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Verzweifelte Ernä'hrungslage in Madrid.
Spanische Bauern erheben sich gegen ihre bolschewistischen Peiniger.
Paris, 28. Jan. (DNB. Funkspruch.) Wie dem „Jour" gemeldet wird, sollen Ueberläufer der bolschewistischen Miliz erklärt haben, daß die Lage in Madrid verzweifelt sei. Die Anforderung von Lebensmitteln durch den Oberhäuptling der bolschewistischen Horden sei von Valencia mit der Antwort „auch bei uns fehlt es an Lebensmitteln" abgetan worden. Die bolschewistischen Gewalthaber in Valencia, deren Ueber- siedlung nach Barcelona übrigens nicht mehr lange auf sich warten lassen werde, hätten angeordnet, daß alle Bauern, die nicht drei Viertel ihrer landwirtschaftlichen Erzeugnisse abliefern, ohne weiteres erschossen werden. Diese Maßnahme habe zur E r h e b u n g der bis aufs Blut gepeinigten Bauern geführt. Bei Zusammenstößen mit der Miliz seien in den letzten Tagen 114 Bauern g e - tötet und 327 verletzt worden.
Ein zu den nationalen Truppen übergelaufenes Mitglied der bolschewistischen Banden berichtete, daß in der katalanischen Ortschaft C e r v e r a vor kurzem ein Geistlicher und 94 katholische Studemen
von den Bolschewisten erschossen worden seien, weil sie f i ch weigerten, Gotteslästerun- gen auszusprechen!
Unwetter verhindert größere Gefechtstätigkeit.
Salamanca, 28. Jan. (DNB. Funkspruch.) Der Heeresbericht teilt mit, daß ungewöhnlich heftige Stürme und Regengüsse auch weiterhin die Gefechtstätigkeit an den Fronten fast vollständig lahmlegten. Durch Nebel geschützt, seien wiederum zahlreiche Mitglieder der bolschewistischen Miliz zu den nationalen Truppen übergelaufen. Besonders in Südspanien gehen fortgesetzt Wolkenbrüche nieder. Die Flüsse sind stark angeschwollen, die Landstraßen unpassierbar. Auf den Feldern steht das Wasser vielfach einen halben Meter hoch. Trotz dieser ungünstigen Wetterverhält- nisse konnten die nationalen Truppen im Frontabschnitt Aranjuez verschiedene strategisch wichtige Punkte besetzen.
Soziale Spannungen in Mexiko.
Von unserem K.B.-Berichierstatter.
Mexiko-Stadt, Ende Dezember 1936.
Ein weiteres Jahr, das zweite der sechsjährigen Amtsperiode des Präsidenten Lazaro Cardenas, geht seinem Ende entgegen. War schon das erste Jahr gekennzeichnet durch eine Verstärkung der sozialen Kämpfe, so ist das zweite eine logische Weiterentwicklung der von dem Präsidenten seit seinem Amtsantritt begonnenen Politik der durchaus einseitigen Förderung der Arbeiter und Landarbeiter unter bewußter Außerachtlassung, ja sogar Be- kämpsung der Interessen der übrigen Volkskreise, wobei es keineswegs feststeht, daß die Landbevölkerung, die den weitaus größten Prozentsatz des mexikanischen Volkes ausmacht, restlos begeistert wäre von der Agrarpolitik der Regierung, die mit dem Schlagwort von der Befreiung des Landarbeiters von dem Joch des Großgrundbesitzers auf die Schaffung von Kollektivwirtschaften hinzielt, die durch Agrarkreditbanken gefördert werden. Denn der Landarbeiter ist dadurch keineswegs ein freier Mann geworden. Hatte er früher einen Arbeitgeber, der für seinen Lebensunterhalt verantwortlich war und der ihm einen entsprechenden Lohn zahlen mußte, so ist er heute von den Landwirtschaftsban- ken und deren Unterorganen abhängig, gegen deren Maßnahmen es keine Auflehnung gibt, die den Preis für seine Erzeugnisse bestimmen, ihn aber häufig so festsetzen, daß der Bauer keine Besserung seiner Einnahmen verspürt, wohl aber eher in immer größere Verschuldung und damit Abhängigkeit von der Bank und damit der Politiker gerät. Es gibt Leute, die durchaus eingestehen, daß die Politik der Aufteilung des Großgrundbesitzes und seine Umwandlung in Kollektive keineswegs den gewünschten Erfolg gebracht hat, doch kann man sich zu einer Abkehr von diesen Methoden nicht entschließen. Man ist vielmehr bereit, sie noch zu verschärfen. Erst noch in den allerletzten Wochen hat die Regierung die Aufteilung und die Zerschlagung der großen Baumwollpflanzungen im fog. Laguna-Gebiet der Staaten Coahuila und Durango vorgenommen, obwohl sich viele warnende Stimmen erhoben, die für diese Gegend eine wirtschaftliche Katastrophe allergrößten Ausmaßes voraussagen und der Ansicht sind, daß Mexiko in Kürze Baumwolle ein- sühren muß anstatt sie, wie bisher, auszuführen.
Wie man in der Agrarpolitik auf die Schaffung einer Art Staatskommunismus hinarbeitet, so sieht man auch ähnliche Bestrebungen auf allen anderen Gebieten des Wirtschaftslebens. Obwohl man diese Politik als „mexikanischen Sozialismus" bezeichnet, so hat sie doch eine verteufelte Aehnlichkeit mit kommunistischen Methoden, die offiziell indessen als „eine den mexikanischen Verhältnissen nicht entsprechende Wesensart" abgelehnt werden. Kampf dem kapitalistischen Ausbeuter — das ist die Losung, die die teilweise sehr stark kom- munisttsch beeinflußten Gewerkschaften ausgegeben haben und die auch von maßgebenden Regierungskreisen unterstützt wird. Während man
einerseits den Klassenkampf predigt, tritt man andererseits in den Gewerkschaftskreisen f ü r die „klassenlose Gesellschaft" ein, was man nur dahin verstehen kann, daß alle übrigen Klassen, mit Ausnahme des Proletariats, verschwinden müssen. Die Folgen sind immer wieder neue Streiks, um die „Lage der Arbeiterschaft zu bessern", sind neue wirtschaftliche Erschütterungen, die ein weniger reiches Land als Mexiko längst zu Boden geworfen haben würden. Es vollzieht sich hier eine Entwicklung, wie man sie ähnlich in Deutschland sah, bevor Adolf Hitler diesem Spuk ein für allemal ein Ende machte, eine Entwicklung, die auch viel Aehnlichkeit hat mit den Verhältnissen in Spanien vor der nationalen Erhebung Francos. Die hiesige Ideologie wird am besten gekennzeichnet durch das Verhalten Mexikos gegenüber den spanischen Marxisten und Bolschewisten. Während alle übrigen Volksfrontländer einschließlich Sowjetrußland sich bemühen, ihre Hilfe für Rotfront-Spanien mehr oder weniger zu verschleiern, hat sich Mexikos Regierung offen auf die Seite Largo Caballeros gestellt.
Mexikos Gewerkschaftsführer und alle politisch radikalen Elemente belegen den Präsidenten Cardenas ausschließlich für sich mit Ueschlag. „Car- d e n a s ausschließlich für sich mit Beschlag. „Carunterstützen", heißt es immer wieder in ihren Reden und Proklamationen, in denen alle, die den geforderten krassen Radikalismus nur mit halbem Herzen mitmachen oder sogar den Mut aufbringen, vor ihm zu warnen, als Faschisten und Reaktionäre angeklagt werden. Es ist ein gefährliches Spiel. Gelingt es der Regierung nicht, die Herrschaft über die Gewerkschaften und ihre Führer zu behalten, dann ist der Tag der Diktatur des Proletariats nicht mehr allzu fern.
Es ist ein düsteres Bild, daß sich einem darbietet, nur dadurch etwas aufgehellt, daß die Regierung Cardenas auf anderen Gebieten tatsächlich Positives leistet. Sie kümmert sich um Landesteile, die frühere Regierungen vollkommen vernachlässigt haben. Sie hat ein großzügiges Programm für die Entwicklung der an den äußersten Landesgrenzen liegenden Bundesterritorien von Niederkalifornien im Nordwesten und Quintana Roo im Südosten ausgestellt. Sie betreibt mit großer Energie den Bauvon Straßenund von Eisenbahnen, um weite Teile des Landes überhaupt erst einmal zu erschließen und zu entwickeln. Sie läßt Stauwerke errichten, um brachliegende Gebiete der Landwirtschaft nutzbar zu machen. Die Staatsfinanzen sind in Ordnung gebracht worden und der Staatshaushalt weist rechnungsmäßige Ueberschüsie auf, trotz der gestiegenen Ausgaben, da die Steuerschraube angezogen worden ist. Ein Jahr ist zu Ende. Niemand weint ihm eine Träne nach. Möge 1937 Mexiko endlich den ersehnten sozialen und politischen Frieden bringen, eine ruhige, von allen Erschütterungen freie Entwicklung und neuen Aufstieg!
für Zinn • । । । 8 • 20 kg für Zink ...... 100 kg nicht über st eigen. Eine Freigrenze für Platin besteht nicht. Für die Berechnung der Freigrenze sind alle Mengen des gleichen Metalls, die der Verfügungsgewalt einer Person unterliegen, auch dann zusammenzuzählen, wenn sie sich im Besitz oder Gewahrsam mehrerer Personen befinden. Von der Verpflichtung sind befreit Personen, denen der Besitz oder Gewahrsam in Ausübung ihres Amtes, Standes oder Berufes übertragen ist und die kraft gesetzlicher Vorschrift zur Verschwiegenheit verpflichtet sind.
Danzig und der Völkerbund.
Der Rat stimmt dem polnischen Bericht zu.
Genf, 27. Jan. (DNB.) Der Völkerbundsrat hat in öffentlicher Sitzung den Bericht des polnischen Außenministers B e ck über die Danziger Angelegenheiten zur Kenntnis genommen. Der Danziger Senat habe erklärt, daß die Freie Stadt ihre Beziehungen zu dem Oberkommissar auf die augenblicklich in Kraft befindliche Rechtsreqelung gründe. Diese Erklärung sowie die Zusicherungen, die ten polnischen Unterhändlern abgegeben worden seien, ließen die polnische Regierung hoffen, daß die entstandenen Schwierigkeiten in Zukunft ausgeschaltet sein werden. Der Bericht, den Eden im Namen des Dreierausschusses erstattete, beschäftigt sich mit den Grundlagen des Statuts der Freien Stadt Danzig und den Beziehungen zwischen dem Völkerbund und Danzig, wie sie sich im Laufe der Jahre ergeben haben. Es heißt dann weiter, daß der Ausschuß dem Rat die Annahme des gegenwärttgen Berichtes, wenn auch mit schweren Bedenken, und die Ernennung eines neuen Kommissars empfehle. Der Danziger Senatspräsident Greiser dankte dem polnischen Außenminister für die loyale und feinfühlige Erledigung seines Auftrages. In der guten Zusammenarbeit zwischen Danzig und Polen, die durch die Erledigung des Auftrages nicht belastet werden konnte, sei eine weitere positive Lei st ung für den Frieden Europas vollbracht worden. Auch dem Berichterstatter Eden gebühre Dank für das Verständnis, das er gezeigt habe. Es sei zu hoffen, daß durch die Annahme des Berichtes belastende Situationen nicht mehr eintreten werden. Die erfreuliche Grundlage des Berichtes werde eine loyale Zusammenarbeit mit dem neu zu ernennenden Oberkommissar ermöglichen.
Genf ist hilflos.
Das Schicksal der Madrider Gesandtschaftsflüchtlinge.
Genf, 27. Jan. (DNB.) Der Völkerbundsrat hat feine 96. Tagung mit einer neuen Aussprache über das Schicksal der Madrider Gesandtschaftsfl ü ch t l i n g e abgeschlossen, die abermals ergebnislos verlief. Da der famose „Außenminister" der Valencia-Bolschewisten del V a y o dem chilenischen Vertreter das Recht bestreitet, im Namen des Madrider Diplomatischen Korps zu verhandeln, konnte der Rat lediglich den frommen Wunsch aussprechen, daß „direkte Verhandlungen" alsbald die Fraae des Abtransportes der Flüchtlinge aus der chilenischen Botschaft in Madrid zur beiderseitigen Zufriedenheit regeln werden. In der Aussprache machte del Vayo wiederum den Versuch, eine politische Propagandarede Moskauer Prägung zu halten. Der chilenische Vertreter Edwards lehnte es jedoch ab, seinem spanischen „Kollegen" auf das Gebiet der Polemik zu folgen, die ganz außerhalb der Absichten der chilenischen Regierung liegen. Die Beurteilung der gegenwärtigen Verhältnisse in Spanien sei eine Ansichtssache, über die jeder seine Meinung haben könne. Chile habe die Flüchtlingsfrage nur als humanitäre Angelegenheit vor den Rat gebracht.
Wie schon zu Beginn der Ratstagung griff auch Litwinow-Finkelstein ein, um die chilenische Auffassung vorn Asylrecht zu bekämpfen. Zwar fei in ausländischen Gesandtschaften in der Praxis Asyl gewährt worden, doch sei ein dahingehendes Recht nicht anerkannt (?). Der Vertreter Boliviens betonte, wie schon früher, daß die Asyl- aewährung für die südamerikanischen Staaten eine Frage der Ehre sei. Wie man hört, werden die Verhandlungen zwischen Chile und den Valencia- Bolschewisten demnächst in London ausgenommen werden.
Die Moskauer „Geständnisse"
Der britische Kriegsminister zum bolschewistischen Schauprozetz.
London, 28. Jan. (DNB. Funkspruch.) Der englische Kriegsrninister Duff Cooper kam in einer Rede in London auch auf den Moskauer Theaterprozeß zu sprechen, wobei er darauf hinwies, daß Männer, die jetzt in Moskau vor Gericht stünden, führende Rollen in der bolschewistischen Revolution gespielt hätten. „Jeden Tag legen diese Männer, über denen der Schatten des Todes hängt, Geständnisse von Verbrechen ab, die nicht nur d i e Insassen unserer Zuchthäuser, sondern auch die Insassen unserer Irrenhäuser in Bestürzung und Schrecken versetzen würden. Ein sehr hervorragendes Mitglied der kommunistischen Partei Sowjetrußlands, das Jahre lang Direktor der Südural- Eisenbahn war, hat frisch und frei gestanden, daß cr 3500 Eisenbahnattentate während sei- uer Amtstätigkeit in Gang gesetzt habe. Können wir diese Dinge überhaupt glauben? Können wir uns vorstellen, daß ein solcher Verbrecher in der Welt vorhanden sein kann?" Duff Cooper wies ferner auf die bolschewistischen Sabotageakte in ben englischen Flottenwerften hin und fügte hinzu, man könne sich ein Bild davon machen, w o die Saboteure in die Schule gegangen seien.
Rücktritt des belgischen Gesundheits- ministerS Dandervelde.
Brüssel, 27. Jan. (DNB.) Der Generalrat der Sozialdemokratischen Partei Belgiens hat sich für den Austritt des Gesundheitsministers und Sozia- sistenfübrers Dandervelde aus der Regierung entschieden, im übrigen aber einstimmig der Ansicht Ausdruck gegeben, die Dreiparteienregierung auch weiterhin zu unterstützen. Die Gefahr einer Regierungskrise dürfte zunächst beseitigt sein, sofern sich nicht bei der Ernennung des Nachfolgers Bänder- veldes Schwierigkeiten ergeben. In politischen Kreisen glaubt man, daß die Wahl des Ministerpräsidenten auf den sozialdemokratischen Abgeordneten W a u t e r s fallen werde. Dandervelde, der im Gegensatz zu seinen beiden sozialdemokratischen Ministerkollegen Spank und De man stets
doktrinäre Ansichten vertrat, soll in der Frage der Ermordung des spanischen Diplomaten Baron de Borchgraoe bis zum Letzten die Interessen feiner spanischen Gesinnungsgenossen von der Zweiten und Dritten Internationale verteidigt und in der belgischen Oeffentlichkeit nicht die für einen Minister erforderliche Zurückhaltung an den Tag gelegt haben.
Als Arzt
im abessinischen Feldzug.
Lpd. Frankfurt a. M., 27. Jan. In der Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft sprach Professor Dr. Chiurco von der Universität Siena über die Zustände in Abessinien vor und nach der Besetzung durch die italienischen Streitkräfte. Professor Chiurco, der während des abessinischen Feldzuges Leiter des Feldlazaretts 185 „Benito Mussolini" war, schilderte die Schwierigkeiten, mit denen Italien in Abessinien zu kämpfen hatte. Im Hafen von Massaua fehlte anfangs jede Anlage, um das Material zu lagern. Auch die Verhältnisse im Land waren äußerst dürftig, um die für das Heer notwendigen Transporte an Ort und Stelle zu schaffen. Zunächst galt es, Lagerhäuser, Straßen und Brücken zu bauen und so erst einmal die Basis für weitere Operationen zu schaffen. Von Interesse war es, zu hören, was Italien auf dem Gebiet des S a n i t ä t s w e f e n s in Abessinien geleistet hat. Gab es vor Beginn des Krieges im Reiche des Negus insgesamt drei Krankenhäuser, so schufen die Italiener während des Feldzuges: 57 Etappenlazarette, 98 Feldlazarette, 155 Ambulanzen, 13 chirurgische Lazarette, 15 radiologische Ambulanzen, 139 Filtrierstationen für Wasser u. a. m. 2590 Aerzte, 188 Apotheker und 16 823 Pfleger standen zur Verfügung.
Besondere Sorgfalt läßt Italien den Eingeborenen durch ein Heer von Aerzten zuteil werden, eine Notwendigkeit, wenn man hört, daß 75 v. H. der Bevölkerung Hautkrankheiten aller Art aufweift. In Anbetracht Der Schwierigkeiten, mit denen diese Pioniere der Kultur in Abessinien zu kämpfen haben, sind die Anstrengungen der italienischen Aerzte hoch zu würdigen. Auch von den Eingeborenen wird dies dankbar anerkannt.
Die Verstärkung der britischen Lustwaffe.
Massenproduktion schwerer Bombenflugzeuge.
London, 27. Jan. (DNB.) Im Unterhaus gab der konservative Abgeordnete Simmonds seiner Besorgnis über den Stand Der englischen Luftverteidigung Ausdruck. Er betonte, daß das Luftrüftungsprogramm nicht schnell Durchgeführt werde und daß Dabei auch Die Rüstungsmindest- grenzen. Die sich Die Reaierung gezogen habe, nicht erreicht worden feien. Auch an Dem Aufbau Der englischen Luftrüstunasinduftrie übte der Abgeordnete Kritik. Der Verteidigungsminister Sir Thomas Jnfcip erklärte, die Regierung sorge für eine große Reserve für die Luftwaffe und für eine Vergrößerung Der Luftstreitmacht vor allem dadurch, daß hie Bombengeschwader mit stärkeren Maschinen ausgerüstet und ihnen größere Tragfähigkeit und Reichweite gegeben wird. Bis jetzt seien 87 Geschwader gebildet worden, bis Ende März würden es aber 100 sein. Von diesen würden sich Dann 22 auf einem Flugstützpunkt befinden. Wenn die Erwartungen sich erfüllten, würden weitere 20 Geschwader bis Juli vollendet sein. Die Fabriken der Luftwaffe hätten die Schwierigkeiten einer großen Produktion unterschätzt. Die von der Regierung eingeschlagene Produktionsmethode habe zur Erzeugung neuartiger Typen geführt, durch die dem Steuerzahler viel Geld erspart geblieben sei. Die Industrie konzentriere sich jetzt auf das Regierungsprogramm, so daß die Lieferungen bis zum Ende des Jahres voll erfüllt fein würden.
Kunst und Wissenschaft.
Frühjahrsneuerfcheinungen des Verlages Engelhorn.
I. Engelhorns Nächst, Verlag, Stuttgart, kündigt folgende Frühjahrsneuerscheinungen an: Herbert von Hoerner: Die letzte Kugel. — Stijn Streuvels: Kinderseelchen. Erzählung. — Kurt Kluge: Das Flügelhaus. Roman. — Stijn Streuvels: Frühling. Erzählung. — Er. in
Bälz: Das Leben eines deutschen Arztes (m erwachenden Japan. Tagebücher, Briefe, Berichte. —- Georg Müller-Giersleben: Frisch geschüttelt! Ein Buch der Schüttelreime. — Dr. Julius Schwenzner: Zur Morphologie des zentral- spanischen Hochlandes. — Dr. Kurt Düring: Das Siedlungsbild der Insel Fehmarn.
Aus aller Wett.
Heber 900000 Obdachlose
im amerikanischen Hochwassergebiet.
Die Zahl der O b d a ch l o s e n in den Heber» schwemmungsgebieten der elf Staaten des mittleren Westens betrug am Mittwochabend über 9 00 00 0. Die Höhe des Schadens wird weit über 400 Millionen Dollar (über .eine Milliarde Reichsmark) geschätzt. Die Zahl der Toten steigt ständig; allein im Hochwassergebiet von Louisville seien über 900 Tote zu beklagen. Die Hilfsmaßnahmen wurden am Mittwoch durch schönes Wetter begünstigt. Hinzu kam, daß in einigen Gegenden am Ohio dvs Hochwasser ein wenig fiel. Am Unterlauf des Mississippi wird der höchste Stand des Hochwassers erst in vier Tagen erwartet.
Kriegsminister Woodring hat die sofortige Vorbereitung für die Räumung des unteren Mississippitales angeordnet. Sofern nicht unvorhergesehene Ereignisse eintreten, glaubt man mit der Räumung der bevölkerten Gebiete in den Niederungen auszukommen. Die ^Vorbereitungen zur Räumung erstrecken sich auf ein Gebiet von 75 Kilometer Tiefe auf beiden Seiten des Stromes, das von Kairo (Illinois) bis New Orleans reicht. Von der Räumungsbereitschaft werden mindestens 500 000 Personen betroffen.
Deutscher Dampfer gestrandet. — 16 Mann vermißt.
In Kopenhagener Schiffahrtskreisen hegt man Besorgnisse um das Schicksal von sechzehn Mann der Besatzung des deutschen Dampfers „Taube", der südöstlich von Gjedser-Riff-Feuerschiff ft r a n • bete. Auf die Notsignale der deutschen Küsten- ftationen steuerte die dänische Fähre Gjedser— Warnemünde den Unglücksort an. Sie mußte aber die Rettungsboote der hohen See wegen wieder einholen und setzte nach dem Eintreffen zweier deutscher Dampfer ihre Fahrt fort. Inzwischen sind vier Mann Der „Taube" von einem deutschen Dampfer geborgen worden. Das Schicksal der übrigen sechzehn, die sich in Rettungsboote begeben haben, ist unbekannt.
Ernste Folgen der Kältewelle in Polen.
Der strenge Frost hat in Warschau zur Schließung mehrerer Schulen geführt. Auf dem Lande mußten bereits die meisten Schulen geschlossen werden. Zu dem starken Frost kommt in Warschau die Grippe-Epidemie hinzu. Die Zahl der Grippe-Kranken wird hier zur Zeit auf 120 000, rund 10 v. H. der gesamten Bevölkerung der Hauptstadt geschätzt. — Aus Ostpolen wird gemeldet, daß Wölfe und Wildschweine in immer größerer Zahl in die Nähe der menschlichen Behausungen kommen.
Verleger und hauptschriftleiler Dr. Diemer f.
An einem Herzschlag verschied im Alter von 49 Jahren der Hauptschriftleiter und Verleger der ältesten deutschen Weinfachzeitung, der „Deutschen Weinzeitung", Dr. jur. Eduard Dieinerin Mainz. In dem von seinem Vater gegründeten I. Diemer- Verlag sind auch zahlreiche Heimatwerke und die Mehrzahl der hessischen Gesetzesausgaben mit Kommentaren erschienen. Der Verstorbene war Motorsportreferent im Stabe der Standarte M/150. Als Obmann des Reichsverbandes des Adreß- und An- zeigen-Buchverlagsgewerbes betreute er die Gruppe Süddeutfchland; als begeisterter Waidmann gehörte er zum Stab der Deutschen Jägerschaft im Jagdkreis Mainz-Oppenheim.
Wetterbericht
des Reichswetterdiensles. Ausgabeort Frankfurt.
Die Großwetterlage zeigt jetzt ein mächttges Hochdruckgebiet über Nordeuropa und einen kräftig entwickelten Tiefdruckwirbel über Südwest- bzw. Südeuropa. Mit dieser Entwicklung hat die Heber» flutung des europäischen Festlandes mit Kaltluft aus Inner-Rußland weitere Fortschritte gemacht, die sich auch im Westen und Südwesten Deutschlands in erheblicher Frostzunahme bemerkbar machen. Da an diesen unteren Kaltluftmassen sowohl von Südosteuropa, als auch von Südwesteuropa feuchtmilde Meeresluft zum Aufgleiten kommt, kann für die Folge in Deutschland bei anhaltenden Frösten mit dem Auftreten verbreiteter erheblicher Schneefälle, besonders in Ost- und Mitteldeutschland, gerechnet werden.
Aussichten für Freitag: Wolkig bis bedeckt, zeitweise Schneefall, bei lebhaften Winden um Ost Fortdauer der Fröste.
Aussichten für Samstag: Bei Luftzufuhr aus Oft Fortdauer der kalten Witterung mit Neigung zu Niederschlägen.
Lufttemperaturen am 27. Januar: mittags 0 Grad Celsius, abends —5,9 Grad; am 28. Januar: morgens — 5,5 Grad. Maximum 0 Grad, Minimum heute nacht —9,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 27. Januar: abends —0,1 Grad; am 28. Januar: morgens —0,2 Grad. — Schneehöhe 4 cm. — Sonnenscheindauer 3,8 Stunden.
Wintersport-Wetterbericht.
Vogelsberg, Herchenhainer Höhe: Bedeckt, — 4 Grad, 25 Zentimeter Gefamtschneehöhe, Pulverschnee, Ski und Rodeln gut.
Sauerland, Winterberg: Nebel, —11 Grad, 30 Zentimeter Gesamtschneehöhe Pulverschnee, Sportmöglichkeiten gut.
Rhön, Wasserkuppe: Nebel, —10 Grad, 27 cm Gesamtschneehöhe, 3 an Neuschnee, bereift, Ski und Rodel gut.
Taunus, Kleiner Feldberg: Bedeckt. — 5 Grad, 16 cm Gefamtschneehöhe, verharscht; Ski gut, Eisbahn sehr gut.
Alpen. Schneefernerhaus: Heiter, —6 Grad, 375 cm Gefamtschneehöhe, Pulverschnee, Ski und Rodeln gut. — Berchtesgaden: Heiter, —4 Grad, 21 cm Gesamtschneehöhe, 2 cm Neuschnee, Pulverschnee, Sportmöglichkeiten sehr gut.
Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. 21. XII. 36: 11250. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts- Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämllich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pst mehr. Emzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags
15 Pst, mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.
Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 nam 1. Juni. 1935 gültig


