Nr. 301 Erstes Blatt
187. Jahrgang
Montag, 27.vezember 1037
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Oie Wett an der Zeitenwende
ren nach China entsandt. Dazu hat Blücher gegenwärtig in der chinesischen Armee durch die „r o - ten L a n z'e n" seine eigene Vertretung. Blücher unterstützt nicht China, um Tschiangkaischek aus der Patsche zu helfen und dann — selbst von ihm aus dem Lande geworfen zu werden. Seine Absicht geht dahin, China zu überzeugen, daß der Kommunismus „das kleinere Hebe I" (gegenüber Japan) sei, und zugleich ist er bestrebt, die kommunistische Bewegung als die einzig entschlossene Trägerin des Widerstandes gegen Japan hinzustellen. Er argumentiert, daß es dem Chinesenmarschall im Falle eines Sieges über Japan kaum möglich sein werde, wieder gegen den Kommunismus Fk»nt zu machen. Denn inzwischen gewinnt der chinesische Kommunismus eine Machtstellung nach der anderen im Lande.
die Prawda schließlich. A .
In der Tat stößt man auf der Fahrt nach Osten und Westen immer wieder auf Bretterzäune (dahinter werden Befestigungen errichtet oder Flugplätze angelegt) oder die Vorhänge werden plötzlich zugeschoben und es wird bei Strafe verboten, hinauszusehen. „Die Mandschurei baut Bahnen?", fragt die Presse. „Gut — wir bauen auch!" Und Hunderttausende von Zwangsarbeitern haben im Gebiet von Bureja drei große Bahnbauten errichtet, dazu zwei Stichbahnen und Chausseen die diesen Abschnitt der Baikal—Amurbahn mit'der längs der mandschurischen Grenze verlaufenden Amurbahn verbinden. Zwei dieser Bahnen verbinden die neuen Rüstungszentren Komsomolsk und W o r o s ch i l o w s k mit Wolo- tschajewsk — Chabarowsk. Dazu soll noch im laufenden Jahr die ganze sibirische Strecke z w e l- gleisig ausqebaut sein. Wenn man schließlich berücksichtigt, daß die Armee Blüchers heute schon aus 350000 Man besteht, die Zahl der verfügbaren Flugzeuge 600 beträgt und die oorojet-; flotte in Fernost von allen Baubeschränkungen frei ist, so gibt dies ein Bild der Rüstungen Blüchers, die einst gegen Japan eingesetzt werden.
Das Bild wäre aber unvollständig, wepn man zwei weitere Aufmarschgebiete außer acht ließe, die Aeußere Mongolei und Sinkiang. In diesem befestigt/sich der Sowjeteinfluß zunehmend, in jenem aber steht die Armee bereits unter Führung von Sowjetoffizieren und ist mit Sowjet
material ausgerüstet, Hier wie dort spielt Blücher seine Rolle mit Bedacht und Geschick und stellt dem japanischen Vorgehen den Einfluß des Kommunismus entgegen. — Im gegenwärtigen Konflikt wünscht Blücher natürlich nicht Japans Sieg — aber auch keinen Erfolg Tschiangkaischeks. Was er erträumt, Ist zunächst eine Beherrschung Chinas, und in der Gestalt der Kominternpropaganda ist ihm hier ein besonderes Instrument in die Hand gegeben/ Es darf nicht übersehen werden, daß in Sud-Kiangsr und Fukien ein Gebiet von etwa 500 Kilometer Länge und 250 Kilometer Breite einen kommunistischen Staat im Staate China bildet. Tausende von chinesischen und koreanischen Studenten, die die Moskauer Stalin-Universität und die orientalischen Hochschulen in-Wladiwostok und Chabarowsk absolvieren, werden als Agitato-
Japan auch nicht gelungen, günstigere Voraussetzungen für seinen Handel, für Ein- und Ausfuhr zu schaffen.
* Dagegen hat England -nichts unversucht gelassen, die von Japan angestrebte Neugestaltung Ostastens auch durch militärische Maßnahmen einzu- e n g*e n, wie sie durch Ausbau der Seefestung Si.ngapore deutlich wurden. Ob das für England strategisch weniger wichtige Hongkong in diesem Kriege eine Rolle spielen wird, scheint der Presse von nebengeordneter Bedeutung. Alles wird davon abhängen, ob Japan bei längerem Widerstand Chinas sich doch noch zur Kriegserklärung und damit zur effektiven Blockade der chinesischen Küste entschließt.. Die Stimmung im Volke für entschiedenere Haltung gegenüber den Einmischungsoersuchen Englands ist unverkennbar, wie besonders aus großen gegen England gerichteten Dolksoeranftaltungen hervorgeht. Die Presse läßt sogar durchblicken, daß die japanische Marine jetzt schon den Zeitpunkt für günstig halte, die englische Stellung im Fernen Osten — „England hat in Ostasien nichts verloren!" — zu brechen. Diese Kreise scheinen zu glauben, daß „der durch die neue Lage in Eurosta geschaffene Zustand England an größeren Aktionen in Ostasien verhindere".
Was verspricht man sich in Japan von den Auswirkungen eines siegreich beendeten Krieges, wenn es tatsächlich zu einer Verständigung und zu einer Zusammenarbeit der beiden Völker Japan und China kommen sollte? Besonders in der ausländischen Presse wird dieses Problem leidenschaftlich erörtert. Man kann die japanische Einstellung zu einem möglichen Frieden kurz dahin zusammenfassen: Japan ist bereit, mit China zu verhandeln, wenn die chinesische Regierung sich ehrlich zu einem Zusammengehen mit Japan entschließen kann. Dazu gehört allerdings, daß die zur Zeit der Verhandlungen maßgebenden Leute in China dafür bürgen können, daß die in China ge(sen Japan organisierte feindselige Bewegung eingestellt wird. Außerdem müsse China anerkennen, daß eine politische und wirtschaftliche Neugestaltung auf dem Boden einer politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit der Länder Japan, China und. Mandschuk^o, und zwar unter Ausschaltung der Einflußnahme dritter Mächte erfolgen müsse. Diese Programmpunkte ergäben automatisch einz Meistbegünstig'ung für Japan in der wirtschaftlichen Erschließung Chinas und in den Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern. Selbstverständlich sei ferner, daff die drei Länder gemeinsam Vorsorge träfen, den Ein-, fluß der Komintern mit allen Mitteln auszurotten.
Wie weit sich das von Japan gewünschte Friedensprogramm durchführen läßt, ohne auf den Widerstand dritter Mächte, insbesondere Englands und Sowjetrußlands zu stoßen, ist eine Frage, die heute noch nicht beantwortet werden kann. Wohl aber kann man in politischen Kreisen Japans hören, daß sich die militärpolitische Lage für Japan wesentlich günstiger gestalten werde. Aus dem Festland hätte sich durch vorbereitende Abwehrmaßnahmen in Mandschukuo und durch eine Verbreiterung der Sicherungszone in Nordchina und der Inneren Mongolei ejne gegen Sowjetrußland gerichtete strategische Basis ergeben, die im äußersten Falle gleiche Vorteile für Verteidigung tmb Angriff biete. Zur See sei für die weitere Entwicklung ausschlaggebend, daß eine intakte, durch die Erfahrungen des Krieges zu voller Schlagkraft geschulte Flotte Auseinandersetzungen gewachsen sei, die Japan nicht zu scheuen brauche, wenn England eine Neuordnung Ostasiens mit Einsatz der Waffen zu verhindern versuche.
Japanische Offensive
-gegen die Schaniung-Drovmz.
Schanghai, 26. Dez. (DNB.) Japanische Flugzeuge bombardierten die Hafenanlagen, Kasernen und Militärlager von H a i t s ch o u und L i e n j u n am Ostende der Lunghai-Bahn, als Einleitung von Operationen gegen den Eisenbahnknotenpunkt Hsütschou und die Schantung- Provinz. Tsingtau ist in die japanische Blockade eingeschlossen worden. Ein japanischer Angriff auf die Provinz Schantung setzte auch von Norden heb ein. Die japanischen Truppen überschritten den Gelben Fluß bei Tsingtscheng, 70 Kilometer nordöstlich von Tsinan. Zielrichtung des Angriffes ist T j ch o u t f u n.
Japans Krieg aus dem Festland
Von unserem JR W -Berichterstatter.
Moskau rüstet im Fernen Osten:
Von umerem E p.-Berichterstattei.
Chabarowsk, im Dezember 1937.
„Schanghai ist gefallen! Die 'Japaner marschieren weiter! Litwinow verläßt Brüssel! Die Mächte haben versagt! Was tut Tschiangkaischek?" — illan kann sich in Mitteleuropa nur schwer vorstellen, welchen Eindruck diese Meldungen in jenem Gebäude in Chabarowsk hervorgerufen haben, das durch mehrere Kompanien zuverlässiger Truppen nach außen gesichert ist und in dem sich der Stab der Blücher^armee befindet. Ist jetzt der große Augenblick da? Kommt nun doch der Konflikt? — Bald wurde aber der „Ticho- okeanskoja Swesda", dem Zentralblatt deb Küstenprovinz und des ganzen fernöstlichen Gaues, die Anweisung gegeben, derartige Meldungen nicht zu groß aufzumachen — man wollte nicht den Eindruck beim Leser entstehen lassen, als läge nun eine dringende Verpflichtung der Sowjets zum Eingreifen vor. Und dann fuhr Blücher zweimal nach Moskau, wo er sich offenbar persönlich von der machtmäßigen Schwächung- der Sowjets durch die inneren Vorgänge überzeugte, die sich auch stark auf die ostasiatische Politik auswirkten; dort erhielt er neue Instruktionen, mit denen er sodann zu den Ministern der sog. „Mongolischen Volksrepublik^ nach Ulan Bator fuhr; schließlich folgte ein geheimnisvoller und bis heute unaufgeklärter Ausflug „irgendwohin" — es soll sich um eine Zusammenkunft mit chinesischen Generalen gehandelt haben — und man hatte endlich Klarheit: Moskau wird nicht eingreifen!
Konflikte, von denen jeder einzelne schon den erwarteten Aufeinanderprall hätte herbeifuhren können, hat es in dep letzten Monaten gut und gerne ein Dutzend gegeben. Da sind die dauernden Gefechte weit jenseits der auf keiner Karte eingezeichneten Grenzlinien; im Frühjahr sperrte Moskau den Japanern die Durchfahrt auf der O st ch i n a - bahn und schnitt ihnen damit die Festlandsoerbindung mit Europa ab; dann kamen im Frühsommer die neuen Gespräche über den Nichtangriffspakt, die brüsk abgebrochen wurden; Es folgte im Sommer der Zwischenfall mit der Besetzung der Amurinseln; im August kam der von Japan als Herausforderung empfundene Vertrag mit China; japanische Fischerboote werden aufgebracht, japanische Konsulate in der Sowjetunion geschlossen, japanische Konzessionen auf Sachalin aufgehoben und japanische Staatsangehörige nach dem Baikal verbannt — eine fortwährende Kette schwerster Konflikte — aber nicht der Konflikt. Den günstigen Augenblick hat Blücher, wenn er an ein Eingreifen g^acht hat, verpaßt. Die Schwächung im Innern ist einer der Gründe, daß er es nicht tat. Der zweite ist, daß er „noch nicht fertig" ist. Und schließlich warten die Sowjets, — weil Japan sich nach der festen Ueberzeugung Blüchers in China ... wenn nicht den Schädel einrennen, so doch so empfindlich schwächen wird, daß man „dann" hofft, um so leichteres Spiel mit ihnen zu haben.
Inzwischen rüstet Blücher weiter und nutzt andere Möglichkeiten in vielfacher Hinsicht aus. Die Befestigungen in der Küstenprovinz und weiter bis nach dem Baikal werden in einem bisher noch nicht gekannten Maße ausgebaut. W1 a d i w o st o k ist im letzten Jahr zu dem strategischen Zentrum dieser Befestigungen geworden. Forts aus Beton und Stahl, unterirdische Flugplätze, Maschinengewehrnester in der Stadt und der Umgebung sollen sie vom Lande aus schützen. Zu Wasser aber ist, wie die Tichookeanskaja Swensda noch kürzlich schrieb, „durch d,ie Anstrengungen der Arbeiter von Leningrad, Nikolajew und Wladiwostok eine mächtige neuzeitliche Flotte, insbesondere eine U.- Boot-Flotte, gebaut worden", In der Fernostflotte sind sämtliche Entlassungen hinausgeschoben worden, „um die alten erfahrenen Kaders nicht zu verlieren". — „Und die ganze mandschurische Grenze", zitiert das Chabarowsker Blatt die Moskauer Prawda, „ist mit Beton und Stahl umgürtet". — „Unsere Küste ist unangreifbar", schreibt
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' Von Hauptmann (E.) von Zefia, Michskriegsministerium.
Der Führer hat am 30. Januar dieses Jahres der Welt versichert, daß die Zeit der Ueber- raschungen vorbei ist. Diese Versicherung gab der Führer ab, nachdem das deutsche Volk es nicht mehr nötig hat, einstmals erpreßte Verträge aus eigenem Entschluß abzuschütteln. Insofern sind unsere Nachbarn vor neuen Ueberraschungen sicher. Aber auch das deutßche Volk ist nunmehr vor Ueberraschungen gesichert, die es noch vor wenigen Jahren bedrohten. Seit der denkwürdigen Tat des Führers vom 16. März 1935, der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht und dem Aufbau der Wehrmacht, sind die Gefahren beseitigt worden, die das deutsche Volk in früheren Jahren infolge seiner militärischen Ohnmacht bedrohten. Das einstige Sprungbrett einer entmilitarisierten Zone ist für fremde „Stoßarmeen" nicht mehr vorhanden. Deutsches Land und deutsche Städte sind nicht mehr feindlichen Bombengeschwadern schutzlos preisgegeben. Die deutsche See und Küste ist vor jedem gegnerischen Einfall gesichert. Die Zeit für militärische Spaziergänge in Deutschland ist endgültig vorbei. Das alles ist erreicht 'worden durch die ein- mütige Anspannung aller Kräfte beim Auf- und Ausbau der Wehrmacht zu Lande, zu Wasser und in der Luft.
Im Jahre 1937 ist dieser Ausbau planmäßig weiter gefördert worden. Er erhielt sein besonderes Gepräge durch die im Herbst erfolgte Entlas - sung des er st en Jahrgangs unserer Soldaten nach Einführung der am 24. August 1936 vorn Führer und Reichskanzler verfügten zweijährigen aktiven Dienstzeit. Von nicht minder großer Bedeutung ist, daß die im Rahmen der vorhandenen Divisionen bisher noch bestandenen Lücken aufgefüllt werden konnten. Welche gewaltige', nicht hoch genug einzuschätzende Leistung damit- erreicht wurde, kann man am besten an folgendem Vergleich ermessen. Das frühere R e i ch s h e e r zählte mit seinen 21 Infanterie- Regimentern 336 Kompanien, das heutige Heer verfügt jedoch über 36 Divisionen, jede Division aber über«3 Infanterie-Regimenter, insgesamt also 108 Infanterie-Regimenter mit 1512 Kompanien. Aus jeder Kompanie des früheren Reichs- Heeres sind nahezu fünf Kompanien des neuen Heeres aufgestellt worden. Aehnlich lagen die Verhältnisse bei den anderen- Truppengattungen, insbesondere bei der Artillerie und den technischen Formationen, bei denen eine große Anzahl Truppenteile neu aufgestellt bzw. aufgefüllt werden mußten.
Diese schwierige Aufbauarbeit ist mit sichtbarem Erfolg- geleistet worden. Aus organisatorischen Gründen wurden ferner das Gruppenkom- mando 4 in Leipzig und das Generalkommando des XIII. Armeekorps in Nürnberg neu gebildet, ohne daß dadurch aber die Zahl der Infanterie-Divisionen vermehrt wurde. Das Heer fetzt sich heute zusammen aus 13 Armeekorps in 13 Wehrkreisen, gegliedert in 36 Infanterie-Divisionen, je 1 Gebirgsbrigade, Kavallerie- Brigade und leichte Brigade sowie Panzertruppen. Die Unterbringung der neuen bzw. aufgefüllten Truppenteile und die Bereitstellung von Exerzier-, Schieß- und Uebungsplätzen erforderte auch im Jahre 1937 die Errichtung umfangreicher Neubauten und den Ankauf weiteren Geländes. Infolge der Ausdehnung der Uebungsplätze wurde auch mit der Einrichtung besonderer Heeres- gutsbezirke begonnen. Zur Verbesserung der Ernährung der Soldaten wurden ferner eine Versuchs-, Lehr- und Musterküche in München und Musterküchen in jedem Wehrkreis eingerichtet. Mit d.em Ausbau des Heeres wuchs zwangsläufig auch der Bedarf anJBeamten für die Heeresverwaltung, so daß eine Auffüllung des Beamtenkörpers erforderlich wurde. Zur Heranbildung der Beamten des Höheren Dienstes, die sich aus Gerichtsassessoren ergänzen, fanden halbjährige Kurse und Uebungen an der Verwaltungsakademie in Berlin statt. Die Ausbildung der aus dem Soldatenstande stammenden Anwärter für den gehobenen mittleren Dienst (Zahlmeister ufro.) erfolgte in der in München errichteten Zahlmeister« schule und in besonderen Lehrgängen in Hanno- uer und Dresden.
Wie in den Vorjahren wurden auch im Uebungs- jahr 1937 die Einheiten der Infanterie, Artillerie, Kavallerie und Kraftfahrkampftruppen zur Schulung auf die Truppenübungsplätze verlegt. Im Laufe des Sommers wurden ferner G e - ländeiibungen aller Waffen und im Herbst Hebungen im Verbände des verstärkten Infanterie-Regiments sowie im Divisions- bzw. Korpsverband durchgeführt. Den Höhepunkt der diesjährigen Ausbildung aber bildeten die großen Heeresmanöver, die im Rahmen der Wehrmachtsmanöver im Raume Mecklenburg— Pommern—Ostsee adgehalten wurden. An ihnen waren drei Armeekorps, mit acht Infanterie-Divisionen beteiligt, die durch starke motorisierte und Panzerverbände verstärkt waren. Diese Manöver waren um so bedeutungsvoller und lehrreicher, als sie zum ersten Male in der deutschen Wehrgeschichte gemeinsam von den drei Wehrmachtteilen Heer, Kriegsmarine und Luftwaffe unter der einheitlichen Leitung des Reichskriegsministers und Oberbefehlshabers der Wehrmacht durchgeführt wurden. Wie groß das Interesse an diesen ersten Wehrmachtsmanövern im Ausland mar, läßt sich daran ermessen, daß die vornehmsten Vertreter der englischen, italienischen und ungarischen Wehrmacht als Gäste des Oberbefehlshabers der Wehrmacht in 1 Erwiderung feines Besuchs in England, Italien
Tokio, Dezember 1937.
Es sind jetzt etwa fünf Monate her, als südlich von Peking Soldaten der japanischen Besatzung und chinesische Truppen der 29. Armee in ein Feuer- gefecht gerieten. Anfangs glaubte man an eine lokale Regelung, wie sie bisher zur Beilegung der zahlreichen Zwischenfälle der letzten Jahre in beiderseitigem Einvernehmen vorgenommen wurde. Aus dem Zwischenfall entwickelten sich jedoch regelrechte Kämpfe, die nach Heranziehung von Unterstützungen allmählich in den zweiten japanisch-chinesischen Krieg führten.
Japan erklärt, daß der Krieg nicht dem chinesischen Volke, sondern den Kräften gelte, die hin - ter den Kulissen den „ostasiatischen Frieden", ausgedrückt in einer, von dritten Mächten unbeeinflußten Zusammenarbeit Japans, Chinas und Mandschukuos, zu sabotieren versuchten. Japan bestreitet, in dem Bestreben, die Lage im Fernen Osten unter seiner Führung zu stabilisieren, von territorialen Absichten geleitet zu sein. Japan wolle fein Diktat, keine Gewalt, also keine „Pax Japonica". sondern eine Verständigung von Volk z u Volk, die für den Weltfrieden unerläßlich sei. Japan glaubt also, daß eine Verständigung mit dem chinesischen Volke möglich sei, aber von dritten Mächten verhindert werde. Diese seien'die eigentlichen Verantwortlichen für den Krieg. Die Presse deutet bpbei mit Fingern auf England, das seine machtpolitischen Ansprüche auf Ostasien, abgeleitet von rein materiellen Interessen, nicht aufgeben wolle, und auf Moskau als Haupt der Komintern, die ihren „mörderischen Kampf gegen Kultur und Zivilisation" auch in Ostasien zu entfesseln gedächten. Die Welt müsse also begreifen, daß J^an keinen Eroberungsfeldzug unter Bruch von Verträgen führe, sondern dem „heiligen Kampf für Frieden, Wohlfahrt und Gerechtigkeit seine Söhne opfere". Auf dem Boden Chinas kämpfe Japan für die hohen Ideale, zu deren Verteidigung sich die im Antikomintern-Pakt zusammengefaßten Mächte bekannt hätten. Hieraus ergibt sich klar das Ziel dieses Krieges, den Japan jetzt unter Einsatz seiner gesamten nationalen Kraft durchzukämpfen entschlossen ist.
Es ist in der Presse behauptet worden, daß China und Japan gleichmäßig auf rasche Beendigung der Feindseligkeiten bedacht seien. Besonders in Japan scheint die Ansicht an Boden zu gewinnen, daß im großen politischen Blickfeld China nur als Vorfeld für weit wichtigere kommende Ereignisse eingeschätzt werden könne. Dieses Vorfeld'in raschem kraftvollem Zufassen zu säubern, war notwendig. Es hieße jedoch eine große Chance aufgeben, wenn man nicht rechtzeitig Kräfte für die Folgezeit bereitstellen würde. Die Presse erörtert denn auch mit bemerkenswerter Offenheit die wachsende Spannung zwischen Japan und Moskau und rechnet mit einer „notwendigen Klärung der Sage". Japan sei nicht nur an den Grenzen Mandschukuos oder der Inneren Mongolei von Moskau bedroht, sondern auch mittelbar durch die bolschewistische Zersetzungsarbeit in China selbst. Deshalb dürfe man nicht übersehen, daß eine zu starke Verausgabung irn Kampf gegen Tschiangkaischek sich nachteilig auf das Endziel der von Japan angestrebten militärischen, politischen und wirtschaftlichen Stabilisierung des Fernen Ostens auswirken müsse. Wenn politische Preise zutreffend unterrichtet sind, so strebt Tokio eine rasche Beendigung des Chinakonfliktes an„ um die Initiative zur „Neugestaltung Ostasiens" nicht aus der Hand zu geben. Man scheint sich außerdem darüber klar zu sein, daß diese Neugestaltung' n ur in Zusammenarbeit mit China, nicht gegen China durchgeführt werden könne, wenn sie wirklich stabile Verhältnisse in Ostasien schaffen-solle.
Die andere, für die zukünftige Gestaltung nicht minder wichtige Frage ist das Verhältnis zu England. Neben der tiefen. Enttäuschung über das '„feindselige Verhalten des ehemaligen Bundesgenossen" dem Japan stets die Treue gehalten habe, äußert die Presse schärfste Empörung über die „hinterhältige Politik" Englands, die offene Unterstützung Chinas gegen Japan bedeute. Freilich liegen die Gründe, für die Verstimmung in Tokio tiefer. Alle Versuche Japans, die „traditionelle Freundschaft" mit England wieder zu beleben, sind fehlge schlag en. England zeigte keine Neigung, die aus der schwierigen wirtschaftlichen und politischen Lage zwangsläufig abgeleiteten Ansprüche Japans in Ostasien anzuerkennen. Es ist


