Das neue
Sozialismus oder De
Bon unserem Sonderbe
Paris, Ende April 1937.
Man hat mich gewarnt, nach Frankreich einen Photoapparat mitzunehmen. Es sind viele Fälle bekannt, daß /,man deutsche Reisende sofort als spionageverdächtig behandelte, wenn sie ihren schwarzen Kasten zückten, um sich eine landschaftliche Erinnerung mit nach Hause zu nehmen. Ich habe ihn trotzdem mitgenommen. Und es ist auch alles gut gegangen. Vielleicht hielt mich das da und dort prüfende Auge des Gesetzes für einen Engländer. Da ist man dann nachsichtiger und höflicher. In außenpolitischen Prinzipien ist man ja immer in Frankreich solidarisch. Ich habe also photographiert. Arbeiter, mit denen ich mich unterhalten habe, Plakate der Gewerkschaften und des Unternehmerverbandes und gelegentlich eine schöne Tochter der Stadt an der Seine, wenn die Sonne einmal kurz den Versuch machte, gegen den konstanten Pariser Frühlingsregen anzukämpfen. Und als die 36 Ausnahmen meines Filmes herunter- aekurbelt waren, trug ich ihn mit ahnungslosem Optimismus in ein großes Photogeschäft auf den Boulevard des Italiens. Am Freitagmorgen trat ich in diesen Laden und hoffte Samstag zusammen mit diesem Bericht auch schon ein paar Photos nach Deutschland schicken zu können. Mein Wunsch, die fertigen Bilder nach 24 Stunden, also im Laufe des Samstags, abzuholen, trug mir ein mitleidiges Lächeln des Ladeninhabers ein. Ich erinnerte mich der Vierzigstundenwoche und wollte mich mit Montag als Termin begnügen. Das Lächeln vertiefte sich. Es war ein etwas bitteres Lächeln. „Dienstag abend, Monsieur", sagte der Mann, der mich bediente. Von Freitag morgen bis Dienstag abend, also fünf Tage, wenn man den Sonntag abrechnet, also vier Tage für einen Film! Auf mein erstauntes Gesicht erklärte man mir: „An sich wäre das natürlich in 48 Stunden zu machen. Aber Samstag haben die Arbeiter im Atelier frei, denn das sind Handwerker. Und Montag ist das Geschäft geschlossen, denn da haben die Verkäufer ihren freien Tag." Das heißt also an diesem eklatanten Beispiel, daß das Geschäft praktisch drei Tage der Woche untätig still liegt. Ich habe meinen Film wieder mitgenommen und werde ihn in Deutschland entwickeln lassen. Das macht 30 Franken Verlust für das Photogeschäft. Nun, andere Leute fangen an, sich Filme selber zu entwickeln oder sie photographieren weniger, weil man es ihnen erschwert. Das macht insgesamt mehr als 30 Franken, das geht in diesem Geschäft allmählich in die tausende Franks, wie mir der Besitzer erbittert erklärte. Das ist aber nur ein Geschäft. Das ist nur eine Branche! Es gibt deren unzählige. Und es geht dort ähnlich.
Mein Bartwuchs ist bescheiden. Ich lasse mich am Samstag in Paris rasieren und bis Montag früh hält das vor. Nun aber Montag früh wird ein neuerlicher Besuch des Friseurs dringlich. Ich stehe vor verschlossenen Türen: Vierzigstundenwoche! Nun beginne ich allmählich sanft zu fluchen. Es sind Harmlosigkeiten gegen die Flüche der Franzosen, die sich nid)t gern selbst rasieren. Sie fluchen seit Wochen, aber sie gewöhnen sich dabei doch seit Wochen daran, sich selbst zu rasieren und sie beginnen dies nun auch während der Woche au tun. Mein Friseur sagte mir, daß er in den letzten sechs Wochen 40 v. H. seiner Kunden verloren hat. Den Schaden überschlägt er mit rund 300 Franken in der Woche. Wieviel Friseure aber gibt es in Paris, in Frankreich? Das ist wieder nur eine Branche. Man könnte hier au addieren anfangen!? Die vernünftige Pariser Presse, die gegen diese Vierzigstundenwoche seit Wochen protestiert, bringt jeden Tag neue groteske Einzelheiten über die Folgen dieses „Sozialismus" des Frankreichs der Volksfront.
Das B u ch m Frankreich! Eine Macht, ein Bedürfnis für Millionen. Wenn auch nicht das ernsthafte Buch, so doch als eine geistige und unterhaltsame Kost, die von anderen Vergnügungen weniger segensreicher Art abhält. Die Bücher sind billig, sie sind für den Alltag ausgestattet, geheftet, nicht ausgeschnitten, schlecht gedruckt und auf schlechtem Papier. Man braucht sie nicht für den Bücherschrank, sondern für das Wochenende und die Straßenbahn. Zohntausende von Menschen schaffen und leben vom Buch. Verleger und Buchhändler arbeiten nach besonderen Gesetzen miteinander. „Krieg gegen das Bu ch", nennt eine große französische Zeitung nun die Folge der 40-Stundenwoche. Am Samstag arbeiten die Verlage nicht, am Montag haben die Buchhändler geschlossen. Drei Tage ist der rasche Bucheinkauf, die Bestellung von Büchern unterbunden. Die Folge: Man kauft weniger Bücher. In einer großen Buchhandlung am Montvarnasse sagt mir der Besitzer: „Seit sechs Wochen habe ich 20 Prozent weniger Bücher verkauft, Monsieur. Wo soll das hinführen? Angestellte darf ich nicht entlassen, den gleichen Lohn muß ich für fünf Tage Arbeit bezahlen, wie früher für sechs."
Das sind Beispiele, aber sie haben allgemeine Gültigkeit. Das öffentliche Leben Frankreichs und seine wirtschaftliche Struktur sind in ein chaotisches Durcheinander geraten. Alle Kalkulationen, alle Preisbildungen, alle Umsatzziffern sind über den Haufen geworfen. Man sieht es an den Plakatwänden. Die wirtschaftliche Reklame ist in auffallendem Maße eingeschränkt. Dafür schreien von allen Ecken in knalligen Schriften und bunten Farben die verschiedenen Plakate der gegnerischen Parteien und Verbände. Der Gewerkschaftsverband preist seine Erfolge und verlangt noch mehr. Der Unternehmerverband protestiert gegen den Ruin der französischen Wirtschaft. Der Verband der Gaststätten und Hotelangestellten, die man eigenartigerweise von den Segnungen der 40-Stundenwoche ausgeschlossen hat, droht mit Streik, wenn nicht Lohnerhöhungen und ebenfalls 40-Stun- den-Arbeit in der Woche eingeführt werden. Es gibt unzählige solche Verbände und Parteien in Frankreich. Die Plakate geben nur einen kleinen Begriff davon. Uebsrall werden Interessen verteidigt oder gefeiert, verlangt ober verurteilt. Ueberall geht es um irgendeine Klasse, um die Arbeiter, um die Angestellten, um die Unternehmer, um die Intellektuellen oder um die Kommunisten, um die Radikalsozialisten ober um die Sozialdemokraten. Nirgends im Grunde um Frankreich, um die Nation, um däs Lebensrecht des ganzen Volkes. Eine Ausnahme muß dabei erwähnt werden. Die französische Volkspartei und ihr Führer Jacques D o r i o t. Aufrufe, Versammlungen, Proteste auch hier. Aber es ist eine andere Stimme und ein anderes inneres Gesetz, wenn man nach Reden und Plakaten ein solches erkennen kann. Wir werden nach darauf zurückkommen. Im ganzen aber meinen
Paradies.
Magogie in Frankreich.
nchrerstaiter Kurt Ziesel.
wir uns in die übelsten Zeiten der deutschen Nachkriegsjahre versetzt. Vor einem Wahlkampf etwa, wo jeder jeden mit seinen Interessen lockte und jeder immer d i e eigenen meinte.
Sozialer Kampf, soziales Gewissen, soziale Neuordnung schreien die Plakate und Zeitungen der Linken, am meisten die des Gewerkschaf ts- verbandes, des C.G.T., der sich unter Leitung Jouhauxs zu einem Machtinstrument Moskaus entwickelt hat. Dieser Gewerkschaftsoerband war ursprünglich keineswegs extremistisch. In ihm waren alle Linksparteien vertreten. Es gab Ansätze zu ausbauender Arbeit. Inzwischen aber haben d i e Kommunisten die Führung an sich gerissen und terrorisieren nicht nur die Regierung und das Land, sondern auch die Arbeiter selbst. Es mag als bezeichnendes Symptom gelten, daß der erste französische Arbeiter, mit dem ich mich unterhielt, ein einfacher Hilfsarbeiter, der an der Ausbesserung eines Geländers an einer der Seine-Brücken beschäftigt war, nach anfänglichem Mißtrauen, plötzlich seinem Herzen Luft machte und mir mit einem vorsichtigen Blick in die Runde sagte: „Wir müssen ja tun, was die Hetzer uns vorschreiben. Wenn Sie dem Verband nicht angehören, werden Sie entlassen und können keine Arbeit finben, wenn Sie den Schreiern widersprechen, werden Sie ausgeschlossen. Glauben Sie ja nicht, daß wir alle Kommunisten wären, aber was sollen wir machen. Wir werden sehen, in zwei Jahren bei der nächsten Wahl, dann dürften die Roten ihre Wunder erleben."
Ich bin noch skeptisch und er merkt es an meinem zweifelnden Blick. „Aber, Monsieur", sagt er, ,die, die Streiks machen und 'Krawall, das sind nicht die ftanzösischen Arbeiter, das sind nur Leute, die nicht arbeiten wollen, faule Hetzer, die sich wichtig machen wollen." — „Und warum laßt ihr euch das gefallen?" frage ich betroffen. — Er sieht mich eine Weile prüfend an. „Sie kennen Frankreich nicht", sagt er mit einem leisen Lächeln. „Man muß sie erst schreien lassen." — Die Auskunft ist typisch. Ich habe sie in ähnlicher Form mehrmals bekommen, von Arbeitern, von Intellektuellen, von Unternehmern. Sie alle sehen kaum einen wirklichen Ernst der Situation. Mit einer verblüffenden Einheitlichkeit haben alle eine Frage nach der Revolution von links belächelt. — „In Frankreich ist immer Revolution", sagt mir ein Mitglied der Academie Fran- ?aise, ein bekannter französischer Schriftsteller, „das gehört zu unserem Leben, wie die Butter aufs Brot." — Und seine Frau ergänzte ein wenig boshaft: „Das wäre so eine Art geistiges Gesellschaftsspiel." — Ich habe wohl etwas entsetzt ausgesehen über diese Auffassung. Draußen Streiks, Hunger, Arbeitslosigkeit, Ruin der Wirtschaft, Anleihen, Straßendemonstrationen mit Toten und Verletzten, politische Morde, Untergrabung aller Autorität und Disziplin und die geistige Elite Frankreichs spricht vom Gesellschaftsspiel!
Es ist auch anders. Es gibt Menschen, vor allem unter der Jugend, die haben ernste Gesichter, wenn man mit ihnen vom Schicksal Frankreich spricht. Aber sie debattieren und erhitzen sich um Theorien und haben neben der roten Gefahr immer auch die deutsche Gefahr für jede Debatte bereit. Man liest die französischen Zeitungen von ganz links bis ganz rechts, von den Boulevardblättern bis zu den seriösen Weltblättern. Was sagt man zum sozialen Kampf, zur politischen Siedehitze? Man macht Glossen, man glossiert die einzelnen Erscheinungen, man durchleuchtet das Liebesleben politischer Führer. Man verhöhnt die Regierung. Zeigt man Wege, zeigt man die Wurzel? Fast nirgends. Dort verteidigt man die Unternehmer, dort die Arbeiter, dort die Angestellten, dort die Bauern, dort die Literaten. Hier spricht man von Kindern
Gesolgschastsversicherunq.
Aus der Erkenntnis heraus, daß eine zufriedene und dadurch arbeitsfrohe Gefolgschaft am ehesten Höchstleistungen zu vollbringen vermag, haben in den letzten Jahren viele Betriebsführer der Industrie und des Handels für ihre Gefolgschaftmitglieder Versorgungseinrichtungen für den Fall vorzeitiger Invalidität, eines vorzeitigen Ablebens und bei Erreichen eines bestimmten Alters geschaffen. Es wurde in der Regel davon ausgegangen, daß die Leistungen aus der Angestellten- ozw. Invalidenversicherung doch nicht völlig für einen sorgenfreien Lebensabend der Gefolgschaftsmitglieder ausreichen. Zunächst wird fast immer an die Errichtung einer eigenen Pensionskasse gedacht. Bei solchen Pensionskassen entstehen aber leicht durch unvorhergesehene Schwankungen in der Sterblichkeit und in der Invalidität Verluste, weil meist die breite Basis fehlt. Diese Verluste können dann entweder nur durch eine Herabsetzung der Leistungen oder durch Gewährung von Zuschüssen ausgeglichen werden. Auch Unter st ützungs- f o n d s stellen nicht das Ideal einer zusätzlichen Alters- und Hinterbliebenenversorgung bar; denn bei diesen haben die Gefslgschaftsmitglieder keinen Rechtsanspruch auf Leistungen. So bleibt noch der Weg übrig, den Gefolgschaftsmitgliedern einen Rechtsanspruch auf Versorgung entweder an die Firma selbst ober an eine Versicherungs-Gesellschaft durch Abschluß einer Gefolgschaftsversicherung der Firma einzuräumen. Wird der erstere Weg — Versorgungsanspruch an die Firma — gewählt, dann sind die erforderlichen Deckungskapita- ften innerhalb weniger Jahre anzusammeln, um die Mittel im Pensionsfalle greifbar zu haben. Dies bedeutet für die Firma oft erhebliche Rückstellungen in sehr knapper Zeit. Außerdem besteht die Gefahr, daß es an den notwendigen Mitteln fehlen wird, wenn schon innerhalb dieser Ansammlungszeit mehrere Pensionsfälle eintreten. Deshalb empfiehlt es sich, die eingegangenen Pensions- (Renten-) Verpflichtungen bei einer Lebensversicherungs-Gesellschaft „abzudecken", da dann schon mit Zahlung der ersten Jahresprämie die Pensionsverpflichtungen der Firma sichergestellt sind. Das führt auf das Gebiet der G e f o l g s ch a f t s - (G r u p p e n -) Versicherung, wie sie heute von jeder Lebensversicherungs-Gesellschaft geboten wird. Damit dem abzuschließenden Gruvpenversicherungs-Vertrag die verbilligten Kollektiv-Prämien und sonstigen Vorteile zugrunde gelegt werben können, muß auf die Einhaltung der Bestimmungen, die das Reichsauf- sichtsamt für Privatversicherung für derartige Gruppenversicherungen herausgegeben hat, Bedacht genommen werden.
und Müttern, dort von der Jugend, dort von der Religion. Was jeder liebt und was er braucht, das verteidigt er. Was ihn nichts angeht, darum kümmert er sich wenig.
Man muß verstehen, daß ick vom öffentlichen Leben in Paris spreche, von dem, was man auf einem flüchtigen Besuch von zwei Wochen als äußeren Eindruck erkennen kann. Was tiefer liegt und wo die Wurzeln auch einer Erneuerung Frankreichs liegen, wird man erst spüren können, wenn man ganz im französischen Volk lebt, wenn man in die Gründe feiner kleinen Gemeinde, der Familie, der Freundschaft, des Heims eingegangen ist. Werden aber bei der ganzen Mentalität des Franzosen nicht vielleicht gerade in diesen kleinsten Zellen die eigentlichen entscheidenden Schlachten vorbereitet und geschlagen? Ist vielleicht dort die Zukunft schon in einem ganz anderen Sinne beschlossen als sie politische Machtkämpfe und internationale Weltherrsckaftswünsche dem oberflächlichen Betrachter darstellen? Wenn man die Tatsachen des Frankreich von heute sieht, ist man geneigt, an eine solche noch verborgene Zukunft zu glauben, auch wenn man die meisten Franzosen betrachtet, die von einer erstaunlichen Elastizität und von einem überraschenden Optimismus erfüllt find, auch wenn sie die Gegenwart in Bausch und Bogen verdammen.
Diese Tatsachen Frankreichs haben die Züge einer großen Lüge und Heuchelei. Ich sprach von den Kampfrufen der Linken: Sozialer Kampf! Soziales Gewissen! Soziale Neuordnung! Geht es im Frankreich der Volksfront, die nach dem Gesetz handeln muß, das ihr der kommunlstisch diktierte Gewerkschaftsoerband vorfchreibt, wirklich um sozialen Kampf, um Befriedung des sozialen Levens, um bessere Lebenshaltung der Arbeiter im weitesten Sinne? Man kann mit ruhigem Gewissen behaupten: nein! Die 40-Stundenwoche selbst ist das beste Beispiel, das dem marxistischen Doppelspiel die Maske herabreißt. Eine solche für ein ganzes Volk elementare Umwälzung hat man in einem Tempo und in einer Form zur Tatsache gemacht, die schon, an den verschiedenen praktischen Folgen gesehen, beweisen, daß sie ohne Verantwortung und Ernst vorbereitet wurde.
Hier ist ein Schulbeispiel klassenkämpferischer, marxistischer Demagogie. Die wirtschaftlichen Nöte der Volksfrontregierung, der Verfall der Währung, bas Wachsen der Arbeitslosen, die Not des Mittelstandes, der wachsende Widerstand gegen das Monopol der Gewerkschaften, gegen den kommunistischen Einfluß und die Erkenntnisse über die Katastrophenpolitik des französisch-russischen Bündnisses hatten eine sehr prekäre Situation geschaffen. Das erschütterte Vertrauen der französischen Arbeiterschaft mußte künstlich aufgeftischt werden. Man kam auf die großartige Geste der 40^Stundenwoche. Was gilt Frankreich und sein Schicksal, was gilt der wirtschaftliche Ruin des halben Volkes? Man hat geschworen nicht nur in Frankreich, sondern über die ganze Welt hinaus: Hier wird ein neues Paradies des Arbeiters und des Volkes geschaffen, von Marxisten und Kommunisten! Das Paradies beginnt! Zwei Sonntage in der Woche! Seht, was wir für den Arbeiter tun! Wir neben dem Faschismus in Mitteleuropa ein Beispiel! Voilä! Das Beispiel! Moskau hat die zahme Linke in Frankreich dort, wo sie für den Extremismus reif zum Sturm werden kann. Hat man in Moskau eine 40-Stundenwoche? Im Gegenteil! Aber Frankreich sollbolschewistisch werden! Zuerst an den Abgrund des „neuen Paradieses", danach die rote Sintflut der westlichen Weltrevolution. Das Konzept ist klar. Aber geht die Rechnung auf? Wenn nicht alles täuscht, beginnt sich das „neue Paradies" selbst zu erledigen. Nicht nur beim Mittelstand, beim Unternehmer und Bauer, sondern vor allem beim französischen Arbeiter s e lbst. Wodurch? Das kann jeder sehen, der nicht mit blinden Augen das Frankreich von heute erlebt.
Buderussche Eisenwerke, Wehlar.
Die gestrige Generalversammlung der Buderus- scheu Eisenwerke in Wetzlar, in der ein Aktienkapital von 19 034 800 RM. vertreten war, genehmigte sämtliche Anttäge der Verwaltung. Danach gelangt eine Dividende von 5 v. H. zur Verteilung. Außerdem wurde einer neu zu bildenden Rücklage für Aufgaben des Vierjahresplanes der Betrag von 500 000 RM. zugewiesen. In den Aufsichtsrat wurden wiedergewählt die Herren Bankier August Freiherr von der Heydt, Wupvertal- Elberseld, Hüttendirektor Hans Grün, Dillenvurg. bürg.
Mein-Mainische Börse.
Mitlagsbörse uneinheitlich.
Frankfurt a. M., 29. April. In Anbetracht des Ultimos und der bevorstehenden zweitägigen Verkehrsunterbrechung blieb die Unternehmungslust an der Börse klein. Auch die Kundschaft beteiligte sich kaum am Geschäft. Eine gewisse Verstimmung ging von dem weiteren Rückgang der Kaliaktien aus, da man bei diesen Werten mit einer Dividendenermäßigungen rechnen zu müssen glaubt. Westeregeln 118,65 (121,50), Aschersleben etwa 118,50 (121,25) und Salzdetfurth etwa 159 (160). Im übrigen wies der Aktienmarkt nur kleine Abweichungen auf, wobei jedoch mäßige Rückgänge überwogen. IG. Farben verloren 1 v. H. auf 168,50, während Scheibeanstalt, Deutsche Erböl und Metall- gesellschast je 0,50 v. H. gewannen. Elektropapiere bröckelten zumeist 0,25 bis 0,50 v. H. ab, Schuckert blieben zu 160,75 gefragt, Akkumulatoren nach Pause 210 (214). Don Montanwerten kamen Har- pener mit 163 (161) fest zur Notiz, im übrigen lagen die Kurse knapp gehalten. Zellstoff Aschaffenburg bei kleinen Umsätzen 142,50 bis 142,25 (141,75), Muag voll behauptet mit 151,25 (151). Etwas höher lagen noch Daimler mit 138,40 (138), Hanfwerke Füssen mit 104 (103), Reichsbank mit 201 (200,75), Allg. Lokal & Kraft verloren 1 o. H. auf 150, Westdeutsche Kaufhof 62,13 bis 62,25 (62,50), AG. für Verkehr 133,50 (133,65), Moenus Maschinen 114,40 (114,50).
Auch der Rentenmarkt hatte nur kleines Geschäft, es bestand aber etwas Nachfrage. Att- befitz 124,90 (124,75), Reichsbahn-VA. 127,75 (127,65), Städte-Altbesitz unverändert 129,75, ebenso Kommunal-Umschuldung mit 93,60. 5 o. H. Verein Stahl 101,75 (101,40).
Die Geschäftstätigkeit war auch im Verlaufe kaum lebhafter. Die Kursentwicklung am Aktienmarkt blieb unregelmäßig Teilweise ergaben sich mäßige Erhöhungen, IG. Farben 169 nach 168,50, Deutsche Erböl 152,65 nach 152, Verein. Stahl
118,75 nach 118,50, Mannesmann unter Schwankungen 125,40 nach 125,25, Aschaffenburger Zellstoff jetzt mehr beachtet mit 143,50 nach 142,25. Andererseits lagen Kaliaktien weiter gedrückt, Aschersleben 118 bis 117,50, Salzdetfurth nur zum Einheitskurs 157 (160), Westeregeln 117,50 nach 118,65.
Die variablen Renten lagen still. Goldpfand- briefe wurden gefragt bei unveränderten Kursen, die beiden Frankfurter rationiert, do. Kommunal- Obligationen 98,50 (98), die übrigen unverändert. Liquidationspfandbriefe und Stabtanleihen lagen nahezu unverändert. Dekofama-Anleihen etwas leichter, I. 131,75 (132), III. nach Pause 99,75 (101,75), Neubesitz 37 (37,25). Industrie-Anleihen lagen uneinheitlich.
Im Freiverkehr wurden genannt: Adler« werke Kleyer 113,75 bis 115,75, Wayß & Freytag 148,50 bis 150,50, Brennabor 114,50 bis 116,50. — Tagesgeld weiter ejwas versteift auf 2,75 (2,50) v. H.
Abendbörse gehalten.
An der Abendbörse blieb bas Geschäft klein. Aufträge lagen kaum vor, während die Kulisse in ihrer Zurückhaltung verblieb, die weitere Schwäche an den Auslandsbörsen blieb nicht unbeachtet. Andererseits machte auch die Dividendenerhöhung bei Ges- fürel um 1 v. H. auf 7 v. H. keinen besonderen Eindruck, weil sie überwiegend erwartet worden war. Gesfürel selbst unverändert 151. Auf den übrigen Märkten ergaben sich gegen den Berliner Schluß verschiedentlich leichte Erhöhungen, so bei Rheinstahl auf 158,75 (158,13), bei RWE. auf 129 (128,25), bei Daimler auf 139,13 (138,40), auch JG.-Farben 0,25 v. H. höher mit 168.75, dagegen bröckelten Bernberg weiter ab auf 118,75 (119,25), Muag gingen auf 150,50 (151,25) zurück. Der Rentenmarkt war bei unveränderten Kursen ruhig, Kommunal- Umschuldung 93,70, öproz. JG.-Farben 135,65, 5proz. Verein. Stahl 101,75. Im Freiverkehr fanden die mittags schon bevorzugten Werte bei wenig veränderten Kursen wieder etwas Interesse.
Frankfurter Schlachtviehmarkt.
Frankfurt a. M., 29. April. Auftrieb: Großvieh 870 (gegen 1007 am letzten Donnerstags- markt), darunter 150 (173) Ochsen, 151 (166) Bullen, 464 (542) Kühe, 105 (126) Färsen. Kälber 286 (331), Hämmel und Schafe 17 (23), Schweine 565 (1180). Notiert wurden je 50 Kilo Lebendgewicht in RM.: Ochsen a) 44 bis 45 (42 bis 45), b) 38 bis 41 (39 bis 41), c) 36 (34 bis 36); Bullen a) 40 bis 43 (41 bis 43), b) 39 (39), c) 34 bis 36 (34); Kühe a) 41 bis 43 (41 bis 43), b) 35 bis 39 (35 bis 39), c) 28 bis 33 (27 bis 33), d) 15 bis 25 (16 bis 25); Färsen a) 41 bis 44 (42 bis 44), b) 40 (40), c) 33 bis 35 (35), d) 28 (26 bis 28). Kälber a) 60 bis 65 (60 bis 65), b) 56 bis 59 (53 bis 59), c) 41 bis 50 (42 bis 50), d) 32 bis 40 (30 bis 40). Hammel b2) 45 bis 50 (48 bis 53), c) 38 bis 44 (—); Schafe nicht notiert. Schweine a) 52,50, bl) 52,50, b2) 52,50, c) 51,50, d) 48,50, Sauen gl) 52.50, g2) 50,50 (alles unverändert). Marktverlauf: Rinder und Schweine zugeteilt. Kälber, Hämmel und Schafe lebhaft.
Nächste Märkte am 4. und 5. Mai.
Die Industrie- und Handelskammer Gießen
gibt Auskunft: 289: Pvstbeförderung mit Luftschiff „Hindenburg" am Nationalen Feiertag (1. Mai). — 290: Dritte Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über Abwertungsgewinne. — 291: Neuregelung der Errichtung von Jnlandskonten im Warenverkehr mit USA. — 292: Bestimmungen über die Expvrtvalutaerklärung in Svnderfällen (bei Unterlieferanten, mittelbarer Ausfuhr, Beipackung, Sammelladung). — 293: Umrechnungskurse in den Güter- und Tierverkehren mit dem Auslande. — 294: Anhangsbegünftigung für Apparate usw. von Deutschland nach Bulgarien, Griechenland und weiter. — Einzahlungskurse für Postanweisungen nach dem Ausland. — 296: Anordnung 25 der lieber» wachungsstelle für Eisen und Stahl (Derwendungs- befchränkung für Weißblech und Weißband). — 297: Anordnung Nr. 11 der Ueberwachungsstelle für Mineralöl (Beimischung von Kraftspiritus zu Kraft- ftoffen). — 298: Bekanntmachung zur Verordnung über den Bezug von Spiritus zu Treibstoffzwecken vom 4. Juli 1930. — 299: Zellwolle und Zellwoll- waren im deutschen Zolltarif.
Kleine politische Nachrichten.
Auf Einladung der faschistischen Regierung wird der Reichsminister des Auswärtigen, Freiherr von Neurath, am 3. Mai in Rom eintreffen, um den Besuch des italienischen Außenministers Graf Ciano im Herbst vorigen Jahres zu erwidern. Reichsminister von Neurath wird sich einige Tage in Rom aufhalten und wird von mehreren höheren Beamten des' Auswärtigen Amtes begleitet fein.
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Als erstes Gastland läuft das Schulge schwader der Vereinigten Staaten mit amerikanischen Seekadetten in diesem Jahr Deutschland an. Das Geschwader, das aus den Linienschiffen „New York", „Arkansas", „Wyoming" besteht, wird vom 21. bis 29. Juni in Kiel vor Anker gehen. Im Anschluß besucht das Geschwader Achen und Livorno.
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Durch Gerichtsbeschluß ist die Tätigkeit der W a r- schauer Presseagentur „P reß" verboten worden. Die Agentur pflegte auch über das Deutsche Reich und über die Danziger Verhältnisse alarmierende Falschnachrichten und Schauermärchen zu verbreiten.
Aus aller Welt.
Erdbeben-Panik in einer argentinischen Provinz. ^Die Bevölkerung im nördlichen Teil der Provinz Santiago del Estero (Argentinien) ist durch eine folgenschwere Naturerscheinung in Panik versetzt worden. Ohne die sonst üblichen Anzeichen bei einem Erdbeben bildeten sich plötzlich drei Meter tiefe und IV2 Meter breite Erdrisse, die sich über 100 Kilometer durch den betroffenen Provinzteil hin» Zogen. Der Eisenbahn- und auch der Wagenverkehr mußte vielfach unterbunden werden.
Vier Tote bei einem Zusammenstoß englischer Bomber.
In der Nähe von Methwold (Norfolk) stießen zwei schwere Bomber der englischen Luftftreitkräfte zusammen. Der eine stürzte brennend ab, und der nnbere zerschellte beim Aufprall auf den Boden. Soweit bisher festgestellt, wurden vier Flieger getötet. Ein Schwerverletzter ist ins Krankenhaus gebracht worden. Bergungsabteilungen der Luftwaffe haben mit den Aufräumungsarbeiten begonnen.


