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KrJOQ Erstes Blatt

187. Jahrgang

Zreitag, 27. August 1957

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Siebener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Oie Schüsse auf den britischen Botschafter in China.

London, 26. Aug. (DNB) Wie Reuter aus Schanghai meldet wurde der britische Botschafter in China, Sir Hughes Knatchbull-Hu- g e s s e n, auf der Rückfahrt von Nanking nach Schanghai in seinem Kraftwagen durch Maschinen­gewehrgeschosse angreifender Flugzeuge schwer verletzt. Der Botschafter mußte einem Hospi­tal zugeführt werden

Das Befinden des Botschafters.

Ueber die Verwundung des Botschafters wurde in Schanghai von englischer Seite folgendes mitgeteilt: Der Botschafter reiste im Wagen mit dem Militärattache Oberst Lovat-Fraser. In der Nähe des Wagens wurde von japanischen Flugzeugen eine Bombe abgeworfen. Auch wurde mit einem Maschinengewehr

auf das Auto gefeuert. Der Botschafter erhielt eine Verletzung im Rückgrat. Das Rückgrat ist getroffen, jedoch ist das Rückenmark nicht zerrissen,' und es ist keine Lähmung emgetre- ten. Nach den letzten Berichten mußten dem ver­wundeten Botschafter, der an starken Schmerzen litt, mehrere Morphiumeinspritzungen gegeben wer­den Kurz vor Mitternacht wurde mitgeteilt, daß der Botschafter zur Zeit schlafe und sich so wohl befinde, wie man es erwarten könne. Die ärztliche Untersuchung habe gezeigt, daß der Einschuß sich an der rechten Seite unterhalb der Achselhöhle befinde und der Ausschuß an der linken Seite ein ziem­liches Stück unterhalb des Schulterblattes in der Nähe der Hüfte. Ferner wird berichtet, der Bot­schafter sei zu schwach, um sich einer Operation zur Beseitigung der Kugel unterziehen zu können Die Aerzte hoffen eine Blutübertragung vorzunehmen.

Britische Schilderung des Zwischenfalls.

In einer späteren amtlichen Mitteilung heißt es, der Botschafter und seine Begleitung seien in zwei Kraftwagen gereift, die beide den Union Jack ge­zeigt hätten. Ohne vorherige Warnung habe ein japanisches Flugzeug die Kraftwagen mit M a - fchinengewehrfeuer bestrichen. Ein zweites Flugzeug habe sie bombardiert, nach­dem sie angehalten hätten. Die Insassen hätten, als sie die sie verfolgenden Flugzeuge bemerkten, so schnell wie möglich die Autos verlassen und seien in Deckung gegangen. In diesem Augenblick sei einer der Bomber herabgestoßen und habe die Wagen mit MG.-Feuer bedeckt Der englische Bot­schafter hatte sich nicht so schnell wie die anderen in Deckung bringen können und sei daher getroffen worden. Als Oberst Lovat-Fraser herbeigeeilt fei, um dem Botschafter zu helfen, habe ein zweiter Bomber eine Bombe geworfen, die glücklicherweise nicht auf die Straße, sondern in ein Reisfeld gefallen sei. Durch den Luftdruck der Ex- plossion sei Oberst Lovat-Fraser zu Baden geworfen und habe vorübergehend das Bewußtsein verloren. Die Reutermeldung besagt weiter: JBor Antritt der Reise seien die chineschen Behörden in Nan­king unterrichtet worden, um so die Sicherheit der britischen Diplomaten zu gewährleisten. Die Jpaner seien allerdings nicht in Kenntnis gesetzt worden, da die Reiseroute nur durch chi­nesische Linien hindurchführte. Auch seien, wie es weiter heißt, im Augenblick der Beschießung keine chinesischen Truppen in der Nähe ge­wesen.

Bor den Toren Schanghais hat sich ein ernster Zwischenfall ereignet. Englands Botschafter ist durch die Maschinengewehrgarbe eines Flugzeugs schwer verletzt worden. Die selbstverständlich irr­tümlich abgegebenen Schüsse werden unzweifelhaft zu einer Verschärfung der Gesamtsituativn führen. England wird jetzt entschlossener als zuvor an die Wahrung seiner Interessen Herangehen, zu deren Schutz es schon umfangreiche miliärische Maßregeln trifft. Denn so, wie der Botschafter ein Opfer der kriegerischen Auseinandersetzungen am Jangtsekiang geworden ist, können jederzeit britische Staatsbür­ger in größerer Zahl durch explodierende Grana­ten verletzt werden. Schon sind in der für unbe­rührbar erklärten Internationalen Konzession Men­schenleben darunter auch das eines deutschen Volks­genossen zu beklagen, ein Beweis dafür, daß diese Konzession durchaus nicht mehr mit der Scheu be­trachtet und behandelt wird, wie das in früheren

Zeiten der Fall war. Die europäischen Mächte ha­ben infolgedessen auch für einen weitgehenden Ab­transport ihrer Angehörigen gesorgt, um Zwischen­fälle, bei denen Menschenleben zu Schaden kommen, auf ein Mindestmaß herabzudrücken. Es bleiben je­doch die materiellen Verluste, die schon heute ge­waltig zu Buch schlagen und sich nicht nur in der Vernichtung von Baulichkeiten, sondern auch in einer empfindlichen Schädigung des Warendurch- gangsverkehrs äußern. Jetzt ist noch die japanische Blockade der chinesischen Küste hinzugetreten, die sich zwar nur gegen China richtet, aber darüber hinaus ihre Wirkungen auch für Europa zeitigen wird. Niemand kann sagen, wie sich die Dinge wei­ter entwickeln werben, ob es zu einem wilden Auf­lodern des Brandes im Fernen Osten kommen wird oder ob die bedenklich züngelnde Flamme binnen kurzem in sich zusammensackt und erlischt. Je we­niger Nahrung diese Flamme erhält, desto rascher wird sie an Kraft und Gefährlichkeit verlieren Dar­um wird auch die Aufgabe aller am Fernen Osten interessierten Mächte darin bestehen, auf rascheste Wiederherstellung normaler und allseitig erträg­licher Verhältnisse zu bringen.

Das Echo in London.

Lonbon, 26. Aug. (DNB.) Die Verwunbung bes britischen Botschafters in China hat in Lonbon großes Aufsehen erregt Es wirb barauf hinge- wiefen, baß Großbritannien bie Regierungen Ja­

pans unb Chinas barauf aufmerksam gemacht habe, baß sie für j e b e n Schaben, ber britischem Eigentum entstehe, unb für jebe Verletzung, bie britischen Untertanen zugefügt werbe, ver­antwortlich gemacht mürben. Obwohl zuge­geben werbe, baß ber britische Botschafter nur burch einen unglücklichen Zufall zum Gegenstanb eines Angriffes geworben sei, so gebe boch bie Tat­sache, baß ein ziviler Kraftwagen mit Bomben be­worfen worben sei, zu Vorwürfen Anlaß.

Das Foreign Office veröffentlicht folgenbe Erklärung:Die britische Regierung hat bie Nach­richt von ber Verletzung bes britischen Botschafters in Schanghai burch Schüsse mit großer Be­sorgnis ausgenommen. Nach ben vor- liegenben Nachrichten würbe ber Wagen bes Bot­schafters, ber bie britische Flagge führte, burch zwei japanische Flugzeuge mit einem Maschinengewehr beschossen unb mit Bomben belegt, unb zwar un­gefähr um 2.30 Uhr nachmittags (chinesischer Zeit). Der Botschafter würbe sehr'schwer verletzt unb befindet sich nunmehr in Schanghai im Kran­kenhaus. Wie berichtet wird, sind der britische Mili­tärattache unb ber Finanzberater, bie sich im gleichen Wagen befanben, unverletzt. Die britische Regie­rung beschafft sich zur Zeit weitere erforberliche Nachrichten. Sobalb biefe Nachrichten vorliegen, wirb sie in ber Lage sein, angemessene Schritte bei ber japanischen Regie­rung zu unternehmen."

Man bedauert und sagt Untersuchung zu.

Tokio, 26. Aug. (Ostasienbienst bes DNB.) Der japanische Außenminister Hirota hat sein tief­stes Bebauern über bie Verwunbung bes bri­tischen Botschafters Knatchbull ausgebrückt Hirota erklärte, vorsätzliche Absicht bei japanischen Flieger 'fei absolut ausgeschlossen Sie müß­ten in bebauerlichstem Irrtum gehanbelt haben, ba ber Botschafter bie Gefahrenzone ohne vorherige Ankünbigung burchsahren hätte. Die kaiserlich-japanische Regierung sichert e i n - gehenbeUntersuchung bes Unglücksfalles zu.

In Schanghai stattete ber japanische Marine- attachä, Abmiral H o n b a , sowie ber Chef bes Ma­rinestabes Konterabmiral S u g i y a m a, bem stell- oertretenben britischen Generalkonsul in Schanghai einen Besuch ab, um biefem ihre A n - t e i l n a h m e an bem Besinben bes britischen Bot­schafters auszusprechen. Zu gleicher Zeit suchte ein Mitglieb ber japanischen Botschaft bas Krankenhaus auf in bem ber Botschafter gepflegt wirb, unb er- funbigte sich nach bem Botschafter. Der japanische Vizeabmiral H a s e g a w a hat, so wirb weiter mit­geteilt, eine genaue Untersuchung ber An­gelegenheit angeorbnet. Er habe ben englischen Abmiral Little ersucht, ihn von ben seinerseits er­griffenen Maßnahmen zu unterrichten In japa­nischen Marinekreisen erklärt man, eine britische Flagge am Kühler bes Wagens sei kein genüg enbesErkennungszeichen. Außer- bem sei ber Wagen auf einer strategischen Straße in Kriegszeiten gefahren unb habe leicht mit einem chinesischen General stabs- wagen öerweck) seit werben können Die Kämpfe an der Aordsront.

Tokio, 26. Aug. (DNB.) Wie Meldungen von der japanischen Front besagen, sind die japanischen Truppen an der Nordfront beim Nankau - P a ß an der Großen Mauer oorgestoßen, und zwar in Richtung auf die Stadt Huailai, deren Ein­nahme bevorstehe. Südwestlich von Kalgan hätten sie die Eisenbahnlinie überschritten, so daß der Verkehr der S u i y u a n - N a n k a u - B a h n unterbrochen sei. Die chinesischen Truppen würden auf Grund dieser beiden Bewegungen in südwestlicher Richtung nach Schanghai abgedrängt. Die bei Tsinghain an der T i e n t s i n P u k a u- B a h n vorgegangene chinesische 28. Brigade habe an Verlusten 300 Tote unb 1000 Verwunbete auf­zuweisen. Die Chinesen seien in sübwestlicher Rich­tung zurückgeschlagen worben Die japani­schen Verluste hätten an Toten 7 Offiziere unb 15 Mann sowie an Verwunbeten 70 Mann be­tragen. Die Lage in Tsingtau ist noch unge­klärt, ba bie bärtigen chinesischen Behörben sich chinesischen militärischen Kreisen gegenüber schlecht zur Wehr setzen können, bie Zusammenstöße mit japanischen Truppen provozieren wollen.

Zu ber in Tsingtau viel erörterten Frage, wo eigentlich Gefangene bleiben, stritt ber Spre­cher bes japanischen DberFommanbos Gerüchte ab, bie von einer planmäßigen Erschießung ber Gefangenen wissen wollten. Er bezifferte bie Gesamtzahl ber chinesischen Gefangenen feit bem Beginn ber Operationen im Raum von Peking unb Tientsin auf 4500 Darunter befinben sich 1500 Pauantui, ein Teil chinesischer Sicherheitspolizei, bie nach Entwaffnung unb Abgabe ihrer Unifor­men angeblich alle mit Verpflegungsgelb in ihre Heimat entlassen worben seien. Die ber- zeitige Kampfart schließe jeboch bie Einbringung oon Gefangenen aus, ba ber Gegner in kritischen Augenblicken rechtzeitig flüchte, seine Uniform ver­nichte, Z i v i l k l e i b u n g anzvge, und im un­übersichtlichen Gelände einen Guerillakrieg begänne, ben jeboch Japan im Interesse eines kurzen Krieges nicht wolle. Jnfolgebessen sei bie Anwenbung schärfster japanischer Kriegsgefetze erforberlich.

Japanisches Vorrücken in der Umgebung Schanghais.

Schanghai, 26. Aug. (DNB.) Der Mittelpunkt ber Kämpfe im Gebiet von Schanghai lag auch am Donnerstag bei L o t i e n, wo es ben Chinesen nach chinesischen Melbungen gelungen zu fein scheint, ihre Stellungen zu halten. Dagegen wirb auch von chine­sischer Seite zugegeben, baß bie japanischen Lanbungstruppen ben Pangtse weiter auf­wärts bis nach Liuho vorbringen konnten. Süblich von Wusung finb neue japanische Verbänbe gel anbet, mit benen bie chinesi­schen Truppen in schweren Kämpfen liegen. Von ber Ostecke ber erweiterten internationalen Nieber- laffung stieß bas japanische Marine-Lanbungskorps nörblich bis zur Universität vor.

Amerika wünscht Schonung Tsingtaus.

Lonbon, 27. 2Iug. (DNB. Funkspruch.)Times" berichtet, baß bie Regierung ber Vereinigten Staaten in Nanking unb Tokio vorstellig geworden sei, um klar zu machen, baß bie Kämpfe von Tsingtau ferngehalten werben sollten, ba bort eine große Zahl von amerikanischen unb briti­schen Staatsangehörigen ansässig sei. Die briti­schen Vertreter in Nanking unb Tokio hätten sich biefem amerikanischen Schritt angeschloffen. Tsingtau ist mit 400 000 Einwohnern auf ber Schantung-Halbinsel gelegen, nächst Schanghai ber bebeutenbfte Hafen bes mittleren China.

Amerikas Ostasienhandel.

N e u y o r k, 26. Aug. (DNB.) Eine Rundfrage ber NachrichtenagenturAssociated Preß" bei ben Banken sowie bei maßgeblichen Ein- unb Ausfuhr­firmen bestätigt bie Vermutung, baß ber Ostasien- handel ber ^Bereinigten Staaten bereits fühlbare Verluste burch Den Fernostkonflikt China-Japan erleidet. Danach haben bie Exporteure bereits einen großen Teil ber Verschiffung nach Schanghai a n - gehalten ober teilweise nach Singapore umgelaben, soweit noch Lagerraum vorhanden ist. Die Gesamtausfuhr der Vereinigten Staaten nach China unb Japan betrug im Jahre 1936 etwa 500Dollarmillionen unb war schon in ben ersten sechs Monaten 1937 höher als im Vorjahre. Um sich biefe Ausfuhrmöglichkeiten weitgehenb zu er­halten, gehen bie amerikanischen Verlader jetzt an­geblich bazu über, kanadische Schiffe für ihre Frachten zu chartern, ba sie befürchten, baß Roosevelt demnächst auf ben Konflikt China-Japan bas Neutralitätsgesetz anzuwenben ver­suchen wirb.

TrauerseiersürKonteradmiralWaßnei-.

Den Haag, 26. Aug. (DNB.) Im Haag fanb bie Trauerfeier für ben beutschen Marineattache in Lonbon unb im Haag, Konterabmiral Mah­ner, statt. In ber reich geschmückten beutschen Kirche, an bereu Turm bie Flagge bes Reiches auf Halbmast flatterte, hatte sich eine große Trauer- gemeinbe jufammengefunben. Außer ben Angehöri­gen bes Verstorbenen sah man u. a. ben beutschen ©efanbten Graf von Zech, in Vertretung Des Botschafters von Ribbentrop Baron Steen­gracht unb ben Vertreter bes Generalabmirals Roeder, Kapitän z. S. L ü t j e n s. Von holländi- fcher Seite nahmen ber nieberlänbifche Verteibi- aungsminifter van Dijk mit bem Oberbefehls­haber ber Kriegsmarine unb bem Chef bes Gene­ralstabs unb zahlreiche Offiziere ber See- unb Land- macht teil, sowie Beamte bes hollänbischen Außen­ministeriums. Das biplomattfche Korps unb bie beutsche Gemeinschaft waren zahlreich vertreten. Der Irauergottesbienft würbe burch Pfarrer Mahner, einem Bruder bes Verstorbenen, gehalten. Eine Ab­teilung Marinetruppen erwies bie Ehrenbezeugung, als ber mit ber Reichskriegsflagge bedeckte Sarg bie Kirche verließ.

Wie sieht es in derWirtschaft aus?

Einige Auswirkungen besKonfliktesinOst- a f i e n auf bie Weltwirtschaft kann man sich an ben Fingern ablesen: Die Krebitwürbigkeit ber einseitig mit Ostasien handelnden Firmen ist natürlich ge­schwächt. Die englischen Interessen in Schanghai werben auf 3,5 Milliarben Mark ange­geben. Unter biefe Ziffer fallen auch bie Grund- stücke. Dagegen bürste bie Höhe ber englischen Ka­pitalien, bie im Gesamtgebiet bes riesigen Strom­netzes bes Jangtsekiang angelegt finb vielleicht noch etwas größer sein. Diel geringer, aber selbstoer- stänblich nicht unerheblich finb auch bie beut­schen Kapitalinteressen. Don biesen Selbstverstänb- lichtesten abgesehen, ist aber eine sehr interessante Beobachtung zu machen: Trotz ber Gefährbung ber Schiffahrt zeigen bie internationalen Kurse ber großen Schiffahrtslinien eine stark fteigenbe Tendenz Es wirb erwartet, baß unabhängig von ben mehr örtlichen Ereignissen um Schanghai, ähn­lich wie während des Abessinien-Konfliktes, ein sehr starker Bedarf an Schiffsraum auch nach ben Häfen auftritt, bie abseits ber eigentlichen Ge­fahrenzone liegen. Sei es, weil gewisse vorsorgliche militärische Maßnahmen getroffen werben, sei es, weil bie europäischen unb amerikanischen Impor­teure sich noch schnell mit Waren bes Fernen Osten einbecken wollen. Eine Reihe spezifischer Aus­fuhrartikel Chinas haben auf ben Welt­märkten bereits stark im Preise angezogen, z. B Antimon unb Wolfram, Ingwer, Oelsaaten, getrocknete Eier in Pulverform usw. Umgekehrt 3er» brechen sich bie Schiffahrtsgesellschaften ben Kovf, wo in China bie Güter ausgelaben werden sollen, die sich gerade auf der Reise befinden. Man schätzt diese Waren auf 100 000 Tonnen Eine solche Gütermenge setzt bei der Ausladung entsprechende Hafen- und Lagereinrichtungen voraus, die in dem hafenarmen China nur in Schanghai unb etwa noch in Tientsin vorhanben finb Selbstverstänblich finb Fracht- unb Dersicherungssätze hef­tig in bie Höhe gegangen. Die chinesische Regierung versucht bie Kriegsfinanzierung vom Auslanb her unb hat Anleihen in Enalanb, Frankreich, Hollanb, in ber Schweiz und der Tschechoslowakei ausgenom­men-, ber chinesische Finanzminister und stellvertre­tender Ministerpräsident K u n g war in dieser Be­ziehung sehr rührig. Die Japaner versuchen daa^aen ben Krieg binnenwirtschaftlich zu finanzieren. Ihre Wirtschaft wirb ganz auf bie nationalen Notwen- bigkeiten eingestellt. Dazu gehört auch bie Einschrän­kung nicht unbebingt notroenbiger (Einfuhrwaren, bie Kontrolle ber Verkehrsmittel einschließlich der Hochseeschiffahrt mit Rücksicht auf ihren starken Schiffsraumbedarf für bie Uebersetzung von Trup­pen unb bie Sicherung ber lebenswichtiaen Einfuhr an Nahrungsmitteln unb Rohstoffen. Die (Sow­ie t r u f f e n, bie ben sibirischen Kohlenbergbau nach Möglichkeit erweitert haben, nehmen inzwischen große Golbverschiffungen nach Lonbon vor, offenbar um sich greifbare Guthaben für eilige Beschaffung von Waffen unb Rohmaterialien für ben Fall zu schaffen, baß bie fernöstlichen Wirren auf bie Sowjetunion unmittelbar zurückwirken.

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Das Statistische Reichsamt hat soeben eine lieber- sicht über bie Lage bes Welthanbels ver­öffentlicht, bie zeigt, baß ber Hanbel fast aller Län- ber im ersten halben Jahr 1937 eine Erholung er­fahren hat, bie nicht allein mit bem gesteigerten Rohstofsbebarf infolge ber Aufrüstung ber verschie- benen Länber zu erklären ist Die Umsätze bes Welthanbels im ersten halben Jahr 1937 liegen u m r u n b 34 v. H. über ben Ziffern bes gleichen Zeitraumes bes Vorjahres unb im zweiten Viertel­jahr 1937 um 11 v. H. über ben Zahlen des ersten Vierteljahres 1937. Das Statistische Reichsamt be­zeichnet diese Steigerung alsungewöhnlich", und vor allem ist sie schon deshalb außerordentlich, weil die Erschwerung des Handels, die Kontingentierungs­politik, die Verrechnungsabkommen usw. nicht ab­gebaut oder in Verhandlungen von Staat zu Staat nur unwesentlich beschränkt bzw. ben Bebürfnissen ber Staaten neu angepaßt finb. Das ist sehr be­merkenswert unb zeigt, baß trotz aller Schwierig­keiten ber Warenbebarf ber Welt boch sich burrf)3u= setzen beginnt unb baß selbstverstänblich bie Lage ber Rvhftvfflänber burch bie erhöhten Bezüge auch gebessert wirb, so baß sie kaufkräftiger werden und immer größere Mengen ber inbuffrießen Pro- buftion Europas aufnehmen können. Es ist bezeich- nenb, baß gerab? bie Rohstoffgebiete im zweiten Vierteljahr 1937 gegenüber 1936 eine ganz außer» orbentliche Ausfuhrsteigerung aufweisen können, so Australien um 48 v. H., bie britischen Malaven- ftaaten um 63 v. H. unb Argentinien sogar um 81 v. H. Dabei ist bemerkenswert, baß biefer gute Gang bes Welthanbels immer mehr sich von ben eigentlichen Rohstoffen für bie Aufrüstung abmenbet unb mehr unb mehr sich auf bie Verbrauchs- tfüter erstreckt. An unb für sich hatte bie Be­lebung ber Rüstungsinbuftrie zunächst stimulierend gewirkt, aber die Rüstungsindustrie verbraucht nur einige Rohstoffe in erhöhten Mengen Die Ziffern ihres Verbrauches sind jetzt einigermaßen konstant unb eine Steigerung von erheblichem Ausmaße ist kaum mehr zu erwarten. Die Belebung allerbings ber europäischen Wirtschaft burch bie Rüstunas- inbuftrien hat fortzeugenb gewirkt: nach unb nach haben auch anbere Jnbustriezweige bavon profitiert, bie Arbeiter- unb Angestelltenschaft wurde kaufkräf­tiger und demgemäß stieg der Verbrauch von Ko- lonialwaren. Wolle usw, so baß wir jetzt in bas Stabium getreten finb, bas sich in einer erhöhten Anteilsziffer ber Verbrauchsgüter im Welthanbel ausspricht.

Im Vorjahre hatte Frankreichs Volks­front-Regierung eine Erfassung der