Nr.M Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Dienstag, 29. Zuni 1937
Siegerehrung beim SA -Sportfest.
Brigadeführer Schmidt beglückwünscht die Mannschaft der Standarte 116, Sturm 15/116, zu ihrem Sieg im Kampfballspiel.
Die Mannschaft des Sturmes 15/116 (Großen- Buseck) konnte sich im Spiel des Vormittags gegen Alsfeld wie auch im Entscheidungskampf des Nachmittags gegen Büdingen siegreich behaupten.
Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.
Die Sieger der Brigade 141 beim Gruppen-Sportfest.
Dreikampf (Klasse AI, bis 34 Jahre): 60- Meter-Lauf, Steinstotzen rechts und links und Keulenzielwurf: 4. Sieg Scharführer Wenzel, 2/145, 69 Punkte; 8. Sturmmann Dietz, 2/116, Oberscharführer Küthe, P. 2/116, je 61; 9. Sturms. Wacker, 2/254, 60; 10. Scharführer Wolf, 11/145, 59; 13. Scharführer Franz Müller, 4/222, 55; 14. Sturmmann Freimann, 23/145, 54; 18. Rottenführer Belz, 13/145, 50; 19. SA.-Mann Feist, 4/145, 48; 21. SA.-Mann Bohnacker 9/254, 46 Punkte.
Dreikamps (Klasse A 2, 35 bis 44 Jahre): 60-Meter-Lauf, Steinstoßen rechts und links und Keulenzielwurf: 4. Sieg Scharführer Södler, 1/254, 55 Punkte; 5. Rottenführer Bingel, 22/222, 53; 6. Sturmmann Schmidt, Pi. 2/116, 52; 10. Oberscharführer Fink, 254, 47 Punkte.
Dreikampf (Klasse Reserve, über 45 Jahre): 60-Meter-Lauf, Steinstoßen rechts und links und Keulenzielwurf: 2. Sieg Scharführer Berg, 14/145, 57 Punkte.
60 - Meter - Lauf (Klasse A 2, 35 bis 44 Jahre): 4. Sieg Sturmmann Schmidt, Pi. 2/116, 7,8 Sekunden; 5. Sturmmann Spanner, 24/145.
Stein st oßen (Klasse Al): 3. Sieg Rottenführer Matthies, 3/116, 13,85 Meter; 6. Scharführer Wenzel, 2/145, 12,78; 6. Sturmmann Freimann, 23/145, 12,78; 9. Sturmmann Busch, 2/254, 12,54; 9. Sturmmann Lotz, 2/222, 12,54; 10. Obersturmführer Stock, 1/254, 12,51 Meter. — Klasse A 2: 2. Sieg Oberscharführer Fink, 254, 11,57 Meter; 5. Rottenführer Bingel, 22/222, 10,59; 7. Sturmbannführer Faulstich, 1/116, 10,35 Meter. — Klasse Reserve: 3. Sieg Scharführer Berg, 14/145, 10,18 Meter.
Keulenzielwurf: Klasse AI: 4. Sieg Obertruppführer Sinner, R. 41/116. — Klasse A 2: 2. Sieg SA.-Mann Hetterich, 7/254.
15 - km - Gepäckmarsch mit wehrsportlichen Einlagen: 8. Sieg Standarte 145, 254 Punkte; 14. Standarte 254, 175; 15. Standarte 222, 174; 16. Standarte 116, 158 Punkte.
16 0 - Meter - Alarmlauf: 5. Brigade 147 (Standarte 222), 7.47,5 Minuten.
29 X 60 - Meter - Staffel: 4. Sieg Brigade 147, 2.50,4 Minuten.
10 X 60 - Meter - Hindernis - Dienstgrad staffel: 3. Sieg Brigade 147 (Standarte 145), 2.57,9 Minuten.
6 X 60 - Meter - Pendel - Staffel:
a) Sondereinheiten. — Nachrichten: 4 Sieg Brigade 147 — Nachrichtenfturm 116 — 55,7 Sek.; b) Sondereinheiten — Pioniere: 3. Sieg Brigade 147 — Sturm Pi. 1/116 — 56,1 Sek.; c) Sondereinheiten — Reiter: 3 Sieg Reiterstandarte 147, 56,6 Sek.; 4. Sieg Reiterstandarte 247, 56,6 Sekunden.
Turnen - Geräte - Dreikampf (Mannschaft): 3. Sieg Brigade 147 (Standarte 116), 181,3 Punkte. — Einzelwertung: 8. Sieg SA.-Mann Jung, Sturm 12/116, 47,5 Punkte; 9. Sturmmann Deibel, Sturm 2/116, 46,2 Punkte.
Fünf - Minuten - Paarlaufen: 3. Sieg Sturmmann Franz Neidet - Sturmmann Hans Neide!, 10 Runden und 85 Meter.
Das Ergebnis der Gchäferhundeschau in Gießen.
Nachstehend veröfsentlichen wir einen Auszug aus der Ergebnisliste der Schäferhunde-Schau, die am vergangenen Sonntag unter starker Beteiligung vieler Hundefreunde abgehalten wurde Nicht weniger denn etwa 55 Tiere waren zur Bewertung vorgeführt. Wir nennen nachstehend die Preisträger unserer engeren Heimat:
Rüden.
Vorzüglich: „Otwin v. Busecker Schloß", Besitzer A. Hahn, Züchter: L. Schmidt, beide Großen- Buseck; „Primus vom Busecker Schloß", Bes.: W. Kimm-ll, Z.: Alfred Hahn, beide Großen-Buseck.
Sehr gut: „Rando v. Busecker Schloß", Bes.: W. Wehrum, Z.: Alfred Hahn, beide Großen- Buseck; „Elko Herzogtreu", Bes. Lotte Engler, Schotten, Z.: Gustel Herzog, Oppenheim a. Rh.; „Arno v. d. Biebermündung", Bes.- W. Hahn, Ruppertsburg, Z.: Otto Pfeiffer, Heuchelheim.
Hündinnen.
Vorzüglich: „Gerda v. Busecker Schloß", Bes. und Z.: A. Hahn, Großen-Buseck.
Sehr gut: „Branda v. Busecker Schloß", Bes.: I. Becker, Z.: A. Hahn, beide Großen-Buseck; „Klette v. Hammerstein", Bes.: Lotte Engler, Schotten; Z.: Ehr. Puderbach, Neuwied; „Resi v. Busecker Schloß", Bes.: K. Althaus jr., Z.: A. Hahn, Großen-Buseck; „Flora v. Georgstollen", Bes.: H. Müller, Z.: K. Lenz, Schäferlehrmeister, beide Ehringshausen b. Wetzlar.
Altersklasse Rüden.
Sehr gut: „Stern v. Mäuseturm", Bes.: Dir- ginie Hüttenberger, Gießen, Z.: I. A. Floch, Schwa
benstein; „Zupan v. Holzheimer Eichwald", Bes.: A. Balser, Holzhausen, Z.: Adam Diehl, Butzbach.
Altersklasse Hündinnen.
Vorzüglich: „Biene v. Koppelstein". Bes.: L. Beuler, Höhr, Z.: K. Frank II., Ober-Lahnstein.
Sehr gut: „Dora v. Solmser Hof", Bes. und Z.: A. Freundt, Wetzlar; „Asta v. Gießener Gart- feld", Bes.: G. Klös, Gießen; Z.: A. Freundt, Wetzlar; „Asta v. Ostheimer Wald", Bes.: Hans Rienhardt, Gießen, Z.: Fr. Becker, Ostheim; „Cilla v. Haus Fritz", Bes. und Z.: Ernst Jung, Holzheim.
Junghundklasse Rüden.
Sehr gut: „Saturn v. Lahnstrand", Bes.: Gg. Löwer, Z.: Gg. Hüttenberger, beide Gießen; „Frido v. d. Herminenau", Bes.: A. Czense, Wetzlar, Z.: H. Nicolay, Butzbach.
Gut: „Faktor v. Heck", Bes. F. Scheerer, Weidenau, Z.: O. Hoffmann, Brombach; „Barry v. Röderhof", Bes.: A. Westbrock, Gießen, Z.: Ludw. Roth, Rüddingshausen.
Junghundklasfe Hündinnen.
Sehr gut: „Senta v. Busecker Schloß", Bes.: Gg. Schoch, Oppenrod, Z.: Alfred Hahn, Großen- Buseck.
Jugendklasse Hündinnen.
Sehr gut: „Elfe Lahnwacht", Bes.: L. Petry, Wetzlar, Z.: derselbe; „Cilla v. Speichberg", Bes.: G. Hofmann, Hausen, Z.: A. Lather, Ansbach.
Jugendklasse Rüden.
Sehr gut: „Alex v. Wingertstollen", Bes. und Z.: H. Müller, Ehringshausen.
Gut: „Falko v. Haus Fritz", Bes.: Karl Stützet,
Wetzlar, Z.: Ernst Jung II., Holzheim; „Arno b. Rechtenbach", Bes.: H. Kuhl, Groß-Rechtenbach, Z.^ L. Ufer, Garbenheim; „Greif v. d. Herminenau"^ Bes.: Langsdorf, Pohl-Göns, Z.: H. Nicolay, Butzq bad).
Einer der prächtigen Schäferhunde, der bei der Hundeschau auf dem Waldsportplatz mit einem ersten Preis ausgezeichnet werden konnte. (Aufnahme^ Neuner, Gießener Anzeiger.)
lvZchreZL.„Teulonia"Watzenbom-Sleinberg.
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Vereinsführer Harnisch überreicht dem Spielführer der Gastmannschaft von „Wor- matia" Worms, vor dem Spiel am Sonntag („Wormatia" Worms — FC. „Teutonia" Watzenborn-Steinberg) als Erinnerungs-Geschenk des gastgebenden Vereins eine Adolf-Hitler-Büste. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Am Samstag konnte der FC. „Teutonia" Watzenborn-Steinberg sein zehnjähriges Stiftungsfest beginnen. Fast die gesamte Einwohnerschaft beteiligte sich am Kommersabend. Die fünf hiesigen Gesangvereine und der Turnverein „Gut Heil" Watzenborn-Steinberg halfen den Festabend verschönern. Der festgebende Verein holte die Gesangvereine, mit Musik begleitet, an ihren Vereinslokalen ab und nach einem kurzen Umzug durch die Straßen der Gemeinde begann dann der feierliche Akt in der neuerbauten Volkshalle, die sehr bald besetzt war. Nachdem die Turner, Turnerinnen und Fußballspieler einmarschiert waren, begrüßte der Geschäftsführer, A. Pitz, die Anwesenden im Namen des Vereins. Nach ihm sprach der Vereinsführer, Harnisch, der die zehnjährige Dereinsgeschichte kurz schilderte, in der er u. a. erzählte, daß die jungen Gründer und Helfer trotz mancher Schwierigkeiten den Mut nicht sinken ließen und immer wieder ver
suchten, durch Anträge an Gemeinde und Staat eine Sportstätte zu erhalten. Es wurde auch erreicht, daß die Gemeindeverwaltung ein Stück Oedland zur Verfügung stellte, das von den Arbeitslosen und hauptsächlich von den Mitgliedern des Vereins zu einem Sportplatz umgebaut wurde. Dann wandte sich Harnisch an die Gründer des Vereins, dankte ihnen und verlieh zur Anerkennung einem jeden als äußerliches Zeichen ein Diplom. Gründer waren: Gg. Buß, Ldw. Happel, Alb. Knorr, Otto Fett, Hch. Schmandt, Ernst Happel, Otto Burger und Robert Ruckelshausen. Anschließend erhielten die Gründungsmitglieder O. Fett, Hch. Schmandt, Ernst Happel, Otto Burger und Robert Ruckelshausen die goldene Vereinsnadel als Dank für ihr außergewöhnlich diszipliniertes Verhalten auf dem Sportfeld in diesen zehn Jahren. Weiter sprach der Vereinsführerder Gemeindeverwaltung Dank aus für
Hebbels „Nibelungen".
Iestaufführung in Worms.
Als dem Dramatiker Friedrich Hebbel wenige Wochen vor seinem Tode der 1859 gestiftete Schillerpreis zuerkannt wurde, galt diese Ehrung ausdrücklich dem „Verfasser der .Nibelungen'"; und wenn wir heute auch geneigt sind, diese späte, vom Dichter selbst bitter als verspätet empfundene Auszeichnung und Anerkennung auf sein Gesamtwert zu beziehen, wird einem — gerade nach der außerordentlichen Leistung der Festaufführung im Städtischen Spiel- und Festhaus zu Worms — klar, mit welchem Rechte schon damals dieses eine Werk aus der langen Reihe aller übrigen herausgehoben zu werden verdiente.
Das alte Nibelungenlied, die große Schöpfung eines noch immer und wohl für alle Zeiten unbekannten deutschen Dichters der Stauferzeit, ein Werk, das mir als Nationalepos unseres Volkes verehren, ist — eben um seiner mittelalterlichen Sprache willen — nur einem verhältnismäßig kleinen Kreise im Original zugänglich. Die Wagner-Oper gab dem mächtigen Stoff grundsätzlich neue Akzente und wird ihrer innersten Natur nach mit Recht in erster Linie als Musi kdrama ausgenommen und gewertet. Erst Hebbel hat den nationalen Stoff in eine jedermann auf das Eindrucksvollste faßbare Form gegossen.
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Er hat mit der riesigen, spröden Masse einen wahrhaft heroischen Kampf begonnen und bestanden. Er überwand die Unzulänglichkeiten in Raupachs „Nibelungenhort", er besiegte auch die Bedenken des Aesthetikers Friedrich Theodor Vischer, welcher einer Gestaltung „dieser Eisenmänner, dieser Riesen- weiber" der alten Sage nur die einzig mögliche und angemessene Form der großen heroischen Oper zuzubilligen vermochte. Hebbels Unternehmen war es, „die Basreliefs des alten Liedes von der Wand abzulösen"; dabei wuchs ihm der Stoff unter den Händen, bis er die Fülle überschaut, gegliedert, geformt und gebändigt hatte in den elf mächtigen Akten eines „deutschen Trauerspiels in drei Abteilungen": „Der gehörnte Siegfried" als Vorspiel, „Siegfrieds Todwund „Kriemhilds Rache". In dieser Trilogie fließen Sage und frühe Geschichte unseres Volkes auf eine bezwinqend-großartige Weise ineinander. Die „Basreliefs" sind in der Tat „von der Wand abgeläst" und wachsen wie die Gestalten einer enormen Fresko-Malerei ins Uebermenfchliche und Mythisch-Ueberlebensgroße.
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Gleichwohl ist ihre Sprache die unsere und uns verständliche; in ihren Reden und Taten, in chrem Schicksal und ihrem Tode erleben wir die mächtige Szenenfolge einer heroischen Volksballade; hier finden wir alles das mit höchster Klarheit und Einfach
heit zu lebendigstem Leben erweckt, was unsere Phantasie und Erinnerung sich aus frühen Eindrücken von Sage und Volksbuch, von Lied und Epos vom Nibelungenstoff dunkel und dämmernd bewahrt hat: den Wettkampf der Mannen, die Fabel vom Drachentöter mit dem Lindenblatt zwischen den Schultern, mit dem Schwert Balmung und der Nebelkappe, seine Werbung um Kriemhild, seinen Kampf für Gunther mit Brunhild, die Entdeckung des Betrugs, den Streit der Königinnen vor dem Dom, den Meuchelmord Hagens auf der Jagd im Odenwald, die Aufbahrung der Leiche Siegfrieds und den Racheschwur Kriemhilds, die Gestalten Rüdigers und Dietrichs von Bern, den Burgundenzug nach Heunenland, Kriemhild an der Seite Etzels, den im Rhein versenkten Nibelungenhort ... und den fürchterlichen Untergang der Helden im brennenden Festsaal. —
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Das Unternehmen, dieses dramatische Riesengebäude mit verhältnismäßig geringen Kürzungen als Ganzes in einem einzigen, ungebrochenen, gegen Ende immer gewaltiger sich steigernden Szenenablauf auf die Bühne zu bringen, ist außerordentlich und dürfte in der Geschichte des deutschen Dramas und Theaters seinesgleichen suchen. Der Spielleiter Richard Weichert, dessen hervorragende Leistungen am Frankfurter Schauspielhaus noch unvergessen sein werden, hat es gewagt und gewonnen: der weite und große, stilvoll angelegte Raum des Wormser Sviel- und Festhauses gab der Aufführung einen Rabmen, wie man ihn sich kaum schöner, sinn- und beziehungsvoller hätte denken können für ein Trauerspiel, dessen meiste Szenen ja ihren Schauplatz in Worms haben.
Monumentalität: das ist wohl das Stichwort, mit dem man die Eindrücke der Festaufführung am eindeutigsten und knappsten zusammenfassen kann: es galt zunächst für die Raumgestaltung durch Max Fritzsche, der die entscheidenden Stationen — Gunthers Burg, Brunhilds Burg in Jsenland, den Dom, den Odenwald, Bechlarn und den Etzel-Hof — im Stile riesiger Tafelmalereien entworfen hatte. Die strenge, in den Farben sparsame, in den Formen wuchtige 'Romanik der weiten und tiefen Räumlichkeiten fügte sich zu einem vollkommenen Zusammen- klana nicht nur mit dem amphitheatralisch ansteigenden Rund des Bühnenraumes, sondern darüber hinaus erst recht mit dem durch den nahen Dom prachtvoll und kennzeichnend beherrschten Bilde der alten Stadt.
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Monumentalität war auch das Merkmal der dramaturgisch-darstellerischen Gestaltung, die von allen an der Aufführung Beteiligten ein durchaus ungewöhnliches Maß an schauspielerischem Einsatz und innerer Konzentration verlangte. Weichert hat die Orgelpunkte der Trilogie mit ungemeiner Sicherheit, überschauender und gliedernder Kraft herausgearbei
tet in einer Szenenfolge, die kein Wort und keinen Vers zu viel enthielt und die Elemente der Handlung in einer grandiosen Steigerung auf das düstere, flammenüberflackerte Finale des Schlußaktes hin aufbaute und durchkomponierte. Die Szenen vor dem Dom, im Odenwald und in der Heunenburg waren Höhepunkte einer wirklichen Festaufführung von unvergeßlicher Eindringlichkeit. Es gab nicht einen toten Punkt während der mit verhältnismäßig geringen Pausen über sechs Stunden dauernden Vorstellung; das ist ein Ausmaß, das wohl selbst das der größten Wagner-Opern noch überbietet; dabei wird mehr als einer unter den Zuschauern und Zuhörern überrascht, betroffen und gebannt gewesen sein von der von Szene zu Szene sich steigernden (rein theatralischen) Spannung und der gewaltigen Ausdruckskraft einer heroisch-nationalen Dramatik.
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Wie im Szenischen, so wurde auch darstellerisch die Aufführung, die ein riesiges Personal erfordert, zum überwiegenden Teile von den Kräften des Hessischen Landestheaters in Darmstadt — Gesamtleitung: Generalintendant Franz Everth — bestritten; nur für die beiden tragenden Frauenrollen in diesem männerreichen und männlichen Drama hatte man zwei bedeutende Berliner Darstellerinnen verpflichtet. Der wunderbar sammelnde und aus- strahlende Mittelpunkt der Aufführung war durch alle elf Akte hin die Kriemhild der Agnes Straub. Es gibt wohl unter den berühmten Darstellerinnnen, über die wir heute in Deutschland verfügen, keine, die schon in der körperlichen Erscheinung und dem äußeren Bilde unserer Vorstellung von der deutschen Königstochter Kriemhild idealer entspräche: hoch und schlank, von einem sehr Hellen Blond, das herrlich mit dem lichten Blau wie mit dem strengen Schwarz der schlichten, weich fließenden Gewänder harmoniert, verkörvert sie etwas von der zugleich herben und süßen Weiblichkeit der edlen Figuren des Naumburger Domes oder des Straßburger Münsters. Solchem Bilde entspricht vollkommen die geistige Beherrschung, die seelische Durchdringung und Vertiefung der Gestalt; man muß sich die unerhörte Konzentration vergegenwärtigen, welche allein die aedächtnismäßige und sprachliche Bewältigung dieser Rolle verlangt. (In der sich, genau genommen, drei Rollen vereinigen.) Bewundernswert darf aber die innere Spannung dieser Frauengestalt in den Händen der Straub genannt werden, die seelische Entwicklung, die in der Tat zwischen den äußersten Polen menschlicher Empfindung sich zu bewegen bestimmt ist: „... von der zaghaften, schüchternen Jungfrau, die sich schamhaft vor dem heimlich Geliebten verbirgt, bis zu dem furchtbaren Rachedämon, der das Haupt des eigenen Bruders wie einen Distelkopf absck)lägt." Von der zarten, manchmal fast ein wenig schalkhaften Innigkeit des Gefühls, mit der diese Kriemhild ihren Helden umfängt ... bis in die unheimliche und schon über
menschliche Starrheit eines rächenden Würgengels: welch eine Steigerung, auch in der aller Modulationen fähigen Stimme, die wie ein empfindliches Instrument den Raum im Halblauten wie im entfesselten Schrei durchdringt und füllt.
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Die Brundhild war am letzten Festspieltage — an Stelle von Maria Koppenhöfer, Berlin — Ruth Trumpp vom Landestheater, die sich neben der Straub mit einer interessanten und beherrschten Leistung sehr persönlich behauptete; sie gibt eine jugendlichere Brunhild als die Koppenhöfer, schwarzhaarig, bleich und wild, mit schmalem Körper, dem man so männliche Kampfleistungen kaum zutrauen möchte, aber gespannt und angetrieben von einem glühenden, unter Zuckungen gebändigten Willen, von jungfräulicher Scham, walkürenhaitem Stolz und vergehendem Haß.
Neben ihr muß zunächst Karl Z i st i g (der früher in Frankfurt spielte) als Hagen genannt werden: auch dies eine Gestalt, die dem überwirklich-mythischen Stil der Aufführung auf eine imponierende Weise entsprach — in äußerer Erscheinung, in Haltung, Gebärde und Sprachstil; ein finsterer, unerbittlicher, dem Schicksal und dem schweren Tode trotzenden Kämpfer . — Sehr licht und hell, jugendlich-strahlend, edel und arglos, die Jdealgestalt der deutschen Heldensage, stand ihm in Jochen P o e l - zig ein Siegfried von naturhafter Einfachheit und Gesundheit des Empfindens und Handelns gegenüber.
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Von dem Riefenaufgebot der übriaen Mitspieler können hier nur noch einige der wichtigsten und im Gesamtbilde markantesten Figuren festgehalten werden: Carl R a d d a tz, der die wenig dankbare Rolle des Gunther mit maßvoller Gehaltenheit formte, Max Nemetz, der als Etzel im lebten Teil des Trauerspieles den Gang der Ereignisse wesentlich mit bestimmte, Hellmut Bergmann als Rüde- ger und Walter Jung, zwei charaktervolle, lebendige Sprecher. — Auch einige frühere Mitglieder des Gießener Stadtheaters standen im großen Ensemble: Ludwig M o s b a ch e r, ein rührend jugendlicher Giselher, L i n k m a n n, der hunnische Sviel- mann Werbel, beweglich und geduckt, schleichend und witternd, die halbwilden Rudel der Heunenkrieger anführend und aufwiegelnd; ferner die Herren von S p a II a r t und Gehre.
Hans Thyriot.
Vor Beginn der mit anhaltendem Beifall auf- genommenen Festvorstellung stattete Oberbürger, meister Bartholomäus dem scheidenden Gaupropagandaleiter M ü l l e r - S ch e l d , der sich für die Ausführung der „Nibelungen" gerade in Worms verdienstvoll und tatkräftig eingesetzt hat, den Dank der Stadt ab und überreichte ihm als Andenken eine Radierung.


