Kr. 225 Drittes Blatt
Kleßener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Montag.27.September (957
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HL. tritt in die SA. und ES. ein.
Ein längst vertrautes, fesselndes Bild bot am Sonntagvormittag der Brandplatz, als die Formationen der SA. und der HI. dort Aufstellung genommen hatten. Bor der Front der HI. stand die Jugend, die gestern den Formationen der SA. eingereiht werden sollte.
Nach der üblichen Meldung der Einheiten an Standartenführer Lutter eröffnete der Musikzug der SA.-Standarte 116 unter Leitung von Musikzugführer Herrmann den Festakt. Bon dem Musikzug und dem Spielmannszug der SA. begleitet klang das Lied der Hitler-Jugend auf. Ein Sprecher der motorisierten HI. gab dem beglückenden Gefühl von dem Kameraden zur Seite durch folgenden Vers Ausdruck:
Wenn einer von uns müde wird, der andere für uns wacht;
wenn einer von uns zweifeln sollt, der andere gläubig lacht;
wenn einer von uns fallen sollt, der andere steht für zwei: denn jedem Kämpfer gab ein Gott den Kameraden bei!
Unterbannsührer Rühl
nahm hierauf die Verabschiedung der ausscheidenden Hitlerjungen vor. Er erinnerte die Jungen daran, daß sie freiwillig der HI. beigetreten waren und den Treueschwur auf den Führer ablegten. Er rief noch einmal die Erinnerung wach an die gemeinsam durchlebte und durchkämpfte Zeit, in der ste sich in Kameradschaft zusammenfanden und sich für den Dienst am Volke vorbereiteten, um sie dann darauf hinzuweisen, daß sie nun, da sie sich würdig gezeigt haben, den Sturmformationen überwiesen zu werden, dort freudig ihre Kenntnisse einzusetzen. Weiterhin gab er der Hoffnung Ausdruck, daß sie sich dort würdig erweisen und freudig ihre Pflicht tun werden als ganze Kerls. Damit verabschiedete er seine Kameraden, indem er sie zum letzten Male im Namen des Führers grüßte.
Als der dienstälteste Führer der Kampfformationen im Standort Gießen übernahm
EA.-Gtandartenführer Lutter
die Jungen in die Formationen der SA., der Marine-SA., der SS. und des NSKK. Indem er ihnen seinen Gruß entbot, sprach er die Hoffnung aus, daß jeder einzelne das, was er in der HI. gelernt hat, in den Organisationen der Bewegung weiter vorwärtsträgt und mit diesen gemeinsam den Kampf für die Bewegung und das Reich Adolf
Hitlers aufnimmt. Dann wies er sie auf frühere Aufnahmen in die Sturmabteilungen hin, die wieder abgegeben werden mußten oder die zerbrochen am Wege liegen blieben. Von euch aber, so betonte der Standartenführer, die ihr in einem neuen Geiste ^Zogen und die ihr freiwillig und unbeschwert von Einflüssen früherer Weltanschauungen zu uns gekommen seid, verlangen wir ganzen Einsatz. Ihr wißt, was der Führer von euch verlangt, und auf euren Schultern ruht eine Verantwortung so schön und groß und schwer, die keiner Jugend jemals gestellt worden ist. Indem er die Jungen in die Formationen übernahm, rief er ihnen als Willkommensgruß den Sinnspruch zu: Für ein Volk zu leben und für ein Volk zu sterben ist keiner zu iung!
Oer (Staffelführer des 71SKK. Mohr brachte in einem sinnigen Vorspruch die angesichts der Todesopfer der Gefallenen gereifte Bereitschaft zur Tat für Volk und Vaterland zum Ausdruck, und die HI. sang das an die toten Kameraden mahnende Fahnenlied, das ausklang in den Worten der Bereitschaft: Deutschland, wir kommen schon!
Standartenführer Lutter
sprach die Eidesformel vor, die die jungen Kameraden erneut auf den Führer verpflichtete, und beschloß die feierliche Uebernahme mit dem Gruß an den Führer. Mit den Hymnen der Nation klang die Feier aus.
83 Hitlerjungen rückten in die Reihen der Sturmformationen ein, 30 zur SA., 8 zur Marine-SA., 15 zur SS. und 30 zum NSKK., die von den Führern mit Händedruck begrüßt wurden. Dann setzten sich der Spielmannszug und der Musikzug an die Spitze der Formationen, die Fahnen wurden ausgenommen und mit den Standartenführern Lutter und Nagel an der Spitze marschierten die braunen Kolonnen durch die Straßen der Stadt. Wie so oft, hallte die Marschmusik von den Häuserfronten wider, hoben die Volksgenossen die Hand zum Gruß der Hakenkreuzbanner. Am Oswalds- garten löste sich der Marschzug auf, und die Stürme trugen ihre Hakenkreuzbanner deren Standort zu.
Bornotizen.
Tageskalendec für Montag:
Gloria - Palast (Seltersweg): „Der Mord im Nebel". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Im Kreuzverhör".
Standartenführer L u t- tt e r spricht bei der lieber» mahme der jungen Ka- mieraden in die Forma» Mionen zur HI.
(Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
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Die Gießener Feuerwehren in bester Schlagfertigkeit.
Eine vortreffliche Hebung unserer Freiwilligen Feuerwehren.
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Brandangriff auf die alte Pestalozzischule. (Aufn.: Neuner, Gieß. Anz.)
dem Kommando des Wehrführers Koch konnten die Gäste und die vielen übrigen Zuschauer die erfreuliche Feststellung machen, daß die Ausbildung der Mannschaften im Exerzierdienst nach jeder Richtung hin hervorragend ist und damit eine gute Grundlage für die gesamte Arbeit der Wehren bietet. Anschließend folgte beim Geräteexerzie
ren die schulmäßige Entwicklung eines Brandangriffes, soweit es sich dabei um die Bereitstellung aller Geräte zur Brandbekämpfung handelt. Mit außerordentlicher Exaktheit wurde auch hierbei unter Beweis gestellt, daß die Ausbildung der Feuerwehrmänner den höchsten Anforderungen gerecht wird. Nach der systematischen Zurückbewegung des Brandangriffs aller Geräte gab Brandinspektor Lenz den zahlreichen Gästen noch eine Reihe wertvoller Erläuterungen der erst vor für»
Nach dieser Hebung fand am Oswaldsgarten ein Vorbeimarsch der beiden Feuerwehren vor dem Vertreter der Stadtverwaltung, Beigeordneten Vogt, dem Leiter des Gießener Feuerwehrdienstes, Brandinspektor Lenz, und den übrigen
wehren größtes Gewicht auf ununterbrochene sorgsame Ausbildung aller Feuerwehrmänner, um bei Bränden mit dem vollen Einsatz der modernen Ausrüstungsmittel unserer Wehren zum Schutz von Leben, Hab und Gut der Brandbedrohten wirken
Unsere Stadt ist bisher verhältnismäßig selten von Bränden heimgesucht worden. Wenn irgendwo einmal des Feuers Gewalt entfesselt ist, erscheint in geradezu fabelhafter Geschwindigkeit unsere Feuerwache und beseitigt meist im Handumdrehen alle Gefahr. Wenn also einerseits sorgsame Betreuung der Flamme durch unsere Einwohnerschaft und höchste Einsatzbereitschaft der ständigen Feuerwache bisher in weitgehendem Maße Brandschäden in Gießen verhütet haben, so legen doch die Leitung unseres Gießener Feuerwehrdienstes und die beiden Freiwilligen Feuer-
zem — wie von uns seinerzeit berichtet — in den Dienst der Gießener Feuerwehren gestellten neuen Feuerlöschgeräte. Diesen Darlegungen folgten besonders die Vertreter der auswärtigen Feuerwehren mit großem Interesse.
Als Abschluß der Hebung wurde von den beiden Wehren noch ein schulmäßiger Brandangriff an der Pestalozzi-Schule am Wernerwall gezeigt. Der Hebung war nach der Annahme ein Dachstuhlbrand zugrunde gelegt, der sich bei starkem Westwind über den gesamten Dachstuhl des Hauptgebäudes verbreitete und die angrenzenden Nebengebäude gefährdete. Bei der Durchführung der befohlenen Brandbekämpfung hatten der 1. und der 2. Löschzug der Gießener Freiwilligen Feuerwehren das Schulgebäude umfassend anzugreifen, und zwar der 1. Zug vom Wernerwall aus, der 2. Zug von der Kirchstraße und vom Schulhof her. Gleichzeitig mußte der Brandangriff im Inneren des Gebäudes vorgetragen werden, wobei die Mannschaften zum Teil die Rauchmasken zu benutzen hatten. Die Freiwillige Gailsche Wehr übernahm den Schutz der Nebengebäude in der Wetzsteinstraße. Der Verlauf dieser schulmäßigen Angriffsübung zeigte in eindrucksvoller Weife die hervorragende Schlagfertigkeit der beiden Wehren. In geradezu unglaublich kurzer Zeit waren alle Geräte oerwendungsbereit in Stellung gebracht und sämtliche Maßnahmen zur Rettung von Menschen und zur Erhaltung des Gebäudes getroffen. Jeder Beobachter dieses Hedungs- erneut die beruhigende Gewißheit „ , i, daß unsere beiden Gießener Freiwilligen Feuerwehren ganz gewaltig „auf Draht" sind und einen vortrefflichen Schutz bei Brandfällen gewährleisten.
zu können. Dieser unermüdlichen und sehr anerkennenswerten ständigen Ausbildungsarbeit der Freiwilligen Feuerwehren ist es gleichfalls in weitgehendem Maße mit zuzuschreiben, daß der Feuerwehrdienst in Gießen auf hoher, weithin anerkannter Stufe steht.
Es gehört zu den Gepflogenheiten unserer Gießener Freiwilligen Feuerwehren, alljährlich mindestens einmal in einer großen öffentlichen Hebung aller Mannschaften und aller Geräte Zeugnis abzulegen von der Schlagkraft der Wehren. Eine derartige Vorführung fand am gestrigen Sonntagvormittag als Herbstübung der Gießener Freiwilligen Feuerwehren auf Oswaldsgarten statt. Die Oberleitung der in allen Teilen sehr interessanten Vorführungen hatte Brandinspektor Lenz. Die Gießenerr Freiwillige Feuerwehr stand unter dem Kommando ihres Wehrführers Koch, die Freiwillige Gail'sche Feuerwehr stand unter dem Befehl des stellv. Wehrführers Schmück. Als Vertreter des Kreisfeuerwehrführers Bouffier wohnte dessen Stellvertreter, Schelm (Lollar), der Hebung bei, ferner waren zahlreiche Feuerwehrführer und -männer aus der engeren und weiteren Umgebung zugegen. Die Stadtverwaltung vertrat Beigeordneter Vogt. Im Kreise der übrigen Ehrengäste war auch der Chef der Freiwilligen Gail'schen Feuerwehr, Dr. jur. Gail, anwesend.
Nach dex Meldung der beiden Wehrführer an den Leiter des Gießener Feuerwehrdienstes, Brcmd- infpeftor Lenz, nahm die Hebung mit Fuß- exerzieren ihren Anfang. Beim Gruppenexerzieren der Mannschaften der Gail'schen Feuer- wehr unter dem Kommando des stellv. Wehrführers Schmück, bei dem Zugexerzieren von Männern der Gießener Freiwilligen Feuerwehr unter uuuues geirum dem Kommando des Zugführers H e i ß l e r und Verlaufs wird beim Abteilungsexerzieren der in einem einheitli-1 erlangt haben, chen Block zusammengefaßten beiden Wehren unter
Pünktchen im All.
Äon Werner Schumann.
So fängt es an: zwischen Himmel und Erde er- idjeint im hellen Mittagslicht plötzlich ein dunkles Pünktchen, wie aus einer unsichtbaren Perlenschnur gefallen. Nicht größer ist es als ein Studenbrum- mer im Herbst, wenn das gelbe und rotbraune Laub fällt. Kein menschliches Auge kann wahrneh- anen, ob es steigt, fällt oder schwebt. Jedermann uuf dem großen Hofe geht seiner Arbeit nach, ohne :>en Kopf zu heben. Die Eimer klappern, fröhlich charren die Hühner auf dem Misthaufen, und zuweilen muht dumpf und langgezogen eine Kuh.
Unferbes wird das Pünktchen im Mittag ein wenig dunkler und größer. Es bewegt sich also auf ;iie Erde zu.
Da sieht Lisa, des Bauern Frau, die mit dem kleinsten auf dem Arm am Küchenfenster steht, iiie Glucke mit schiefem Kopf erregt nach oben äugen. Lisa weiß, wie Glucken sich gebärden, wenn Befahr im Verzüge ist. Aber in diesem Augenblick, in sie das hilflose Kind an der Brust fühlt, hat sie leas Empfinden, als habe sie so das mütterliche, surchtgejagte Tier da auf dem Hofe noch nie ge= I hen und gehört: in so grauenvoller Angst vor ter Vernichtung durch den Todfeind, so völlig allein imd ohne Beistand, so ganz auf sich gestellt in den l^chgespannten Sekunden der Entscheidung, wild und beschwörend nach den Küchlein gackernd.
. In unhörbaren Spiralen, immer näher und räher, immer enger und drohender schleifend, naht sch der Hühnerhabicht.
Die Frau möchte das Fenster aufreißen und über dm Hof den Mägden zuschreien: Berta, Anna, Wally, schützt mir die Küchlein! Denn es ist ihr, als eie die Gefahr auf ihr Kind zu, als sei der verderbenbringende Schnabel des Raubvogels nach 1 bim Herzen des Kleinen gezückt. Hnd weiß doch in b.ir gleichen Schrecksekunde, während sie gequält mit bim Fuße aufstampft und unwillkürlich die Hand schützend auf das Gesicht des Kindes legt, daß, nsnn sie tatenlos zuschaut, keine Macht der Erde den Imgischen Kampf der Henne wird abwenden kön- nm. Doch in Sekundenschnelle vollzieht sich die t'agöbie mit der unwiderstehlichen Gewalt eines
!tl mentaren Ereignisses
Lautlos und gelassen vollführt der aschgraue Räuber seine letzten Schleifen. Riesengroß, unüber- vmdlich mag er der Henne erscheinen, die ihn, nachdem sie mit einer Ausnahme alle ihre Küchlein Utter den Flügeln versammelt hat, einsam auf dem pnfjen Hofe erwartet. Ist nicht alles, was bei ihr
schwach und verkümmert erscheint, bei dem unauf- halsam niederschwebenden starken Vogel zur tödlichen Waffe ausgebildet: die Krallen, der wie ein gekrümmter Dolch nach unten gezückte Schnabel, das mächtige Flügelpaar, die wunderbare Schärfe der Augen, die in himmlischen Höhen das Gewürm der Erde verfolgen?
Alle Federn der armen Henne find gesträubt in verzweifelter Kampf- und Abwehrbereitschaft. Atemlos sieht es die Frau am Küchenfenster.
Nur ein winziges, dottergelbes Ding schilpt jämmerlich im Stroh. Es scheint festgehakt und piepst nun zum Gotterbarmen auf verlorenem Posten. Wie von unsichtbaren Furien gejagt war das flaumig-zarte Kükengetier unter die mütterlichen Flügeldecken geeilt — es allein blieb zurück. Hnd in der Frau, die dies alles haarscharf wahrnimmt, zucken rasch Gedanken auf an Verfolgungsträume, da es den Menschen, der der nahenden Gefahr nicht mehr entrinnen kann und mit bleiernen Füßen an der Erde klebt, plötzlich am Schlafittchen packt: den Letzten holt halt immer der Teufel.
Hnd auf den letzten aus der Kükenschar stürzt sich jetzt, mit angelegten Flügeln und den diamant- scharfen Schnabel voran wie ein Geschoß niedersausend, der Hühnerhabicht.
Dies ist fein Kampf, kein Kräftemessen, und wie die spitze Waffe des fliegenden Räubers in den Flaum und warmen Leib des Küchleins fährt, ist es auch schon hinüber. Kein Glied zuckt mehr, kein Tünchen kommt aus dem dünnen Hals. Aber mit Flügelrauschen und hackendem Gegacker setzt, nein fliegt jetzt, des Mißverhältnisses nicht achtend, die Glucke auf den Todfeind. Hnd sie schlagen sich die Schnäbel ins Gefieder und in die Brust, der wütende kleine Vogel dem beinahe adlergroßen, daß die blutbefleckten Federn zur Seite stieben. Heiß bäumen sich ihre Körper auf. Die Henne taumelt plump mit zuckenden Flügeln. Der Großknecht und die Mägde wollen zu Hilfe eilen, ehe es zu spät ist. Lisa, des Bauern junge Frau, lehnt mit glühendem Gesicht aus dem Fenster. Die Küchlein rennen sinnlos nach allen Richtungen über den weitläufigen Hof.
Doch die Entscheidung ist schon gefallen — anders, als alle glauben.
Das Huhn, mit einem letzten Kraftaufwand, hat ins Auge des Habichts gezielt. So traf die Schleuder Davids die Stirn des Riefen Goliath. Das starke Tier schwankt und versucht die Schwingen zu heben. Aber noch ehe es sich davonfliegend retten kann, verliert es in einem wahren Hagel von Schnabelhieben auch das zweite Auge und prallt nun wie
ein schwerer Bolzen flügelschlagend gegen die Stalltür.
Da stehen nun die Melker und Mägde um die junge Bäuerin geschart und starren auf die Henne, die schon wieder das Kükenvolk lockt, und auf den gefällten Raubvogel, dem ein Schlag mit der Forke ein rasches Ende bereitet.
Amen, entfährt es Lisa aufatmend, und als die gute, tapfere Henne wie zuvor und als wäre gar nichts geschehen, inmitten ihrer Küchlein — nur eines fehlte — nach Samen und Larven suchte, fühlte sie es plötzlich heiß in ihren Augen.
Sonst regte sich niemand auf da auf dem Hofe, jedweder ging wieder an seine Arbeit, nur die Hühner hielten sich in respektvoller Entfernung vor dem gestürzten Habicht. Man ließ ihn liegen, damit ihn abends noch der Bauer bestaunen könne. Aschgrau lag er da mit halbgeöffnetem Schnabel, ein trauriges Häuflein, das weder Mitleid noch Phantasie in Aeols Reich zurückzuholen vermögen: Pünktchen im All.
Zeitschriften
Aus Anlaß der Deutschlandreise Mussolinis bringt die „Illustrirte Zeitung Leipzig" in ihrer letzten Ausgabe mehrere Beiträge, die im Zeichen der deutsch-italienischen Freundschaft stehen. Besondere Hervorhebung verdient das Geleitwort des Reichsaußenministers Freiherrn von Neurath, der auf die Bedeutung der Achse Berlin—Rom für den Frieden Europas eingeht und dem Duce einen herzlichen Willkommensgruß entbietet. Dr. Karl Megerle schildert den Weg zum italienischen Imperium und zeigt in Bild und Wort die gewaltigen Erfolge, die das faschistische Italien im Ausbau seines Kolonialreiches zu verzeichnen hat. Heber den Aufbau der faschistischen Partei unterrichtet der Artikel „Palazzo Littorio", in dem das Verwaltungsgebäude der faschistischen Partei und die Arbeit ihres Generalsekretärs Starace gewürdigt werden. Bilder von dem italienischen Film „Scipione Asri- cano" schließen sich an. Die Beiträge über Italien werden mit einem Aufsatz von Pros. Dr. Beroe über Cäsar Augustus, den Gründer des römischen Imperiums, abgeschlossen, der am 23. September des Jahres 63 v. Chr. geboren wurde
dod)fd)uinad)Hd)ten
Dem ao Professor Dr. Karl Lohmann ist unter Ernennung zum Ordinarius der Lehrstuhl für Physiologische Chemie an der Hniversität Berlin übertragen worden.
Hartnäckige Zerstreutheit.
Heber Robert Bunsen, den großen Chemiker, sind viele Geschichten im Umlauf, die feine ungewöhnliche Zerstreutheit zeigen. Einen Höhepunkt stellt aber doch ein Erlebnis dar, das Sir Henry Roscoe, einer seiner persönlichen Schüler, der viel für die Einführung deutscher Wissenschaft an den englischen Universitäten getan hat, erzählt.
Bunsen war ein eifriger L'Hombre-Spieler, und eines Morgens, während er noch zu Bett lag, sagte er au seinem „Stiefelfuchs" Oelhäuser, einem Manne, der des Morgens zum Schuhputzen und Kleiderreinigen ins Haus kam: „Legen Sie mir meinen Frack zurecht, Frau Geheimrätin Schultz hat mich heute zu einer L'Hombrepartie eingeladen."
2lls Oelhäufer am nächsten Morgen ins Haus kam, fand er des Hofrats Frack unberührt auf demselben Fleck liegen, wo er ihn tags zuvor hingetan hatte. „Herr Professor", sagte er, „Sie haben Ihren Frack ja gar nicht angehabt!" „Ach Gott", rief Bunsen, „das habe ich ganz vergessen. Na, macht nichts." Damit drehte er sich im Bett herum, zündete sich nach seiner Gewohnheit eine Zigarre an und dachte eine Weile nach. Dann brummte er für sich: „Ich weiß schon, was ich tue."
Am Abend dieses Tages zog er seinen Frack an und ging zur festgesetzten Zeit in das Haus der Dame, als ob er für diesen Abend eingeladen wäre. Frau Geheimrätin war zu höflich, ihm zu sagen, daß er sich in dem Abend geirrt und die Gesellschaft bereits gestern stattgefunden hätte; sie schickte vielmehr zu ihren Freunden und ließ ihnen sagen, Professor Bunsen sei unerwartet gekommen, ob sie nicht heute noch einmal zu einer Partie herüberkommen wollten. Hnd so sand sich die Partie auch wirklich zusammen.
Das Beste sollte aber noch kommen. Während die Gesellschaft spielte, lenkte sich das Gespräch auf das angesichts des berühmten Gastes heikle Thema der Zerstreucheit. Der aber war gar nicht betroffen, im Gegenteil, er steuerte selbst eifrig eine Geschichte bei, die ihm einmal passiert sei: „Er habe eine Einladung vergessen, und bann sei ihm eingefallen, daß er sich am besten aus der Verlegenheit helfen könnte, wenn er so täte, als ob die (Einlabung erst für den nächsten Tag gelautet hätte, kurz, er erzählte der Gesellschaft die ganze Geschichte und hatte vollkommen vergessen, daß sie ihm eben erst passiert war, und daß die Gesellschaft auf Grund feines „guten Einfalls" hier beisammen saß.


