Generalappell der Ortsgruppe Gießen-Siid der ASDAP.
Die Ortsgruppe Gießen-Süd der NSDAP, versammelte am gestrigen Dienstagabend im großen Saale des Studentenhauses ihre politischen Leiter, Walter und Warte zu einem Generalappell, der überaus stark besucht war. Nach der Einbringung der Fahne meldete der Orgamfationsleiter.Gräf dem Ortsgruppenleiter Holländer die anwesenden politischen Leiter und eröffnete den Appell. Zu Beginn wurde gemeinsam das Lied „Volk an's Gewehr" gesungen und anschließend ein Führerwort verlesen. Dann sprach der Organisations- Amtsleiter von der Bedeutung dieses Appells und führte aus, daß man an der Schwelle des Jahres zusammengekommen fei, um noch einmal Rückschau auf die geleistete Arbeit und Ausschau auf den kommenden Kampfabschnitt zu halten. In der Gemeinschaft müsse man sich für die neue Arbeit rüsten. Vieles sei im letzten Jahre getan und geopfert worden. Was der einzelne geleistet habe, brauche aber nicht besonders herausgestellt zu werden, jedoch was die Gesamtheit unseres Vplkes geleistet habe, werde in aller Zukunft bestehen. Der Organisations-Amtsleiter gab dann einen Bericht aus seinem Arbeitsgebiet. Im nun zu Ende gehenden Jahre seien es, so führte er u. a. aus, vornehmlich organisatorische Aufgaben gewesen, die erfüllt werden mußten. Nämlich: die Aufftellung der einzelnen Zellen und Blocks, und die Eingliederung der NSV., der DAF. und der NS.-Frauenschast in diese Zellen und Blocks. Die Ortsgruppe Gießen-Süd umfasse ungefähr 9000 Einwohner. Die Betreuung so vieler Volksgenossen bedeutet eine große Arbeit. Für das kommende Arbeitsjahr fei zunächst neu die Einführung der Haustafeln, die Aufftellung einer Kartei und weitere Durchgliederung der Zellen und Blocks. Abschließend dankte Pg. Gräf dem Ortsgruppenleiter im Namen aller Anwesenden für die geleistete Arbeit.
Dann gab der Ortsgruppen-Propagandaleiter Blinzig einen kurzen Bericht aus feiner Tätigkeit und sprach über den Sinn einer wirklichen Propaganda, die nicht zu verwechseln sei mit Reklame, denn sie bedeute Werbung für eine Idee und Weltanschauung. Die Propaganda habe der Nationalsozialismus zur Höhe und Stärke geführt. Jeder Mitarbeiter müsse selbst Propagandist für Führer und Nationalsozialismus sein. Zum Schluß richtete er noch einen Appell zur tätigen Weiterarbeit und Mithilfe an die Kameraden.
Der Ortsgruppen-Preffeamtsleiter Dr. B r e u - ning gab dann einen kurzen Rückblick aus seinem Arbeitsgebiet und betonte, daß er im kommenden Jahre sein Amt weiter auszubauen gedenke durch Anlegung eines Archivs und einer neuen Belebung der Ortsgruppen-Bücherei.
Geschäftsführender Amtsleiter Rausch dankte zu Beginn seines Berichtes zunächst seinem Amtsvorgänger, der in vierjähriger Tätigkeit für die Ortsgruppe viel geleistet habe. Dann sprach er noch kurz von seinen Aufgaben und von den Aufgaben des Kassenleiters. Im Mittelpunkt des Abends stand ein Vortrag des
Ortsgruppenleiters Holländer
über das Thema „Führertumim nationalsozialistischen Staat". Der Ortsgruppenleiter gab zi^nächst seiner Freude darüber Ausdruck, daß er am Schluß des nun zu Ende gehenden Jahres noch einmal mit feinen Mitarbeitern Zusammensein könne und dankte allen Kameraden und den Kameradinnen der Frauenschaft für ihte treue Pflichterfüllung im letzten Jahre. Wer von dem Echos unserer Tage erfaßt sei, der werde selbst innerlich stark und erhalte aus dem engen Verband neuen Antrieb und neue Kraft. Wesentliche Voraussetzungen für rechtes Führertum wären Kameradschaft, Verantwortungsfreudigkeit, und vor allem Selbstdisziplin. An Beispielen großer militärischer und politischer Führer wies der Ortsgruppen!eiter nach, wie diese durch die Kraft der eigenen lauteren Persönlichkeit und durch ihre natürliche Bescheidenheit Führer und Vorbild zugleich gewesen seien. Er führte auch aus, daß schöpferisches Führertum jung sein müsse, aber daß dieses Jungsein" nicht mit mit Maßstab des Lebensalters zu messen wäre. Am Schlüsse seiner grundlegenden Ausführungen richtete er einen eindringlichen Appell an alle Mitarbeiter der Ortsgruppe und ihrer Gliederungen, im kommenden Jahre treu und'pflichtbewußt ihren Posten auszufüllen. Jede gründlich getane Arbeit trage Segen und Befriedigung in sich.
Der Organisationsamtsleiter dankte dem Orts- gruppenleiter für seinen Vortrag und versprach im Namen aller Anwesenden weitere treue Mitarbeit. Abschließend wurde des .Führers gedacht und die Lieder der Nation gesungen. Mit der Fcchnenaus- bringung fand der Appell sein Ende. Kameradschaftlich blieb man noch geraume Zeit beisammen.
Aus der Stadt Gießen.
Wecker im Winter.
Das ist im Winter häßlich eingerichtet, daß die Abende nicht nur vorne, sondern auch hinten länger sind als im Sommer; ersteres aus astronomischen, letzteres aus gastronomischen Gründen. Und daß der Morgen schon in der Nacht beginnt. In diesem ersten, lichtleersten und geräuschvollsten Augenblick des Wintertages kommt man immer von neuem zu der Ueberzeugung, daß der Wecker eins der ungemütlichsten Dinge ist, die das erfinderische Hirn des Menschen ersonnen hat. Durch den Wecker werden Leib und Geist auf besonders herzlose Weise wieder geweckt, nachdem sie durch das abendliche Glas Bier für sieben Stunden sozusagen eingeweckt worden waren. Der Wecker verbindet auf beispielhafte Art das Nützliche mit dem Unangenehmen: indem er zugleich Lebenswecker und Traummörder ist.
Freilich verstehen die meisten Menschen nicht, mit dem Wecker umzugehen. Diese Zeilen möchten zum richtigen Gebrauch des Weckers anleiten, auf daß er seine Zweck- und Weckbestimmung ganz erfülle; es soll damit eine kleine Urkunde zur praktischen Uhrkunde geliefert werden.
Auch du, mein Lieber, stellst deinen Wecker auf den Nachttisch, nicht wahr? Auch du packst, sowie sein Morgenruf erklingt, seinen bebenden Leib, er- droffelst mit rascher Hand seine liebliche, Kehle und läßt dich wieder in die Kissen zurücksinken, um nur noch fünf Minuten zu dösen und dich für den neuen Tag zu sammeln. Grundfalsch! Denn was ist die Folge? Du schlässt wieder ein; du verschläfst.
Nein! Du mußt den Wecker an einem mindestens drei Meter vom warmen Bett entfernten Ort aufstellen, etwa auf dem Waschtisch (falls du dich nickt neubaumodischerweise im Badeummer wäschst); sonst aus einem Stuhl oder auf dem Fußboden. Dann kannst du das Zifferblatt nicht erkennen? Das Zifferblatt ist nach meinem Urteil der nebensächlichste Uhrteil am Wecker, und du brauchst es durchaus nicht dicht neben dir zu haben: wenn du nachts zufällig aufwachst, kann es dir gleich sein, ob es erst 24.00 Uhr ist oder schon 0.01 Uhr (Verabredungen hast du ja doch nicht zu dieser Zeit); und wenn das Läutewerk ertönt und deinem Schlummer ein gebieterisches „Halt!" entgegenschrillt, weißt du ohnedies, daß dir bzw. dich jetzt die sechste Stunde geschlagen hat — die goldmundige Morgenstunde. Was bezweckt die Entfernung des Weckers aus deiner unmittelbaren Nähe? Sie zwingt dich, das Bett mit der Geschwindigkeit eines Orkans zu verlassen, um das gräßliche Läutewerk (das natürlich völlig aufgezogen sein muß) abzustellen — es sei denn, du ziehst es vor, behaglich lauschender Zuhörer eines mehrere Minuten dauernden Konzertstückes für eine Soloklingel, einer täglich sich wiederholenden schlechten Uhraufführung zu sein. Hast du aber erst einmal das Bett mit der eisgekühlten Morgenluft vertauscht, dann ist es nutzlos, in seine wohlige Wärme zurückzukehren und noch ein bißchen dösen zu wollen: du bist von diesem Ganzkurzstreckenlauf durch das halbe Zimmer zu sehr aufgeweckt, um überhaupt noch eindrusseln zu können.
Die Art des Weckers ist ebenfalls sehr wichtig^ Auch du, mein Lieber, hast natürlich im Schlafzimmer so ein hübsches, stilvolles, neuzeitliches Weckerchen, das äußerlich kaum etwas von seiner Weckbestimmung verrät und dessen anheimelnd-trauliches, menschenfreundliches Schnarren wenig geeignet ist, einen Tieffchläfer aus dem Reich der Träume in die Wett des Tages zu überführen. Dieses zierliche Schmuckstück stelle auf den Schreibtisch oder aus den Unioersalschrank und benutze es als Zeitangeber. Tu' Geld aus deinem Beutel und erstehe dir eins jener ungefügen, ganz und gar unstilisierten Weckerungetüme, die man hier und dort mit dem sinnvollen Namen „Leichenwecker" bezeichnet. So ein .Leichenwecker" sieht zwar altmodisch genug aus mit seiner mächtigen Messingglocke und mit seinem ungeschlachten Klöppel, aber er hat die kräftige Kehle und den langen Atem — er weckt. Und es nutzt gar nichts, vor seiner Stimme unter die Bettdecke zu fliehen: sie dringt überall hin, erfüllt dich im Bruchteil einer Sekunde mit unbändiger Lebenskraft und wünscht dir gellend und ausdauernd einen recht ftöhlichen guten Winter-Morgen! J.L.
Vornoüzen
Tageskalender für Mittwoch.
Stadttheater: 15 bis 17.30 Uhr „Schneewittchen"; 19.30 bis 22.15 Uhr „Demetrius". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Tango Notturno". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Serenade". — Oberhessffcher
Tianlanlen-Kornödie
Roman von Horst Biernaih.
17. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Zanten nickte befriedigt. Nach einer kleinen Weile aber begann er, gegen die Glasscheiben des kleinen Derschlags zu trommeln. „Sehr gut, Steffens! So fft's richtig! Immer fix arbeiten — das ist die Hauptsache. Tscha... Aber man hätte dem alten Timperly, der schließlich ein auter Freund von mir ist, vielleicht doch antworten sollen, daß ich zusehen würde, was sich in dieser Angelegenheit machen ließe..."
„Verzeihen Sie schon, Käpten, aber das ist ja genau das, was Sie mir weiterzugeben aufgetragen hatten!" versetzte Steffens unerschütterlich.
Zanten sah oen Mann einen Augenblick lang mit einem unheilverkündenden Ausdruck an; dann vergrub er die Hände in den Jackentaschen. „Lassen Sie sich nachher aus der Kantine 'ne Flasche Bier und 'ne Zigarre geben!" knurrte er. „Auf meine Rechnung!"
Er winkte den Ersten Offizier Tweedle heran, einen frühzeitig erkahlten und souertövfischen Mann, der seine Verdienste nie nach Gebühr belohnt sah und sich seit Jahren vergeblich um einen Kapitänsposten bemühte, und trug ihm auf, die Passagierliste so rasch wie möglich in seine Privatkabine zu bringen.
Tweedle entfernte sich brummelnd. Passagierliste bringen —? Verdammtes Laufburschenleben! Uebri- gens faßte er jeden dienstlichen Auftrag als persönliche Beleidigung auf. Die Stewards wußten, daß er zuweilen Opium rauchte und auf den „Seemann" abonniert war, eine kleine Zeitung, die hauptsächlich Stellenvermittlung und Todesanzeigen brachte. Handelte sich's um einen verstorbenen Kapitän, so schnitt Tweedle die Anzeige aus und klebte sie in ein Album. Er sammelte Todesanzeigen wie andere Leute Briefmarken, und es schien ihm Vergnügen zu bereiten ...
Als er kurze Zeit später bei Zanten anklopfte, trank der alte Herr gerade den zweiten Gin, unverdünnt. Er nahm dem Ersten die Liste durch einen handbreiten Türspalt ab, um nicht durch sein schlech-
Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand.
Sladttheater Gießen.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute nachmittag Wiederholung des diesjährigen Weihnachtsmärchens „Schneewittchen" in 6 Bildern nach Grimm von Trude Wehe. Spielleitung Hermann Schultze-Griesheim, musikalische Leitung Heinz Markwardt. Beginn 15 Uhr, Ende 17.30 Uhr. — Am Abend findet die Wiederholung des Trauerspiels „Demetrius" von Friedrich Hebbel, in der Neubearbeitung von Friedrich Forster, statt. Spielleitung Dr. Erich Schumacher.
Militärisches Wecken am Neujahrsmorgen.
Am kommenden Neujahrstage wird wie alljährlich, das Große Wecken unserer Gießener Garnison stattfinden. Zu dem Wecken ist ein Zug des Jnf.- Rgts. 116 unter Führung eines Offiziers in Stärke von 1 Feldwebel, 3 Unteroffizieren und 45 Mann mit dem Spielmannszug und dem Musikkorps des Regiments befohlen. Das Große Wecken wird um 7 Uhr von der Bergkaserne abmarschieren und sich durch folgende Straßen bewegen: Kaiserallee, Moltkestraße, Hitlerwall, Walltorstraße, Lindenplatz, Kirchenplatz, Marktplatz, Mäusburg, Kreuzplatz, Seltersweg, Hindenburgwall, Gartensttaße, Lud- wigsplatz, Kaiserallee, Licher Straße zurück zur Bergkaserne.
Kein Boxunterricht in den hessischen Volksschulen.
Lpd. Der Leiter des hessischen Schulwesens teilt in einer Verfügung mit, daß nach Entscheidung des tes Beispiel, bereits am Nachmittag Schnaps zu trinken, bei seinen Offizieren Schule zu machen, und lief die Liste mit dem Finger ab, bis er den gesuchten Namen gefunden hatte: Earola Holler- thau, vierunüzwanzig Jahre alt, Journalistin, deutsche Staatsangehörige, Kabine elf.
Also das war die holde Circe, die es auf Humphrey Timperly abgesehen hatte? Gar nicht so dumm! Könnte ihr grad so passen, ein Timperly von der „goldenen" Linie. Es gab nämlich einen Seitenzweig der Timperlys, „die Kupfernen" genannt, deren Vertteter sich als Straßenbahnschaffner und Denttsten betätigten — ehrenvolle Berufe, nur weit weniger einträglich als der Pelz- und Fellhandel... Zanten hatte, als Mann in der Nähe der Siebzig, nur noch undeutliche Vorstellungen von dem Aeußeren der jungen Dame. Er entsann sich, sie für recht anziehend, aber für — nach seinem Geschmack — ein wenig zu schlank befunden zu haben. Nun ja: Wie sollte sie auch nicht hübsch sein? Mit schiefen Schültern angette man keinen Timperly ... Journalistin —? Äha! Ein Frauenzimmer also, das für Zeitungen schrieb? Abenteuerlich genug. Muß sich natürlich Herumtreiben. Könnte sonst ja nicht schreiben. Falls sie überhaupt schreibt! Na ja, es kann nicht jeder Schmetterling unter derselben Spitzmarke durch die Welt segeln... Dierundzman- Zig Jahre alt —? Oho, das gefährliche Alter! Noch jung genug, um den Schmelz der Jugend als Vogelleim zu benutzen, aber gerade in den Jahren, um einen Versorgungsposten dem schwierigen und langweiligeren Rupfen goldener Hähne vorzuziehen...
Der alte Onkel Paul war kein Freund diploma- ttfcher Kniffe. Dazu war er viel zu lange Kapitän und Befehlshaber gewesen, ein Mann, dem man widerspruchslos^ gehorchte. Er schob den Morse- stteifen, den Steffens ihm ausgehändigt hatte, in den Aermelauffchlag unter die drei Goldstreifen und trat mit einer gewissen wuchtigen Würde den Gang an, den er im Interesse seines alten Freundes Timperly zu gehen hatte.
Er ging nicht zu dem mißratenen Sohn Humphrey. Zanten war selber einmal jung gewesen und wußte zu genau, wie Söhne die Enterbungsandrohungen ihrer Väter oder deren Stellvertreter in solchen Angelegenheiten aufzunehmen pflegten. Diesen Trumpf brachte er bei dem bewußten Fräulein viel besser und sicherer an.
Reichserziehungsministers das Boxen erst für das HJ.-Alter vorgesehen und somit in den Volksschulklassen nicht zu betreiben ist. Für die Leibeserziehung in der Berufsschule ist grundsätzlich gegen die Heranziehung des Boxens nichts einzuwenden, wenn geeignete und entsprechend ausgebildete Lehrkräfte beauftragt werden können. Zur Ausbildung der Lehrkräfte kommen nur Lehrgänge am Institut für Leibesübungen in Gießen in Frage. Mit Rücksicht auf die für die Fortbildung von Lehrkräften zur Verfügung stehenden Mittel kann ein Lehrgang für Boxen ftühestens an Ostern 1938 eingerichtet werden.
Gchweißlehrgang hessischer Handwerker.
Der Landeshandwerksmeister Hesien (Abteilung GeVerbe-Förderungsstelle) veranstaltete in Gießen einen zehntägigen Schweihlehrgang, der eine so große Zahl von Anmeldungen brachte, daß der Kursus in zwei Abteilungen durchgeführt werden mußte. Der Kursus wurde in der Schmiede der Veterinärkliniken in Zusammenarbeit mit deck Autogen-Derbanü durchgeführt. Wir hatten Gelegenheit, an einer Lehrstunde in der Lehrschmiede der Veterinärklinik teilzunehmen. Mit dunklen Schutzbrillen bewaffnet, standen die Handwerker, die meist aus dem Schmieoehandwerk stammen, vor ihren Arbeitstischen und hantterten mit zischenden Brennern und rotglühendem Eisen. Ein wahrer Funkenregen sprühte durch den Raum, der rings mit Sauerstoff-Flaschen und den sonst notwendigen Geräten angefüllt war. Eifrig standen die Männer über ihre Arbeit gebeugt. Lehrschweißmeister Pit - linski gab die notwendigen Anweisungen und es war eine Freude mitanzusehen, wie schnell die Handwerker das bestimmt nicht leichte Fachgebiet be-
Als er vor Nummer elf stand, hörte er die junge Dame drinnen pfeifen und stellte fest, daß sie rote ein Mannsbild pfiff. Auf sein Klopfen erscholl ein nicht besonders einladendes „Herein!" Er öffnete die unverschlossene Tür:
Das Fräulein war so beschäfttgt, daß sie nicht einmal den Kopf wandte. „Sie haben mir doch versprochen, Humphrey, mich wenigstens bis zum Diner nicht zu stören ..."
„Entschuldigen Sie schon", sagte der alte Zanten, „aber ich bin bloß der Kapitän dieses Dampferchens!" Er war etwas aus der Fassung geraten. Er fühlte sich fast für Humphrey gekränkt. So schlecht behandelte sie also den armen Jungen?
„Kapitän Zanten?" rief sie und eilte ihm ent-^ gegen. „Das ist natürlich was anderes!"
Natürlich ist das was anderes! dachte er murrend und ärgerte sich über den Eifer, mit dem sie ihm den weichsten Sessel hinschob — gerade so, als ob er ein ganz alter Knacker wäre...
Der mächtige Stoß gefüllter Diarien, Notizbücher, Photokästen und Maschinenblätter auf dem Klapptisch unterhalb des Außenbordfensters verwirrte seine Meinung von der leichten Lebensauffassung, die er diesem Mädchen in Gedanken zugeschoben hatte. Nichts von Dessous und sonstigen leichtfertig hingestreuten Weiberkram... Er war fast enttäuscht. Dieses Mädchen schien tatsächlich ernsthaft zu arbeiten?
Carola bemerkte seinen Blick. „Ein barbarisckes Durcheinander! Sie müssen mich entschuldigen, aber ich versuche gerade, ein bißchen Ordnung in diesen Wust von Photos und Papieren zu bringen."
Und Zanten sah, daß sie ein neues Farbband in ihre Maschine hatte ziehen wollen. Ihre Finger waren schwarz, und über der Nase sah ein großer dunkler Fleck. „Sie haben sich da oben an geschmiert", sagte er und tippte auf seine Stirn.
„Sehr?" fragte sie ohne Verlegenheit.
„Na, so 'n Ding wie ein Daumennagel groß."
„Stört es Sie?"
„Mich? Nicht im geringsten."
„Dann lass' ich's, mit Ihrer Erlaubnis, sitzen. Ich verschmiere mich ja doch gleich wieder — weil ich nämlich das Band noch über die andere Spule wickeln muß."
Er trat näher an das Tischchen heran. „Geben
herrschen lernten. Mit der Behandlung der Schwertz- geräte fing es an, dann mußten Blindraupen und Bödelnähte geschweißt werden und dann die einzel» nen Metallarten wie Gußeisen, Temperguß, Kupfer, Messing und Aluminium. In Vorträgen (Herren Albrecht und H a s s e l b a ch) wurden die Handwerker über das Wesen der einzelnen Schweißver-- fahren und dessen wichtigste Anwendungsgebiete unterrichtet. Das Berufsbild des Schmelzfchweißers hat sich in den letzten Jahren so klar herausent- wickelt, daß die Industrie dazu überging, Fachwerker nach planmäßiger Lehrzeit heranzubilden. Der Bedarf an Schweißern in der Industrie ist so groß geworden, daß ein Mangel an schweißtechnisch durchgebildeten Handwerkern eintrat. Deshalb schul man diese, Lehrgänge.
Im Krausmüllersaal der Kreishandwerkerschafk fand der Abschluß des Lehrgangs statt. Der Leiter der Gewerbe-Förderungsstelle beim Landeshand-
Sei Erkältung, Grippegesahr
trinlen viele aus alter Gewohnheit größere Mengen Alkohol. Das ist dem geschwächten Organismus nicht immer zuträglich und strengt namentlich das Herz imnöttg an. Als unschädlich und wirksam kann folgende Schnellkur empfohlen werden: Je einen Eßlöffel Klosterfrau-Melissengeist und Zucker rn einer Tasse gut umrühren, kochendes Wasser hinzugießen und möglichst heiß zwei dieser wohlschmeckenden Mischungen vor dem Schlafengehen trinken (Kinder die Hälfte). Zur Nachkur noch einige Tage die halbe Menge oder je eine Tasse heißen Tee mit einem Teelöffel Klosterfrau-Melissengeist.
Klosterfrau-Melissengeist erhalten Sie bei Ihrem Apotheker, Drogisten oder in Reformgeschäften in Z-laschen zu NM. 2.80,1.65 und 0.90. Nur echt in der btauen Packung mit den drei Nonnen,- niemals lose. Ausschneiden und aufbewahren!
werksmeister, Pa. Spieker, Direktor Hassel- dach und Herr Albrecht vom Autogen-Derb and, hiellen Vorträge, die durch Lichtbilder ergänzt wurden. Anschließend lief der Lehrfilm: „Schweißen und Schneiden". Zum Schluß sprach Pg. Spieker über die Bedeutung der Schweißtechnik und wies bann auf die Notwendigkeit der Schulung des gesamten Handwerks hin. Er ermahnte die Teilnehmer, die erworbenen Kenntnisse zu vertiefen und in der Praxis mitzuarbeiten an dem großen Werk des Vierjahresplans. Direktor Hasielbach übergab anschließend den Handwerkern die Bescheinigung des Autogen-Verband über den erfolgreich absolvierten Lehrgang.
Kreishandwerksmeister S t ü h l e r, der den örtlichen Kurs organisiert hatte, schloß nach eindringlichen Worten an die Kameraden mit dem Gruß an den Führer.
Oberhessischer Gebirgsverein, Ortsgruppe Gießen.
Man schreibt uns: Ein schönes erfolgreiches Wanderjahr neigt sich wieder seinem Ende zu. Es brachte unserem regen Gemeinschaftskreis viel Neues und Schönes in reicher Abwechslung. Weite, herrliche Streifen in bekannte und fremde Gebiete, viele Ab end f p azi ergänge rund um Gießen und eine anregende Geselligkeit in den Monatsversammlungen und sonstigen Veranstaltungen des Vereins. Doch das köstlichste von allem ist und bleibt dock das Wandern selbst. Das Wandern im Kreise froher Menschen. In zweckmäßigem Wanderdreß, das Ränzel geschnürt und ein Lied auf den Lippen hinaus in Gottes schöne, weite Welt.
Ob lachende Sonne die Wege säumt, die Natur von Auferstehung erst träumt, ob leise das Bächlein durch Wiesengrund zieht, still lauschend der Nachtigall Minnelied, ob blinkende Sensen im Sonnenglanz verschaffen dem Landmann den Erntekranz, ober ob schwere Regenwolken sich senken, und segnend die durstige Erde tränten, der Wanderer durchwandert, was um ihn steht, und seine Seele ist wie ein Gebet.
So ist das rechte Wandern eine Sportart für sich. Es stählt den Körper und erfrischt den Geist. Ist die Natur nicht ein großer Lehrmeister jedem, der chre Sprache versteht? Zeigt sie ihm nicht in verschwenderischer Fülle Wunder über Wunder in Pslanzen- unb Tierreich? Weckt sie nicht neue Erkenntnisse, die auf Grund der Bobenbescha sfenheit und der klimatischen Verhältnisse unserer Heimat sich ihm allerorts aufbrängen. Wie erfreut sich der Wanderer an jedem schmucken Dörfchen, das aleichsam Schutz suchend tief eingebettet liegt in malerischem Grund; er stellt Betrachtungen an über Lebensverhältnisse und Arteigenheit der Bewohner, ihrer Bauweise
Sie mal her!" brummte er. „Und sagen Sie mir, wie man so was macht!"
„Auf keinen Fall!" widersprach sie und drückte ihn mit sanfter Gewalt in den nächstbesten — etwas wackeligen — Rohrsttchl nieder.
Er duldete die zarte Vergewaltigung widerspruchslos; er schnurrte sogar ein bißchen, wie ein Kater, den man streichelt. Mußt' es der Teufel, aber unangenehm war das Frauenzimmer nicht? Sie hatte so eine Art — so eine selbständige und überlegene Art — na, jedenfalls nicht die Art, einen Mann zu behandeln, wie ein Flitscherl sie hat ... Er schob den knisternden Kabelstreifen tiefer unter den Aermelauffchlag. „Ich hoffe, Sie werden gut arbeiten können, Fräulein Hollerthau?" murmelte er. „Ein stilles Schiff, meine ,Catharinas Aber wer auf ihr führ, war noch immer zufrieden."
„Davon bin ich überzeugt."
„Und wenn Sie mal irgendeinen besonderen Wunsch haben sollten — vielleicht sich ’n bißchen auf der Brücke umzusehen ober im Maschinenraum —, dann können Sie ruhig zu mir kom- men. Ich führ' Sie da gern ein wenig herum ..
„Danke, Kapitän Zanten! Das ist außerordentlich nett von Ihnen, und ich werde gern Ihre Freundlichkeit in Anspruch nehmen."
Eine Pause entstand. Eine ziemlich lange Pause. Carola sah Zanten erwartungsvoll an.
Dessen Blick irrte durch die kleine Kabine und glitt über Carolas blonden Scheitel durchs Fenster in die blaue Luft. „Mächtig viel Blumen hier...", bemerkte er schließlich etwas unvermittelt. Er hoffte, durch diese Feststellung feinem eigentlichen Ziele näher zu kommen.
„Von Humphrey Timperly", nickte sie arglos.
„Sie sind doch ein Onkel von ihm, nicht wahr?" „Ja, ich bin so eine Art Großonkel von ihm. Das heißt: Ich kenne ihn und seinen Vater von klein auf und habe auch noch mit seinem Großvater manche Partie L'hombre gespielt — damals in den achtziger Jahren, als das verdammte Poker noch nicht die Welt beherrschte."
„Da hätte ich Ihnen eigentlich mehr Einfluß auf Humphrey zugetraut ..."
„Wie meinen Sie das, Fräulein?" (Forffetzung folgt)


