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bacher Schloß, Schloß Schönberg und nach anderen schönen Punkten, was zum Teil unter sachkundiger Führung von Vertretern des Kur- und Verkehrs- Vereins geschah. Zwei größere Reisegruppen von Leihgestern und Londorf fuhren nach Heidelberg und Worms weiter und trafen sich abends wieder zur Heimfahrt mit der Hauptgruppe. Ein nach­mittags einsetzender Regen vermochte die allgemein herrschende frohe Stimmung nicht zu trüben. In behaglicher Stimmung wurde die Heimfahrt ange­treten.

Gustav-Adolf-Arbeit in Oesterreich.

Im Auftrag des Gustav-Adolf-Frauenvereins sprach am Sonntagabend zu einer gut besuchten Versammlung in der Stadtkirche Studienrat Storck aus Offenbach, der Schriftführer des Hessischen Gu- stav-Aüolf-Vereins. Schon im Hauptgottesdienst des Vormittags hatte er über die bedeutsame Arbeit des Gustav-Adolf-Dereins berichtet, die jenseits der Grenzen immer Evangelisationsverkündigung und Dienst am deutschen Volkstum zugleich ist.

Der Abend war ausschließlich der evangelischen Diaspora in Oesterreich gewidmet. Der Vortragende schilderte hier aus persönlicher Anschauung und eigenen Erlebnissen das Werden einer österreichi­schen Diasporagemeinde in den letzten Jahrzehnten, der evangelischen Gemeinde Knittelfeld mit ihrer Filiale Zeltweg, wo er selbst als Vikar tätig war. Am besten wird das freudige Wachsen einer solchen Diasporagemeinde und die damit verbundene man­cherlei Schwierigkeit durch einige Zahlen vergegen­wärtigt. So zählte die genannte Gemeinde 1901 nur 7 Evangelische, unmittelbar vor dem Weltkrieg schon 600 und heute infolge der Uebertrittsbewe- gung der letzten Jahre über 2000. Für diese in so kurzer Zeit entstandene Gemeinde ist durch die Hilfe des Gustav-Adolf-Vereins im vergangenen Oktober eine neue Kirche eingeweiht worden, die nun mit ihren angeschlosfenen sonstigen Räumen Mittelpunkt des evangelischen Gemeindelebens ist. Wie umfassend die evangelische Bewegung gerade in der Steiermark ist, zeigt die Tatsache, daß dort

ein ganzer Kranz von evangelischen Gemeinden ent­standen ist und 1905 allein 5 neue Kirchen gebaut wurden. Auch sonst ist das Leben der evangelischen Kirche in Gesamtösterreich trotz mancherlei Schwie­rigkeiten im Fortschreiten begriffen. Es ist uns ge­wiß auch vom völkischen Gesichtspunkt eine Genug­tuung, dem treudeutschen österreichischen Brrürer- stamm durch die Botschaft des Evangeliums zu dienen.

Im zweiten Teil des Abends zeigte der Vortra­gende eine große Anzahl hervorragend schöner Licht­bilder aus der Steiermark. Sie gaben ein lebendi­ges Bild von der majestätisch großen Natur dieser Gebirgswelt und erzählten auch von den evange­lischen Gemeinden der Steiermark in Vergangenheit und Gegenwart. Gemeinsamer Gesang und ein Dankeswort von Pfarrer Becker schlossen den Abend.

Glehener Wochenmarktprelse.

* G i e ß e n, 27. April. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, V» kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10^, Klasse B 10, Klasse C 9^, Klasse D 9, ungezeichnete 8, Enteneier 10 bis 11, Wirsing, % kg 12 (gelb), 20 bis 22 (grün), Weiß­kraut 10, Rotkraut 12, gelbe Rüben 18 bis 22, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 20, Spargel 1 Mark, Unterkohlrabi 6 bis 8 Pf., Feldsalat, 50 g 10 bis 12, Yi kg 90 Pf. bis 1 Mark, Tomaten 60 bis 65, Zwiebeln 10 bis 12, Merrettich 30 bis 70, Schwarz­wurzeln 25 bis 30, Rhabarber 15 bis 18, Kartoffeln, alte, /2 kg 5 Pf., 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,65 bis 3,80 Mark, neue, % kg 25 Pf., Aepfel 30 bis 45, Zwet- schenhonig 45 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppen­hühner 90 Pf. bis 1 Mark, Blumenkohl, das Stück 30 bis 40 Pf., Salat 15 bis 22, Salatgurken 60 bis 65, Oberkohlrabi 15 bis 16, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Rettich, alte, das Stück 10 bis 15, neue, das Bündel 20 bis 30, Radieschen, das Bündel 10 bis 15 Pf.

Fingen. Das Maienblasen fand so starken Anklang und bereitete bei seiner Durchführung vom Turm der Johanneskirche bzw. vom Turm der Stadt­kirche aus jedesmal den vielen Besuchern eine so protze Freude, daß sckon bald nach dem Beginn das Fortbestehen dieser schönen Neuerung in unserem Stadtleben als gesichert anzusehen war. Seitdem ist nun ein Jahrzehnt vergangen, das Maienblasen ist zu einem festen Bestandteil unserer Gießener Volksgemeinschaft geworden und wird auch ferner­hin ein allezeit dankbar begrüßter Brauch in unse­rer Stadt sein.

Spenden für das WHW.

Die Pressestelle der Stadtverwaltung übermittelt uns eine Uebersicht über die von den städtischen Ge­folgschaftsmitgliedern für das WHW. 1936/37 ab- gelieferten Spenden. Daraus ergibt sich folgendes: September 336,85 Mark, Oktober 539,68, November 596,35, Dezember 656,45, Januar 1087,69, Februar 584,77, März 819,48, zusammen 4621,27 Mark. Hierzu Betriebssammlung am 17. Oktober 153,49 Mark, Betviebssammlung am 20. März 227,16 Mark, Gesamtbetrag 5001,92 Mark. Gefamtspenden- beträge: in 1933/34 = 3836,67 Mark, in 1934/35 = 4462,20 Mark, in 1935/36 = 4181,31 Mark.

Kochlehrgang in Gießen.

Eine Tagung, die alle Vertrauensfrauen der Ab­teilung Volkswirtschaft-Hauswirtschaft im Deutschen Frauenwerk in den Räumen der Lehrküche im Einhorn" vereinte, brachte eine Schulung in der Verwendung des Seefisches.

Die Sachbearbeiterin des Kreises Wetterau, Frau M a t h y , erledigte nach kurzen Begrüßungsworten den geschäftlichen Teil der Veranstaltung. Aufklä­rende Schriften und Rezepte wurden verteilt und den Frauen durch die Leiterin des Lehrgangs, Frl. C h r i st, die verschiedenartigste Zubereitung der Fische erläutert. Diesem theoretischen Teil schloß sich eine rege Aussprache an. Es wurden auch die Schwierigkeiten besprochen, die sich im Sommer auf dem Lande der Verwendung von Fisch entgegen­stellen. Frl. Christ wußte aber die Bedenken zu zerstreuen und betonte die Aufgabe der Vertrauens­frau, auch in den Sommermonaten den Verbrauch von Fischen in ihrem Arbeitsbereich zu fördern und durch Sammelbestellungen die Belieferung der klei­nen Orte aufrechtzuerhalten.

Bei der praktischen Vorführung wurde die Zube­reitung verschiedener Gerichte gezeigt. Die Art der Speisen, die von den Frauen durch Kostvroben ge­prüft wurden, bewies, daß Fisch wie jedes andere Fleisch verwendet werden kann. Durch die Benut­zung einheimischer Kräuter, wie Petersilie, Schnitt­lauch oder Dill, kann das Gericht abwechslungsreich gewürzt werden. Suppe mit Fischklößchen und grüne Bohnen mit feingewiegtem Hering zeigten die Mög­lichkeit des Eintopfgerichtes, während ein mit Speck belegter knuspriger Schellfisch es mit jedem Sonn­tagsbraten aufnehmen konnte. Auch die Verwen­dung von Fisch als Abwechslung für den Abend­tisch, als Heringssalat oder gebratene Frikadellen, fand lebhaften Beifall.

Nach gemeinsamem Mittagessen im Cafö Leib ging es wieder an die Arbeit. Zum Schluß rief Frau M a t h y die Frauen auf, in ihren Orten sofort an die neue Aufgabe heranzugehen und in Kochabenden den Hausfrauen die schönen praktischen Gerichte vorzuführen, damit der Verbrauch an Fischen auch im Sommer nicht nachläßt.-Die Vertrauensfrauen schieden mit dem Bewußtsein, ihr Können und Wis­sen bereichert zu haben zum Nutzen der Volkswirt­schaft. F. K.

Sonderrugfahrt der Reichsbahn nach Auerbach.

Am vergangenen Sonntag veranstaltete die Reichsbahn unter Reichsbahn-Oberinspektor Kliff­müller als Reiseleiter eine stark verbilligte Son­derzugfahrt von Gießen nach der Bergstraße. Als Zielort war das idyllisch gelegene Auerbach ge­wählt, das auch diesmal wieder in seiner Blstten- pracht die alte Anziehungskraft zeigte. Trotz des nicht einladenden und nicht frühlingsmäßigen Wet­ters hotte sich eine stattliche Zahl von Teilnehmern zur Mitfahrt entschlossen, so daß der Zug beim letz- ten Einsteigebahnhof Frankfurt (M) - West mit über 700 freudig gestimmten Ausflüglern besetzt war. Die Reichsbahn hatte diesmal in besonderer Weise durch die Bereitstellung neuer Eilzugwagen für eine an­genehme Fahrt gesorgt, worüber die Fahrgäste sehr erfreut waren. Die Stunden in Auerbach wurden reichlich ausgenutzt zu Wanderungen aufs Auer-

HundertIahre Gießener Realanstatten.

Ein Rückblick auf die

ii.

Daß auch in Gießen dieses Bedürfnis sich schon lange regte, beweist der Lehrer am Pädagogium PH. Mich. S n e l l bereits 1778 mit seiner öffent­lichen Bekanntmachung betr. Gründung einer Pri- oatrealschule, die er in seinem Hause neben seiner ordentlichen Lehrtätigkeit plante. Die Ausführung dieses Unternehmens, mit dem Snell in erster Linie seine Einkünfte verbessern wollte, wurde jedoch rechtzeitig durch den Senat der Universität verhin­dert, der eine Schädigung des Pädagogiums be­fürchtete. Die erstrebteRealschulbildung" suchte der Senat damals zu erzielen durch Aufnahme und Ver­stärkung der realistischen Fächer im Lehrplan des Pädagogiums.

Lange war der BeariffRealschule" nach Form, Inhalt und Ziel nicht fest umschrieben. Im 18. Jahr­hundert zunächst durch den Nützlichkeitsstandpunkt bestimmt und als Vorbereitungsanstalt für die un­mittelbaren Berufszwecke, also mehr als Fachschule entstanden, hat sie erst in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts eine feste und bleibende Gestalt gewonnen. Gleich dem Gymnasium sollte sie das Fundament legen zu einer über das Maß der Volks­schule hinausgehenden Allgemeinbildung für alle höheren bürgerlichen Berufe, jedoch nicht wie eine Fachschule ausschließlich für eine besondere Berufs­art. Während aber das Gymnasium in der Haupt­sache eine altsprachlich-geschichtliche Bildung vermit­telte, stellte sich die Realschule die Aufgabe, auf einem kürzeren Schulwege ihre wichtigsten Bil­dungsstoffe in den mathematisch-naturwissenschaft­lichen Fächern zu suchen, ohne auf die gesinnungs­bildenden Fächer, auf den Unterricht in der Mutter­sprache und in neueren Fremdsprachen, in Geschichte und Erdkunde zu verzichten. Latein, anfangs als unverträglich mit dem Wesen der Realschule ver­worfen, wurde doch bald zugelcrssen, wenn auch vielerorts nur als wahlfreies Fach, einmal wegen seinerverstandesbildenden Kraft", wahrscheinlich aber auch wegen der damit verbundenen Berechti- gungen. Denn auch für die mittlere, nicht auf Uni­versitätsbildung gegründete Beamtenlaufbahn for­derten verschiedene Zweige der Staatsverwaltung regelmäßig ein gewisses Maß lateinischer Kennt-

Gründungsgeschichte.

nisse. So barg die neue Schulform von Anfang an den Keim zu z w e i Anstaltsarten mit verschiedenen Zielen und Mitteln in sich: den Keim zur reinen Realschule ohne Latein und zur Realschule mit La­tein, die sich im Laufe der nächsten Jahrzehnte zur Oberrealschule und zum Realgymna­sium entwickelten. Preußen ging bei den Grün­dungen und auch bei der späteren Weiterentwick­lung den übrigen Bundesstaaten voran.

Schon waren nach verschiedenen, zum Teil pri­vaten Versuchen, aber bei nicht ganz klaren und ein­heitlichen Zielen vier städtische Realschulen in Hes­sen entstanoen: in Darmstadt 1821 (zunächst als rein technische Schule ohne Fremdsprachen für Bauhand­werker, aus der sich die heutige Technische Hochschule entwickelte), seit 1826 erweitert durch eine Real­schule mit neueren Fremdsprachen und Latein; in Mainz 1831, in Offenbach 1834, zuletzt in dem Odenwaldstädtchen Michelstadt.

Gestützt auf die Darmstädter Erfahrungen hat sich die Regierung 1833 entschlossen, die beiden An­stalten in Darmstadt und Mainz nach einheitlichen Gesichtspunkten, zu erweitern, auch in Gießen, der dritten Provinz'ialhauptstadt, eine Neugründung an- mregen, das ganze Realschulwesen des Landes ge­setzlich zu regeln und zu verstaatlichen. Ein gemein­schaftlicher Beschluß der beiden landständischen Kammern stellte für jede der dreiProvinzialreal­schulen" jährlich dreitausend fl. aus staatlichen Mit­teln zur Verfügung, unter der Bedingung, daß auch die drei Städte sich zur Zahlung der gleichen Summe verstehen sollten.

In einer Sitzung erklärte sich der Gemeinderat der Stadt Gießen im Januar 1834 dazu bereit, unter ausdrücklicher Bejahung des Bedürfnisses nach einer Realschule. Ueber die sachlichen Leistungen die Bereitstellung der notwendigen acht Räume und der Heizungskosten, einerchemischen Küche", einer Wohnung für den Direktor und den Pedell, nicht zuletzt auch über das Ziel und die eigentliche Auf­gabe der neuen Realschule wurde Bürgermeister S i l b e r e i s e n mit einer von dem Gemeinderats­mitglied Dr. Vogt verfaßten und vom Gemeinde­rat am 9. 8. 1834 genehmigten Denkschrift bei der Behörde zunächst nochmals vorstellig.

** Die Sprechstunden des Kreisle^ ters fallen in dieser Woche in Gießen aus.

** Silberne Hochzeit. Morgen, Mittwoch 28. April, können die Eheleute Postassistent Karl Müller und Frau, Wetzlarer Weg 55, das Fest der silbernen Hochzeit begehen.

** 8 0. Geburtstag und Geschäfts, jubiläum. Am Ijeutigen Dienstag, 27. April, kann der frühere Weißbindermeister Christoph Schmidt II., Löberstraße 11 wahnhaft, der Senior, chef des Maler-, Lackier-, Weißbinder- und Stuck, aeschäfts Gustav Chr. Schmidt, in geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag begehen. Gleichzeitig jährt sich heute zum 50. Male der Tag, an dem der Jubilar vor einem halben Jahrhundert sein Geschäft gründete. Der alte Herr stammt aus Großen-Buseck, erlernte in Gießen seinen Beruf und war dann zunächst als Vorarbeiter bei dem Weißbindermeister Gg. M ö h l tätig. Durch Fleiß und gediegene fachliche Arbeit war es ihm ver. gönnt, sein eigenes Unternehmen fruchtbar ent- wickeln zu. können. Neben seinem Beruf war er auch lange Jahre in ehrenamtlichen Stellungen tätig, u. a. als Vorsitzender des Gesellen- und Meisterprüfungsausschusses in Gießen, im Aufsichts­rat der Handels- und Gewerbebank, beim Orts- gericht ufw. Am 1. Januar 1920 zog er sich vom Geschäft zurück und übergab es seinem Sohne, dem jetzigen Inhaber Gustav Chr. Schmidt.

** Die diesjährigen öffentlichen Impftermine sind wie folgt festgesetzt: Montag, 3. Mai, Nachschau: Montag, 10. Mai. Impftermin: Dienstag, 4. Mai, Nachschau: Dienstag, 11. Mak (jeweils in der Zeit von 15 bis 16 Uhr). Jmpflokal ist die Turnhalle der Schillerschule.

Amtsgericht Gießen.

Der vor kurzem vom Schöffengericht in Gießen wegen mehrerer Darmdiebstähle bestrafte R. I. aus Wieseck hatte sich nach seiner Bestrafung nach Frank« furt a. M. begeben. Da er ohne jealiche Barmittel war, faßte er dort den Entschluß, wieder nach Gießen zurückzukehren und einen Sackhändler, den er schon einmal bestohlen hatte, erneut zu bestehlen. Er brach bei diesem ein und entwendete 250 bis 300 Säcke, die einen Wert von etwa 100 RM. ausmachen. Bei der Ausführung der Tat wurde er jedoch von einem Wachmann der Wach- und Schließgefellfchaft über­rascht, so daß ihm die entwendeten Säcke wieder ab­genommen werden konnten. Das Gericht bezeichnet» ihn als einen asozialen Menschen, der scheinbar immer wieder zu neuen Diebstählen neigt, und es verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von acht Monaten. Infolge feiner schweren Erkran­kung und mit Rücksicht auf die Tatsache, daß er noch ziemlich jung ist, wurden ihm nochmals mil« bernbe Umstänbe zugebilligt. Das Gericht ließ ben Angeklagten jedoch nicht im Zweifel darüber, daß er im Wiederholungsfälle mit einer Zuchthausstrafe und der Anordnung der Sicherungsverwahrung zu rechnen hat.

Aus der engeren Heimat.

Landwirtschaftliche Dezugs- und Absahgenoffenschast Langsdorf, co Langsdorf, 26. April. Jüngst hielt die >äu erliche Bezugs- und Abfatzgenos- e n s ch a f t ihre alljährliche Hauptversammlung ab. 21115 dem Jahresbericht des Direktors Emil Bausch ging hervor, daß die Zahl der Mitglieder mit 109 ast gleich geblieben ist. Die hervorragende Bedeu­tung, die die Genossenschaft für die bäuerlichen Be­triebe unseres Dorfes hat, ging aus der Bilanz des Jahres 1936 hervor, aus der wir folgende An­gaben machen: 1. Bezug: An Futtermitteln wur­den bezogen 2530 Zentner --- 18 978 Mark (1935: 1585 Zentner 12 033 Mark). An Düngemitteln wurden bezogen 4588 Zentner = 13 057 Mark (1935: 4832 Zentner = 12 182 Mark). An Saat- aut wurden bezogen 343 Zentner 5522 Mark (1935: 414 Zentner = 6524 Mark). An Brenn- toffen wurden bezogen: 1580 Zentner = 1245 Mark (1935: 1300 Zentner = 1023 Mark). Verschie­dene Waren 1936 füt 4310 Mark (1935 für 3450 Mark). Der Gesamtbezug betrug 1936 9166 Zent- ner = 43 107 Mark (1935: 8131 Zentner = 35 302 Mark). Der BezuZ stellte sich also im Jahre 1936 um 7905 Mark höher als im Vorjahr. 2. Der Ab - atz gestaltete sich folgendermaßen: An (betreib» wurden abgefetzt 1936 3074 Zentner = 31165 Mark (1935: 3051 Zentner = 30 747 Mark). An Raps wurde abgesetzt 1936 11 Zentner = 186 Mark. An Flachs wurde abgefetzt 1936 154 Zentner = 605

Skandal um Or.Vandergmen Roman von Hans Hirthammer.

Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. S.

27. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

18.

An der Wohnungstür von Frau Bürklein steht Mary Hauck und schimpft wie ein Rohrspatz.

Bert Imhoff, von unten heraufkommend, sieht zuerst ein paar schlanke, fest gebaute Mädchenbeine, sieht einen hellgrauen Tuchrock eng um schmale Hüften gespannt und ist betroffen von der Voll­endung ihres Körpers.

Hier ist wohl niemand zu Haufe?" fragt er und zieht höflich den Hut.

Doch! Der alte Drachen will bloß nicht auf- machen. Aber wir werden schon sehen, wer die größere Ausdauer hat."

Mary drückt den Daumen auf den Klingelknopf und nimmt ihm nicht wieder weg.

Endlich wird die Türe aufgerissen, Frau Bürk­lein erscheint mit zorngerötetem Gesicht, aber sie hält ihren Entrüstungssturm zurück, als sie den Herrn sieht, der sie mit seiner mächtigen breit­schultrigen Gestalt zur Vorsicht mahnt.

Sind Sie denn schwerhörig geworden, Frau Bürklein? So was! Wo steckt die Gisch? Noch nicht nach Hause aekommen?"

Frau Bürklein verzieht verächtlich den Mund. Fräulein Ameluna ist vorübergehend zu einer Freundin übergesieoelt, angeblich. Wird schon die richtige Freundin sein! Wenn Sie die Adresse wis­sen wollen: Breite Straße 64. bei Fräulein Van- dergruen!"

Wie? Fräulein Dandergruen? Nein so was!"

Vandergruen?" denkt Imhoff.Das ist ja inter­essant!"

Und Sie, mein Herr?" flötete Frau Bürklein. Wollten Sie zu mir?"

Nein, ich hatte ebenfalls Fräulein Arnelung sprechen wollen."

Ach so!" Bums, kracht die Tür zu.

Sie wollten auch zu Gisch?" Nun sieht sich Mary den Herrn erst genauer an. Hm, nicht von Pappe, denkt sie. Könnte einem fast imponieren!

Imhoff mustert Mary so unbekümmert, daß es dieser ein wenig unbehaglich zumute wird. Sein Blick geht einem ja durch und durch.

Es ist keineswegs Imhoffs Art, mit irgendeinem Mädchen so im Vorbeigehen eine rasche Beziehung anzuknüpfen. Aber dieser Mensch da ist nichtir­gendein Mädchen", sondern da steht ein Geschöpf, makellos, voll Kraft und Selbstbewußtsein. Don so einer könnte man'vielleicht das Höchste fordern und das Höchste erlangen. Die wäre der Kerl dazu.

Mary trägt eine dünne Sommerbluse mit kur­zen Aermeln. Ein breiter Silberreifen umschließt ihren braunen, schöngeformten Arm.

Na, da wird uns nichts übrig bleiben, als der Flüchtigen nachzuspüren!"

Allerdings!" meint Mary nicht gerade überwäl­tigend freundlich und eilt, ohne auf ihn zu warten, die Treppe hinab. Er muß sich beeilen, wenn er sie nicht entwischen lassen will.

Ihre Bewegungen sind elastisch, voll Anmut, voll verhaltener Kraft. Man merkt es ihr völlig an, daß sie am liebsten ausbrechen und losstürmen möchte.

Das ist wohl Ihr Wagen?" fragt sie drunten und deutet mit einer Kopfbewegung auf das schmis­sige Kabriolett, dessen verchromte Kühlerhaube in der Sonne funkelt.

Allerdings!" lächelt Bert Imhoff und erwartet, daß sie den Vorschlag machen werde, mit ihm zu fahren.

Na, dann auf Wiedersehen! Ich benütze die Straßenbahn."

Wenn Sie Lust haben, können Sie ruhig in meinem Wagen mit Platz nehmen."

Nein, danke!" sagt Mary und marschiert los.

So etwas hat Imhoff wahrhaftig noch nicht er­lebt.Verdammte Kröte!" zischt er und hat sie mit drei Schritten eingeholt.

Kommen Sie jetzt!" befiehl er und packt sie so heftig am Handgelenk, daß sie vor Schmerz zusam­menzuckt.

Das ist ja Gewalt!" trotzt sie auf.

Anscheinend die einzige Möglichkeit, mit Ihnen fertig zu werden! Wenn Sie nicht mitfommen, können Sie noch was anderes erleben!"

So? Da bin ich ja neugierig!" Und sie versucht erbittert, mit zusammengekniffenen Augen ihr Handgelenk freizubekommen. Ein paar Dorüber- aehenoe werden schon aufmerksam und bleiben feixend stehen.

Was nun geschieht hat sich Mary allerdings nicht träumen lassen. Ehe sie sich's versieht, fühlt sie sich um die Hüften gepackt, hochgehoben und fortgetragen.

Im Augenblick ist sie sprachlos, aber dann fängt sie zu brüllen an, als stäke sie am Spieß, und strampelt mit den Beinen, daß Imhoff ordentlich zupacken muß.

Alles läuft zusammen, aber niemand weiß, wie er sich diesem ungewöhnlichen Vorfall gegenüber verhalten soll. Wenige Augenblicke später landet Fräulein Mary Hauck mit einem ziemlichen Schwung in den Polstern des Autos.

Imhoff nimmt am Steuerrad Platz, und schon saust der Wagen los.

In wenigen Sekunden ist der Schauplatz des auf­regenden Geschehnisses außer Sicht.

Bert Imhoff dreht sich nach seinem Opfer um und zwinkert dem Mädchen, das reglos, mit beben­den Lippen in der Ecke liegt, freundlich zu.

Weiterhin bekümmert er sich nicht mehr um sie.

Aber seine Gedanken umkreisen sie.

Die wäre es wert! Donnerwetter, welch ein Mensch! Dieses stolze Herz sich zu formen! Dies Mädel könnte einem vielleicht das Leben noch köst­lich machen!

In Marys Herzen bekämpfen sich die wider- streitendsten Gefühle. Zuerst hat noch die Empörung die Oberhand. Man braucht sich ein solch brutales, unerhörtes Benehmen wirklich nicht bieten zu las­sen. Geradezu toll ist das, wie' der Mann mit ihr umgefprungen ist. Wofür hält einen bloß dieser Kerl?

Aber allmählich drängen sich andere Stimmen vor. Eigentlich allerhand, rote er sie auf den Arm genommen und getragen hat! Als wenn sie rein gar nichts wäre! Sie weiß keinen anderen, der es gewagt hätte, etwas Aehnliches zu tun.

Wie das wohl sein würde, von diesem Mann geliebt zu werden?

Das Ende ist, daß Mary Hauck von der Liebe träumt.

Der Wagen hält vor dem Haus von Dr. Vander­

gruen, Imhoff steigt aus und wartet, bis Mary art feiner Seite ist.

Das dauert eine Zeit. Mary hat erst an ihrem! Kleid zu ordnen, der eine Schuh ist aufgegangen* die Frisur ist durcheinandergeraten. Endlich kommt sie herausgekrochen, oh, ganz Dame, sehr unnah­bar, angelegentlich mit ihren Handschuhen beschäs- tijjt. Das Mädchen Else führt die Besucher in btd Diele und verständigt Gisch.

Gisch, als sie herunterkommt, ist sehr überrascht* Bert Imhoff in Marys Begleitung anzutreffen.

Sie kennen meine Freundin?^

Noch nicht sehr lange, aber wir haben uns schon recht gut angefreundet, nicht wahr, mein Fräulein?"

Mary zieht die Augenbrauen hoch. Das bedeutet:' Sie sind für mich Luft, einfach Luft, mein Herr!"

Was soll das heißen, Gisch? Deine Uebersied- luna in dieses Haus, meine ich!"

Ich erzähle dirs noch! Wollen Sie mich fpre« chen, Herr Imhoff?"

Jawohl! Ich komme geradewegs von der Olbersstraße. Dort traf ich auch mit der jungen, Dame hier zusammen. Sie bat mich so flehentlich, sie hierher mitzunehmen, daß ich nicht nein sagen konnte."

Mary knirscht hörbar mit den Zähnen.Paß mal auf, Gisch, ich werde ein andermal wieder vor­beikommen. Der Herr wird allein mit dir sprechen wollen, da will ich nicht stören."

Ich weiß nicht--" zögert Gisch, aber Imhoff

macht eine Handbewegung, die jede weitere Erörte­rung abschneidet.

Das Fräulein hat selbstredend den Vorrang. Außerdem ist meine Angelegenheit in wenigen Mi­nuten erledigt."

Die drei betreten einen Raum, der als Besuchs­zimmer dient und nehmen um einen niederen ara­bischen Rauchtisch Platz.

Ich kann Ihnen leider nichts anbieten, da ich hier selber nur Gast bin, nicht einmal Zigaretten habe ich da".

Imhoff, mit ausgestreckten Beinen in den Sessel zurückgelehnt, zieht sein Etui.Haben wir!" lacht er.Bitte, die Herrschaften, sich zu bedienen."

Gisch bedient sich, und auch Mary greift mit spitzen Fingern ins Etui. Ihre Miene ist die einer Königin.Danke!" sagt sie kurz.

(Fortsetzung folgt!)

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