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Die Vemsszeichen des

Im schweren Kampf halte sich der Deutschritter- orden das ostpreußische Land zurückerobert. Seit 1229, dem ersten Erscheinen der Ordensbrüder, wechselte Sieg und Niederlage. Bald gewannen die Massen der Litauer Vorteile in den Wäldern und Sümpfen, bald siegten die tulmischen Bauern unter Führung der Ritter durch deutschen Geist und deut­sches Wollen. Fester und fester aber wuchs die Herr­schaft der Ritter und brachte Segen über Land und Mensch. Städte wurden gegründet (1255 Königs­berg). Wohlstand zog ein, und unter Hochmeister Winrich von Kniprode (135182) stand der Oroen in Macht und Pracht.

Neidvoll blickten die vertriebenen Litauer und Masovier und ihre besiegten Volksteile auf die Rit­ter am weißen Mantel, und der Litauerfürst Kin- stut schürte erst heimlich, dann offen zum Aufstand. Verbunden mit den Russen und Tataren fiel er ins Land ein (1370). Die Ritter, Bauern und Bür­ger sammelten sich zur Wehr. 40 000 Mann stark stellten sie sich bei Rudau (Kreis Fischhausen, Pro­vinz Ostpreußen) zum Kampf. Es war der 17. Fe­bruar 1370. Kinstut aber führte 70 000 gegen das Heer der Deutschen. Die Uebermacht siegte zunächst über die Tugend. Die Scharen der Deutschen wichen zurück, und als Ordensmarschall Henning Schinde- kopf mit der Fahne fiel, da schien das Schicksal der Deutschen besiegelt.

In diesem Augenblick aber soll der Schuhmacher- altgesell Hans von Sagan aus Königsberg die Fahne ergriffen haben. Er schwenkt sie hoch empor, fordert die Ritter auf, ihm zu folgen. Er achtet nicht Hieb und Stich, stürzt gegen den Feind und schlägt zu. Er dringt ein in die Reihen der Li­tauer. Da vollzieht sich das Wunder. Der siegbare Feind ist betroffen. Er steht, weicht und wendet sich schließlich zur Flucht. Sieg läuten die Glocken von Königsberg. Wund ist der Held der Schlacht. Spä­tere Bilder stellen ihn uns heute mit dem Stelzfuß dar. Unvergessen bleibt sein Angedenken.

Ehre soll er finden. Einen Wunsch soll er äußern und zum Ritter geschlagen werden. Der Altgesell des Schuhmacherhandwerks ist im Herzen ein treuer Handwerker. Er will der bleiben, der er war, und bittet, sein Handwerker- und Bürgertum zu achten und immerdar zu ehren. Laßt alljährlich einmal zur Erinnerung das Schenkbier in der Stadt krei­sen zur Ehre meines Handwerks, das ist seine For­derung. So entstand das Schmeckebier zu Königsberg.

Der dankbare deutsche Kaiser Karl IV. aber verleiht dem tapferen Schuhmacheraltgesellen Hans Sagan den Adel und als Wappen den Doppeladler, den seitdem die Innungen in ihrem Jnnungszeichen füh­ren. Der blaue Arm der Werkjacke, dessen Hand die Krone des Reiches hält, ist das Wappen der Stadt Königsberg. Auch diese Darstellung soll ihr Ent­stehen dem tapferen Hans von Sagan verdanken.

Das Wappen der Schuhmacher ist also ge­schichtlich im hehrsten Sinne des. Wortes. Es soll deshalb auch heute das Berufszeichen des Reichs­innungsverbandes bleiben, um so mehr, als dieses Zeichen nicht in innerpolitischer Fehde, sondern im Kampf um Volk und Reich errungen worden ist. Darin sehen wir auch heute noch sein historisches

deutschen Handwerks.

Recht, weiter diesem biederen und ehrbaren Hand­werk ooranzuleuchten.

Ganz im Gegensatz zu diesem historischen Be­rufszeichen steht z. B. das Symbol des Reichs­innungsoerbandes der Herrenschneider. Hier sehen wir einfach Schere, Nadel und Bügeleisen als die typischen Werkzeuge der ehrbaren Meister. Auch das Zeichen der Damenschneider wird von der Schere beherrscht. Hinter der Schere zeigt sich ein Winkel in Form eines gleichseitigen Dreiecks. Zwi­schen Winkel und Schere befindet sich die Nadel. Große Bedeutung kommt hier dem Winkel zu, der die Meisterschaft versinnbildlicht. Der Winkel ist ein unentbehrliches Requisit für die Aufstellung des Schnitts und diese Schnittaufstellung ist Reservat und ausschließliche Aufgabe der Meisterin; die Na­del ist dagegen bei beiden ein Symbol des Fleißes. Beim Herrenschneiderhandwerk zeigt die Scheren­spitze nach oben, bei den Damenschneidern nach unten. Der junge Lehrling bekommt als erstes die Nadel in die Hand; der Winkel ist schon das gehobe- nere Handwerkszeug, das den Gesellen zum Mei­ster heranbildet, und mit der Schere wird der Zu­schnitt vorgenommen, der allein dem Meister (Mei­sterin) zusteht. So vereinigen die Embleme in treuer Eintracht Meister, Gesellen und Lehrlinge. Auch das Zeichen der P u tz m a ch e r ist erst neu geschaf­fen worden und zeigt die Biedermeisterschute. Es ist ein zeitloses Stilmodell, das gewählt werden muhte, weil die Mode ständig wechselt. Auf die Bie­dermeierzeit ist hier zurückgegriffen worden, weil in dieser Zeit die Kunst der Anfertigung der Kopf­bekleidung in hoher Blüte stand. Ebenso ist das Be­rufszeichen der Wäscheschneider auf die Auf­gaben dieses Handwerks abgestellt. Es zeigt die Nähmaschine mit Maßband und Schere als Werk­zeug des Wäscheschneiderhandwerks. Winkel mit Lineal und Zirkel als Handwerkszeug der Stickerei­betriebe. Neuerdings ist auch das Weber- und Strickerhandwerk dem Reichsinnungsverband an­geschlossen. Die Wäscherei- und Plättereibetriebe werden in ihrem Berufszeichen symbolisiert durch die weiße Wasserlilie, die den Vorgang des Wa­schens darstellen soll. Sie steht auf einem blauen Grunde, der in Wellenlinien und Seifenbläschen aufgeteilt, das Waschwasser darstellt. Die obere weiße Hälfte vermittelt den Eindruck des gereinig­ten Wäschestücks. Auf diesem Grunde steht das Handwerkszeug der Plätter, das Plätteisen.

Im Berufszeichen des Zimmerhandwerks finden wir das Gold der äußeren Umrahmung der Werkzeuge und des Giebeldreiecks. Gold ist die Farbe der Sonne und des Lichtes; die Grundfarbe des Abzeichens ist die nordische Farbe, das tiefe Blau des Himmels, und schließlich tritt das Grün des Eichenbaumes, die Farbe des Waldes hervor. Die Sprache der Runen ist bei diesem Zeichen ver­wendet worden. Ein goldener Kreis umschließt das Ganze. Er ist lichtvolles Zeichen der inneren Ein­heit und Geschlossenheit, aber zugleich auch der Un­endlichkeit. Der Eichbaum ist der edelste Werkstoff des Zimmermannes; er ist gleichzeitig der Welten­baum, der alles trägt und in dessen Schatten die Menschheit lebt und weht. Die untere Verästelung stellt mit dem Stamme das uralte geheiligte Zeichen

der Irminsul dar. Zu beiden Seiten verzweigt sich der Ast unterhalb des Eichenblattes; hier ist der Kienast, der das Zeichen der Zimmermannsrune, der Kunrune, ergibt. Diese Rune ist das Sinnbild des Könnens. Im siebenzackigen Eichenblatt und der Eiche findet der Ast seinen Abschluß und der Baum seine Krone. Aus dem Baum aber tritt durch die Arbeit des Zimmermannes als Urkonstruktion im Holzbau das Giebeldreieck hervor, das unter seiner Spitze als Ornament das alle Sonnenrad zeigt. Die Werkzeuge sind die Maßlatte, Axt, Winkeleisen und Säge. Die Werkzeuge vereinigen sich zur Hagal­rune, die dem Unheil wehrt und die Behausung vor Schaden bewahrt.

Der moderne Reichsinnungsverband des Bau­gewerbes zeigt die Rüstzeuge: Kelle, Zirkel, Dreieck und Hammer. Das Töpferhandwerk ist so alt wie die Menschheit. Aus dem leicht bild­samen Ton schufen sich die Altvorderen verhältnis­mäßig dauerhafte Gefäße zum Wasserschöpfin und Ausbewahren von flüssigen oder breiigen Speisen; der rohe Ton wurde von Hand geformt, in der Sonne getrocknet und im Feuer gehärtet, lieber 20 000 Jahre alte Funde, die vor kurzem in Nord­deutschland ausgegraben wurden, zeigen, daß die ältesten germanischen Stämme bereits die Tonge­fäße herstellten. Aus der ursprünglichen Haus- und Familienherstellung entwickelte sich allmählich das wohl älteste deutsche Handwerk: der Töpfer. Später lernten die germanischen Töpfer auch durch die Er­findung der Drehscheibe die schöne, rasche und gleichmäßige Herstellung von Tongefäßen zum täg­lichen Gebrauch und für Zier- und Prunkstücke; durch die Glasurtechnik, welche die Germanen viel­leicht von den Römern verhältnismäßig spät kennen lernten, ergab sich ein wesentlicher Fortschritt. Die deutschen Töpfer erfanden etwa zwischen den Jah­ren 800 bis 1000 unserer Zeitrechnung die Kachel­öfen, deren Bausteine, die Kacheln, aus den gedreh­ten Schüsseln entstanden sind. In den mittelalter­lichen Liefen, die oft in sehr prunkvoller Form er­stellt wurden, vereinigten sich die Erfahrungen und Kenntnisse des Heizungstechnikers, des geübten Handwerkers und des bildenden Künstlers, die auch heute für den wirklichen Meister feines Faches wie­der verlangt werden. Im Töpferwappen befindet sich die uralte Töpferdrehscheibe als charakteristisches Werkzeug; darauf eine gedrehte Vase von schönen Formen; die beiden Flammen seitlich der Dreh­scheibe symbolisieren das Feuer und die Wärme, die zum Brennen des Tones und zum Heizen der Räume notwendig find. Tie Buchstaben T und O für Töpfer und Ofensetzer werden im Berüfszeichen meistens angebracht.

Die Bildhauer und Steinmetzen haben ein uraltes Bundeszeichen, das seit undenklichen Zei­ten von den Steinmetzen und Meistern geführt wor­den ist. Bei der Freisprechung wurde dem Stein­metzgehilfen ein Steinmetzzeichen verliehen, das nur er zu führen berechtigt war. Dies Zeichen schlug er in jeden Stein, den er arbeitete. Man findet dieses Zeichen in fast allen alten Bauten z. B. der Gotik. Das Reichsinnungszeichen knüpft an diese Ueber- lieferung an und verpflichtet den Steinmetzen und Steinbildhauer, gute handwerkliche Wertarbeit im Sinne der alten deutschen Meister zu leisten.

Die Uhrmacher haben das Ankerrad als Reichsinnungszeichen gewählt. Das Ankerrad ist des­

halb gewählt worden, weil es in seiner charakte« ristischen und einprägsamen Form nur in der Uhr- macherei vorkommt. Jeder Uhrmacher auf der Erde kennt das Ankerrad als Symbol der Uhrmacher.

Die Kürschner, Hut- und Handschuh, macher haben mit einigen Aenderungen das Zei­chen des früheren Vereins deutscher Kürschner ge» wählt. Es stellt einen Herrschermantel dar, als das höchste Leistungsziel des deutschen Kürschnerhand­werks. Der Herrschermantel wird von zwei Löwen als Wappenträgern gehalten. Die Löwen spielen auch beim Färber-Handwerk eine Rolle. Das neue Reichsinnungszeichen dieses ehrwürdigen Handwerks hat die alten Färberfarben blau und gelb über­nommen und symbolisiert durch den Kessel und die Farbstöcke die praktische Tätigkeit, die der Färber in der modernen Volkswirtschaft zu erledigen hat.

Das Bäckerhandwerk hat die uralte Brezel­form als Sinnbild des Berufsstandes beibehalten. Man fügte schon frühzeitig zu beiden Seiten Löwen bei und schuf so die Urform des sogenannten Brezel­wappens. Woher die Löwen stammen, weiß man nicht genau. Eine einleuchtende Erklärung hat man für die Krone und die gekreuzten Schwerter, die sich auf den alten Brezelwappen finden. In einem De­kret des Kaisers Leopold I. aus dem Jahre 1690 wird ausdrücklich bestätigt, daß die Bäcker die Be­rechtigung haben, die Krone im Wappen zu führen. Diese Verleihung steht im Zusammenhang mit der Tatsache, daß anläßlich der Belagerung Wiens durch die Türken im Jahre 1683 in der Wiener Bäckerei Weidner ein unterirdischer Gang der Türken recht­zeitig entdeckt und die Stadt dadurch gerettet wurde. Das Vorhandensein der Schwerter deutet bereits auf einen früheren Zeitpunkt. Kaiser Ludwig der Bayer hatte den Bäckern laut einer Verfügung vom Jahre 1323 gestattet, in ihrem Wappen zwei gekreuzte Schwerter zu führen. Dies ist auf die Haltung der Bäcker in der Mühldorfer Schlacht am 28. Septem­ber 1322 zurückzuführen; gerade die Bäcker hatten sich hier durch große Tapferkeit ausgezeichnet und eine entscheidende Wendung herbeigeführt. Am Fuße des Zeichens befindet sich noch eine Reihen­semmel, die andere Gebäcksorten als Vorgänger ge­habt hat. Die Farben des Bäckerhandwerks sind blau-weiß. Die Konditoren zeigen den Baum­kuchen als das Edelprodukt dieses Handwerks; da­durch ist das frühere Berufszeichen, der Bienenkorb, der noch aus der Zeit stammte, als zum Süßen der Erzeugnisse der Honig diente, abgelöst worden.

Der Backsteinsockel im 'Reichsinnungszeichen des Schmiedehandwerks soll die Schmiedeesse darstellen, auf der auf der Feuerschüssel die lodern­den Flammen emporschlagen. Diese werden zusam­mengehalten durch das Hufeisen, welches auf der Esse steht. Es ist dies ein neues Zeichen, das zum Ausdruck bringt, daß der Schmied für feine Arbeit das Feuer braucht. Als altes Glückssvmbol und als Zeichen einer immer wiederkehrenden Arbeits­leistung ist das Hufeisen gewählt worden. Die Schlosser versinnbildlichen auf ihrem Zeichen die Hauptarbeitsgebiete ihres Handwerks. Bauschlos­serei, Kunstschlosserei, Kunstschmiede und Maschinen­bau. Früher galt der Schlüssel allgemein als das Symbol des Schlossers. Die beiden Schlüssel auf dem Zeichen versinnbildlichen noch heute die Bau­schlosser und die Kunstschmiede; dagegen ist das Zahnrad das Zeichen der Maschinenbaubetriebe. H.D.

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