litioo Erstes Blatt
187. Jahrgang
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Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Cm einiges Volk im starken 3Reid).
Kunst am Feierabend!
Von Mario Heil de Brentani.
Es hat seit der Gründung der Nationalsozialistischen Gemeinschaft „Kraft durch Freude" nicht an gelegentlichen Einwänden gegen die „organisierte Massenbegeisterung" gemangelt, die von „fachlich ungebildeten Mitarbeitern" betrieben werde. Wir haben ihre Meinung gehört und freuen uns, eine Gelegenheit zur Gegenrede gefunden zu haben: Der Leiter des Reichsamts Feierabend, der die künstlerische Arbeit in der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" betreut, Ludwig Klemme, gab mir Auskunft über Fragen. Was ich zur Antwort erhielt, fei sinngemäß ausgezeichnet:
Als wir daran gingen, die NS.-Gemeinschast »Kraft durch Freude^ aufzubauen, waren wir uns darüber klar, daß unser Bau kein gültiges Vorbild hatte! Ansätze zu einer Freizeitgestaltung waren wohl bei den früheren Gewerkschaften festzustellen; doch konnte von einer planmäßigen Arbeit keine Rede sein; es fehlte vollends an der psychologischen Entwicklung dieser Arbeit; man versuchte hier und dort „Kulturbünde" aufzuziehen und versandete doch bald in spießigem Vereinsgetue. Wir haben diese Organisationen vorerst weiter verwaltet und uns bemüht, die geleistete Arbeit zu verwerten und auf neue Wege zu führen. Denn es war uns von Anfang an Herzenssache und sozialistische Aufgabe' zugleich, dem schaffenden Menschen in seiner Freizeit Erholung zu geben. Die sozial verbrämte Vereinsmeierei lreß sich aber — wie wir bald einsahen — nicht zu dem entwickeln, was uns oorschwebte; wir wollten ja nicht soziales Mitleid in kulturellem Gewände, sondern den ganzen und unteilbaren Sozialismus unserer Idee! So bauten wir von unten her das Werk ,Kraft durch Freude" in wenigen Monaten auf. Das Fundament war sogleich richtig versteift und vernietet, wie es schien; denn in kurzer Zeit wuchs auf ihm die größte Kulturorganisation der Welt empor!
Bevor oon der Art und Weise die Rede sein soll, mit der es uns gelang, die Millionen schaffender Volksgenossen an dem kulturellen Leben der Nation teilhaben zu lassen, Hunderttausende zum ersten Male in ihrem Leben in ein Theater geführt und sie an die Werke der bildenden Kunst und an jene der großen Tonmeister herangebracht zu haben, soll von der Grundlage- unserer Arbeit, von der Idee, die ihr innewohnt, gesprochen werden:
Die Grundlage war nicht die Summe der wissenschaftlichen Erkenntnisse über das Thema: „Kunst für das ganze Volk!" die man irgendwo einmal gesammelt und in Büchern niedergelegt haben mochte. Es band uns vielmehr der Wille, eine ganz bestimmte Gesellschaftsordnung zu schaffen, von der wir uns oon Anfang an klar waren, wie sie ihrem Wesen und ihrem Geiste nach einmal beschaffen sein sollte, von der wir aber nicht hätten sagen können, wie sie einmal aussehen würde. Unsere Freizeitorganisation mußte inneren Gehalt haben, das wußten wir, sie mußte den Mut haben, die Synthese der zivilisatorischen und der kulturellen Welt, die wir gefordert haben, zu verwirklichen, und wenn die Demonstration dieser Synthese für den Feierabend auch vorerst in nichts anderem bestand als in den großen Werkkonzerten, für die uns die besten Orchester gerade gut waren! Kultur ist für uns Nationalsozialisten — und das nehmen wir den leisen Kritikern in den ästhetischen Salons gegenüber allerdings für uns in Anspruch — kein nebelhafter Begriff überrassischer und übernationaler Prägung, der sich aus der Abgrenzung einer rein geistigen Welt oon der zivilisatorischen, technischen Welt ergibt; Kultur ist für uns vielmehr der Ausdruck der gesamten schöpferisch wirksamen Kräfte eines Volkes. Je größer und allgemeiner daher der Anteil der Volksgenossen an den Kulturgütern ist, um so höher ist sein Kulturstand. Das heißt aber, daß allein eine völkisch-sozialistische Ordnung die Grundlage zur kulturellen Gestaltung und Vollendung sein kann! Damit haben wir den Gegensatz zwischen Kultur und Zivilisation, die ein Philosoph als ideelle inti) materielle Welt gegenüberstellt, verneint; beide — materielle und kulturelle Welt — sind voneinander verschieden, gehören aber zusammen, können ohne einander nicht leben!
Wenn wir den Volksgenossen bessere Lohnverhäll- nisse schaffen, wenn wir ihnen ihre Heimat zeigen, wenn wir ihre Arbeitsstätten verschönern, wenn wir sie körperlich stählen und gesunden lassen, wenn wir ihnen das Selbstbewußtsein zurückgeben, das jahrzehntelang verkümmerte, so schaffen wir gewiß Kultur. Aber alles dies ist nicht allein Kultur! Es geht darum, das Leben seines Volkes von innen her zu erhöhen, lebenswerter zu machen, so daß Grund und Boden für das Wachstum großer und edler Menschensehnsucht, für die Ideale des Herzens und des Geistes geschaffen sind. Es geht darum, das Leben des Geistes und der Seele zu fördern, das Lebensgefühl zu weiten und zu erhöhen. Welche unvergleichlich schöne Aufgabe fällt hier unserer Nationalsozialistischen Gemeinschaft Kraft durch Freude zu: Mittler zu sein zwischen Kunst und Volk! Denn die Anteilnahme am künstlerischen Schaffen der Nation ist notwendig, um dieses höhere Lebensgefühl zu erschaffen.
Die guten Wünsche wären graue Theorie, wenn wir nicht den Freizeitgestalter erzogen hätten. Er ist nicht immer richtig eingesetzt worden; wir sind stark genug, um Selbstkritik zu vertragen; aber wir konnten ja in der ersten Zeit nur einen
kleinen Stamm solcher Freizeitgestalter heranbilden; so mag der eine oder andere, der uns seine Kräfte lieh, ohne uns wirklich vorwärtshelfen zu können, gedacht haben, es gelte den Feierabend so zu gestalten, daß er möglichst unterhaltsam sei, während mancher andere das Pendel nach der entgegen^ aesetzten Seite ausschlagen ließ und seine akademischen Kenntnisse als Normalvoraussetzung der betreuten Volksgenossen ansah. Wie bei der politischen Arbeit entschied auch hier nicht die akademische Vorbildung oder Verbildung, sondern die Kraft des
Aelteren zu bestehen hatten, als es galt, die geistigen Erscheinungen von Gestern abzustreifen, sie schafft das, was sie für richtig hält, in der totalen Schau und hat es nicht nötig, lange zu wägen.
Die zweite Gruppe umfaßt die Jugend, die schon vor zehn oder fünfzehn Jahren die Zeit bewußt erlebte und sie auch nicht vergessen wird, da sie in der furchtbaren Arbeitslosigkeit an diese Zeit gekettet war; als sich der Umbruch vollzog, erlebte diese Jugend jede Phase, jede Wehe des neuen Lebens mit; die jungen Sturmsoldaten sind unter
as werk steht auf...
Von Hans Jürgen Nierencz.
(Db wir aufFeldern werken mit den Spaten, (Db wir in Bunkern schuften und im Schacht, (Db als Matrosen oder als Soldaten Der Arbeit Feuer glühend wir entfacht.
(Db wir tm Dunkeln stehen, ob tm Lichte: Mir stnd die Arbeit — Arbeit macht Geschichte! Herr sei ein jeder — und ein jeder Rnecht: So wächst der Zukunft schaffendes Geschlecht.
(Db wir verrußt stnd und vom werk verwittert, (Db Hirne walten oder harte Hand, (Db unser Herz in den Maschinen zittert, (Db wir genannt stnd oder ungenannt, (Db wir tm Glück stnd oder tm Verdämmern: Der Arbeit pulsende Motoren hämmern! Der Morgen glüht, es strahlt der Horizont: So wächst der Arbeit festgefügte Front.
Das Blut erwacht, das alle uns verbindet, Die Fahnen haben fliegend wir entflaggt, Und Feuer haben wir tm Land entzündet Und haben Hand in Hand uns festgepackt. (Db wir beglückt stnd oder schwer beladen: wir sind der Arbeit harte Nameraden, wir stnd das Volk, das aufbricht und besteht: So wächst der Arbeit Glaube und Gebet.
Das werk steht auf und wächst zu feiner Sendung Aus Nacht und Not zu Leben und zu Licht. Das werk steht auf und wartet der Vollendung, Und die Vollendung ist uns harte pflicht.
Die Arbeit klingt und ruft zu großen Taten: wir stnd der Arbeit gläubige Soldaten, wir stnd die Zukunft über Fluch und Fron: Denn wir stnd Deutschland — wir stnd die Nation.
Aus dem Werkspiel „Symphonie der Arbeit" (Theaterverlag Langen Müller, Berlin).
Einsatzes und das gesunde Gefühl für das Wertvolle. Was nützte es dem Wissenschaftler, der sich auf die Spur des Freizeitgestallers begab, fein Wissen, wenn er keine Kenntnis von der seelischen Struktur der Schaffenden besaß? Die Männer, die unsere Bewegung gründeten und vorwärtstrugen, waren keine Männer der Wissenschaft, und doch entwickelte sich aus ihrem Werk und dem gesunden Gefühl, das ihnen die Kraft des Einsatzes lieh, die Grundlage, auf der die Wissenschaft kraftvoller gedeihen wird als durch alles zum Selbstzweck gewordene Spezalistentum und durch die berühmte „Voraussetzungslosigkeit der Wissenschaft".
Wir haben die Generationen, an die wir uns mit der Arbeit des Amtes Feierabend wenden, in drei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe ist die Hitlerjugend. Sie hat von den dreien zweifellos das glücklichste Los; sie wächst in einer totalen Schau auf, frei vom Ballast vergangener Anschauungen und Problematik. Sie hat den Krieg überhaupt nicht mehr, die Nachkriegszeit nur zum geringeren Teil erlebt; die jüngsten Jahrgänge haben bereits zu den Jahren des Weimarer Systems keine Beziehung mehr. Was der nachfolgenden Gruppe einmal Tatsache war, ist den Jungen nur noch schlimme Vorstellung. Die kennt nicht die Kämpfe, die die
ihr, die Gerhard Schumann „die gezeichneten" der Fahne und des Glaubens nennt.
Die dritte Gruppe endlich ist die ältere Generation, deren entscheidende Jugendeindrücke in die Vorkriegszeit fallen und der wir wie den anderen Gruppen gleichfalls das Rechte bieten müssen. Wenn mancher voreilige Kr.tiker sich diese Dreiteilung vorstellen wollte, so würde er die Voraussetzungen ermessen, unter denen wir die Arbeit begannen. Das Geheimnis freilich, das uns die Kulturarbeit sogleich volkstümlich gestalten ließ, ist unsere Kenntnis der Seele des ganzen Volkes, die wir im politischen Kampfe gewannen.
Wenn das Reichsamt Feierabend unter seinem neuen Leiter Ludwig Klemme jetzt die Erfahrungen von drei Jahren nationalsozialistischer Arbeit in der NS.-Gemeinschaft Kraft durch Freude für die Verwirklichung mancher großzügigen Pläne im Dienste einer glücklicheren Erfassung der schaffenden Volksgenossen auszuwerten beginnt, so ist es nicht notwendig, diese Pläne zu erörtern: die Programmhefte der NS.-Gemeinschaft Kraft durch Freude haben in diesen Jahren jedem, der zu lesen vermag, gezeigt, wihin der Weg geht. Die Devise heißt wie von Anfang an: Die Kunst dem ganzen Volke!
Leistung durch Arbeit.
Von Johannes Bühler.
Unsere geographische Lage ist in mancher Beziehung nicht ungünstig, bietet aber doch nicht die Vorteile wie etwa die Lage Englands; viele Länder besitzen reichere Bodenschätze oder ertragreichere Felder als Deutschland; einzelne Völker haben vor uns eine gewisse Leichtigkeit der Auffassung und die Geschicklichkeit, aus wenig viel zu machen, voraus. Wenn Deutschland trotzdem zu den führenden Kulturländern der Erde zählt, so verdankt es dies in erster Linie der Arbeitsamkeit des deutschen Menschen. Eine Geschichte der deutschen Erfolge ist deshalb int Grunde eine Geschichte der deutschen Arbeit. Um ihre Gesamtleistung in ihrer Größe zu erfassen, darf man allerdings nicht Kopf- und Handarbeit, als wären sie Gegensätze, auseinanderreißen.
Als sich Karl des Großen Reich in einzelne Teile auflöste, drängten Wirtschaft, Verkehrsverhältnifse und allgemeiner Bildungsstand auf eine Einengung des politischen und kulturellen Lebens in kleine Bezirke hin: auf eine Partikularisierung des Staatsund Gefellfchaftsaufbaues. Das bedeutete aber nicht nur eine Verkümmerung auf fast jedem Gebiete, sondern auch den Kampf aller gegen alle. Da schufen die Deutschen ihr gewaltiges Reich, das Erste Reichder Deutschen. So wurden sie für Jahrhunderte das Herrenoolk des Abendlandes und ermöglichten den weiteren Ausbau der europäischen Kultur. Gewöhnlich faßt man dies nur als ein Ergebnis kriegerischer Taten auf. Ohne sie wären die Errichtung und die Behauptung der Weltgeltung des Reiches allerdings nicht möglich gewesen; aber gerade weil diese politische Leistung gewissermaßen gegen die natürlichen Bedingungen der Zeit erzielt wurde, erforderte sie auch im Frieden eine ungeheure Kräfteanspannung der Herrscher, die ohne festen Wohnsitz Sommer wie Winter als oberste Richter und Verwalter durch die deutschen Gaue zogen, und des ganzen Volkes.
Wir sind nur zu sehr geneigt, das Ergebnis der unerhörten Arbeit der deutschen Kaiser und ihrer Getreuen für Deutschland und ganz Europa zu unterschätzen, weil schließlich doch der Partikularismus mit seinen vielen schädlichen Folgen die Oberhand gewann. Aber das ist nun einmal das Schicksal solcher Reiche. Vierzehnhundert Jahre hat Italien nach dem Untergang der römischen Herrschaft zu seiner Einigung gebraucht und doch hat es die römische Idee nie verleugnet und oon ihr nach ihrer Umwandlung vom Universalismus zum Nationalismus wie früher stärkste politische und geistige Antriebe empfangen. Italien beruft sich dabei hauptsächlich auf die zivilisatorische Leistung des römischen Weltreiches. Die des Ersten Reiches der Deutschen aber steht hinter der römischen Leistung nicht zurück. In härtester Arbeit, die, gestützt auf die vorausgegan- gene politische, vollbracht wurde, hatte erst der deutsche Bauer durch binnendeutsche Siedlungen in Wald- und Oedland die Voraussetzung zu einer Vermehrung der deutschen Volkszahl auf das dreifache innerhalb einiger Jahrhunderte geschaffen und dann gewannen alle Stämme und Stände gemeinsam den slawischen Osten der europäischen Kultur. Die, als Ganzes genommen, wohl reichste deutsche Kunstepoche, die des späteren Mittelalters, ist die Frucht des Handwerks, emsigsten, entsagungsvollen Fleißes.
Wie im Mittelalter die Last und die Ehre der politischen Vormachtstellung auf beit Schultern des deutschen Volkes ruhte, so leitete es unter Luther, einem Riesen an Arbeitskraft und Arbeitslust, das Zeitalter der Reformation mit feinen weitreichenden Folgen für das gesamtabendländische Kulturleben ein. Schon mochte es am Ende dieser Epoche mit ihren schweren religiösen Kämpfen und furchtbaren kriegerischen Verwicklungen scheinen, nun sei endlich die Kraft des deutschen Volkes erschöpft, da baute es in entsagungsvoller Kleinarbeit das Zerstörte wieder auf, brachte die materiellen Mittel und den seelischen Schwung für die glänzende Kunst des Barock auf und riß auf Gebieten die Führung an sich, die bis dahin als unbestrittene Domänen anderer Nationen galten. Bach und Händel brachen die Vorherrschaft der Italiener in der Musik; die großen Dichter, Goethe und Schiller an der Spitze, und die Philosophen Kant, Fichte, Hegel, Schelling erwarben den Deutschen den Ruf als Volk der Dichter und Denker und ließen fast vergessen, daß durch Jahrhunderte Italien und Frankreich um diesen Ruhmestitel miteinander gerungen hatten. Trotz aller Verschiedenheit des Wirkungsfeldes und der Art der Begabung, Giganten der Arbeit waren diese Männer alle. Inzwischen bereitete die preußische Pflichterfüllung einen neuen politischen Aufstieg vor, und als endlich Bismarck und Moltke unter Kaiser Wilhelm I. das Werk des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm, des großen Friedrich und der Helden der Freiheitskriege krönten, wurde der Weg frei zu der großen industriellen Leistung Deutschlands.
Ab und zu, gleichsam um zu zeigen, daß es auch dies vermag, bringt Deutschland einen Großen hervor, dem wie dem jüngeren Holbein ober Mozart bie Mühsal unenblichen Ringens erspart bleibt. Im allgemeinen aber gilt für ben Deutschen fast mehr als für {eben anberen, baß bie Götter vor ben Erfolg ben Schweiß gesetzt haben. Irgendwie gewußt haben wir das ja schon immer; unseren Tagen aber und der Staatsführung des Dritten Reiches blieb es Vorbehalten, dem Bewußtsein der Nation als eine der für ihr Leben grundlegenden und zukunftweifenden Wahrheiten einzuhämmern: die deutsche Arbeit ist Deutschlands Größe.


