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Kreissängerlag in Gießen.

Gästen statt. BranÄ'mspektor Lenz besprach schließ­lich noch vor den auf Oswaldsgarten aufmarschierten Wehren und in Gegenwart der Gäste den Verlauf der gesamten Uebung, und er betonte dabei mit Recht, daß die Uebung in allen Teilen einen sehr guten Ausbildungsstand der beiden Wehren ge­zeigt hat, ein Ergebnis der hingebungsvollen Ge­meinschaftsarbeit, für die allen Männern der Weh­ren aufrichtiger Dank und vollste Anerkennung der gesamten Einwohnerschaft und der Stadt gebührt.

Der Vertreter einer Feuerlöschapparate-Firma zeigte den Feuerwehrmännern und den übrigen Zuschauern zum Schluß noch einige neue Apparate des Schaumlöschverfahrens, die bei unserer Gieße­ner Wehr bereits in Gebrauch sind.

Aus -er Stadt Gießen.

»Männe" im Amtsraum.

3m Schalterraum des Postautos herrschte die ge­wohnte emsige Geschäftigkeit. Jede Verkaufs- und Einzahlstelle war von Menschen umdrängt, und kein Schreibpult stand leer. Man hätte das vielfache Auf- und Abgleiten hastiger Federn über Karten und Formulare hören müssen, hätten nicht die unzäh­ligen Geräusche der Ein- und Ausgehenden diesen heimlichen Wettlauf schreibender Hände, sich vor einem andern einen. Platz zu erobern, übertönt. Immerzu wuchtete schwer die Flügeltür vor und zurück, klopften kleine, knirschten große Schritte, klimperte Geld auf Zahlbretter, polterten die Schläge der Numerierstempel auf Zahlkarten und Postanweisungen, rasselten die Klappen der Brief­einwürfe, flogen an den Schaltern ein paar ge­dämpfte Worte hinüber und herüber: kurze Fragen und Antworten, kleine Wünsche und Erfüllungen.

Dem leisen Schwall der eilenden Wasser gleich kam einem der ewige Wirrwarr gedämpfter Stimmen und Geräusche gar nicht zum Bewußtsein. Das Schweigen der einzelnen, ihr Abgeschlossen- und Mitsichselbstbeschäftigtsein teilte sich der ganzen At­mosphäre mit, gab ihr die sachliche Nüchternheit und Kälte, die keinen warmen Herzenston aufkommen läßt. Sahen sich zwei Bekannte, nickten sie mit freundlich lächelndem Gesicht einander zu, verließen aber nicht ihren Platz, um nicht aus der Reihe zu geraten. Jeder verfolgte gespannt, was vor ihm ge­schah, ob auch alles am Schnürchen lief und man keine ungebührliche Verzögerung erlitt. Es gab sogar Gesichter, die schon Mißfallen und Ungeduld ver­rieten, wenn der Beamte an ihrem Schalter die, Ziffernreihen der eben voll gewordenen Seite zu^ sammenzuzählen begann.

Plötzlich krachte die Flügeltür wie bei einem har- ten Zusammenstoß, und im gleichen Augenblick flog etwas, wie geworfen, herein. Spitze, klägliche Töne einer Hundestimme schrillten durch den Raum und bewogen etliche Neugierige, ihren Schalter zu ver­lassen und sich um den Dackel zu versammeln, der sich mit schleifendem Hinterteil im Kreise drehte und jaunerte, als hätte ihn eine Kugel getroffen. Aber rasch verklärten Schmunzeln und Lächeln die Ge­sichter, einer verriet es dem andern, daß der Ze­ternde weder geschunden, noch gequetscht sei, son­dern wohl lediglich aus Schreck und Aeraer über den hinterlistigen Stoß der Tür solche grellen Töne anstimmte. Naseweise, wie Dackel nun einmal.sind, hatte er auch hinter das Geheimnis dieses vielbe­suchten Raums kommen wollen und war mit einem Eintretenden, der ihm die Tür vielleicht noch etwas weiter aufhielt, gemächlich hereingewackelt. Warum sollte er hasten? Er war wie sein, zumal am Bauche, schon stark angegrautes Fell bewies in den Jahren des gesetzten Alters, dem Eile mit Weile am schönsten steht. Aber da war dem Ahnungslosen jäh diese unerhörte Mißhandlung geschehen: er hatte den Halt unter den Füßen ver­loren, war einfach geflogen.

Als er auf das energische Zureden einer Dame, derMänne" gehörte, sich immer noch nicht beruhi­gen wollte, vackte ihn diese kurz entschlossen am Halsband und zog den heftig sich Sträubenden hin­aus, dorthin, wo er hätte warten sollen. Ein Herr, der gerade einzahlen wollte, winkte sie herbei. Sie sei vor ihm dagewesen. Sie dankte lächelnd, und ein lustiges Gespräch über Hunde, speziell über Dackel, nahm seinen Anfang. Selbst der Beamte beteiligte sich daran. An allen Schaltern waren mit einem Male die Menschen verwandelt. Auch die Allein­stehenden, die keine Gelegenheit zur Aussprache hatten, zeigten fröhliche Gesichter.

Und alsMänne" nach einer Pause des Schwei­gens nun wirklich mit männlicher Stimme die Türe draußen böse anzubellen begann, war die Heiter-

Im SaaleBum Burghof" in Gießen hielt am gestrigen Sonntag der Sängerkreis Gießen seinen diesjährigen Kreissängertag ab. Dor der Haupt­tagung fand eine

Besprechung für Chorleiter

statt, in der Kreischormeister Blaß (Gießen) nach Begrüßung durch Kreisführer Müller (Gießen) einen Rückblick über das abgelaufene Jähr gab. Er betonte besonders die guten Leistungen bei den im Sommer abgehaltenen drei Wertunasfingen. Ebenso stellte er die Leistungen der drei Kreisver­eine anläßlich des Singens im Rundfunk heraus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Kreis- vereine auch im kommenden Arbeitsjahr durch stete Weiterarbeit auf hoher musikalischer Stufe bleiben möchten.

Sodann fand eine Aussprache über das im Juli 1938 inGießen stattfindende Gaufängerfest statt, bei dem auch das musikalisch sehr wertvolle WerkHeiliges Vaterland", Kantate von Franz Philipp, zur Aufführung gelangen soll. Kreischor­meister Blaß wies besonders darauf hin, daß die­ses glanzvolle Werk auf dem Deutschen Sängerfest in Breslau bei allen einen tiefen Eindruck hinter­lassen hätte. Natürlich sei diese Aufführung auch mit großer Arbeit verbunden, und er forderte deshalb alle Chormeister auf, sich dieser Aufgabe tatkräftig zu unterziehen, damit die Aufführung zum vollen Erfolg werde.

Oie Haupttagung

der Chorleiter und Vereinsführer des Sängerkreises eröffnete Kreisführer Müller mit dem Deutschen Sängergruß. Er gedachte dann derer, die im ab­gelaufenen Vereinsjahr durch den Tod abberufen wurden. Seine besondere Bearüßung galt dem stell­vertretenden Gauführer Kreisschulrat Born (Darm­stadt) und dem Provinzführer Wendler (Bad- Nauheim) und dem Vertreter der Ortsgruppe Mitte Weber.

Nach dem Geschäftsbericht des Kreisschriftführers G e l d m a ch e r (Gießen) und dem Kassenbericht des Kreisschatzmeisters Latsch (Lollar) sprach Kreis­schulrat Born über die Arbeiten des Jahres 1938. In vorderster Linie steht das Gausängerfest in Gießen. Diese erste größere Veranstaltung des Sängergaues XII nach der Machtübernahme solle in kultureller und musikalischer Hinsicht eine Note be­kommen, die dem deutschen Liede würdig sei. Nir­gends im Gau XII, wie gerade im Sängerkreis Gießen, habe das Lied eine solche Pflegestätte ge­funden. Darum habe der Gau dem Kreis Gießen das Gausängerfest übertragen in dem Bewußtsein, daß alle notwendigen musikalischen Voraussetzungen vor­handen sind. Allein schon die Aufführung der Kan­tate des badischen Komponisten Franz PhilippHei­liges Vaterland" setze ein gutgeschultes Stimm-

keit so allgemein, daß das herzhafte Lachen eines älteren Herrn ein vielfaches Echo fand. P. B.

Größte Freude beim Winzerfest.

Die NSG.Kraft durch Freude" hat mit ihrem Winzerfest am Samstagabend und am gestrigen Sonntag in der Volkshalle wieder einengroßen Schlag" vollbracht. Die Veranstaltung war sowohl am Samstagabend als auch am gestrigen Sonntag ein Volksfest im weitesten Sinne des Wortes. Mas­senbesuch und festfroher Schwung waren die beson­deren Kennzeichen der Stunden.

Schon am Samstagabend bald nach der Eröff­nung herrschte in der Volkshalle ein Betrieb, wie er zündender überhaupt nicht gedacht werden kann. Daß die Volkshallevoll wie eine Wursthaut" war, sei als ständiges Merkmal des Samstags und des Sonntags nur am Rande verzeichnet. Und eine Stimmung herrschte allenthalben, die an Ausge­lassenheit nichts zu wünschen übrig ließ.

Die Veranstalter hatten die Dolkshalle schön ge­schmückt und so etwas wie eine Reihe vonWein­lauben" hergerichtet. In der Mitte der Halle auf einem erhöhten Podium saß die Musik. Zu beiden Seiten waren die Tanzflächen geschaffen worden, die aber für den starken Andrang bei weitem nicht ausreichten, so daß auf der Empore ein weiterer Tanzkasten" abgegrenzt war und außerdem viele Paare sich noch in den Seitengängen zu den Klän­gen der schmissigen Tanzmusik drehten.

Am Samstagabend leitete das Musikkorps un­

material voraus. Der Gau habe das Gausängerfest in vier Gruppen eingeteilt: Begrüßungsabend, bei dem das Volkslied zur Geltung kommt; die Sonder- konzerte, bei denen das Kunstlied eine Pflegestätte findet; Singen auf der Straße und auf öffentlichen Plätzen, das sogenannte Volkssingen; Volksfest.

Der Redner hob dann markante Punkte des Breslauer Festes hervor und wies auf die Be­deutung eines solchen Festes hin. Dreißigtausend Ausländsdeutsche zog es in jenen Tagen nach Breslau zum deutschen Lied, das für sie in fremden Landen ein Stück Heimat ist.

Am Schlüsse der Tagung konnten wieder Ehrun­gen verdienter Chorleiter und Sänger vorgenom­men werden. So erhielten Heinrich Blaß und W. Schöttler (Gießen) die Ehrennadel für 25- jährige Chorleitertätigkeit unter gleichzeitiger Er­nennung zu Ehrenchorleitern. Für 40jährige aktive Sängertätigkeit konnte die Ehrennadel an Karl Schmand (Germania Watzenborn - Steinberg), Gg. Neurath und Philipp Jung (beide von der Eintracht Klein-Linden) und Karl We i ßb r od (Gesangverein Salzböden) überreicht werden. Die Ehrennadel für 25jährige aktive Sängertätigkeit er­hielt Karl Jung III. (Eintracht Wieseck). Dem ältesten aktiven Sänger des Sängergaues XII, Georg Todt (Bauerscher Gesangverein Gießen), wurde aus Anlaß seiner 63jährigen Sängerschaft durch den stellvertretenden Gauführer ebenfalls ein Geschenk überreicht und in treffenden Worten seine Verdienste um das Lied hervorgehoben.

Für die mit der Ehrennadel Ausgezeichneten sprach Ehrenchormeister Blaß den Dank aus, und er versicherte, auch für seine Kameraden, daß sie dem deutschen Lied die Treue halten würden bis zum letzten Atemzuae.

Nachdem noch über die Arbeit im kommenden Jahre gesprochen war und Richtlinien für die weitere Arbeit gegeben wurden, schloß der Kreis­führer die Tagung in der üblichen Weise.

Sommerfest

des Bauerschen Gesangvereins.

Der Bauersche Gesangverein Gießen hielt am gestrigen Sonntag im Saale derKarlsruhe" sein diesjähriges Sommerfest ab. Begünstigt durch das herrliche Frühherbstwetter war der Besuch der Ver­anstaltung außerordentlich stark. Anläßlich der Kreis­sängertagung nahmen auch der stellverttetende Gau­führer Kreisschulrat Born (Darmstadt) und Pro­vinzführer Wendler (Bad-Nauheim) an diesem Feste teil. Die Sängerschaft erfreute die Teilnehmer durch einige gut vorgetragene Chöre, und die Jugend hatte reichlich Gelegenheit, sich beim Tanze zu ver­gnügen. Mit diesem Sommerfest beschloß der Bauer­sche Gesangverein feine geselligen Veranstaltungen für das Jahr 1936/37.

serer 116er unter der Stabführung von Musik­meister Wohlfahrt die Veranstaltung mit einem stimmungsvollen Konzert ein, bei dem natürlich die bekannten Klänge der Rheinlieder im Vorder­gründe standen. Und dann folgte in eifriger Weise die Tanzmusik ... stundenlang, bis weit in den frühen Sonntagmorgen hinein. Noch gegen 6 Uhr konnte man festfroh gestimmte, von der Freude der Stunden beschwingte Männlein und Weiblein nach Hause pilgern sehen und hören. Sie hatten das Winzerfest gründlich gefeiert.

Und wie am Samstag, so war der Verlauf des Festes auch vom Sonntagnachmittag ab bis weit nach Mitternacht in den heutigen Montag hinein: Massenbesuch. Schmissige Tanzmusik. Unermüdliche Tanztteude. Fröhlichste Stimmung. Heimkehr voll überschäumender Lustigkeit.

Das war das Gießener Winzerfest, das Tausen­den dankbar genossene Stunden der Freude bereitete.

Kürzester Anmarschweg muß gewählt werden.

NSG. Hat ein Gefolgschaftsmitglied im Bau­gewerbe einen Anspruch aus Zahlung eines Wege­geldes, wenn der nächste Anmarschweg zwischen seinem Wohnort und der Arbeitsstätte mehr als zehn Kilometer beträgt, so ist alsnächster An­marschweg" im Sinne der Tarifordnung stets der­jenige Weg zwischen Wohnort und Arbeitsstätte anzusehen, dessen Benutzung dem Gefolgschafts­

angehorigen zumutbar Ist. Maßgebend Ist hiernach als Anmarschweg der zu Fuß oder mit dem Fahr- rat) benutzbare Wea, den der Gefolgschaftsangehö- rige ohne Aufwendung besonderer Unkosten be­nutzen kann. Stehen einem Gefolgschaftsmitglied zwei Wege zur Verfügung, nämlich ein längerer, der ohne besondere Unkosten zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden kann, und ein kür- zerer, der aber die Benutzung einer mit Kosten ver­knüpften Fahrgelegenheit, z. B. einer nur gegen Zahlung eines Fährgeldes zu benutzenden Fähre, erforderlich macht, so hat der mit den Kosten ver­bundene kürzere Anmarschweg außer Betracht zu bleiben. Ist der dem Gefolgschaftsmitglied nach den Umständen allein zuzumutende Anmarschweg länger als zehn Kilometer, so entsteht der an die Zurück- legung dieser Mindestwegstrecke geknüpfte Anspruch auf Wegegeld, bzw. Fahrtkosten auch dann, wenn der Gefolgschaftsangehörige tatsächlich einen kürze­ren Weg, ihm jedoch an sich nicht zuzumutenden Weg benutzt hat.

Aus der engeren Heimat.

Kommunalpolitische Tagung des Kreises Schotten.

<D Schotten, 24. Sept. Unter Leitung von Re­gierungsrat Schwan vom Kreisamt Schotten fand heute im Rathaussaal eine Tagung der Bür- germeister und der Polizeibeamten des Kreises Schotten statt. Vertreter des Kreisschulamts, Veterinäramtes, Gesundheitsamts, Kreisfeuerwehrinspektor u. a. waren erschienen. Zu­nächst hielt Polizeiobermeister L a u k h a r d t von der Hessischen Landesregierung einen Vortrag über die Weiterbildung der Polizei auf dem Ge­biete des zivilen Luftschutzes. Eingehend wurden die Bürgermeister als örtliche Polizeiorgane über ihre Pflichten belehrt, die ihnen zur Bekämpfung der Luftgefahr obliegen. Weiter wurde über die in Kürze im Kreis einsetzende Entrümpelungsaktion aesprochen, anschließend auch über einige Wehr­sachen. Kreisfeuerwehrinspektor Rausch schnitt eine Reihe von Fragen an (Stellung des Bürger­meisters zur Feuerwehr, Prüfung der Hydranten, Behandlung des Schlauchmaterials, Brandteiche, Wichtigkeit der Feuerwehrschule u. a. m.). Veterinär­rat Dr. Metz sprach über die ab 1. Oktober einge­führte Beschau der Hausschlachtungen. Eine Reihe von Fragen aus dem Gebiet der Gemeindeverwal­tung wurden noch behandelt. Dann hielt Ministerial­rat Löwer (Darmstadt) einen Vortrag über den Bau von Schwimmbädern, Uebungsstätten und HJ- Heimen, der lebhaftes Interesse erweckte. Mit dem Sieg-Heil auf den Führer wurde die lehrreiche Tagung geschlossen.

Friedberger Herbstpferdemarki.

Der Friedberger Herbst-Pferdemarkt 1937 ist mit einer Prämiierung verbunden, die am Dienstag, 12. Oktober, stattfindet. Die zahl­reichen Anmeldungen übertreffen alle Erwartungen. Die Prämiierung wird auch in diesem Jahre wie­der ein ganz hervorragendes pferdezüchterisches Bild bieten, sind doch wie fachmännischerseits anerkannt wird gerade in der Wetterau und deren Nachbargebieten im letzten Jahrzehnt in der Pferdezucht sehr gute Erfolge erzielt worden. Die Stadt Friedberg, die es sich traditionsgemäß zur Aufgabe macht, die heimische Pferdezucht zu fördern, wird den Siegern Barpreise überreichen. Zur Prämiierung werden in zwei Abteilungen, und zwar je eine Abteilung für Kalt- und Warmblut, zugelassen:

1. Klasse: Zweijährige Hengste, a) in Hessen ge­zogen, b) außerhalb Hessens gezogen.

2. Klasse: Zweijährige Stuten, a) in Hessen ge­zogen, b) außerhalb Hessens gezogen.

3. Masse: Dreijährige Stuten, a) in Hessen ge­zogen, b) außerhalb Hessens gezogen.

4. Klasse: Vier- bis achtjährige Stuten (nachweis­bar gedeckt). Die sechs- bis achtjährigen darunter mit mindestens einem Fohlen, a) in Hessen gezogen, b) außerhalb Hessens gezogen.

5. Klasse: Zuchtpferdefamilien, a) Stuten mit amei und mehreren unmittelbaren Nachkommen, b) Stuten mit zwei Nachkommen und unmittelbarer Generationsfölge.

Weiter wird darauf hingewiesen, daß auch in diesem Jahre wieder ein Zuchtkoppelwett­bewerb der Ortsbauernschaften durchgeführt wird, und zwar ebenfalls in zwei Abteilungen, Kaltblut und Warmblut. Auch hierfür stehen beachtliche Bar­preise zur Verfügung. Anmeldungen können noch

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Roman von Bernhard Lonzer.

Urheberrechtsschutz:

Arthur Moewig, Romanvertrieb, Berlin SW 68.

26 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Da kam Annelore zurück..Wie erstarrt blieb sie auf der Schwelle der Tür stehen. Nun war es also wirklich da, wamste gefürchtet hatte! Nun begann der letzte Akt des Spiels, der jede, auch die letzte Hoffnung zerstören mußte. Es ttaf sie nicht un­erwartet, aber es traf sie deshalb nicht weniger schwer.

Eine Schwäche befiel sie, ein Zittern. Nur nicht das Glas fallen lassen! Das Wasser für diese Frau, die alles, alles haben mußte!

Stefan hatte sich umgewandt. Es war ihm klar, daß Annelore etwas gehört hatte. Eine tiefe Er­regung packte ihn. Auch das noch!

So kommen Sie doch!" herrschte er sie an.

Mechanisch setzte sie sich in Bewegung. Ich bin ein Automat! dachte sie mit brausendem Kopf wieder, wie sie schon einmal gedacht hatte. Ein Hebeldruck dann gehe ich, dann tue ich dies und das. Noch ein Hebeldruck dann erstarre ich wieder. Ein seelenloser Automat eben. Nur die andern leben, nur die andern sind Menschen von Fleisch und Blut.

Sie sah nicht, daß Glorias Lippen das Wasser kaum berührten. Mit den gleichen starren Be­wegungen verließ sie dann nach einiger Zeit hinter Stefan das Zimmer wieder.

Nach ein paar hastigen Schritten btieb Stefan auf dem Gang plötzlich stehen, so daß sie nicht an ihm vorbeikonnte. Sie war totenblaß, schien kaum zu atmen. Die Lider mit den langen, dunklen Wimpern sanken über ihre Augen herab.

Mit gefurchter Stirn sah er ihr gerade ins Ge­sicht. Sie hob den Blick nicht, sie wollte ihn also nicht sehen! Also hatte sie wirklich etwas gehört. Und ihr Urteil stand fest: sie war überzeugt, daß er mit der Frau dort drinnen etwas hatte! Mit der Frau eines anderen!

Und sie verachtete ihn. Wie hätte es anders sein können!

Unwillkürlich ballten sich feine Hände auf dem Rücken. Auch das noch! Eins nach dem anderen und nun auch das noch...!

Von jedem anderen Menschen würde es ihn kalt lassen, aber von diesem Mädchen verachtet zu werden...!

Diese Vorstellung erregte ihn maßlos. Seine Schultern zuckten.

Was ist denn nur mit Ihnen?" herrschte er Annelore wieder an.Sind Sie krank? Fühlen Sie sich der Arbeit nicht mehr gewachsen? Sie sollen es sagen, wenn Sie krank sind."

Annelore hob auch jetzt nicht den Blick.

Nein, ich bin nicht krank", erwiderte sie monoton.

Ja, was haben Sie denn sonst? Ich will es wissen."

Annelore schwieg. Nur ihre Nasenflügel zuckten leise.

Erregt fuhr sich Stefan mit der Hand durch das Haar.

Das ist ja das ist ja unerträglich! Ich kann wehleidige Menschen nicht um mich ertragen!"

Annelore schien noch um einen Schein blasser zu werden. Und jetzt hoben ihre Augen sich ihm ent­gegen. Augen, wie er sie noch bei keinem Menschen gesehen hatte. Wie zwei auseinanderstrebende Sterne waren diese Augen.

Und nun flutete Mtzlich ein tiefes Rot über ihr Gesicht.

Ich habe nicht gewußt, daß ich ein wehleidiger Mensch bin. Und ich bin es auch nicht. Aber ich will nicht länger zu den Menschen gehören, die Sie nicht um sich ertragen können. Ich bitte um meine Entlassung, Herr von Achenbach!"

Eine Sekunde lang war er betroffen. Aber ihr Entschluß reizte ihn nur noch mehr. Er reckte sich auf.

Sowie ich Ersatz für Sie gefunden habe, können Sie gehen "

Er sah einen Augenblick über sie hinweg. Mit harter Bewegung wandte er sich dann plötzlich und ging davon.

Er war schon am Ende des Ganges angelangt, als ihm einfiel, daß der Konsul sehnsüchtig auf Nachricht wartete. Aber er fühlte sich außerstande, dem Manne jetzt gegenüberzutreten. Dem Manne,

den dieser Augenblick glücklich machen würde und dessen Glücksstern doch schon heute im Sinken be­griffen war ...

Stefan suchte nach der Pflegerin.

Sagen Sie dem Herrn Konsul, daß er hinüber­gehen kann. Die Frau Konsul hat das Augenlicht wieder."

Dann trat er an das Haustelephon.

Mamsell, schicken Sie mir den Kaffee herüber! Ist Friedrich in der Nähe?"

Nein, Herr von Achenbach, er wird in der Garage sein."

Anruf in der Oarage:

Friedrich, sagen Sie oben, daß ich zum Abend­essen nickt da bin. Halten Sie gegen sieben den Wagen bereit, wir fahren in die Stadt. Halt nein ich fahre selbst."

Er ging in das Sprechzimmer hinüber und ließ sich am Schreibtisch nieder, um die Anzeige für das Tageblatt aufzusetzen.Assistentin für Privat-Augen- klinik gesucht."

Stefan lehnte sich im Stuhl zurück und sah vor sich hin. Ihm war, als starrte er ins Leere. Und mit einem Male fühlte er, daß in ihm selber alles leer war. Eine gähnende, grauenhafte Leere. Wie ein Vulkan war man, der alles, was an glühenden Massen in ihm war, ausgespien hatte.

Stefan lachte kurz und hart auf. Weil die Assistentin gehen wollte? Gab es nicht hundert andere? Uno war es nicht gut, wenn ein Mensch ging, von dem man nicht verachtet sein wollte?

Gewiß, man hätte sich beherrschen sollen. Man hätte

Er warf den Füllfederhalter hin. Nein, man hätte gar nichts...! Man hatte es nicht notwendig, Er- härungen zu geben und sich zu rechtfertigen, denn man hatte nichts verbrochen. Es würde auch keinen Zweck, keinen Sinn haben, sich etwa zu entschuldi­gen, wenngleich

Mit einem Ruck stand Stefan wieder auf. Es gab vorläufig noch anderes zu denken. Und die Anzeige da hatte auch noch Zeit, die anderen Patienten warteten.

Als Annelore zum Abendessen erschien, hatte sie zwei kreisrunde dunkle Flecken auf dem Gesicht. Wolfgang v. Achenbach bemerkte es sofort. Er er­kannte auch, daß sie anders war als sonst, daß irgend etwas Fremdes in ihr faß. Er unterließ

es aber, eine Bemerkung darüber zu machen. Sie gab nur zerstreute Antworten, und einmal lief ihr ohne jeden erkennbaren Grund ein helles Rot über die Stirn.

Da konnte er feine Frage doch nicht mehr zurück- halten.

Was ist nur heute mit Ihnen, Fräulein Anne­lore? Sie sehen ja aus, als ob Sie Fieber hätten?^

Sie riß sich zusammen.

Es ist schon wieder besser, Herr von Achenbach, Morgen ist es wieder ganz gut."

Sie war entschlossen gewesen, ihm noch heute zu sagen, daß ihres Bleibens hier nicht mehr lange sein würde. Aber es hatte sich noch keine Gelegen­heit dazu gefunden, und nun hielt sie auch irgend etwas davon zurück. Morgen, dachte sie. Ich muß erst geschlafen haben, damit ich ruhiger bin. Ich will es dem alten Herrn nicht unnötig schwer machen, denn vermissen wird er dasHaus­töchterchen" ja doch.

Wolfgang von Achenbach sah ihr mit einem lan­gen, gütigen Blick in die Augen, die sich plötzlich vor ihm senkten, und schwieg.

Wir haben eigentlich recht lange nicht Schach gespielt", sagte er, als die Unterhaltung nach Dem Essen wieder einmal ins Stocken geriet.Fräulein von Birkhammer wird gewiß gern ein Nickerchen machen wollen, da könnten wir doch wieder mal eine Partie spielen."

Annelore war einverstanden. Sie gingen hinüber zum Spieltisch, der in der Ecke stand. Wolfgang von Achenbach schaltete die Lampe ein. Sie saßen in dem abgegrenzten Lichtkreis, als wären sie beide allein auf einer Insel.

Annelore war anfangs ganz bei der Sache. Es war ihr eine Wohltat, eine Ablenkung zu haben. Allmählich wurde ihr Spiel aber immer unacht­samer. Wolfgang von Achenbach schüttelte ein paar­mal verwundert den Kopf. Sie war sonst ein nicht zu verachtender Gegner gewesen. Schließlich könnt« er eine Bemerkung nicht mehr unterdrücken.

Sie sind heute ja unglaublich zerstteut, Anne­lore ..."

Im gleichen Augenblick kam es ihm zum Bewußt­sein, daß erAnnelore" stattFräulein Annelore" gesagt hatte. Er lächelte ein bißchen verlegen.

Fortsetzung folgt. v >