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DonAepfelnundVimen-pomeranzenundQuitten

Eine sprachgeschichtliche Betrachtung.

Von Professor Or. Erich Zenisch.

Die Früchte, die der Herbst in unfern Gärten und Wäldern reifen läßt, erscheinen uns als ein Besitz, der uns seit Urzeiten angehört. Apfel, Birne und Kirsche das klingt deutsch. Anders ist es schon mit Dattel, Feige und Pfirsich. Ihre Namen klingen zwar auch deutsch, aber sollten diese Süd­früchte vielleicht seit alters in Deutschland bekannt gewesen sein, so daß ihre ursprünglich fremden Namen bei uns das Bürgerrecht erworben haben?

So ist es. Die Feige ist bereits im Altfächsifchen des neunten Jahrhunderts bekannt. Das Wort geht aufficus, die lateinische Bezeichnung der Pflanze zurück, muß aber fchon vor der Mitte des ersten nachchristlichen Jahrtausends ins Deutsche ausge­nommen worden fein. Nach dem fünften Jahr­hundert etwa vollzog sich nämlich in einem langen, Jahrhunderte umfassenden Zeitraum jener Entwick­lungsoorgang der deutschen Sprache, durch den sich die hoch- von der niederdeutschen Sprache geschieden hat und der die hochdeutsche Lautverschiebung ge­nannt wird.

Aus diesen lautgesetzlichen Gründen ergibt sich, daß auch das WortP fi rf i ch", das ja noch deut­lich an denmalum persicum, den persischen Apfel, erinnert, schon vor jener Heit bei uns heimisch geworden sein muß. Ebenso lange muß auch die Dattel bei uns bekannt sein, so daß es nicht erstaunlich ist, im Althochdeutschen dem Dattelbaum (dahtilboum) zu begegnen. Im 15. Jahrhundert bereits taucht die BezeichnungDach­tel" oderTachtel" fürOhrfeige" auf.Dattel" selbst ist nichts anderes als das griechische Wort dactylos Finger. Die FormDattel" statt Dachtel" freilich ist erst in mittelhochdeutscher Zeit aus dem italienischendattilo neu entlehnt worden.

Auch der Wein, aus vulgär-lateinischvino, ist uns durch die Römer vermittelt worden. Von einer germanischen Bezeichnung des Weins findet sich vor der Berührung mit ihnen keine Spur, da­gegen bergen alle mit dem Weinbau zusammen­hängenden Wörter, wie Winzer, Keller, Trichter,

Most, Kelter, Pfahl, pflücken, Presse, Spund usw., einen lateinischen Kern in sich.

Doch wie verhält es sich mit den so deutsch klingenden Namen, wie Apfel, Birne, Kirsche und Pflaume, die seit alters bei uns ihre Heimat zu haben scheinen? Apfel ist in der Tat ein ur- deutsches Wort von hohem Alter. Es findet sich nicht nur in allen germanischen Sprachen, sondern hat auch Entsprechungen im Keltischen und Slaoo- lettischen. Ob es freilich ein echt indogermanisches Wort ist, erscheint fraglich. Vermutlich ist es aus einer .nicht indogermanischen Sprache entlehnt. Unsere Vorfahren müssen übrigens den Apfel nicht als rot, sondern als grau empfunden haben, wie die BezeichnungApfelschimmel" verrät. Schon im Althochdeutschen ist von einemapfelgrauen" Roß die Rede.

B i'r n e dagegen ist aus dem lateinischenpirus entlehnt, und zwar kaum vor dem 9. Jahrhundert. Es ist eigentlich ein Plural, denn im Mittelalter noch heißt die einzelne Fruchtbir und die Mehr­zahlbirn. Die alte Form hat sich übrigens in dem FamiliennamenÄierbaum" bis heute er­halten.

Wie die Birne ist auch die Kirsche keine ur­sprünglich deutsche Frucht. Das Wort ist eine Ent­lehnung aus dem oulgärlateinischencerisia, das zucerasus Kirfchbaum gehört, und durch das Griechische hindurch nach der Gegend des Schwar­zen Meeres deutet, an dessen Südufer die ihrer Kirschbäume wegen berühmte Stadt Kerasoys lag. Zwar ist die wildwachsende Kirsche seit den ältesten Zeiten in fast ganz Europa verbreitet, ihre Kultur, die zuerst im Mittelmeergebiet getrieben wurde, reicht jedoch kaum vor das vierte vorchristliche Jahrhundert zurück. Lukullus soll die veredelte Süß­kirsche im Jahre 74 vor Christus von Kleinasien nach Rom gebracht haben. Zur Zeit Karls des Großen ist die Kultur der Süßkirsche in Deutsch­land ausdrücklich bezeugt.

Auch die Pflaume zählt nicht zu den Einge­

borenen unter unfern Früchten. Zwar findet man in den Pfahlbauten schon Pflaumenkerne, die ver­edelte Pflaume aus lateinischprunum ist aber erst zusammen mit der Kirsche, Dattel und Feige von den Römern vor der deutschen Lautver­schiebung übernommen worden. In manchen Gegen­den Deutschlands wird die Pflaume oder auch nur eine frühreifende ihrer Arten Z w e t s ch e, Zwetschge oder Quetsche genannt. Der Name, der erst im 16. Jahrhundert auftaucht, ist dunklen Ur­sprungs. Die Bezeichnung der ursprünglich im Kaukasus heimischenQuitte" hat einen weiten Weg zurücklegen müssen, ehe sie zu uns kam. Mit dem kleinasiatischen Namen Kodymalon wandert sie nach Griechenland: er wird dort, weil das Wort an den Namen einer kretischen Stadt Kydonia er­innerte, zu Kydonien. Ueber das lateinische Cydo- nium entwickelt sich das Wort dann im Deutschen zu Quitte.

So bleibt neben dem Apfel nur die schlichte Schlehe, die zweite Frucht übrig, deren Namen ein altes germanisches Wort ist. Verwandte Wörter in den außergermanischen Sprachen weisen auf ein indogermanisches Farbadjektiv zurück.

Anders das Geschlecht der Beeren. Sie, die ja seit jeher in unseren Wäldern wachsen, tragen meist alle deutsche Namen. Die Heidelbeere erinnert daran, daßHeide" ursprünglich unbebautes, wild- bewachsenes Land schlechthin bedeutet und nicht nur die besondere Vegetationsform bezeichnet, die wir heute so nennen. In Ostpreußen heißen jetzt noch riesige Waldgebiete die Johannisburger und die Rominter Heide. Die Brombeere ist die Beere des Dornstrauches, der im Althochdeutschen bram heißt. Mundartlich ist das Wort meist als Bezeichnung für den Ginster noch gebräuchlich. Anette von Droste-Hülshoff verwendet es in dem Verse:Es bricht und knistert im Brame".

Von den Namen der Südfrüchte klingt uns am vertrautesten natürlich die Apfelsine, die um 1500 von den Portugiesen aus dem südlichen China nach Europa gebracht wurde. Bekanntlich heißt die Frucht in Süddeutschland Pomeranze ober Orange. Denn dorthin kam sie durch den italienischen und französischen Handel, während die in Norddeutsch­land verbreitete BenennungApfelsine" um 1700 von Hamburg ausgeht, das damals neben Amster­dam der Hauptmarkt für die Frucht war. Sina ist

die alte Form für China.Pomeranze" und Drang e" bezeichnen eigentlich nicht die süße, sondern die bittere Apfelsine. Mit diesem Namen hat sich ein persisches Wort ins Deutsche einge­schmuggelt; in Persien hieß die Fruchtnaräng, woraus auf der Wanderung nach Italien über das arabischenarandsch, spanischnaranja, portu­giesischlaranja, schließlich italienischarancia wurde. Dieses Wort formte sich im Französischen zuOrange", während in Italien sich der Name durch die Zusammensetzung mitpomo = Apfel inpomerancia verwandelte.

Die Mandarine, deren Name erst seit 1859 bei uns belegt ist und die uns lebhaft an China erinnert, stammt zwar ursprünglich von dort, wurde aber seit langem auf den Sundainseln kultiviert und gelangte unter dem dort üblichen NamenMan­dara um die Mitte des 19. Jahrhunderts ins west­liche Mittelmeergebiet, wo er itolienifiertmanda- rino lautete. Ferne, fremde uns nicht durchschau­bare Namen stecken auch in Ananas, das aus einer brasilianischen Sprache des tropischen Süd­amerikas über das Portugiesische in die europäischen Sprachen kam, in Banane, das auf das ara­bische Wortbanan = Finger zurückgeführt wird, in dem Namen der zur Zeit Alexanders des Gro­ßen nach Europa gebrachten Aprikose, dem das arabischealbarkok zugrunde liegt, und inLi­mo n e", daslimun, die persische Bezeichnung für den Zittonenbaum zurückgeht. Heute noch bezeichnet in ItalienLimone die Zitrone, so daß eins Hirnbeer-Limonade" eigentlich dasselbe Unding ist, wie ein Tee aus Kaffee

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr W Lange; für Feuilleton: Dr.Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen­leiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 37: 9248. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange. K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugs­preis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufs­preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zeit ist Preisliste Nr 3 vom 1. Juni 1935 gültig.

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Nachruf!

Am Samstag, dem 23. Oktober 1937, verschied in der Frühe nach langen mit großer Geduld ertragenen Leidenstagen im 70. Lebensjahre der Betriebs­führer unseres Werkes, Herr Generaldirektor

Carl Ottens

Fast fünf Jahrzehnte hat der Verstorbene unserer Firma mit überragendem Fleiße und in seltener Treue gedient, während eines langen und arbeits­reichen Lebens an der Entwicklung unseres Werkes an erster Stelle mit­gearbeitet. Der Aufstieg unserer Firma zu der heutigen Bedeutung ist sein Verdienst. Seinen Mitarbeitern war er allezeit ein warmherziger, beratender Freund, der, geleitet von einem großen sozialen Empfinden, sich auch außerhalb des Betriebs allseitiger Achtung erfreuen durfte.

Wir werden seiner stets in Liebe und Treue gedenken. Seine hohen kauf­männischen Tugenden, sein nimmer rastender Fleiß sollen als Vorbild uns die Kraft zur Weiterarbeit an seinem Lebenswerk in seinem Sinne geben.

Der Vorstand, Aufsichtsrat und die Gefolgschaft der Kolb & Schüle A.G.

Für die beim Tode unseres lieben Vaters erwiesene innige Teilnahme danken wir herzlichst

Familie Siegfried

Carl Ottens

Gießen (Stephanstr. 44), den 26. Oktober 1937

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Frau Hedwig Saar, geb. Hilgardt

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Die Beerdigung findet Dienstag, den 26. Oktober, vormittags 11 Uhr, vom Trauerhaus aus statt Wir bitten von Beileidsbesuchen abzusehen.

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Die Beerdigung fand in aller Stille statt.

verschied heute früh nach langem schweren, mit Geduld ertragenem Leiden in seinem 70. Lebensjahre.

In tiefer Trauer:

Stadttheater