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Bücher unter dem Weihnachtsbaum.

Ein deutsches fiaiferrorträt

Deutsche Lyrik

lediglich aus niedrige Genußsucht. Hammer die Grundlage der A

Lin Leben am Thron

Surferin der Franzosen

geschenk.

Hans Thyriot

Bi cher der Kunst.

Dreimastern am Hintergrund abgibt, dann fühlt man sich an die bunten Bilderbogen und die aben­teuerlichen Schmöker unserer Knabenzeit erinnert: wahrhaftig, das ist eine richtige Seeräubergeschichte,

schon auf dem schwanken Floß der. Volksgunst der Katastrophe zutrieb, lieber ihre Rolle in den otr- hängnisvollen Julitagen des Jahres 1870 erfahren wir wenig Neues. Als Regentin hat sie nach der Niederlage von Sedan den Sturz des Kaiserreichs nicht zu verhindern vermocht. Die Flucht nach Eng­land, der Tod Napoleons und das grausame Schick­sal ihres einzigen, zweifellos innig geliebten und hochbegabten Sohnes im Zulukrieg waren der bittere Ausklang eines Lebens, das nach so furcht­barer Wende nur noch die Erinnerung kannte. Aus einer Monarchin, der man in den Tagen ihres Glanzes Verschwendungssucht vorgeworfen hatte, war eine Frau geworden, die durch Sparsamkeit und Geschäftssinn es verstand, trotz großer Bauten an den Orten ihres Exils und trotz weiter Reisen, die die unstet Umherschweifende noch als hohe Acht­zigerin nach Indien und Aegypten führten, ein be­trächtliches Vermögen anzusammeln, aus dem sie freigebig den Freunden des Hauses Bonaparte spen- bete. Aber politisch hat sie sich schneller als diese mit der dritten Republik ausgesöhnt. Den Erwerb des riesigen Kolonialreichs bewunderte sie, die Po- litik der Revanche begleitete sie mit heißen Wün­schen und unterstützte sie tatkräftig, wo sich ihr Ge­legenheit dazu bot. Versailles war ihre Rache für Sedan. Daß sie den November 1918 noch erleben konnte, war ihr die größte Genugtuung ihres fie­

ber großen Plastiker, wie Multscher, Dächer, Nie' menschneiber, fieinberger, Stoß und Asam, ist &16 Fülle von Werken unbekannter Meister unb hohen künstlerischen Ranges bemerkenswert. Unser Msttel- rhein-Gebiet ist mit ber sehr feinen, ein wenig schon an Riemenschneider erinnernden Madonna aus osr Fuststraße im Mainzer Dom (um 1240) würdig vertreten. Dos hübsch ausqestattete, gut gedruckte und wohlfeile Bänbchen sei als ein sinnvolles nachtsgeschenk von bleibendem Wert angelegentlich empfohlen. Hans Thynot

essanter Bilder aus gestattet hat, unsere größte Be­achtung. Fr. W. Lange.

D i e Muttergottes. Deutsche Bildwerke. Im Insel-Verlag zu Leipzig. (472) Die in die­sem Insel-Bändchen (Nr. 517) gesammelten Darstel­lungen von Marienbildern geben einen knapp unb gut gefaßten Ausschnitt aus einem großen und weit' chichtigen Motivkreise der deutschen Plastik: man )arf sagen, daß es sich hier um einen ber lieblich­ten, auch volkstümlichsten und verbreitetsten Gegen- tände der Kunstgeschichte handelt: um die Darstel­lung der Madonna. Die Auswahl, die aus ber nahe­zu unübersehbaren Fülle großer unb kleiner Bild­werke aus Stein ober Höl^, aus Ton ober Bronze getroffen unb aus allen Landschaften unferer Hei« mat zusammengetragen wurde, beschränkt sich.^wie die gedrängte und klare Einführung in den Stoss von Richard Graul bemerkt, auf Darstellungen der Mutter mit dem Jesuskinde, schließt also den ebenfalls sehr umfangreichen Motivkreis der Piet» aus. Die hier gewählte Folge bringt Beispiele, die,

_______....... s 3um.xWP I hundert reichen und mithin einen sehr lehrreichen I Ueberblick über die Wandlungen des Stiles und

Deutsche Erzähler.

AntonSchnackrDerfinstereFra n z. Roman. 219 Seiten. Leinen 4,50 Mark. Paul List

Josef Weinheber: O Mensch, gib acht. Ein erbauliches Kalenderbuch für Stadt- und Landleut. Buchschmuck von Hübe S ch i m k o w i tz. 131 Seiten. 4 RM. Verlag Albert Langen/Georg Müller, München 1937. (528) Einen Teil der in diesem schönen neuen Buche des endlich berühmt geworbenen Wiener Lyrikers enthaltenen Gedichte haben wir unseren Lesern bereits in der Unterhal­tungsbeilage vermittelt, besonders aus dem Kreise der Monatsgedichte, welche im ganzen Werk ge­wissermaßen das Fundament und die Mitte bilden und auch die altertümliche Einkleidung und Haltung eineserbaulichen Kalenderbuches" vornehmlich zu rechtfertigen scheinen. Aber der Kreis ist weiter gezogen, als es auf den ersten Blick scheint: in diesem Buche, das zunächst nur mit den sehr schlich­ten, innigen, menschlichen Versen seiner zwölf Ka­lendergedichte den Kreislauf des Jahres unter den wechselnden Sternbildern und Tierkreiszeichen zu begleiten und zu deuten scheint, spiegelt sich die ganze dichterische Fülle, die von.Weinhebers Bü­chern ausstrahlt, und wer aufmerksam liest, wird bald die zanen Fäden bemerken, welche das Ka­lenderbuch etwa mit dem GedichtbucheWien wört­lich", ja selbst mit dem früher hier besprochenen BandeSpäte Krone" verbinden. Und es will we­nig heißen, wenn man sich vielleicht hier oder da an den treuherzigen Ton des alten Hans Sachs er­innert fühlt: eine ungezwungene, echte Volkstümlich­keit verschwistert sich in Weinhebers Kalenderbuch mit einer weit mehr als handwerklichen, sehr reinen und hohen Kunst echten Dichtertums, und eine ganz persönliche Haltung gibt auch diesem Werke sein unverwechselbares Gesicht. Im Jahreskreise läßt er zugleich auch nach alter Weise die Stände Revue passieren: Arbeiter und Bauer, Soldat und Prie­ster, «Beamter und Kaufmann, Künstler und Staats­mann werden besungen, aber auch etwa das Selbst­bildnis Dürers in der Alten Pinakothek zu Mün- chen oder dieBlinden" des älteren Brueghel sind hier /beschworen; man kann den Reichtum der lyri­schen Gesichte nur anbeuten, unb man muß wün­schen, baß recht viele sich an biefem Buche erfreuen: es ist, wie nicht viele sonst, dazu angetan, bem reinen stillen Gebicht Gehör und Widerhall zu ver­schaffen und neue Freunde zu werben.

Hans Thyriot

eine Flibustierballade aus dem 17. Jahrhundert, unb ihr fragroürbiger Helb ist Franxois L'Olonois, des­sen Leben unb besten Taten hier mit einer spürbaren Lust "am Erzählen, mit einer schnell auf ben Leser übergehenden Freude am Stofflichen, Dramatischen, Tatsächlichen, auch am Merkwürdigen und Roman­tischen vor uns ausgebreitet werden; man blättert ein wenig, man liest die Kapitelüberschriften^ie Flucht",Der große Tornado",Der Schrecken der Meere",Versuchungen der Liebe",Die Schatz­kammer",Die Landung an der Küste und man entdeckt in sich bald die schon vergessene Lust unserer Kindheit, sich in die großartigen und ver­schollenen Abenteuer einer fremden Welt zu stürzen und von ihnen entführen zu lassen. Hans Thyriot.

Im Schatten desHelberges. Roman von Gustav Schröer. (Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh. Gebd. 4,40 RM.) 466 Ein präch­tiger Roman aus dem bäuerlichen Leben. In einer Berglandschaft Thüringens, die die Menschen durch den harten Lebenskampf in eine besonders strenge Schule nimmt, spielen sich die Ereignisse der Er­zählung ab. Ausgezeichnete Figuren des bäuerlichen Menschen und edle Charaktere, bewundernswerte Frauen einerseits, Menschen mit großen Schatten­seiten, gehaltloseBlender", bar aller Hemmungen, anderseits; zwischen ihnen geht bas Ringen; bei jenen nicht um eigener materiller Vorteile, son- bern nur um ber Gemeinschaft willen, bei biefen ...... aus nichtigem Egoismus, Gelb gier und

oder Amboß fein!, das ist .die Grundlage" der Auseinandersetzung. Mitreißend gestaltet der Dichter den Ablauf der Geschehnisse, vortrefflich stellt er dabei die landschaftlich schone L2.,Wv7 L. 27...."-.i vor das geistige Auge des Lesers." Es ist" eine'Freude, dieses Buch zu lesen, das bis zuletzt in großer Spannung hält.

Ernst Bhimschein.

Octave Aubry: Kaiserin Eugenie. Mit 16 Bildtafeln, Preis in Seinen geb 7,50 RM. Verlag Eugen Rentsch, Leipzig C I. - (328.) Es ist nicht von ungefähr, daß in der Literatur über das zweite Kaiserreich die Gestalt der Kaiserin Eugenie einen bevorzugten Platz vor ihrem Gatten einnimmt. Romantik umfängt die Spanierin, der es durch Klugheit und Energie gelungen ist, sich mit dem politischen Abenteurer Louis Napoleon in dem Augenblick zu verbinden, als dessen große Stunde geschlagen hat, als das französische Volk, der vielen Mittelmäßigkeiten während Restauration und Bür­gerkönigtum überdrüssig, sich mit überwältigender Mehrheit für den Erben des Glanzes der kaiser­lichen Adler erklärt. Wenn man der aus den neuen Quellen schöpfenden und manche persönliche Erinne­rungen benutzenden Darstellung Octave Aubrys fol­gen will aus zahlreichen ebenso glänzend ge­schriebenen wie inhaltlich bedeutsamen Büchern über Napoleon I. kennen wir ihn als glühenden Ver­ehrer des großen Korsen und seiner Dynastie, es bedarf also stets eines gewissen Vorbehalts so waren nicht Ruhmsucht und Machtgier die Trieb­federn Eugeniens, als sie den als Schürzenjäger be­kannten Kaiser zu veranlassen verstand, sie zu hei­raten gegen den Widerstand der Familie Bonaparte und" gegen den Rat vieler Freunde des Kaiserreiches, dis den allzu neuen Glanz der kaiserlichen Krone durch die Verbindung mit einem alten europäischen Fürstenhaus gleichsam legitimieren wollten. Eu- qenie war gewiß stolz und ehrgeizig, aber der Ver­lockung der Politik erlag sie erst, als die Ehe durch die vielen Liaisons des Kaisers ihr zuviel Ent­täuschungen gebracht hatte, um sie noch ganz aus- zufüllen. Viktoria von England hat während des Krimkrieges sie auf die Beschäftigung mit der Pott- tik hingewiesen und Eugenie gab sich ihr hin mit ber ganzen Kraft ihres Temperaments und der Schärfe ihres fast männlich gearteten Verstandes. Dem Krieg in Oberitalien hatte sie widerstrebt, aber das mexikanische Abenteuer war ihr Werk und sie war schuld an dem Schatten, der von diesem ebenso zynisch begonnenen wie jämmerlich zu Ende ge­führten Feldzug auf bas Kaiserreich fiel, das damals

Reinhold Schneider: Kaiser Lo­thars Krone. Leben und Herrschaft Lothars von Supplinburg. Preis in Leinen geb. 5 Mark. Insel-Verlag Leipzig. (390) Es ist wohl kaum die 800. Wiederkehr des Todestages Lothars am 4. Dezember die alleinige Ursache für Reinhold Schneider gewesen, sich mit Persönlichkeit und Poli­tik dieses mittelalterlichen deutschen Kaisers zu be­schäftigen, dessen Herrschaft das Jahrzehnt zwischen Saliern unb Staufen ausgefüllt unb in vielfacher Beziehung bie Grunblagen für bebeutfaihe und folgenschwere Entwicklungen gelegt hat. Wir ken­nen Reinhold Schneider als Verfasser des für die Erkenntnis von Gesetz-und Größe der britischen Macht wesentlichen WerkesDas Jnfelreich" unb ber StubienAuf Wegen beutscher Geschichte" als einen Geschichtsschreiber, bem an der Zusammen­schau von Landschaft und Geschichte ebenso gelegen ist, wie an dem Erkennen der geschichtsbildenden Kraft des Religiösen im Menschen und der religiö­sen Bewegung in der Gemeinschaft, und dem es ge­geben ist, feine Erkenntnisse in der formvollendeten Sprache des Dichters uns nahe zu bringen. Sein schmales Büchlein über Kaiser Lothar zeigt diese Begabung in höchster Vollendung. Lothar von Supplinburg hat in der Geschichtsschreibung eine sehr unterschiedliche Beurteilung erfahren. Die Quellen waren dürftig und subjektiv genug, um die eine oder anbere Seite seiner Persönlichkeit und seines Wirkens zu betonen und auf ihm ganz nach dem Standpunkt seiner Biographien einenPfaf­fenknecht" ober einenTodfeind ber Kirche" zu machen. Und mag man auch von diesen Extremen absehen, so bleiben noch genug sich widersprechende Schattierungen, die bie Mühe lohnen, sich erneut mit ber Persönlichkeit Lothars und seiner Politik zu befassen. Reinhold Schneider schildert die Jugend des Supplinburgers, der durch feine Heirat mit der edlen Richenza von Nordheim ein mächtiger Herr im Sachfenlande wurde und wie schon sein Vater der erbitterte Gegner der sächsischen Kaiser Hein­rich IV. und Heinrich V. gewesen war, aber er' war ben geistlichen Fürsten, auf bereu Betreiben ber Reichstag von Mainz 1125 ihn und nicht Fried- rich von Schwaben, den Erben des salischen Hau­ses, zum König kürte, nicht mächtig genug, als daß sie von ihm Unbequemlichkeiten hätten fürchten müssen. Lothars Verbindung mit dem Bayern- herzvg Heinrich dem Stolzen, den er zu seinem Eidam machte mit der Aussicht auf die Nachfolge im Königtum, schuf dem König erst die Machtstel­lung, um seine Widersacher, die schwäbischen Her­zöge, wenn auch erst nach langem Ringen mit seiner Herrschaft zu versöhnen, bahnte damit aber auch ben unheilvollen Konflikt zwischen Staufern unb Welfen an, der das ganze Jahrhundert bestimmen sollte. Lothar war ein frommer Mann, der Ruf her Kaiserkrone führte ihn nach Rom, wo nach dem Tode des Papstes Honorius II. die Tiara zum Zankapfel römischer Stadtgeschlechter geworden war in dem der geistlichen Würde des Papstes höchst unwürdigen Streit zwischen Innozenz II., dem Kandidaten der Frangipani, und dem Judm Petrus Leonis, der sich als ebenso gewandter wie rücksichtslos machthungriger Finanzmann aus dem römischen Ghetto in das Kardinalskollegium ge­schwungen batte, um sich als Anaklet II. von seiner gefügigen Klientel zum Papst wählen zu lassen. Mit eindringlicher Anschaulichkeit schildert Schnei­der diese römischen Wirren, in denen Lothars po­litische Klugheit bie schwerste Prüfung bestand, fn Verhandlungen mit Innozenz II. gelang es Lothar, die dem Kaiser im Wormser Konkordat eingerdum« ten Rechte der Belehnung der geistlichen Fürsten zu erweitern und das mathildische Erbe, bie Kern- lanbschast Toskana, für sich zu sichern. Unserer Generation, der verhängnisvolle Entwicklungen deutscher Kaisergeschichte die Augen geschärft hab-n, wird es wesentlicher sein, auch aus dem Buche Reinhold Schneiders die Bestätigung der großzügi­gen und vorausschauenden Politik Kaiser Lothars im Grenzland des Ostens zu vernehmen. Als gei­stiger Erbe des großen Sachsenkönigs förderte er die Missionsarbeit des' Bischofs Otto von Bamberg in Brandenburg unb Pommern, begünstigte weit­blickend bie beharrliche Siedlungsarbeit, mit ber der Askanier Albrecht der Bär als Nachfahre Ge­ros Nord- und Ostmark sicherte, wußte schließlich der Kaiser selbst gegenüber Dänen, Polen unb Böhmen die Oberhoheit des Reiches kraftvoll zur Geltung zu bringen. So ist bas Jahrzehnt ber Herr­schaft Lothars keine Episode geblieben, sondern hat in vielfachem Sinne fruchtbar und wirksam deut­sches Schicksal gestalten helfen. Der Sachsenkaiser, dem es gegeben war, bie Tiefe Religiosität seiner Zeit mit höchster politischer Weisheit zu üerbinben, hat es verbi ent, als ber Weitschauendsten einer in ber Reihe deutscher Könige des Ntttt-lifters nicht vergessen zu werden. Dr. Fr. W. Lange. 1

bens, daß es die französische Republik unb nicht bas aus. Die hier gewählte Folge bringt Beispiele, bie, Kaiserreich war, bie Frankreich biefen Triumph be- chronologifch angeorbnet, vom 11. bis zum 18. Jahr- reiten konnte, galt ihr wenig. Die Greisin, oon1' *" 1 <Ät***A on

Gram gebeugt, aber bis in bie letzten Lebenslage, -------. -------7- o-.- , -----

von einer bewunberungswürbigen Frische an Geist bes Schönheitsideales vermitteln. Neven Arbeiten unb Körper und mit größtem Interesse für alle tech- une«

nischen Errungenschaften der neuen Zeit, hat ihren stolzen Sinn bewahrt, der alles kleinliche Rechnen abtut, wenn es um Frankreich geht. So umstrahlt Octave Aubry seine Heldin mit der Gloriole der großen Patriotin, die sich durch bitterste Enttäu­schungen unb Demütigungen, durch Leid und Ein­samkeit durchrang zu einer wahrhaft großzügigen Auffassung ihres Schicksals.

Fr. W. Lange.

Prinz gemahl Albert, ein Leben am Throne. Eigenhändige Briefe und Aufzeich­nungen 1831 bis 1861. Herausgegeben von Dr. Kurt Jagow- Preis in Seinen geb. 9.50 Mark. Mit 16 Kunstdrucktafeln, einem Vierfarbendruck unb einem Faksimile. Verlag Karl Siegismund, Berlin SW 68. (345) Es ist überraschend, daß auch für uns Deutsche die Gestalt des Prinzgemahls sich schemenhaft ins Unbestimmte verflüchtigt hinter ber besonders im Alter durch Eigenwillen und eine selbstbewußte, wahrhaft königliche Haltung impo­nierenden Figur der Königin Viktoria. Wir Deutsch» hätten besonderen Anlaß, uns mit dem Prinzge­mahl und seiner Rolle in der englischen Geschichte vertraut zu machen, denner war unser" nach Abstammung, Charakter, Erziehung und Lebens­auffassung. Und nicht zuletzt war feinLeben am Throne" Dienst an der Nation, erfüllt von dem kategorischen Imperativ der Pflicht, getrieben von einem Idealismus, der schlechthin deutsch genannt werden muß. Albert entstammte dem Hause Sachsen- Koburg, aus dem eine Reihe bedeutender und vor­ausschauender Staatsmänner hervorgeganaen ist. Alberts Onkel war König Leopold von Belgien, der Prototyp des konstitutionellen Monarchen der liberalen Aera des 19. Jahrhunderts, und auch ein Koburger ist Zar Ferdinand von Bulgarien, ein moderner Herrscher, Bahnbrecher des Fortschrittes und gewiegter Diplomat im füdvsteuropäischen Raum. Von beiden trennt Albert eine Wärme bes Gefühls, bie den Verstand überschattet, ein poli­tisches Ideal, das der deutschen Romanttk ent- stammte, aber in ber nüchternen Praxis des poli­tischen Lebens im England der Kabinettsherrschaft seinen besonderen Schliff bekam. Albert hatte in Baron Stockmar, einem politisch interessierten Arzt gleich jenem unglücklichen Struensee hundert Jahre früher, und in feinem Onkel Leopold politische Er­zieher von Format gehabt, die ihm auch weiterhin Berater blieben. Seine Aufgabe in England war bie denkbar schwierigste, wenn er sich nicht mit ber Rolle eines Statisten begnügen wollte, unb das hätte nicht seiner Pflichtauffassung entsprochen. Das Ansehen der Krone war von den letzten Hannove­ranern heillos verwirtschaftet, ein junges Mädchen, unvorbereitet unb hilflos, fanb sich schnell in die Netze der Parteipolitik verstrickt. Erst Alberts Klug­

heit, seinem Takt und seiner Pflichttreue gelang es, sich persönlich die Achtung zu verschaffen, die einem lauteren Manne von höchsten polittschen Qualitäten nicht versagt bleibt, unb bamit auch dem englischen Königtum als Institution die Grund­lagen im polittschen Leben sowohl wie im Volks­bewußtsein zu geben, auf die gestützt es in ber päteren viktorianischen Aera und unter den Köni­gen Eduard VII. und Georg V. zum Symbol der Einheit und Größe eines Weltreiches geworden ist. Albert war ein Frühvollendeter und, als ob er sich dessen bewußt war, daß ihm nur wenig Zeit ver­gönnt sein werde, gab er sich mit einer verzehrenden Inbrunst der Arbeit hin, neben ihr gab es für ihn nur eine rührende Fürsorge für seine große Familie und eine innige Liebe zur Natur. Das spiegelt sich wider in den hier zu einem umfangreichen Band vereinigten Briefen des Prinzgemahls, von denen die frühesten die Zeit feiner Verlobung und lieber« fieblung nach England uns nahe bringen. Die späteren entstammen meist dem hohenzollerschen Hausarchiv und haben für uns besondere Be­deutung, weil sie, an Friedrich Wilhelm IV., Wil­helm I. und Augusta, wie an die Kronprinzessin Viktoria, seine Tochter, gerichtet, vorwiegend die politische Entwicklung in Deutschland behandeln, die Albert gern im Sinne der deutschen Einheit und Nach konstttutionellen Grundsätzen geführt gesehen hätte. Niemals hat der Prinzgemahl vergessen, sich als Deutscher zu fühlen, niemals verlor er bas Interesse an feiner deutschen Heimat und sein außen- polittsches Ideal sah er in einem deutsch-englischen Bündnis als zuverlässigste Sicherheit des europä­ischen Friedens. In den 350 Briefen und Aufzeich­nungen dieses Buches, die der Herausgeber zu Gruppen zufammengefaßt und mit aufschlußreichen biographischen Erläuterungen versehen hat, tritt uns der vornehme Charakter des Prinzgemahls und seine klare politische Linie in jeder Zeile entgegen. Viktoria hat den Schmerz über feinen frühen Tod niemals verwunden, fein politisches Testament wurde Richtschnur der englischen Politik für lange Jahrzehnte. So verdient dies Buch, das der Ver­lag ähnlich dem früher hier schon . besprochenen BriefbandQueen Victoria mit einer Reihe inter-

Natur und Bensch.

Prof. Dr. Gustav Hinze: Biber in Deutschland. Herausgegeben von der Reichs­stelle für Naturschutz. Mit 62 Abbildungen nach Naturaufnahmen von Amtmann M. Behr und 9 Textbildern nach Zeichnungen von F. Richter. Preis 3. RM. Hugo Bermühler Verlag, Berlin- Lichterfelde. (444.)Wie Wisent und Elch, so ist auch der Biber gegenwärtig bei uns nur noch in bescheidenen Beständen vorhanden... So ist der Elch heute das Charaktertier Ostpreußens, während der Biber in her Tierwelt des Gebietes an der mitt­leren Elbe die große Besonderheit darstellt..." So heißt es im Geleitwort von Professor Dr. Sckoe - nid) en, Direktor der Reichsstelle für Naturschutz; das vorliegende Werk darf in der Tat als ein Ge­genstück zu dem im gleichen Verlage erschienenen schönen Elch-Buche von Martin Kakies gelten, das seinerzeit an dieser Stelle ausführlich gewürdigt wurde. Der Biber gehört bei uns in Deutschland zu den vollkommen geschützten Tierarten; eine vor etlichen Jahren erfolgreich durchgeführte genaue Zählung der Biber im Gebiete der Mittelelbe, deren Ergebnis die Bewährung der behördlichen Schutz­maßnahmen ergab, darf, worauf Schoenichen hin­weist, als eines der großen Verdienste des 1934 verstorbenen deutschenBibervaters" Amtmann Behr gelten, der ein hervorragender Kenner des deutschen Bibers war. Es wird nicht nur für den Biologen, sondern auch für den naturfreudigen, ausgeschlossenen Laien von außerordentlichem Inter­esse sein, sich in die hier sachkundig ausgebreitete Geschichte eines in seinen Lebensgewohnheiten einzigartigen und dabei ebenso wie der Elch feit langem höchst selten gewordenen Tieres zu ver­senken. Schon die hier zusammengetragenen Quellen und Zeugnisse zur Geschichte des Bibers bieten eine Menge zoologisch, medizinisch und auch kulturhisto­risch merkwürdigen Stoffes. Der Hauptteil ist dem fieben des Tieres gewidmet, wie man es heute bei uns nur noch an den Ufern der Mittelelbe und der Mulde, im Anhaltifchen, beobachten kann, und wozu die jahrelange, unermüdliche Forscherarbeit Max Behrs eine große Zahl höchst aufschlußreicher photographischer Natururkunden beigesteuert hat. Dem vorzüglich ausgestatteten und gedruckten Buche ist eine weite Verbreitung zu wünschen; für jeden Naturfreund ist es ein prächtiges Weihnachts-

Paul (Ei p p er : Freund aller Tiere. Ein Fahrtenbuch voll bunter Abenteuer. 219 Seiten. Mit 32 Zeichnungen von M. P a t h 6 und 16 Auf­nahmen. Brosch. 4,20 Mark, Ganzleinen 5,20 Mark. Im Verlag Ullstein, Berlin. (338) Im vorigen Jahre haben wir an dieser Stelle (Tippers Buch von der gelben Dogge Senta besprochen, die Ge­schickte einer, Tierfreundschaft im Hegewinkel vor Berlin; heute zeigen wir ein neues Werk an, das in die weite Wett führt und in das heimliche Deutschland, und das von vielen (meist vierbeinigen) Freunden handelt. Aber hier wie dort sind der Grundton, das Leitmotiv, die Parole die gleiche geblieben: seid gut zu den Tieren, schließt Freund- sihaft mit Tieren, habt Verständnis für sie. Das sind goldene Worte, die nicht ungehört verhallen werden in einer Zeit wie der unfern, in der Tierschutz und Naturschutz nicht mehr private Liebhabereien oder Vereinsangelegenheiten sind, sondern Dinge, um die man sich heute in Deutschland von Staats wegen sehr nachdrücklich kümmert. Aus dem farbigen Um­schlag des Buches sieht man den Verfasser abge- bildet mit einem Tigerbaby im Arm, mit dem jungen Gorilla Bobby und mit der Dogge Senta; hinter der nicht alltäglichen Gruppe erhebt sich der massive Umriß eines flatterohtigen, rüsselschlagenden Elefanten, und hinter diesem wieder reckt sich der schlanke Hals einer Giraffe ins Bild: Freund aller Tiere; so prägt sich das Leitmotiv des Buches sinn­fällig ein, in dem eine Fülle von Erlebnissen, Aben­teuern und Erfahrungen mit Tieren aller Art zu- jammengetragen ist, mit wilden und zahmen, frem­den und einheimischen. Im schlichten und anschau­lichen, nirgends l-hrhaftev Plauderton berichtet Eipper von den vielen Begegnungen mit Tieren, die den Inhalt feines Lebens ausmachen: wir reifen mit ihm nach Stellingen zu Hagenbeck und zu Ruhe

Verlag, Leipzig. (473) Wenn man das alter­tümlich kolorierte Umschlagbild betrachtet, auf wel­chem Derfinstere Franz persönlich und unheim­lich ab geb Übet ist, in blau und gelber Admirals- uniform, einen schweren, blanken Säbel schwingend, während ein südlicher Meeresstrcmd mit Palmen und brennenden Niederlassungen, mit Fliehenden, _ Kämpfenden, Erschlagenen und Schiffbrüchigen, mit vortrefflich stellt er dc versinkenden und in Pulverdampf eingewölkten Umwelt der Menschen

r. I V - <- _ 1 f- L k Ci*. t* f * OaUv/t fC C! in TV 1

Inach Alfeld, wir fahren mit dem Tiertransport nach Paris, mit Dem Wanderzirkus nach Süd­amerika, wir besuchen die letzten Wildpferde tm Merfelder Bruch, besuchen Leuchtturm und Vogel­insel und begleiten den Verfasser auf der Elchpirsch mit der Filmkamera bei 28 Grad unter Null. Das ist alles aus unmittelbarer Anschauung und persön­lichem Erlebnis geschrieben, und es finden sich eine Menge kleiner Episoden und anziehender Geschichten dazwischen eingeftreut vom Ponyhengst tm Auto, vom eifersüchtigen Schimpansen, von der Elefantenkuh Roma, vom boxenden Nilpferd, von der Schlafwagenreise mit zwei Affenkindern die einem das Buch lieb machen und seinen tieferen Sinn, anregend und beispielhaft, erkennen lassen. Die Zeich­nungen von Moritz Pathe und eine Reihe sehr schö­ner Naturaufnahmen begleiten Eippers gemüt» und humorvolle Schilderungen sehr lebendig.

Hans Thyriot.

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