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Lr. 25 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen)
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1933/1937 in Gießen.
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Ernst Bräuer (musikalische Leitung), Karl Gossler (leicht andeutende Dekorationen), Sophie Buchner und Willy Endrich (Kostümausstat-
Gießener Stadtiheater.
Heiterer Tanzabend.
Die für diese Spielzeit neu verpflichtete Tcmz- lgruppe, die bisher nur in ihrer eigentlichen thea- tirolischen Funktion, also im Rahmen einer Auf- fführung, herausgestellt worden war, gab unter der Leitung ihrer Ballettmeisterin Irmgard Zenner «inen selbständigen Tanzabend. Das Programm uvar überwiegend auf einen heiteren, teilweise ausgesprochen parodistischen Stil gestimmt und betonte dabei, dem Charakter der Gruppe entsprechend, ^den reinen Bühnentanz mit teilweise ausgeprägt pantomimischen Elementen. Die Vortragsfolge erwies den Einfallsreichtum und die Stilsicherheit der Leiterin, die ihr kleines Ensemble erfreulich im 'Schwung hat; man spürt, wie jedes Glied der ^Gruppe mit Lust und Liebe bei der Sache ist und wen Intentionen der Meisterin willig und diszipliniert nachgibt.
.„"Die Tanzstunde" (Menuett von Bolzoni), vorge- sührt von Erika D i n s l a g e, Otto B e l l o f f und ®er Gruppe, gab den heiteren, rokokomäßig beschwingten Auftakt. In lebhafter Kontrastwirkung hierzu erschienen die „Rhythmen", sachlich und straff akzentuiert: Hilde Lesch, Friedel Schön, Monika ^Schneider. Eine lustige, pantomimisch belebte Vewegungsszene im bayerischen Ländlertakt war 'der Rüpeltanz — Irmgard Zenner mit der 'Gruppe — der sogleich wiederholt werden mußte. "Heini, Bubi und Mädi" führten ein niedliches Kin- 'dertänzchen in der ABC.-Schüßenweise vor. Der
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6anze rhythmische Schwung und die innere Geschlossenheit der Gruppe präsentierte sich im klassischen Radetzkymarsch, dessen Wirkung durch das aparte Kostüm unterstrichen wurde. Irmgard Z allein: Perpetuum mobile; graziöses Biedermeier, oabei technisch sehr sauber und leicht. Ganz pantomimisch in der Wirkung war die dreifigurige ^Fernöstliche Tragödie" angelegt (Hilde Lesch, Friedel Schön, Otto B e l l o f f, Tanzgruppe), wobei insbesondere der Auftakt rein körperlich ziemliche Anforderungen stellte. Sehr heiterer Abgesang: ..Alt-Berlin"; Irmgard Zenner mit der Gruppe. In diesem Kostümulk nach längst verschollenen Schlagerweisen kam die ausgeprägt parodistische Begabung der Gruppenführerin noch einmal sehr hübsch zum Ausdruck.
findet statt: Rindvieh- (Nutz, Ühr vormittags, nd Klauenseich
'ch, den 17. Fe- 624C
Wie überall im Reiche, so lenken sich am heutigen Januar 1937 auch in Gießen die Blicke rück- uörts auf die Spanne von vier Jahren, die wir d3 Gefolgsleute unseres Führers Adolf Hitler eLebt haben. Vier Jahre sind an sich keine be- fnbere Spanne Zeit, aber der Inhalt dieser ü?r Jahre, die sich heute vollenden, birgt dock so ungeheuer viel an Neugestaltung und guter Aus- vörtsentwicklung in sich, daß die Bedeutung dieser 5nl)re zu einem außerordentlichen Maß gesteigert trrb. Daher geziemt es sich, daß auch die Volks- omossen unserer Stadt Gießen und der oberhessi- sten Heimat heute im Geiste rückwärts schauend sllstehen, die Entwicklung dieser vier Jahre noch Einmal an sich vo rüberzieh en lassen und mit dem («löbnis zu weiterer treuer Gefolgschaft unserem »ihrer Adolf Hitler Dank sagen für den reichen kgen, der aus seinem Schaffen auch für unsere ltadt entstanden ist.
Es sah auch bei uns in Gießen schlimm aus, als fcr Führer am 30. Januar 1933 die Macht über» iIym. Wenn wir nur daran denken, welche trost- i se Lage auf dem Gebiete der Arbeit, der ö ff ent» !chen Finanzwirtschaft, der Volksmoral, des Ver- Mniffes der einzelnen Bevölkerungsschichten zu- unanber, der öffentlichen Sicherheit ufro. bestanden, 3 müssen wir heute wieder eingestehen, daß wir n Gießen ebenso wie überall im Reiche am Rande .«es Abgrundes standen. Jener Zeit stellen wir nun iäe Verhältnisse von heute zum Vergleich gegen- Jber. Es ist eine eindringliche Sprache, die dabei w UNS allen spricht.
Wenn wir bei dieser Rückschau zunächst an die öffentliche Finanz wirtschaft denken, so •mitten wir zwar anerkennen, daß unsere Stadt stießen dankt der klugen und auf größtmögliche Sparsamkeit eingestellten Gemeindeführung unseres höheren Oberbürgermeisters Dr. Keller "auf einer Br damalige Verhältnisse guten finanziellen Grundige stand, die sich außerordentlich vorteilhaft ab» lob von den zerrütteten Finanzen, die zahlreiche irbere hessische Städte damals aufzuweisen hatte, 'rot) dieser verhältnismäßig guten Wirtschafts- «undlage unserer Stadt war es in den letzten Jah- LN vor der Machtübernahme aber doch niemals klungen, den städtischen Voranschlag für das jeweilige Haushaltsjahr auszugleichen, es verblieb mmer ein ungedeckter Fehlbetrag, dessen Veseiti- i :m bei der Verabschiedung der Voranschläge in !«r Luft hing. Im Gegensatz zu jener Lage war es ■•ad) der Machtübernahme unter der Auswirkung !er Aufbaumaßnahmen des Führers auch in Gie- i ten wieder möglich, die städtischen Haushaltsvoran- [■, chläge bei der Verabschiedung auszugleichen, die Rechnungsabschlüsse mit einem, wenn auch nicht stlzu großen, so aber doch erfreulichen Ueberschuß imszuweisen und dabei nicht nur die laufenden Erfordernisse ausreichend zu versehen, sondern auch ine ordnungsmäßige Tilgung der Anleiheschulden !»irchzuführen. Dieser grundstürzende Wandel der Singe zeigt, wie segensreich die letzten vier Jahre inter der Führung Adolf Hitlers sich auf unsere Z'"ß-ner Finanzwirtschaft ausgewirkt haben.
Ein Blick auf den Arbeitsmarkt zeigt uns ine gleichartige, lehr erfreuliche Aufwärtsentwick- img. Noch im September 1932 mußte das Arbeitsamt Gießen in feinem Amtsbereich 12134 erwerbslose Volksgenossen verzeichnen, und bei der 'Machtübernahme des Führers bestand im großen und ganzen die gleiche Lage. Im August 1936 dagegen war die Zahl der erwerbslosen Volksgenossen im Bereich des Arbeitsamts Gießen bis auf !929 gesunken, wobei zu beachten ist, daß in dieser .Zahl auch die auf mehrere hundert Personen zu beziffernde Gruppe der überhaupt arbeitsunfähigen Volksgenossen mit enthalten ist, ferner die Arbeitskräfte mitgezählt sind, die, ohne arbeitslos zu wer- then, von einer Arbeitsstelle zur anderen übergehen uinb nur infolge dieses Stellenwechsels in der Statistik des Arbeitsamts, gewissermaßen als Passanten, erscheinen. In Wirklichkeit ist es also so, daß
im Gegensatz zu jenen trüben Verhältnissen vor der Machtübernahme mit den Tausenden von erwerbslosen Volksgenossen heute die Arbeitslosigkeit in Gießen und in Oberhessen praktisch vollkomen beseitigt ist. Dabei ist weiterhin bemerkenswert, daß die Wirtschafts- beiebuna und die erfreuliche Neugestaltung des Arbeitseinsatzes nicht etwa eine einseitige Richtung zugunsten eines bestimmten Wirtschafts- bzw. Berufszweiges genommen hat, sondern daß die durchgreifende Besserung auf allen Gebieten zutage getreten ist und infolgedessen ein gesunder wirtschaftlicher Ausgleich verzeichnet werden kann.
Von jeher ist die Bauwirtschaft als eine bedeutsame Schlüsselstellung der Gesamtwirtschaft ein besonderer Gradmesser für die wirtschaftliche Entwicklung gewesen. Wenn wir heute auf dieses Arbeitsgebiet unseren Blick lenken, so werden wir auch hier eine grundstürzende und sehr fruchtbare Entwicklung erkennen. Wir erinnern uns, daß schon kurze Zeit nach der Machtübernahme die Bautätigkeit in Gieße» eine starke Belebung erfuhr. Ganze Stadtviertel mit Wohngebäuden entstanden an den verschiedensten Stellen der Außenbezirke des Stadtgebietes. Dazu kamen zahlreiche öffentliche Bauten, die für breite Gebiete der Gesamtwirtschaft und in diesem Rahmen auch für die Gießener Handwerks- und Gewerbezweige von starkem Auftrieb begleitet waren. Insbesondere auf dem Gebiete des Wohnungsneubaues können wir feit der Machtübernahme sehr erfreuliche Leistungen in Gießen verzeichnen. Denn von 1933 bis heute wurden in unserer Stadt rund 550 Wohnungen als Neubauten fertiggestellt und zur Bedarfsdeckung herangezogen. Zu diesen bereits vollendeten Wohnungsbauten kommen weitere 80 Wohnungen für 1937, mit deren Bau jetzt schon zu rechnen ist, hinzu. Zwar wurde auch schon in den Jahren vor der Machtübernahme in Gießen rege gebaut, aber jene Wohnungsbautätigkeit, die sich im Jahre 1929 noch auf 236 Wohnungen belief, schrumpfte mit dem rapiden Fortschritt der Wirtschaftskrise immer mehr zusammen, sank im Jahre 1930 auf 130, im Jahre 1931 auf 71 und im Jahre 1932 gar nur auf 21 Wohnungen. Und dann kam der Aufstieg, der bis jetzt mit 366 Wohnungen allein im Jahre 1936 seine größte Spitze aufzuweisen hat.
Im Gießener Straßenbau sehen wir eine gleiche Entwicklung. Während hier an neuen Straßen im Jahre 1930 ein Umfang von 10 495 Quadratmeter und 1931 eine Leistung von 3343 Quadratmeter, dagegen im Jahre 1932 nichts mehr zu verzeichnen war, wurden im Jahre 1933 wieder 7680 Quadratmeter neuer Straßen fertiggestellt, das Jahr 1935 zeigt schon 11 624 Quadratmeter und das verflossene Jahr 1936 weist einen gewaltigen Sprung auf 41 075 Quadratmeter auf. Dabei ist zu beachten, daß diese Zahlen die Fläche der fertiggestellten neuen Straßen darstellen. An neuen Straßendecken wurden vor der Machtübernahme in den Jahren 1930 insgesamt 2568 Quadratmeter, 1931 nur 1498 Quadratmeter, 1932 wieder 3911 Quadratmeter geschaffen. Nun aber stieg die Leistung im Jahre 1933 auf 7200 Quadratmeter, im Jahre 1934 auf 11 500 Quadratmeter, im Jahre 1935 belief sie sich auf 10 700 Quadratmeter und im Jahre 1936 schnellte sie auf 32 634 Quadratmeter empor. In den beiden letzten Jahren kommen noch an Alleen im Jahre 1935 = 7000 Quadratmeter, im Jahre 1936 = 2800 Quadratmeter hinzu. Im Bau von Schmutz- und Regenwasserkanälen sehen wir eine ähnliche Linie. Noch im Jahre 1932 wurden an Schmutz- und Regenwasserkanälen nur 94 bzw. 34 Ifd. Meter gebaut. In den beiden Jahren vorher kamen diese Zahlen etwa an je 400 heran. Das Jahr 1933 dagegen brachte schon eine Bauleistung von 819 bzw. 1052 lfd. Meter, nach einem verhältnismäßig geringen Rückgang im Jahre 1934 wies das Baujahr 1935 schon wieder 5855 bzw. 3840 lfd. Meter neuer Schmutz- und Regenwasserkanäle auf, bas Jahr 1936 brachte wiederum eine
tung) trugen zum Erfolge bei, der sich in wohlverdient rauschendem Beifall und Blumenspenden äußerte.
„Die schöne Galathee."
Poly Henrions Einakter, Musik von Franz von S u p p 6 , wendet die berühmte kyprische Fabel von Pygmalion — es war bei anderer Gelegenheit mehrfach an dieser Stelle ausführlich davon die Rede — ganz ins Operettenhaft-Parodistische. Man muß an die bekannteren Possen und Verulkungen des klassischen Altertums denken, die noch auf die Stücke der „Vier Nachrichter" einwirkten, wenn der von der Schönheit der von ihm geschaffenen Statue bezauberte Bildhauer die Göttin der Liebe anfleht, der steinernen Gestalt Leben zu verleihen. Der Wunsch geht in Erfüllung: Galathee steigt herab und entpuppt sich, kaum daß sie den Boden in Pygmalions Hause betreten hat, als ein Wesen von ganz unklassischer, höchst irdischer und profaner Weiblichkeit, anspruchsvoll, launisch, tyrannisch und putzsüchttg; Galathee hat einen völlig menschlichen Appetit, schickt den schon ernüchterten Bildhauer Frühstück zu holen, nimmt einen zudringlichen Mischen Mäzen nach allen Regeln der Kunst aus und macht sich munter an den jungen Haussklaoen Ganymed heran, so daß der aus allen Himmeln gefallene Künstler froh ist, seinen Liebling am Ende in die steinerne Leblosigkeit zurückverwandelt zu sehen.
Herr W r e b e als Spielleiter hatte den Einakter ganz auf drastisch-sinnfällige Ulkwirkung inszeniert; Herr Bräuer betreute den musikalischen Part am Pult und fand in den oft gehörten, gefälligen Weisen Supp^s eine lohnende Aufgabe; Herr Löffler hatte den klassischen Schauplatz („auf Säulen ruht sein Dach") mit zeitgenössischem Hausrat, wie Telephon und überlebensgroßer Weckeruhr, sinnreich ausgestattet und aufgelockert.
Ilse La s ku s in der Titelrolle erwachte aus statuarischer Kühle zu höchst koketter und kapriziöser Lebendigkeit und sang ihre leichtgeschürzte Partte mit ziervoller Beschwingtheit. Herr K u e n gab den jungen Pygmalion mit vollem Tenoreinsatz. Herr Hub spielte den Mydas als einen feisten und ge- schäftig mauschelnden Börsianer. Frl. F o r n a l l a z als Ganymed brachte die aktuell aufgemunterten Einlagen im bewährten Soubrettenstil. —
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Das Publikum spendete auch der Neueinstudierung des alten Merkchens freurtb 1 i^en^^ifoII.
neue Leistung von 3665 bzw. 3367 lfd. Meter. An diesen wenigen Beispielen, die wir zahlenmäßig aus dem Gesamtgebiet der Bauwirtschaftsbelebung herausgegriffen haben, ist zur Genüge erkennbar, wie segensreich auch in diesem Frontabschnitt der deutschen Arbeit die Aufbaumaßnahmen des Führers sich ausgewirkt haben. Dabei ist in dieser Betrachtung bas umfangreiche Gebiet ber Jnstanbsetzunas- arbeiten, ber fortlaufenden Hausreparaturen ufro. zahlenmäßig noch gar nicht erfaßt. Wenn man sich vergegenwärtigt, wie viele Handwerkszweige und Gewerbebetriebe und welche große Zahl von schaffenden deutschen Menschen direkt und indirekt mit der Bauwirtschaft zusammenhängen, so kann man eine Vorstellung davon gewinnen, wie breit und belebend der Segensstrom der deutschen Arbeit in ihrer erfreulicherweise gewaltigen Verstärkung geworden ist.
Ein weiteres charakteristisches Merkmal ist aus einigen Zahlen zu erkennen, die wir auf Anfrage vom Finanzamt Gießen mitgeteilt erhielten. Im Rechnungsjahr 1932 belief sich der Gesamtertrag an Reichs st euern im Bezirk des Finanzamts Gießen auf 3 491 994 Mark. Das abgeschlossene Rechnungsjahr 1935 zeigt dagegen beim Finanzamt Gießen ein gesamtes Reickssteueraufkommen in Höhe von 7 230 402 Mark. Soweit das gegenwärtig laufende Rechnungsjahr 1936 in feinen Steuererträgen schon zu überblicken ist, kann damit gerechnet werden, daß der Jahresabschluß 1936 bas (Ergebnis von 1935 roieber um einen sehr ansehnlichen Betrag übertreffen wirb. Bei biefer Entwick
lung bes Steueraufkommens ist noch zu beachten, baß die frühere Kraftfahrzeugsteuer weggefallen ist, mancherlei Familienermäßigung bei der Einkorn» menfteuer deren Ertrag natürlich in gewissem Maße minderten und auch steuerliche Erleichterun» gen für einige wirtschaftlich schwer ringende Berufszweige vorgenommen wurden. Wenn man sich diese Gefamtlage vergegenwärtigt, so gewinnt man auch hier ein überzeugendes Bild von dem starken wirtschaftlichen Aufschwung seit der Machtübernahme.
So sehen wir schon an diesen wenigen Beispielen, die aber in ihrer Bedeutung und in ihrer wirtschaftlichen Auswirkung Richtpunkte der gedeihlichen Gesamt-Aufwärtsentwicklung sind, den sehr erfreulichen Wandel der deutschen Arbeits- und Lebensgrundlagen, den wir seit der Machtübernahme durch die Arbeit unseres Führers Adolf Hitler auch in Gießen erlebt haben. Daraus ergibt sich von selbst für alle Volksgenossen die moralische Verpflichtung, dem Führer und seinem Werk weiterhin mit aller Hingabe und mit voller Einsatzbereitschaft zu dienen, ihm auf allen Wegen seines Wirkens treu und mit vollem Vertrauen au folgen in der Gewißheit, daß überall da, wo Adolf Hitler führt, der deutsche Aufbau und bas Wohl des deutschen Volkes, damit auch Glück und Segen des einzelnen Volksgenossen sind. In unverbrüchlicher Gefolg- schaftstreue werden daher auch die Gießener Volksgenossen weiter unter den Fahnen Adolf Hitlers mit ihm als Führer in eine glückliche deutsche Zukunft marschieren. B.
Aus her prvviuzialhauptstaht.
Som Humor.
Son Reinhold Braun.
Lachen hilft allweil im Leben, hilft beim schwersten Steineheben, hilft beim Kämpfen und beim Wachen. Kameraden müssen lachen.
Mancher Leser erinnert sich gewiß jener Szene in „Minna von Varnhelm", in' der der Major zu dem Fräulein sagt: „Sie wollen lachen, mein Fräulein, ich beklage nur, daß ich nicht mitlachen kann!" Aber bas Fräulein antwortet: „Warum nicht? Was haben Sie denn gegen das Lachen? Kann man denn nicht auch lachend sehr ernsthaft sein? Lieber Major, bas Lachen erhält uns vernünftiger als ber Verbruß!"
Diesen Satz sollte man sich befonbers merken, gerabe bann, wenn es einmal gar zu bick über einen kommt. Wenn mancher sich rückschauend fragt: „Warum konnte ich jenen Schritt tun, ber doch eigentlich im Wiberspruch zu meiner Lebensauffassung steht? Warum konnte ich bamals so hart sein, so bittere Worte gebrauchen? Warum ging ich bamals ben eingeschlagenen Weg nicht zu Enbe? Warum bog ich kurz vor dem Ziele ab?" Unver- ständlich, wirst bu bir selbst sagen. Dann aber wirst bu erkennen, baß bu barum so hanbeltest, weil dich ber Verbruß in seinen Fängen hielt. Du vernebelst bir bie Sicht. Du sperrtest ben guten Einflüssen bie Tür zu; ja, bu machtest ben Verbruß zu deinem Türwächter. Schwach würbest bu auf beinern Wege, weil ber Verdruß an deiner Kraft zehrte. Es ist schon so, wie ber Dogelweibe sagt: „Der taugt nicht, ber nicht Freube hat!"
Die Tauglichen aber müssen wir sein auf jebem Platze, bahin Gott uns stellte. Das muß bie Parole fein: Tauglich bleiben in jeher Lage um meiner Aufgabe willen, für bie Meinen. Tauglich bleiben für mein Volk! ©riesgrämigfeit wirkt zerstörerisch, schnürt die Lebenswurzeln ab. Freude wirkt auf- bauenb, führt in die Kraft.
In der Seelenkunst bes tapferen Menschen nehmen bie Kapitel vom heiligen Lachen unb vom Lächeln einen ihrer Würbe entsprechenben Raum ein; denn bas Lachen ist nun einmal eine der „ernstesten Angelegenheiten" auf biefer (Erbe.
Derbruß lähmt. Humor beschwingt. „Griesgram sieht alles grau. Freube malt grün unb blau." Verbruß macht lieblos. Humor ist unter anberem ein Ausbruck echter Liebe. Verbruß unb Verdrießlichkeit machen bas beste Felb zum Kummeracker. Unb bie Sorgenquecken verfilzen den Grund. Wo aber der Humor fein Werk tut, da sprießen die Halme auch auf dürrem Boden fröhlich ins Licht. Verdruß endet in der Untreue dem Leben gegenüber. Humor hilft zur Festigkeit des Herzens. Verdrießlichkeit macht töricht. Humor hilft beim Weisefein.
Das aber ist die Weisheit des Humors: „Glaubet mehr, so werdet ihr fröhlicher sein."
Humorlosigkeit hängt oft mit Glaubenslosigkeit zusammen. Alle echte Tapferkeit hat zum Gründe ein gläubiges Herz. Gottnähe macht heiter und stark für die Lebensnähe.
Verdruß hat hundert Nein! zur Hand, wo es darauf ankommt, zu handeln. Der Humor aber spricht allezeit, wo er sieht, daß es wert ist, sich einzusetzen, sein helles, zündendes Ja!
Äornotizen.
Tageskalenber für Samstag.
20.15 Uhr Fackelzug vom Ludwigsplatz aus zur Feier des 30. Januar. — Stadttheater: 20 bis 22.45 Uhr „Der Zarewitsch" (NSG. „Kraft durch Freude"). — Gloria-Palast, Seltersweg: „Kinderarzt Dr. Engel." — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Frau des anderen." — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand: 17 bis 18 Uhr Ausstellung ber Delgemälbe, Aquarelle unb Zeichnungen von Professor Otto Dill. — 1900-Maskenball: 20.11 Uhr im Cass Leib. — VfB.-R.: Maskenball in den Räumen des Gesellschaftsoereins.
Tageskalenber für Soynlag.
Stadttheater: 14.30 bis 17.15 Uhr „Der Zarewitsch" (NSG. „Kraft burch Freude"); 19 bis 21.30
Sperber und Falken auf der Iaad im Januar.
Ein grauer, nebliger Januarmorgen war heraufgezogen. Lange dauerte es, bis es Tag wurde. Ein paar Spatzen schilpten am Futterv'latz, eine infame Blaumeise flog ins Futterhaus, bängte sich dann an eine der Futterglocken, hämmerte ein paar Brocken heraus, die zum Teil zur Erde fielen und dort von den hungrigen Sperlingen aufgelesen wurden, und huschte dann wieder eilig davon. Not hatte dieser Winter, abgesehen von wenigen Tagen mit Glatteis, die die Aeste und Zweige der Bäume wie mit einer feinen glitzernden Glasschicht überzogen hatte, den Vögeln noch nicht gebracht, und deshalb kamen sie auch nicht, wie sonst in harten Wintern, in Scharen zum Futterplatz. Zu den wenigen nordischen Gästen, die sich in den letzten Dezembertagen in Gestalt von Dompfaffen, dem größeren Bruder unseres einheimischen Gimpels, und Erlen- und Birkenzeisigen gezeigt hatten, waren neue Arten bisher nicht hinzugekommen.
Aber dieser Januarmorgen sollte eine lieber» raschung bringen, auf die ich am allerwenigsten vorbereitet war. Am Rande der kleinen Heidelandschaft, in der jetzt Besenheide und Glockenheide braun und wie abgestorben stehen und den Boden mit einer gleichförmigen Decke überziehen, aus der sich nur da und dort ein paar lebhaft grüne Büsche der frühen Schneeheide hervorheben, reckt eine starke Eberesche ihre Zweige empor. Im Herbst saß sie voll von roten Vogelbeeren, und auch jetzt hängen noch einige kümmerliche Reste an den Zweigen, auf denen gern die Drosseln sitzen. Auch an diesem Morgen konnte man wieder ein Dutzend Vögel zählen, aber Drosseln waren das nicht, obwohl sie von ungefähr gleicher Größe waren.
Langsam wurde es Heller, und jetzt war auch die Art der Vögel zu erkennen: Seidenschwänze, seltene Gäste aus dem Norden Finnlands und Lapplands, die der Mangel an Beerenfrüchten von dort vertrieben haben mochte. Wie ein Gruß aus einer andern Welt mutete das zarte seidige Graubraun ihres Gefieders an, die große rotbraune Feder- Holle auf dem Kopf, der goldgelbe Saum am Schwanz und die ebenfalls gelbgesäumten Schwungfedern. Das Glas holte sie näher heran, und nun waren auch die seltsamen kleinen Hornschildchen an den Flügeln zu erkennen, die wie Siegellacktröpfchen daran hängen und deren Bedeutung uic mand kennt. Selten nur kommt der Seidenschwanz zu uns, und off vergehen Jahre, bis dieser Fremdling wieder auftaucht.
Die Vögel saßen still und rührten sich nicht, seltsame, vertrauensselige Geschöpfe aus der Einsamkeit der weiten nordischen Landschaft. Dann ertönte ein fünftes, lockendes Düüü und gleich darauf ein leises Trillern: der bescheidene Gesang der Seidenschwänze. Er verstummte und hob dann von neuem an. (Eine ganze Weile ging das so, dann riß er jäh ab, die Vögel flogen auf und warfen sich in ein nahes Gebüsch von Schneebeeren und Holunder. Aber auch das dichte Gestrüpp schützte sie nicht. Ein Hühnerhabicht, der beutelüstern dicht über den Dächern entlanggestrichen war, schlug einen von ihnen und strich dann mit schnellem Schlag feiner kurzen Flügel ab. Die Nordländer flogen zur Weiß- dornhecke jenseits des Gartens und fielen dort ein.
Auch der Sperber hat sich in diesem Winter mehrfach am Stadtrand gezeigt, und er ist ein fast noch schlimmerer Geselle als der Habicht. Hat er einmal einen Futterplatz entdeckt, an dem die Klein- vögel regelmäßig zu Gast sind, dann stellt auch er sich ein und verbreitet Angst und Entsetzen. Wie der Blitz ist er da und greift selten fehl.
(Es war gegen Abend. Zwei Amseln trieben sich nod) auf dem Rasen umher, zwei schöne schwarze Männchen, und stocherten mit ihren zitronengelben schnäbeln in dem welken Fallaub nach Puppen und Käfern. Plötzlich stünden sie den Bruchteil einer Sekunde wie erftorrt still, dünn verschwand die eine mit gellendem ©igigigig in den nahen meterhohen Jungfichten, während die andere in die hohe Blautanne mit ihren weit ausladenden Aesten nach dem Teich zu entkommen suchte. Sie erreichte sie auch, aber hinter ihr her sauste der graue Tod: der Sperber. Am nächsten Morgen aber hingen an dem vertrockneten Kalbenschilf und schwammen auf dem stillen Wasser ein paar schwarze Federn, die tags vorher noch einer Amsel gehört hatten ...
Einmal habe ich auch den Wanderfalken über den Dächern der Stadt jagen sehen. Es war im Winter, als er auf dem Zuge vom Norden kam. Ein Taubenschwarm kreuzte im hellen Sonnenlicht über der Stadt, Kröpfer und einige Tümmler darunter, vielleicht zwanzig an der Zahl. Da zerflat- terte plötzlich, wie von einer Bö auseinanbergerif- fen, der SchroakM. lieber ihm war ein Vogel mit langem Stoß und schmalen und spitzen Flügeln erschienen, der sich in reißend-schnellem Fluge in den Taubenschwarm stürzte, eine der Tauben mit den Fängen ergriff und mit Gedankenschnelle in der Richtung des Kirchturms wieder verschwand. Dort mochte er wohl im sicheren Nest seine Beute zerreißen und tropfen. Na.
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