Nach der Befreiung Santanders
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Bücherbord befanden sich wahrhaftig Blumen, wenn auch längst welk. Das alles hatte er noch nie bemerkt, obwohl man zehn Stunden am Tag hier arbeitete. Es gab also Dinge auf> der Welt, die neben einem wuchsen und welkten und man wurde sie ein halbes Leben lang überhaupt nicht gewahr. Sollte das nicht auch mit fiilbe so gewesen sein? Hatte man eigentlich in den letzten Jahren eine besinnliche Stunde gehabt? Der Beruf, der Ehrgeiz, die anderen, die einem über den Kopf wuchsen, wenn man nur eine Stunde zu rasten begann. Wie gesagt — die Dinge fraßen einen auf.
Wo nur Hilde jetzt bloß sein konnte? Berge wollte sie wieder einmal sehen und weite grüne Wiesen. Herrgott, das alles wollte er doch auch! Wenn sie es nur vernünftig vorgebracht hätte. Er hätte sich schon überzeugen lassen. Man war eben eingesponnen in die allzu lauten Forderungen des Tages.
Während er noch über diesen Zwiespalt grübelte, fiel draußen eine Karte durch die Briefklappe. Mit einem Satz war Werner an der Tür.
Verständnislos betrachtete er die Postkarte, deren Schriftzüge beinahe unleserlich geworden waren. Toll! Die Karte stammte sogar von seiner eigenen Hand, war von ihm selbst geschrieben, an seine Stadtwohnung gerichtet und vor genau zwei Jahren auf einer Gipfelhütte aufgegeben worden! Und jetzt fing die Geschichte langsam zu dämmern an. Richtig: Heute vor zwei Jahren war er doch mit Hilde auf der Hochzeitsreise gewesen — nach St. Ulrich im Grödner Tal. In aller Herrgottsfrühe waren sie damals gemeinsam aufgestiegen, mit Seil und Mauerhaken die Sella-Nordwand durchklettert und hatten sich dann oben, total erschöpft, aber stolz über die gemeisterten Schwierigkeiten, die Hand gegeben. Es war eine Art Gelöbnis damals und — jetzt erinnerte er sich auch wieder des kleinen Vorfalls _ Hllde hatte hinuntergedeutet auf die brauende und brodelnde Nebelhölle und dann auf die Postkarte geschrieben: „Wirst du auch immer daran denken, wenn wir wieder „drunten" sind, daß oben i die Sonne schien?" — Ja, da stand ja auch auf der Karte seine Antwort, die er aus Ulk an den Rand : gekritzelt hatte: „Ich schwöre es!" — Hierauf hatte , Hilde dieses Wahrzeichen schöner Stunden nach : Hause adressiert, um seinem Gedächtnis auch nach - der Hochzeitsreise wieder auf die Beine zu helfen, i Natürlich hatte er die Karte längst vergessen.
Bisher 900000 Besucher auf der Ausstellung „Entartete Kunst".
München, 26.Mug. (DJtB.) Der rege Besuch der Ausstellung „Entartete Kunst" nimmt noch ständig zu. ) eder Sonntagbringtfaft immer über 40000 Besucher aus dem Reich und dem Auslande. Damit werden die Tendenzmeldungen gewisser Auslandsblätter. die die hier zur Schau gestellten Produkte jüdischer Zersetzung glauben verteidigen zu müssen, glänzend widerlegt. 900 000 Besucher haben bisher schon Gelegenheit gehabt, diese „Erzeugnisse" einer überwundenen Kunstepoche zu besichtigen und sich ihre Meinung darüber zu bilden. Da das Interesse an der Ausstellung gerade auch im Auslande immer noch wächst, werden zweifellos noch zahlreiche ausländische Besucher Gelegenheit finden, die ausgestellten Machwerke besichtigen und ihr Urteil mit den gehässigen Berichterstattungen jener Blätter zu vergleichen.
Die weiße Fläche zeigt die spanischen Gebietsteile, die von der Franco-Regierung besetzt wurden. In den gestrichelten Teilen sitzen noch die Bolschewiken. Das neueroberte Gebiet von Santander ist gepunktet. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Seltsam — der Poststempel stammte von vorgestern. Aber die Karte war schon vor zwei Jahren geschrieben. Ob Hilde etwa? ...
Werner war mit einem Schlag lebendig geworden und rannte nach dem Kursbuch. Wenn man den Nachtschnellzug benutzte, konnte man morgen in aller Frühe in St. Ulrich sein!
Unter der Last von Rucksack und Koffern erstickten sämtliche Pläne und Entwürfe auf dem Schreibtisch. Werner kam sich vor wie eine Schlange nach der Häutung. Irgendwo drinnen in der Großstadt mußte die alte, schimmlig und rissig gewordene Alltagshaut liegen. Die Räder des Schnellzugs aber trugen Werner einem neuen Tag entgegen.
Wie damals, am Tage seiner Hochzeitsreise, waren die Berge in dichten Nebel verhüllt und gaben die Erfüllung nur dem, der in heißem Mühen darum warb. Wieder stieg Werner in dem kleinen Gasthof ab, und wieder blühten Alpenrosen auf der holzgeschnitzten Veranda. Nur das Zimmer — Werner erinnerte sich genau an den alten Zirbelkasten — war leider schon besetzt. Auch Luis, der Bergführer war noch da. Werner sah verwundert in das kantige, von zahllosen Wetterfurchen zerpflüg! e Gesicht des Bergführers, der ihn freundlich begrüßte: „Freut mich schon recht, daß der Herr wieder kommt. Gestern hab ich die Frau führen müssen — sie ist droben auf der Hütte geblieben. Hat g’meint, der Herr wird wohl heut oder morgen eintreffen ..."
Werner schüttelte ihn mit einem harten Griff: „Luis, ist das wahr? Hilde, meine Frau, ist droben?" ... — Nicht sonderlich verwundert — hatte er doch schon mit den Städtern die merkwürdigsten Erfahrungen gemacht — blickte der Bergführer in die vor Freude funkelnden Augen des Fremden: „Sell schon — aber sie ist nimmer so gut gftiegen — das Frauerl als wie selbigsmal ..."
„Luis — wie steigen sofort auf!" — „Js mir grab recht", erwiderte lachend der Luis und rollte die Seilschlingen um die Achsel. „Wenn der Herr gut steigt — in sechs Stunden sind wir oben!" ...
Der Luis hatte aber kaum Zeit, Haken zu schlagen, und mußte mehrmals warnen: „Nit so gach — am Anfang immer stad auffi!" ...
Trotzdem stand Werner schon in fünf Stunden oben an der Hütte, und der Luis ging taktvoll sogleich in die Küche hinüber, denn unter der Tür stand jemand mit ausgestreckten Händen und hing
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Weizenernte durch den Staat und eine Regelung der Richtpreise beschlossen. Die Marktordnung für Weizen wurde zunächst nur schrittweise eingesuhrt, da die Organisierung der Lieferungsgenossenschaften gewissermaßen aus dem Nichts geschaffen werden mußte, weil einem Bedarf von rund 3000 bäuerlichen Genossenschaften nur ein Bestand von rund 600 gegenüberstand, die zudem zumeist auch andere Genossenschaftsaufgaben versahen. Der freie Händler mit seinen spekulierenden Tendenzen spielte gerade im Getreidehandel Frankreichs eine große Rolle. Es kämpften zwei Richtungen miteinander. Die eine wollte, daß die Bauern ihren Weizen nur an die Genossenschaften verkauften, und daß der freie Händler ausgeschaltet würde, die andere, die im Senat vertreten wurde, wollte ein Kompromiß.
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Arbeiterfürsorge hervorgehoben wirb, die für Frankreich noch heute, nach rund 60 Jahren, ein bisher noch nicht verwirklichtes Ideal ist. Jetzt hat der französische Ministerrat auch die Verstaatlichung der privaten Eisenbahn- gesellschaften beschlossen, die viele Menschenalter angestrebt, aber von einer französischen Deputiertenkammer schon deshalb nicht verwirklicht werden konnte, weil zahlreiche Deputierte mehr oder weniger von den privaten Eisenbahngesell- schaften als Mitglieder des Verwaltungsrats ober Aktionäre abhängig waren. Das Eisenbahnwesen Frankreichs ist durchweg unmodern. Private Gesell- chaften haben es in Händen, etwa 50 000 Kilometer privaten Eisenbahnstrecken stehen nur 3000 Kilometer staatliche gegenüber Wahrend bis zum Weltkriege die privaten Eisenbahngesellschaften glanzende Geschäfte machten, wurden sie in der Nachkriegszeit notleidend und mußten in immer erhoh- terem Maße vom Staate unterstützt werden, so daß im Frühjahr 1937 diese Eisenbahngesellschaften mit zusammen rund acht Milliarden Franks Aktienkapital dem Staat gegenüber mit mindestens 25 Milliarden Franks verschuldet waren Der französische Ministerrat hat nun diese Tatsache benutzt, um eine nationale Eisenbahngesellschaft zu errich- ten die die privaten Eisenbahngesellschaften verstaatlichen soll, und zwar sollen die dem Staate geschuldeten Beträge in Aktien umgeroanbelt werden, womit der Staat eine Mehrheit von etwa 80 v. H. erhalten würde. Preußen hat im Jahre 1879 die Eisenbahnen verstaatlicht, weil der Staat auf der Idee fußte, daß ein der Allgemeinheit dienendes Verkehrsmittel unmöglich van Privaten als Verdienstobjekt ausgenutzt werden könne. Dieser selbstverständliche Gedanke wird in Frankreich erst im Jahre 1937 teilweise verwirklicht werden!
Schließlich ging die Regierungsvorlage trotz aller Widerstände durch, und bereits im Frühsommer 1937 forderten die Präfekten der meisten Departements die Bauern auf, ihre diesjährige Getreideernte bei den Genossenschaften einzulagern und dem freien Handel zu entziehen. Die Vertreter der bäuerlichen Organisationen, vor allem Algeriens, , das sehr guten Weizen liefert, forderten jedoch, daß die Preise erheblich erhöht würden, da die Belastungen infolge der sozialrevolutionären Politik Blums der Bauernschaft keinen ausreichenden Verdienst mehr gelassen hätten. Ende Juni 1937 nahm die Regierung Chautemps eine vorläufige Regelung der Richtpreise vor, die aber den Forderungen der ftanzösischen Landwirtschaft durchaus nicht entsprach. Der Weizenpreis wurde auf 136 Franken festgesetzt gegen 145 Franken im Vorjahre. Diese vorläufige Regelung mußte jetzt wieder abgeändert werden, da die Erntevoreinschätzungen inzwischen überholt sind. Frankreich hat eine gute Normalernte, aber trotzdem ist ein Zuschußbedarf von mindestens 80 Millionen Doppelzentnern zu verzeichnen, während die eigene Ernte einschließlich der Nordafrikas auf etwa 78,5 Millionen Doppelzentner geschätzt wird. Da die Ernte etwas schlechter als im Vorjahre ausgefallen war, mußte der Ge- treidepreis natürlich erhöht werden, und damit trat auch eine Erhöhung der ftanzösischen Brot- preise ein. Der französische Ministerrat hat in seiner letzten Sitzung den Weizenpreis neu festgesetzt, allerdings diesen Beschluß noch nicht veröffentlicht, weil die Spekulation nicht angereizt werden soll und eine Veröffentlichung der Weizenpreise schlagartig erfolgen soll, damit die Möglichkeit spekulativer Preissteigerungen ausgeschlossen wird. Der Kampf um die Höhe der Weizenpreise beschäftigt lebhaft die französische Presse, wobei daraus hingewiesen wird, daß die bisherigen Rlcht- preise unter denen des importierten Weizens liegen, und zwar durchweg um 60 bis 70 v. H. Der Preis ist jetzt auf 180 Franken fixiert worden.
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Der Pariser „Matin" hatte eine Umfrage erlassen über die Altersversicherung der Arbeiter. Durchweg stehen die eingelaufenen Antworten auf dem Standpunkt, daß eine Entlastung des Arbeitsmarktes durch die Pensionierung von Arbeitern über 60 Jahre nicht nur sozial gerecht, sondern auch wirtschaftlich gesund sei, und es ist bemerkenswert, daß in diesen zahlreichen Zuschriften immer wieder das Vorbild der deutschen
wurde. Nur bei Kindern und Hirschen war sie beliebt. Bei den einen zum Spiel, bei den anderen zur Winterfütterung. Es ist die R o ß k a st a n i e. Und doch ist dieses Erzeugnis deutscher Erde keineswegs so gering zu schätzen, wie wir es bisher taten. Die Früchte der ungefähr drei Millionen deutschen Kastanienbäume, die einen so herrlischen Schmuck der Bauernhöfe, der Alleen und Parks bilden, sollen in Zukunft wirtschaftlich ausgenutzt werden. Die Bedeutung dieser Früchte für die Eiweiß-, Fett- und Stärkegewinnung soll in Zunkunft durch gründliche Sammlungen, die van Ende September bis Ende Oktober im ganzen Land veranstaltet werden, besonders unterstrichen werden. Die gesammelten Früchte werden den Ka- stanienwerken zugeleitet. Das deutsche Kornbrenne- reigewerbe wird, wie im neuesten Heft der Zeitschrift „Der Dierjahresplan" ausgeführt ist, die gesamte Finanzierung der ersten „Kastanienwerke auf sich nehmen. Bereitet wird in Zukunft aus den Kastanien ein Oel, das einmal zu technischen Fetten verarbeitet, zum anderen in der Seife n i n d u st r i e Verwertung findet. Mit dem anfallenden Kastanienschrot werden wir in die Lage versetzt unsere 1200 Kornbrennereien einen „Teil ihres Brennrechts abarbeiten zu lassen". Wir ge- roinnen eine besonders gute und reine S t a r k e, die sich für die Lebensmittelindustrie an Stelle von Reis- und Maisstärke eignet. Die Kastanie ist mit einem Wort ein neuer Beweis für die Tatsache, daß es noch immer verkannte Werte in unserer Volkswirtschaft gibt. Werte, die der Würdigung harren.
Wohnungen und Geschäfte nur mit Muhe von etwa 50 Beamten der Guardia Civil und Freiwilligen abgewendet werden konnten. Havas meldet, daß in Santander seit I ul i vergangenen Jahres von den Bolschewisten 1 3 0 0 P e r» fönen erschossen worden sind. Noch in der Nacht zum Dienstag wurden 13 Angehörige der Rechtsparteien ums Leben gebracht. 3 0 0 0 befangene konnten nach dem Einmarsch der Franco-Truppen ihre Freiheit wieder erlangen Die Strahenkämpfe, die sich am Vorabend der Uebergabe zwischen bolschewistischen Milizen und Franco-Treuen abspielten, forderten insgesamt 30 Todesopfer.
Der nationalspanische Heeresbericht meldet, daß bereits am Mittwoch außer den Orten Laredo und Santona an der Meeresküste im Osten von Santander die Ortschaften Limpias und Colin» d r e s erobert wurden, lieber die Zahl der Ge-
Frischer Wind in Hildes Ehe! -
Von Herbert A. Löhlein.
Es gibt gar feinen Zufall! Denn die Dinge um- s kreisen uns so lange, bis ihre Zeit gekommen ist, < um uns zu reifender Stunde irgendwann einmal magnetisch zu berühren.
Der Architekt Werner schob den ganzen Stoß von Entwürfen und Plänen, die feinen Zeichentisch bedeckten, mißmutig von sich weg. Soviel er sann und grübelte — die Gedanken nahmen keinerlei Gestalt mehr an. Denn seit Hilde aus dem Hause war, hatten die Zimmer nichts als Wände.
Werner wußte genau: Oben links in der Schreibtischschublade lag die kleine pastellgrüne Briefkarte mit den steilen, voller Ueberlegung geschriebenen Buchstaben: .. du denkst in Häusern, Grundrissen und Entwürfen. Alle Zündholzschachteln und Zeitungsränder sind voll davon! Ich gehe wie ein Schatten durch das Haus, denn du darfst ja nicht gestört werden. Wir haben auch kein Kind ..."
Wider Willen zuckte Werners Hand nach der Schublade. Aber es hatte ja keinen Zweck, die Karte zum hundertsten Male zu lesen. Der letzte Satz lautete unwiderruflich: „... darum gehe ich. Einmal möchte ich wieder Blumen sehen, weite grüne Wiesen — und Berge! Ob du überhaupt weißt, daß es all das noch gibt? ..."
Werner warf die Kalkulationen, die Leistungs- verzeichniffe und den ganzen übereinander getürmten Arbeitskram zuhauf und riß die SlfeÜerfenfter weit auf. Hilde hatte recht: In dem kleinen Vorgarten unten blühten leuchtende blaue und rote Sterne. Sonnenkringel spielten darüberhin. Don den nahen Feldern wehte ein würziger Ruch von aufgebrochener Ackererde herüber und Wolken von Staren jagten schwirrend über die Dächer.
Langsam und etwas müde setzte sich Werner in den hintersten Winkel seines Arbeitszimmers, wo Hilde manchmal still und vergessen in einem Buch gelesen und darauf gewartet hatte, bis er aus dem verwirrenden Netz seiner Pläne wieder zurückfand in die Zweisamkeit seiner Ehe. Da lagen auf seinem Tisch Aschenbecher, gehäuft voll ausgedrückter Zigaretten. Merkwürdig — eine Edeltanne stand übrigens auch hier im Eck. Und oben auf dem
Santander, 27. Aug. Der Einzug der nativ-1 naten Truppen in Santander gestaltete sich yx \ einem eindrucksvollen Triumph. Der Einmarsch wurde von mehreren nationalen Fliegerstaffeln oe- gleitet, die über der Stadt Schleifen zogen. General Davila teilte dem Stabschef General Franco mittags die Besetzung der Stadt telephonisch mit. Nachmittags konnte man General Davila in Begleitung seines Stabes in den Straßen Santanders ehen, wo er von der Bevölkerung mit großem
Jubel begrüßt wurde.
In der Stadt befinden sich zur Zeit ungefähr 20 000 Mann boljchewistiscker Milizen, die sich ergeben haben. Vor Den Kasernen liegen riesige Berge von Gewehren, Munitionstaschen usw., die den nationalen Truppen ausgeliefert wurden. Die Einwohner erklärten, daß die letzten Stunden vor der Einnahme die schlimm- gewesen seien, weil die Plünderungen der
in wenigen Sekunden zitternd vor Freude in Wer. ners Armen.
„Und die Postkarte, die jetzt erst nach zwei Jahren bei mir eintraf?" platzte Werner heraus.
„Ich habe sie erst vorgestern abgeschickt. Damals hatten sie nämlich hier oben keine Briefmarken und ich habe sie dann zwei Jahre lang vergessen. Vor einem Monat erst fand ich sie wieder in unserem alten Reiseführer. Sie hat mich erst auf diesen Gedanken gebracht. Ich hätte dich wohl anders kaum richtig wieder gefunden!" ...
Ueberm Sellajoch bis hinüber zur Tofana flammte die Sonne und goß strahlendes Licht über die zwei Leutchen, die sich wunderliche Dinge erzählten wie nach einer langen, langen Trennung! —
Zwölf Schnellzugstunden entfernt lag eine Postkarte unbeachtet im Papierkorb. Sie hatte ihren Zweck erfüllt.--
3ur Wiederbelebung der Volkskunst.
In der Erkenntnis, daß alle wahre und bleibende Kunst ihre Wurzeln im Volke hat, hat es sich die neue Porzellanrnanufaktur in Allach bei München zur Aufgabe gemacht, an die vieltausendjährige Ueberlieferung der deutschen Töpferkunst anzuknüpfen, um volkhafte Kunst zu pflegen. In der bei K. F. Koehler in Leipzig erscheinenden Monatsschrift „Germanien" bildet Hans Bauer Gesäße ab, die in der Behandlung der Oberflächen und dem Kennzeichen der Formung auf der Töpferscheibe ihre Entstehung in unserer Zeit durchaus nicht verleugnen, die sich aber in Ornament und Sinnbild bewußt den ältesten Vorbildern anschließen. So wird eine ostgermanische Urne aus der Zeit von etwa 200 v. Ehr. mit einem Mäanderornament, das aus- dem Hakenkreuz entwickelt ist, einer Urne aus Allach gegenübergestellt, die eine ganz ähnliche Zie , dazu als sinnbildliches Zeichen das Hakenkreuz auf- weist. Eine Schale schließt sich mit ihrem Muster, das eingeritzt und weiß ausgefüllt ist, an die Röße- ner Keramik an, die eine Endstufe der keramischen Entwicklung der jüngeren Steinzeit ist, während eine Urne von halbkugeliger Form ihr Gegenstück in einer altsächsischen Hakenkreuzurne von etwa 400 n. Ehr. findet. Die Arbeiten erscheinen als ein neuer Ansatz zu einer überlieferungs= und volksgebundenen Kunst im Handwerk.
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die Verstärkung des Genossenschaftswesens wurde auch dem kleinen Winzer die notwendige Wirtschaftsförderung zuteil, denn die Winzergenossenschaften sichern dem Winzer die Vorteile der gemeinsamen Unterbringung und Einlagerung der Ernte. Die Einführung von Richtpreisen ist ein weiteres Mittel zur Behebung des 9Bm3ernote ftandes. Durch die Verwendung deutscher Weine bei der Herstellung von Wermuthwei n und W e i n- essig, durch die Förderung des Verzehrs von Trauben und durch die vermehrte Trauben s u tz- mosterzeugung wurden der deutschen Rebe und dem deutschen Wein neue Anwendungsgebiete erschlossen. Aus diese Weise wird es möglich, auch den Winzerstand wieder auf gesunde Fuße zu stellen. Ein bisher wenig beachtetes Erzeugnis der deutschen Rebe, die Tra u b e n k e r n e, die bisher zumeist ihr Dasein auf dem Komposthaufen beschlossen, sollen in Zukunft zur Trau b e nkern - ölerzeugung verwendet werden. Es ist ein seines Oel, das für technische Zwecke in Frage kommt. So weit sich die Dinge bisher übersehen lassen, rechnet man damit, daß in Zukunft jährlich in Deutschland mehrere tausend Tonnen Traubenkernöl gewonnen werden können. Die Oelbereitung aus Traubenkernen ist übrigens an sich nichts Außergewöhnliches. In südlichen Ländern, besonders in Italien, wird schon seit Jahren in sorgfältigem Arbeitsprozeß aus Traubenkernen em hochwertiges technisches Oel hergestellt.
Unter den reichen Herbstgaben der Natur finbet sich eine, die bisher von uns nur wenig beachtet
Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß d a s deutsche Handwerk nicht nur seine große : Aufgabe in der Binenwirtschaft zu erfüllen weig, > andern daß es auch daran denkt, sich an derAus- uhr deutscher Handwerkserzeugmsse zu beteili- ien Es ist naturgemäß für den kleinen und nutt= eren Betrieb schwer, zu exportieren, deshalb wurde die „Ausfuhrstelle des deutschen Handwerks ge- chaff'en und in verschiedenen Bezirken Ausfuhrför- )erungsstellen errichtet. Durch diesen organisatori- chen Zusammenschluß wird es auch dem Handwerksbetriebe ermöglicht, am internationalen Güteraustausch teilzunehmen. Die Beteiligung des Reichstandes des deutschen Handwerks an der Leipziger Herbstmesse mit fast 30 Gemeinschaftständen ist ein fernerer Beweis dafür, daß das Handwerk für seine Erzeugnisse zu werben versteht Dabei werden die Gesichtspunkte der Roh- loffumstellung und der Einstellung auf das kommende Weihnachtsgeschäft besonders hervortreten Naturgemäß wird das Kun st Handwerk auf der Messe besonders stark vertreten sein, ferner das Bekleidungshandwerk und verschiedene Zweige des Baugewerbes. Die Beteiligung an der Leipziger Messe wird auch für die Ausfuhrmöglichkeiten der Handwerksbetriebe von Vorteil fein.
Der deutsche Weinbau, der bisher in der Hauptvereinigung der deutschen Gartenbauwirtschaft zusammengefaßt war, ist kürzlich aus dieser Organisation herausgenommen worden und hat eine eigene Vertretung in der Hauptvereinigung der deutschen Weinbauwirtschaft beim Reichsnährstand erhalten. Damit sind rund 200 000 Winzerfamilien mit rund 1 Million Menschen, ferner die Gesamtheit der Weinverarbeiter und der Weinverteiler in die Obhut des Reichsnährstandes gestellt worden. Diese Betreuung ist für den Winzerstand, der in diesen Tagen in Heilbronn am Neckar feine erste Reichstagung abhielt, um so notwendiger, als er, wie das gesamte deutsche Bauerntum in den Jahren der Systemwirtschaft stark vernachlässigt, durch Hereinnahme unverhältnismäßig großer Menge ausländischer Weinerzeugnisse in seinen Lebensinteressen vielfach geschädigt und zudem dadurch benachteiligt worden war, daß man die Auffassung zulieh, daß der Weinkonsum nur das Vorrecht wohlhaben- : der Kreise sei. Jetzt soll der Wein wieder , Volksgetränk werden. Zu diesem Zwecke wur- ; den in den letzten Jahren Patenweinwochen abge- । halten. Durch diese Gemeinschaftswerbung wird er- i reicht, daß einmal wieder der Geschmack am deut- , scheu Wein gefunden wird, zum anderen, daß die t Läger der Winzer und Winzergenossenschaften ge- i lichtet und damit zur rechten Zeit Platz geschaffen i wird für die Unterbringung der neuen Ernte. Durch
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