M. 225 Erste? Blatt
187. Jahrgang
Montag, 27. September 1957
Gießener Anzeiger
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Mussolini und der Führer bei Krupp in Essen.
Der Duce besichtigt Deutschlands Waffenschmiede im Ruhrrevier.
Begeisterter Empfang aus dem Essener Hauptbahnhof.
Essen, 27. Sept. (DRB. Funkspruch.) Der italienische Regierungschef Benito Mussolini traf am Montag um 8.07 Uhr in der Krupp st ad» Essen ein, um hier der Waffenschmiede Deutschlands einen Besuch abzustatten Er wurde auf dem festlich geschmückten Bahnsteig vom Führer und Reichskanzler Adolf Hitler erwartet, dessen Sonderzug eine Viertelstunde früher nach Essen gekommen war.
Der Essener Hauptbahnhof hat sich über Nacht völlig verwandelt. Die nüchterne Bahnhofshalle, die Bahnsteige und Durchgänge sind fast verschwunden hintereinemMeervon Fahnen, dem Grün der Girlanden und dem Schmuck der Blumen. Girlanden, von denen die Flaggen des Reiches neben denen des italienischen Faschismus herabhängen, Überspannen die weite Bahnhofshalle, während Teppiche mit den Symbolen des Dritten Reiches über den Treppenaufgängen aufgespannt sind. Bis zum Hauptausgang find die Wände völlig in den deutschen und italienischen Farben verkleidet und mit frischem Grün umkränzt, während das schlichte Lila des Heidekrauts die Treppenaufgänge umsäumt. Das farbenprächtige Bild, das sich vom Bahnsteig aus entrollt, wird umrahmt von dem festlichen Schmuck, der von den Gebäuden der Innenstadt herübergrüßt. Auf den Straßen sieht man vom Bahnsteig aus die vieltausendköpfige Menge, die seit Stunden hier ausharrt, um Den Gründer des italienischen Imperiums und den Führer und Reichskanzler mit herzlichen Kundgebungen zu grüßen. Die Fenster, ja sogar die Dachvorsprünge werden von der erwartungsfrohen Menge dicht besetzt gehalten.
Ml begeisterten Heilrufen begrüßte die Wenge, die sich zu Taufenden hinter den Absperrungskellen drängte, bei Eintreffen des ersten Sonderzuges den Führer. Rur wenige Minuten vergingen, bis auch Mussolini in einem zweiten Sonderzug in der Kruppstadt eintraf, ebenfalls mit grenzenlosen Begeisie- rungskundgebungen empfangen. Der Führer und Reichskanzler, der den Sonderzug seines Gastes auf dem Bahnsteig erwartet hatte, begrüßte den Duce, dem anschließend Gauleiter und Polizeipräsident SS-Obergruppenführer
Weitzel vorgestellt wurde.
Als Mussolini und der Führer den Bahnhofsvorplatz betraten, wurden sie von Kundgebungen der
Begeisterung und Verehrung empfangen, die nicht zu überbieten waren. Die Hellen Stimmen der Jugend vor allem, die sogar die Triumphpforte erklettert hatte und überall zwischen den Beinen der SS.-Absperrung hindurchlugte, klangen heraus. Nachdem Mussolini mit dem Führer die Front der Ehrenkompanie der SS. - Standarte „Deutschland" abgeschritten hatte, bestiegen sie den Wagen, um durch die Hachestraße am Bahndamm entlang z u den Kruppschen Werken zu fahren. Den Bahndamm hielten die Pimpfe besetzt. Ganz langsam fuhren die beiden Führer durch die Menschenmauern, die nicht müde wurden, ihnen zuzujubeln. In der Thomaestraße war ein Uebergang von einem Werk zum anderen mit Girlanden und Fahnen zu einer schlichten Triumphpforte gestaltet worden. In der Fabrik selbst rauchten die Schlote, dröhn-
Begeisterter Mel u
Geradezu über Nacht hat sich die Stadt geschmückt, wie nie zuvor, und mit ihr das ganze Gebiet zwischen Rhein und Ruhr. Schon seit den frühen Morgenstunden dröhnen die Straßen vorn Marschtritt der zum Ehrendienst anrückenden schwarzen Kolonnen. Mit dicken Mänteln und Decken gegen die Frische der klaren Herbstnacht geschützt, mit Tagesproviant, mit Klappstühlen und allen möglichen anderen Sitzgelegenheiten ausgerüstet, eilten jung und alt, groß und klein, ganze Familien und Nachbarschaften der Innenstadt zu, um an den Durchfahrtsstraßen, durch die der Duce und der Führer ihren Weg nehmen, noch ein Plätzchen zu erhaschen. Haushohe Fahnenmasten mit wehenden Flaggen beider Nationen säumen den Weg. Fahnen und Fähnchen, Tannengirlanden und Blumen schmücken Häuser und Straßen.
300 Meter vom Bahnhof brandet sonst der Verkehr über eine der wichtigsten Ausfallstraßen der Großstadt. Durch sie geht nun der Triumphzug des Führers und seines hohen Gastes. Unbeschreiblich ist hier die Wucht des Menschenstromes. Die Absperrmannschaften haben viel Arbeit, aber wie ein Band aus elastischem Stahl hält die Kette der SS. immer wieder den Anprall auf. Das Bild ist bunt und voller Leben. Oberhalb der Hachestraße zieht der eiserne Schienenstrang der Hauptstrecke nach dem westlichen Europa. Geschwärzt vom Rauch der Lokomotiven sind die Mauern und Brücken. Aber heute überflutet sie ein einziges Flaggenmeer in den Farben Italiens und des Reiches. Ein kleiner Wald von jungen Birken säumt den Schienenstrang. An den Fahnenmasten klettern die
ten d i e Hämmer. Was sich nur gerade hatte frei machen können, zeigte sich i n d e r Arbeitstracht an den Fenstern und hob den Arm zum Gruß. Vor der Hauptverwaltung hielt die Wagenkolonne und Mussolini und der Führer betraten, nachdem sie zunächst den Kriegs- und Arbeitsopfern ihren Gruß entboten hatten, das W e r k s g e l ä n d e. In ihrer Begleitung befanden sich der italienische Außenminister Graf C i a n o mit dem Reichsaußenminister Freiherrn von Neurath, der Generalsekretär der Faschistischen Partei, Minister S t a r a c e mit dem Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, Minister für Volkskultur A l f i e r i mit dem Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels. Mit den Sonderzügen trafen weiter der italienische Botschafter in Berlin, A11olico, und der deutsche Botschafter in Rom, v. Hassel, ein.
m Führer und Duce.
Hiilerjungen hoch, an Maueroorsprüngen und Betonpfeilern kleben sie wie die Kletten, von den Dächern der Güterwagen jubeln sie dem Führer und dem Duce zu. Ein kleiner Balilla-Junge in der Uniform seines Verbandes marschiert stolz mit seinen Eltern vorbei. Herzlich grüßen ihn seine deutschen Kameraden. Die Woge der Begeisterung, die tosenden Heil-Rufe gehen weiter und begleiten den Führer und feinen Gast.
Am Thomae-Platz, am Eingangstor zur Kruppschen Guß-Stahlfabrik, am Eingang des Segeroth- Viertels, das in den schweren Jahren des Niedergangs und der Arbeitslosigkeit so „roten" Stadtteils, der heute die treuesten Gefolgschaftsleute des Führers stellt, sind die Häuser und Straßen besonders reich geschmückt. Auf dem Wege zum Hauptverwaltungsgebäude der Krupp- Werke klingt auch heute aus den weiten Werkshallen das gewaltige Lied der Arbeit. Doch auch der Lärm wird übertönt von den Rufen der Begeisterung, die Mussolini und dem Führer entgegenschlagen. Von den Dächern der Werkshallen, aus den Fenstern der Werkstätten schallen laute Heil- Rufe. Gegenüber dem Verwaltungsgebäude grüßt das Zeichen der NSKOV. Kriegsopfer haben hier mit ihren Fahnen einen Ehrenplatz erhalten und — in der Vorbeifahrt sich wendend — grüßen Mussolini und der Führer mit erhobenem Arm und aufrecht im Wagen stehend ihre Kameraden. Durch das Haupteingangstor des Werkes geht der Zug, um vor dem Hauptoerwaltungsgebäude zu halten
Oer Führer mit dem Duce bei den Wehrmachtsmanövern in Mecklenburg. Begeisterte Begrüßung durch Soldaten und Schlachtenbummler im Manövergelände.
Im Manöverfelde, 26. Sept. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht Adolf Hitler, traf am Sonntagvormittag mit Mussolini im Manöveraelände ein. Zum Empfang hatten sich auf bem Bahnhof Lalendorf in Mecklenburg eingefunden der Reichskriegsminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht Generalfeldmarschall v. Blomberg, der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe Generaloberst Göring, der Oberbefehlshaber des Heeres Generaloberst Freiherr von Fritsch, der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Generaladmiral Dr. h c. Raeder, der Staatssekretär im Reichsluftfahrtministerium General der Flieger Milch, der Chef des Generalstabes des Heeres General der Artillerie Beck, der Chef des Marinekommandoamtes Konteradmiral Guse, der Chef des Generalstabes der Luftwaffe Generalleutnant (Stumpff, der italienische Generalstabschef Marschall B a d o g l i o sowie die übrigen Mitglieder der italienischen Wehrmachtdelegation und die italienischen Wehrmachtsattaches. In Be- gleitung Mussolinis befanden sich u. a. der italienische Außenminister Graf C i a n o, Parteisekretär Minister Starace sowie die Herren vom deuten Ehrendienst, unter ihnen Reichsminister Dr. Frank und General der Infanterie L i st. Mit dem Führer, in dessen Begleitung sich die Wehrmachtsadjutanten Oberst Hoßbach, Korvettenkapitän von Puttkammer und Hauptmann von Below befanden, kamen u. a. der Stellvertreter des Führers, Reichsaußenminister Freiherr von Neurath, Reichsführer SS. Himmler, Botschafter von Ribbentrop und die Adjutanten des Führers.
Dom Bahnhof Lalendorf begaben sich Mussolini und der Führer unmittelbar in das Manöver- gelänbe zu den kämpfenden Parteien. Auf dem ersten Beobachtungspunkt bei Belitz standen der Duce und der Führer mitten in der Stellung der 30. roten Division, vor der der Angriff der blauen Division ins Stocken geraten war. Unter Einsatz von starker Artillerie, Jagdfliegern und schließlich auch Kampfwagen, die dicht an dem Beobachtungs
punkt Mussolinis und des Führers oorbeirollten, gelang es, den blauen Angriff wieder in Gang zu bringen. Das lebhafte Interesse der Gäste fand das von Generalmajor Übet geführte Kleinflugzeug „F i e s e l e r - S t o r ch", bas seine Lanbungs- unb Aufstiegsmanöver vorführte. Auf bem Wege zur nächsten Beobachtungsstelle bei Stielow fuhren ber Duce unb ber Führer bicht hinter ber roten Stellung bei ben Reservetruppen, Minenwerfer
stellungen unb Infanteriegeschützen vorbei. Von Stielow aus konnte man ben Angriff ber blauen 12. Division im raschen Vorwärtsschreiten erkennen. Bei ber Weiterfahrt bot sich ben Gästen unweit DaIwitz bas Bilb eines starken roten Gegenangriffs gegen ben hier tief in bie roten Verteidi- gungsftellungen eingebrochenen Feinb.
Der Duce und ber Führer setzten sobann hinter ber roten Front mitten durch bie Stellungen der
Der Duce und ber F ü h r e r auf ber Fahrt durch das Manövergelände. Hinter dem Führer (ein Adjutant, Oberst Hohbach. —- (Scherl-Bilderdienst-M.)
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roten Artillerie und Flakartillerie hindurch ihre Fahrt bis zum Schmocksberg bei Tolzin fort. Vor den Höhen beiderseits des Schmocksberges war der Angriff der blauen 23. Division im Feuer der roten Abwehrmassen ins Stocken geraten. Um ihn wieder in Gang zu bringen, setzte Blau nunmehr seine Luftwaffe zum Eingreifen in den Kampf ein. Hunderte von Kampfflugzeugen gehen mit Bomben und MG-Feuer gegen die roten Angreifer vor. Gleichzeitig setzt Blau starkeKampf- wagenverbände ein, die sich in großer Ausdehnung und Tiefe gegen das von Rot besetzte Höhengelände vorwärtswälzen. Trotz der starken Abwehr gelingt es den Kampfwagen bald, in die rote Verteidigung einzubrechen und der nachfolgenden Infanterie Den Weg zu bahnen. Ein eindrucksvolles Bild einer modernen Schlacht wickelt sich vor den Augen des Duce und des Führers ab. Auf der Höhe des Schmocksberges nahm ber Führer unb Reichskanzler Gelegenheit, bie englische unb bie ungarische M a - nöoerbelegation zu begrüßen, bie ihm vom Reichskriegsminister, Generalfelbmarschall von Blomberg, vorgestellt würben.
Die zahllosen Schlachtenbummler, bie sich zu vielen Tausenben im ausgebehnten Manöver- gelänbe eingefunben hatten, bereiteten bem Duce unb bem Führer auf ber Manöverfahrt immer wie- ber begeisterte Kunbgebungen, in allen Dörfern unb Ortschaften, bie ber Führer unb sein Gast berührten, begleitete sie stürmischer Jubel. Jebes Haus, auch bie kleinste Ortschaft, trug reichen Flaggen- unb Girlanbenschmuck. In ben begeisterten Heilrufen ber Tausenbe kam ihre freubige Ueberraschung über ben unerwarteten Besuch bes Duce unb bes Führers zum Ausbruck. Den Soldaten, die hinter der Front dem Duce und dem Führer begegneten, leuchtete die große Freude aus den Augen, daß sie den Gründer des faschistischen Imperiums und den Führer des neuen Deutschlands von Angesicht zu Angesicht sehen konnten.
Auf ihrer anschließenden Bahnfahrt nach Kröpelin zum Besuch des Luftwaffenübungsplatzes Wustrow wurden dem Duce unb bem Führer von ben vielen Tausenben, bie in allen Dörfern unb Stäbten bie Bahnstrecke umsäumten, erneut begeisterte Hulbigungen bargebracht. In ben Stäbten ßaage, Rostock unb Bab Doberan stauben bie Massen bicht gedrängt auf den Bahnsteigen. Die Musikzüge der Gliederungen grüßten den Duce und den Führer mit den Nationalhymnen. Brausende Heilrufe erfüllten die Bahnhofshallen, als die beiden Sonderzüge langsam durchfuhren. Ganz Mecklenburg hatte mit dieser Fahrt des Duce und des Führers durch das Manövergelände ein großes unvergeßliches Erlebnis.
Flakfchießen in Wustrow.
Der Führer gab auf der Fahr» nach Kröpelin in seinem Sonderzug dem italienischen Generalslabs- chef Marschall B a b o g 1 i o unb ben Unterstaatssekretären patiani, Flollenabrniral Lava- g n a r i unb General Valle ein Essen. Zu gleicher Zeil waren ber Oberbefehlshaber ber Wehrmacht, Generalfelbmarschall v. Blomberg, unb ber Oberbefehlshaber ber Luftwaffe. Generaloberst Göring. Gäste bes Duce in seinem Sonber- zug. 3n Kröpelin unb auf ber Fahrt nach Wustrow sehen sich am Sonntagnachmittag bie Kunbgebungen der Bevölkerung, bie zu Zehntausenben an ben Straßen Ausstellung genommen hatten, mit größter Begeisterung fort. Auf bem Uebungsplah TB u ff - row zeigte bie Luftwaffe ben italienischen ©äffen Flakschießen unb Zielschießen mit ben verschiebensfen Kalibern. Anschließenb fanden Flugvorführungen unb Besichtigungen von Flugzeugtypen statt. Zu ben Vorführungen hatten sich mit bem Oberbefehlshaber ber Luftwaffe, Generaloberst Göring, zahlreiche höhere Offiziere der Luftwaffe eingefunben.
Der Empfang
in der Reichshauptffadt.
Ganz Berlin nimmt an der großen Kundgebung am Dienstag teil.
Berlin, 26. Sept. (DNB.) Arn Montagnachmittag wird Mussolini in der Reichshauptstadt eintreffen, und zwar werden die beiden Sonderzüge etwa um 17.30 Uhr auf dem Bahnhof Heerstraße ankommen, der für den Empfang des hohen italienischen Gastes würdig hergerichtet worden ist. Aus dem Bahnhof werden die Mit- glieber des Reichskabinetts vom Führer dem Duce vorgestellt. Der Führer und der Duce werden bann die Front des Ehrenbataillons der Wehrmacht, das vor dem Bahnhof auf dem nördlichen Fahrdamm der Heerstraße aufgestellt wird, abschreiten und sich im Kraftwagen zum Hause des Reichspräsidenten begeben, wo der Duce während seines Berliner Aufenthaltes Wohnung nehmen wird. Am Abend findet in den Räumen des Führers in der Reichskanzlei zu Ehren des italienischen Gastes ein Staatsempfang statt.
An der Kundgebung der Reichshaupt- st a ö t am Dienstag, dem 28. September, wird d i e werktätige Berliner Bevölkerung geschlossen teilnehmen, sowohl bei der Ehren- aufstellung an der Feststraße wie bei der Kundgebung auf dem Maifeld. Die Ausstellung beginnt am Brandenburger Tor und verläuft durch den Tiergarten am Deutschen Opernhaus vorbei zum


