das den Sportlern entgegengebrachte volle Verständnis. Weiter wurde erwähnt, daß auch die Neuerschaffung der Lolkshalle zweckdienlich für die Werbung des Fußballfportes ist,- in der die Sportler im Winter ihren Körper durch Hallentraining erziehen können.
Nachdem nun zwei Gesangvereine und Turner mit Darbietungen erfreuten, folgte der begeisterte Empfang der Gäste aus Worms. Unter dem Jubel der Festteilnehmer zogen sie in die Volkshalle ein. Anschließend bot ihnen der Vereinsführer Harnisch den Willkommensgruß und Bürgermeister S ch ä - f e r begrüßte die Gäste im Namen der Gemeinde. Durch diesen ungeahnten Empfang fühlte sich der Geschäftsführer Stein aus Worms veranlaßt, im Namen seines Vereins, insbesondere der erschienenen Spieler, aufs herzlichste füp den gastfreundlichen Empfang zu danken und brachte zum Ausdruck, daß sie von dem kleinen Verein und der Landgemeinde Watzenborn-Steinberg diese Aufnahme nicht erwartet hätten. Er gab seiner Freude
darüber Ausdruck, daß in einer so sußballbegeister- ten Gemeinde die Wormser Mannschaft für den Fußballsport werben könne. Er übergab dem 23er« einsführer Harnisch und dem Geschäftsführer A. Pitz die silberne Nadel der Wormatia. Dem FC. Teutonia übergab er ein Jubiläumsgeschenk und zwar ein Bild der Vaterstadt seines Vereins Worms. Bei Musikvorträgen und Tanz blieben dann die Gäste und Gastgeber noch lange zusammen.
Am Sonntagvormittag wurde ein Ausflug mit den Gästen auf den naheliegenden Schiffenberg gemacht, um ihnen die Schönheiten unserer Heimat zu zeigen.
Nach dem Jubiläumsspiel, über das wir gestern ausführlich berichteten, begann die Jubiläumsfeier in der Volkshalle, die eben einen gleichguten Eindruck auf die Gäste aus Worms machte, wie der Abend vorher. Gegen 21 Uhr verließ die Fußballmannschaft aus Worms die gastreiche Gemeinde.
Aus der Giadi Gießen.
Geheimrat Krüger 75 Jahre alt.
Von der Pressestelle der Universität wird mitgeteilt:
Am 29. Juni wird Geheimrat D. Dr. Dr. Gustav Krüger, der frühere Vertreter der Kirchengeschichte an unserer Ludwigs-Universität, 75 Jahre alt, nachdem er im letzten Jahr sein fünfzigjähriges Dozentenjubiläum und vor 3 Jahren sein goldenes Doktcvjubiläum hat feiern dürfen. Die Universität gedenkt mit Dankbarkeit seiner Verdienste, die er sich als ein auch im Ausland anerkannter Forscher, als langjähriger Stipendiatenephorus und als zweimaliger Rektor um sie erworben hat, und wünscht ihm Gesundheit und Wohlergehen.
*
Geheimrat Professor D. Dr. Dr. Krüger wurde am 29. Juni 1862 zu Bremen geboren, besuchte dort das Humanistische Gymnasium, studierte in Heidelberg, Jena, Gießen und Göttingen, promovierte 1884 in Jena zum Doktor der Philosophie, wurde 1886 Lizentiat der Theologie in Gießen, leistete dann als Einj.-Freiwilliger im II. bad. Grenadier-Regiment Kaiser Wilhelm Nr. 110 seine Dienstzeit ab und war anschließend zunächst als Prioatdozent der Theologie, dann als außerordentlicher Professor und schließlich als ordentlicher Professor der Theologie an unserer Landesuniversität tätig. Fast vier Jahrzehnte diente er unserer Universität als ausgezeichneter Hochschullehrer bis zu feiner Emeritierung im Jahre 1927.
Unter den Trägern des Geistes, die von der Universität Gießen aus eine Fülle von Energie ins Hessenland und darüber hinaus ausgesandt haben, ist Geheimrat Krüger einer der markantesten und wirksamsten. Der Jubilar gehört der Hessischen Landesuniversität seit einem Menschenalter an. Ehrenvolle Rufe hat er ausgeschlagen, und die Geschichte der Universität in den letzten Jahrzehnten ist ein Stück seiner eigenen Lebensgeschichte geworden. Unter seiner Mitwirkung wurde manche wichtige Entscheidung getroffen. Er war zweimal Rektor und achtmal Dekan der Theologischen Fakultät. Das Amt des Stipendiaten-Ephorus verwaltete er mit allem angeborenen Takte, feiner Menschenkenntnis und seinem Gerechtigkeitssinn. Eine geniale Art der Menschenbehandlung zeichnet ihn aus. Als Universitätslehrer hat Geheimrat Krüger stets eine starke eigene Note bewiesen. Seine Vorlesungen wurden für manchen Studierenden ein starkes Erlebnis. Er verstand es, mit der Ueberlegenheit des Sach
kenners, in fesselnder Leichtigkeit darzustellen. Geistreiche Laune verband er mit einem warmen Herzen und oft bewährter menschlicher Güte.
Auf die Geschicke der Hessischen Landeskirche nahm er insofern Einfluß, als ein ganzes Geschlecht von Theologen durch feine Hände ging. Lange führte er den Vorsitz der „Gießener Theologischen Konferenz". Mit der theologischen Bewegung, die ihn schon als jungen Menschen ergriff, ist er eng verbunden. Karl von Hase, der Altmeister der Kirchengeschichte, und Adolf Harnack waren feine Lehrer. Er folgte ihren Spuren und wandte sich intensiv der Kirchengeschichte zu. Unter vielen feiner veröffentlichten Schriften und Werke befindet sich ein weitverbreitetes Buch, in dem er in einem großzügigen Ueberblick die Geschichte des Papsttums erzählt. Manches wertvolle Persönlichkeitsbild (Luther, Melanchthon, Landgraf Philipp usw.) wußte er zu zeichnen. Ein zusammenfassendes Handbuch der alten Kirchengeschichte und eine hervorragende Darstellung der lateinischen altchristlichen Literatur sind die bedeutendsten Früchte seines Schaffens. Er war stets ein aufrechter Hasser des Fremdwortes-, er bewies sich immer als ein Künstler der Sprache. Starke künstlerische Impulse verriet er auch dann, wenn er die Geige in der Hand hatte, die er meisterhaft beherrschte, lieber seiner Häuslichkeit liegt ein Hauch aus der Welt der klassischen deutschen Musik und Dichtung.
Dem vielverdienten Manne, der sich innerhalb unserer Stadt, über feine Tätigkeit an unserer Universität hinaus, verdient gemacht hat (so z. B. im Evangelischen Kirchenvorstand der Lukasge- meinde, im Konzertverein und im Akademischen Gesangverein), wird zu seinem 75. Geburtstag im großen Kreise seiner vielen Freunde mancher ehrende Gedanke gewidmet fein.
Domotizen.
Tageskalender für Dienstag:
NSLB.: Fachschaft Neuere Sprache: 16 Uhr Oberrealschule, Sitzung. — Ortsgruppe Gießen- Mitte: 20.30 Uhr Hotel Hindenburg, Seltersweg, Schulungsabend. — Appell der Dienststellen: 21 Uhr, Bahnhofshotel, Antreten aller Politischen Leiter. — Gloria-Palast (Selterswegj: „Verräter".
BDM.-undIM.-Untergau 116,Gießen
BDM. -Schwimmen: Da die Meldungen nicht ordnungsgemäß eingingen, wird die Austragung der BDM.-Schwimmstaffeln auf Dienstag, 6. Juli, verschoben. Die Gruppen 2, 3 und 4/116
melden umgehend namentlich die Staffeln (zehn Mädel) und die drei Führerinnen zur Führerinnenstaffel. — Am heutigen Dienstag, 29. Juni, ist von 19 bis 20 Uhr Training für BDM.
IM.-Schwimmen: Am morgigen Mittwoch, 30. Juni, ist von 18 bis 19 Uhr JM.-Schwirnrn- training in der Lahn. Es wird daraus aufmerksam gemacht, daß die Beteiligung am Training für alle IM. Pflicht ist, die sich zur freiwilligen Sportdienstgruppe „Schwimmen" gemeldet haben.
HM Die deutfthc Arbeitsfront
■ xW/? M,=Gemeinfihaft „firaft durch Freude"
Zur großen Deutschen Rundsunkausstellung nach Berlin fährt ein „KdF."-Sonderzug vom 5. August, abends, bis 9. August, vormittags. Teilnehmerpreis für Fahrt, zwei Uebernachtungen sowie Eintritt zur Ausstellung 19,50 RM. 4383V
Nähere Einzelheiten werden später bekanntgegeben. Anmeldungen können bereits jetzt erfolgen. Die Ausbildung der Hausfeuerwehren und Lustfchuhgemeinfchasten.
Der erste Lehrgang beendet.
Die Orts-(Kreis-)gruppe Gießen des RLB. hat in der Zeit vom 24. Mai bis 23. Juni den 1. Lehrgang in der Ausbildung der Hausfeuerwehren und Luftschutzgemeinschaften in Gießen durchgeführt. Etwa 60 Teilnehmer, fast ausschließlich Frauen und Mädels, wurden theoretisch und praktisch in den Aufgaben der Selbstschutzkräfte unterwiesen, die im Ernstfall den Schutz des Hauses gegen Feuer übernehmen sollen. An sechs Abenden wurden die Teilnehmer über den Sinn und Zweck des Luftschutzes unterrichtet. Sie lernten die einzelnen Bombenarten und ihre Bekämpfung kennen; vor allem wurden sie mit der Natur des Feuers, mit der Löschtaktik, mit den einfachen Löschgeräten der Hausfeuerwehren und Luftschutzgemeinschaften und mit den Brandschutzmaßnahmen vertraut gemacht. Dieser theoretischen Ausbildung schloß sich eine praktische Hebung an, bei der die Teilnehmer die Handhabung der Löschgeräte, insbesondere der Kübel- spritze und des Löschkarrens kennenlernten. Elektro- Thermit-Brandsätze wurden bekämpft, kleinere Brände wurden mit Hilfe der Kübelspritze und der Feuerpatsche gelöscht. Die Teilnehmer bildeten ferner Löscheimerketten, um auf diese Weise das Wasser an den Brandherd heranzuschaffen. Zum Abschluß der Uebung wurde der Löschkarren — das Löschgerät der Luftschutzgemeinschaften — vorge- führt, das bei größeren Bränden eingefetzt wird. Aus dem Kreis der Teilnehmer wurden einzelne Mannschaften für den Löschkarren zusammengestellt, die nun selbständig das Standrohr an einem Unter« flur-Hydranten der städtischen Wasserleitung anschließen und mehrere Schläuche zusammenkuppeln mußten.
Durch diese Hebungen werden di-e Hausfeuerwehren und Luftschutzgemeinschaften im Frieden für die Aufgaben im Ernstfall vorbereitet. Aus dem Ergebnis des 1. Lehrganges kann man schließen, daß sich die Teilnehmer ihrer großen Verantwortung bewußt sind und willig diese Hebungen im Arbeitsanzug und unter dem Stahlhelm, teilweise mit der Maske, durchgeführt haben.
Der Hangelstein als Naturschutzgebiet.
Nach einer Bekanntmachung des Herrn Reichsstatthalters in Hessen gilt der Hangelstein bei Gießen als Naturschutzaebiet für vorläufig sichergestellt. Das hier in Aussicht genommene Schutzgebiet umfaßt ein Gebiet im „Gießener Stadtwald^ von 43,2 Hektar Größe; außerdem die außerhalb davon be
findliche „Gnautheiche" und die „Teufelskanzel" im Wiefecker Gemeindewald. Die Grenzen dieses Naturschutzgebietes sind in einer beim Kreisamt Gießen als der unteren Naturschutzbehörde niedergelegten Karte rot eingetragen. Zur einstweiligen Sicherstellung des erwähnten Gebietes ist eine Anordnung ergangen, die besagt, daß es verboten ist, Pflanzen zu beschädigen, auszureißen, auszugraben usw.; ferner ist es verboten, freilebenden Tieren nachzustellen, sie zu fangen, zu beunruhigen oder gar zu töten. Verboten ist es auch, die Wege zu verlassen, zu lärmen, Feuer anzumachen, Abfälle wegzuwerfen ober bas Gelände auf andere Weise zu beeinträchtigen. Wer den Anordnungen zuwider- handelt, muß mit einer Geldstrafe bis zu 150 Mark rechnen.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 29. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: D. f. Molkereibutter, Vi kg 1,57 Mk., feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, ßandbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier S 11, A 10^, B10, C 9>2, D 9, ungez. inländische 8, Wirsing grün, Vi kg, 18 bis 20, Weißkraut 15, Rotkraut 20 bis 25, Gelberüben (Bündel) 10 bis 12, Roterüben 10 bis 12, Römischkohl 12 bis 15, Bohnen grün 20 bis 40, gelb 45, Erbsen 20 bis 25, Tomaten 35 bis 55, Zwiebeln 15, Rhabarber 8 bis 12, Kartoffeln alte 5, 5 kg 46 Pf., 50 kg 3,85 bis 3,95 Mark, neue, kg, 11 bis 14 Pf., Pfirsiche 40 bis 50, Himbeeren 35 bis 40, Kirschen 30 bis 50, Heidelbeeren 35 bis 40, Stachelbeeren 20 bis 30, Johannisbeeren 18 bis 20, Erdbeeen 35 bis 50, Blumenkohl, das Stück, 10 bis 60, Salat 8 bis 15, Salatgurken 10 bis 35, Einmachgurken 5, Oberkohlrabi 7 bis 12, Rettich 5 bis 15, Radieschen (Bd.) 8 bis 10.
*
** In den Ruhestand getreten. Der Justizoberassistent Hertel scheidet am 1. Juli 1937 infolge Erreichung der Altersgrenze aus seinem Amte nach fast vierzigjähriger Dienstzeit aus. Zuletzt war er bei der Staatsanwaltschaft tätig. Im Auftrage der Justizverwaltung überreichte ihm der Oberstaatsanwalt am vergangenen Samstag im Rahmen einer Zusammenkunft sämtlicher Angehörigen der Staatsanwaltschaft eine Anerkennungsurkunde für dem Staate geleistete treue Dienste und hob besonders das Pflichtgefühl des Scheidenden hervor. Abends fanden sich alle Beamte der Staatsanwaltschaft, der Amtsanwaltschaft und des Gerichtsgefängnisses im „Auerhahn^ zu einer Abschiedsfeier zusammen. Der Oberstaatsanwalt konnte dem Veteranen ein Ehrengeschenk der Beamten überreichen. Musikalische und gesangliche Darbietungen gestalteten die Scheidestunde zu einem wahren Kameradschaftsabend.
** Gastwirte zum Glückwunsch auf dem Schiffenberg. Gestern Mittag besuchte der Leiter der Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe von Gießen und Umgegend mit einer Anzahl Berufskameraden den Schisfenberg, um Herrn Lyncker zu dem Familienjubi- läum zu beglückwünschen. Mit Worten der Freude und Anerkennung überbrachte der Borsitzende die Glückwünsche des Verbandes und überreichte der Familie Lyncker eine Bowle mit Widmung. Herr Lyncker dankte für diese Hederraschung und Ehrung und gab anschließend einen kurzen Heberblick über die 100 Jahre, die seine Familie, auf dem Schiffenberg wohnt. Ein Rundgang durch die ganze Domäne Schiffenberg schloß sich an.
* * Unfälle. Der 26jährige Otto Kirchner von hier, Rittergasse 23, erlitt auf einer Fahrt mit dem Motorrad durch Marburg einen schweren Sturz und zog sich einen komplizierten Hnterschenkelbruch zu, der seine Aufnahme in die Marburger Klinik notwendig machte. — Ein hiesiger, im Asterweg wohnhafter Schüler mußte nach einem verhängnisvollen Sturz vom Fahrrad mit einem schweren
Roman von Walther Kloepffer
Copyright 1936 by August Scherl G. m. b. H., Berlin.
33 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Anna, schnell, meine Jnstrurnententasche! Man hat den Tutschek angeschossen. Ziemlich schwer. Ins Bein. Ich habe ihn vorhin im Mühlhölzel gefunden." In seiner Aufregung nahm er gar nicht wahr, wie verstört und verweint das Mädchen war.
„Gleich, Josi", stammelte sie und rannte davon. Wie ist denn das möglich? überlegte sie mühsam. Ich habe ihm doch gar nichts getan... Es muß passiert sein, kurz nachdem ich weggelaufen bin... Siehst du, das ist die Strafe, Basil! Ich wünsche dir nicht, daß du stirbst; aber zwiebeln soll es dich ordentlich.
Fogg nahm die Tasche hastig in Empfang.
„Noch was, Anna. Schorschi steht auf der Büchl- famer Straße. Der Gsodmair ober ein anderer soll ihn abschleppen."
„Ja, sofort."
Es mochte eine Woche später sein, da saß Anna auf der Bank unter dem Nußbaum, und der Fenzl war gerade heimgegangen. Knie und Kreuz taten ihr weh von der vielen Arbeit. Ein blasser Mond kroch über den Himmel. Die verflossenen Tage waren das reine Fegefeuer an Verzweiflung gewesen, aber jetzt ist der Mann Tutschek so ziemlich aus ihrem Leben gestrichen. Sie hatte sich aus Rausch und Enttäuschung in den Alltag zurückgerettet.
„Anna, scht, Fräulein Anna, darf ich hinein?"
„Jetzt, Sie haben mich aber erschreckt, Herr Gsodmair! Ja, kommen Sie nur", nickte die Anna. Der Marti stand verlegen am Gartenzaun und kratzte sich hinterrn Ohr.
„Bitte!" Sie bot ihm einen Platz auf der Bank an. Der Marti, rasiert und in seinem Feiertagsgewand, ließ sich nieder und fand nicht gleich die richtige Einleitung.
„Ein schönes Wetter hätten wir —"
Die Anna hob ihre schmalen Brauen ein bißchen, die Möwenschwingen glichen, und das war soviel wie ein Fragezeichen. Der Martl sagte nicht: „haben wir", sondern dialektisch gefärbt: „hätten wir", und Anna wartete vergeblich auf den Konditionalsatz mit wenn.
Der Martl geriet in eine neue Verlegenheit, weil seine Nachbarin keine Antwort gab und bloß immerzu in den Mond guckte. Es ging mit ihm überhaupt seltsam zu in der letzten Zeit. Er lag nachts oft stundenlang wach im Bett — und das will bei einem Bauern schon etwas heißen —, die Arbeit freute ihn nicht recht und das Wirtshaus am Sonntag schon gar nicht. Nach der Abendsuppe ging er häufig noch mal über den Hof, angeblich, um in den Stall oder nach dem Wetter zu schauen, in Wahrheit aber, um auf das ferne Bandonion zu hören, das neuerdings lauter klagende Weisen von sich gab, bei denen einem stürmisch und schwach ums Herz wurde. Zu seinem Liebeskummer gesellte sich noch das väterliche Verbot. Es ging dem Martl schon sehr schlecht. Aber heute hatte er sich ein Herz gefaßt, hatte auf die väterlichen Drohungen gepfiffen und war heimlich ausgerückt, um mal wieder ein Zipfelchen von der Anna zu sehen. Und nun saß er da, hatte das wunderbare Mädchen aus dem Norden dicht neben sich und zermarterte sich das Hirn nach ein paar gescheiten Worten und einem leidlichen Anfang.
„Ein ganz schöner Abend, Fräulein Anna —"
„Was wollen Sie eigentlich von mir, Herr Gsodmair?" fragte die Anna und ließ den Mond im Stich.
„Bloß ein bissel nachschauen, wie es Ihnen geht." Wenn man so geradeswegs gefragt wird, geht es gleich viel leichter, siehst du.
„Ich konnte nicht klagen, Herr Gsodmair", sagte sie forsch.
„So? Hm. Ich hab nur gemeint wegen dem Schmerz, den Sie da erlitten haben", stotterte der Marti. Endlich mal ein guter Satz, fand er.
„Schmerz? Wieso? Welchen Schmerz?" fragte sie schnippisch.
„Den mit dem Herrn Tutschek. Man hat ihn doch angeschossen, und Sie grämen sich darüber."
„Wer sagt Ihnen, daß ich mich gräme? Sehen Sie, das ist nun wieder so ein kleiner Irrtum von Ihnen, Herr Gsodmair."
„Ich hab' halt gedacht —"
„Zwischen mir und Herrn Tutschek ist das Tischtuch zerschnitten."
„Ja?"
„Radikal."
Der Martl schwieg, teils aus ZartgefkÜHl, teils, weil er mit dieser Neuigkeit erst fertig werden mußte. War Tröstung am Platz oder Jubel? Es ist schon ein Kreuz, wenn man mit den Mädchen noch nicht viel gehabt hat und sich so blitzdumm anstellt.
Die Anna schluckte erst mal ein bißchen, dann gab sie mit der Unbedingtheit ihrer achtzehn Jahre von sich: „Ach, lassen Sie mich mit den Männern aus! Die habe ich heraus! Keiner taugt soviel!"
„Sie gehen ja höllisch scharf mit uns ins Gericht", lächelte der Marti. „Ich töt’ schon einen kennen, der es aufrichtig mit Ihnen meint", setzte er verschmitzt hinzu. Hnd er kratzte seine ganze Courage zusammen und strich mit feinen rauhen Fingern über ihre Hand, was eine ziemlich bedeutende Unternehmung war.
„So? Was Sie nicht sagen! Beichten Sie mal, Herr Gsodmair! Sind Sie schon mit einem Mädchen gegangen?"
„Schon. Sogar mit zwei. Nacheinander natürlich", erwiderte er kleinlaut auf ihre strenge Frage.
„Da haben roir’s! Und Sie Mannsbild machen sich feine Gedanken, daß diese armen Dinger nun herumlaufen und sich die Augen ausheulen? Weil Sie sie sitzengelassen haben...? Oh, ihr wißt ja nicht, wie schlecht ihr seid!"
„So schlimm wird's schon nicht fein", verteidigte er sich. „Und dann — zwischen Gernhaben und Gernhaben ist doch ein Unterschied. Es braucht nicht gleich tiefzugehen und etwas Ernstliches zu sein. Das mit Ihnen, das mit mir und Ihnen ist doch etwas ganz anderes."
„Das sagen Sie so."
„Nein, Fräulein Anna, das ist so."
„Ja, und wenn nun zwischen mir und dem Tutschek allerhand vorgefallen wäre?"
„Das wäre schon zuwider. Aber wenn man eine richtig mag, müßt' man halt darüber hinwegkommen. Ich habe Sie doch lieb, Anna!" murmelte er und tätschelte ihre Hand. Kein Schellenberger Mädchen hatte so kleine und doch feste Hände. Es gab
überhaupt kein weibliches Wesen im Ort, das so schön und vorttesflich war wie Anna.
„Ich muß jetzt ins Haus. Danke für Ihren Besuch, Herr Gsodmair! Gute Nacht!" sagte Anna leise und schritt rasch davon.
*
Fogg beugte sich über das Bett des Verwalters und beschnupperte mißtrauisch die Wunde, diese Einschußöffnung, aus der mißfarbenes Sekret floß. Eine abundante Eiterung hieß man das in Fachkreisen. Er sah nachdenklich drein und war unzufrieden. Irgend etwas stimmte da nicht. Er hatte vorhin dem noch immer bewußtlosen Tutschek nach langer Heberlegung den Verband abgenommen, eine Maßnahme, au der er sich nur ungern entschloß. Wie war das eigentlich? Gleich am Tage nach dem Hnglücksfall hatte er das Geschoß entfernt, eine kleine Revolverkugel, etwas abgeplattet, die in der Gegend des Oberschenkelknochens stak und eine große Ader angerissen hatte. Die Entfernung mit der Pinzette war leicht Donftatten gegangen; aber jetzt, ein paar Tage später, butterte es in besorgniserregender Weise. Vermutlich waren Stofffetzen in den Schußkanal gelangt. Schöne Schweinerei! Auch diese anhaltende Bewußtlosigkeit machte Fogg Sorge. Anfangs ließ sich das mit Gehirnerschütterung und Blutverlust erklären, aber jetzt mußte man schon annehmen, daß auch die Eitergifte eine wesentliche Rolle dabei spielten. Wenn man den Kranken energisch anrief, kehrte er wohl für wenige Sekunden in eine Art halbes Bestich sein zurück, aber dann schluckte ihn gleich wieder die Dämmerung weg. Hoffentlich reißt er’s durch! dachte Fogg. Unfraut verdirbt nicht. Dann machte er einen neuen Verband, verbrauchte ziemlich viel Zellstoff, packte seine Instrumente zusammen und ging.
Gegen das Dorf zu traf er den Gendarmen, der wissen wollte, ob Tutschek schon vernehmungsfähig sei.
„Keine Spur, Herr Wachtmeister! Sie können sich selbst überzeugen. Wir sind schon froh, daß er uns ein wenig Milch und Wasser schluckt. Aus dem kriegen Sie noch nichts heraus."
„Das ist dumm! Hnd das Geschoß? Der Hnter- suchungsrichter will es haben."
Fortsetzung folgt.
denn mit Opekia wird die Marmelade billiger. Ohne Opekta nämlich kocht die Marmelade durch die lange Kochzeit häufig bis zur Hälfte ein. Mit Opekta jedoch bekommen Sie ungefähr das ganze Gewicht an Marmelade in die Gläser, das Sie an Obst und Zucker in den Kochtopf geben.
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