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nr.?51 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Mittwoch. 27. Oktober 1957

Jnseure im Dienste der Kultur.

Aus der Stadt Gießen.

tersweg:Die Tänzerin und der Diplomat".* Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Zauber der Bo­heme". Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde: 20.15 Uhr im Chemischen Institut Gießen, Ludwigsstraße 21, ExperimentalvortragVom Holz zur Zellwolle". Johannessaal: 20.15 Uhr Be­kenntnisgemeinschaft. Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand­platz.

Stadlthealer Gießen.

Heute abend Wiederholung des LustspielsMein Sohn, der Herr Minister" von Andre Birabeau. Spielleitung Dr. Erich Schumacher. Die Vorstellung findet als 5. Vorstellung der Mittwoch-Miete statt. Anfang 19.30 Uhr, Ende 22 Uhr.

Spielplanänderung im Stadlthealer.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Infolge Erkrankung von Gustav Bley findet am Sonntag, 31. Oktober, die Erstaufführung der Oper Der Wildschütz" nicht statt. DafürDrei alte Schachteln", Operette von Walter Kollo. Die erste Opernaufführung der SpielzeitLa Boheme", Oper von Puccini, findet nunmehr am 10. November statt.

Lehrgang der Friseur-Innung in Gießen.

Stunden der Stille.

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Neuordnung des Hand-

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In dem Kenntnisse kameraden ständigen,

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vollkommenen Harmonie der Erscheinung der Kun­din zu gelangen.

Es erscheint nicht zweifelhaft, daß es durch die Arbeit in dem großangelegten Lehrgang möglich ist, die Berufskameraden so weit zu fördern, daß wohl der größte Teil sich ohne Bedenken den Anforde­rungen der Meisterprüfung gewachsen fühlen kann.

Blick in den Uebungsraum des Fortbildungskurses der Friseure. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)

der, der selbständig ein Friseurgeschäft betreibt, bis spätestens 1939 die Meisterprüfung bestanden haben muß. Die Genehmigung zum Betrieb eines neuen Geschäftes ist davon abhängig, daß der In­haber die Meisterprüfung bestanden hat.

Die Leitung des Lehrganges liegt in Händen des Berufskameraden O. Wenninger. Ihm zur Seite stehen für die Lehrtätigkeit W. Götz und Fr. Schrader. In dem Kursus gilt es, ein ver­hältnismäßig großes Arbeitsgebiet zu bewältigen. Von Grund auf, ohne Berücksichtigung bereits vor­handener Kenntnisse und praktischer Fertigkeiten, soll das Ondulieren, das Legen der Wasserwellen und die Schaffung von historischen Frisuren be­handelt werden. In vielen Uebungsstunden werden die Arbeitsvorgänge zunächst theoretisch, dann un­mittelbar praktisch geübt, so daß am Schlüsse des Lehrganges jeder der 25 Kursusteilnehmer in der Lage' sein soll, selbst höchsten Ansprüchen zu genü­gen. Darüber hinaus soll auch der Materialkunde Aufmerksamkeit zugewandt und den Schülern theo­retisch ein Einblick in die chemischen Zusammen­hänge gegeben werden, die bei der Schaffung von Dauerwellen zu beachten sind.

An einem der jüngsten Kursusabende gab der Leiter des Lehrganges O. Wenninger einen aufschlußreichen Ueberblick über das Zustandekom­men modischer Frisuren der Gegenwart. Er knüpfte dabei an die Erfolge an, die deutsche Friseure in jüngster Zeit bei vielen internationalen Wettbe­werben erzielten, und wies vor allem darauf hin, daß die modische Frisur meist die ureigenste Arbeit eines Berufskameraden darstelle, die bei Wettbe­werben ausgezeichnet werde, allgemeinen Anklang und schließlich Verbreitung finde. Ausschlaggebend sei in erster Linie ein Kulturwille und nicht irgend­welche wirtschaftlichen Gesichtspunkte. Mitbestim­mend sei ferner ein gesunder beruflicher Ehrgeiz. Der Lehrgangsleite^ wies eindringlich darauf hin, daß irgendeine Modefrisur nicht krittklos verwandt bzw. jeder Kundin empfohlen oder aufgedrängt werden dürfe, vielmehr fei nach wie vor zu berück­sichtigen, welche Frisur die Kopfform verlange. Eine besondere Aufgabe des Lehrgangs fei es des­halb, die Berufskameraden soweit zu schulen, daß sie mit sicherem Empfinden entscheiden können, welche Frisur für diese oder jene Kundin die ge­eignete sei. Schließlich sei auch noch auf verwandte Modegebiete, auf die Hut- und Kleidmode Rück­sicht zu nehmen, so daß es möglich werde, zu einer

Bestreben, die der Berufs- zu vervoll- hat die In»

Hitler-Jugend, Zungbann 116.

Stamm V/116.

Am Donnerstag ist ab 14.15 Uhr Abnahme Schießens für das HI.-Leiftungsabzeichen und Schießabzeichen. Abnahme von 14.15 bis 16.45

Hühner im Wirbelsturm.

Die holländische Stadt Landsmeer, eine der wich­tigsten Stätten der Hühnerzucht im Lande, wurde kürzlich von einem Wirbelsturm heimgesucht, der kaum eine Minute dauerte, aber so heftig war, daß ihm zahlreiche Hühner zum Opfer fielen. Was für Landsmeer eine schwere Heimsuchung war, wurde für die Einwohner eines Dorfes, das wenige Kilo­meter entfernt liegt, ein unerwarteter Glücksfall, denn zahlreiche Hühner, die von der Windhose emporgerissen und fortgeführt wurden, fielen auf die Straßen, die Plätze und selbst auf die Dächer und in die Höfe des Dorfes. Als die Dorfbewohner sich von ihrer ersten Ueberraschung erholt hatten, beeilten sie sich sehr, die gute Gelegenheit auszu­nutzen und die Hühner einzusammeln, die, auf alle möglichen Arten zubereitet, auf allen Tischen als Festmahl erschienen.

Hochschulnacbnchten.

In Bonn ist der Altmeister der deutschen Indo­logen Geheimrat Professor Dr. Hermann Jacobi im Alter von 87 Jahren geworben. Am 11. Fe­bruar 1850 in Köln geboren, studierte er in Berlin zunächst Mathematik, bald aber Sanskrit und ver- gleichende Sprachwissenschaft. 1875 wurde er Privat­dozent in Bonn, schon im Jahr darauf Extraordi­narius in Münster, 1885 Ordinarius in Kiel; 1889 kehrte er in gleicher Eigenschaft nach Bonn zurück, wo er bis zu seiner Emeritierung (1921) gewirkt hat. Jacobi war einer jener universalen Gelehrten, die das ganze große Feld ihrer Wissenschaft über­schauten und mit gleichbleibender Meisterschaft be­herrschten; seine sehr zahlreichen Arbeiten befaßten * sich mit Sprache und Dichtung, Religion und Philo­sophie, Astronomie und Geschichte des indischen Kulturraumes. Die deutsche indologische Wissen­schaft verliert in Hermann Jacobi einen ihrer her­vorragendsten Vertreter.

Es wurden ernannt: der Dozent Dr. Werner Schütz in Potsdam zum Ordinarius für Prak­tische Theologie (Ev.-Theol.) in Bonn; der Dozent Dr. Kleo P l e y e r in Berlin zum Ordinarius für mittlere und neuere Geschichte in Königsberg; der Dozent Dr. Heinz Dietrich Wendland in Heidelberg zum Ordinarius für Neues Testament und Sozialethik (Ev.-Theol.) in Kiel; der außer­ordentliche Professor Dr. C. Rühland in Greifswald zum Ordinarius für öffentliches Recht daselbst; der Dozent Dr. Hermann Groß in Köln zum Ordinarius für Zahnheilkunde da- selbst; der Dozent Dr. Josef Knoll in Leipzig zum Ordinarius für Pflanzenkunde daselbst.

rerschast am Festplatz.

Neue technische Bauten in Gießen.

In jüngster Zeit sind an verschiedenen Stellen unserer Stadt einige Bau­werke herangewachsen, die insbesondere der Technik dienen. Wir berichteten bereits am Samstag dar­über. Unsere Bilder zei­gen:

Links: Der Erweite- rungs- und Lagerhaus­bau' der Klinkelschen Mühle an der Lahn.

Rechts oben: Um­fangreiche Bauten erstellt die' Opel-Motorwagen- Gesellschaft an der Mar­burger Straße. Es han­delt sich um Werkstätten, Wasch- und Wagenpflege­räume.

Rechts unten: Die Firma Neils & Kraft baut am Wiesecker Weg ein neues Werkstattge­bäude mit einem Keller­lager.

(Aufnahmen |3]: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Stunden der Ruhe, des stillen Rückschauens sind ebenso notwendig wie unsere tägliche Arbeit. Wir leben doch nicht nur körperlich auf dieser Erde. Wie oft umfängt uns Leid, das wir im Drange der Geschäfte wohl zu vergessen suchen, das aber immer wieder zu uns zurückkehrt, wenn wir allein sind. Wir können mit unserm Erleben, mit mancher Zwiespältigkeit erst fertig werden, wenn wir uns in stillen Stunden mit uns selbst auseinandersetzen können. Alle Unterhaltungen, alle Zerstreuungen helfen uns nicht weiter. Wir müssen bei uns selber Einkehr halten.

Je mehr wir in stillen Stunden nachdenken über unser Lebensschicksal, desto schneller überwinden wir Schmerz und vergessen manche Bitterkeit, die das Leben uns zufügte. Unsere Gedanken richten sich wieder mehr auf die unzerstörbaren Werte des Lebens. Wir kommen dem Ziel, glückliche Menschen zu werden, näher nach solchen besinnlichen Ruhe­pausen. Wir werden uns dabei vielleicht auch noch vieler Kräfte bewußt, die in uns schlummern, die uns helfen, das Dasein leichter und froher zu tragen.

In gewissen Zeitabständen müssen wir alle Lasten abschütteln und uns eine Feierstunde bereiten. Das können wir in der Natur, aber auch im stillen Kämmerlein. Wie falsch ist es, wollten wir alle unangenehmen Erlebnisse der Woche mit hinaus in den schönen Wald schleppen! Wer so handelt, versteht nichts von Lebenskunst. ,

Alle großen Gedanken, die die Welt bewegten, entstanden in der Stille. Sie wurden geboren durch Zusammenfassung aller geistigen Kräfte.

Nun, lieber Volksgenosse, versuch' auch du es einmal mit einer stillen Stunde. Vergiß einmal, daß jeden TagBetrieb" herrschen muß. Pausen, die unsere Kräfte sammeln und schöpferisch wirken, sind nötig und können reichen Segen bringen. H.

Dornotizen.

Tageskalender für INiltwoch.

NS.-Frauenschaft Gietzen-Mitte: 20.30 UhrHin­denburg". Stadttheater: 19.30 bis 22 Uhr:Mein Sohn, der Herr Minister". Gloria-Palast, Sel-

müssen. Die Durchfüh­rung dieses Lehrganges war besonders durch die Werks veranlaßt, die es zur Pflicht macht, daß je-

NS.-GemeinschastKraft durch Freude"

Am Donnerstag, dem 28. Oktober 1937, 20.15 Uhr, findet in der Aula des Gymnasiums ein Lichtbilder- vorlragLandschaft und Mensch in Spanien in ihren wechselseitigen Beziehungen" von Dr. L. von Box­berger (Marburg) statt. Verbilligte Eintrittskarten zum Preise von,40 RM. sind auf der Kreisdienst- stelle Gießen, Schanzenstraße 18, erhältlich. 7003V

BOM. Llntergau 116.

h).-Theaterring.

Die nächste Vorstellung des HJ.-Theaterrings ist am Montag, 1. November, abends 8 Uhr. Zur Auf­führung gelangtUta von Naumburg", Schauspiel von Felix Dhünen. Die Karten hierfür sind sofort bei

Wiesecker Schießstand.

Fähnlein 24.

Am Donnerstag ist um 18 Uhr Antreten der Füh-

nung der Friseure unter der Leitung ihres Ober­meisters Götz einen groß- angelegten Fortbildungs­kursus veranstaltet, der den Berufsangehörigen die Möglichkeit geben soll, sich für die Meister­prüfung vorzubereiten. Der Kursus erstreckt sich über den Zeitraum von drei Monaten (Oktober bis Januar) und verlangt von jedem Teilnehmer die Mitarbeit während sieben Stunden in jeder Woche. Die Ausbildungs­stunden sind in die Abende gelegt, so daß die Teil­nehmer Freizeit opfern

Ueberfülle erdrückenden Sammlungen sind nur zu normaler Museumszeit zu bewundern. Wir werden dann noch einmal von dem zwischen allwissender Güte und bezaubernd-feinem Spott wechselnden ge­heimnisvollen Lächeln der Mona Lisa und von der lieblichsten und zartesten Madonna, der Jung­frau von Bald ovi netti, Abschied nehmen. Jetzt lockt im künstlichen Licht die antike Skulpturen­abteilung. Es ist, als ob einem Schuppen von den Augen gefallen seien. In der ganzen, klaren Rein­heit der Linien haben sich im indirekten Licht und in der sorgsam gewählten Anstrahlung die Meister­werke der Alten mit einer Schönheit enthüllt, die in dem fahlen und nüchternen Museumslicht des Tages kaum zu ahnen ist. Es ist eine mitternächt­liche Weihestunde besonderer Art. So mag am Tempek auf Kreta die jungfräuliche Athene mit der Ziste über den schönheitsgläubigen Griechen ge­standen haben. Strahlend schwebt im dunklen Raum das ewige hellenische Idealbild der jungen Frau, die Venus von Milo; man kann sich in Gedanken die Gruppe ergänzen und wird dessen inne, daß solche Reinheit der Form im Sinne des griechischen Begriffskalos kagathos, den als Einheit von schön und gut, als idealen Zusammen­klang von Seele, Geist und Körper in höchster Voll­endung keine Sprache sonst kennt, so nur dies eine Mal geschaffen werden konnte.

Nichts lenkt auch in dem anderen Saal von der graziös schreitenden Artemis mit dem Kö­cher ab. Das Publikum, zahlreicher als am Tage, ist wie benommen. Nur -irn leisen Flüsterton raunt man sich die Worte der Bewunderung zu. In dichter Folge werden Gruppen von Franzosen geführt, auffallend viel kleine Leute darunter. Wenn man den Trupps folgt, fallen besonders einige Er­scheinungen auf, die man gewiß nicht um Mitter­nacht im' Louvre vermutet hätte. Da ist mehrfach der Typ des französischen Transportarbeiters, breit und muskulös mit dem eigenartig federnden Gang bei stark auswärts gebogenen Füßen, die Mütze in der Hand, ganz Äuge und Ohr für die Schätze der Antike, die ab und an noch die Frau, wohl ein ehemaliges Pariser Dienstmädchen, erklärt. Bauern und Schiffer sind dabei, die Grünkramhändlerin mit ihrer Ladenhilfe. Schlichte Leute aus Paris und Provinzler, die alle die Franken nicht gespart haben, um aus der Mitternachtsstunde etwas mit­zunehmen, von dem sie wohl ihr ganzes weiteres Leben zehren werden. So öffnet diese Pariser Mitternacht anders, als man gemeinhin erwarten wird, einen Zug der französischen Volksseele, der auch dann sympathisch berührt, wenn die wesent­liche Triebkraft nur der Stolz auf den französischen Nationalbesitz sein sollte.

Llm Mitternacht im Louvre.

Don unterem $. M.-Sondert>enchtersiatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Paris, im Oktober 1937.

In der Sacre Coeur brennen nur wenige Kerzen, die das Mosaikgewölbe des Altarraums mit war­mem Glanz erstrahlen lassen. Es ist nach '10 Uhr abends; nur Männer haben jetzt in der Nacht noch Zutritt zu der ununterbrochenen Tag- und Nacht- Anbetung in der Basilika, die als Zeichen der natio­nalen Demut und Buhe nach 1871 fast an der gleichen Stelle errichtet worden ist, wo 1534 in be­scheidener Kapelle Ignatius von Loyola den Jesuitenorden gestiftet hat. Der weiße romanisch- byzantinische Bau auf der Kuppe des Montmartre strahlt im Scheinwerferlicht genau so leuchtend über die Stadt wie am Tage. Waren wir auf der Rück­seite über Treppen, durch winklige Gassen und wieder über endlose Treppen aufgestiegen, so liegt jetzt das glitzernde Panorama der Hellen Stadt vor uns. Hier oben unmittelbar neben der Sühnekirche beginnt allmählich um diese Zeit in bescheidenen Kneipen, in Cafes chantants und unter freiem Himmel' der Vergnügungsbetrieb für Franzosen; auch der Pariser kommt nach dem Theater noch einmal hier herauf, allenfalls auch in em Kabarett wie Moulin de la Galette. Unten am Fuß des Montmartre im verwirrenden Glanz der 1 lace Clichy, bei Moulin Rouge und in ähnlichen Amüsierlokalen mögen die Fremden ihr ©elö lo5= werden; Montparnasse ist nach kurzer Kunstler- * fneipenblüte wieder entthront. Fern unten aus der Ebene leuchten im weißen Lichtkleid der Anstrah­lung die Türme von Notre-Dame und die Front von St. Sulpice, dem Mittelpunkt des Quartier Latin. Weiter im Südwesten schimmert per Liffeb türm aus der Ueberfülle des Lichts, nut dem sich die Weltausstellung kundtut; wird auch der Lärm des Feuerwerks von den Geräuschen der GroMaol verschluckt, so überstrahlen doch die feurigen Valle und der flirrende, bunte Regen sogar den Glanz des prächtigen Concorcke-Platzes. Nur als dunkle Silhouette steht dahinter vor dem Horizont der Rücken des alten Forts Mont Valerien.

Im Strahlenglanz frischer Vergoldung, sich auch gegen die Leuchtkraft der Ausstellung behauptend, erscheint die Kuppel des Jnvaliden-Domes als der Juwel, für den dies ganze nächtliche Paris nur die Einfassung ist. Jetzt möchte man auch die nötige Ruhe dort finden, um die Weihe des Raumes auf sich wirken zu lassen; über Tage herrscht dort ein

sonst in Paris nicht übliches, aufdringliches Frem- denverkehrsgetriebe. Welche Stimmung bringt da­bei allein die gelbe und blaue Verglasung in den Raum! Auch an trüben Tagen ist der große Mittel­raum bis herunter zu dem Gewölbe mit dem Sarkophag des großen Korsen in eine Flut satten gelben Lichtes getaucht, während aus den Seiten­kapellen das milde Blau der Ehrfurcht schimmert. Dort hinten rechts haben 1929 die Gebeine des Marschalls F o ch ihre würdige Ruhestätte gefunden. Der gewaltige Bronzesarkophag, der in Reliefs und Statuen den Poilu des Weltkrieges als Träger des zur letzten Ruhe hingeftreckten Feldherrn zeigt, spricht als Meisterwerk realistischer Durcharbeitung und liebevoller Vertiefung in die kleinste Kleinig­keit bei wuchtig-weihevoller Gesamtwirkung von dem Hochstand der modernen französischen Bild­gießerei. In der realistischen Kunstbeherrschung und in dem lebenswahren Eindruck ist dies Grabmal dem Richelieu-Monument vergleichbar, das seit einigen Monaten in der Kirche der Sorbonne ab­seits in einer Rumpelkammer neben dem Chor steht. Erst vor wenig mehr als zehn Jahren war es gegenüber dem Grabmal des Gründers der Sor­bonne im Querschiff aufgefteUt worden. Hippolyte Lefevre hat den alternden Staatsmann, der einst den Grund zu französischer Größe gelegt hatte, so in einen Sessel gesetzt, wie er über Frankreichs Ansprüche verhandelt haben mag: lieber der linken Armlehne liegen Pergamente, von denen die Siegel herabhängen; die knochigen, langen Finger pochen auf die Verträge. Auf dem Schoß ist der neue Ver­trag ausgebreitet; die leicht gehobene Rechte, schickt sich eben an, mit dem Federkiel die Verbriefung neuen französischen Rechtes zu unterzeichnen. Dar­über hebt sich mit der Gebärde zynischer Unerbitt­lichkeit leicht aus den Kissen der trockene Kops mit der hohen Stirn des Genies, dem Bart und Hckare mit der Kardinalskappe einen mephistophelischen Ausdruck geben genau ein Abbild des mumifi­zierten Kopfes, wie er bei der Sargöffnung 1895, 253 Jahre nach seinem Tode, gefunden worden war. So mag Richelieu sein Lebenswerk beschlossen haben als er in Vorbereitung des wenig später ge­schlossenen Westfälischen Friedens den Besitz der zuerst 1552 an Frankreich gefallenen, auch der Be­völkerung nach deutschen Reichsbisturner Metz, Toul und Verdun sicherte...

So schweifen die Gedanken von der Höhe, von der 1814, damals noch mit Windmühlen gefrönt, Blücher den Sturm auf Paris ansetzen wollte.

Wieder unten in der Stadt leuchtet heller Schein aus dem Eingang zum Louvre Nachtbesichti- gung ist heute. Die anderen Schätze der in ihrer

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