kaiser von Aethiopien, an den jugo­slawischen Prinzregenten Paul gerichteten Tele­gramms, in welchem dieser dem Prinzregenten mit den herzlichsten Worten den höchsten italie­nischen Orden, den Annunziaten-Orden, ver­leiht. Der König und Kaiser bittet den Prinzregen­ten, diese Auszeichnung als Ausdruck der aufrich­tigen Freundschaft anzusehen, die ihn mit dem Prinzregenten, mit dessen Familie sowie mit Jugo­slawien verbinde.

Eichener Anzeiger

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Oer Adriapakt.

Bon unserem Or. H -Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Belgrad, März 1937.

Der jugoslawische Ministerpräsident Dr. S t o - ftdinowitsch und der italienische Außenrnini- flir Graf Ciano stellten auf dem großen Presse­mpfang, der dem Abschluß der neuen jugoslawisch- iiclienischen Verträge folgte, übereinstimmend fest, big diese eine neue Aera in den Beziehungen bir beiden Staaten einleiten würden. Die Wendung, bi? in diesen Beziehungen besonders seit der Mai- Mer Rede Mussolinis im November vorigen Jah­ns eintrat, ist unverkennbar und einschneidend. Der abgeschlossene politische Vertrag zwischen Italien unb Jugoslawien geht auf ein italienisches Angebot «rück, das vor einigen Wochen erfolgte. Die Ver­edlungen über das Zustandekommen des Ver- higes wurden so streng geheim geführt Ciano si bst sagte, daß über ihre Einzelheiten nur Dr. Lkojadinowitsch, Mussolini und er selbst unterrich­te gewesen seien daß die plötzliche Ankündigung bs Eintreffens Cianos in Belgrad nichtunterrichtete greife überraschte. Graf Ciano hätte auf Grund der rstprünglichen Absichten erst im April auf der durchreise nach Ankara Belgrad besuchen sollen, tus einem Aufenthalt auf der Durchreise wurde tn großer Staatsbesuch, bei dem außerdem auffiel, tiß er vielleicht nicht ohne Absicht vor die tnfang April hier stattfindende Konferenz der kleinen Entente und den darauf folgenden kesuch Benesch's gelegt wurde. Das Ergeb- 15 dieses Staatsbesuchs sind zwei wichtige Ver­tage: ein politischer und ein wirtschaftlicher.

Die beiden Verträge sollen, wie Graf Ciano nach tret Unterfertigung ausführte, nur einen Aus- angspunkt darstellen, eineGrundlage, auf tr die beiden Staaten in Zukunft ihre guten nach­barlichen Beziehungen ausbauen werden . Sie sind Ich als Ausgangspunkt bedeutsam genug, um sie tls eines der wichtigsten europäischen Ereignisse zu taratterifieren. Das politische Abkommen zwischen Jugoslawien und Italien enthält eine gegenseitige Grenggarantie , mit der Bestimmung, daß be beiden Vertragsteile für den Fall eines nicht povozierten Angriffs verpflichtet sind, sich jeder Aktion zu enthalten, die dem Angreifer von Nutzen fin könnte. Weiter enthält dieses Abkommen eine Keratungsklausel, eine Bestimmung über den kriegsverzicht, sowie die gegenseitige Verpflichtung ter beiden Dertragsteile, auf ihren Gebieten kei­nerlei Tätigkeit zu dulden, die gegen die Interessen iss anderen Teiles gerichtet sein könnte. Diese Be- fimmung trifft die jugoslawischen Emigran - len, die früher in Italien Zuflucht gesucht und ivn dort ihre Tätigkeit gegen den jugoslawischen Staat entfaltet hatten. Für Jugoslawien ist auch icn besonderer Bedeutung die zwar nicht in das politische Abkommen aufgenommene, aber gleich­zeitig mit seiner Unterfertigung erfolgte Regelung gewisser Fragen der jugoslawischen Min­derheit in der sogenannten Julischen Mark in Italien. Italien hat damit auch den Bestand dieser iber eine halbe Million zählenden Minderheiten imtlich anerkannt. Die Regelung dieser Frage ist cuch deshalb wichtig, weil sie bisher häufig zu Schwierigkeiten in den italienisch-jugoslawischen Be­stehungen führte.

Das politische Abkommen findet feine natürliche Ergänzung in dem gleichzeitig abgeschlossenen Wirtschaftsvertrag, durch den die jugosla- «isch-italienischen Wirtschaftsbeziehungen aktiviert Md ausgebaut werden sollen. Dieser Wirtschafts­vertrag, dessen Geltungsdauer von der des Politi­ken Abkommens abhängig gemacht wird, trägt auch tonft unverkennbar politische Züge. Diese sind in t»en Bestimmungen enthalten, durch die Italien Ju­goslawien praktisch dieselben Vergünsti­gungen einräumt, die es Oesterreich und Ungarn auf Grund der römischen Protokolle ge­währt hat, weiter in der Bestimmung, daß dieser Wirtschaftsvertrag nur die Grundlage für eine brei- :ere wirtschaftliche Zusammenarbeit darstellen soll, ,ber die Form eines engeren Regionalabkom­mens erhalten kann". Für Jugoslawien ist auf Grund dieses Vertrages von sofortiger praktischer Bedeutung die italienischerseits eingeräumte E r - Höhung der jugoslawischen Ausfuhr- kontingente, die verdoppelt werden sollen.

Wenn man angesichts dieser italienischen Zuge­ständnisse auch nach dem Nutzen fragt, Den Ita­lic n von diesen Verträgen hat, so ergibt dieser sich offenbar auf rein politischem Gebiet: Italien braucht angesichts des noch immer vorhandenen, ja sogar noch stärker werdenden Gegensatzes zu Eng­land im Mittelmeer Rückenfreiheit in der Adria, die es durch das politische Abkommen mit Jugosla­wien erhalten hat. Zwischen Jugoslawien und Ita­lien wurde schon im Jahre 1924 ein Freundschafts- Dertrag abgeschlossen, der allerdings bei Ablauf Nicht erneuert wurde Die Lage, in der Jugoslawien wnd Italien jetzt ihre neuen Abmachungen trafen, weist gewisse Ähnlichkeit mit der von 1924 auf: lie wurde damals, wie heute beherrscht von den Iranzösischer- und tschechoslowakischerseits ausgehen­den Bestrebungen, Jugoslawien in engere Verpflich­tungen innerhalb des Bündnissystems dieser beiden Staaten einzubeziehen.

Der Abschluß der jetzigen politischen Abmachun­gen mit Italien löst gegenüber Jugoslawien sowohl in Paris als auch in Prag gewisse Verstimmun­gen aus. Man glaubt dort wohl mit Recht, durch die Verständigung BelgradRom würden die Hoff­nungen endgültig zunichte gemacht werden, daß sich Jugoslawien in das von Paris und Prag vorge­schlagene Bündnissystem einspannen lassen werde. Jugoslawien hat dafür heute weniger Grund denn IG> ganz abgesehen davon, daß es den Grundsätzen

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