rungen auf Wiederzuerteilung seines asten Kolonial- besitzes als unbedingt zu Recht bestehend.
Wenn man heute Deutschland öfter vorwirft, daß es durch seine Rassengesetzgebung seine Unfähigkeit bewiesen habe, fremdes Volkstum zu erziehen und dessen Güter zu verwalten, so ist das ein Widerspruch an sich Man hat in Deutschland durch grundlegende Erkenntnisse auf dem Gebiet der Biologie festgestellt, daß jede Rasse ihre ihr eigenen, von anderen Rassen wesentlich unterschiedenen Charaktereigenschaften besitzt. In der Achtung und Förderung sowie in der Entwicklung solcher Eigenarten im deutschen Reichsgebiet liegt der Sinn der deutschen Rassegesetzgebung. Deutschland ist aber keineswegs gesonnen, in die Rassensphäre eingeborener Völker einzugreifen. Wir sind lediglich bestrebt, das Eindringen fremder Rassen in den deutschen Volksbestand aus völkischen Gründen zu verhindern. Wenn man aber glaubt, Deutschland in diesem Zusammenhang die Fähigkeit einer Eingeborenenbetreuung absprechen zu können, so sollte man vielmehr einen Blick auf die Geschichte mancher anderer Völker werfen, die sich ihrer besonderen kolonisatorischen Fähigkeiten rühmen. Man denke an das Aussterben der Marquesaner und der übrigen Maori-Bevölkerung in der Südsee, an das Aussterben der Indianer in Nordamerika und Kanada und schließlich auch an die Konzentrationslager, in denen seinerzeit die Buren Englands Interesse gefügig gemacht wurden. Und hierher gehört auch die Bemerkung, daß es kein Ruhmesblatt für die Alliierten im Weltkrieg war, weißes Blut durch schwarzes Blut vernichten zu helfen, abgesehen davon, daß dadurch das Ansehen des Europäers in anderen Erdteilen in seinem ursprünglichen Umfang auf schwerste geschädigt wurde. Wenn Deutschland heute, in der richtigen Erkenntnis, daß die Ehre unantastbares Eigentum jeder einzelnen Nation ist und daß sich kein Volk eine Schmälerung seiner Ehre auf die Dauer gefallen lassen kann, als
gleichberechtigt angesehen wird, so hat es auch das Recht, gleich anderen Staaten, entsprechend dem Artikel 22 der Völkerbundssatzung, an der Entwicklung zurückgebliebener Völker mitzuwirken.
Durch eine Wiedergutmachung des kolonialen Unrechts würde Deutschland in der Lage sein, allmählich auch den Rest der Arbeitslosigkeit zu beheben. Unsere Wirtschaft würde neue Antriebe erhalten, die sich auch der Weltwirtschaft mitteilen müßten. Auch könnten die eingefrorenen Kredite durch die wiedererstehende Bewegungsfreiheit der deutschen Devisenwirtschast leichter aufgetaut werden. Die Besserung der Wirtschaft aber würde auch zu einer weiteren Befriedung der weltpolitischen Verhältnisse beitragen. Somit liegt in der Lösung der deutschen Kolonialfrage ein entscheidender Beitrag zur Wiedergesundung Europas in wirtschaftlicher wie politischer Hinsicht. Auch in den jetzigen Mandatsgebieten würde durch die Rückgabe endlich die für deren Entwicklung erforderliche Beruhigung eintreten. Darüber hinaus aber müßte der weißen Rasse in ihrer Gesamtheit daran liegen, Europa durch eine enge Heranziehung Deutschlands in seinen weltpolitischen Aufgabenbereich zu kräftigen. Je eher Deutscylands rechtlichen und moralischen Forderungen aus kolonialem Gebiet entsprochen wird, desto mehr wird es auch zur Auftecht- erhultung des europäischen Besitzes in der Welt und zur Erfüllung der damit verbundenen Aufgaben beitragen. Der Monroe-Doktrin, die unter der Parole „Amerika den Amerikanern!" ganz neue weltpolitische Perspektiven eröffnete, ist der Ruf „Asien den Asiaten!" gefolgt. Es liegt nicht zuletzt an England, zu entscheiden, ob Deutschland seine europäische Aufgabe erfüllen kann. Dem englischen Volk dürfte die Entscheidung nicht schwer fallen, denn schon der deutsch-englische Flottenvertrag hat gezeigt, daß ein Interessenausgleich zwischen großen Völkern bei beiderseitigem guten Willen keine Utopie ist.
Bummel durchs Guaheli-Laud.
Don unserem E.R.K.-Äerichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
VI.
Auf den Wo zu reiten...
Mornbassa, Anfang 1937.
Es ist heute wahrhaftig keine Heldentat mehr und keine große, feierliche Expedition, auf den Kilimandscharo zu steigen, wie noch vor vierzig Jahren, als Hans Meyer erstmals ganz oben war, auf dem höchsten Berge Afrikas und ehemals Deutschlands. Sondern ich wurde, als wir auf der Terrasse des Hotels in Marangu saßen und den Sundowner tranken, den berühmten ersten Alkohol des afrikanischen Tages, nur so einfach gefragt, ob ich mitwollte. Eigentlich war nämlich beschlossen worden, in diesem, an sechszehnhundert Meter hoch gelegenen Hotel, wo man zwar unterm Aequator, aber nicht unter Moskitonetzen, sondern unter wundervollen Felldecken aus Klippschliefer nächtigte, drei Tage Ruhe von dem vielen Autofahren einzuschalten. Ich rief dem Boy zu, mir den Whisky Soda zu bringen, und dann sagte ich fröhlich und geradeheraus ja. So weit ist es also in Afrika mit Zivilisation und Touristik glücklich schon gekommen, daß es nur dieser zehn Sekunden Ueberlegens bedurfte.
N'cht nur, weil irgendein afrikanischer Alpenverein alle vier Marschstunden Hütten am Wege errichtet hat, und man bis weit über 4000 Meter hinaufreiten kann, ist der Kibo ein bequemer Berg. Sondern als unwesentlicher Tourist kann man auch umkehren, wo man will, etwa auf besagten 4000 Metern an der Petershütte, wo an geschützten Stellen kleiner Schluchten noch die Lobelien und Johnstonien bizarr und übermannshoch blühen. Die riesige Höhe von insgesamt 6000 Meter verpflichtet zu nichts, und in der Tat können viele den harmlosen Spaziergang die letzten 1000 Meter hinauf über die ewige Schneekappe bis zum Kraterrand wegen Bergkrankheit nicht machen. Aussicht, außer in die Tiefen des Weltalls droben und auf den ewigen Nebelring auf halber Höhe des Berges, ist sowieso sehr selten, weshalb auch sehr wenige den Berg drunten von der Massaisteppe aus gesehen haben, von wo aus die Schneekappe in einer unwahrscheinlichen Höhe am Himmel überirdisch zu schweben scheint.
Aber es war doch unüberlegt gewesen, so schnell ja zu sagen, denn nun galt es, die seit acht Tagen faul in Autositzen gebetteten Knochen bis zu acht Stunden täglich auf Eselsrücken zu placieren. Das konnte nicht gut geben und ging auch teilweise nicht gut. Und hätte ich die Beschaffenheit der Wege ge- abnt hätte ich von vornherein abgelehnt aus Mitleid für die Tiere. Ein wesentlicher Punkt kultureller Mißverständnisse zwischen Deutschen und allen Südländern sind nämlich die Esel. Unser tierfreundliches Herz wird schon in Italien bis zur Bitterkeit erregt, weil die Esel so dünne Beinchen haben und auf dem Rucken so ungeheure Lasten oder einen turmhohen Mann non 1,85 Meter und 85 Kilo, wie den Leiter unserer Sibo-Safari. Wenn Bwana M. beim Aufstieg so vor mir ritt, dachte ich, sein Esel müßte jeden Augenblick unter ihm durchbrechen. Er sprang aber mit ihm im Urwald sogar über einen drei Meter breiten Bach. Allerdings, bis er es dahin brachte, gehörte einiges Schieben und Ziehen dazu, das von kräftigen Negerfäusten ausgeführt wurde, denn keines unserer Tiere traute sich, in das kristallene, über den klaren Sand einer Furt fließende Wasser hineinzutreten.
So ein Esel ist eben stärker als man denkt. Der vom Bwana M. riß mich, als ich ihn einmal, auf steil ansteigendem Weg noch dazu, festzuhalten versuchte, wie einen leeren Papierkorb um. Heute würde mir das allerdings nicht mehr passieren, denn auf der Fahrt hieß es: jedermann fein eigener Eseltreiber, und da habe ich's perfekt gelernt, was ich mit Genugtuung feststelle. Aber damals warf er mich einfach gegen den rauhesten Basaltblock der ganzen Gegend, an dem ich mir glücklicherweise nur die Hände abschürfte aber die gründlich, und bei der gelegentlichen Starrkrampf- gefshr in den Tropen war mir das schon gar nicht lieb. Zum Schluß indes bin ich sehr gut mit meinem Esel ausgekommen, indem ich ihm hie Ehre antat, ihn qam wie ein Pferd zu reiten, so daß er bei folgenden Versuchen, sich schlecht zu benehmen, wie ein gemauert stand und nicht vom Fleck konnte. Er hatte mich als Meister anerkannt, was schon was heißt bei einem Esel. Das Einzige, woran ich ibn nie hindern konnte, war, daß er'beim Marsch durch den Urwaldgürtel fortwährend Pflanzen und Blätter am Wegrand abriß. Es müssen Zentner ge- gemefen fein, die er sich einverleibte, und wenn vom
Kilimandscharo-Urwald noch etwas da ist — an ihm und seinem guten Willen lag's wirklich nicht.
Dieser Urwaldgürtel, den man zwischen siebzehnhundert und zweitausend fünfhundert Meter durchquert, ist von einer besonderen Schönheit. Hinter den Negershamben oberhalb von Marangu, den fruchtbaren, glücklichen Feldern und Bananen- aärten, ein gezäunt von blühenden Hecken und erfüllt von dem Geschrei schwarz-blanker, niedlicher Negerkinder, die herbeilaufen und uns aus den Hecken heraus kugeläugig anstarren: „Jambo, Bwana, guten Tag, Herr , beginnt dieser Wald, unendlich dicht, bizarr durcheinander gewachsen all das bemooste Baumzeug und still wie ein Geheimnis. Selten einmal der Ruf eines fernen Vogels, oder Affen ärgern sich mit knarrendem Geschrei über unsere Anwesenheit. Die Sträucher, die Erd- fanten des tief eingeschnittenen, mit Steinbrocken besäten Pfades streifen die Beine des Reiters und ihm andauernd die Steigbügel von den Füßen. Und diesen Pfad, mit der nassen, fetten Erde, glatt wie eine Eisbahn, trottet, windet sich der Esel holpernd und springend stundenlang auswärts, ein erfahrener Kletterer steigt er über Baumwurzeln und gelegentlich über gewaltige Haufen frischer Elefantenlosung. Man späht nach ihnen, und der Nebel webt droben trüb zwischen den Baumkronen. Das letzte Waldstückchen aber ganz oben mit seinen meterlangen Moosbärten an allen Aesten nannten wir sofort den Märchenwald. So wie auf dem Theater, nur noch potenzierter romantisch, sah er aus. Kein Forstmeister legte je die Hand an diese Wälder und so bleiben sie. Ich vergesse nie, wie beim Abstieg am dritten Tage plötzlich die Sonne ’burd) all den Wald hineinschien und uns von dem Nebelbrodem, in dem wir zwei Tage lang ununterbrochen gesteckt hatten, erlöste. Es war ein glückhaftes Reiten.
Die Bismarck Hütte, um das noch zu sagen, die erste der Reihe, ist mit ihrem dicken Mauerwerk und den zweistöckigen Mattatzenlagern eine regelrechte Hütte, wie in den Alpen, nur vielleicht etwas größer als viele von ihnen, während die Petershütte, die nächste, einfach eine Wellblechbude darstellt. Außerdem fehlte uns der Schlüssel dazu. So hockten wir teils neben dem Feuer, das unsere Neger unter dem bis auf die Erde verlängerten Wellblechdach der Hütte angezündet hatten,' teils neben unfern Eseln hinter einem Steinwall und froren trotz dicker Unterwäsche, verschiedener Westen und Pullover und dicken Mäntel in dem sacht den Berg hinaufziehenden Nebel. Ostafrika ist halt eine Angelegenheit zwischen Tropenhelm und Wintermantel. — Er war so dicht — der Nebel — daß man keine zwanzig Meter weit sehen konnte. Und trotzdem bekam ich Augenschmerzen, weil es — s o hell war. Der Belichtungsmesser bewies es objektiv. Einer meiner Gefährten, der ein halbes Stündchen weiter hinaufspaziert war, verirrte sich dementsprechend in dem Nebel,, und es wäre ein sehr unangenehmer Zeitverlust mit der Suche nach ihm entstanden, wenn es mir nicht gelungen wäre, ihn vermittels eines Konzerts auf meiner Trillerpfeife herbeizurufen. Man soll — mögen auch die Leute lächeln — unnütze Sachen mit sich herumschleppen.
Etwas bedrückt von dem Bewußtsein, nichts gesehen zu haben und oftmals absteigend an allzu steil eingeschnittenen, kleinen Bachläufen, die unsere Esel im Sturm zu nehmen liebten, zogen wir über die welligen, mit übermannshohem Ginster und Erikaceen bestandenen Hochflächen des Kidomassivs wieder zur Bismarckhütte zurück. Auch dieser Abstieg war das bei weitem Unangenehmere und Heiklere der Bergfahrt. Die Belohnung für die zer- ichundenen Hände und Bwana M.'s schmerzende Rückseite aber kam noch — am nächsten Morgen. Triumphgeschrei ließ mich von meiner Matratze auffahren: hie Sonne geht auf. Sie tat es auch, wie gewöhnlich, aber über einem wundervollen Nebelmeer, dem ersten in den Bergen, das ich sah. Uns gegenüber schauten die Gipfel des Paregebirges heraus und über uns war alles klar. Wir stolperten, ungewaschen, den entsetzlich schlüpfrigen Weg durch den Märchenwald, den wir nie zu reiten wagten, bis zu feinem oberen Ende, und da sahen wir sie dann in einer metallenen Morgenklarheit, aufgebaut über den welligen Hochflächen ihres Massivs: der Kibo mit seiner Schneekappe, gebuckelt wie ein breiter Elefant und rechts daneben der „nur" 5000 Meter hohe zweite Gipfel, der M a - w e n f i, mit senkrechten, vielgefurchten Wänden, eine Gotik in Basalt. Es war ein bißchen wie Domesstille über ihnen und mehr Heiterkeit, als ich sonst fand in diesem Erdteil mit der heftigen Sonne und dem dunklen Antlitz ...
Wie die ff. Armee zu ihren Ostereiern kam.
Don Korveiien-Kapiiän a. D. G G Irhr v. $orftner.
Vor Antritt der ersten Fahrt zum U-Boot-Han- delskrieg mit unserem „U 28" im März 1915 hatte ich es mir in den Kopf gesetzt, wenn es die Begleitumstände erlauben sollten, einmal den Versuch zu wagen, angetroffene und der Aufbringung unterliegende Handelsschiffe nicht einfach zu versenken, sondern nach Möglichkeit in einen Hafen einzubringen. Das einzige, was ich an Vorbereitungen hierzu treffen konnte, war die Anbordnahme von einigen schwarz-weiß-roten Handelsflaggen, die wir sonst nicht brauchten. Nach der Prisenordnung waren wir auch noch verpflichtet, ein Prisenkvmmando in einem eigenen Beiboot an Bord zu setzen, da wir keinerlei Unterstützung von einem angehaltenen Handelsschiff fordern durften. Wir hatten nur ein kleines Boot, Dingi, an Bord, das nur bei glatter See höchstens drei Mann fassen konnte, dieses kam also kaum in Frage. Ich glaubte aber, daß die Dampfer wohl auf Aufforderung ihre Papiere zur Untersuchung schon mit einem eigenen Boot zu uns herüber- jcyicken würden. Hierin sollte ich auch recht behalten.
Schwerer zu lösen war schon die Gestellung eines Prisenkommandos, zusätzliches Personal war kaum an Bord unterzubringen, auch hätte ich es nie bekommen. Hier mußte ich also auf die eigene Mannschaft zurückgreifen, wobei die notwendige Gestellung eines Prisenoffiziers die größten Schwierigkeiten machte, da ich von meinen beiden Wachoffizieren einen als Torpedooffizier und den andern als Tiefensteueroffizier dringend gebrauchte. Da kam mir ein glücklicher Zufall zu Hilfe. Als wir gerade im Emdener Außenhafen die Seinen loswerfen wollten, kam ein mir bekannter Oberleutnant z. S. Schmidt, der zur Unterscheidung von seinen vielen Namensvettern in der Marine nur „Juhle Schmidt" genannt wurde, vor unser Boot, um uns zu begrüßen. Er war soeben von einem Kommandan- ten-Lehrgang auf der U-Bootsschule zu unserer Flottille nach Emden kommandiert, und wartete auf das Kommando auf ein Frontboot, zu einer Kriegsfahrt. Diese Fahrten von U-Bootskommandanten- Anwärtern nannten wir „Konfirmandenfahrten". Ich forderte ihn darum auf, obwohl ich nicht felb- ftänbig über ihn verfügen konnte, dann doch gleich bei mir als „Konfirmand" mitzufahren und schnell seinen Koffer vom Wohnschiff zu holen. Der Koffer war aber noch auf der Bahn, solange, bis der herankommen würde, durfte ich aber nicht warten. Mit den Worten: „Dann muß das auch einmal ohne Nachthemd und Zahnbürste gehen", spang „Juhle" schnell entschlossen an Bord, mit etwas Oelzeug und Lederpäckchen konnten wir ihm aushelfen. Als ich ihm dann eröffnete, daß ich ihn mit einem Prisenschiff in den nächsten Hafen zurückschicken wollte, erklärte er mir unter seinem stets freundlichen Lächeln: „Dann werde ich mir schon Nachthemd und Zahnbürste von meinem Prisenschiff besorgen!" Allerdings hatten wir noch keins.
Nachdem wir am Nachmittag des 17. März in der Nordsee kurz hintereinander die beiden holländischen Dampfer „Batavier IV" und „Waalsttoom" untersucht hatten, deren Kapitäne ohne jedes Sttäu- ben auf meine Aufforderung mit ihren Booten Offiziere mit den Schiffspapieren zu uns geschickt hatten, und wir diese Dampfer, da sie einwandfrei nach Holland bestimmt waren, wieder hatten laufen lassen müssen, wußten wir wenigstens schon, daß sich wohl auch in anderen Fällen die Kapitäne in gleicher Weise zur Gestellung eigener Boote bereitfinden lassen würden.
Im Morgennebel des 18. März hielten wir vor der Themsemündung den holländischen Dampfer „Batavier V" an. Nach den ersten Warnungsschüssen gab der Kapitän des Schiffes seinen Fluchtversuch in Richtung auf die englischen Bewachungslinien, die nicht mehr weit entfernt sein konnten, auf, und schickte uns seine Papiere an Bord. Aengstlich standen die rund 150 Passagiere, darunter eine größere
Anzahl hübscher zierlicher Frauengestalten, ttotz des kühlen Morgenwetters, in notdürftigster Morgentoilette an der Reeling. Als ich aus den an Bord gesandten Ladepapieren unter anderem 40 000 aus» geschlachtete Schweine und 200 Faß „Amsterdamer- Münchener Bier" ersah, befahl ich nur kurz: „Juhle, mach dir klar, den nehmen wir mit, Kurs Zee- brügge!" Als weiteres Prisenkommando teilte ich ihm nur einen Matrosen ab, die ganze Ausrüstung unseres Prisenkommandos bestand lediglich aus je einer Pistole, zwei Winkflaggen und einer schwarzweißroten Handelsflagge, die sofort nach Nieder- holung der holländischen Flagge auf „Batavier V", ttotz des Protestes des Kapitäns, gesetzt wurde.
Dann traten wir den Marsch nach Zeebrügge an. Das diesige Wetter schützte uns gegen weite Sicht feindlicher Streitkräfte. Nach einigen Stunden ungestörter Fahrt winkte mir der Kapitän aufgeregt mit einer Flagge nach Backbord achteraus. Ich hoffte schon, daß ein englischer Kreuzer sich zur Untersuchung des Dampfers nähern würde, der uns dann leicht zur Beute fallen konnte. Bald bekam ich aber durch Winkspruch die Meldung, daß von der hohen Kommandobrücke des Dampfers ein neuer Dampfer zwo Strich Backbord achteraus in Sicht sei.
Sofort schoß mir nun der Gedanke in den Kopf, auch diesen mitzunehmen. „Juhle" bekam daher Befehl, mit langsamster Fahrt auf Kurs Zeebrügge zu bleiben, während wir mit höchster Fahrt zur Untersuchung des neuen Schiffes eilten. Bereit- willigft kam der Kapitän des holländischen Dampfers „Zaanstroom" mit seinen Papieren selbst an Bord, um gleich darauf das Los der „Batavier V" zu teilen. Seine Ladung schien mir denn doch auch zu verlockend, um sein Schiff einfach kaltherzig zu versenken. 80 000 Flaschen Eierkognak, 120 000 Flaschen besten Bols-Likors und 4400 Kisten Eier zu je 1800 Stück, waren doch immerhin des Mitnehmens wert, da konnten wir unseren Kameraden an der Westfront doch noch eine große Freude zum bevorstehenden Osterfest bereiten. An einer Kiste hatten wir ja reichlich genug.
Als Prisenoffizier hatte ich nun doch auf meinen zweiten Wachofsizier Oberleutnant z. S. Ziemer zurückgreifen müssen, der ihm mitgegebene Heizer hatte in der Eile als einzige Waffe allerdings nur noch schnell ein leeres Pistolenfutteral erwischt, es ging aber auch so.
Am Nachmittag kamen wir nach kleinen Zwischenfällen unbedeutender Art glücklich in Zeebrügge an, wo wir um so freudiger begrüßt wurden, als die Kameraden des Marine-Korps aus unserer Signalmeldung schon erfahren hatten, was für schone Dinge wir ihnen mitgebracht hatten. Die Engländer konnten jetzt auf manchen Schweinebraten, manche schone Flasche Schnaps und ihre Eier für den Fest- kuchen vergeblich warten!
Wie wir später erfuhren, erhielt jeder Mann der auf dem rechten Flügel der Westfront stehenden IV. Armee zu Ostern 19 Eier von den 4400 Kisten zu je 1800 Stück! Im ersten Augenblick hatte ich noch gar nicht ausgerechnet, daß dieses tatsächlich die ganz stattliche Zahl von nicht weniger als 7 920 000 Eiern, also fast 8 Millionen Stück ausmachte! Die holländischen Hühner hatten sich also in anzuerkennender Weise angestrengt.
Mit Eiern, Bier und andern schmackhaften Lebensmitteln, wie Enten und Aalen von unfern Dampfern reichlich versorgt, traten wir die Weiter fahrt zum Handelskrieg im Atlanttschen Ozean an.
Leider hatten wir auf die Entladung der Schnapsvorräte, die in den unteren Räumen verstaut waren, nicht warten können. Wir hofften, als wir nach schöner erfolgreicher Kriegsfahrt im Atlantischen Ozean zurückkamen, doch wenigstens noch ein naar dieser Flaschen zu ergattern. Als wir am 2. Avril in Ostende wieder einliefen, war aber leider schon die letzte Flasche „verteilt"!
Abschied vom Spaten.
Mannschastswechsel in den Lagern des Reichsarbeitsdienstes.
Wenn in diesen Tagen wiederum 160 000 junge Deutsche den erdbraunen Rock des Reichsarbeitsdienstes mit der feldgrauen Uniform vertauschen, bann werden ihre Gedanken imnrr noch gern in diese Zeit zurückgehen, da sie wertvolle Arbeit am deutschen Boden geleistet haben und selbst wertvollere Menschen geworden sind durch die Ausbildung und Erziehung, die sie in dieser „Schule der Nation" genossen haben. Ms die Arbeitsmänner Anfang Oktober des vergangenen Jahres in die Lager einrückten, da war manchem etwas ängstlich zumute, wußte er doch nicht, wie sich sein Leben im Arbeitsdienst gestalten würde. Nun aber, da diese sechs Monate vorbei sind, bekennt jeder, daß er mit Stolz auf die Arbeit zurückblickt, die er im Ehrendienst des deutschen Volkes für die Ernährungsfreiheit geleistet hat.
Sie alle haben im Arbeitsdienst einem übergeordneten Willen gehorchen müssen, aber es war nicht persönliche Willkür, der sie sich unterordnen mußten, sondern es waren d i e Gesetze der Gemeinschaft, denen diejenigen, die ihnen befahlen, ebenso unterworfen waren, wie sie selbst. Sie sind in soldatisch straffer Zucht gehalten worden, sie haben aber auch einsehen lernen, daß es ohne Gehorsam keine Arbeitsleistungen, keinen geordneten Dienstbetrieb, ja kein erträgliches Lagerleben gegeben hätte. Sie haben einsehen lernen, daß der Gehorsam für eine Gemeinschaft nicht nur eine Notwendigkeit, sondern eine Wohltat für alle ist. In je engerer Verbundenheit sich das Leden einer Gemeinschaft abspielt und je höher und härter die Anforderungen sind, die an eine Gemeinschaftsleistung gestellt werden, um so straffer und unbedingter muß der Gehorsam sein.
Sie haben im Reichsarbeitsdienst aber auch erlebt, daß diese Gemeinschaft nicht nur durch den Gehorsam, sondern auch durch die Kameradschaft zusammengehalten wird. Beides zusammen gibt erst den rechten Kitt für eine Gemeinschaft, Gehorsam und Kameradschaft zusammen geben den rechten Sozialismus. Diele von ihnen haben im Arbeitsdienst zum ersten Mal das Wesen der Kameradschaft erlebt, diese gegenseitige Achtung, Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft, dieses Zusammenarbeiten, diesen Zusammenhalt zur Wahrung des Ansehens und der Ehre der Gemeinschaft. Viele von ihnen haben im Reichsarbeitsdienst zum ersten Mal auch jenen Gemeinschaftsgeist erlebt, der keine Klas
sen duldet und in keinerlei Form hemmende Schranken innerhalb der Gemeinschaft aufrichten läßt. Und wenn diese jungen Deutschen nun die Lager verlassen, dann wird ihnen noch einmal so recht d i e Sendung des Arbeitsdienstes zum Bewußtsein kommen. Im Arbeitslager lernten sie des Führers Werk erkennen, wie es in so eindringlicher Form in dem Lied zum Ausdruck kommt:
Unsere Spaten sind Waffen im Frieden, Unsere Lager sind Burgen im Land.
Gestern in Stände und Klassen geschieden, Gestern der eine vom andern gemieden Graben wir heute gemeinsam im Sand.
Treu dem Befehl des Führers, Stoßtrupp des Friedens zu fein, Ziehn wir mit Hacke und Schaufel und Spaten' Stolz in die Zukunft hinein.
*
Nur kurze Zeit werden die Lager verwaist fein. Ein, zwei Wochen stehen sie leer, d. h. ein Teil der Führer ist natürlich immer zur Stelle, gilt es doch auch, in der Zwischenzeit die Vorbereitungen zu treffen für den Empfang der neuen A r - beitsmänner, welche in den ersten Tagen des April eintreffen werden. Dieser neue Jahrgang wird vor besondere Ausgaben gestellt sein, fällt es doch gerade ihm zu, bei der Erfüllung des zweiten V i e r» jahresplans tatkräftig mit Hand anzulegen. All die großen ßanbgeminnungsarbeiten im Reich, welche die eine hohe Aufgabe verfolgen, die Ernährung des Volkes aus eigener Scholle sicherzustellen, werden von den neuen Arbeitsmännern weitergeführt. Erstmalig tritt im April auch die zahlenmäßige Verstärkung des Arbeitsdienstes in Kraft, der 235 000 Mann umfassen wird, eine Zahl, die im Jahre 1938 auf 270 000 gesteigert werden und im Jahre 1939 mit 300 000 ihren Höhepunkt erreichen wird.
Dieser Jahrgang — es ist der vierte, welcher von der Arbeitsdienstpslicht erfaßt wird — wird auch wieder, ebenso, wie es im vergangenen Jahre der Fall gewesen ist, auf dem Reichsparteitag in Nürnberg ausmarschieren und durch fein diszipliniertes und geschlossenes Auftreten für die Idee des Ar» beitsbienftes Zeugnis ablegen. Diese Arbeitsmänner werben von bem gleichen Geiste erfüllt fein wie ihre Kameraben im vergangenen 5lohre, denen der Führer unter dem Jubel der Zuschauer zurief: „Ihr


