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Präsidenten vor, der auf sieben Jahre zu wählen ist. Dem Präsidenten wird die Aufgabe eines Staatsoberhauptes zugewiesen, während die tatsächliche Regierung durch den Minister­präsidenten ausgeübt wird, der in Zukunft die BezeichnungTaoiseach" führen wird. Die Ver­fassung sieht ferner ein Unterhaus und einen Se­nat vor. Der Tag der neuen Verfassung wird' in ganz Irland mit einem feierlichen Gottesdienst be­ginnen. Während der Vereidigung der Regierungs­beamten und Oberrichter auf die Verfassung wird ein Salut von 21 Schuß abgefeuert.

lasches Vordringen der Japaner in Gchantung.

Tokio, 28. Dez. (DNB.) Die japanische Nach­richtenagentur Domei meldet Einzelheiten über die japanischen Operationen in der Provinz Schantung, in östlicher Richtung entlang der Kiautschau-Bahn und nach Süden längs der Bahnstrecke Tientsin Pukau. Die Abteilung Nagano hat den an der Kiautschau-Eisenbahn gelegenen Ort Lung sch an besetzt, 20 Kilometer östlich von Tsinan. Eine an­dere Gruppe hat das 90 Kilometer östlich von Tfinan gelegene K a u t s u n eingenommen. Die chinesischen Schantungtruppen, die von den Gene­ralen Yunsuehtschung und Tschukuanglieh befehligt werden, halten noch die Stadt W e l h s i e n , 210 Kilometer östlich von Tsinan, die rund 300 Kilo­meter östlich Tsinan gelegene Stadt Kaomi und Tsingtau. Dort sollen alle japanischen Spinne­reien und Kaufläden nach vorhergehender Plünde­rung von den Chinesen in die Luft gesprengt worden sein. Krankenhäuser und Schulen, die bis­her noch nicht zerstört worden sind, sollen bereits

unterminiert worden sein in der Absicht, sie dann in die Luft zu sprengen, wenn sich die japanischen Truppen der Stadt nähern. Die Mehrzahl der in Tsingtau wohnenden Amerikaner hat die Stadt be­reits verlassen.

Englands Lebensmiiielversorgung im Kriegsfall.

London, 29. Dez. (DNB. Funkspruch.) Wie der Daily Herald" erfahren haben will, haben das englische Handelsamt und der Verteidigungsminister Jnskip sich ein Rückgriffsrecht auf die gesamte kanadische Weizenernte gesichert, als Teil eines großen Planes zur Aufstapelung von Lebensmitteln für den Notfall. Nicht mehr benutzte Häfen an der Süd- und Westküste Englands und Schottlands sollen Mittelpunkte für eine derartige Aktion werden, statt der leicht an­greifbaren großen Häfen. Auch sollen Vorräte an Konserven und Rohfett angelegt wer­den.

Vor erneuter Verstärkung der amerikanischen Kriegsflotte.

Washington. 28. Dez. <DNB.) Präsident Roosevelt erklärte, daß die Entwicklung der inter­nationalen Lage seit dem Frühherbst ihn vielleicht veranlassen würde, weitere Mittel für zu­sätzliche Kriegs sch i ff sbauten zu bean­tragen. Im laufenden Etatsjahr werden zum ersten Male se/t vielen Jahren zwei Linienschiffe gleichzeitig gebaut werden. Im Voranschlag für das nächste Haushaltsjahr sind zwei wei­tere Linienschiffe angefordert worden,außer­dem zwei große Kreuzer, sechs Zerstörer, sechs Unterseeboote und sechs Hilfsschiffe

schen Koma Carol und dem neuen Ministerpräsi­denten Ansprachen gewechselt. König Carol er­klärte dabei:Sie beschreiten einen neuenWeg, einen Weg, dessen LosungswortN a t i o n a l i s - m u s" heißt. Es ist ein schönes Losungswort, aber es ist schwer zu verwirklichen. Alles dies wußte ich, als ich Sie berief, Ihre Aufgaben erfüllen." Die neue Negierung so führte er weiter aus stütze sich auf die Kraft des Nationalismus und auf den Bauer. Dies seien die Symbole der Vereinigung in der neuen Regierung. Anschließend wünschte König Carol der neuen Regierung segensreiche Arbeit. Ministerpräsident Octavian Goga dankte dem König für das Vertrauen und erklärte, er sei sich der Zeit vollkommen bewußt, in der die Grundlagen des Frie­dens in der Welt sich noch nicht geklärt hätten, und in der Rumänien von einem u n b e ft rett­baren seelischen Aufruhr beherrscht werde, den er a l s Auftakt zu großen schöpferischen Werken befrachte. Die ch r i st- lich-nationale Idee bilde die Grundlage seiner Regierungsauffassung. Die Regierungsarbeit werde sich in erster Linie der Bauernschaft, der größten Stütze des Staates, zuwenden Goga gab der unverbrüchlichen Treue des Kabl- nettszurKrone Ausdruck.

Die neuen Miner.

Drei nationalzaranistische Minister aus der Partei ausgeschlossen.

Ministerpräsident Goga stammt aus Sieben­bürgen, ist in Reschinar bei Hermannstadt geboren und als Dichter bekannt. Er ging seinerzeit aus ber österreichisch-ungarischen Monarchie nach Altrumä- nien, wo er für bie Vereinigung aller Rumänen kämpfte. Er gehörte verschiebenen Parteien an und schloß mit Cuza später den Bund, der die Christlich- Nationale Partei begründete. A. C. Cuza, der der Regierung als Staatsminister angehört, ist der Begründer der Christlich-Nationalen Verteidigungs­liga und kämpft seit 40 Jahren für den Anti­semitismus. Sei Sohn G. A. Cuza gehört ebenfalls der Regierung als Arbeitsminister an. Der Außenminister Jstrate M i c e s c u war bisher Dekan der Bukarester Rechtsanwaltskammer und >ist ein bekannter Rechtsanwalt. Der Minister für Landesverteidigung General Antonescu war früher stellvertretender Chef des Generalstabes «und dann eine Zeitlang Armeekommandant. Er ist noch ziemlich jung und gilt als ein sehr energischer Mann. Der Finanzminister Savu war bisher Mitglied des Derwaltungsrates der Nationalbank. Der Luftfahrt- und Marineminister I r i m e s c u fleh orte auch der früheren Regierung an. Der Industrie- und Handelsminister Gigurtu kommt aus der Industrie. Er ist der Generaldirektor ber Mica-Aktiengesellschaft, bie vor allem Golb- unb sonstige Erzvorkommen in Rumänien ausbeutet. Ilnterrichtsminister Petrovici ist Professor für Philosophie in Jassy unb hat auch viele Werke über beutsche Philosophen veröffentlicht. Der Minister für Kultus unb Schöne Künste Professor L u p a s ch ist Professor an ber Universität Klausen­burg.

Der Regierung gehören ferner drei Mitglieder der Nakionalzaranistischen Partei an, die aber infolge ihres Beitritts zur Regierung von der Nationalzaraniftifchen Partei ausgefchlof- s e n wurden. Das find der Innenminister Armand Calinescu, der aus Argefch, der alten Kxö- nungsstadt, stammt und sich selber emporgearbeitet hat. Er genießt großes Ansehen. Der Landwirt- schaftsminister P o t a r c a und der Justizminister Radulescu-Mehedintz sind seit langem führende Mitglieder der Nationalzaranistischen Partei.

Das Scho in Varis.

Paris, 29. Dez. (DNB. Funkspruch.) Das neue rumänische Kabinett findet im größten Teil der Pariser Presse keine sehr freundliche Auf­nahme. Neben der Ablehnung iedroeben autori­tären Charakters, der ber französischen Mentalität widerstrebt, befürchtet man vor allem einen Wechsel der bisherigen außenpolitischen Orientierung. Die Persönlichkeit des neuen rumänischen Ministerpräsi­denten Goga wird besonders kritisch beleuchtet.

Dem neuen Außenminister wirst man vor allem antisemitische Einstellung vor, spricht ihm aber hohe Kultur und Intelligenz nicht ab.Echo be Paris" schreibt, daßbie eigensinnige Handlung des Königs Carol keine Neuigkeit" darstelle. Man werde sicher­lich erzählen, daß die Zusammenarbeit mit Frank­reich dieselbe bleiben werde. Davon würden aber nur diejenigen überzeugt sein, die es gern wollten. Was werde aus Versprechen werden, die Rumänien dem General Gamelin und letzthin noch dem Außenminister D e l b o s gegeben habe.

Journal" erklärt, Goga verkörpere das natio­nale und große Rumänien. König Carol habe sich an einen Patrioten gewandt, um eine Regierung außerhalb der alten Parteien zu bilden.Excelsior' warnt vor übereilter Kritik. Man müsse die Arbeit der neuen Reaierung sehen und dann urteilen. Dem gesunden Verstand König Carols müsse man Ver­trauen entgegenbringen. Der König habe noch nie geäußert, die Politik Rumäniens gegenüber Frank­reich, der Kleinen Entente unb ber Genfer Liga zu ändern.

Polen zumKabmettswechsel in Bukarest

Warschau, 29. Dez. (DNB. Funkspruch.) Gazeta Polska" betrachtet bie Vorgänge in Rumä­nien als ein Zeichen für bas Erftarken ber nationalen Richtung im Lanbe bcs polni­schen Bundesgenossen. Das Blatt unterstreicht, daß die Partei Goga seinerzeit Titulescus Politik scharf angegriffen und einen weiteren Ausbau des Bündnisses mit Polen ge­fordert habe. Professor Micescu, der neue Außenminister, sei eines der Gründungsmitglieder des polnisch-rumänischen Rechts'aus- schusses, der gleichfalls für engste Beziehungen mit Polen eingetreten fei.

©er Kampf um Teruel.

Front von Teruel, 29. Dez. (DNB.) Die Truppen des Generals Arandas konnten am Diens- tay erheblich an Boden gewinnen und ver­drängten den Gegner aus wichtigen Stellungen, wobei es zu heftigen Nahkämpfen kam. Das Ope­rationsgebiet ber beiden Flügel, die bie Umklamme­rung ber bolschewistischen Belagerer durchführen, umfaßt bereits 30 Quadratkilometer. Die Bolsche­wisten gehen immer mehr in die Abwehr über. Bol­schewistische Gegenangriffe im Abschnitt (Taube an ber Straße nach Saragossa scheiterten im heftigen Maschinengewehrfeuer ber Nationalen. Die natio­nale Heeresleitung steht mit ber Garnison von Teruel in ständiger Funkverbinbung; in Teruel herrscht eine zuversichtliche Stimmung.

Die neue irische Verfassung.

Dublin, 28. Dez. (DNB.) Am 29. Dezember tritt bie neue Verfassung des Irischen Freistaates in Kraft. Von diesem Tage an wird Irland wieder den NamenE i r e" (Irland) und nicht mehr die BezeichnungIrischer Freistaat" führen. Der Tag wird in Irland als ein besonderer Triumph b e Valeras angesehen, der die neue Verfassung ge­schaffen hat. Der NameEire" verankert symbo­lisch den Anspruch auf die Einigung ganz Irlands. Die irische Presse hebt hervor, welche Gebiete noch zu Irland gehörten. Das sei insbe­sondere Nordirland mit einer Bevölkerung von einer Million Menschen, das Großbritannien angegliedert ist. Weiter seien in britischem Besitz geblieben: Lough Swilly, Cobh (Queenstown) und der Dockhafen bei Berehaven. Ferner habe Groß­britannien Landerechte für Flugzeuge in der Nähe dieser Häfen, das Recht, Oeltankanlagen unter der Kontrolle der britischen Admiralität zu unterhalten, das Recht, Kabel zu kontrollieren, die bei diesen Häfen landeten, bie Kontrolle ber Küstenbefeue­rung usw.

Die neue Verfassung bestimmt, baß Irlanb nicht ben Krieg erklären barf, ohne baß hierzu bas Irische Parlament, ber Dail, seine Zustimmung ge­geben hat, es sei denn, baß eine Invasion in Jr° lanb ftattfinbet; ber König von Großbri­tannien wirb in ber neuen Verfassung nicht er­wähnt, jeboch hat er eine formale Vertre­tungsbefugnis nach außen erhalten. Die Verfassung sieht bie Einsetzung eines irischen

Die Toten des Lahres 1931.

4. Januar: Paul Behnke, Admiral. 24. Ja­nuar: Leo Pasetti, Münchener Bühnenbildner. 4. Februar: Robert Sommer, Gießener Psychia­ter. 7. Februar: Elihu Rooth, amerikanischer Politiker. 10. Februar: Lou Andreas-Sa­lo m 6, deutsche Schriftstellerin. 25. Februar: Hans Achelis, Leipziger Kirchenhistoriker. 2. März: Peter Bruckmann, Mitbegründer des Deutschen Werkbundes. 7. März: Rudolf Otto, Marburger Theologe. 13. März: Arthur Hüb­ner, Berliner Germanist. 16. März: Sir Austen Chamberlain, ehemaliger englischer Außen­minister. 18. März: Franz R e no t o r f f, Leip­ziger Theologe. 19. März: Felix Graf von B o t h m e r, bayerischer Generaloberst. 21. März: Wilhelm Bänger, Senatspräsident beim Reichs­gericht.

5. April: Adolf De mann, Berliner Theo­loge. 13. April: Otto von FranquS, ehe­maliger Gießener Gynäkologe. 18. April: Max v. G a l l w i tz , General der Artillerie. 24. April: Willy Rehberg, Mannheimer Pianist. 26. April: Friedrich Oetker, Würzburger Straf­rechtslehrer. 7. Mai: Ernst August Lehmann, Kapitän des LZ. .Hindenburg". 9. Mai: Wal­ter Mittelholzer, Afrikaflieger. 15. Mai: Lord Philipp Snowden, ehemaliger britischer Schahkanzler. 23. Mai: John 9t o rf e feiler, amerikanischer Petroleumkönig. 26. Mai: Paul Kramarsch, tschechischer Politiker: Ludolf von Krehl, Heidelberger Internist. 28. Mai: Her­mann Kerschen st einer, Münchener Chirurg. 29. Mai: 31 Matrosen des Panzerschiffes Deutschland". 3. Juni: Don Emilio Mola, nationalspanischer General. 9. Juni: Hans von Haeften, preußischer General. 18. Juni: Gaston Doumergue, ehemaliger Prä­sident der französischen Republik. 20. Juni: Al­banus Schachleitner, Benekti-ner Abt. 29. Juni: Adolf Erman, Berliner Aegyptologe.

10. Juli: Theodor ft ö Kirfer, Leipziger Ortho­päde. 15. Juli: Walter Simons, ehemaliger Reichsgerichtspräsident und Reichsaußenminister. 17. Juli: Wilhelm Zoellner, Generalsuperinten- bent. 19. Juli: Amelia Earharbt, Fliegerin. 20. Juli: Guglielmo Marconi, Erfinder der Funkentelegraphie. 27. Juli: Wilhelm von

W a l d o w , ehemaliger preußischer Staatsmlmster. 30. Juli: Hans von Rosenberg, ehemaliger Reicksaußenminister. 4. August: Philalethes Kuhn, Gießener Hygieniker. 11. Auaust: H. G. Röhr, Automobilkonstrukteur: Alfred Wilm, Erfinder des Dur-Aluminium. 16. August: Elard von Oldenburg-Ja nufchau, Führer der Ostdeutschen Landwirtschaft. 24. August: Gustav Schlieper, Bankier: W a ß n e r, Kontreadmiral. 26. August: Andrew Mellon, ehemaliger amerikanischer Schatzsekretär. 30. August: Adele Sanbrorf, Schauspielerin. 31. August: Karl Schwabe, Flieger. 2. September: Baron Pierre de Coubertin, Begründer ber modernen olympischen Spiele 8. September: Pierre Quesnay, französischer Bankier. 14. Septem­bers Thomas Massaryk, Erster Präsident der Tschechoslowakischen Republik. 20. September: von Gerok, General der Infanterie.

5. Oktober: Richard von Hertwig, Münckener Zoologe. 7. Oktober: Joseph Vogt, Bischof von Aachen: Renate Müller, Schauspielerin. 10. Oktober: E r n st Ludwig, ehemals Großher­zog von Hessen und bei Rhein; Melchior Lechter, Maler. 15. Oktober: Bernhard Dernburg, ehemaliger Staatssekretär des Reichskolonialamtes. 20. Oktober: Lord Rutherford, britischer Physiker. 23. Oktober: Roland Strunk, Jour­nalist. 26. Oktober: Georg Domizlasf, Reichspostdlrektionspräsident. 1. November: Felix von Kraus, Münchener Kammersänger. 9. November: Ramsey Macdonald, ehemaliger britischer Ministerpräsident. 12. November: Franklin-Bouillon, französischer Politiker. 16. November: Eleonore, vormalige Groß­herzogin von Hessen und bei Rhein; Georg Do­natus, Erbgroßherzog von Reffen mit Frau und Zwei Kindern; Arthur Martens, Segelflieger. 24. November: Friedrich Klock mann, Aachener Mineraloge. 4. Dezember: Erich Lexer, Mün­chener Chirurg. 5. Dezember: Werner Körte, Berliner Chirurg 19. Dezember: Paul Mar­tin, Gießener Veterinärmediziner. 20. Dezem­ber: Erich Ludendorff, deutscher Feldherr des Weltkrieges. 21. Dezember: Frank Kellogg, ehemaliger amerikanischer Staatssekretär. 23. De­zember: Paul Ernst, Heidelberger Pathologe.

Okkultes Erlebnis in der Badewanne.

Don Gart Georg von Maaßen.

Herrlich, herrlich, so ein heißes Bad in der ge­räumigen Wanne. Romantisch-mondbeglänzte Zau­bernacht. Don der Decke herab durch eine Glühbirne von 40 Watt stilvoll inszeniert. Ich finge wie ein Troubadour. Die Stimme klingt tief und voll. Eine vortreffliche Akustik herrscht doch im Badezimmer!

Als Boot lasse ich das Badethermometer herum- schwimmen. Meist treibt es sich in der Gegend mei­ner Füße umher, nur selten schießt es einmal in flotter Fahrt nach oben zu. Dann stößt' es gegen meinen Brustkasten, der wie das Vorgebirge Athos aus den Fluten herauswächst.

Bald ist es wieder südlicy in der Fußgegend, also schon über das Kap der guten Hoffnung hinaus. Da unten tropft aus beträchtlicher Höhe die Nil- quelle heiß aus dem Warmwasserhahn. Es geht: Ping pang pang päng--päng pong

ping. So immerfort einlullend in alle Ewigkeit. Es klingt ganz chinesisch.

Ich sehe bunte Papierlaternen in sanftem Licht schimmern. Allerlei phantastisches Volk gaukelt um mich her. Blasse gelbliche Gesichter mit dunkel glühenden Augen. Eine verrückte Architektur; ge­schweifte, gezackte Dachbalken, Drachenköpfe über mir. (Enge, dämmrige, verheißungsvolle Hausein- flöngc.

(Er schließt nicht recht, dieser Wasserhahn. Er plaudert ununterbrochen fort wie eine Dohle. Ich lausche der Melodie. Ich fühle mich wohl. Es ist so schön warm um meinen Körper, ach so tropisch warm ist es in der Badewanne.

Die Nilquelle singt unentwegt. Ich bin jetzt in Afrika, sitze am grünen Nil das Wasser ist tat- sächlich leuchtend grün. Aber nein, ich bin eine Insel im grünen Nil, bewachsen mit einigen Kräu- fern, Lotosblumen, Algen. Die Insel träumt im heißen, grellen Licht der Tropensonne (siehe oben: 40 WattL Nein, diese melodisch plätschernde, plap­pernde Nilquelle! Wundervoll! Das 'Boot, rich­tig das Boot. Don Thermometer keine Spur mehr. So eine Art Torpedoboot ist es, auch als Untersee­boot trefflich zu brauchen. (Es laviert, ganz kokett, beständig um die Nilquelle herum. Der Wasserhahn ich bemerke es erst jetzt, sieht neugierig, beinah lauernd auf bas Tropedoboot hinab. Eben hat er noch piik ki pük gemacht, dann tük, tük, tük. Plötzlich hält er den Atem an. Kein Tropfen fällt.

Ich schaue äußerst gespannt. Das Boot steht fast unmittelbar unter der Deffnung des nach unten starrenden Hahns.

Da läßt dieser plötzlich und so überraschend, daß ich zusammenzucke, zwei Tropfen fallen. Nur zwei: Pik pof! Dann hält er sofort wieder an. Er hatte irgendeine ganz bestimmte Absicht damit, das merkte ich deutlich. Aber welche?

Plötzlich läßt er wieder zwei Tropfen fallen: Pi pük! Aha, jetzt merke ich, was die Quelle da oben will. Sie will das Boot mit einem Tropfen treffen. Ob wohl auf eine ganz bestimmte Stelle, ober nur so allgemein? Warten wir es ab. Bisher ist das Boot jedenfalls allen Tropfen geschickt aus- gewichen. O je! Nun ist es außer Reichweite!

Himmel, was macht da dieser abgefeimte Schlin­gel, dieser schlaue Teufel von Babehahn? Unsere mit allen Hunden gehetzte Nilquelle da oben? Herunter kann sie nicht, drehen kann sie sich auch nicht, weiter oder kürzer spucken ebensowenig. Also was macht sie?

Sie macht plötzlich: Pa pi pa pi pa! Ganz rasch läßt sie einige Dutzend klingender und singender Tropfen fallen, damit die Wasser­fläche in Bewegung kommt und das Torpedoboot sich dreht.

Und richtig: es dreht sich und schwimmt wieder auf die Senkrechte des Tropfenfalls zu. Und so­gleich ist der Hahn mäuschenstill und wartet. Hallo! Nun steht das Boot genau unter seinen hinab- stierenden Augen. Das ist ja die grausame Skylla. Ich spähe, ob nicht der ruhmreiche Held Odysseus dort auf dem Torpedoboot stehl. Offenbar nicht aber was ist passiert? Zwei schnelle Tropfen fielen: Puk pöf!

Oho, jetzt weiß ich es: nicht den Nabel des Tor­pedobootes will die Quelle treffen, sondern sein Hauptorgan, seine Seele, die Quecksilberkugel am Heck nämlich. Der Silberblick, der schöne Glanz hat es ihr angetan. Das Boot so scheint es mir wenigstens hat Spaß an der Sache gefunden, es flieht nicht. (Es wartet neugierig ab, ob dem Hahn feine Absicht gelingen wird. Kokett schaukelt es auf den grünen Wogen des breiten Nils. Der Hahn zielt noch einmal bedächtig: Ping pong! Wahr­haftig, ich glaube, jetzt hat er getroffen! War es nicht, als ob er leise gelacht hätte? Ich blicke scharf hin. Mir scheint beinahe, er grinst über bas ganze Gesicht. Unb bas lotpcboboot hat gepfiffen, ganz leise.

Das Boot dreht langsam ab. Unb nun hämmert ein wahnwitziger Tropfenfall aus bem Maule bes Hahns Verzeihung! aus der Nilquelle. Es

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ist das reinste Triumphlied, das sie anstimmt. Eine dahinstürmende Melodie.

Eines ist mir aber klar. Das ging nicht mit rech- ten Dingen zu. Ein ordinärer Wasserhahn tropft entweder langsam oder er tropft schnell, aber nie­mals wechselt er fein Tempa fo willkürlich, mal so und mal fo. So was tut ein simpler Hahn nicht. Nur ein denkender, ein lebendiger tut das.

Dem Bad entstiegen, im Bette liegend, höre ich noch lange den Singsang der Nilquelle. Die Tür zum Badezimmer steht offen. Ganz übermütig, aus­gelassen klingt es mit: Ta ta ta ta ti ti ti. Trällernd, voll schalkischer Neckerei singt der Hahn, die Quelle vielmehr, eine Tanz­melodie.

Ein gelindes Grauen kommt langsam über mich, deckt mich immer beklemmender zu. Ich spüre die Dämonie einer mir unbekannten Geisterwelt.

©er klücste Hund.

Asta von Herrenfeld 28549.

Der klügste Hund ein Superlativ, von dem überzeugend zu schreiben gar nicht so leicht ist. Und doch ist Asta von Herrenfeld unzweifelhaft der klügste und gescheiteste Hund, den es gibt. Asta ist ein schöner Airdale-Terrier und wohnt im Hause bes Hauptlehrers Fritz zu Breitbrunn, hart am Ammersee im Oberbayerischen. Hier erhielt die sechs Jahre alte Hündin, die nebenher den Kosenamen Bessy trägt, von der Gattin des Lehrers, Frau Rosemarie Fritz, einen Unterricht, der eigentlich über die Belange eines durchschnittlichen Hunde- lebens weit hinausgeht. Hier wurde Bessy mit Mathematik, Färb- undSprachlehre" so gut ver­traut, daß die Tierpsychologen ihre helle Freude an ihr haben. Längst haben alle großen inter­nationalen Varietsbühnen Frau Fritz die verlockend­sten Angebote für Gastspiele mit Bessy gemacht, doch hat sie stets abgelehnt. Sie möchte nicht, daß Bessy mit den simplen Dressurakten wie es sonst diegelehrigen Hunde" sind auf eine Stufe ge- stellt wird. Und das ist richtig, denn Bessys Leistun­gen beruhen keineswegs auf irgendeinem wohlaus- geflügelten Trick.

Wir wohnen einer Vorführung Beffys bei, die im Rimmer vor einer großen Wandfchiefertafel ftattfinbet. Bessy setzt sich auf einen kleinen Hocker davor, an bem ein kleines Brettchen befestigt ist, bas Bessy zum gelegentlichen Aufschlagen mit ber Pfote dient Mit Kopfrechnen beginnt ber Unter»

richt, unb es ist erstaunlich, wie diese Hündin selbst schwierige eingekleidete Aufgaben löst.Frauchen kauft acht Knochen, drei davon erhält Birke (das ist Bessys Tochter), wieviel bleiben für Bessy?" So­fort bellt Bessy fünfmal. Und so rechnet sie ohne Fehler mit Knochen und Würstchen, daß ihr und uns die Augen leuchten. Schließlich greift Frau Fritz zur Kreide und schreibt die Aufgaben an die Tafel. 11 7 + 3 = ? Ein Augenblick, unb auefy diese Aufgabe ist gelöst. Ein Trick ist ausgeschlossen, denn Frau Fritz stand hinter dem Tier und hat nicht gesprochen ober sonstige Zeichen gegeben. Daß das Tier nicht nur von seiner Herrin geprüft wer­den kann, sondern auch von beliebigen Personen, beweist, daß tatsächlich die Fähigkeit des Rechnens dem Hund ein geistiger Besitz geworden ist. Die Zahlen 1 bis 9 werden jeweils durch entsprechendes Bellen genannt, bei jedem vorkommenden Zehner klopft Bessy einmal mit der Pfote auf das genannte Brettchen. Doch Bessy kann noch mehr. Sie zählt aus Bilderbüchern die Tiere und Kinder, ja, selbst in den Farben kennt Bessy sich aus. Sie weiß sieben Farben zu unterscheiden und bellt bei grün einmal, bei blau zweimal, bei rot dreimal usw. Ebenso sicher sagt Bessy bas Alphabet herunter, wobei bie häufig Dorfommcnben Buchstaben des Buch­stabierens wegen mit den niedrigenBell-Zah­len" belegt sind. BeiJa" bellt Bessy übrigens einmal, beinein" zweimal. Als die letzte lieber« raschung sagt uns Bessy noch die Zeit nach einer Weckeruhr an und zwar auf die Minute genau. Sie unterscheidet beide Zeiger ganz fehlerlos.

Wie es zu diesen Leistungen gekommen ist, war­um nur Bessy und nicht jeder Hund so etwas zu- ftanbebringt, darauf können selbst die Tierpsycho­logen noch keine befriedigende Antwort geben. Sicher ist, daß die unendliche Liebe unb Geduld der Frau Fritz die Leistungen ihrer vierbeinigen Freun­din erst aufgedeckt und schließlich entwickelt hat.

Fritz O. Peil.

Hochschulnackrichien.

Dem Oberingenieur Professor Dr.-Jng. Karl Pohl in Berlin ist unter (Ernennung zum Ordi­narius der Lehrstuhl für Statik, Stahlbau und (Eifenbetonbau an der Technischen Hochschule Ber- l i n übertragen worden.

Professor Dr. Fritz Goebel, Ordinarius für Kinderheilkunde an der Universität Halle, wurde in gleicher Diensteigenschaft an die Medizinisch" Akademie in Düsseldorf berufen.