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eine bespannte Kompanie in der Uebergangszeit zwischen der Entlassung der gedienten Leute und dem Eintreffen der Rekruten für ihre 70 Pferde nur 5 Pfleger hat? Wie ist er dann zu gestalten, wenn die Rekruten eintreffen und die jungen Leute hier Stall- und Pserdepflege, Reiten und Fahren, mili­tärische Ausbildung, selbstverständlich Jnfanterie- dienst und schließlich doch vor allem den Fernsprech- und Funkdienst lernen sollen. Ein Jahr der Aus­bildung ist sehr, sehr kurz. Wieviel Einfühlungs­vermögen und Menschenkenntnis gehört für die Vorgesetzten dazu, hier den Mann an die Stelle zu setzen, an der er die wertvollsten Dienste zu leisten vermag. Nicht jeder wird ja Funkspezialist oder Leiter einer Fernsprechvermittlung. Vor allem

nicht die Fahrer und Reiter, für die man sich na­turgemäß möglichst junge Leute aus der Landwirt­schaft aussucht. Aber ein Grundwissen auch vom technischen Dienst muß ja doch jeder hier haben.

Und es geht alles! Aber es gehört eine Dienst- einteilung dazu, die jede Minute des Tages nutzt und in den Dienst der Sache stellt. Die Män­ner der Nachrichtenabteilungen müssen viel arbeiten, aber sie sind mit Stolz dabei. Sie müssen von der Technik mehr wissen, als ihre Kameraden von den anderen Waffen, um sie entlasten zu können. Mut und Willenskraft aber brauchen sie, wie jene im Kampf. Stehen sie doch gleichfalls in vorderer Linie wenn es gilt, Fernsprech- und Funkgerät einzu­setzen.

Jubiläum des deutschen Homg-Cicheitsgla es.

Dem Imker wie dem Kaufmann wird sehr häufig die Frage vorgelegt, warum man ein besonderes Glas für den deutschen Honig geschaffen habe, und warum nicht jedes andere Gefäß aus Glas, Holz, Pappe oder anderem Material die gleichen Dienste leisten könne? Die Frage muß hier kurz beantwor­tet werden.

Dieses sogenannte Einheitsglas der Reichsfach­gruppe Imker ist nicht mehr ganz jung. Es kann bereits auf eine reichlich zehnjährige Vergangenheit zurückblicken und hat sich im Laufe dieser langen Zeit immer mehr durchgesetzt und bewährt. Gerade in den letzten Jahren hat es eine Verbreitung ge­funden, die alle Erwartungen, die einst die Väter dieses Gedankens auf das Einheitsglas gesetzt ha­ben, weit übertroffen hat. Auch heute ist diese Ent­wickelung noch nicht abgeschlossen, das Einheitsglas ist vielmehr auf dem besten Wege, in aller Kürze das Wahrzeichen des deutschen Honigs überhaupt zu werden.

Als man an die Schaffung des Einheitsglases ging, schwebte den führenden Imkern der Gedanke vor, etwas zu schaffen, das den deutschen Honig schon rein äußerlich als solchen kennzeichnen und ihn gewissermaßen zu einer marktfähigen Markenware stempeln sollte und das dem kaufenden Publikum die Gewähr bot, daß es auch wirklich deutsche Edel­ware erhielt. Mit andern Worten, der Käufer sollte die Gewißheit haben, daß der Inhalt echt und un­verfälscht sei und weiter, daß bei der Vorbereitung zum Verkauf mit der größten Sorgfalt verfahren war. Dazu genügte nun das Glas allerdings noch nicht, und so kam noch der sogenannte Gewähr-

verschluß st reifen hinzu. Dieser bietet nun dem Käufer tatsächlich die Gewißheit, daß er für sein Geld wirklich auch erstklassige und unverfälschte Ware erhält. Dieser weittragende Entschluß war notwendig, wollte man den wilden Honighändlern, die häufig an den Haustüren unter Vorspiegelung von allerlei falschen Tatsachen minderwertige Ware zum Kauf anbieten, das Handwerk legen. Die Ge­richte haben sich ja in den letzten Jahren wiederholt mit Honigfälschern zu beschäftigen gehabt und sie auch wegen Nahrungsmittelverfälschung auch regel­mäßig zu Gefängnisstrafen verurteilt.

Wie aber kommt nun bei dem Einheitsglas die Gewähr für erstklassige Ware zustande? Nicht jeder Bienenzüchter darf das Einheitsglas führen. Es wird nur an. den ausgegeben, der der Reichsfach­gruppe Imker angeschlossen ist und damit zeigt, daß er aus dem Boden des Gemeinschaftsgedankens steht, wie er in unserm heutigen nationalsozialistischen Staat selbstverständlich ist. Außerdem aber muß er den Nachweis erbracht haben, daß er im­stande ist, einwandfreie Ware auf den Markt zu bringen. Der Gewährverschlußstrei- fen ist mit einer Kontrollnummer versehen, so daß jederzeit derjenige festgestellt werden kann, der die Abfüllung vorgenommen hat. Damit aber ist der Honigverbraucher vor betrügerischen Machenschaften geschützt, denn der Gewährverschlußstreifen kann ohne Beschädigung nicht entfernt werden.

So wurde durch das Einheitsglas mit dem Ge- währoerschlußstreifen eine Einrichtung geschaffen, die sich sehr schnell aufs beste bewährt hat.

IvbilÄmssem des Turnvereins Krofdorf.

Begünstigt von herrlichem Sommerwetter beging unter reger Anteilnahme der Bevölkerung aus dem Ort und von auswärts der Turnverei n K r 0 f - darf am Samstag und Sonntag das Jubiläum sei­nes 5 0jährigen Bestehens. Ein reichhaltiges und sorgfältig zusammengestelltes Programm er­freute am Samstagabend eine freudig bewegte Fest­versammlung in der schön geschmückten Turnhalle. In Einmütigkeit und in gut aufeinander abgestimm­ter Weise rollten bis nach Mitternacht in fesselnder Form die Darbietungen vom Turnverein, Gesang­verein .Germania" und der Krofdorfer Musikkapelle ab, damit Zeugnis ablegend, wie dörfliche kulturelle Gemeinschaftsarbeit geleistet werden kann.

Zu Beginn waren alle Abteilungen des Turnver­eins auf der Bühne aufmarschiert. Ein Alters­turner, ein Turner, ein Jugendturner und eine Turnerin, also alt und jung faßten in einem Vor­spruch Wesen und Ziel deutscher Turnerei zusam­men. Fahnenschwingerinnen eröffneten den Reigen turnerischer Vorführungen, bei denen Ausschnitte aus allen Disziplinen gezeigt wurden. Im Wechsel mit ihnen standen ausgezeichnet vorgetragene Chöre des Gesangvereins und ansprechende Musikweisen der Kapelle. In dem großen Walzertanz der Tur­nerinnenAn der schönen blauen Donau" klangen zum Schluß harmonisch Gesang, Musik und turne­rischer Rhythmus zusammen.

Vereinsführer Chr. Jaeger kennzeichnete in sei­ner Festansprache die 50 Jahre des Turnvereins als einen Kamps um turnerische Ideale. Er pries den Willen der Gründer, die mit Hilfe von Turnkame­raden aus Gießen und Heuchelheim Bedenken und Hemmnisse überwanden.

Besondere Verdienste gebühren dem kürz­lich verstorbenen Gründer und Vereinswirt Karl Hofmann, der über vier Jahrzehnte sein Lokal dem Verein zur Verfügung gestellt habe. Im Auf und Ab des langen Vereinslebens habe es an Er­folgen nicht gefehlt, aber auch viele trübe Tage waren beschieden. Im besonderen erinnerte der Red­ner an die Mühen und Arbeiten um die Erstellung her Turnhalle, in welchem Zusammenhang er die besonderen Verdienste von den verstorbenen Vater und Sohn Heyer hervorhob. Unentwegt aber habe der Weg zum Ziel geführt, und ein verantwortungs­volles Erbe trete die Juaend an, das zu erhalten und weiterzupflegen für sie höchste Pflicht sei.

Besonderen Eindruck hinterließen die Ausführun­gen des ehemaligen Turnerführers A. Pfeiffer (Wetzlars der aus feinen großen Erfahrungen und Erlebnissen heraus auf die Entwicklung der Ver­eine hinwies. Auch er richtete die Mahnung an die Jugend, im heutigen Reichsbund all das von der Deutschen Turnerschaft Errungene in die neuen For­men zu gießen und zu verankern.

Bürgermeister Schmidt knüpfte an Vater Jahn an, der für seine Zeit als Revolutionär galt und doch im Grunde seines Herzens Vertreter der heu­tigen Staatsform war. Er dankte den Turnwarten Leib und Amend für ihre Verdienste an der Krof­dorfer Jugendertüchtigung. Unter Beifall überreichte er als Jubiläumsgeschenk ein Boxgerät, dem er viel­fältige Benutzung wünschte.

Türnführer D a u p e r t (Wieseck) überbrachte im Namen von Dr. Schäfer die Glückwünsche des Kreises, würdigte die Geschichte des Vereins in der Deutschen Turnerschaft, deren Geist und Leben wei- tcrbestehe. Besonders ehrte er die acht noch leben­den Gründer des Vereins.

Dr. R e i d t (Heuchelheim) sprach in seinen Glück­wünschen von den. engen Beziehungen von jeher zwischen Krofdorf und Heuchelheim. Beide Orte, gemeinsam im Gleiberger Land gelegen, feien wohl durch,Grenzen getrennt gewesen, im Geist aber im­mer verbunden. Der Heuchelheimer Trnverein, un­gefähr im gleichen Alter wie der Krofdorfer, zeige viele Parallelen zu dem Bruderverein. Die freund­schaftlichen Beziehungen möchten weiter fortdauern!

Herzliche Worte der Anerkennung fand der Ver­treter des Wetzlarer Turnvereins Schneider.

Nach dem Wecken am Sonntagmorgen durch den Spielmannszug des Vereins begann auf dem Turn­platz die Austragung eines volkstümlichen Vierkampfes, an dem sich etwa 80 Turner und Turnerinnen beteiligten und der sich reibungs­los abwickelte. Mittags bewegte sich ein stattlicher Festzug mit einigen Gastvereinen durch die fah­nengeschmückten Straßen. Ein schönes Bild boten dann auf dem Festplatz die Freiübungen derZwei­hundert", alles Vereinsangehörige, die Turner in Wöiß und die Turnerinnen in Blau.

Herzlichen Willkommensaruß brachte dann den zahlreichen Gästen der 2. Vorsitzende Ernst Leib, I her in tiefgründiger Weise nach Einern geschichtlichen s Rückblick auf die deutsche Turnerei diese als wich­

tiges Volkserziehungsmittel bezeichnete. Immer hät­ten Turnfeste als Höhepunkte turnerischen Lebens diesem Sinn gedient, so möge auch das heutige seine werbende Kraft nicht verfehlen. Wiederum verschön­ten die einheimischen GesangvereineGermania" undHermanus" und der RadfahrvereinTeuto­nia" mit ihren Darbietungen den Tag in Abwechse­lung mit turnerischen Vorführungen und Tanz. Es war ein wohlgelungenes, in allen Teilen zufrieden­stellendes Fest.

Die Ergebnisse des Vierkampfes:

Turnerriege: 1. Sieg Alfred Kraft, 66,5 Punkte: 2. Ernst Rinn, 66; 3. Karl Würtz, 58,5; 4. Wilhelm Röhrsheim, 54,5 Punkte.

Erste Jugendriege: 1. Werner Amend, 75 Punkte; 2. Walter Forbach, 74; 3. Paul Weil, 69; 4. Arno Keller, 68 Punkte.

Zweite Jugendriege: 1. Walter Würtz, 72 Punkte; 2 Karl Will, 68; 3. Walter Bechthold, 67; 4. W. Stroh, 64 Punkte.

Dritte Jugendriege: 1. Willi Schmidt, 84,5 Punkte; 2. Willi fiaucht, 80,5; 3. Karl Wag­ner, 72,5; 4. H. Leicht, 70,5 Punkte.

Turnerinnenriege: 1. Klara Amend, 73 Punkte; 2. Hilde Valentin, 68; 3. Anni Wagner, 65; 4. Hilde Würtz, 64 Punkte.

Zweite Turnerinnenriege: 1. Hilde Ekarius, 62 Punkte; 2. Marie Schneider, 59; 3. Martha Leib, 57; 4. Lina Bender und Hedwig

Schmidt, je 54 Punkte.

Dritte Turnerinnenriege: 1. Liefe!

Zufall, 63 Punkte; 2. Emmi Gerlach, 55; 3. Elly Schubecker, 52; 4. Anni Will, 49 Punkte.

Aus der engeren Heimat.

Grohfeuer in Herbstein.

Häuserblock mit vier Anwesen niedergebrannt.

LPD. Lauterbach (Oberhessen), 29. Juni. Einem Großfeuer, das kurz nach TNitternachl in h e r b st e i n ausbrach, sind vier Anwesen zum Opfer gefallen. Es handelt sich um die Besitzungen von Karl Traudt, Johann Schneider, Akulin Ruhl und Lgidius Schneider.

Das Feuer wurde durch einen Zufall von einem Einwohner, der fein Auto in einer Garage unter­stellte, gegen 1 Uhr nachts entdeckt. Infolge der Trockenheit griffen die Flammen mit großer Schnelligkeit um sich, zumal die alten Dächer der Anwesen noch mit Stroh gedeckt waren. Auch mit Hilfe der Lauterbacher Motorspritze waren die Häuser nicht mehr zu retten, so daß sich die Wehren auf den Schutz der Nachbarhäuser beschränken muß­ten. Einer der Bewohner geriet in höchste Gefahr und mußte von der Rettungsmannschaft der Feuer­wehr aus seinem brennenden Haus geholt werden.

Verbrannt sind mit den vier Wohnhäusern die Scheunen und Stallungen, vier Schweine und Heuvorräte. Das übrige Vieh konnte nur mit Mühe aus den Flammen ge­rettet werden.

Durch das tatkräftige Eingreifen der Wehren ge­lang es schließlich, den Brand auf den betroffenen Häuserblock zu beschränken und Verluste an Men­schenleben und weiterem Gut zu vermeiden. Die Ursache des Feuers ist noch Gegenstand der Unter­suchung.

Tagung der Landesfachschaff der hessischen Hebammen in Aisfeld.

+ Alsfeld, 29. Juni. Arn 26. und 27. Juni hielt die vorgenannte Organisation ihre Tagung hier ab, zu der etwa 300 Hebammen aus Hessen erschie­nen waren.

Am Samstagvormittag fand eine geschäftliche Sitzung der Landesfachschaft statt, in welcher der Kassenbericht sowie der Tätigkeitsbericht der Leite­rin der Landesfachschaft vorgetragen wurden. Am Nachmittag nahm die allgemeine Tagung unter der Leitung von Frau Willig (Darmstadt) ihren An­fang. Nach einleitenden Begrüßungsworten der ver­schiedenen Gäste, worunter Bürgermeister Dr. V ö l - sing die Teilnehmer im Namen der Stadtverwal­tung und Medizinalrat Dr. V e tz b e r g e r als Vor­stand des staatlichen Gesundheitsamtes herzlich be­grüßte, hielt als erster Redner Prof. Dr. Wal­ther (Gießen) einen Vortrag über die bevölke­rungspolitische Bedeutung der Fehl­geburt, deren verschiedene Arten. Ursachen und Wirkungen der Redner behandelte. Alsdann berich­tete in einem sehr interessant gestalteten Vortrag die Leiterin der Reichsfachschaft der Hebammen, Frau Conti (Berlin), über d i e Auslandsar­beit tfe r deutschen Hebammen. Die Red­nerin gab einen auch nach der politischen Seite hin recht lehrreichen Ueberblick über ihre Tätigkeit als deutsche Vertreterin auf den internationalen Heb- ammen-Kongressen. In einem weiteren Vortrag sprach der Schulungsleiter des NS.-Aerztebundes für den Gau Hessen-Nassau. Sanitäts-Obersturmfüh­rer Dr. Meißner (Frankfurt), über die Arbeit des Amtes für Volksgesundheit. Der Referent behandelte die Grundlagen her national­sozialistischen Gesundheitspolitik. Richtiges Arzttum ist Dienst am Volke. Zwischen dem schaffenden Men­schen und seinem Arzt muß ein Vertrauensverhält­nis bestehen. Die Landesfachschaftsleiterin, Frau Willig (Darmstadt), dankte den Rednern und der Rednerin für ihre klaren und lehrreichen Vor­träge. Anschließend begaben sich die Teilnehmer in die Turnhalle, wo der rasfehygienische FilmOpfer der Vergangenheit" vorgeführt wurde. Abends fand im großen Saale desDeutschen Hau­ses" unter Mitwirkung der SA.-Kapelle ein k a - meradschaftliches Beisammensein der Teilnehmer statt. Am Sonntagmorgen vereinigten

sich die Teilnehmer zu einer M o r g e n f e i e r , die von Medizinalrat Dr. V e tz b e r g e r in einer sehr würdigen und eindrucksvollen Weise durchgeführt wurde. Sie bildete denAusklang der Tagung. Die Landesfachschaftsleiterin dankte nochmals allen für den schönen und würdigen Verlauf her Alsfelder Ta­gung. Sie wurde in der üblichen Weife geschloffen. Am Sonntagnachmittag fand eine Autobusfahrt durch das schöne Oberhessen nach dem Hoherodskops statt, an welcher etwa 70 Gäste teilnahmen.

Generalversammlung oer Epar- und Darlehenskasse Reiskirchen.

ch Reiskirchen, 30. Juni. Die hiesige Spar« und Darlehenskasse hielt am Sonntag im SaaleZur Krone" i^re Generalversammlung ab. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Sebastian Schmidt, leitete die Versammlung mit einem Ge­denken an die verstorbenen Mitglieder ein. Dann erstattete der Kontrolleur Philipp Stumpf den Geschäftsbericht über das abgelaufene Jahr 1936. Seine Ausführungen begann er mit einem Gesamt­überblick über die allgemeine politische und wirt­schaftliche Lage des deutschen Volkes. Gute Fort­schritte in der Wirtschaftslage könne die Kasse auch in ihrem Bezirk feststellen. Die Mitgliederzahl stieg von 345 im Vorjahre auf 352 im Geschäftsjahre 1936. Die Spareinlagen vermehrten sich um rund 47 000 Mark, so daß diese jetzt nahezu 387 000 Mark betragen. Am nationalen Spartag ergab sich her Betrag von annähernd 5000 Mark. Der Gesamt­umsatz stieg von 3 001 110 Mark im Jahre 1935 auf 3 089 735 Mark im Jahre 1936.

Das Warengeschäft hatte im Jahre 1936 recht gute Erfolge zu verzeichnen. Der Umsatz betrug über 48 000 Mark. Das bedeutet eine Steigerung um rund 11 000 Mark gegenüber dem Vorjahre. Einen beachtlichen Posten stellte auch im vergangenen Jahre wieder die Versendung von Obst (Zwetschen) dar. Auch der Absatz von Getreide, wie Weizen, Roggen und Gerste war zufriedenstellend. Zwetschen wurden für rund 16 000 Mark umgesetzt, davon entfielen auf Reiskirchen etwa 9000 Mark. Der Hauptanteil des Umsatzes im Warengeschäft wurde durch die Vermittlung von Düngemitteln erreicht.

Die hiesige Sparkasse hatte im vergangenen Ge­schäftsjahre einen Reingewinn von 1980,17 Mark zu verzeichnen. Reservefonds und Betriebsrücklage betragen rund 21 000 Mark, die gesamten Reserven etwa 29 000 Mark. Dem Vorstand und dem Auf? sichtsrat wurde Entlastung erteilt. Die Bilanz für das Jahr 1936 wurde für richtig befunden und ge­nehmigt. Die satzungsgemäß ausscheidenden Mit­glieder wurden wiedergewählt.

Landkreis Gießen.

* Klein -Linden, 29. Juni. Unter den schattigen Linden des Hofes der Kleinkinder­schule hielt am verflossenen Sonntag die lan­deskirchliche Gemeinschaft ihr Jahresfest ab. Stadtmissionar Nebeling (Gießen), Prediger Meng (Gießen) und Bruder Reh (Leihgestern) hielten Ansprachen. Die gemeinsam gesungenen Choräle begleitete der Posaunenchor Klein-Linden. Es wirkten ferner noch der Frauenchor, der ge­mischte Chor und der Gitarrenchor der Gemeinschaft von Gießen mit. Die Kollekte kommt der Mission zugute.

* Heuchelheim, 30. Juni. In unserem Orte ereignete sich ein Unfall, der schlimme Folgen nach sich ziehen konnte. Ein zwölfjähriger Junge, der mit feinem Fahrrad aus einem Seitenweg in hie Hauptstraße einbiegen wollte, stieß mit einem ande­ren Radfahrer zusammen, der zwei Sensen mit sich führte. Der Junge erlitt bei dem Sturz eine schwere Verletzung am Bein und mußte zur ärztlichen Behandlung nach Gießen gebracht werden.

I) Lich, 28. Juni. Bürgermeister i. R. Johann Hermann Walz kann in diesen Tagen mit seiner Ehefrau Elisabeth, geb. Becker, das Fest der silber­nen Hochzeit begehen.

Triumph italienischer Opernkunfi.

Rückblick auf das Gaffspiel der Mailänder Scala in Berlin.

Waren das dreitägige Gesamtgastspiel der Mailänder Scala im Deutschen Opernhaus in Berlin und die begeisterte Auf­nahme der Vorstellungen durch das Publikum eine großartige Kundgebung der Kulturverbundenheit zwischen Deutschland und Italien, so vermittelten die beiden letzten Abende mit den Aufführungen von P u c c i n i sBoheme" und Verdis Aida", die durch die Anwesenheit des Füh­rers und Reichskanzlers ausgezeichnet wurden, einen überwältigenden Eindruck vom Wesen der ita­lienischen Oper und ihrer Pflege im klassischen Lande dieser Kunst. Sind hervorragende Aufführungen der italienischen Opern auch in Deutschland keine Selten­heit, so fesselte die Darbietung repräsentativer Werke her italienischen Musikbühne durch das En­semble her Mailänder Scala vor allem durch die Unterschiede, die zwischen dem deutschen und dem italienischen Darstestellungsstil sichtbar wurden.

Sv deutlich wie selten wurde dem deutschen Zu­schauer an diesen beiden Abenden bewußt, daß Italien das Ursprungs- und Heimat­land der Oper ist. Ihre Grundelemente sind der blühende Belcanto und die Auffassung der Szene als eines spectaculum. Wo eine an den Er­rungenschaften der Wagnerschen Musikdramatik orientierte deutsche Inszenierung auch in italieni­schen Werken die selbstverständliche und innerlich wahrscheinliche Entwicklung der szenischen Vorgänge sowie ihr logisches Jneinanderfließen erstrebt, da feiert der ursprüngliche komödiantische Spieltrieb des italienischen Darstellers seine Triumphe im breiten Ausspielen bühnenwirksamer Einzelheiten

und in der Entfaltung großen Schaugepränges. Mag diese Darstellung oft an Gebräuche erinnern, die vor längerer Zeit auch noch auf deutschen Bühnen üblich waren, so unterscheidet sie sich von den bei uns mit Recht abgelegten seelenlosen Posen doch grundsätzlich durch die komödiantische Erfülltheit, mit der das Temperament italienischer Sänger sich in jedem Augenblick kundgibt. Es ist ein Unterschied, ob ein Tenor sich an' die Rampe begibt, um dem Publikum seine Arie möglichst effektvoll vorzutra­gen, oder ob, wie in dieser MailänderBoheme"- Aufführung, die vier Künstler aus einem äußerst temperamentvollen Zusammenspiel heraus sich scheinbar zwanglos nacheinander an das Parkett wenden und auf diese Weise das Ensemble auch solistisch überraschend auflockern. Selbst wenn im Finale des zweitenA'ida"°Aktes sich die Menfchen- maffen unter Verzicht auf die innere Logik der Szene frontal vor dem Zuschauerraum aufbauen, sieht man den künstlerischen Zweck sofort ein: die durchschlagende Finalwirkung von Massenchor, Orchester und sieghaft überstrahlenden Solostimmen läßt sich in vollständiger klanglicher Ausgeglichen­heit eben nur auf diese Weise erreichen. Wenn das Publikum bann von den Sitzen aufspringt und ein für Berliner Verhältnisse beispielloser Orkan des Beifalls lo^bricht, dann ist der Sieg der Großen Oper" eindeutig errungen.

I Wie der Regisseur Mario Frigerio, ist auch der Bühnenbildner Nicola B e n o i s ein hervor-

i ragender Könner. Er arbeitet ausgiebiger mit ge- . mnPen Kulissen, Soffitten und Versatzstücken als 1 mit plastischen Ausbauten und erreicht inBoheme"

durch Bevorzugung des malerischen Prinzips, in Aida" durch stärkere Ausrichtung der Szenerie auf monumentale architektonische Wirkungen und kühne Buntheit überzeugende Wirkungen. Wie auch in Italien ein beweglicher Geist die Bühnenbildgestal­tung erfüllt, lehrte der Unterschied zwischen dem Realismus inBoheme" und der weitgehenden Stilisierung inAida".

Die stärkste Anziehungskraft übten natürlich die Sänger aus. Dennoch gebietet die Gerechtigkeit, den musikalischen Leiter der beiden Opernaufführungen vor ihnen zu nennen. Denn Victor d e Sa b ata hielt den Apparat nicht nur zusammen, er drückte ihm den Stempel seiner genialen Führerpersönlich­keit auf und spielte auf dem Ensemble von Chor, Orchester und Solisten wie auf einem einzigen Jn- . ftrument mit der Ueberlegenheit und Virtuosität des universalen Musikers. Was an Sabatas Leillung im­mer wieder faszinierte, war vor allem der hervor­ragende Anteil, den er in den sogenannten Ge­sangsopern das Orchester nehmen ließ. Er durch­leuchtete die schillernde Partitur derBoheme" mit einer solchen Feinsinnigkeit, daß alle gefürchteten Sentimentalitäten weggeblasen zu sein schienen, er gab der Lyrik derAida" eine Tiefe des Gefühls, die zuweilen an denTristan" erinnerte, er fetzte instrumentale Glanzlichter auf, die man noch nie gehört hatte. Ohne sich an taktische Strenge zu binden, trieb d e S ab ata die Dramatik derartig ins Extreme, daß ein weniger gutes Sänger-En­semble wahrscheinlich in den rasenden Tempi ge­strauchelt wäre. Aber mit den Solisten der Scala konnte es der Dirigent wagen, Beschleunigungen, Dehnungen und dynamische Steigerungen von wahrhaft umwerfender Wucht durchzuführen.

Es ist kaum möglich, unter diesen Meistersängern einem einzigen die Palme des Sieges zu reichen. Da war Benjamino G i g l i, der als Rhadames bereits mit der ungewöhnlich kultiviert gesungenen

Auftrittsrvmanze (Holde Aida") einen Sturm der Begeisterung entfachte und im Nil-Akt mit den durchschlagenden Forte-Wirkungen seiner metalli­schen Hochlage den Gipfel der gesangsdramatifchen Leistung erreichte. Ebenbürtig stand neben ihm die Aida her Gina Cigna, deren hohes B im zwei­en Finale mühelos und ohne Schärfe das Tutti überstrahlte, während ihr ungemein modulations­fähiger Sopran in der Arie am Nil die weichsten lyrisch m Schwebungen hergab. Unvergeßlich wird der Alt von Ebe Stignani bleiben, die eine ge­sanglich wohl kaum überbietbare Amneris war. Neben dem prächtigen Heldenbariton Ettore Na­vas (Amvnasrv) gehörte her Bassist Tancredi Pasero zu den reichsten und kultiviertesten Sum­men des Mailänder Ensembles. Wie als Oh"r- vriester inAida", so trug er als Cvttine inBo­heme" einen verdienten Sondererfolg davon.

Das stimmliche Ereignis derBoheme"-Auffüh- rung war Giusevpe Lugo, her als Rudolf durch den stählernen Glanz feines biegsamen Tenors, die Leuchtkraft der Spitzentöne und die weitgesponnene Phrasierung begeisterte. War das Oraan der Ma­falda Favero für die Schwindsüchtigkeit her Mimi fast zu substanzhaltig, so bezwang doch hie Art, wie es die Künstlerin einsetzte, und zum Beispiel der Sterbeszene mit dem allmählichen Zerfällen des Tones unmittelbare musikalische Anschaulichkeit ver­lieh. Der sammelweiche Bariton Piero B i a s i n i s (Marcel), der Schaunarh von Afro Poli und die gesanglich lvitze, darstellerisch sehr kapriziöse Mu­sette von Marisa Merlo rundeten das Ensemble zu schönster Ausgeglichenheit ab.

So ließ die Mailänder Scala in Berlin nur einen Wunsch offen: Wiederzukommen und ständiger Gast unserer sommerlichen Musikfeste zu werden.

Johannes Jacobi.