seinen Namen nach dem weltbekannten englischen Kolonialpionier Cecil Rhodes, der, glücklicher als !
Im Unterhause hat die englische Regierung angekündigt, daß eine königliche Kommission den Nutzen eines engeren Zusammenschlusses von Nord- und Süd-Rhodesien, sowie von Njassa-Land prüfen werde. Der Leser hat recht, wenn er fragt: „Was sind denn das überhaupt für Länder?" Nun, sie nehmen mit 1,2 Millionen Quadratkilometer fast den dreifachen Raum von Deutschland ein, zählen aber nur 4,5 Millionen Einwohner. Es sind britische Kolonialgebiete, die nördlich der Südafrikanischen Union — um in ganz groben Umrissen zu sprechen — zwischen dem früheren Deutsch-Südwestafrika und Deutsch-Ostafrika liegen. Das nördliche und südliche Rhodesien fuhrt
„Mittelafrikanische Union."
ist es noch ein weiter Weg und zunächst heißt es für uns alle, die erste entscheidende Klippe zu „umschiffen", nämlich die Einstellungsprüfung zu bestehen!
Und die beginnt dann am anderen Morgen nach einem gründlichen Brausebad im Anschluß an das „Reinschiff" mit der ärztlichen Untersuchung, wo wir auf Herz und Nieren geprüft werden, bis nach dem Durchlaufen aller einzelnen Etappen, wie Augen, Ohren, innere Organe usw. bei der abschließenden Hauptunteesuchung das erlösende Wort „tauglich" fällt. Manch einer zieht hier noch mit hängenden Ohren wieder ab, weil die Sehleistungen ungenügend sind ober die Natur ihn mit Plattfüßen gesegnet hat.
Am anderen Morgen stehen wir von der Gruppe 7 bereits in aller Herrgottsfrühe mit weiteren acht Gruppen in einem provisorischen und noch reichlich unmilitärisch anmutenden Sportanzug vor der Sporthalle angetreten, wo unter der Leitung eines unserer späteren Kompanieführer die S p o r t p r ü - fung stattfinden soll. Kraft- und Gewandtheits-
Rekruteneinstellung bei der Kriegsmarine
Don Kapiiänleuinani Friedrich Karl Birnbaum, Ärake i. O.
richtungen erhalten.
Im Deutschland der Gegenwart vertritt die na- tionalsozialistische Partei als solche ein positives Christentum, aber sie ist nicht konfessionell gebunden. Der Staat hat die Bekenntnisgemeinschaften mit Steuergeldern der Allgemeinheit unterstützt — seit 1933 haben sie nach den Angaben des Reichskirchen- Ministers bisher rund eine halbe Milliarde Mark bezogen — und dazu kommt die Einziehung der Kirchensteuern, die der Staat übernahm. Trotzdem hat sich eine Bewegung geltend gemacht, die die ausschließlichen Ansprüche jeder konfessionellen Gruppe auf Beherrschung der religiösen Empsindun gen in den Vordergrund stellte. Der Staat der religiösen Gewissensfreiheit ist daher gezwungen worden, eben diese Gewissensfreiheit scharf zu betonen und auch die Kindererziebung nach seinem politischer Ideal zu gestalten, der Staat hat mit allem Nachdruck die Hebergriffe der Konfessionen auf politische Dinge abgelehnt, und Reichsminister Kerrl hat in Fulda mit aller Deutlichkeit die klare Scheidung zwi- schen Kirche und Staat als Ziel herausgestellt. das jedem das Seine gibt. Der nationalsozialistische Staat sei, so erklärte der Reichskirchenminister kategorisch, in keiner Weise an der Gründung einer nationalsozialistischen Staatskirche interessiert. Politisierende Kirchen wieder in wahrhaft religiöse Gemeinschaften umzuwandeln, sei vielmehr das Bestreben der nationalsozialistischen Kirchen Politik.
Kaiser Lothar der Sachse.
Deutschlands Wendung zum Osten.
Das Deutsche Nachrichtenbüro schreibt: Die frühere Geschichtsschreibung hat über die großen deutschen Fürsten des Mittelalters, die ihre erste Aufgabe in der Stärkung des Deutschtums, in der Verwurzelung des deutschen Bodens sahen, ein völlig verzerrtes Bild gegeben. Erst im nationalsozialistischen Reich ist begonnen worden, eine vollkommen neue Quellenforschung aufzunehmen und auf Grund dieser Forschung ein neues wahrheitsgetreues Bild der großen Volksführer aus deutscher Geschichte zu geben. So erschien vor einem Jahr als erstes Ergebnis dieser Forschung das Werk „König Heinrich I." von Dr. Franz Lüdtke, dem bekannten Ostmarkschriftsteller und Ostmarkforscher. Der Reichsführer ff und Chef der Deutschen Polizei hat inzwischen in Quedlinburg König Heinrich I., der als erster die Zukunft Deutschlands nicht in fremden Landen, sondern in Deutschland selbst suchte und die Wendung zum Osten vornahm, ein bleibendes Denkmal gesetzt. Soeben erschien nun im Verlag Georg Stilke ein zweites Buch von Dr. Franz Lüdtke „Kaiser Lothar der Sachse — Deutschlands Wendung zum O st e n". Kaiser Lothar aus niedersächsischem Blut, dessen Todestag sich am 4. Dezember zum 80 0. Mal« jährt, war der große Fürst, der, nachdem das deutsche Grenzland im Osten vergessen, das von König Heinrich I. Erworbene preisgegeben worden war, erneut die Wendung von der Rompolitik seine r Vorgänger zu r
Hilfsbahn für die Kok Armee.
In der rumänischen Presse finden wir die Mit- teilung, daß in nächster Zeit jene vielberedete V e r- bindungsbahn zwischen dem tschechischen und rumänischen Bahnnetz gebaut werden soll, welche bestimmt ist, durch Nordwestrumänien militärische Hilfstruppen in die Tschechoslowakei zu führen. Eine tschechische Großbank hat einen Kredit für den Bahnbau in Höhe von 125 Millionen Tschechenkronen eröffnet und davon bereits 25 Millionen angezahlt. Es werden auch tschechoslowakische Arbeitskräfte beim Bahnbau beteiligt sein. Dagegen verpflichtet sich Rumänien, der Tschechoslowakei Bauhilfsmaschinen im Gegenwert von wenigstens 12 Millionen Tschechenkronen abzunehmen. Der Umstand, daß sowohl tschechische Arbeitskräfte, wie arbeitssparende Maschinen zur Verfügung gestellt werden, deutet darauf, daß eine schnelle Durchführung des Bauvorhabens ins Auge gefaßt ist. Als spätester Termin wird der 1. Oktober 1940 genannt. Wie bereits angedeutet, soll diese Bahn durch eine wesentliche Streckenverkürzung das Heranrollen sowjetrussischer Hilfstruppen in d i e verbündete Tschechoslowakei beschleunigen. Die ganze Tschechoslowakei^ gleicht einem Sack mit einem sehr engen Hals im östlichen Staatszipfel, während der Boden des Sacks in Böhmen verhältnismäßig breit ist. Die polnische Grenze springt in diesem Gebiete stark nach Süden vor; sie muß von der neuen Bahn umgan- g e n werden, die damit in das westliche Bessarabien und dann weiter in den Bereich des sowjetrussischen Militärdistriktes Kiew führt. Bessarabien führt seinen Namen nach einem ehemaligen einheimischen Fürstenaeschlecht. Es war früher russisch. Rumänien weiß also, daß, wenn die Sowjetrussen hier durchmarschieren, sie auch hier bleiben. Es hat deshalb den Bahnbau nicht gerade gefördert und scheint sich jetzt nur unter schärfstem tschechisch-französischen Druck diese Laus in den eigenen Pelz gesetzt zu haben. B. R-
Oie Llnierfuchung gegen die pariser Geheimorganifation.
Übungen am Reck, Barren und Pferd wechseln mit Weit- und Hochsprung, Tauklettern, 400-Meter-Lauf und Handgranatenwurf. Viel ist es nicht, was der Durchschnitt da schon vorzuzeigen hat, und man ist erstaunt, wie wenige vor ihrem Eintritt in die Wehrmacht schon ihr Sportabzeichen gemacht haben und froh, selbst schon etwas durchtrainiert zu sein. Fast alle aber haben braungebrannte, kräftige Körper vom Arbeitsdienst im Sommer mitgebracht, und es ist meist nur fehlende Hebung und Technik an den Geräten. „Das wird bald anders" meint sorgenvoll der prüfende Leutnant — man bezweifelt das durchaus nicht und fragt sich: Wirst du wohl in seinen Zug kommen? — Eine von den vielen Fragen an das Schicksal! Schon um 10.30 Hhr, nach knapp drei Stunden, ist auf Grund einer vorzüglichen Organisation diese erste Klippe für alle neun Gruppen umschifft, und es beginnt die nächste
ordnungen, unterweist die Anwärter, daß sie den Anordnungen der Gruppenführer unbedingt Folge zu leisten haben und warnt im Hinblick aus die bevorstehenden ärztlichen und sportlichen Prüfungen vor dem Rauchen und Alkoholgenuß in der Freizeit. Dann geht es in langer Schlange an einem Tisch vorbei, wo die Fahrkarten obgeftempelt werden, um später das Reisegeld zurückerstattet zu bekommen. Mit klingender Marschmusik geht es dann durch das Städtchen, vorbei an einem dichten Spalier der freundlich-neugierigen Braker — wobei das weibliche Element am zahlreichsten vertte- ten ist — hinaus durch die gerade Admiral-Brommy- Straße zu den schmucken neuen Kasernen der IV. Schiffsstammabteilung der Nordsee.
Und jetzt wollen wir einen unserer hoffnungsvollen Rekruten berichten lassen, wie es ihm nach diesem freundlichen Empfang in seiner ersten Marinegarnison weiter ergangen ist: Zahlreiche zukünftige Kameraden sind da schon gestern und heute eingetroffen; insgesamt 715 Bewerber, und im Nu sind wir auf unseren vorläufigen Sammelstuben gruppenweise untergebracht. Jeder erhält sein Spind und im Schlafraum seine „Koje", faßt Bettzeug und Wolldecken, und schon gibt es Kaffee und „Zulage^", wie unser Gruppenmaat zu Wurst, Butter und Brot sagt. Heberhaupt schwirrt es hier schon von Ausdrücken, wie „Wahrschau" für „Paß auf!" und „Reinschiff" für morgendliches Kasernenscheuern, daß wir uns trotz der feldgrauen Umgebung schon ganz „mariniert" vorkommen. Danach ist für heute nichts mehr los, und man hält einen ordentlichen „Klön" (leider ohne den an sich dazugehörigen Grog! —) mit den Stubenkamera- den, die aus allen Gauen Deutschlands hier zusammengeströmt sind, um ihrem Beruf entsprechend als Mattose in eine der zahlreichen Sonderlaufbah- nen des seemännischen Dienstes oder die Schlosser, Dreher, Elektriker und sonstige Techniker als Heizer in die technische Ausbildung bei der Kriegsmarine einzutreten. Doch das kommt erst viel später zum Tragen. Das wird dem, der es noch nicht wußte, sehr schnell klargemacht! Hier werden wir alle zunächst infanteristisch durchgebikdet und zum Soldaten erzogen und erhalten gemeinsam eine seemännische Grundausbildung im Bootsdienst und praktischer Seemannschaft, bevor wir Flottenrekruten die heißerfehnten Planken unseres ersten Schiffs- oder Bovtskommandos betreten dürfen. Bis dahin
Carl Peters, von seinem Volk und seiner Regierung, wenigstens hinter den Kulissen, wirksam unterstützt wurde. Er eroberte das Matabele- und Maschonaland mit Hilfe einer 1889 gegründeten Privatgesellschaft und ließ die aufständischen Eingeborenen blutig unterdrücken. Seither sind diese Gebiete als Süd- und Nord-Rhodesien verheißungsvolle Wirkungsfelder Englands: nicht nur wegen ihres Reichtums an Mineralien, sondern auch wegen ihrer großen Fruchtbarkeit. Das Njassaland liegt an der Westseite des Njassasees, dessen Ostufer zu der portugiesischen Kolonie Mocambique und dem früheren Deutsch-Ostafrika gehört. Die Südafrikanische Union wünscht seit langem eine stärkere Ausweitung nach Binnenaftika; aber die englische Negierung hat sich bisher taub gestellt und die neuen Pläne einer jetzt zu schaffenden „Mittelafrikanischen Union" deuten eher auf eine Unterstreichung dieser Ablehnung, wenn auch das letzte Wort noch nicht gesprochen ist und die Verleihung des reinen „Do- minionftatuts" mit voller Selbstverwaltung und Unabhängigkeit vielleicht sogar fraglich ist. Für die geplante Kapstadt-Kairo-Bahn sind diese Länder, die zum Teil schon dem Eisenbahnverkehr erschlossen sind, von höchster Bedeutung.
die Fortsetzung der Aktionen beschlossen habe. Am Donnerstag wurde der Vorlesungs- streik sowohl in der Technischen Hochschule in Wien als auch auf der Grazer Universität fast lückenlos durchgeführt. Die Sperre der Wiener Universität, die sich bisher nur auf die Vorlesungen beschrankt hatte, wurde insofern verschärft, als auch die angesetzten P r ü- fungstermine vorläufig auf unbestimmte Zeit verlegt wurden. Die Regierung hat ein Gesetz erlassen, nach dem Hochschüler, die wegen ihrer Teilnahme an den Demonstrationen von der Polizei oder vom Gericht bestraft worden sind, an allen Hochschulen Oesterreichs vom Studium verwiesen werden können.
Steigende Rüstungsausgaben in Oesterreich.
Wien 24. Nvv. (DNB.) Im Bundestag be- gann die Aussprache über den Staatshaushalt. Der Präsident der Nationalbank Dr. K l e n b v ck hab die rninftige Entwicklung der Einnahmen hervor, die für 1936 einen um fast 45 Millionen Schilling höhe- ren Bettag, als vorgesehen war, ergaben. Dr. Kien- böck bemerkte, daß der Heereshaushalt in steigendem Maße dem Gesamthaushalt seinen Stempel aufdrücke. Vom Jahre 1934 an seien die Heeres- ausgaben von 104 Millionen Schilling auf fast 220 Millionen Schilling im Voranschlag 1938 gestiegen. Der Nationalbankpräsident betonte die Notwendigkeit einer sorgsamen und sparsamen Verwendung der für die Aufrüstung bestimmten Gelder.
Gewissensfreiheit.
In Fulda nahm Reichsminister Kerrl Stellung zu dem Streit der Konfessionen. Er hat seinen Urgrund in der Entwicklung der Kirchen überhaupt. Christus Halle in Judäa, dem einzigen Lande, das im übernationalen römischen Staat über eine religiöse Rassenbindung verfügte, gelehrt, und zwar Halle er sich vom Historizismus der jüdischen Religion losgelöst und dafür die allgemein menschlichen Tugenden in Verbindung zum Göttlichen gebracht. Solange das Christentum innerhalb der römischen Welt in Opposition stand, wurden diese Grundzüge der neuen Religion beibehalten. Erst als unter Konstantin aus polillschen Heberlegungen das Christentum zur Staatsreligon wurde, ist die christliche Religion zu einer Kirche erstarrt. Die Streitigkeiten um Dogmen wurden mit den Mitteln der Staatsgewalt betrieben. Der Imperator bestimmte die Religion, genau so wie im absolutistischen Zeitalter das Wort „cujus regio, ejus religio“ (d. h. wer das Land beherrscht, hat auch die Religion zu bestimmen) maßgebend war. Im römischen Weltreich, in dem die Rassen chaotisch durcheinander wirrten, führte wie Jahrhunderte nachher dieser Grundsatz einer einzigen Staatskirche zur Verfolgung und Vernichtung aller Andersdenkenden; das Prinzip des Vatikans, des Erben der römischen Tradition, war das der ausschließlichen Geltung seiner religiösen Vorschriften ohne Konzession an andere christliche Standpunkte.
Dieser Hniversalismus, in politischer und religiöser Hinsicht wurde aber durchbrochen durch das in jahrhundertelangem Ringen erfolgte Aufstreben der europäischen Nationalitätenstaaten. Be- mußt oder unbewußt führten ihre Vorkämpfer die Völker gegen die universalistische Theokratie, und die unter Luther und Zwingli und deren Vorläufer Wicleff und Huß einsetzende Reformation war in Wirklichkeit das Aufkommen eines neuen Gedankens der Verlegung der Religion in bas Innere des Men schen, und die Zusammenfassung dieser Menschen. Aus Gründen der Abwehr gegen Rom stützten sich diese protestantischen Bewegungen zunächst auf die Territorialherrschastsn, in Deutschland auf die Fürsten gegen bas katholische Kaisertum, und mit der Bildung dieser Landeskirchen nahmen die protestantischen Richtungen auch die Ausschließlichkeit des die Heberzeugung Bestimmenden an, bis in der Neuzeit die Gewissensfreiheit in religiösen Dingen als mit dem Charakter eines Nationalstaates untrennbar verbunden angesehen wurde. Dieses Prinzip war hier und da schon ausgeprägt. In der S ch/w e i z z. B. gibt es nur Freikirchen, die mit dem Staat nichts zu tun haben, in Deutschland war die Trennung von Kirche und Staat vor dem Kriege z. B. in Bremen durchgeführt, wo keine Kirchen- steuern erhoben wurden. In England gibt es : zwar eine Staatskirche, die Hochkirche, aber es herrscht sonst absolute religiöse Gewissensfreiheit, und die Hochkirche umfaßt nur einen kleinen Teil : der Engländer, während die anderen durch fteiwil- ; lige Spenden ihre verschiedenen konfessionellen Ein-
Phase der Einstellungsarbeit.
In langer Reihe passiert eine Gruppe nach der anderen die im weiten Rechteck des Kompanieunterrichtsraumes aufgestellten Tische, hinter denen etwa 20 bis 30 Unteroffiziere und Gefreite sitzen, von denen jeder einzelne bestimmte Fragen stellt und das Ergebnis in eine vor ihm liegende Liste einttägt. Alles wird so erfaßt, vom Nachweis der arischen Abstammung bis zum Frelschwimmerzeug- nis, um dem Personalamt beim II. Admiral die notwendigen Unterlagen für eine statistische Beurteilung des Ersatzes und die laufende Führung der „Stammrolle" zu liefern. Dort in Wilhelmshaven fitzt das Herz der Personalwirtschaft der Kriegsmarine für den Nordseebereich, von dort werden Kommandierung, Beförderung und schließlich Entlassung eines jeden Marinesoldaten gesteuert, wird die Ausbildung und der richtige Ansatz all der zahlreichen Speziallaufbahnen für den laufenden Bedarf der Flotte zentral geleitet.
All dies und noch vieles andere erfahren wir aus dem Mund unseres Gruppenführers, der bereitwillig auf die zahllosen Fragen seiner Schutzbefohlenen eingeht. So erfahren wir denn auch, daß der II. Admiral der Nordsee gleichzeitig unser Befehlshaber ist, dem wiederum für eine einheitliche Ausbildung der Flottenrekruten an der Spitze der vier Schiffsstammabteilungen (= Battaillvne) der Kommandeur des 2. Schiffs st amm- regiments in Wesermünde verantwortlich ist. Außer der vierten und neuesten Abteilung hier in Brake gibt es noch die erste in Wilhelmshaven, die zweite in G l ü ck st a d t und die dritte Abteilung in Wesermünde. Hier wird der Grundstein für die militärische Ausbildung des Flottenrekruten gelegt und hierzu machen wir zunächst eine äußerliche Verwandlung zum Infanteristen durch. Schon vor der endgültigen Verteilung auf die drei Kompanien haben wir unser feldgraues „Päckchen" gefaßt und tragen bereits Drillichzeug und die schmucke neue Feldmütze mit dem Hoheitsabzeichen.
Wieder bricht mit dem schrillen Pfiff der Bootsmannsmaatenpfeife ein neuer Tag an, und diesmal stehen wir nicht mehr gruppenweise, sondern der Größe nach auf dem weiten Exerzierplatz zur Verteilung auf die Kompanien. Weithin schallt die Stimme des Einstellungsoffiziers, als die Reihe an mich gekommen ist: „Größe 1,87 Meter vortreten, Marsch-Marsch!" Zack, zack stehen wir in drei Gliedern vor der Front, und auch dem Langweiligsten wird vom zukünftigen „Spieß" entsprechend nachgeholfen! Schon befiehlt der gereckte Zeigefinger des Kapitänleutnants: „Die ersten drei 1. Kompanie, die nächsten 2., die nächsten 3 ...! Vergebens versucht der eine oder andere, sich in die Rotte des neugefundenen Freundes oder Landsmannes zu mogeln — das scharfe Auge des Kompaniechefs hat ihn schon erspäht — aus der Traum! — „Ihr seid alle Kameraden, da ist jeder genau so viel wert wie der anbere, wenn er ein anständiger Kerl ist — verstanden?!" — jawohl, Herr Kapitänleutnant!"
Sv bin ich also in der 7. Korporalschast der drit- : ten Kompanie gelandet, und unser Korporal hat : uns bereits „liebevoll" unter seine Fittiche genom« i men. Mittags ist die Stube fix und fertig ein» > geräumt und aufgeklärt, und einer kennt den andern schon beim Namen: Bayern, Schwaben, Rhein- ' länder und Westfalen, Friesen und Pommem — t jetzt sind wir also Heizer oder Mattose und wollen > gute Kameradschaft halten. Jetzt ist es einem klar, • wie wahr das alte Wort ist, das ich in einem schö- > nen Buch von der Marine gelesen habe: „Die = Kriegsmarine ist und war schon immer ein . Schmelztiegel deutscher Stämme!"
Paris, 25.Nov. (DNB.) Gegen General Düse i g n e u r , der im Zusammenhang mit der Aufdeckung der geheimen Waffenlager dem Unter» suchungsrichter vorgeführt worden war, wurde Anklage erhoben. Die Sicherheitspolizei teilt mit, daß der Chef der „CSAR“ (Comite Secrete d’Actions Rdvolutionnaires) in der Person des Eugen D e - loncle entdeckt und in der Nacht verhaftet worden sei. Mit dieser Verhaftung glaubt die Polizei das tatsächliche Oberhaupt des „.geheimen revolutionären Aktionsausschusses" gefaßt zu haben. Weiter erfährt man, daß die Sicherheitspolizei in den Pariser Düroräumen der monarchistischen Wochenschrift „Courrier Royal", des Sprachrohrs des Thronprätendenten, des Grafen von Paris, eine Haussuchung vorgenommen hat. Henri Deloncle, der Bruder des Verhafteten, wurde einem Verhör unterzogen, das bis in die frühen Morgenstunden währte. Dabei soll Deloncle zugegeben haben, daß er zu der geheimen Organisation gehöre, die den Kampf gegen den Kommunismus zum Ziel habe, und daß er mit der Organisierung der Verteidigung gegen einen möglichen Putsch der kommunistischen Partei beauftragt gewesen sei.
Französischer Protest gegen Grenzverletzungen sowjetspanischer Bomber.
Paris, 25. Nov. (DNB.) Die ungeheuerliche Tatsache, daß sowjetspanische Flugzeuge immer häufiger auf dem Umwege über französisches Gebiet Bombenangriffe gegen das nationalspanische Hinterland durchführen, wird nun endlich auch vom ftanMschen Außenministerium zu gegeben. Dom Quai d Orsay ist folgende Mitteilung ausgegvben worden: „Am 23 November sind spanische (gemeint sind s oroie t= spanische) Flugzeuge von dem französischen Grenzposten gemeldet worden, als sie m großer Höhe (etwa 3000 Meter) fran z o s i s ch e s Gebiet überflogen. Ein französisches Flugzeuggeschwader des Stützpunktes Pau wurde alarmiert, konnte jedoch nicht mehr wirksam eingreifen, da die (sowjet-) spanischen Flugzeuge z u r ü ck u b e r d i e Grenze verschwu nden waren. Die franzo-
sische Botschastin Barcelona ist beauftragt worden, in förmlichster Weise den Protest zu wiederholen, den die ftanzösische Regierung schon gelegentlich einer kürzlichen Verletzung französischen Gebietes durch Kampfflugzeuge vorgebracht hat. Außerdem wird der ftanzösische Grenzluft- s ch u tz o e r st ä r k t." ,
Auf dem kleinen Bahnhof der kleinen Unter» weserstadt Brake in Oldenburg herrscht ein bemerkenswerter Betrieb, als der fahrplanmäßige Nachmittagszug von Bremen einläuft. Irgend etwas Außergewöhnliches ereignet sich. Wir sehen uns das einmal näher an, und schon ist uns klar geworden, was sich hier tut, als wir auf dem Bahnsteig eine Gruppe Blaujacken entdecken. Wie ein wohlvorbereiteter Film rollt sich jetzt unter dem Befehl eines energischen Feldwebels alles Weitere ab. Eine Flut von jungen Männern mit den typischen Köfferchen ergießt sich aus den zahlreichen Abteilen auf den Bahnsteig, und während drüben mit Tsching- darassa-Bumm! die Musik einsetzt, haben sich die rund 150 Anwärter mit erstaunlicher Schnelligkeit in Einstellungsgruppen gesammelt, die von Unteroffizieren und Gefreiten geführt werden. Bereits mit den Einstellungspapieren, die sie durch ihr Wehrbezirkskommando ausgehändigt bekamen, hat ein jeder seine Gruppennummer erhalten, die er jetzt laut Befehl sichtbar am Anzug zu tragen bat. Mit lauter Stimme gibt der Feldwebel seine An-
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Inhaber Karl Baier
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