Ausgabe 
29.6.1937
 
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gen, denn das wäre eine Stärkung der kommunisti­schen Propaganda. Es handelt sich darum, ob C h a u t e m p s, der als einer der geschicktesten Tak­tiker des französischen Parlaments gilt, die Kom­munisten in eine solche Lage bringen kann, daß dem Volke die von dieser Seite drohenden Ge­fahren klar werden und somit die kommunisti­sche Propaganda an Wirkungsmöglichkeiten verliert. Das ist die Frage, die Frankreichs Politik in den nächsten Monaten bestimmen wird. Gelingt Chau- temps eine Ausbootung der Kommunisten, dann wird die ihm folgende Regierung, die eventuell wieder von ihm geleitet wird einen Anschluß nach rechts suchen, was für die Radikalsozialen leicht sein würde, da sie ja nicht nur eine Partei der Linken, sondern auch der Mitte sind.

Wurden die Sozialisten das mitmachen? Wenn ja, würde in Frankreich eine Regierung ähnlich denen gebildet werden, die wir in Deutsch­land früher die der großen Koalition nannten. Aber es ist auch möglich, daß die Kommunisten, um weiter an der Macht teilhaben und somit außen­politische Wünsche Moskaus erfüllen zu können, ein Zugeständnis nach dem anderen machen, sich nicht ausbooten lassen und sogar bereit wären, eine etwas mehr nach der Mitte verlagerte Regie­rung zu unterstützen. Dann würde an die Stelle der Volksfront die französische Front tre­ten. Für eine Regierung dieser französischen Front würde charakteristisch sein, daß sie sich in außen­politischer Hinsicht noch stärker als Delbos getan hat nach den Wünschen Moskaus richtet, dagegen in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht den konservativen Kurs der Radikalsozia­len führen würde. Diese französische Front würde dauern können, bis die Kommunisten die Stunde für ein energischeres Einschreiten als gekommen betrachten. Die entscheidende Frage der nächsten Zeit ist also die des Verhältnisses der Regierung Chautemps zu den Kommunisten.

Bekenntnis

zum deutschen Gesamtvolk.

Neue Zielsetzung des Oesterreichisch -Deutschen Bolksbundes.

Wien, 28. Juni. (DRV.) Der Oesterrei­chisch - Deutsche Volksbund hat unter dem Vorsitz des kürzlich zur Förderung der nationalen Befriedungsaktion in den Staatsrat berufenen Dr. Seyß-Jnquart seine Generalversammlung ab­gehallen, in der eine Umbildung des Vorstandes vorgenommen und das Programm des Bundes auf den Vertrag vom 11. Juli abgestimmt wurde. Staatsrat Seyß-Jnquart erklärte, das deutsche Volk in Oesterreich werde aus eigener Verantwortung und aus eigenem Entschluß den Weg gehen, der dem Bekenntnis Oesterreichs als deutscher Staat entspreche. Es, gebe kein besonderes Deutschtum, sondern nur ein deut­sches Volk in seiner lebendigen Ge­samtheit. Der Oesterreichisch-Deutsche Volksbund macht es sich daher zu seiner besonderen Aufgabe, dem im Abkommen vom 11. Juli festgesetzten Grundsatz der kulturellen und wirtschaft­lichen Förderung zu dienen, gegen alle Wi­derjacher dieses Abkommens aufzutreten und so zu dessen letztem Sinn zu kommen: für ein unteilbares Schicksal und Glück des deutschen Volkes.

Dem Vorstand gehören an: Die Universitätspro­fessoren Srbik, Nadler, Menghin und Eibl, der Präsident des Deutschen Klubs, Feld­marschall-Leutnant B a r d o l f f, der ehemalige Landeshauptmann von Kärnten, Kernmaier, Slaatsrat Dr. Seyß-Jnquart und andere Persönlichkeiten, die im nationalen Leben Oester­reichs eine Rolle spielen.

Weitere Ausgestaltung der Technischen Nothjife.

Berlin, 28. Juni. (DNB.) Durch Erlaß des Reichsführers SS. und Chef der deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern vom 18. Juni 1937 ist die Technische N o t h i l f e, die im Zuge der Neuorganisation der Polizei dem Reichsführer SS. unter st ellt wurde, zu einem ständigen Hilfsorgan der Poli­zei für wichtige öffentliche Hilfeleistungen tech­nischer Art und damit zu einem Machtmittel des Staates erklärt worden. Sie hat zur Zeit technische Hilfe zu leisten: a) für die Sicherstellung staats- und lebenswichtiger Einrichtungen, b) im Luftschutz, c) bei Katastrophen.

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Die Technische Nothilfe war ursprünglich als Ab- wehrmittel^ gegen Streiks in lebenswichtigen Be­trieben gedacht. Sie wurde im Januar 1919 bei der Garde - Kavallerie - Schützendivision in Berlin als Technische Abteilung aufgestellt. Ihr erster Einsatz erfolgte am 19. Februar 1919 in Gotha. Dann ging es Schlag auf Schlag. Sehr oft hat die Drohung mit dem Einsatz der Teno Streiks in Elektrizitäts­werken, Krankenhäusern usw. verhindert. Sie ist im Laufe der Jahre immer mehr durchorganisiert wor­den, war allerdings während des großen Eisen­bahnerstreiks 1921 noch nicht soweit, um von sich aus auf den wichtigsten Linien den Verkehr durch­führen zu können. Sie hat aber später viele wert­volle Dienste geleistet. Nach der Machtübernahme schien es so, als könnte man auf die Teno nun­mehr verzichten. Denn in Deutschland wird nicht mehr gestreikt, man braucht also auch kein Werk­zeug, das wie früher bei Streiks in lebenswichtigen Betrieben einzusetzen wäre. Aber die Teno hatte in der Vergangenheit gezeigt, daß sie als K a t a- strophenhilfsdienst sehr wertvolle Dienste zu leisten vermochte. Infolgedessen ist nicht nur von einer Auflösung abgesehen worden, vielmehr wurde dafür gesorgt, daß die Technische Nothilfe weiter verbessert wurde. Sie verfügt heute bereits über eine Reichsschule. Daraus geht hervor, daß zu alten Aufgaben neue hinzugetreten find und daß die Teno auch in der Zukunft wichtige Aufgaben zu er­füllen hat.

Der kanadische Ministerpräsident in Berlin.

Berlin, 28.Juni. (DNB.) Der kanadische Mi­nisterpräsident Mackenzie King traf auf Ein­ladung des Botschafters von Ribbentrop zu einem mehrtägigen Besuch in Berlin ein. Nach einer Be­sichtigung der Akademie für Leibesübungen war der Premierminister Gast des Reichssportführers von Tfchammer/^und Osten. Am Montag besuchte der Gast im Anschluß an eine Fahrt über die Reichs­autobahnstrecke BerlinStettin das Arbeitsdienst­lager am Werbellinsee und hatte sodann Gelegen­heit, sich über Organisation und Aufbauarbeit der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" und des Amtes.Schönheit der Arbeit" zu unterrichten. Der kanadische Gast folgte am Abend einer Einladung der Deutsch-Englischen Gesellschaft.

Deutschland zurMitarbeit in derWeltwirtschast bereit

Oie Eröffnung -es Berliner Kongreffes -er Internationalen Handelskammer in Gegenwart -es Führers un- Reichskanzlers.

Berlin, 28. Juni. (DNB.) In Anwesenheit des Führers und Reichskanzlers, der Mit­glieder der Reichsregierung und des Diplomatischen Korps wurde am Montagvormittag im Deutschen Opernhaus der IX. Kongreß der Interna­tionalen Handelskammer feierlich eröff­net. Der Bedeutung dieses größten internationalen Wirtschaftskongresses entsprach der würdige Rahmen der festlichen Eröffnungssitzung. Das Portal des Deutschen Opernhauses war mit den Fahnen der 40 am Kongreß teilnehmenden Staaten geschmückt.

Schon frühzeitig versammelten sich im Parkett und auf den Rängen die mehr als 1000 Teilneh­mer. Im Ersten Rang sah man die Mitglieder des Diplomatischen Korps, Reichsminister, Reichsleiter der NSDAP, und führende Köpfe des deutschen Wirtschaftslebens, der Wissenschaft und Technik. Der Führer und Reichskanzler begab sich durch das Ehrenspalier der LeibstandarteAdolf Hitler" in die mit der Standarte des Führers geschmückte Ehrenloge. Neben dem Führer nahmen in der Ehrenloge Platz der Präsident der Internationalen Handelskammer, Dr. F. H. F e n t e n e r van V l i s s i n g e n, Ministerpräsident Generaloberst Göring, Reichsminister Dr. Goebbels und Reichswirtschaftsminister und Reichsbankpräsident Dr. Schacht. Das Orchester des Deutschen Opern­hauses eröffnete unter Leitung von Generalmusik­direktor Dammer mit der drittenLeonoren"- Ouvertüre von Ludwig van Beethoven die Eröff­nungssitzung. Darauf erklärte der Präsident des KongressesAbraham Frowein, zugleich als Präsident der deutschen Gruppe der Internationalen Handelskammer den IX. Kongreß der Internatio­nalen Handelskammer für eröffnet.

Ministerpi-ästdentGeneraloberstGönng hieß den Kongreß sodann namens der Reichsregie­rung ausrichtig willkommen. Darauf, daß recht viele Ausländer unser neues Deutschland wirklich ken­nenlernen, legen wir besonderen Wert. Denn nur bei einer den Dingen ayf den Grund gehenden Er­kenntnis der Besonderheiten im Leben der einzel­nen Völker lassen sich die Mißverständnisse beseiti­gen, die das friedliche Zusammenleben der Völker in der Welt erschweren. Sie werden erkennen, daß es dem Nationalsozialismus gelungen ist, in einem Lande, in dem 137 Menschen auf den Quadratkilo­meter leben, das schwerste Einbuße an seinem Roh­stoffvorrat erlitten und seinen gesamten Kolonial­besitz verloren hat, das 15 Jahre lang bis aufs Blut ausgepreßt wurde und fast sein gesamtes Aus­landskapital hingeben mußte, das viele Milliarden Tributzahlungen leistete und dadurch in den voll­kommenen Ruin seiner Wirtschaft hineingeriet, daß der Nationalsozialismus in diesem Deutschland es sertiggebracht hat, innerhalb von vier Jahren die Arbeitslosigkeit so gut wie vollständig zu beseitigen und für das deutsche Volk eine neue Existenzgrund­lage und neue Entwicklungsmöglichkeiten zurück­zugewinnen. An die Stelle des Klassenkampfes ist die Volksgemeinschaft getreten. Damit hat der Na­tionalsozialismus das soziale Problem dieser Zeit an den Wurzeln gepackt und einer neuen wie wir glauben der allein möglichen Lösung zugeführt.

$o wie der Nationalsozialismus den Frieden im eigenen Volke hergestellt hat, will das nationalsozialistische Deutschland nunmehr auch nichts anderes als den Frieden mit der Welk. Ganz Deutschland weiß, daß die große Aufbauarbeit, zu der uns der Führer aufge­rufen hat, nur in einer Zeit des Friedens durch­geführt und vollendet werden kann.

Wozu dann aber die gewaltige Aufrüstung, die Deutschland in Angriff genommen hat und immer weiter durchführt? Die Antwort ist schon oft gegeben worden. Nachdem die übrige Welt nicht dazu zu bewegen war, dem deutschen Vorbild entsprechend ebenfalls abzurüsten, war Deutschland, um zur vollen Gleichberechtigung zu gelangen, keine an­dere Wahl gelassen, als seinerseits nunmehr auch aufzurüsten. Ein Land mit offenen Grenzen und ohne die Fähigkeit, einem feindlichen Ueberfall mit der Waffe in der Hand wirksam entgeqenzutreten, ist eine viel stärkere Bedrohung des Weltfriedens, als ein Land, von dem man weiß, daß es auf Le­ben und Tod kämpfen wird, wenn es die Unver­sehrtheit seines Gebietes und seine Ehre zu wah­ren hat.

Zur restlosen Wiederherstellung der deutschen Gleichberechtigung gehört aber auch die Wieder­herstellung einer ausreichenden Grundlage für das wirtschaftliche Leben und Gedeihen des deutschen Volkes. Sie kennen alle die Forderung, die Deutsch­land in dieser Hinsicht erbebt, und Sie dürfen über­zeugt davon sein, daß Deutschland nicht aufhören wird, auf das Kolonialproblem hinzuwei­sen, ehe nicht seine dringenden und wohlberechtigten kolonialen Wünsche erfüllt find. Daneben arbeitet Deutschland mit allen Kräften an demVier- iahrespla n". Er bedeutet nichts weiter als die Aufdeckung und die Entfaltung aller eigenen Wirt­schaftskräfte. Lediglich darin mag sich der deutsche Vierfahresplan vielleicht von den gleichen Bestre­bungen in anderen Ländern unterscheiden, daß bei uns die Entwicklung nicht demfreien Sviel der Kräfte" allein überlassen, sondern mit Vorbedacht und mit Nachdruck derart gelenkt wird, daß sie in m ö g l i ch st kurzer Zeit diejenigen Er­gebnisse hervorbringen soll, die sonst vielleicht erst in Jahrzehnten erreicht werden könnten.

Der deutsche Vierfahresplan ist nicht dazu be­stimmt, Deutschland von der übrigen Welk wirtschaftlich abzuschließen. Kein Volk wird aber daran denken, die Grundlagen seiner Wirtschaft von den Wechselfällen der Weltpolitik abhängig machen zu wollen. Vielmehr ist es der in­nere Markt, der für jedes Volk die wirt­schaftliche Hausmacht bteibk. Auf der anderen Seite wird niemand bezweifeln, daß die rest­lose Durchführung des Gedankens der wirt­schaftlichen Autarkie aller Staaten im End- ergebnis für alle Völker nur schädlich sein könnte, und wir Deutschen im besonderen wis­sen genau genug, daß wir die Verbindung mit der Welt nötig haben und daß der Absatz deut­scher waren in der Welt viele Millionen deut­scher Volksgenossen ernährt. Unsere Einstellung zur Weltwirtschaft zielt also auf eine vernünf­tige und erfolgversprechende Verbindung der

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Unser Bild links zeigt Generaloberst Göring bei seiner Rede. Rechts: Die Ehrenloge, von links: Reichsminister Dr. Goebbels, den Präsidenten Dr. Fentener van Vlissingen, den Führer und Reichs­kanzler, Generaloberst Göring, Dr, Schacht, Reichsorganisationsleiter Dr. Ley und Reichsminister Graf Schwerin-Krosigk. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Interessen des deutschen inneren Marktes mit denjenigen der Weltmärkte ab.

Der Vierjahresplan, der die deutsche Volkswirtschaft tragfähiger machen soll, ist dem Aufbau einer ge­sunden Weltwirtschaft keineswegs entgegengerichtet, sondern er trägt unmittelbar dazu bei, eine wichtige Voraussetzung hierfür zu schaffen. Kein Kaufmann kann Investitionen im Auslande tätigen, wenn er nicht unerschütterliches Vertrauen auf den Grund­satz von Moral und Recht setzen darf. Wenn es nicht gelingt, wieder das Vertrauen herzustellen, daß der Kaufmann unabhängig von den Ereignis­sen der Politik sein privates Vermögen als unan­tastbar ansehen kann, wird es schwer sein, die für die Weltwirtschaft so notwendigen gegenseitigen In­vestierungen zu wagen. Es wird eine Hauptauf­gabe der Internationalen Handelskammer fein müs­sen, den Regierungen klarzumachen, daß auch ganz

bestimmte politische Garantien für den Welthandel gegeben, werden müssen, Garantien, deren Wirkungen auch bei politischen Verwicklun­gen aufrechterhalten bleiben müssen.

Die ausländischen Delegierten nahmen die Rede des Ministerpräsidenten mit langanhaltendem Bei­fall auf. Seine Ausführungen über die wirtschaft­liche und soziale Wandlung in Deutschland, den un­bedingten Willen Deutschlands zum Frieden, den unabwägbaren deutschen Kolonialanspruch und die Aufgabe des deutschen Vierjahresplanes machten auf die ausländischen Teilnehmer sichtlich einen starken Eindruck, ebenso wie auch die Feststellungen des Ministerpräsidenten, daß Deutschland auch weiterhin am Welthandel teilnehmen und den zu seiner Aus­breitung notwendigen Beitrag leisten wolle, und seine Darlegungen über die nach deutscher Ansicht notwendigen politischen Voraussetzungen für eine weltwirtschaftliche Verständigung.

Die politischen Voraussetzungen einer wirtfchastlichen Verständigung.

Reichswirtschaftsminister und Reichsbankpräsident Dr. Schacht

nahm darauf das Wort. Ich begrüße, so sagte er, die Arbeit der Internationalen Handelskammer, in der verständige und im Wirtschaftsleben erfahrene Männer trotz aller Rückschläge und Enttäuschungen sich immer wieder um die Verwirklichung einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit der Nationen be­mühen. Die Internationale Handelskammer wurde zum Wortführer jener großen Armee des schaffen­den Volkes in aller Welt, die in den Fabriken, Werkstätten, Bergwerken und Kontoren des Erd­balls täglich sich müht, um die Befriedigung des Güterbedarfs der Menschen. Alle Wohlfahrt, aller Friede in der Welt hängt davon ab, daß dieses Schaffen und Werken im Gange gehalten wird ohne innerwirtschaftliche Störungen, ohne außenwirtschaftliche Krisen, ohne politische Konflikte, ohne kriegerische Wirren. Die soziale Frage nach Arbeit und Brot, deren Lösung der Nationalsozia­lismus auf seine Fahne geschrieben hat, ist nicht nur ein innerpolitisches Problem für jedes Volk. Wenn nicht eine internationale Politik endlich jedem Volk Lebensraum und Arbeitsmöglichkeit sichert, so wird alle Bemühung um eine Besserung der weltwirt­schaftlichen Beziehungen umsonst sein. Sie werden erwägen müssen, ob es dem Frieden der Völker dient, daß große Rohstoffquellen nach po­litischen Gesichtspunkten für oder gegen einzelne

Völker geöffnet oder geschlossen werden dürfen. Sie werden die Ungleichheiten und ihre Folgen aufzei­gen müssen, die darin liegen, daß dank politischer Absonderung gottgeschenkte Rohstoffe dem einen Volk in den Schoß fallen, während das andere sie sich durch komplizierte mechanische und chemische Um­wandlungsprozesse teuer erarbeiten muß. Der inter­nationale Zahlungsverkehr ist aus den Fu­gen geraten, weil man einer Reihe von Ländern einseitige Leistungen zugemutet hat, die sowohl de­ren Erzeugungsvermögen wie die Verbrauchswillig, kcit der anderen Völker übertrafen. Solange dieser Zustand nicht durch internationale Abmachungen beseitigt wird, wird kein Herumkurieren an den Währungsformalitäten die Lage bessern. Der Welt­handel braucht ein stabiles, allgemein gültiges Maß, an dem der Wert aller Handelsgüter einheitlich be- stimmt werden kann. Eine langjährige Wirtschafts­geschichte zeigt, daß das Gold sich als internatio­nales Wertmaß am besten eignet. So wenig man Länge und Gewicht der Güter dadurch ändert, daß man das Metermaß nach Belieben auf 80 oder auf 120 Zentimeter festsetzt, oder das Kilogramm auf 800 oder 1200 Gramm, so wenig ändert man den Nutzwert der Güter dadurch, daß man den Preis des Goldes in Papiergeld willkürlich herauf- oder herunterfetzt. Die Politik willkürlich verfälschter Währungen muß aufhören, wenn der internationale Güteraustausch wieder funktionieren soll.

Die Gelegenheit für eine Verständigung will ergriffen werden.

Der Präsident der I.H.K.

Dr. Rentner van DUffinaen sagte dann in seinem Schlußwort: Der Krieg hatte auf psychologischem wie auf materiellem Gebiet den feinen Mechanismus, auf dem die wirtschaft­lichen Beziehungen zwischen den Völkern beruhen, zu sehr in Unordnung gebracht, um eine schnelle Reparatur zu ermöglichen. Erst heute vielleicht vermag man die unermeßlichen Schäden dieser Weltkatastrophe des letzten Krieges in ihrem ganzen Umfange zu erkennen, und ich glaube, in ihrer aller Namen zu sprechen, wenn ich der Hoff­nung Ausdruck gebe, daß wir niemals wie­der ein so furchtbares Ereignis erleben möchten. Das Scheitern der Londoner Konferenz war für das internationale Wirtschaftsleben ein Ereignis von großer Tragweite. Die Völker sahen sich nachdem die Hoffnung auf ein günstiges Ergebnis zerschlagen war durch eine Art Fatalität auf einen Weg gedrängt, der unseren Empfehlungen zuwiderlief, der sie zur Vermehrung der Hemmnisse im internationalen Güteraustausch und zu immer stärkerer gegenfeitiq?- Isolie­rung in finanzieller und wirtschaftlicher, wie in

psychologischer und politischer Hinsicht führt. Eine Zeitlang schien es, als hätte jedes Land nur noch eine Sorge: die Handelsbilanz mit jedem anderen Lande auszugleichen und wenn möglich, aktiv zu gestalten. Mit dem Schlagwort:Ich kaufe nur von £>em, der von mir kauft", war man wieder bei den Methoden des Merkantilismus angelangt, der Zeit in der die Länder nur eine einzige Quelle des Reich­tums kannten: nämlich den Erwerb von Gold mit­tels Ausfuhrüberschüssen. Hand in Hand damit mußte der Zusammenbruch des Systems des mehrseitigen Handels gehen, das im Laufe der Jahrhunderte allmählich durch die un­aufhörliche Vervollkommnung des Währungs- und Kreditmechanismus ausgebaut worden war

Die inlernafionale Arbeitsteilung ist keine utopische Politik mit in weiter Ferne liegenden Möglichkeiten. Sie ist mehr als ein bloßes Ideal: sie ist eine unleugbare Notwendigkeit. Warum soll man sie nicht freiwillig anerkennen und sich bemühen, sie durchzuführen, wie dies im Innern einer jeden Nation geschieht? Ist es widerspruchsvoller, die Arbeit zwischen Industrie- und Agrarländern,