Ausgabe 
28.12.1937
 
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Wege dazu fei, die Autoindustrie zu er­drosseln, gebe Adolf Hitler seinen Willen kund, das Automobil allen Volksschichten zugänglich zu machen. Im Herbst nächsten Jah­res werde der 300 0. Kilometer der Auto- st r a ß e n eingeweiht. Das Ergebnis dieser gesunden und weitblickenden Politik, die man als eine wahre Sozialpolitik bezeichnen könne, drücke sich auch in den deutschen Produktions­ziffern aus.

Der Streik im Pariser Lebensmittel- Großhandel und im Transportgewerbe dauert trotz dpr Bemühungen des Ministerpräsiden­ten und des Arbeitsministers an. Die Arbeitgeber verlangen völlige Handlungsfreiheit bei der Aus­wahl der Wgen Arbeitsmangel zu entlassenden An­gestellten, während die Arbeitnehmer die Entlassun­gen nach der Anstellungsdauer durchgeführt sehen wollen.'In Rouen hat sich die Streikbewegung der Schiffsbesatzungen weiter ausgedehnt. 30 französische Schiffe hegen im Hafen wegen Streiks fest. Aus Marseille entsandte Ersatzmann­schaften haben, sich sofort nach ihrer Ankunft in Rouen mit den Streikenden solidarisch erklärt.

Alles für unser Volk!

Helft allemit, damit Vielen geholfen werde.

Berlin. 27. Dez. (DBB.) Die JISfi. veröffent­licht nachstehenden Aufruf des Reichsministers Dr. Frick:

Aus dem Opfer des einzelnen für die Gemeinschaft ist die Bewegung entstanden. Niemals hätte sie siegen können, wenn sich nicht Zehntausende opferbereiter Männer gefunden hät­ten, die bereit waren, alles für den Sieg Adolf Hitlers hinzugeben. Das Opfer des einzelnen für die Gemeinschaft hat die Bewegung zum Siege geführt. Dieser Geist der Hingabe an die Volksgemeinschaft hat auch das Winter- hilfswerk des deutschen Volkes hervorgebracht. Der einzelne opfert, damit niemand in der Volks- gemeinfchaft hunger oder Kälte leidet. Alles für unser Volk! 3n diesem Volk leben wir; mit ihm sind wir alle als seine Glieder unauslöschlich auf Gedeih und Verderb verbunden. Kein Opfer fei uns für unser Volk zu groß, helfet alle mit, damit vielen geholfen werde!

Dr. Ley zumLahreswechsel an seineMitarbeiter.

Berlin, 27. Dez. (DRB.) Reichsorganisations- leiter Dr. Ley erläßt an seine Mitarbeiter zum Jahresende folgenden Aufruf:Das vergangene Jahr, vor allem der Leistungswettkampf, hat allen meinen Mitarbeitern der Reichsorgani- sationsleitung der NSDAP, und des Zentralbüros der DAF., sowie allen Politischen Leitern, Mal­tern und Warten im Reich so viel zusätzliche Aufgaben und Arbeit gebracht, daß ich ollen beim Jahreswechsel zunächst meinen herz­lichen Dank für ihren tatbereiten Einsatz über­mitteln möchte. Gleichzeitig wünsche ich allen Mit- Arbeitern ein alückliches Neujahr! Das Glück der Mensmen kommt aus der Gemein­schaft. Diese Gemeinschaft aller deutschen Men­schen immer inniger zu gestalten und sie zu edel­stem Wettkampf für die Ewiakeit Deutschlands ein- zusetzen, wird Ziel unserer Arbeit im neuen Jahre fein! Vorwärts mit Adolf Hitler!

Die Werkschar im kommenden Jahr.

NSG. Oberwerkscharführer und SA.-Standarten- führer Holzapfel erläßt zum Jahreswechsel folgenden Aufruf:Werkscharmänner! Das für die Werk scharen so ereignis- und er­folgreiche Jahr 1 9 3 7 geht zu Ende. Die im vergangenen Jahre getätigten Erfolge waren nur möglich, weil sich jeder einzelne. Werk- scharmann voll und ganz für die ihm übertragenen Aufgaben einsetzte. Diese Einsatzbereitschaft und Dienstfreudigkeit erfüllt mich mit besonderem Stolz: ist daraus doch zu ersehen, daß ihr von der Größe und Wichtigkeit unserer Aufgaben überzeugt seid. Wir fiepen aber er ft am Anfang des großen Aufbauwerkes, und es wird im Jahre 1938 an euch noch manch große Anforderung gestellt werden. Durch das tiefe Ver­trauen, das uns alle verbindet und durch die Liebe zu unserem Führer, die uns alle vereint, weiß ich, daß ihr im Jahre 1938 eure Pflicht genau so freudig und mit einem noch größerem Eifer erfüllen werdet, wie im Jahre 1937. In diesem Sinne hoffe ich, daß auch jeder einzelne seine Ehre darin ein- setzen wird, ein vorbildlicher Werkschar - mann zu werden und wünsche ich euch allen, meine lieben Kameraden, ein glückhaftes neues Jahr."

Me war dasWeihnMgeWst?

Ein vollkommen klarer Ueberblick über den Rcichsburchschnitt des Weihnachtsgeschäftes liegt noch nicht vor. Immerhin schälen sich einige Ein­drücke heraus. Das eigentliche Weihnachtsgeschäft ist, wie auch schon in den Vorjahren, zweifellos da­durch belebt worden, daß der früher üblicheIn­venturausverkauf" aufhörte und an seine Stelle der Saisonschlußverkauf in weiterem Abstande von der eigentlichen Jahreswende getreten ist. Der Einbruch kälteren Wetters war ein weiteres, förderliches Mo­ment. Die außerordentliche Zunahme der Arbeits­tätigkeit äußerte sich in so auffälligen Sonder­artikeln, wie einer vermehrten Nachfrage nach blauen Arbeitskitteln, Wäsche und groben Weiß­waren. Einkäufe industrieller Werke, einzelner Be­hörden, der NSV. und des WHW. überschnitten sich teilweise; dazu trat ein reger Prioatbedarf, so daß alle Anstrengungen gemacht werden mußten, um den Versorgungsansprüchen gerecht zu werden. Ein weiterer charakteristischer Zug des diesjährigen Weihnachtsgeschäftes war, daß die lebhafte Werbung für einen frühen Einkauf auf eine große Empfänglichkeit gestoßen war. Käufer und Verkäufer kamen damit besser zurecht. Nur in den Geschenkartikeln hatte das Geschäft etwas Stoß- artiges. Auch im Rundfunkgerät war der Absatz recht gut, wobei neben den billigen Volksempfängern auch hochwertige Geräte gekauft wurden. Wie beim Rundfunkgerät spielt der Charakter des Geschenk­artikels auch bei Lederwaren, Haushaltungsgeräten und Haushaltungsmaschinen eine erhebliche Rolle. Daspraktische Geschenk" hat sich eine stattliche volkswirtschaftliche Bedeutung errungen. Insgesamt lauten Annäherungsschätzungen dahin, daß im Ein­zelhandel vor und zu Weihnachten 1937 fast 4 Mil­liarden umgesetzt wurden gegen 3,6 Milliarden im Vorjahr. Die anteilmäßige Erhöhung beträgt also etwa 10 v. H., nachdem schon im Vorjahr gegenüber 1935 eine Steigerung von rund 13 o. H. eingetreten war, . ...

Oie Wett an der Zeitenwende.

Amerika am Pazifik.

Von unterem DW.ÄeucNterstatter.

Los Angeles, im Dezember 1937.

Kaum eine Periode der Geschichte weist eine derartig sensationelle Entwicklung auf, wie der Auf­stieg der pazifischen Welt zu einem Zentrum wirt- schgfts- und machtpolitischen Geschehens. Noch immer gibt es besonders in Europa viele Menschen, die glauben, der Stille Ozean sei ein Meer des Friedens über dem, unter einem blauen polynesi­schen Himmel die Romantik der Südsee schwebe. Aber diese Zeiten sind längst dahin. Japan hat sich in den wenigen Jahrzehnten von einem mittel­alterlichen Feudalstaat zu einer modernen Großmacht er ft en Ranges aufgeschwun­gen und Amerika, die einzige weiße Großmacht, die unmittelbar an den Stillen Ozean grenzt, nimmt lebhaften Anteil an den Geschehnissen des Fernen Ostens. Während noch um die Jahrhundertwende die pazifische Küste Nordamerikas weltwirtschaftlich o gut wie gar keine Bedeutung hatte, konzeytrie- ren sich heute mächtige Industrien in seinen Staaten. Seattle, San Franzisko, Los Angeles find Großstädte mit einer erstaunlichen Entwicklung ge­worden: 1850 zählte das verschlafene Pueblo Los Angeles nur etwa 1600 Seelen, im Jahre 1900 waren es 102 400 und heute hat Groß-Los Angeles eine Bevölkerung von über zwei Millionen Meu­chen. Los Angeles hat 26 Flugplätze und ist der Ausgangspunkt für fünf transkontinentale Luft­linien, drei transkontinentale Eifenbahnsysteme und in seinem künstlich geschaffenen Hafen laufen 185 Dampfschifflinien an.

Der unerhörte Wohlstand Kaliforniens zeigt sich daraus, daß es hier mehr registrierte Auto­mobile gibt als in dem reichen Staat Neuyork, ein Automobil auf je zwei Personen. Südkalifornien hat eines der ergiebigsten Petroleumfelder der Welt, im vergangenen Jahre wurden allein aus dem Ha- en von San Pedro-Los Angeles für 159 Millio­nen Dollar Oel versandt. Hier ist das Zentrum der Weltsilmproduktion, kalifornische Flugzeugtypen wie Douglas, Lockheed, Vultee, Northrup, Consolidated und andere sind weltbekannt und bereits heute ist Kalifornien das Zentrum des amerikanischen Flug­zeugbaues. An Gummifabrikation, Automobilmon- age, Möbel- und Kleiderproduktion steht es knapp sinter den großen Industriestädten des amerikani- chen Ostens zurück. In ähnlicher Weife hat H a - w a i eine großartige wirtschaftliche Entwicklung durchgemacht. Die Eröffnung des Panama- Kanals am 15. August 1914 hat viel dazu beige­tragen, den amerikanischen Handel im Pazifik zu fördern, und der wirtschaftliche Expansionsdrang hat ich natürlich nicht auf die amerikanische Seite des Pazifik beschränkt, sondern auch in Ostasien festen Fuß gefaßt.

Aber in delnfelben Maße, wie sich die wirtschaft­lichen Interessen am Pazifik stärkten, entstanden auch politische Spannungen. Obwohl die Vereinigten Staaten durch die Bereitwilligkeit, die Philippinen aufzugeben, der Welt und beson­ders den Japanern zu beweifen suchten, daß sie in Asien keine imperialistischen Ziele verfolgten, kann man wohl behaupten, daß die Reibungsflächen zwi- chen Japan und USA. sich eher vergrößern als ab» iehmen. Nicht umsonst ist die gelernte Kriegs« lotte Onkel Sams im Stillen Ozean stationiert, und wenn Amerika heute eine gewaltige Kette von Befestigungen vom Panama-Kanal bis zu den Aleuten errichtet und Hawai zu einem uneinnehm­baren Gibraltar des Pazifik ausbaut, so sind das eben Beweise, daß hier Strömungen vorhanden sind, die früher oder später einmal zu Konflikten führen können.

Es ist interessant zu wissen, daß sich die beiden tärksten Garnisonen Amerikas . hier am Pazifik befinden: 30000 Mann am Panama- Kanal und 26 000 Mann a u f Hawai. Die Jn- eln Flamenco, Perico, Naos und Culebra am pazi- ischen Eingang zum Panama-Kanal sind Panzer- eftungen, denen sich kein Unberufener nähern darf, und der Kriegshafen Pearl - Harbor (Honolulu) silt als einer der modernsten der Welt. Hawai ist )as wichtigste Bollwerk des amerikanischen Impe­rialismus und gerade deshalb ist es das Sorgenkind der amerikanischen Wehrmacht. Von den 400 000 Menschen, die auf dieser befestigten Inselgruppe wohnen, sind zwei Drittel asiatisch, von 81 000 Schul­kindern in den öffentlichen Schulen sind 45 000 Ja­paner. Die in Hawai geborenen Japaner haben an­geblich dieselben Rechte wie die Weißen, aber es ist ein offenes Geheimnis, daß im Falle eines Krieges die Internierung der gesamten japanischen Bevölke­rung Hawais vorgesehen ist. Deshalb die große Truppenkonzentration auf Hawai schon jetzt in Zei­ten des Friedens. Hawai ist ein Territorium der Vereinigten Staaten. Trotz wiederholter Gesuche und Bittschriften lehnt es Washington immer wieder ab, Hawai als 49. Staat der Union zuzulassen, weil man sich der Gefahr nicht aussetzen will, noch einen asiatischen Völkerbestandteil als wahlberechtigtes Glied ins amerikanische Volksganze aufzunehmen.

Diese Tatsachen sind Japan wohlbekannt und bei dem hochentwickelten Ehrgefühl der Japaner be­deutet die Herabsetzung der japanischen Menschen einen schweren Schlag. Noch schmerzlicher wurde von den Japanern natürlich der kalifornischeEx- clusion Act 1924" empfunden, auf Grund dessen jeg­liche japanische Einwanderung unter­sagt wurde. Während der kleinste südeuropäische Staat eine Einwanderungsquote nach USA. hat, kann auch nicht ein einziger Japaner gesetzmäßig in die Staaten einwandern. Japaner in Kalifornien dürfen keine Weißen heiraten und keinen Grund und Boden erwerben. Sie sind gesellschaftlich iso­liert. Mit Recht sagte daher kürzlich der japanische Botschafter Hirosi Saito in Washington:Japan wartet geduldig auf den Tag, wo diese unnötige Beleidigung der japanischen Ehre aus den amerika­nischen Gesetzen getilgt wird!" Diese bescheidenen Worte sind dem stolzen Japaner gewiß nicht leicht gefallen.

Amerika hat ohne Zweifel die Absicht, mit Japan in Frieden zu leben. Ader es unterläßt keine Gelegenheit, seinem Nachbar die gepanzerte Faust zu zeigen. So wurden diesen Herbst zwei Geschwa­der schwerer Bombenflugzeuge in Sitka-A laska stationiert, die zum erstenmal den Winter dort oben verbleiben, der schwere KreuzerPortland" wurde nach den Aleuten beordert, umWetterbe­obachtungen" zu machen. Mehrere Geschwader der neuesten Patrouillen-Bomber (PBY-1 Consolidated) flogen non-stop nach Hawai und Panama, um die dortige Wehrmacht zu verstärken, weitere Geschwader sind bereits angekündigt. War es Zu- fall oder Absicht, daß Amerika während der stärk­sten Krise des japanisch-chinesischen Konfliktes seine nächsten pazifischen Frühjahrsmanöver an­

kündigte, die wiederum im Riesenbreieck California- Alaska-Hawai stattfinden, und an denen 200 Kriegs­schiffe und 550 Kampfflugzeuge teilnehmen werden: Die gewaltigste Flottenkonzentration der Geschichte des Pazifik!" ruft die amerikanische Presse.

Trotzdem es Amerika war, das in der Mitte des vorigen Jahrhunderts die Japaner gewaltsam zwang, .ihre Tore zu öffnen, hat es in den letzten Jahren alles getan, um Japans Expansionsmethoden zu hemmen. Denken wir nur an den Frieden von Portsmouth 1905, an Sibirien 1919/20, an die Flottenratio 5:5:3, Mandfchukuo und die letzten Ereignisse in Ostasien. Japan spricht nicht davon, aber es denkt daran, noch sind die Spannun­gen sehr schwach und die Entfernungen riesengroß, welche die beiden zu mächtigen Einheiten zusammen­geballten Flotten Amerikas und Japans vonein­ander trennen, aber bereits heute fliegt man in 16 Stunden von San Franzisko nach Hawai und

in weiteren 40 Stunden nach dem astatischen Fest, land. Die Welt wird von Tag zu Tag kleiner. Ez ist eine Tatsache, daß sich diese beiden gewaltige,, Randftaaten am Pazifik in einem We11rüste befinden. Tagtäglich melden die Zeitungen und Marineberichte, daß neue Stützpunkte der Flotte und Luftwaffe fertiggestellt oder Millionen-Budgetz für kommende Befestigungen bewilligt seien.

Amerika hat die Philippinen so gut wie auf. gegeben, und Japan weiß, daß es geaen das reiche mächtige Amerika in einem Angriffskrieg nur per. lieren kann. Dennoch steht außer allem Zweifel, daß der Pazifik langsam aber sicher in den Mittel, punkt des weltpolitischen Geschehens rückt. Er ist das Meer der Zukunft. Wie lange'noch, und der Kampf um die Vormachtstellung im Pazifik wird zum Austrag kommen, in einem Ringen, wic es die Weltgeschichte noch nicht gesehen hat.

EmpirepoM

Von unterem v SK.-Berichferstatier.

Sidney, Dezember 1937.

Australien ist eins der wichtigsten Anliege­länder des Pazifistischen Raumes und dank seiner m 96 v. H. britischen und England gegenüber loyalen Bevölkerung von nahezu 7 Millionen wei­ßer Menschen ein Bollwerk angelsächsi­scher Macht, Kultur und Zivilisation in der süolichen Halbkugel. Wenn auch, geographisch ge­sehen, Australien einen Teil jener Gebiete bildet, die alsFerner Osten" bezeichnet werden, hat es bis jetzt verstanden, durch den Grundsatz derWeißen- Australien"-Politik, sich einerseits gegen die Zu­wanderung von Asiaten abzukapseln, andererseits eine gewisse Monroe-Doktrin für den zu Australien gehörenden geopolitischen Raum im Pazifik aufzu­stellen. Immerhin ist man hier doch, namentlich seit der großen Weltwirtschaftskrise, die auch Australien stark in Mitleidenschaft gezogen hatte, zur Einsicht gelangt, daß die Zeiten der früheren Isolierung vom Weltgeschehen endgültig vorbei sind.

In außevpolitischer Hinsicht wirkte sich dies be­reits 1934 in der Eytsendung der ersten australischen diplomatischen Mission nach dem Fernen Osten, dem Gegenbesuch einer japanischen Sondermission im folgenden Jahre und der Ernennung zunächst von Handelsvertretern nach den wichtigsten fernöstlichen Ländern aus. Man hat nun beschlossen, noch einen Schritt weiter zu gehen, und zwar soll der von seinem Urlaub nach Tokio zurückkehrende bis­herige Handelsvertreter, Oberstleutnant Longsield- Lloyd (übrigens ein Generalstabsoffizier), der der Britischen Botschaft in Japan zugeteilt ist, nun die BezeichnungA u st r a l i s ch e r Vertreter" (Commissioner) erhalten und den gleichen Rang wie der kanadische Gesandte in Tokio innehaben. Hand in Hand mit der Ausdehnung der australischen Außenvertretungen (seit einem Jahr ist ein australi­scher Potschaftsrat auch der Britischen Botschaft in Washington zugeteilt) geht der Ausbau des Aus­wärtigen Amtes in Canberra, der australischen Bundeshauptstadt.

Es war sicherlich fein Zufall, daß bald nach dem Ausbruch der japanisch-chinesischen Feindseligkeiten, die australischen Handelsvertreter in den Ländern des Fernen Ostens zu einer Beratung nach Can­berra berufen wurden. Jedenfalls zeigt nicht nur die Bundesregierung, sondern auch die Führung der Arbeiteropposition im Parlament so viel Ein­sicht, daß sie die Oeffentlichkeit vor übereilten Schritten im Zusammenhang mit dem von radi­kalen Gewerkschaftsorganisationen geforderten und schließlich auch erklärten Boykott japanischer Waren warnten und auf die Wahrscheinlichkeit japanischer Vergeltungsmaßnahmen ' wirtschaftlicher Art hin­wiesen. Außer vereinzelten Weigerungen australi­scher Hafenarbeiter, javanische Schiffe zu bedienen, hat der antijapanische Boykott trotz eifriger Propa­

ganda der Gewerkschaften und der Kommunisten sich im normalen Handelsverkehr kaum bemerkbar gemacht. Andererseits gibt es in Australien kaum irgendwelche chinesische Importeure von Bedeutung, so daß der von chinesischer Seite unternommene Boykott japanischer Waren in Australien ganz be­langlos ist.

Während Australien auf die Aufrechterhaltung korrekter nachbarlicher Beziehungen zum Lande bet ausgehenden Sonne den größten Wert legt. Der- schließt sich die Regierung, der gerade in der bisher befolgten Aufrüstungspolitik und der Poli- tik des engsten Zusammengehens mit England bei den letzten Bundeswahlen am 23. Oktober das Der- trauen der Bevölkerung wieder ausgesprochen wurde, durchaus nicht vor der Notwendigkeit, die sich aus der Politik des Empire im Pazifik er­gebenden Rüstungsmaßnahmen konsequent weiter durchzuführen. Kennzeichnend ist in dieser Hinsicht, daß in den Mittelpunkt der australischen Wehr- Politik der Ausbau der Flotte, d. h. gerade desjenigen Zweiges der Wehrmacht gestellt wird, der für englische Interessen am maßgebendsten ist. Außer einigen kleineren Neubauten werden dem­entsprechend die beiden 10 000 - Tonnen ° Panzer­kreuzerCanberra" undAustralia" modernisiert, der 5000-Tonnen-KreuzerAdelaide" und das Flug­zeugmutterschiffAlbatros" wieder in Dienst ge­stellt. Neben der Neuarmierung der wichtigsten australischen Häfen soll ein starker befestigter Stütz-punkt in Darwin (Nordwestaustralien) ah Rückendeckung für Singapore geschaffen werden, wofür bereits 400 000 Pfund angesetzt sind. Die Luftwaffe wird gleichfalls nicht vernachlässigt und in nächster Zeit auf 200 Maschinen gebracht. Wichtiger noch ist der Bau von Flugzeugen in Australien selbst und der Ausbau von Munitions­fabriken und anderen für die Landesverteidigung notwendigen Werken.

Außer dem engen Zusammengehen mit N e u - f e e l a n b rechnet Australien im Ernstfall auch mit einer gewissen Unterstützung durch die Vereinig­ten Staaten von Amerika. In diesem Zusam­menhang war die Feststellung einer australischen Zeitung von Interesse, in der daraus Bezug ge­nommen wurde, daß die amerikanischen Marine­flieger während ihrer vergeblichen Nachforschungen nach der im Mittelpazifik spurlos verschwundenen Fliegerin Amelia Earhart Gelegenheit genommen haben, Erkundungsflüge über den japanischen Mandatsinseln in der Südsee auszuführen. Eine endgültige Sicherung seiner wehrpolitischen Stellung erwartet Australien von der (Stationierung eines britischen Schlachtschiffgeschwaders in Singapore und der entsprechenden Wiederherstellung des englischen Prestiges im pazifischen Raum.

Hollands ostindische Sorgen.

Von unserem Str.-Serichierstaiier.

Amsterdam, Ende Dezember 1937.

Das verflossene Jahr hat für die Niederlande manche entscheidende Wendung gebracht. Wirtschaft­lich stand das Land im ersten Halbjahr unter dem Zeichen der Auswirkungen der Guldenabwer- tung. Dies finanzpolitische Experiment brachte im Verein mit der allgemeinen Belebung auf dem Weltmarkt und im Weltverkehr eine Blüte mit sich, von der man vielfach erhoffte, sie werde einen Umschwung der Wirtschaftslage zum Besseren mit sich bringen. Die zweite Hälfte des Jahres hat in immer stärkerem Maße gezeigt, daß diese Hoff­nungen jedenfalls verfrüht waren. Das A n z i e» hen der Preise hat den Arbeitsmarkt nur we­nig entlasten können. Die Zahl der Arbeits­losen ist mit 450 000, gemessen an der Einwoh­nerzahl des Landes, immer noch erschreckend groß. Die Kurve der Preissteigerung für die wichtigsten industriellen und kolonialen Erzeugnisse Hollands und seiner Kolonien hat nicht nur seinen Höhe­punkt erreicht, sondern befindet sich seit etwa August des Jahres deutlich auf der absteigenden Linie. Die Erschütterungen im amerikanischen Wirt­schaftsraum, mit dem Holland durch seinen großen Kapitalexport eng verknüpft ist, brachte dem hollän­dischen Volksvermögen sehr bedeutende Verluste, deren buchmäßiger Umfang nur geschätzt werden kann, der aber doch in die Milliarden Gulden gehen dürfte. Im Zusammenhang hiermit fand eine starke Rückwanderung holländischen Kapitals aus Amerika statt, der zu einer ungesund großen Goldanbäufung in den Kellern der Niederländischen Bank führte. So liegt heute ein großes Kapital in den Amsterdamer Banken, bas keine Verwenbung finbet unb baher auch kaum Zinsen trägt. Zieht man biefe Tatsachen in Betracht, so ist für Hollanb bie (Bulbenabroer» tung eine Enttäuschung gewesen.

Wirtschaftliche Voraussetzungen haben in starkem Umfang auch auf bie Außenpolitik bes Lanbes Einfluß ausgeübt. Hier ist vor allem ber Versuch des hollänbischen Ministerpräsibenten C o 1 i j n vom Januar zu nennen^ ber bahin zielte, bie sogenannte Oslo gruppe (Schweben, Norwegen, Dänemark, Finnlanb, bie Nieberlange, Niederlänbisch-Jnbien unb Belgien-Luxemburg) wieder ins Leben zu rufen, nachdem im Jahre 1932 das Zustandekom­men dieser Gruppierung am Widerstand Englands scheiterte. Diese Pläne wurden in Hollanb und in Skandinavien anfangs mit großem Eifer aufge­nommen und im Frühsommer fand im Haag eine

Besprechung her Regierungsvertreter statt. Aber schon im Laufe dieser Besprechung zeigten fid) deutlich bie großen Schwierigkeiten, die ber Ver­wirklichung solcher Pläne entgegenftanben. Beab­sichtigt war, eine weitgehenbe w i r t s ch a s tliche Ausgleichung zwischen ben beteiligten Län­dern, bie in ber Gewährung von gegenseitigen f)an- delsvorrechten zum Ausbruck -kommen sollte. Ja, es würben darüber hinaus Stimmen laut, die sich auch für eine politische Angleichung der Länder einsetzten. Die Bemühungen scheiterten, weil die Osloländer in ihrem wirtschaftlichen Aufbau zu verschieden geartet find und weil daher ihr Handelsverkehr untereinander, gemessen an dem Verkehr mit den Großmächten, vor allem Deutsch­land unb Englanb, zu unbebeutenb ist. Es wurde zwar im Mai beschlossen, baß bie Oslostaaten sich zu einer neuen Konferenz im Herbst dieses Jahres in Kopenhagen treffen sollten. Doch ist diese Ta­gung vorläufig verschoben worden unb es muß unter ben gegebenen Umftänben boch bezweifel! werben, ob bie ursprünglichen Pläne des holländi­schen Ministerpräsidenten je verwirklicht werden können.

Bei ber Beurteilung ber holländischen Dinge kann nicht oft genug baran erinnert werben, das ber Schwerpunkt Hollanbs in vieler Beziehung nicht im kleinen europäischen Mutterlanbe, sondern im großen und überaus reichen K o l o ni a lb e si» in O st i n b i e n liegt. Niederlänbisch-Jnbien bildet auch heute noch bie größte Quelle bes höl' länbischen Wohlstanbes. Mit feinen 70 Millionen Einwohnern unb seinen sehr bebeutendeu Rohstoffquellen, die geopolitisch gesehen am Schnitt­punkt der britischen japanischen und amerikanischeu Einflußsphäre liegen, ist dieser Kolonialbesitz gleich­zeitig jedoch eine Quelle ständiger S o r' gen für Holland, und es ist daher verständlich, daß man hier mit erhöhter Aufmerksamkeit die wei­tere Entwicklung des ostasiatischen Konfliktes be­obachtet. Im Hinblick auf diese Tatsachen hat fid bie nieberlänbische Regierung entschlossen, den R ü st u n g s st a n b bes Lanbes unb seines Kolo­nialbesitzes bebeutenb zu erhöhen unb zu moderni­sieren. Auch von englischer Seite ist übrigens be­zeichnenderweise auf die Erhöhung des Rüstungs- standes der holländischen Kolonien gedrungen wor­den.

Es gibt aber noch eine andere Gefahrenquelle fuj ben hollänbischen Kolönialbesitz, beren brohendn Charakter mit dem Fortschreiten der Emanzn