Ausgabe 
29.6.1937
 
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zwischen Gekreideproduzenken und Maschinen- fabrikanten zu teilen, als zwischen TNaurer und Apotheker in derselben Stadt, so klein sie auch sein mag? Gewiß, so lange die Rationen es noch nicht verstanden haben, harmonisch und friedlich zusammenzuarbeiten, können autar- kische Maßnahmen eine unliebsame wirtschaft­liche Abhängigkeit von andern verringern. Wir wollen uns aber klar darüber sein, daß diese Unabhängigkeit erstens immer eine beschränkte bleiben wird, und zweitens, daß sie teuer be­zahlt werden mutz.

Man muß sich darüber klar sein, daß wir es in der Welk mit einem Wirtschaftssystem zu tun haben, in dem die natürlichen Hilfsquellen, die klimatischen Verhältnisse und die menschlichen Fähigkeiten zwi­schen den Ländern ungleich verteilt sind. Diese Strukturunterschiede zwingen die Nationen, ihre Erzeugnisse auszutauschen, wenn sie ihren Ertrag und ihren Wohlstand die wesent­lichen Ziele jeder Wirtschaftspolitik steigern wol­len. Wenn die Welt, wie wir hoffen wollen, wieder zu der Vernunft zurückkehrt, die die unentbehrliche Voraussetzung ihrer Prosperität ist, so werden d t e der 3t ü ft u n g dienenden Wirtschafts­zweige in dem Maße, in dem sich die Rüstungs­aufträge verringern, eine neue Orientierung empfangen müssen. Ein Teil der freiwerdenden Ar­beitskräfte kann zweifellos durch gemeinnützige öffentliche Arbeiten in nationalen und vielleicht sogar im internationalen Rahmen beschäf­tigt werden. Es wäre aber gefährlich, diese öffent­lichen Arbeiten während einer Periode des Wieder­aufschwungs wie der gegenwärtigen in zu großem Umfang zu betreiben-, denn man muß um jeden Preis vermeiden, daß die gegenwärtige Wieder­belebung in einen wirtschaftlichenBoom" ähnlich dem von 1929, ausartet. Es ist daher kaum vorstell­bar, daß solche öffentlichen Arbeiten für sich allein alle durch die Verlangsamung der Rüstungen frei­werdenden Arbeitskräfte aufnehmen .können. Viel eher wäre ihre Absorbierung bei einer fort­schreitenden Ausdehnung des Welt­handels möglich. Früher oder später werden sich deswegen die Nationen dem Welthandel wieder zu­wenden müssen; je früher dies geschieht, um so besser. Mit der Wiederherstellung der Kaufkraft der Agrarländer infolge der Preissteigerung für Agrarprodukte ist erneut die Möglichkeit des Güteraustausches zwischen diesen und den Industrieländern gegeben, der eine der wesentlichen Achsen des Welthandels bildet. Der Weltmarkt steht nicht länger im Zeichen der Schrumpfung, sondern in dem der Ausweitung. Darüber hinaus hat sich die Mentalität der Völker vielfach gewandelt. Mehr als in der Ver­gangenheit wird heute die wechselseitige Ver­flechtung zwischen Politik und Wirtschaft er­kannt. Ohne politische Verständigung kein Wirt­schaftsfriede; ohne Wirtschaftsfrieden und wirtschaft­liche Befriedigung keine politische Entspannung.

Die Verhältnisse sind heute für eine inter­nationale Verständigung auf wirtschaftlichem Gebiet wesentlich g ü n st i g e r, als es in den letzten Jahren der Fall war. Diese Gelegen­heit nicht mit beiden Händen zu ergreifen, hiehe einen Fehler begehen, der für die Zu­kunft der Menschheit verhängnisvoll werden könnte. Viel zu lange schon wiederholen wir alle im Chor, daß etwas geschehen mühte, um die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Rationen zu verbessern. Es wird höchste Zeit, dah wir Taten statt bloßer Worte fehen. Verkennen wir nicht, daß der Weg, der mit verpatzten Gelegenheiten und guten Vor­sätzen gepflastert ist, zum Abgrund führt, und daß wir diesem Abgrund vielleicht näher sind als mancher ahnt. Es ist dringend erforder­lich, dah die jetzige günstige wirtschaftliche Kon­stellation ausgenuht wird im Interesse des Weltfriedens, des Wohlstandes der Völker und der menschlichen Kultur.

Nach der Rede des Präsidenten der IHK. spielte das Orchester des Deutschen Opernhauses die Jubel- ouoertüre von Carl Maria von Weber, an die sich die Lieder der Nation anschlossen. Der Präsident der IHK. F. H. Fentener v a n V l i f s i n g e n brachte einen Hochruf auf den Führer und Reichskanzler aus. Der Führer verabschiedete sich von den Teil­nehmern der Eröffnungssitzung mit dem deutschen Gruß. Damit war die Eröffnungssitzung beendet.

Auf der Verwaltungsratssitzung am Vorabend der Eröffnung wurde Thomas I. Pz a t s o n , der bekannte amerikanische Industrielle und Präsident der Internationalen Busineß Machi­nes Corporation, einstimmig zum P r a s i d e n t e n der Internationalen Handelskaknmer für die Zeit von 1937 bis 1939 gewählt. Auf Einladung der ja­panischen Gruppe der IHK. wurde beschlossen, den nächsten Kongreß im Jahre 1939 in Tokio abzuhalten.

Rohstoffmangel und Rohstoffüberfluß

Die erste Vollsitzung des Kongresses der Inter­nationalen Handelskammer befaßte sich mit Der FrageRohstosfmangel und Rohstofs- übersluß". Der australische Delegierte A. E. Heath erklärte, die Hauptoersorgerlander mit Rohstoffen seien auch die Hauptschuldner­ränder. Als Schuldnerlander sahen sie sich einer Produktionsausdehnung gegenüber, die zum Ab­satz zu ungünstigen Preisen zwinge was schließlich zur Autarkie führe. Erholung der Weltpreise sei zum Teil auf innerstaatliche Maß­nahmen und Rüstungsprogramme, nicht so sehr da­gegen auf eine allgemeine Erholung zuruckzufuhren. 2)e'r beste Beitrag zu einer Aufrechterhaltung des Welthandels liege nicht in einer Aufrechterhaltung inflationistischer innerstaatlicher Preise, sondern. m der Wiederaufnahme des allgemeinen wechselseitigen Welthandels.

Staatssekretär i. K. Dr. Trendelenburg sprach überDeutschland und das Rohstoffproblem". Das Deutschland der Vorkriegszeit habe sich in der glücklichen Lage befunden, in ollerWeltdieWrn kaufen zu können, deren es zur Aufrechterhaltung feiner Wirtschaft bedurfte. Außerdem sei es auf Grund seiner großen Auslandslnoestltionen^em^

Gläubigerland gewesen, das von der übri­gen Welt mehr beziehen konnte, als es nach dort lieferte. Der Krieg und die Konfiskation des Privateigentums habe diese Position zer­stört. Darüber hinaus sei Deutschland unter dem Druck der Reparationen Schuldnerland in riesigem Ausmaß geworden. Die Erfahrun­gen der Krise hätten Deutschland notgedrungen dazu geführt, alle lebenswichtigen Wirtschaftsvorgänge fest in der eigenen Währung zu verwur­zeln. Es müsse deshalb bei seinen Rohstoffbezügen den Warenverkehr mit Ländern ausbauen und pfle­gen, die bereit feien, deutsche Waren in entsprechen­dem Ausmaße in Zahlung zu nehmen. Das Gleiche sei auch der tiefere Sinn des festen Willens, die einheimische Rohstoffbasis durch eigene Erzeugung und Entwicklung neuer Werkstoffe zu erweitern, und das sei zuletzt der große wirtschaft­liche Vorteil, den sich Deutschland von der U e b e r -

Göttingen, 28. Juni. (DNB.) Im Rahmen der 200-Jahrfeier der Universität Göttingen fand eine große Festkundye- bung der Studentenschaft statt, die ihre Bedeutung durch eine richtungweisende Rede des Reichsministers Rust erhielt, der das Problem Freiheit und Ordnung" zu Grunde lag. Unter den Ehrengästen sah man zahlreiche Abge­sandte ausländischer Hochschulen. Der Reichs­studentenführer Scheel sprach über das Werden der jungen studentischen Generation, über die Er­neuerung der deutschen Hochschulen und über den Sinn der studentischen Kameradschaften, die das Ideal des alten Akademikers verwirklichen wollten. Dann ergriff

Reichsminister Rust

das Wort und führte u. a. aus:

Ein Wort, das ausgesprochen und unausgespro­chen das Problem einer Stellung zu Deutschland bildet, ist das Wort: Freiheit. Die Welt be­streitet nicht, daß Deutschland sich zu seinem Vor­teil geändert hat, aber sie behauptet, diese Ver­änderung sei zu teuer bezahlt. In Deutschland herrsche angeblich nicht das Edelste, wofür die Men­schen leben müssen, die Freiheit. Gerade an dieser Stelle steht das Wort wieder mit einem Frage­zeichen vor uns: die akademische Freiheit im Sinne einer Selbstbestimmung der jungen aka­demischen Bürger und der Studenten und auf der anderen Seite die der freien Hochschule im Sinne der freien Wissenschaften.

Meine jungen Kameraden, in wessen Hand ist die Fackel der Freiheit von 1789 gelangt? Auf ihrem Weg durch Europa kam sie schließlich in die Hände von Lenin und Stalin.

Die Völker, die diese individuelle Freiheit als das höchste Gut preisen, müssen heute erkennen, daß das Ende die g r a u s a m st e Diktatur ist und stets sein wird. Das bedeutet in Wirk­lichkeit die Auflösung der Rational­staaten. Sie werden für diese Freiheit das Leben ihrer Völker zahlen müssen. Sie erhalten dafür die Diktatur des jüdischen Weltwanderers, der infolge feiner inneren blutmäßigen Zerris­senheit nirgends beheimatet werden kann. Darum steht schon am Anfang der marxistischen Lehre der Jude, und er steht heute inmitten der Führerschaft Moskaus.

Als euere Vorgänger, die Soldaten von Lange­mark, hinauszogen, war in Deutschland angesichts der ungeheuren völkischen Gefahr der Geist der Un- terordnuna und des Opfers zu finden, sowie die Bereitschaft, die persönliche Freiheit und das Leben unterzuordnen unter das höhere Gebot der Stunde. Am Ende sind die Fahnen dieser Gesinnung her­untergeholt worden, und die rote Fahne wurde gehißt. Der Geist von 1789 war in unser Volk ein­gedrungen.

In dieser Stunde unbegreiflichen Schicksals lag ein halb erblindeter Frontsoldat auf dem Kran­kenlager. Er sah die tiefen Zusammenhänge von Freiheit und Leben eines Volkes und die Rot­wendigkeit einer völkischen Ordnung, die not­wendigerweise die Wünsche des Individuums in feine Schranken zurückweifen muß. Adolf Hitler hat uns eine neue Ordnung gegeben, d i e völkische Ordnung. Diese natürliche Lebensordnung ist gottgegeben.

Sie heißt: Unser Volk!

Der Minister ging dann aus das P r o b l e m d e r Generationen ein und erinnert an die früh­zeitige Eroberung der Hochschulen durch den Natio­nalsozialismus. Er fuhr fort: Aus dem politischen Erwachen der deutschen Jugend, aus bestimmten ge­sellschaftlichen Erziehungsformen und ausgelassener Jugendfreude hatte sich das Korporations- studententum entwickelt. Wir müssen es wür­digen, daß die großen Scharen der heute noch unter schweren Bedingungen im völkischen Einsatz stehen­den Volksgenossen dieses bunte Bild nicht mehr verstehen konnten. Wir haben Rücksicht zu nehmen auf die deutschen Arbeiter der Faust, denen das Leben immer Opfer bedeutet und selten Ge­schenke gegeben hat.

Reichsminister Rust erinnerte weiter daran, daß an der Göttinger Hochschule Bismarck und der Reichsführer vom Stein studiert hätten. Wenn die e beiden Namen fallen, so offenbare sich darin ein ewiges Gesetz: Alle Zucht und Ordnung ver­mag eines nicht zu ersetzen, nämlich die große schöpferische Persönlichkeit. Darum müsse erkannt werden, was durch Organisation erreicht werden kann und was nicht. So nehmen wir in dieser Stunde die Parole der Freiheit wieder auf. Aber diese Freiheit war falsch gelaufen. Als sich einst in wenigen Jahren die Entwicklung vollzog vom Sturm auf die Bastille bis zum Fallbeil von Robespierre, schrieb ein deutscher Dichter das wun­derbare Wort: Heilige Ordnung, segensreiche Him­melstochter, die das Gleiche leicht und frei und freu­dig bindet. Adolf Hitler mußte kommen, damit

lassung kolonialer Roh st offge biete zur eigenen Bewirtschaftung verspreche.

Der Führer und Reichskanzler empfing im Reichskanzlerhause das Präsidium der In­ternationalen Handelskammer sowie die Führer der einzelnen Länder-Delegationen. Präsident Fro- roein dankte dem Führer für die freundliche Auf­nahme, die der Kongreß in Deutschland gefunden habe. Der Führer und Reichskanzler hieß die Dele­gierten in Deutschland herzlich willkommen, gab der Hoffnung Ausdruck, daß sie während ihres Aufent­haltes interessante Eindrücke insbesondere davon mit­nehmen möchten, wie Deutschland die ihm gestell­ten Wirtschaftsaufgaben löse, und betonte den Wil­len Deutschlands zur Mitarbeit in der Wirtschaft der Welt. An dem Empfang nahmen u. a. auch Reichsbankpräsident Dr. Schacht und Präsident der Reichswirtschaftskammer P i e tz s ch teil.

der Sinn dieser Worte endlich Tat wurde. Ihr tragt die Fahne der Freiheit, seid auch Solda­ten dieser Ordnung, dieser segensreichen Himmelstochter. Wenn ihr euch bindet, wenn ihr euch selber bindet, so tut es leicht und frei und freudig!

Einweihung

des Axel-Schaffeld-Hauses.

Im Rahmen der Zweihundertjahrfeier fand die Einweihung des Axel-Schaffeld-Hauses statt. Schon vor der Machtübernahme hatten sich Göttinger Studenten zu einem Arbeitslager in einem leer stehenden Fabrikgebäude in Rittmers- hausen zusammengesunden. Als nach der Macht­übernahme die NSDAP, die bis dahin für sich bestehenden Lager übernahm, ergab sich die Mög­lichkeit, das Lager Rittmershaufen als Erziehungs­form sinngemäß für die Hochschule zu übernehmen. So entstand das Kameradschastshaus, in dem sich Dozenten und Studenten aller Fakultäten zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammenfinden.

Der Um- und Ausbau des Schulungslagers Rittmershaufen, der durch die hier geleistete Arbeit in allen Gauen Deutschlands bekannt wurde, ist nunmehr vollendet, auch der Sportplatz ist ferttg- gestellt. Ein würdiger Gedenkraum wurde für den 1932 ermordeten niedersächsischen Studentenfuhrer Axel Schaffeld ausgestaltet. Zur Einweihung war eine junge studenttsche Stamm-Mannschaft, die durch chre disziplinierte Haltung und ihr frisches Wesen einen vorzüglichen Eindruck auf die in- und ausländischen Ehrengäste hinterließ, angetreten. Der Rektor Professor Neumann erinnerte an die Er­richtung des Kameradschastshauses, zu dessen Aus­bau auch Göttinger Altakademiker Mittel zur Ver­fügung gestellt hätten. Gaudozentenführer Professor Schürmann erklärte, es sei gelungen, eine echte Kameradschaft zu entwickeln. Reichsminister Gau­letter Rust rief das vorbildliche Wirken Schaf­felds in Erinnerung, der im Kampf für die Idee oes Führers den Tod zu einer Zeit gefunden habe, als es leichter gewesen sei, Korpsstudent als SA.- Mann zu fein.

Fast zwei Millionen Reichsmark für den Ausbau der Universität.

Aus Anlaß des 200jährigen Bestehens hat die Universität Göttingen eine Reihe von namhaften Spenden erhalten, die die Summe von f a ft zwei Mill. M k. ereichen, die dazu dienen werden, beste­hende Universitätseinrichtungen auszubauen und neue Anstalten für Forschungszwecke ins Leben zu rufen. So stellt die Reichsregierung 350 000 Mark für das erste Deutsche Reichs-Studenken- h a u s zur Ausbildung von Studentenführern in Göttingen zur Verfügung. 200 000 Mark stiftete die Preußische Staatsregierung für ergänzende Sport­anlagen. Das Jubiläumsgeschenk der preußischen Regierung ist der Neubau des Physiologischen In­stituts. Für weitere Klinikbauten sind Grundstücke erworben worden. Zur Einrichtung eines Bauernhofes für Forschungszwecke dient ein Betrag von 90 000 Mark von der Regierung. Für den Ankauf dreier Häuser, die das neue Mechani­sche Institut, das Petrographische Institut und das Theologische Seminar aufnehmen sollen, wurden 115 000 Mark gespendet. Von der Preußischen Staatsregierung stammen 30 000 Mark für em neues Haus des Englischen Seminars. Ein Beitrag von 120 000 Mark dient zum Ausbau der Samm­lungen der Universitätsbibliothek.

Kirchliche Weltkonferenzen in England.

Berlin, 28. Juni. (DNB.) Nachdem die kirch­lichen Stellen sich darin einig geworden sind, daß von einer Teilnahme an den Konferenzen in Ox­ford (Juli) und in Edinburgh (August) Ab- stand zu nehmen ist, hat die Deutsche Evan­gelische Kirche die leitenden Stellen beider Weltkirchenkonferenzen davon unterrichtet, daß eine amtliche Delegation der Deutschen Evangelischen Kirche mit Rücksicht auf die innerkirchlichen Verhält­nisse nach Oxford und Edinburgh nicht ent­sandt werden wird. Da die Weltkirchenkonferenzen ihrer Struktur nach darauf beruhen, daß nicht ein­zelne Persönlichkeiten, sondern amtliche Vertretun­gen der Kirchen zusammentreten, ergibt sich aus diesem Grundprinzip, daß auch die Teilnahme ein­zelner Persönlichkeiten aus dem Bereich der Deut­schen Evangelischen Kirche an einer der Weltkirchen­konferenzen unangebracht ist, da die Kirche als solche nicht vertreten sein wird. Dagegen nehmen die deutschen evangelischen Freikir­chen, vertreten durch die Bischöfliche Metho- distenkirche in Deutschland (Bischof Dr. Melle, Berlin-Lichterfelde-West) und die Deutsche Alt­katholische Kirche (Prof. Dr. Rudolf Keussen, Bonn) an der Konferenz in Oxford bzw. durch andere Vertreter an der Konferenz in Edinburgh teil. Die Rusfi sch -Orthodoxe Kirche in Deutschland wird voraussichtlich durch einen übergeordneten Patriarchen vertreten sein.

Die Wahrheit über Moskau.

London, 29. Juni. (DNB. Funkspruch.)Daily Herald", das Blatt der englischen Labour-Opposi- tion, weist darauf hin, daß die englischen Kommu- nistenhäuptlinge alles versucht hätten, um die er­schreckende Welle der Hinrichtungen und Verhaft tungen in der Sowjetunion i h r e n Anhän­gern zu verheimlichen. Die Hingerichteten seien nicht etwaGegenrevolutionäre" oderWeiße" gewesen, sondern alte Bolschewiken. Unter ihnen hätten sich Ministerpräsidenten und Minister der Sowjetrepubliken, Vorsitzende und Sekretäre der Obersten kommunistischen Parteiausschüsse, Chefs von staatlichen Trusts, Jndustriedirektoren und Fabrikleiter sowie führende Leute der Presse und Propaganda befunden. Alle diese Tatsachen habe das Blatt der englischen Kommunisten einfach unterdrückt, weil sie für die Sowjetunion un­günstig seien. Ein großer Teil der kommunistischen Anhänger wäre entrüstet, wenn er die Wahrheit erführe. Ihre Parteizugehörigkeit könne nur durch die Behauptung aufrechterhalten werden, daß die Sowjetunion dasdemokratischste Land d e r W e l t!" sei. Die schreckliche Illustration zu dem, was der Kommunismus in seinem 20. Jahr in der Praxis bedeute, lasse den Beschluß der eng­lischen Sozialdemokraten die sogen.Einheits­front" mit den Kommunisten abzulehnen erneut als berechtigt erscheinen.

Grauenvoller Mord an einer Engländerin in Gowietspanien

Bilbao, 28. Juni. (DNB.) Die 57 Jahre alte Engländerin namens Bredy Boland war frü­her Erzieherin im Hause der baskischen Grafen­familie Zubiria und lebte seit einiger Zeit zurück­gezogen in einer eigenen Wohnung, in der sie, wie das bei den in Spanien gebliebenen Engländern allgemein üblich ist, während der Kriegswirren d i e englische Fahne gehißt hatte. Nach der Sprengung des über den Nervion führenden Via­dukts durch die Bolschewisten sahen sich die Eng­länderin sowie zwei Mitglieder der Familie Zu­biria, die sich vor den Verfolgungen der bolschewi­stischen Mordbrenner in die Wohnung der Erziehe­rin geflüchtet hatten, gezwungen, bei Freun­den Unterschlupf zu suchen. Mit den Worten Ein guter Fang" stürmten die Horden das Ver­steck kurz vor dem Einzug der nationalen Truppen in Bilbao. Die Gräfin Zubiria, die sich in anderen Umständen befand, und drei Mitglieder ihrer Fa­milie wurden ermordet. Die Engländerin wurde ihrer sämtlichen Papiere beraubt und bann auf einem Treppenabsatz durch einen Schuß ins Genick getötet. Wiederholte Hinweise auf ihre englische Staatsangehörigkeit wurden von den Mördern nur mit zynischen Bemerkungen abgetan.

Englands

wirtschaftliche Kriegsbereitschaft.

London, 28. Juni. (DNB.) Verteidigungsmini­ster I n s k i p gab vor Londoner Geschäftsleuten Hinweise, welche vorbeugenden Maßnahmen man für den Kriegsfall getroffen habe. Für die Flotte habe man jetzt schon große Oelvorräte aufgestapelt. Die Industrie werde die für den Ernst­fall wichtigen R o h st o f f e ansammeln, es seien heute schon beträchtliche Vorräte von diesen vor­handen. Auf dem Gebiete der Lebensmittel­versorgung habe man Maßnahmen ergriffen, um die Eigenerzeugung Englands zu stär­ken. Bis Ende Juli würden von 123 Flugzeug­geschwadern, die man feit der Ausrüstung zu bil­den begonnen habe, alle bis auf eins in voller Stärke fertig fein. Die neuen Schlachtschiffe würden die bestgeschützten sein, die man je gebaut hätte. Kreuzer und Zerstörer würden die höchste Schlagkraft in artilleristischer Beziehung aufweisen. Die Londoner Luftabwehrdivision werde so schnell wie möglich ausgerüstet werden, aber mit der Re­krutierung hapere es noch. Ungefähr 50 v. H. des notwendigen Mannschaftsbeftandes fehlten.

Kleine politische Nachrichten.

Botschafter von Ribbentrop hat sich am Montagnachmittag nach London zurückbegeben.

In der Führerschule der deutschen Aerzteschaft Alt- Rehse in Mecklenburg fand unter der Leitung des Reichsärzteführers Dr. Wagner eine Arbeits­tagung der für die Gesundheitsführung verantwort­lichen Dienststellen statt, in deren Mittelpunkt die Gesundheitsführung der Jugend stand.

Da die Verhandlungen über die Neugestaltung des am 1. Juli ablaufenden Reichs-Kraft- wagen-Tarifs noch nicht abgeschlossen werden konnten, hat der Reichsverkehrsminister die Gel­tungsdauer des Taris bis auf weiteres verlän­gert. *

Die Erhöhung des englischen Währungsau s- gleichfonds um 200 Millionen Pfund wurde im Unterhaus ohne Abstimmung angenommen. Ein Antrag der Labour-Opposition, die Erhöhung auf 150 Millionen Pfund zu beschränken, wurde mit 197 gegen 96 Stimmen abgelehnt.

Der japanische Botschafter in Moskau wurde be­auftragt, wegen der Besetzung der Amur- Inseln Semoui und Sennufa durch Sow­jettruppen scharfen Protest einzulegen und die umgehende Räumung der beiden Inseln zu ver­langen. Die japanische Presse veröffentlicht auch Be­richte über neue Behinderungen japanischer F i - scher bei Ausübung ihrer Fischerei-Rechte in den nördlichen Gewässern.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Dr. Hans Thyrivt. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein (beurlaubt). Vertreter: H. L. Neuner. Anzeigen­leiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel D. A. V. 37: 9326. Druck und Verlag: Brühl'fche Univerfitäts-Buch- unb Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Emzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags

15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.

Das ProblemFreiheit und Ordnung".

Richtungweisende Rede des Reichsministers Rust bei der 200-Zahrfeier der Universität Göttingen.

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