Am höchsten See der Welt
Eine Fahrt in das bolivianische Hochland
Aus aller Welt
Die
am
Rechenschaftsbericht der Technischen Nothilfe. Technische Nothilse beschließt
grüßungsansprache konnte der Leiter der Kameradschaft Mainz, Regierungsrat Zana, viele Ehrengäste aus Partei, Staat und Wirtschaft begrüßen. Mit besonderer Freude richtete er seinen Gruß an das aktive Militär, an dessen Spitze Stadtkommandant Oberst v. Koppelow und die Kommandeure der Truppenteile der Garnisonen Mainz und Wiesbaden. Unter den Kameraden galt sein besonderer Gruß Exzellenz Zithen, dem Führer des Waffenrings, und dem Chrenführer Oberst B e s n e r , vor allem aber Exzellenz S i e g e r, der vor 31 Jahren Kommandeur der 3er in Mainz war und während des Weltkrieges als Führer des 18. Reservekorps mit dem Pour le mörite mit Eichenlaub ausgezeichnet wurde. Rach dem Einmarsch der Fahnen hielt der Führer des Landesverbandes Hessen-Thüringen, Generalmajor a. D. W e h r l e, die Festansprache. Rechtsrat Dr. Falk entbot im Namen des verhinderten Oberbürgermeisters den Gruß der Stadt und der Bevölkerung. Regierungsrat Zang konnte einige Begrüßungstelegramme verlesen, u. a. von Generaloberst Freiherrn v Fritsch, den Oberbefehlshaber des Heeres. Größte Begeisterung löste das Dank- und Grußtelegramm des Führers und Reichskanzlers aus.
Sonntag vormittag begaben sich die Teilnehmer in geschlossenem Zuge zu den Gedenkstätten für ihre gefallenen Kameraden. Hier fanden würdige Feiern statt. Danach marschierten die Angehörigen der beiden Regimenter durch die von Tausenden von Zuschauern umsäumten Straßen der Stadt zum Gutenbergplatz, wo vor dem Stadtkommandanten und den Generalen und Offizieren em Vorbeimarsch erfolgte.
Erster deutscher Bädertag in Bad Salzuflen.
In Bad Salzuflen nahm der e r st e deutsche B ä d e r t a g des Reichsfremdenverkehrsverbandes feinen Anfang. Der Präsident der Reichsfremdenverkehrsverbandes, Staatsminister a. D. Esser, unterstrich in seiner Begrüßungsansprache die wertvolle Arbeit, die die deutsche Bäderwirtschaft für das Gesamtwohl leiste. Kreisleiter Wedder- will überbrachte im Namen des Gauleiters Dr. Meyer die Grüße der lippischen Landesregierung. Die Vorträge leitete ein Referat des Landrates Weißendorn, Bergen auf Rügen, über die Zusammenarbeit der Kurverwaltung und der
Dem göttlichen Gebote gehorchend, wanderten die Götterkinder nach Norden. Schließlich gelangten sie nach einer langen Wanderung in das Tal von Kusko, wo der Stab mit Leichtigkeit in der Erde versank. Das war also das Tal, welches ihnen ihr Vater, der Sonnengott, zum künftigen Wohnplatz angewiesen hatte. Als die Eingeborenen die prächtigen Kleider und den kostbaren Goldschmuck sahen, mit welchem beide ausgestattet waren, schenkten sie ihren Worten Glauben, beteten sie an und gelobten ihnen Gehorsam. So entstand Kusko, die Stadt der Paläste, das Zentrum des Jnkareiches Tahu- antinsuyu. —
Eine Stätte geheimnisvoller Sagen sind auch die Ruinen von Tiahuannaco, die in der Nähe des Sees liegen. Mächtige Monolithen und Götterfiguren stehen auf der Hochebene in einsamer Verlassenheit. Steinbilder können nicht reden. Und so zerbrechen sich die Gelehrten ihre Köpfe ob ihrer Herkunftsrätsel. Besonders interessant ist das San - nentor, von dem das ethnographische Museum in Berlin eine naturgetreue Nachahmung besitzt. Manche behaupten, es handle sich hier um die ältesten Bauwerke der Erde überhaupt. Diese Tempel bestanden schon lange vor der Zeit der Inkaherrschaft. Selbst die Inkas dürften diese Bauten jedenfalls mit Bewunderung betrachtet haben, denn so wie uns, scheint auch ihnen die Herkunft der Erbauer von Tiahuannaco unbekannt gewesen zu sein. R. Klat.
Unsere Mutter Erde trägt viele Seen, doch gibt es nur einen, der für sich den Ruhm beanspruchen kann, als der höchst gelegenfte See der Welt zu gelten: es ist der Titicaca im bolivianischen Andenhochland. Er liegt in einer Seehöhe von 3 9 0 0 Meter und hat bei einer durchschnittlichen Breite von 60 Kilometer eine Länge von 220 Kilometer. Voller Wunder und merkwürdigster Gegensätze ist der See und seine Umgebung. Es mutet den Reisenden höchst sonderbar an, wenn er hier erben, in einer Höhe, die fast den Jungfrau-Spitzen gleichkommt, bebaute Felder findet und ein Dampfschiff besteigen kann, das zwischen den Ländern Peru und Bolivien den Verkehr aufrecht erhält, da der Titicaca das Hoheitsgebiet obengenannter südamerikanischer Staaten umfaßt
Es ist eine interessante Eisenbahnfahrt, die den Reisenden von den heißen Tropen der Westküste Südamerikas hinauf nach den eisigen Höhen des andischen Hochgebirges fuhrt. Dan man in Arequipa, auf der Mitte des Reiseweges nach dem Titicaca, übernachten muß, gelangt man erst am zweiten Reisetag an die Ufer des Sees. Doch bevor der Reisende seine Schönheiten bewundern kann, erlebt er gewöhnlich eine höchst unliebsame Ueber- raschung: es ist die Bergkrankheit — Soroche genannt. So wie Neptun im Meere von den Schiffsreisenden seinen Tribut fordert, so scheinen auch die alten Berggötter der Inkas ihr Lösegeld von den Wanderern zu verlangen, die das Bergreich des Gottes Apu Sallkantay betreten.
Bolivien, die Schweiz Südamerikas, ist ein höchst sonderbares Land. Nicht nur geographisch, sondern auch ethnographisch gesehen, zerfällt es in zwei ganz verschieden geartete Teile. Sein Zentrum liegt im Hochlande der Anden mit dem größten Bevölkerungsteil. Während in den Bergen Ketschua- und Aymara-Indianer leben, Nachkommen jener Rassen, über die einst die Inka-Kaiser regierten, leben in den Urwäldern des Tieflandes, der „grünen Hölle", noch verschiedene alte Stämme. Bei der Abgeschlossenheit Boliviens und dem starren Festhalten der Urbevölkerung an althergebrachter Tradition, ist es nicht zu verwundern, wenn man die sonderbarsten Gegensätze antrifft: Lamaherden neben Lurusautos, modisch gekleidete Menschen neben Indianern in der alten Jnkatracht.
Da der Titicaca in nächster Nähe von La Paz lieat, Boliviens eigentlicher Hauptstadt, sind seine Schönheiten für den Pazenjer ein leicht erreichbarer Sonntagsausflug. Und so wie etwa der Berliner Sonntags in seinen Grünewald fährt, kann der Pazenjer das für einen Mitteleuropäer wunderbare und seltsame Erlebnis genießen, sich auf 4 00 0 Meter Höhe in einem Binsenboot schaukeln zu lassen. Er spaziert am Seeufer zwischen uralten Ruinenstätten entlang, als wäre dies die alltäglichste Sache von der Welt.
Die kristillklare, kalte Luft des Hochlandes ermöglicht weite Fernblicke. So sieht man vom See aus die Gletscherspitzen der Königskordillere, und majestätisch grüßt der ewig schneebedeckte Illimani, das Wahrzeichen von La Paz, herüber.
Bei ruhigem Wetter liegt die weite Fläche des Sees wie eine gläserne Scheibe da. An den Ufern erstrecken sich Felder, die terrassenförmig wie die Inkafelder in Kusko angelegt sind. Man baut Gerste, die die Indianer nicht mit Sicheln, sondern mit krummen Messern, die quer am Schaft sitzen, schneiden.
Seltsame Fahrzeuge entdecken wir auf dem See. Sie erinnern uns beinahe an chinesische Dschunken. Es sind die aus Schilf geflochtenen Boote der Indianer, Balsas oder Binsenboote, deren Segel aus Schilf gefertigt sind. Abends, bei Sonnenuntergang, werfen diese Indianerdschunken phantastische Silhouetten auf das Wasser.
Berühmt ist die S o n n e n i n s e l im Titicaca. Bereits die spanischen Chronisten der Kolonialzeit berichten von einem sagenhaften Ereignis, das sich
dort zugetragen haben soll. Hören wir, was uns hierüber der Geschichtsschreiber Garcilasso, Inka de la Vega, in seinen oft zitierten und als geradezu klassisch geltenden „Wirklichen Begebenheiten" erzählt:
Mitleid ergriff den Sonnengott über die unglücklichen Bewohner von Peru, welche, in tiefster Barbarei versunken, weder Tugend noch Gesetze kannten, sondern, dem wilden Tiere gleich, in viehischer Roheit ihr Dasein fristeten. Er beschloß, sie zu einem geregelten Leben zu führen, damit sie das öde und brachliegende Land bebauten, die wild auf den Bergen lebenden Lamaherden zähmten und sich dienstbar machten, in Umgang und Gemeinschaft wohnten und ihm, ihrem Gott und Schöpfer, Verehrung und Anbetung darbringen sollten. Um diese Wohltaten den unglücklichen Wilden zuteil werden zu lassen, erwählte er zwei seiner Kinder, ein Geschwisterpaar, Manco Capac und Mama Ocllo, und versetzte sie nach der großen Insel, der heutigen Sonneninsel im Titicacasee. An der Stelle aber, wo es ihnen gelänge, einen goldenen, ihnen mitgegebenen Stab in die Erde zu treiben, sollten sie ihren Wohnsitz errichten und in Milde und Gerechtigkeit über bas Volk herrschen.
30. September ihr 18. Tätigkeitsjahr. Eine Reihe innerer Ausbaumaßnahmen und zahlreiche Einsätze standen im Vordergrund der Arbeit. So wurden Nothelfertrupps an 482 verschiedenen Stellen — vorzugsweise zur Beseitigung von Wasser-, Schnee-, Sturm- und Feuerschäden (Waldbränden), ferner bei zahlreichen Verkehrsunfällen — im Interesse der Allgemeinheit eingesetzt. In Hunderten von Fällen führten fachliche Kräfte technische Hilfsarbeiten aller Art aus. Im Wniterhilfswerk 1936/37 erzielte die Technische Nothilfe die Anerkennung der maßgebenden Stellen wieder für die beträchtlichen freiwilligen Leistungen der Nothelferschaft. In elf Landesgruppen waren 28 000 Nothelfer im Hilfswerk tätig.
Es wurde eine Erkundung der Einsatzstellen und die Personalbedarfsfeststellung durchgeführt, die Sichtung der Nothelferschaft durch die Aufstellung von TN.-Stammblättern eingeleitet, neue Orts- und Untergruppen gegründet und die praktische und theoretische Ausbildung überall fortgesetzt. Um die Mitwirkung der TN. in der Katastrophenbekämpfung noch wirksamer zu gestalten, wurde mit der Ausstellung motorisierter Bereitschaftszüge begonnen. Auf der Reichsschule der Technischen Nothilfe für den Instandsetzungsdienst auf Burg Eisenhardt in Belzig wurden zahlreiche Führer praktisch ausgebildet. So stand auch das 18. Tätigkeitsjahr tm Zeichen ernster Arbeit für Volk und Führer. — Der Chef der Technischen Nothilfe, SS.-Gruppen- führer W e i n r e i ch , hat der Führer- und Not- helserschaft für ihre treue Mitarbeit Dank und Anerkennung ausgesprochen.
Artilleristentreffen in Mainz.
LPD. Mainz, 26. Sept. Zu einem großen Erlebnis für Tausende ehemaliger Fußartilleristen wurde die Wiedersehensfeier der ehemaligen Angehörigen des Brandenburgischen Fußartillerie-Regiments Generalfeldzeugmeister Nr 3 und des Thüringischen Fußartillerie-Regiments Nr. 18. Von nah und fern, sogar aus dem Ausland, waren die ehemaligen „Fußer" in ihre alte Garnison geeilt.
Die Festfolge begann am Samstag mit einem Begrüßungsabend in der Stadthalle. In feiner Be-
Gießener Gtadttheater.
Andr6 Birabeau:
„Mein Sohn, der Herr Minister."
Wir sahen vor kurzem den Film, der, unter dem gleichen Titel wie die deutsche Uebersetzung, nach dem Lustspiel „Fiston" des Franzosen Andre Birabeau von der Ufa gedreht wurde. Hier haben wir das Urbild: eine Mischung aus Familienschwank und politischer Satire. Ein Franzose macht sich ein Vergnügen daraus, die gegenwärtigen Zustände in seinem Lande unter die Lupe zu nehmen und zu glossieren. Begriffe, die uns aus der täglichen Zeitungslektüre als Bestandteile des politischen Alltags jenseits der deutschen Grenzen längst geläufig sind — Parlamentarismus, Demokratie, Volksfront — kommen uns vertraulich nahe, indem wir einen Blick hinter die Kulissen werfen. Und da das gewissermaßer an der Hand oder durch die Brille eines Franzosen geschieht, brauchen wir uns, als Außenstehende, kein Gewissen daraus zu machen, — als ob wir uns etwa eine Indiskretion erlaubten
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Wir Jagten schon in der Besprechung des Films, daß das Hauptmotiv, das eigentlich politische, nicht neu sei. Man hat sich bereits vor Birabeau über die traurig-komische Figur des politischen Dilettanten lustig gemacht, der über Nacht auf einen Ministersessel geschoben wird. Dies und die Atmosphäre des Vorzimmers wie des Arbeitszimmers in einem Ministerium geben mehr als reichlich Anlaß zu politischen Randbemerkungen, die stellenweise so bösartig sind, daß wir nicht darüber zu lachen wagen würden. Aber es handelt sich ja nicht um uns, sondern um unsere Nachbarn, und es ist ein Franzose, der diese Bemerkungen macht. Ob seine Landsleute, wie wir, darüber lachen, wisien wir nicht.
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Aber auch nur ein Franzose, scheint uns, konnte den Einfall haben, das politisch-aktuelle Thema mit einem privaten, familiären, allgemein menschlichen zu konfrontieren und zu verquicken: der junge Mann, der eines Tages, von seiner ehrgeizigen Mama protegiert Minister wird, erlebt die pein- liche Ueberraschung, an seiner neuen Wirkungsstätte feinen leiblichen Vater (von dessen Existenz er seit dreißig Jahren nur eine dunkle Ahnung hat) als Amtsdiener wiederzufinden.
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Der Film nahm sich, wie wir sahen, nur flüchtig Z it, dies zu exponieren- das Stück geht w s kaum zu vermeiden war, da hier die Spielregeln grundsätzlich anders lauten, viel ausführlicher auf die Vorgeschichte und auf die dunkle Vergangenheit des
neuen Herrn ein; es gibt hier eine Wiedersehensader Erkennungsszene nach der andern: Mama und Papa, Vater und Sohn, Schwiegervater und Schwiegertochter ... immer neue Nuancen eines rührenden Familienbildes, ja nicht genug damit: Birabeau führt sogar noch einen zweiten Vater ins Gefecht, denn Mama hat inzwischen noch einmal geheiratet. (Eine Pointe, die der Film entbehren konnte, da er seinerseits neue Gesichtspunkte beibrachte.)
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Wir wollen darauf verzichten, die Geschichte der politischen Familie oder der Familien- und Geschäftspolitik in Einzelheiten zu verfolgen, um der Phantasie der späteren Besucher nicht 'vorzugreifen und ihnen das Vergnügen an der Ausmalung der sich häufenden Komplikationen nicht zu schmälern.
Dr. Erich Schumacher hat das Lustspiel in Szene gesetzt. Seine Regie war darauf bedacht, die neu verpflichteten Kräfte mit den alten zur Ensemblewirkung eines einheitlichen Spielkörpers zusammenzuschließen, auch die typisch französische Atmosphäre empfinden zu lassen, aus der allein gerade ein solcherart kombiniertes Lustspielthema hervorgehen konnte. Was an politischen Sentenzen vorgebracht wurde, war, schon vom Autor aus, so pointiert und überdies so aktuell, daß es unmöglich überhört werden konnte, obwohl das Stück viel weniger aggressiv wirkt als der Film, der die satirischen Elemente der Fabel noch verschärft und zur äußersten Konsequenz zugespitzt hat. Im Stück wirkt dies mehr epigrammatisch, als Arabeske und zeitgemäßes Rankenwerk der französischen Lustspielkonversation, die politische Entgleisungen so wenig ernst nimmt wie Familienskandale. — Herr Löff- l e r hatte die Dekorationen geschaffen und das Vorzimmer wie das Amtszimmer mit vornehmer Ge- diegenheit ausgestattet.
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Hans Paschen gab den Gabriel, Amtsdiener und späteren Minister, Gatten, Vater und Schwiegervater: er verzichtete sowohl auf das kollernde Temperament als auch auf die kaum verdeckten Gefühlstöne, mit denen Moser im Film die Figur lebendig gemacht hatte: er wirkte schlichter, gelaßener, kaum über die kleine Spießbürgersphäre seiner angestammten Welt hinaus in Wallung zu bringen, bei aller Redseligkeit von trockenem Humor, der keiner Ueberbetonung bedarf, um seine Pointen Zur Geltung zu bringen.
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Herr Frickhoeffer spielte den Minister, den neuen Herrn, elegant, glatt und selbstsicher, erst nach und nach von den über ihn hereinbrechenden Ereignissen überwältigt und ins Wanken gebracht. Frau Stirl gab die Mutter: aufgeblasen, geschwätzig, hochmütig und parvenuhast eingebildet,
nie in der Lage, ihre obskure und bewegte Vergangenheit auszulöschen oder auch nur vergessen zu lassen. Ruth-Ines Eckermann war die jugendlich-unbefangene Ministergattin und Schwiegertochter. Herr v. Gschmeidler gab angenehm gedämpft und gepflegt den „andern Vater". Elfe Monnard als scharmante und geschmeidige Vertreterin der comödie fran^aise, Anneliese Garbe als draufgängerische Boulevardreporterin, Herr V o l ck als gemütlicher Amtsdiener und Herr Neuhaus als das „Auge Moskaus", ein finsterer Kommunistenhäuptling mit geballter Faust, seien vom übrigen Ensemble genannt. —
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Die Neuerscheinung fand eine sehr freundliche Aufnahme. Hans Thyriot.
Gamsjagd.
Von Peter Joses Kiendl.
Gokdrostig stehen die Waldschläge im Tal der Valepp. Hinter der Brecherspitz steht die Sonne, hell wie eine blanke Messingscheibe. Eine Bergdohle jammert irgendwo aus dem Tann. Gestern hat das Wetter nicht danach ausgesehen. Die Steinfliesen im Forsthaus haben geschwitzt, Wolkenfetzen flogen oben übern Spitzingsattel, das Sonnwendjoch und der Schinder waren nicht zu sehen gewesen. Der Taverl aber hat gestern abends um fünfe behauptet: „... Da feit nix, s' Wetter hebt fi, morgen wird's schö' — basta! — Bal' d' Bodenschneid koa Kappl hat, wird's schö' — basta!" — In aller Herrgottsfrüh feixte der Taverl, als er und der Ander! ins Revier loshaxten.
„So a Pech", sagte der Ändert, „was dös Böckl heut hat, weil d' dös Wetter beraten hast!" — „Mhm? ... Feit sie nix!" grunzt der laoerl und überzieht dabei feine Pfeife. — Der Weg ist leidlich, es geht in Serpentinen in die Höhe. Der Wind steht auch nicht schlecht. Ein paar Stunden später sind die beiden schon im Kar eingestiegen. Wie eine Patrouille norm Feind pirschen die zwei quer übers Kar. Nichts ist zu sehen. „Koa Schwänzt", belfert der Tavert, „rührt fi', bals d' fo schnell auffi steigst!" — Der Ändert verhält seinen Gang, nimmt den Feldstecher und beobachtet die Gegend — Da! Drüben zieht eine Geiß mit Kitz aus dem Latschen- schtage_ ab, übers Band! zur oberen Scharte! — Die Jäger gehen in die Knie — die „Zwilling" schieben sich vor — da! Hinter dem Felskopf — knappe 200 Meter — jagt’s auf! — Eins — zwei — drei — ein halbes Dutzend — anderthalb Dutzend ®ams! Grafetzeug — junge Böck' — Gettgeißen- Kitzen!
„Kreuzbimbaam-Hollerstauden!" — „Ganz pfundig nobel — gehn die hoch!" — Steine spritzen oben
Gemeinde ein. Staatsminister Esser nahm zu dem gleichen Thema Stellung. Der Vertreter des Gasfftättengewerbes, Hotelbesitzer E i l e r m a n n, sprach über das Thema „Kurverwaltung und Gast- stättengewerbe". Chefarzt W e s k o t (Bad Homburg) referierte üb« die „Zeitgemäße Verpflegung und Diät im Kurort". Die nächsten Referate waren der Kurmusik in den deutschen Bädern gewidmet. Direktor W o 11 m a n n (Oberschlema) sprach über die „Behandlung gashältiger Wässer von der Quelle bis in die Wanne". Professor Kampe (Bad Ems) über „Zweck und Bedeutung der Quellenbeobachtung", Prof. Böhm (München) über „Die Anwendung der Moore und Schlamme". Der Präsident des Reichsgesundheitsamtes Berlin, Professor Reiter über das Thema „Deutsche Gesundheitspolitik und Kurorte". Staatsminister Esser dankte den Referenten und hob hervor, daß-, ohne Wissenschaft und Forschung das deutsche Bäderwesen auf die Dauer nicht auskommen könne. Im Auftrage des Reichsfremdenverkehrsverbandes würde eine strenge wissenschaftliche Kontrolle aller deutschen Bäder ausgeübt. Das deutsche Bäder- wesen müsse mustergültig gestaltet werden.
Ein bemerkenswerter vorgeschichtlicher Kund.
LPD. Lauterbach, 28. Sept. Im Rahmen planmäßiger Grabungen nach vorgeschichtlichen Funden, an denen die hiesige Gemarkung reich ist, wurde vor wenigen Tagen nahe der Stadt eine vorgeschichtliche Grabstä11e geöffnet, die sich als Bestattungsstätte aus der frühen Bronzezeit herausstellte. Es wurde eine große, gut erhaltene Radnadel gefunden, außerdem — was besonders bemerkenswert für den Fund ist — Reste einer Bernsteinkette. Das Lauterbacher Heimatmuseum beabsichtigt, die vorzüglich erhaltene, geradezu musterhafte Anlage dieses Hügelgrabens zu erhalten unb als Außenanlage sicherzustellen.
Zahresfest des Oberhessischen Vereins für Baseler Mission.
* Nieder-Weisel, 28. Sept. Am Sonntag wurde hier der erste Teil des I a h r e s f e st e s des O b e r h e s si s ch e n M i s s i o n s v e r e i n s für Bafel abgehalten. Missionar Ruff (Frankfurt a. M.) predigte am Vormittag im Gottesdienst und half dem Ortsgeistlichen Fischer beim großen Abendmahl. Zu gleicher Zeit predigten Missionar Walther (Gießen) im benachbarten Holzhausen v. d. H. und Missionsinspektor Buse (Marburg) in Butzbach. Im Missians-Festgattesdienst predigte Pfarrer Veidt (Frankfurt a. M.). In der Nach- versammlung begrüßte zuerst der Vorsitzende des Vereins, Dekan i. R. Gußmann (Gießen), die Gemeinde. Anschließend sprach Missionsinspektor Buse über seine Arbeit und seine Erlebnisse in Kamerun. In beiden Gottesdiensten trugen die Gesänge des Mädchenchores (Leiterin Fräulein F i • fcher, Nieder-Weisel) und der Gesangsabteilung der evangelisch-kirchlichen Frauenhilfe zur Vertiefung der Veranstaltung bei. Ein gutbesuchter Gemeindeabend in der Kirche, bei dem Missionar Walther (Gießen) sprach, beendete den Tag. Die Kollekte kam der Baseler Mission zugute. Die Fortsetzung der Jahresversammlung wird am 12. Oktober in Gießen erfolgen.
Deutsche Aerzte in Istanbul.
In Istanbul trafen 230 deutsche Aerzte, Mitglieder der Gesellschaft für ärztliche Studienreisen, ein. An Bord ihres Schiffes fand ein Essen zu (Ehren der türkischen Aerzteschaft statt. Der deutsche Botschafter in der Türkei, Dr. von Keller, brachte einen Trinkspruch auf den Staatspräsidenten Atatürk und auf das türkische Volk aus, auf das Generaloberarzt a. D. Refik Münir Pascha mit einem Hoch auf den Führer antwortete. Professor Adam, der Leiter der Reise, forderte zu einem Aerzteaustausch zwischen Deutschland und der Türkei auf. Professor Dr. von Eicken von der Berliner Universität (früher in Gießen) hielt nach dem Essen einen interessanten fachlichen Vortrag.
am Schartl, prasseln nieder ins Kar. — Der Ander! hat den Stutzen im Anschlag, seinen Rucksack als Gewehrauflage — zu weit ist der Schuß! — „Dös san bal' zwohundertfufz'g Meter!" grunzt der Tavert. — Wumm! ... der Ändert hat grab’ noch a kloan's schwarz' Pinkerl überm Korn weg ber« wischt! — Das Rudel geht flüchtig nach allen Seiten. Nur am Grashang, unterm Schartl, dreht „Er" sich auf den Hinterläufen, macht zwei, drei Sprünge noch und rollt mitten in die Latschen! — Der Taverl tut einen Juchzer, und der Ander! und er springen wie die Gams übers Kar quer weg. —
Eine Viertelstunde später stehen beide mit roten Köpfen vorm Latschenschlag. Dem Taverl seine - Pfeife ist vor lauter Aufregung ausgegangen. Der Ändert besieht seinen Bock! Ein blitzsauberer (Ein< schuß, linkes Blatt, rechten Ellbogen gestreift, ein zünftiger Bart und — die Kruck'n! — „Sakra, die Kruck'! Dös is ganz g'wiß ka feuriger* g’roeft! — Sixt, Böckl! Hat's scho< g'schnackelt! I bi g'schwinda g’roen!" — Der laoerl hat seine Pfeife wieder in Brand gebracht: „Bals' b' bu net g'schnackelt hälfst... gut’ Nacht, na hätf i ben Bazi 'troffen! Is a verdammt anständiger Bock! Also, Ändert! Weidmanns-Heil!" „Weidmanns-Dank!" lacht der Ändert. —
Unten in der Mulde, wo die Lawine im vorigen Jahr ben Kaser vom Thannerbauern weggeputzt hat, machen sie bann Brotzeit. Ein stiller, sonniger Platz. Recht gut hat's geschmeckt dem laoerl und dem Ändert, das Trumm G'selchte und hinterher das Fläschchen Enzian. Der Ändert hat dann noch den Bock abgerupft.
Die Sonne steht schon weit über den Kämmen. Keine Wolke am Himmel, ein prachtvoller Tag in der späten Jahreszeit. Am sonnigen Hang hüpft ein Wieset nach Mäusen. Weit hinten leuchten die Zillertaler und die Tauernspitzen in ihrer Schnee- Pracht. Das Sonnwendjoch ist zum Greifen nah, daß man jeden Riß im Gewänd' sieht. —
Der Ändert schwitzt beim Steigen, der Bock ist ein pfundiger Lackt, den man beim Tragen spürt. Der lauert deutet mit der Pfeife hinüber ins Kar: „Da schau, den Teifi, wia der umanandateufett!" — Beide bleiben stehen — sehen hinüber ins Kar. Dort treibt d' Gams, ein alter, die jungen Böck'. Dann steht er, hebt ben Kopf. Die Krucktn stehen sauber in der Luft.
„Dem fein' Kruckt is wohl noch an die sechs Zentimeter höcher wie dein'm sein's", ftotzett der Tavert. Der Ändert ist froh um seinen Gams, der » doch ein „Guter" ist, und doppelt freufs ihn, daß ber einen ganz schwarzen Bart hat. Sein Madel wird sich freun, wenn ber ihm mal am Hut steckt! —
Drüben im Kar spritzen die Steine. Der alle Gams zieht ab durchs Gewänd'. Ganz oben auf der Platten verhält er noch einmal. Die Berge ringsum fangen an zu dunkeln wie rostiges Gold. —
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