Ausgabe 
29.6.1937
 
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Zanzibar, die paradiefischeZnsel.

Ein 2Reifebrief von Hauptmann a. O. Cordt von Bran-is.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Zanzibar, Juni 1937.

Für uns Deutsche hat die Insel Zanzibar mit ihrer gleichnamigen Hauptstadt geschichtliche Be­deutung. Die Insel mit ihren 13 800 Einwohnern und dem großen Handelsverkehr gehörte zu dem von Dr. Karl Peters ursprünglich begründeten Schutzgebiet und wurde später mit England gegen die Insel Helgoland ausgetauscht. Vom alten Afrika- Hotel in Zanzibar aus trat Dr. Peters mit nur drei Begleitern den kühnen Eroberungszug an, der uns in den Besitz der Kolonie Deutsch-Ost- Afrika brachte. Eine arabische Dhau (Segelschiff) brachte ihn an das Festland nach Bagamojo hin­über und bereits vier Monate später hatte er durch Verträge mit vier großen Stammeshäuptlingen ein Stück Land von der Größe Süddeutschlands unter den Schutz des Reiches gebracht.

Das Afrika-Hotel besteht heute noch. Es ist, wie fast alle Häuser der alten Araberstadt, ein mächti­ges Bauwerk mit dicken Wänden aus Stein und Lehm, die schneeweiß getüncht sind, mit kleinen Fensteröffnungen und Zimmern am Rande der flachen Dächer. Inmitten des Bauwerkes liegt ein kleiner Hof, dessen Mitte ein Wasserbecken bildet, das mit.üppigen Blattpflanzen umgeben ist. Die Haustür ist festungsähnlich stark mit herrlichen Schnitzereien versehen und mit schweren Buckeln aus Messing besetzt. Alle Häuser ähneln diesem Ho­tel-Gebäude, überall das festungsartige Gepräge, die mächtigen Flügeltüren, die dicken Wände und kleinen Fenster sowie die Zinnen auf der oberen Mauerkante. Auch die Paläste der Sultane bilden kaum eine Ausnahme, nur sind sie noch größer und haben das finster wirkende Harems-Gebäude neben sich, in dem die unglücklichen Frauen hinter Gittern eingesperrt saßen, von wo sie sehnsüchtig auf das überaus bunte Treiben der Bazar-Straßen hinab­sahen. Aber nicht alle Sultane waren gleich herz­los zu ihren Frauen. Einer von ihnen ließ für seine hundert Frauen ein Schloß inmitten eines riesigen Parkes bauen, den er mit einer mächtigen Mauer umgab, die damals schon 15 000 englische Pfunde gekostet haben soll. Von diesem Schlosse sind noch die persischen Bäder erhalten und die kreis­runden Wasserbecken inmitten der Höfe, die mit blauen Lotosblumen so weit bestanden sind, wie die Besucher mit ihren Händen nicht greifen können. Das Wasser für dieses Becken und für die Brun­nen, wie überhaupt das Süßwasser für die Stadt, leiteten die Araber auf gemauerten Aquädukten von den nördlich der Stadt gelegenen Hügeln heran, es ist ganz vorzüglich, und der Volksmund berichtete, es stamme von den Gletschern des Kili- mandschora. Erstaunlich ist es, daß sowohl die For­schungen der Geologen als die Untersuchungen der Chemiker ergeben haben, daß es sich tatsächlich mit ziemlicher Sicherheit um Sickerwasser dieses größten ostafrikanischen Berges handeln muß.

Schon am Hafen fällt dem Ankömmling ein ein­dringlicher Geruch nach Glühwein auf. Er stammt aus den Lagerschuppen für Gewürznelken. Zanzi­bar ist die Insel der Nelken. Ein weitschauen­der Sultan hat den Anbau der sehr langsam wach­senden Nelkenbäume schon vor fast hundert Jahren mit Gewalt durchgedrückt, ähnlich wie die Könige von Preußen den Anbau der Kartoffel befehlen mußten. Der Nelkenbaum wird bis zu zehn Meter hoch, behält aber trotzdem buschähnliches Aussehen mit Zweigen bis zur Erde. Die Nelken selbst wach­sen an den Enden der Zweige und werden vor dem Aufblühen gepflückt und getrocknet. Nach amtlichen

Angaben stehen über drei Millionen Nel­ke n b ä u m e auf der Insel und zur Zeit der Ernte bieten sie vielen Leuten, die zum Teil sogar vom Festlande herüberkommen, Arbeit.

Fährt man auf der guten Asphaltstraße am Meere unter ragenden Kokospalmen und mächtigen Mangobäumen dahin, die neben den Pflanzungen der Nelkenbäume das wellige Land b edecken, so kommt einem die paradiesische Schönheit dieses Eilandes inmitten des blauen Indischen Ozeans so recht zum Bewußtsein. Herden gut ge­nährter Rinder grasen unter den Palmen und tränken sich aus den klaren Bächen, die von den Hügeln im Innern herabkommen. Die feuchte See­brise läßt auch in der heißen Zeit kein Dürr- und Grauwerden der Gräser und Büsche zu. Sie ver­treibt aber auch die Malaria-Mücke und so schlafen die Europäer auf Zanzibar ohne die stickigen Mos­kitonetze und ste brauchten nicht allabendlich die Chinin-Tablette als Vorbeugungsmittel zu nehmen. Auch giftige Schlangen und gefährliche Raubtiere fehlen auf dieser gesegneten Insel, ebenso wie die Tsetse-Fliege, die gegenüber, auf dem Festland, dem Rindvieh und den Pferden so verhängnisvoll wird. Die sportbegeisterten Engländer können daher sogar Polo-Pferdchen halten.

Aber eine Landplage gibt es doch, und zwar un­sere gewöhnliche graue Krähe. Zu meinem größ­ten Erstaunen sah ich einen ganzen Flug dieser edlen Tiere, der gemeinen Nebelkrähen, sich um ein eben überfahrenes Huhn balgen. Ein Vogelfreund hat vor Jahren zwei Pärchen grauer Krähen aus Europa mitgebracht, und während es nur schwer gelingt, Nutztiere zu akklimatisieren, haben sich diese Biester hier auf der herrlichen Insel gegen alle Re­geln der Inzucht rapide vermehrt, so daß sie heute zur Landplage geworden sind.

Merkwürdig mutet es an, wenn man in ein ur­altes arabisches Haus hineinkommt und darin für Europäer hergerichtete und ausgestattete Wohnungen findet. Elektrisches Licht und Wasser­leitung, Ventilatoren und neuzeitliche Möbel passen sich diesen alten Bauwerken besser an, als man denken sollte. Das flache Dach, auf dem die Araber zu schlafen pflegten, ist zum Dachgarten ge­worden, und von hier schweift der Blick über die Zinnen und Dächer der Stadt über die Hafenanla­gen auf das Meer hinaus und längs der Küste bis in weite Ferne, wo eben hinter dem niedrigen Berg­strich vom Festlande Afrikas die Sonne versinkt. Auf der Reede sieht man die modernsten, schon jetzt hell erleuchteten Riesendampfer der großen deutschen, englischen, holländischen und japanischen Schiffahrts­linien in der Dünung liegen, während näher dem ßonbe, hinter dem Wellenbrecher aus Betonklötzen, die arabischen Dhaus, wie schon vor Jahrhunderten, darauf warten, daß der Südostmonsum aufkommt, der sie mit ihren Waren zum Persischen Golf zu­rücktreibt, so wie sie vor Weihnachten der Nordost- monsum hierher getrieben hat.

Bunt ist das Leben der abendlichen Straßen. Die Inder besuchen zu Hunderten einen berühmten Prie­ster. Sie kommen familienweise in Festtracht. Die Männer schneeweiß in Hosen und langen Geh­röcken mit bunten Turbanen, die Weiber und Kinder grell bunt mit schillernden und blitzenden Flitter­streifen an dem Saum ihrer Kleider. Die bärtigen Araber gehen nie ohne den silbernen Krummdolch, und ihre stolze Haltung läßt deutlich die Angehöri­gen einer alten Herrenschicht erkennen. Ihre eigen­artigen Steingräber liegen verfallend und doch un-

äntastbar auf kleinen Plätzen inmitten der engen Bazarstraßen.

Zanzibar, die nelkenduftende, palmenumrauschte Insel ist ohne Zweifel nicht nur der Schlüssel zur ostafrikanischen Küste, sondern auch das Juwel die­ser Gewässer. Man hört, aber man glaubt es kaum, daß die Staatsausgabe^ aus dem Nelkenhandel ge­deckt werden und die Zanzibar-Bürger st e u e r f r e i sind. Damit würde dieses herrliche gesunde Fleckchen Erde an paradiesische Zustände herankommen.

(Alle Rechte beim Traditions-Verlag Kolk & Co., Berlin SW.)

Aus aller Welt.

Großer Erfolg der deutschen Fremdenverkehrswerbung.

Das Schiedsgericht des Zentralrates für inter­nationalen Fremdenverkehr hat in Paris unter dem Vorsitz des Präsidenten des französischen Touring- Clubs, Chaix, den ersten und zweiten P r e'i s des internationalen P l a k a t Wettbe­werbs für Fremdenverkehrswerbung Deutsch­land zuerkannt. Der große von König Fuad von Aegypten gestiftete goldene Pokal kommt da­mit zum zweitenmal nach Deutschland. Der erste Preis siel an das PlakatBad E l st e r7', der zweite an das PlakatHarz, Wunder des deutschen Waldes", beide von Jupp Wiertz aus Berlin, der dritte Preis siel an Aegypten für das PlakatAegypten, Land der ewigen Sonne . Da sich an dem Wettbewerb 19 Län­der mit insgesamt 37 hervorragenden Plakaten be­teiligt hatten, dürfen der deutsche Fremdenverkehr und der zum zweiten Male ausgezeichnete Künstler auf ihren Erfolg stolz sein. Auch die übrigen vom Reichsausschuß für Fremdenverkehr vorgelegten Plafate erfuhren eine gute Bewertung.

Die Verluste der Heilberufe im Weltkriege.

Im Zuge der eingehenden Untersuchungen über den Einsatz von Menschen und Material im Welt­krieg werden jetzt auch die Ziffern über die Heil­berufe bekannt. Danach zählte das deutsche Sanitätskorps im Weltkrieg im Heer 24 798, in der Marine 1359 und in der Schutztruppe 135 Aerzte. Von den insgesamt 26 292 Aerzten wa­ren 18 709 im Operations- und Etappengebiet, 7583 innerhalb der deutschen Grenzen tätig. Auf dem Felde der Ehre blieben 1819 Aerzte; 869 von ihnen fielen oder starben durch Verwundung, die übrigen durch Krankheiten. Im Kampf gegen das Fleck­fieber ließen 98 Aerzte ihr Leben. 990 Aerzte gerie­ten in Gefangenschaft. Die Zahl der Zahn­ärzte betrug im Feld- und Heimatheer bis Mitte 1918 insgesamt 1300. Schließlich gab es im deut­schen Feldheer 1992 Militärapotheker, im Besatzungsheer 1647. Von den insgesamt 3639 Apo­thekern sind 71 gefallen bzw. gestorben.

Tagung der Landwirlschaflschemiker in Frankfurt.

Anfang Juli treffen sich die auf dem Gebiete der landwirtschaftlich-chemischen For­schung tätigen deutschen Wissenschaftler zu einer großen Gemeinschaftstagung in Frankfurt a. M. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Bodenkund- lichen Gesellschaft, dem Verband Deutscher Land­wirtschaftlicher Untersuchungsanstalten und der FachgruppeLandwirtschaftschemie" im Verein Deutscher Chemiker wird diese Tagung von der ReichsarbeitsgemeinschaftLandw. Chemie" im Forschungsdienst durchgeführt. Bei der Vielseitig­keit der Vorträge (Bodenkunde, Pflanzenernährung und Pflanzenschutz, Tierernährung) wird das Tref­fen die straffe Zusammenfassung aller deutschen Landbauwissenschasiler im Forschungsdienst wider­spiegeln. Dieser Tagung kommt insofern eine beson­dere Bedeutung zu, als es in der deutschen Land­wirtschaft gegenwärtig vor allem darauf ankommt,

die Erzeugung mit allen Mitteln zu steigern. Eine Erhöhung der Leistung fordert in erster Linie eine sorgfältige Erforschung aller ackerbaulichen Fragen, und so werden die Voraussetzungen einer deut­schen Düngerwirtschaft wesentlicher Ge­genstand der Vorträge sein, in denen berufene deut­sche Wissenschaftler über den Stand ihrer For­schungsarbeiten berichten werden.

Wegen Gatlenmordes zum Tode verurteilt.

Das Schwurgericht in Königsberg verurteilte die 51jährige Ehefrau Maria Parakennings wegen Giftmordes an ihrem Ehemann, dem 57jährigen Landwirt August Parakennings aus Schenkendorf im Kreise Labiau, zum Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit. Die Angeklagte, die einen sehr schlechten Ruf genoß, hatte den Witwer Parakennings ge­heiratet und ihn dazu gebracht, ihr sein Grund­stück zu verschreiben. Sie knüpfte dann mit einem anderen Mann ein Liebesverhältnis an und legte es nun darauf an, sich ihres Mannes zu entledigen. Sie schüttete ihrem Mann eine solche Menge Arsenik in einen Pfefferminztee, daß das Gift ausgereicht hätte, eine ganze Familie zu vernichten. Der Mann starb nach dem Genuß des Tees sofort. Die Frau hatte ausgestreut, daß er an einer Grippe ver­storben sei. Sofort auftauchende Gerüchte, daß hier kein natürlicher Tod vorliegen könnte, veranlaßte die Staatsanwaltschaft, die Leiche zu beschlagnah­men. Bald nach der Verhaftung legte die Ehefrau ein Geständnis ab.

Korea von zwei schweren Unglücksfällen heimgesuchk.

Korea wurde von zwei Unglücksfällen heimgesucht, bei denen zahlreiche Todesopfer zu beklagen sind. In der Provinz Sansho in Ost­korea stürzte ein im Bau befindlicher Eisenbahn­tunnel ein. Ueber vierzig Arbeiter wurden unter den Erdmassen begraben; es besteht wenig Hoff­nung, sie lebend zu bergen. An der Nordostküste Koreas wurden rund 200 Fischerboote von einem Sturm überrascht, die bisher nicht in ihre Heimat­häfen zurückgekehrt sind. Man befürchtet den Ver­lust eines Teiles dieser Fischerflotte, die zum He­ringsfang ausgelaufen war.

Schweres Eisenbahnunglück in Chile.

In Valparaiso (Chile) sind zwei Vorort­züge zusammengestoßen. Sechs Personen wurden getötet und 20 schwer verletzt.

Wetterbericht

des Reichsweiterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

Die von Südwest eingedrungenen Tiefdruckstörun- aen brachten auch unserem Gebiet gewittrige Nieder­schläge, die örtlich sehr ausgiebig waren. Gleich­zeitig wurde damit das Eingreifen der nordeuropä­ischen Wirbeltätigkeit auf unser Wetter beschleunigt, so daß unter ihrem Einfluß bei lebhaften westlichen Winden mit weiterer Abkühlung sowie mit weiteren meist schauerartigen Niederschlägen gerechnet wer­den kann. Der Witterungscharakter bleibt auch für die Folge bei Luftzufuhr aus West bis Südwest unbeständig.

Aussichten für Mittwoch: Wechselnd be­wölkt mit wiederholten meist schauerartigen Nieder­schlägen, bei lebhaften westlichen Winden Mittags­temperaturen zwischen etwa 15 bis 20 Grad.

Aussichten für Donnerstag: Bei Luft­zufuhr aus West Fortdauer der unbeständigen und ziemlich kühlen Witterung.

Lufttemperaturen am 28. Juni: mittags 26,3 Grad, am 28. Juni: abends 19,4 Grad, am 29. Juni: mor­gens 17,7 Grad, Maximum 27,5 Grad, Minimum 16,7 Grad Celsius. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. Juni: abends 24,4 Grad, am 29. Juni: morgens 20,7 Grad Celsius, Sonnenscheindauer 10,9 Stunden.

Statt Karten

Mein lieber Mann, unser guter Bruder und Schwager

Herr Fritz Magnus

ist am 25. Juni sanft entschlafen.

Gießen, den 29. Juni 1937.

Die Beisetzung erfolgte in der Stille.

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