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In der Waffenschmiede des Reiches.
Die Besichtigung der Kruppwerke in Essen durch den Führer und Mussolini.
Essen, 27.Sept. (DNB.) Der Chef des Hauses Krupp Dr. Krupp von Bohlen und Hal» bad) begrüßte am Eingang des Werkes seine Gäste und geleitete sie in die Ehrenhalle des Hauptgebäudes, wo er seine Familie und die Werksleitung vorstellte. Dr. Krupp von Bohlen und Halbach erläuterte dann Aufbau und Organisation des Kruppwerkes und wies insbesondere darauf hin, daß durch die Tatkraft eines einzelnen Mannes dieses Werk entstanden und durch Unternehmungsgeist und Mut seiner Nachkommen zu seiner heutigen Größe emporgeführt worden sei. Heute wie einst sei die Firma Krupp ein Familienunternehmen, und getreu der Tradition des Gründers bildeten auch heute Betriebsführung'und Gefolgschaft eine große Familie.
Dann setzte sich die Wagenkolonne wieder in Bewegung und in langsamer Fahrt ging es, vorbei an dem Stammhaus der Firma Krupp, das klein und unscheinbar zwischen den Reiesengebäuden des heutigen Werkes steht, zum Schmiedepreßwerk, das mit seiner 15 000-Tonnen-Presse eine der Höchstleistungen deutscher Technik darstellt und das Schmieden von Werkstücken bis zu rund 300 Tonnen Gewicht ermöglicht. Riesige glühende Blocke strahlten hier eine tropische Hitze aus, wuchtig sausten die Riesenhämmer unter ohrenbetäubendem Lärm auf das glühende Erz und gaben ihm Form und Gestalt. Dann begaben sich die Gäste in den Panzerbau. Hier wurde in der rauchgeschwärzten gewaltigen Halle das Walzen und die Weiterverarbeitung schwerer Panzerplatten gezeigt, ein Gebiet, auf dem die Firma Krupp schön vor dem Kriege Weltruf hatte.
Dritter Punkt des Besichtigungsprogrammes war die L o k o m o t i v f a b r i k. Rechts und links vom Eingang der Lokomotiohalle sah man schwere, eben fertiggestellte Lokomotiven. Nach der Besichtigung der Lokomotiohalle wurde die Fließfertigung leichter und schwerer Geschütze und anschließend die Herstellung von Geschützrohren gezeigt. Auf dem Freigelände hinter der Halle war eine Reihe der neuesten geländegängigen Räderfahr- 3 e u g e aufgestellt. Im nächsten Betrieb, der besichtigt wurde, sah man schwere Robre für die Marine in den verschiedenen Stadien iyrer Herstellung. In einer neuen, riesigen lichtdurchfluteten Halle wuchsen A r t i l l e r i e t ü r m e für die Marine empor, wurden Panzerplatten und Rohre zu stählernen Festungen verschmolzen. In all den Werksteilen, die besichtigt wurden, blieb die Gefolgschaft musterhaft diszipliniert an ihren Arbeitsplätzen, ein imponierendes Bild deutscher Schaffenskraft. Hier und da machte Dr. Krupp von Bohlen auf besonders erprobte Veteranen des Werkes aufmerksam, und der Duce trat mitten in den Kreis der Arbeiter, aus dem er selbst ebenso wie der Führer hervorgegangen ist.
Um 10.45 Uhr fahren Mussolini und der Führer mit ihrer Begleitung zurück zum Bahnhof. Noch einmal klingt den beiden Staatsmännern unendlicher Jubel entgegen und noch einmal grüßen die beiden Führer Abschied nehmend die Arbeiter der größten Waffenschmiede des deutschen Volkes. Und ebenso wie bei der Einfahrt eilen auch alle bei der Abfahrt vom Betriebsführer bis zum jüngsten
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Mussolini und der Führer bei ihrem Besuch in Essen. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Lehrling heran an die Tore und Fenster. Die Jungarbeiter und Lehrlinge erklettern die Mauern und die niedrigen Schuppendächer, um dem Führer, um dem italienischen Regierungschef noch einmal zu huldigen.
Die ganze Fahrt zum Bahnhof ist eine einzige Triumphfahrt. Der Führer und sein Gast stehen wieder aufrecht im Wagen, umtost von der Begeisterung der Menge. Wieder präsentiert vor dem Bahnhof der Ehrensturm der SA.-Standarte „Feldherrnhalle". Die Klänge der Giovinezza werden von dem Orkan der Begeisterung übertönt.
Von der Treppe des Haupteinganges grüßen der Duce und der Führer noch einmal zu den Massen herüber, um dann, während der Musikzug die Lieder der Nation spielt, den Augen der Menge im Innern des Bahnhofes zu entschwinden. Immer neue Wogen des Jubels schlugen hinauf zu dem auf der Bahnhofsüberführung stehenden Sonderzug, Adolf Hitler dankte immer wieder — sich weit hinüberbeugend den Volksgenossen, die in vierhundert Gliedern tief gestaffelt den südlichen und nördlichen Bahnhofsvorplatz bis weit hinein in die benachbarten Straßen füllten.
Starker Eindruck im Ausland.
Sm Friedenspall.
„Sie werden das Glück ihrer Völker nicht aufs Spiel setzen."
N e u y o r k, 28. Sept. (DNB. Funkspruch.) Vor amerikanischen Pressevertretern wandte sich das hier weilende britische Oberhausmitglied Lord M o t t i - st o n e gegen die in der amerikanischen Presse immer wieder auftauchenden Gerüchte über die Möglichkeit eines bewaffneten Konfliktes in Europa, wobei Mottistone besonders auf den Friedenswillen Hitlers und Musso- l i n i s hinwies. Er kenne beide Staatsmänner persönlich. Beide seien erfahrene Soldaten, die wüßten, daß im Weltkrieg niemand irgend etwas gewonnen habe. Sie hätten das große Leid der Nachkriegszeit erlebt und jetzt, nachdem es ihnen beiden gelungen sei, ihre Völker glücklich zu machen, würden sie dieses Glück, soweit es in ihrer Macht liege, nicht durch einen Krieg aufs Spiel setzen.
„Eine Kundgebung wirklicher Freundschaft."
DieenglischePressezumEnrpfangMussolims in der Reichshauptstadt.
London, 28. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die gesamte Londoner Presse berichtet ausführlich über den Besuch Mussolinis und des Führers in Essen, das Eintreffen in der Reichshauptstadt und schließlich über das Staatsbankett in der Reichskanzlei und die dabei ausgetauschten Trinksprüche. Der Berliner Berichterstatter der „Times" schreibt u. a.: Mussolini sei bei seinem Eintreffen in Berlin eine Begrüßung dargebracht worden, wie sie noch nie ein Besucher der Reichshauptstadt jemals erfahren habe. Die Berliner hätten eine Kundgebung wirklicher Freundschaft dargebracht, die den Duce sicherlich davon überzeugt hätte, daß die Achse Berlin —Rom von der ganzen deutschen Nation „ratifiziert" worden sei. Wie die übrigen Korrespondenten, so beschreibt der „Times"-Berichterstatter eingehend die wundervollen Beleuchtungsanlagen Berlins und nennt sie die e r f o l g r e i ch st e D e k o r a t i o n, die Berlin jemals gezeigt habe. Aus den Besprechungen der beiden Staatsmänner gewinne man immer mehr den Eindruck, daß die beiden Staatsmänner v ö l l i a einig seien und nur noch technische Fragen besprochen würden.
Im Bericht der „Morning Post" heißt es, die prachtvolle Ausschmückung der Via Triumphalis mit den deutschen und italienischen Bannern und den in gleißendem Licht strahlenden Blumen hätten die wundervollen Dekorationen noch übertroffen, die man in München zur Ankunft Mussolinis in Deutschland hergerichtet habe. Zum erstenmal in der Geschichte habe man das Leben einer modernen europäischen Haupt st a d t un« terbrochen, um einem ausländischen Staatsmann eine Begrüßung zu bereiten, wie sie technisch
und programmäßig nicht größer gestaltet werden könne. Wie eine lebende Mauer hätten 600 000 Berliner auf der Via Triumphalis gestanden, um dem Duce ihr Heil entgegenzurufen. — „Daily Mail" berichtet eingehend über die zwischen Hitler und Mussolini ausgetauschten Trinksprüche beim Staatsbankett. Das Blatt hebt insbesondere die Erklärung Mussolinis hervor, daß Deutschland und Italien bereit seien, mit den anderen Nationen guten Willens zusammenzu- arbeiten, daß man aber Achtung und Ver- ständnis für die Bedürfnisse der beiden Nationen fordern müsse.
Aus dem Manövergelände berichtet der „Daily Telegraph", daß die deutsche Armee einen ausgezeichneten Eindruck mache. Obwohl die Truppen schwere Märsche hinter sich gehabt hätten, seien ihr Geist und ihre Leistungsfähigkeit sehr gut gewesen. Offiziere und Mannschaften hätten mit typisch deutscher Gründlichkeit ihre Pflicht erfüllt. Die Ausrüstungen seien gut und sehr modern gewesen. Die Besichtigung der Krupp- Werke durch Mussolini wird von den Blättern
als Ueberraschung hervorgehoben, da sie ursprünglich nicht im Programm vorgesehen war. Mehrere Blätter stellen Vermutungen über den Gegenstand und das Ergebnis der bisherigen Besprechungen an. U. a. betont die „Morning Vost", man könne annehmen, daß die deutsch-italienische Verständigung in keiner Weise die Mächte Europas in Aufregung versetze. Weder Deutschland noch Italien beabsichtigten irgend etwas gegen England zu unternehmen. Daß Mussolini Hitler aufsuche, sei genau so wenig überraschend wie die ständige Zusammenarbeit zwischen den demokratischen Nationen England und Frankreich. Jedem gebühre eben das Seine. Man müsse aber zugeben, daß der Völkerbund bisher nichts für eine Entspannung getan, sondern daß er im Gegenteil viel zur Beunruhigung beigetragen habe. Wenn die Achse Berlin—Rom nichts Drohendes enthalte, so verdanke man das auf keinen Fall dem Völkerbund. Eines stehe fest, nämlich, daß die Zusammenkunft zwischen dem Duce und dem Führer sowohl in Italien wie in Deutschland größte Befriedigung erwecke. Der Besuch
Mussolini bei -en Wehrmachtsmanövern
Unser Bild zeigt den Duce bei der Beobachtung des Kampfoerlaufs durch das Scheren- fernrohr. Neben ihm der Oberbefehlshaber der Luftwaffe Generaloberst Göring. (Presfe-Jlluftration-Hoffmann-M.)
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werde eine Entspannung in Europa bringen und somit einen weiteren Schritt zur allgemeinen Beruhigung und zur besseren Verständigung darstellen. Wenn das das Ergebnis des Besuches sei, sa werde er sicherlich nicht vergebens gewesen sein.
„Eine phantastische Begeisterung."
Das Echo des Mussolini-Empfangs in der Pariser Presse.
Paris, 28. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der triumphale Empfang, den Berlin am Montag dem Duce und dem Führer bereitete, findet auch in der Pariser Morgenpresse große Beachtung. In oft spaltenlangen Artikeln schildern die Sonderberichterstatter die ungeheure Begei- fterung der Berliner Bevölkerung, die alles in den Schatten stelle, was man bisher erlebt habe. Berlin, so schreibt das „Petit Jour-> nal", habe Mussolini einen Triumph bereitet, wie ihn noch nie ein Regierungschef auf einer Reise im Ausland erlebt habe. Die Reichshauptstadt habe an Begeisterung alles Überboten, was man sich nur einbilden konnte. Eine unbeschreibliche Begrüßung habe den Duce und den Führer auf ihrer Fahrt vom Bahnhof zur Wilhelmstraße begleitet. Auch der „Petit Parisien" erklärt, daß der italienische Regierungschef mit einer geradezu phantastischen Begeisterung in Berlin empfangen worden fei. Der ,Hour", der „Matin" und das Journal" geben etwa die gleichen Eindrücke wieder.
Neben diesen äußerlichen Betrachtungen versuchen die Blätter selbstverständlich auch die Polittk zu Wort kommen zu lassen. Man unterstreicht d i e Trinksprüche, die am Montagabend ausgetauscht wurden, und führt daraus die Erklärung an, wonach Deutschland und Italien bereit sind, mit allen anderen Völkern guten Willens zusammenzuarbeiten. Hier und da, so im „Petit Parisien" und in der „Epoque", werden diese Erklärungen allerdings in Widerspruch zu dem Besuch der Kruppwerke in Essen gestellt. (II)
Das Programm des heutigen Dienstag.
Die Kundgebung auf dem Maifeld..
Höhepunkt des Staatsbesuches.
Berlin, 27. Sept. (DNB.) Der 28. September hat in Berlin den Charakter eines Staatsfeiertages erhalten. Die Arbeit ruht in den Betrieben. Das Volk von Berlin wird an diesem Tage Gelegenheit haben, dem hohen italienischen Gast die herzlichen Gefühle zu bekunden, die die Berliner Bevölkerung angesichts seines Besuches bewegen. Der Duce wird am späten Vormittag zunächst der italienischen Botschaft und dem Haus des Faszio einen Besuch abstatten. Im Haus des Faszio wird sich die Berliner italienische Kolonie versammeln, um dem Führer des italienischen Volkes ihre Huldigung zu bringen. Am Nachmittag wird der Duce G a st des M i n i st e r- Präsidenten Generaloberst Göring in seinem Waldhaus K a r i n h a l l sein, während der italienische Minister für Volkskultur Alfieri und Minister Starace, der Generalsekretär der Faschistischen Partei, mit den anderen italienischen Herren Gäste von Reichsminister Dr. Goebbels in den Festräumen des Propagandaministeriums sein werden.
Der Abend des 28. September bringt die groß- arttge Kundgebung auf dem Maifeld. Der Führer und der Duce werden sich gegen 18 Uhr von der Wilhelmstraße zum Reichssportfeld begeben. Gegen 18.30 Uhr wird die große Kund- gevung auf dem Maifeld eröffnet durch Reichsminister Dr. Goebbels. Dann spricht der Führer. Nach seiner Ansprache werden die italienischen Nationalhymnen gespielt. Darauf wird der Duce zu einer Ansprache zu den auf dem Maifeld und im Olympiastadion versammelten Hunderttausenden, zu den Millionen, die an der Feststraße durch Lautsprecher die Uebertragung seiner Rede hören werden, und zu den Hunderten von Millionen, die über den Rundfunk in vielen Ländern der Erde Zeuge der Stunde werden, das Wort ergreifen. Die deutschen Nationalhymnen beschließen die Kundgebung. Der Führer und der Duce begeben sich dann mit ihren Gästen durch das Maifeld und über das Marathontor zur Regierungsloge im Stadion. Um 19.40 Uhr beginnt dort das große Wehrmachtskonzert, an dem 4000 Musiker und Spielleute Mitwirken. Nach 20 Uhr fährt der Führer mit dem Duce und den italienischen Gästen zur Wilhelmstraße zurück.
Oer Rundfunk überträgt
die Kundgebung auf dem Maifeld.
Berlin, 27. Sept. (DNB.) Der Rundfunk veranstaltet am Dienstag folgende R e i ch s s en- dun gen: 18 bis 20 Ühr: Reichssender Berlin: Unterhaltungskonzert. Gegen 18.40 Uhr Kundgebung auf dem Maifeld mit den Reden des Führers und des italienischen Regierungschefs und anschließend Festakt im Sta- dion. 20.05 bis 21.05 Uhr: Deutschlandsender: Konzert. 21.05 bis 22 Uhr: aus Rom: Großes festliches Konzert. Dirigent Exzellenz Pietro Mascagni. Es singen Benjamino G i g l i, Pia Tassinari und Lina Paglighi (Sopran), Tancredo Pasero (Baß). 24 bis 2 Uhr: Reichssender Frankfurt: Nachtkonzert.
Marschall Badoglio in Lübeck und Hamburg.
Lübeck, 27. Sept. (DNB.) Der Generalstabschef der italienischen Wehrmacht, Marschall B a - doglio, der Chef des Generalstabs des italienischen Heeres, Armeegeneral Pariani, und der Stabschef der Faschistischen Miliz, General Russo, die an den Wehrmachtsmanövern in Mecklenburg teilgenommen hatten, trafen am Montag zu "einem Besuch im festlich geschmückten Lübeck ein. Als Vertreter des Generalfeldmarschalls von Blomberg begleitete die italienischen Offiziere General der Artillerie von Reichenau. Nach einer Rundfahrt durch die Stadt wurden sie im Audienzsaal des Rathauses von Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Drechsler begrüßt. Anschließend fand ein Empfang statt. Am nachmittag traten die Gäste die Weiterfahrt nach Hamburg an.
Hier wurden die Gäste im Rathaus von Reichsstatthalter Gauleiter Kaufmann begrüßt. Marschall Badoglio unterstrich das Gemeinsame zwischen Deutschland und Italien und betonte, daß eine der wichtigsten dieser Gemeinsamkeiten der Kampf gegen den Bolschewismus sei.


