Ausgabe 
29.7.1937
 
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Früchte ist etwas mühsam. Nachdem durch Reiben mit einem derben Tuch die äußeren Stacheln ent­fernt sind, höhlt man mit einer sauberen Haar­nadel (wer sie noch besitzt) oder mit einem sonst geeigneten Instrument die Frucht aus. Stiel und Blütenrest werden ebenfalls entfernt. Die gewasche­nen Früchte werden nach kurzem Einweichen in demselben Wasser langsam gargekocht und mit Zocker gesüßt in Gläser eingeweckt. So zubereitete Früchte geben ein schönes Kompott und sind auch als Tortenbelag, beliebt durch die schöne Farbe, die wir durch roten Einmachzucker erhalten kön­

nen, zu verwerten.

Zu Suppen und Tunken bedarf es weniger müh­samer Zubereitung. Die eingeweichten Früchte wer­den einfach ganz gekocht und durch ein Sieb ge­trieben. Mit Zucker gesüßt und mit Kartoffelmehl verdickt können sie kalt oder warm gereicht werden. Der feine Geschmack wird überall willkommen sein.

(Siebener wochenmarktpreise.

* Gießen, 29. Juli. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, Vt kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing, V» kg 12, Weißkraut 8, Rotkraut 12, gelbe Rüben 12 bis 15, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 12 bis 20, gelb 15 bis 20, Erbsen 20 bis 25, Tomaten 15 bis 30, Zwiebeln 10 bis 12, Pilze 40 bis 45, Kartoffeln, neue, 7 kg 5 bis 7 Pf., 5 kg 55 Pf., 50 kg 5 bis 6,50 Mark, Frühäpfel, y» kg 30 bis 40 Pf., Falläpfel 5 bis 7, Pfirsiche 35 bis 38, Brombeeren 30 bis 37, Preiselbeeren 40, Birnen 30 bis 40, Dörrobst 35 bis 40, Heidelbeeren 34, Stachelbeeren 15 bis 27, Johannisbeeren 21, Pflaumen 35 bis 40, Zwetschen 44, Mirabellen 40 bis 45, Renekloden 30 bis 35 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 8 bis 90 Pf., Blumenkohl, das Stück 10 bis 50 Pf., Salat 9 bis 11, Salat­gurken 4 bis 20, Einmachgurken 1 bis 2, Oberkohl­rabi 6 bis 9, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bün­del 8 bis 10 Pf.

** Mieterfubiläum. Seit nunmehr 25 Jahren wohnt Schuhmachermeister Johs. Glitsch im Hause Linüenplatz '12. Das Haus hat in dieser Zeit mehrfach seinen Besitzer gewechselt, ohne daß sich im Mietverhältnis mit dem Schuhmachermeister etwas geändert hat.

Nundfunkprogramm

Freitag, 30. Juli.

6 Uhr: Choral. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause (7): Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 9.30: Hausfrau, hör zu! 9.45: Mutter turnt und spielt mit dem Kind Fischlein in der grünen See. 11.50: Umschaltung. 12: Eröffnung der 14. Großen Deutschen Rundfunk­ausstellung 1937. 13: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei von zwei bis drei. 15: Volk und Wirtschaft. Die einheimische Kleidung. 16: Musik aus Dresden. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Klingende Eifel! Eine Fahrt durchs Eifelland. 20: Aus Carl Robrechts Notenmappe. 21: Nachrichten. 21.15: Heitere Streichquartette. 22: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 22.30: Tanzmusik. 24 bis 1: Nacht­konzert.

Samstag, 31. Juli

6 Uhr: Choral. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause (7): Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 9.30: Hausfrau, hör zu! 11.45: Gaunachrichten. 12; 12. Deutsches Sänger­bundesfest. Aus demCapitol": Konzert des Kasseler A-cappella=(n)or5. 12.30: Mittagskonzert. 13: Nach­richten, auch aus dem Sendebezirk. 13.15: Mit­tagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Stoßet an, der Rhein soll leben! 15.15: Volk und Wirtschaft. Allerlei Neuigkeiten. 15.30: Wettsingen der BDM.-Rundfunk- spielscharen der Reichssender Hamburg, Köln und Frankfurt. 16: Froher Funk für alt und jung. 18: Zeitaeschehen im Funk. 19: Konzert. Heiteres aus Klassik und Moderne. 19.30: 12. Deutsches Sänger­bundesfest. 22: Nachrichten, auch aus dem Sende­bezirk. 22.30: Wir tanzen in den Sonntag. 24 bis 1: Nachtkonzert.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach­mittag geschlossen

Susannes Tochter.

Vornan von Hedda Westenberger.

Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin W 35.

10 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Lyk aeht in dem großen, holzgetäfelten, behäbig eingerichteten Speisezimmer auf und ab und reibt sich die Hände. Er ist in angenehmer Stimmung. Durch die offene Balkontür fällt ein breiter Streifen Sonne, man hört alle die kleinen, nun schon ver­trauten Geräusche des Hofes: das Gackern der Hühner, das dumpfe Klirren der Ketten aus dem Kuhstall, das Krachen und Splittern des Holzes, das der Knecht irgendwo im Winkel zerkleinert, die Stimmen der Bauernkinder auf der Wiese, das Tschilpen der Spatzen, das Zwitschern der Berg­finken und ab und zu den grellen, spitzen Schrei des Pfaus.

Lyk hört das alles, es fließt wie eine Welle in ihn hinein und löst ein unsagbares Wohlgefühl in ihm aus. Er fühlt sich beschwingt und glücklich wie feit langem nicht schon jetzt, nach knapp zwei Tagen, ist sein Leben in Berlin wie durch Ewig­keiten von ihm getrennt, es gibt fast feine Brücke mehr zwischen dem Hüben und Drüben. Gerade das ist es, was ihn so leicht macht.

Und dazu das Mädchen, die Sabine! Sie hat schon ein ganz klein wenig Sonnenröte über der Stirn, sie läuft in einem wehenden, bunten Kittel­kleid und leichtern Schuhzeug umher, und den ganzen Tag über hat sie irgend etwas, was sie in helles Entzücken oder grenzenloses Erstaunen versetzt genau wie Susanne---damals, als sie das

Wort Liebe noch nicht kannte, sondern ihm und Nick nur der gute Kamerad war.---

Lyk reibt sich die Hände und muß lächelnd an seinen und Sabines ersten Besuch bei den Füchsen denken. Das war gestern, vor Tisch. Wie Sabine da plötzlich ganz benommen vor einem der hohen Drahtgehege niederkniete und stumm den jungen Fuchs ansah und wie auch der Fuchs ganz ohne Scheu am Gitter sitzen blieb, die glühenden, ge­heimnisvollen Augen auf fein Gegenüber gerichtet. Es war ein bezauberndes Bild. Als Sabine dann aufftanb, griff sie ganz zutraulich nach seinem Arm, hielt sich leicht daran und sagte erregt:Sie sind

Der Gau Heffeu-Aaffau auf dem Reichsparteitag

NSG. Die Organisationsleitung des Gaues Hessen-Nassau für den Reichsparteitag 1937 hat bereits die Vorarbeiten für den Trans­port und die Unterbringung Der diesjährigen Marschteilnehmer in Nürnberg begonnen.

Im Vordergrund allen Schaffens steht in diesen Wochen bei dem Organisationsamt des Gaues Hes­sen-Nassau die Vorarbeit zum Reichsparteitag. Nur noch kurze Zeit trennt uns von dem gewaltigen Aufmarsch der treuesten und besten Kämpfer Adolf Hitlers in Nürnberg, die wieder der Welt zeigen werden, wie geeint und gefestigt Deutschland heute dasteht.

Aus dem Gau Hessen-Nassau werden in diesem Jahre 4 0 0 0 Politische Leiter, 2000 Zivilparteigenossen und 1000 M i t- gl ieder der NS -Frauenschaft und des Deutschen Frau en wertes am Reichspar­teitag teilnehmen. Der Transport dieser Massen, ihre Unterbringung und Verpflegung in Nürnberg erfordert eine bis ins Kleinste gehende Organisa­tion. Der Uneingeweihte wird sich kaum eine Vor­stellung davon machen, wieviel Arbeit, wieviel Mühe und welch' große Verantwortung die mit der Or­ganisation zum Reichsparteitag betrauten Stellen zu tragen haben. Aber nur durch diese Vorarbeit in den einzelnen Gauen ist es überhaupt möglich, daß sich der riesige Aufmarsch der Hunderttausende in Nürnberg reibungslos und ohne Störung ab­wickelt.

Mit der Gesamtleitung der Organisation ist Gau­organisationsamtsleiter Bickendorf beauftragt. Zur Durchführung der Arbeiten stehen ihm meh­rere Mitarbeiter zur Verfügung, die den Aufmarsch, die Quartierfrage, die Verpflegung und die Son­derzüge regeln.

In erster Linie sollen in diesem Jahre die Mitt­ler zwischen Volk und Partei, die Zellen - und B l o ck l e i t e r, die im Laufe der letzten Jahre durch ganx besonders eifrige Tätigkeit für die Be­wegung ihren Einsatzwillen unter Beweis gestellt haben, berücksichtigt werden. Diesen Männern, die im Kampfe für Partei und Volk unmittelbar an der Front stehen, soll auch einmal Gelegenheit ge­geben werden, den Neichsparteitag zu erleben und den Führer zu sehen. Selbstverständlich wird auch auf die körperliche Haltung gesehen und ge­prüft werden, ob die Teilnehmer in der Lage sind, die Marschleistungen und die nicht unbedeutenden Strapazen zu tragen.

Die Unterbringung der Marschteilnehmer aus dem Gau Hessen-Nasiau ist bereits sichergestellt. Das Quartierkommando befindet sich ab 3. August in Nürnberg, Bielingplatz 2. Es sorgt für ordnungs­gemäße Einrichtung der Quartiere, für die Beschaf­fung der Betten, der Waschanlagen und der sa­nitären Anlagen. Der größte Teil der Politischen Leiter findet, wie im Vorjahre, Aufnahme in Der Hans-Schemm-Schule, in der sich auch das Gau­standquartier befindet. Da in diesem Jahre keine Privatquartiere vorhanden sind, werden die Zivil­parteigenossen in Massenquartieren unteraebracht, und zwar stehen für den Gau Hessen-Nassau zur Verfügung Die Adam-Kraft-Schule in der Adam- Kraft-Straße 2 für 756 Mann, das Kegler-Heim in der Aeußeren Bucherstraße für 137 Mann, Die Groß-Reuther-Schule in Der Groß-Reuther-Straße 2 bis 4 für 279 Mann, Die Schopenhauer-Schule in Der Schopenhauerstraße 66 für 429 Mann unD ein Ersatzquartier in Der Groß-Reuther-Straße 28 für 100 Mann.

JeDes Quartier besitzt eine Sanitätsstation, in Der jeweils ein Arzt unD Sanitätspersonal anzu- treffen finD. Die ärztliche Betreuung Der Teilneh­mer beginnt bereits auf Dem Transport. JeDen Der neuen SonDerzüge, Die aus Dem Gau Hes­sen-Nassau nach Nürnberg fahren, begleitet ein Arzt, Dem mehrere Sanitäter zur Seite stehen. In Nürnberg überwachen Die Aerzte auch Die Verpfle­gung unD vor allem Den GesunDheitszustanD Des in Der Abteilung Verpflegung beschäftigten Personals.

Außer Den verschieDenen Veranstaltungen, Die wie im Vorjahre Durchgeführt werDen, findet in Diesem Jahre zusätzlich ein Reichsparteitag-Pi st o° lenschießem statt, zu Dem Die Vorarbeiten eben­falls schon im Gange finD. Das Ausscheibungsschie- ßen roirD zur Zeit in allen Kreisen Des Gaues vor- genommen. Aus ihm gehen Die besten Schützen her­vor, Die nochmals einer Prüfung unterzogen wer­Den. Zehn ausgesuchte Schützen, Die Auslese Des Gaues treten Dann in Nürnberg an.

Für das leibliche Wohl Der Teilnehmer ist selbst- verstänblich in vollem Maße gesorgt. Auch Die Ver­pflegung übernimmt Der Gau. An Der Zusammen­stellung Der Speisezettel roirD bereits gearbeitet.

Das Gauorganisationsamt bringt für Die Teil­nehmer in Diesem Jahre einen Wegweiser her­aus, Der nicht nur über alle Fragen Auskunft gibt, sondern auch eine besonders künstlerische Gestaltung aufweist und allen Teilnehmern als eine Erinne­rung an den Reichsparteitag 1937 bleiben wird.

OieFeuerwehrletteran derHochspannung

Verhandlung vor dem Schöffengericht Gießen.

Vor dem Schöffengericht hatten sich am Dienstag in Butzbach der Feuerwehrführer L. H. und sein Stellvertreter A. Sch., beide aus Butzbach, wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten. Die Anklage legte ihnen zur Last, am 23. November 1936 an- läßlich einer Hebung der Freiwilligen Feuerwehr Butzbach die erforderliche Aufmerksamkeit, zu Der sie vermöge ihrer Aemter besonders verpflichtet waren, außer acht gelassen und durch diese Fahr­lässigkeit Den ToD eines Feuerwehrmannes ver­ursacht zu haben.

Bei einer Hebung der Freiwilligen Feuerwehr Butzbach, Die wegen einer am Darauf folgenden Sonntag angesetzten Besichtigung abgehalten wer­den mußte, kam eine etwa 10 Meter hohe auszieh­bare Leiter mit Der über Den Hebungsplatz führen­den 20 000-Volt-Drehstromleitung in Berührung. Der Getötete, Der Feuerwehrmann Berner, und zwei weitere verletzte Feuerwehrmänner waren da­mit beschäftigt, Die Leiter zur Bereitschaft aufzu­stellen. Berner stand an der AufzugswinDe. Kaum war das Ausführungskommando gegeben worden, als einige Kameraden an der Leiter einen Feuer- strahl sahen. Ein ebenfalls an Der Leiter beschäf­tigter Feuerwehrmann glaubte erst, eine Karbid- lampe sei explodiert, und er versuchte sogar Die ver­meintliche Explosionsflamme an Berner zu löschen. Er und ein weiterer Feuerwehrmann, Der auf Der anderen Seite Der Leiter stand, erlitten aber eben­falls Verletzungen. Zu ihrem Schrecken mußten Die Kameraben feststellen, daß nicht eine Karbidlampe explodiert war sondern die ausgefahrene Leiter mit Der Hochspannungsleitung in Berührung gekommen war, so daß Der

hochgespannte Drehstrom über die Eisenteile Der mechanischen Leiter nach Der Aufzugswinde und von dieser über den Körper Des tödlich verunglück­ten Berner zur Erde gelangen konnte. Dadurch waren der Tod Berners sowie die Verletzungen Der beiden anderen Feuerwehrmänner ein getreten.

Der Uebungsplatz Der Feuerwehr, Die Schulstraße in Butzbach, war an diesem Abend durch Die in Der Nähe aufgestellten Bubenroagen sehr eingeengt, so daß die einzelnen Geräte dichter als sonst zusam- mengeDrängt waren und dadurch wenig Raum für Die Exerzierübungen Der einzelnen Geräte vor­handen war. Außerdem war es an Dem Abend sehr dunkel und neblig. Weder Die Führer Der Wehr, die schon seit langen Jahren ehrenamtlich als Feuer­wehrführer im Dienste der Allgemeinheu tätig sind, noch die Feuerwehrmänner dachten an irgendeine Gefahr, zumal auf demselben Platze schon feit Jahren geübt wurde.

Trotzdem mußte das Gericht Die Leiter der Hebung zumindest für mitschuldig an dem Unfall erklären. Unter Berücksichtigung Der Tatsache, daß die Angeklagten bisher unvorbestraft und schon lange Jahre im Dienste Der Allgemeinheit tätig finD, verurteilte sie Das Gericht wegen fahrlässiger Tötung an Stelle einer an sich verwirkten Gefäng­nisstrafe von je 20 Tagen zu einer Geldstrafe von je 100 Mark.

Wenn auch so wurDe in Der UrteilsbegrünDung betont Der Platz für solche Hebungen nicht ge­rade ideal ist und auch durch die schon vor längerer Zeit geplante Verkabelung Der Hochspannungs­leitung, Die aber noch nicht Durchgeführt wurde, der Hnfall hätte vermieden werden können, so kann

unheimlich, Die Füchse, aber ich will Freundschaft mit ihnen schließen..."

An Arbeit, an Das Buch ist natürlich vorerst noch gar nicht zu Denken. Lyk hat gar keine Lust Dazu unD außerDem er gönnt Sabine diese freien Tage, voll von hundert kleinen, neuen Erlebnissen ja so sehr! Man kann wirklich zusehen, wie sie auf­blüht, wie ein ganz neuer Ausdruck in ihr Gesicht kommt, wie ihr Gang leichter, ihr Blick lebendiger und ihre Beroegunaen freier werden.

Lyk fühlt eine leise Wärme, wenn er Daran Denkt und wenn er sich diesen Blick Sabines vergegen­wärtigt es ist Susannes Blick! UnD Doch ist noch etwas anderes Darin: eine unbewußte, noch nicht erweckte LeiDenschaft.

Wer weiß, was aus diesem Menschenkind noch alles herausbrechen, emporwuchern und zum Blühen kommen roirD... UnD man Darf danebenstehen unD Darf zusehen, Darf es miterleben.

Lyk bleibt stehen unD lehnt sich gegen Den Rah­men Der Balkontüre.

Ich habe zwei Jungen, Denkt er versonnen, sie sind heute erwachsene junge Männer. Sie heran- wachsen und werden zu sehen, war eine Helle, laute Freude, mit ein bißchen gerührtem Spott da­bei. So, wie man jungen Hunden zusieht. Aber hier, Sabine gegenüber, ist es ganz anders. Es rührt Saiten an, die noch nie zum Schwingen ge­kommen sind. Es erneuert mich selbst irgendwie von innen heraus. Ich begreife plötzlich, daß man andächtig werden kann beim Anblick junger, werden­der Menscyen. Aber warum erlebe ich das gerade an Sabine? Weil sie Susannes Tochter ist? Weil eine geheimnisvolle Verbindung von ihr zu mir tauft? Oder ist es nur so, daß ich nun älter werde unö Der Jugend gegenüber anders zu fühlen be­ginne, tiefer und mit ein bißchen Wehmut gemischt? Er lächelt über sich: ja, ja, so wird es wohl sein, alter Freund. Und wer weiß, wenn du klug bist und ein wenig vorsichtig, Dann konnte Susannes Tochter nun Die FreuDe Deiner alten Tage wer­Den...

In Diesem Augenblick Dringt die Stimme Des Knechts zu ihm. Lyk trift auf Den Balkon hinaus, beugt sich über Die Brüstung unD fragt, was es Denn gäbe.

Tagelöhner Renz fei wieDer da, ruft der Knecht und weist auf einen bärtigen Mann an {einer Seite.

Welcher Tagelöhner? Ach so, ja der Hnd autgelaunf bestimmt Lyk, daß Der Fremde herauf­kommen möge.

Eine Minute später tritt der Tagelöhner ins Zimmer. Er bleibt an Der Tür stehen, Den breit« ranDigen verwitterten Hut in der Hand, Die tief­liegenden Augen brennend auf Lyk gerichtet.

Lyk mustert Den Mann mit einem kurzen scharfen Blick. Hnterernährt, stellt er fest, unD ziemlich her­untergekommen. Außerdem verwette ich meinen Kopf, daß er trinkt... Lackt sagt er:Sie wollten mich persönlich sprechen? Sie wollten eine Stelle hier auf Dem Gut haben, nicht wahr?"

Gan^ recht, Herr Lyk."

Lyk fällt auf, Daß in dieser heiseren Stimme etwas wie Erregung schwingt. Aber was geht ihn Das an? Der Mann wird nicht erwartet haben, daß man ihn gleich vorläßt, vielleicht macht ihn Das verlegen. UnD was nun? Wär' eigentlich Michai­lows Sache, mit solchen Leuten zu verhandeln.

Wer hat Sie Denn an mich empfohlen?" fragt er schließlich.

Da tritt Der Bärtige einen Schritt näher, sieht Lyk starr an und sagt:Niemand, Herr Lyk."

Aber Sie haben es doch Herrn Michailow gegen­über behauptet ---'z

Gewiß hab ich's behauptet, aber es war nur ein Vorwand wäre ich sonst je bei Ihnen vor­gelassen worden? Und ich wollte Sie doch unbedingt persönlich sprechen kennen Sie mich nicht?"

Lyk läßt langsam die verschränkten Arme sinken: Nein..."

Da lacht der Bärtige plötzlich rauh auf, tritt in Die Mitte Des Raumes, macht eine ironische, thea­tralische Geste mit beiDen Armen unD sagt halb­laut:Nikolaus Lorenz ist mein Name! Kennst Du mich jetzt, Albert Lyk?"

Lyk steht wie angewurzelt.Nein", sagt er Dann grob, hart unD abweisend in Den Raum hinein. UnD noch einmal, noch gröber und abweisender und sehr laut:Nein!"

Aber zugleich weiß er schon, daß es stimmt, daß es wahr ist, daß dies bärtige, verwilderte, falten­durchfurchte Gesicht des Fremden die Züge des jungen Nick Lorenz trägt, er ernennt ihn wieder an Den blauen Augen, Der sehr geraden Nase, die etwas zu schmal zwischen den Brauen ansetzt, und dem

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ärztlichen Behandlung in die Chirurgische Klini! nach Gießen gebracht werden.

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das alles die verantwortlichen Führer der Weh: nicht von der ihnen obliegenden Sorgfaltspf sich, befreien.

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KS. Lich, 28. Juli. Die in weiten Sängerkreiser bekannte Sängervereinigung(£ ä c i I i a" >- L i ch wird im kommenden Jahr das Fest ihresr rv.

schonen Haaransatz über der hohen Stirn. In rasen­der Schnelligkeit überlegt Lyk, was jetzt zu tun ist:

Wenn dieser Mann wirklich Nick Lorenz ist, muß er sofort von Der BilDfläche oerschwinDen! Unten allen Umständen! Man muß ihm Geld geben! Viel Geld! Man muß ihn gar nicht zur Besinnung konl- men lassen, sonDern ihn mit Versprechungen einfach betäuben! UnD Daß er nur nichts von Sabine er­fährt! Aber wenn er es schon wüßte? Wenn er fie schon gesehen, sie erkannt hätte? Wie konnte Michai­low ihm Diesen Mann zusühren? Warum hat er ausgerechnet Diesen empfohlen? Liegt Da eine Ab­machung vor, ein Komplott? Weiß Michailoio, um wen unD um was es hier geht? UnD wenn er es weiß? UnD wer weiß es überhaupt? Aber mit*- Dem auch fei, das Wichtigste ist, Diesen Mensche», augenblicklich hier aus Dem Hause zu bringen! ...

2ch bin schon ziemlich lange hier in Der Gegend", beginnt Der anDere Dann plötzlich und ohne Rücksicht auf Lyks Gebauten.Ich hab' mich von Afrika, von Tripolis, langsam bis hierher durchgeschlagen. Eines Tages entdeckte ich Das SchilD hier am Haus: 21. Lyk, unD allmählich bekam ich heraus, daß tatsächlich Du Das bist. Da Dachte ich mir: Das ist' ein Fingerzeig vom Schicksal, unD man Darf nicht: achtlos Daran vorbeigehen. So beschloß ich, hier in: Der GegenD zu bleiben, Das Gut im Auge zu be­halten unD abzuwarten, ob Du nicht mal herkommst.. ,, Das wäre Dann nochmal eine Gelegenheit für mich,, dachte ich. Nun kurze Zeit Darauf hieß es, daß: du tatsächlich kommen würdest."

Er fährt sich mit zwei Fingern verlegen durch den Bart.

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hundertjährigen Bestehens feiern. Jr einer vor kurzem abgehaltenen Sitzung wurden als Festtage der 2., 3. und 4. Juli festgelegt. Die Hundertjahrfeier wird im Zeichen unseres großen Licher Sohnes Heinrich Neeb stehen, dessen Todestag sich nächstes Jahr zum 60. Male jährt. Neeb, der 1805 zu Lich das Licht Der Welt erblickte, hat sich in den 50er- bis 70er-Jahren des oergange« nen Jahrhunderts als Komponist, vor allem aber als Dirigent auf Den Damaligen deutschen Sänger- bundesfesten, einen Namen gemacht, Der in ganz Deutschland bekannt war.

Landkreis Gießen.

Allendorf (Lahn), 28. Juli. Die hiesige Bürgermeisterei hat bekanntgegeben, daß für je* Den geschossenen Sperling eine Ver­gütung von fünf Pfennig gegeben wird. Da diese Schädlinge in unserer Gemarkung in gro­ßer Menge auftreten, machen sich viele junge Leute Das Sperlingschießen zum Sport.

# Staufenberg, 29. Juli. Am Sonntag fand auf Der Burg Staufenberg eine Feier statt für Die Reichsberufswettkämpfer 1937 Der Zigarrenfabriken Des Bezirks Gießen. Erschie­nen waren etwa 200 Teilnehmer, sowie eine Anzahl Gäste. Die Eröffnungsrede hielt Kreisjugendwalter H n g e l e n f aus Gießen. Anschließend sprach Kreis- fachschaftswalter P i p p e r von Der Kreiswaltung Gießen über Sinn und Zweck des Reichsberufs­wettkampfes. Hieran schlossen sich einige kamerad­schaftliche Stunden. Die gesamte Veranstaltung nahm einen schonen würdigen Verlauf.

oo Eberstadt, 28. Juli. Dieser Tage fanti hier eine Besprechung über Die geplante Errichtung sportlicher Anlagen statt. An Der Besprechung nah-

Unö was willst Du nun, nachdem ich also» hier bin, von mir?"

Lorenz sieht Lyk an, und in seinen Augen steht: ein großer, heißer Schmerz:Sollten wir uns nicht: erst die Hand geben, Albert? Ich weiß sehr wohl,, daß du mich haßt und verachtest. Wenn ich trotz­dem vor Deinem Haus halt gemacht habe, nach, meiner enDlosen WanDerschaft, unD wenn ich trotz­dem geraDe zu Dir komme und gerade dich um Ar­beit bitte glaub mir: es ist meine ehrliche Ab­sicht, dich nur um Arbeit zu bitten solltest du Dir doch von selbst sagen, daß sicherlich manches Ver­gangene in Wirklichkeit anders aussieht, als Du es- Dir in Deinem Groll zurecht gelegt hast. Also konim^ gib mir Die HanD ..." <

Fortsetzung folgt.

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Aus Der engeren Heimat.

Unfälle auf dem Lande.

Der Arbeiter Heinrich Rees aus Allenbor' (Lahn) stürzte auf Dem Radfahrerweg zwischen Gießen unD Klein-LinDen infolge eines Schwächs­anfalles vorn RaDe unD wurDe von einem Des We. ges tommenDen Kraftfahrer in Die Chirurgische Klj. nik nach Gießen gebracht. Der bebauernsroerh I Mann wurDe vor noch nicht allzulanger Zeit von einem Autounfall betroffen, bei Dem er einen Dop pelten Unterarmbrud) erlitten hatte. Die Zjl! garrenarbeiterin Ernestine Heimbach von Gro< hen - Buseck erlitt Durch einen unglücklichen Stur; eine schwere Knieverletzung. Der 21 Jahre alte Schlosser Arnim BenDer von Grüningen erlitt bei einem Verkehrsunfall schwere Schnittwunden im Gesicht. Einen Ellenbogenbruch zog sich de: 22 Jahre alte Schlosser Sebastian Lange von Flensungen zu. Dex 26jährige Arbeiter Rud, Wagner von Hnterschmitten wurDe an feiner Arbeitsstätte in einer Papierfabrik von einer Trans, missionswelle erfaßt unD erlitt einen Bruch de; rechten Unterarmes. Ein eigenartiger Unfall er­eignete sich auf Dem FrieDhof von Rupperten. rod. Der Schüler Otto Kratz, Der ein Gro­in OrDnung bringen wollte, aeriet unter einen zufällig im gleichen Augenblick umstürzenden Grabstein und erlitt Dabei schwere Verletzungen. Schweren gesundheitlichen Schaben nahm der 24jährige Schweizer Bertholdis G r ü g g e r von Utphe. Er trank aus Versehen aus einer Flasche mit einer ätzenDen Flüssigkeit unD zog sich Dabei schwere Verbrennungen Der Speiseröhre zu uni mußte sich außerDem einer Magenoperation unter

werfen. Unter Dem VerDacht auf schwere innen Verletzungen mußte Der Bauer Hermann Rüb vo Merkensritz in ärztliche Behandlung' gebrach werben. Er stürzte aus ziemlicher Höhe in feiner Scheune auf eine landwirtschaftliche Maschine und' erlitt babei mutmaßlich einen Riß ber Milz,i Bei einem unglücklichen Sturz zog sich Dez Arbeiter Wilhelm Riehm aus Langb einen Beinbruch unb eine schwere Knieverletzung zu. Die 33 Jahrs alte Anna Mueck aus R o m r o b erlitt einen Um terfchenkelbruch. Sämtliche Verunglückte niußten zur