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diesjährigen Sportfesten erstmals auch Schwimme­rinnen starten lassen und dadurch beweisen, daß der BDM. bereit ist, seine Forderungen nach all- seitiger Körperbildung und Ertüchtigung in die Tat umzusetzen.

Wenn dies bisher nur zum Teil geglückt ist, so liegt das vor allem an dem großen Mangel an ge­eigneten Schwimmgelegenheiten, der es gerade auf dem flachen Lande oft unmöglich macht, das Schwimmen in den Sportplan aufzunehmen. Um hier bald und gründlich Wandlung zu schaffen, wird sich der BDM. in Zusammenarbeit mit allen interessierten Stellen nachdrücklich einsetzen.

Alle Volksgenossen sind willkommen!

Don verschiedenen Seiten sind bei dem Ausschuß für das 116er-Treffen Zweifel geäußert worden, ob zu dem Kameradschaftsabend am Samstag in der Volkshalle außer den alten und den aktiven 116ern auch noch andere Volksgenossen Zutritt hätten. Die Leitung des Geschäftsführenden Ausschusses betont, daß selbstverständlich auch zu diesem Kameradschafts­abend mit den vielseitigen Darbietungen des Regi­ments nicht nur die 116er und die übrigen alten Soldaten, sondern alle Volksgenossen und Volks­genossinnen aus Stadt und Land willkommen sind.

Lin Jabrikschornstein gesprengt.

Jenseits der Lahn in oer Schützenstraße, nahe dem Leimkauterweg, ragte bis zum gestrigen Mittwoch der etwa 30 Meter hohe Schornstein der ehemaligen Gailschen Wollspinnerei in die Höhe. Etwa 90 Jahre hat er Wind und Wetter getrotzt. Die Bau­fälligkeit des Schornsteins erforderte nun seine Beseitigung. Der Besitzer, Dr. Gai l, hatte diese Aufgabe der Wehrmacht überlassen, für die diese Sprengung eine praktische Uebung bedeutete. Ein Trupp der Pioniere unter dem Kommando eines Hauptmannes führte die Arbeiten aus. Truppen der Gießener Garnison sperrten das Gelände in weitem Umkreis ab. Die Polizei hatte die Siche­rung der anliegenden Wohnhäuser und die Abriege­lung der Zufahrtswege übernommen. Mit 4,5 Kilo­gramm Sprengstoff wurde dem Schornstein eine Fallrichtung in nord-östlicher Richtung auf eine an­grenzende Wiese gegeben. Auf das Kommando eines Offiziers erfolgte die Fernzündung. Ein dumpfer Puff erfolgte, die Rauchwolken hüllten den Schorn­stein ein, und sofort brach er in sich zusammen. Auf einer Ausdehnung von etwa zehn Meter kamen die Ziegelsteine in der ihnen zugewiesenen Richtung zu liegen. Das Dach des angrenzenden Gebäudes er­litt nur geringfügige Beschädigungen an den Zie­geln der dem Schornstein zugekehrten Seite. Die Pioniere hatten saubere Arbeit geleistet. In weni­gen Minuten rollte dieses seltene Schauspiel ob, das von den vielen Neugierigen mit großem Interesse bewundert wurde.

Sinzeiverkauf derHührermarke.

LPD. Weite Bevölkerungskreise haben den Wunsch geäußert, die 6-Rpf.-Führermarken einzeln zu erwerben, damit sie auch kleinere Spenden dem Fonds des Führers für die Erfüllung kultureller Aufgaben zuführen können. Die Deutsche Reichspost hat daher eine beschränkte Anzahl von gezähnten Markenblocks derart durchschlitzen lassen, daß die einzelnen Marken mit einem Teil der Papierumran­dung, die den Aufdruck:25 Rpf. einschließlich Kul­turspende" erhält, leicht abgetrennt werden können. Die Marken werden erstmalig vom 10. bis 13. Juni in Hamburg bei der einen Sonderstempel führenden Sonderpostanstalt auf der KdF.-Reichstagung aus­gegeben. Am 15. Juni beginnt der Verkauf bei sämtlichen Postanstalten. Das Einzelstück kostet 25 Rpf., der ganze Block mit 4 Marken 1 Mark. Schriftliche Bestellungen sind nur an die Versand­stelle für Sammlermarken, Berlin W 30, zu richten. Gefälligkeitsstempel mit den gewöhnlichen Tages­stempeln werden ausgeführt. Anträgen, die Wert­zeichen nachträglich mit dem Tage vom 20. April, dem Geburtstag des Führers, abzustempeln, wird nicht stattgegeben. Der Verkauf der gezähnten Vie­rerblocks ohne Durchschlitzunq wird bei den Postan­stalten mit Ablauf des 31. Mai 1937 eingestellt, in München erst nach Beendigung der Rerchsnähr- standsausstellung ab 7. Juni 1937.

Heimatvereinigung Staufenberg.

Auf der Burg Staufenberg fand die diesjährige Generalversammlung der Heimatvereinigung Stau­fenberg unter Leitung ihres Vorsitzenden, Pfar­rer i. R. G u ß m a n n (Gießen), statt. Bei der satzungsmäßigen jährlichen Neuwahl des Vereins-

Oer Beamte als Gefolgsmann Adolf Hitlers.

Z.Gemeinfchastsabend des Amtes für Beamte der 7!SOAp. Kreis Wetterau.

Das Amt für Beamte der NSDAP., Kreis Wet­terau, hielt am gestrigen Mittwoch im Cafe Leib zu Gießen einen dritten Gemeinschaftsabend für die Kreisabschnitte Gießen, Hungen, Grünberg, Al- lendorf a. d. Lda. und Lollar ab, der gut besucht war. Nach dem Einmarsch der Fahnen brachten die Mädels vom BDM., Walter und Launspach, und der Hitlerjunge Weigel einen aus Aussprü­chen Baldur v. Schirachs und Oskar Wendnagels sinnvoll zusammengestellten Vorspruch zum Vor­trag.

Eine musikalische Ueberleitung schuf die Verbin­dung von den Begrüßungsworten des Kreisamts­leiters des Amtes für Beamte, Oberzollinspektor Heß, zu dem Vortrag, den Dr. R o e s ch e n (Butz­bach) über das ThemaDer Beamte als Gefolgs­mann Adolf Hitlers" hielt. Der Vortragende be­tonte einleitend, daß es nun darauf ankomme, daß der Beamte im neuen Staat als dienendes Glied der Volksgemeinschaft fühlen und handeln lerne. In einew Rückblick auf die Entwicklung der ver- gangenen Jahre zeigte er die Zwiespältigkeit in der Geistesverfassung in der Verfallszeit, von der auch die Beamten erfaßt wurden. In präziser Weise zeichnete dann der Redner das Idealbild für den Beamten im Staate Adolf Hitlers, den Lehensstaat im hohen Mittelalter, als Gefolgsherr und Gefolgs­mann sich gegenseitig so verantwortlich hielten, daß

einer dem anderen in unbedingter Treue und Opfer­bereitschaft verschworen war. In dem Geiste solcher Auffassung erfolgte auch die Weihe des national­sozialistischen Staates in der Potsdamer Garnison- kirche. Der Vortragende ging dann auf die Erziehung des Menschen zum Nationalsozialismus ein und zeigte an vielen Beispielen, wie nur die von der Rasse eines Volkes bestimmten Werte geeignet sind, fortentwickelt zu werden. In dem Zurückgreifen auf das Erziehungsideal des arischen Griechentums, in der Harmonie von Körper, Geist und Seele, liege auch die Neuordnung in der Schulerziehung be­gründet. Indem wir zur Totalität des deutschen Menschen zurückfinden, werde auch unser Volk das Artgemäße derart entwickeln können, daß es über die Grenzen des eigenen Volkes hinaus anderen Völkern etwas zu sagen habe. In solchem Sinne an sich zu arbeiten, sei Pflicht jedes einzelnen Be­amten.

In seinem Schlußwort ermahnte der Leiter des Amtes für Beamte, Pg. Heß, die Beamten, nicht nur Gefolgsmann, sondern auch Bannerträger zu sein. Nur wenn sich jeder Mühe gebe, die Treue, die er dem Führer geschworen, auch zu halten, dann würden auch die Beamten über den Gefolgsmann hinaus zum Bannerträger des Nationalsozialismus werden.

leiters wurde der bisherige Vorsitzende, Pfarrer i. R. Gußmann (Gießen), gebeten, die Vereinsge­schäfte auch ein weiteres Jahr zu führen. Er nahm die Wiederwahl mit Dank an. Am 11. Juli soll das Sommerfest stattfinden, für das Garteubau- aestalter Schwarz (Gießen) ein Ritter- und Heimatspiel dichten wird, dessen Rollen von Staufen­bergern dargestellt werden sollen. Der Gesangver­ein Staufenberg, die Turnerschaft von Staufenberg und Staufenberger Mädchen unter Leitung der Lehrerin Fräulein Kern haben ihre Mitwirkung bei diesem Dolksgemeinschaftsfest zugesagt. Im übri­gen beschäftigte man sich noch mit kleineren An­gelegenheiten des Vereins.

BB.Gießen-Land" vom JK5£8.

Am gestrigen Mittwoch fand imBurghof" eine Versammlung des Bezirks-LehrervereinsGießen- Land" von NSLB. statt, die recht gut besucht war.

In einleitenden Begrüßungsworten des Vorsitzen­den, Rektor Siegfried (Großen-Linden), ge­dachte dieser Leo S ch l a g e t e r s , des Vorkämpfers eines neuen Deutschlands, der vor 14 Jahren von den Franzosen erschossen wurde, und las ein Ge­dicht eines Großen-Lindener Berufsschülers vor, der den Todesgang des Freiheitshelden in markiger Sprache schildert.

Sodann nahm Lehrer Mörschel (Garbenteich) das Wort zu seinem VortragRechnen im 1. und 2. Schuljahr". In ausführlicher und übersichtlicher Weise ging der Vortragende auf die Hauptschwie- rigkeiten des ersten Rechenunterrichts ein und zeigte mit seinem selbstgebauten Anschauungsmate­rial, wie die Kleinen zum vorstelligen Rechnen ge­führt werden. Die Darbietungen dieses alten Prak­tikers fanden lebhaften Beifall. Im Anschluß daran wurden noch einige neu erschienene Rechenbücher besprochen.

Rektor Siegfried dankte dem Vortragenden und wies darauf hin, daß auch weiterhin praktische Vorträge stattfinden sollten, damit besonders die Junglehrer in die Methodik eingeführt würden. Für die nächste Zusammenkunft ist der Schreiblese­unterricht vorgesehen. Die Versammlung wurde in der üblichen Weise geschlossen.

Gießener Vochenmarktpreife.

* G i e ß e n, 27. Mai. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10^, Klasse B 10, Klasse C 9%, Klasse D 9, ungezeichnete 8, Enteneier 10 bis 11,

Wirsing, XA kg 12 bis 15, Weißkraut 10 bis 12,

Rotkraut 15 bis 18, gelbe Rüben, alte, 25 bis 30,

neue, das Bündel 20 bis 25, rote Rüben 10, Spinat

15, Römischkohl 12 bis 15, Bohnen, grün, 30 bis 35, Spargel, 1. Sorte 41 bis 49, 2. Sorte 36 bis 43, 3 Sorte 31 bis 37, 4. Sorte 18 bis 21, Unterkohlrabi 10, Hxbsen 30 bis 35, Tomaten 50 bis 90, Zwiebeln 14 bis 15, Meerrettich 60 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Rhabarber 10 bis 15, Kartoffeln, alte, kg 5 Pf., 5 kg 46 Pf., 50 kg 3,80 bis 3,95 Mark, neue, % kg 18 bis 20 Pf., Aepfel 40 bis 70, Zwet- fchenhonig 45, Suppenhühner 90 Pf. bis 1 Mark, Blumenkohl, das Stück 60 bis 80 Pf., Salat 5 bis 15, Salatgurken 50 bis 60, Oberkohlrabi 15 bis 20, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Radieschen, das Bündel 10 Pf.

Eisenbahner-Heimstätten-Derein Gießen.

Die Gemeinnützige Eisenbahner-Heimstätten-Ver- ein e. G. m. b. H. hielt am Sonntag im Hotel Hop- feld unter der Leitung des Aufsichtsratssitzenden, Reichsbahninspektor Keule'r, ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung ab.

Aus dem Geschäftsbericht des 1. Vorsitzenden, Lo­komotivführer Müller, war u. a. zu entnehmen, daß von den neuerstellten fünf Wohnungen am Schlangenzahl vier bereits im November und eine im Dezember v. I. bezogen werden.konnten. Durch vorsichtige und günstige Kalkulation konnten deren Baukosten für Neubau und Boden, mit 49 786 Mark veranschlagt, um 6906 Mark auf 42 880,36 Mark verringert werden. Das Geschäftsguthaben hat sich um 2794,05 Mark ayf 23 626,55 Mark erhöht. Für einen unbebauten Grundbesitz als Straßengelände für die Stadt Gießen wurden 9550 Mark verein­nahmt, die als außerordentliche Tilgung von dem Hypothekendarlehen der Stadt Gießen abgeschrieben wurden. Die Genossenschaft besitzt 34 im Jahre 1921 erstellte Wohnungen an der Klinik- und Credner- straße und am Wetzlarer Weg, acht im Jahre 1929 fertiggestellte Einzelhäuser am Wartweg, 10 Woh­nungen am Schlangenzahl und in der Freiligrath- straße, sowie 5 in einem 1936 bezogenen Neubau. Das Umlaufvermögen beträgt 25 772,57 Mark. Die wirtschaftliche Lage des Eisenbahner-Heimstätten- Vereins kann als gut bezeichnet werden, die Zah­lungsbereitschaft ist gesichert. Als Reingewinn find 3633,28 Mark ausgewiesen.

Nach den Bemerkungen des. Aufsichtsrates über den Geschäftsbericht, nach denen der Vermoqens- stand und der Haushalt der Genossenschaft in, Ordnung befunden wurde, erteilte die Versammlung die einstimmige Genehmigung des Jahresabschlusses und der Verteilung des Reingewinnes, von dem u. a. 2500 Mark der gesetzlichen Rücklage zugeführt und eine Dividende von 3,3 v. H. bewilligt werden.

Die für den erkrankten Rechner, Lokomotivführer M ü n st e r, von dem Vorstandsmitglied, Reichs-

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bahnsekretär Pauly oor getragene Bilanz, Gewinn« und Verlustrechnung für 1936 schloß in der Bilanz­rechnung mit 560 678,92 Mark in Aktiva und Pas­siva und mit 35 033,52 Mark in der Gewinn- und Verlustrechnung. Die Bilanz weist u. a. ein Anlage­vermögen für unbebaute Grundstücke in Höhe von 31367,61 Mark und an Wohngebäuden in Höhe von 501904,76 Mark aus, denen u. a. an Hypo­thekenschulden rund 382 000 Mark, an gesetzlichen Rücklagen, anderen Dermögensrücklagen und Rück­stellungen weitere rund 145100 Mark gegenüber« stehen. Die Mitaliederzahl beträgt 105. Der Gesamt- betrag der Haftsumme beläuft sich auf 32 400 Mark, also 5400 Mark weniger als im Vorjahr.

Dem Vorstand und dem Aufiichtsrat wurde Ent­lastung erteilt. Die ausscheidenden Mitglieder des Aufsichtsrates, Verwaltungsamtmann Martin und Schreinermeister Drescher, wurden wieder­gewählt, für das wegen Krankheit ausscheidende Mitglied Pfeffer wurde der technische Reichs- bahninspektor Karl Rau und ferner Reichsbahn- Inspektor Heinrich D ö l l neu in den Aufsichtsrat berufen.

Mitglied Simon brachte einige .praktische An­regungen vor und verwies auf die erfolgreiche Ar­beit des Vereins, die leider unter den Eisenbahnern zu wenig bekannt ist, so daß noch eine größere Werbetätigkeit entfaltet werden müßte.

Der Aufsichtsratsvorsitzende, Reichsbahninspektor Keuler, gab einen Ueberblick auf die Tätigkeit der seit etwa 20 Jahren bestehenden Genossenschaft, die für Gießen auf dem Gebiete der Wohnungsbe« schaffung praktische Arbeit geleistet hat.

Radsternfahrt zum Reichshandwerkertag.

Anläßlich des Reichshandwerkertages unterneh­men die Handwerker eine Radfternfahrt nach Frank­furt a. M. Eine Radstaffel trifft am Freitag um 9.30 Uhr mit etwa 132 Mann in Gießen an der Karlsruhe" ein, wo eine Ruhepause eintritt.. Sämtliche Kreisfachgruppen- und Kreisfachschafts- walter des Kreises Wetterau nehmen hier am Emp­fang teil. Das Mufikkorps des J.-R. 116 wird den Sternfahrer die Zeit des Aufenthaltes verkürzen helfen. Von derKarlsruhe" marschieren die Teil­nehmer durch die Marburger, Walltor-, Schul- und Sonnenstraße über den Seltersweg zur Frankfurter Straße, von wo aus die Weiterfahrt über Friedberg nach Frankfurt a. M. angetreten wird. In Gießen schließen sich drei weitere Teilnehmer, je ein Meister, Geselle und Lehrling, den Sternfahrern an.

Aezirksversammlung der Gießener Sportfischer.

Der Bezirk VIII des Gaues Hessen-Nassau im Reichsverband Deutscher Sportfischer hielt am Diens­tag bei Faulstich für feine vier Sportfischer-Dereini- gungen des Stadt- und Landbezirkes Gießen eine Bezirksversammlung ab.

Bezirksführer Rud. Röhr stellte die neuen Auf­gaben heraus, die den deutschen Sportfischern ge­stellt sind, und berichtete über den Gautag des Gaues Hessen-Nassau in Mainz, bei dem als wich­tigste Frage die Einführung eines neuen Reichs­fischereischeines behandelt wurde. Durch diesen neuen Fischereischein kommt der Landesfischereischein nicht in Fortfall, sondern einer bedingt den anderen. Alle Vereine, die eigene Gewässer besitzen, müssen kor­porativ Mitglieder des Landesfischereivereins wer­den. In Zukunft werden Schwierigkeiten und Miß­stände bei den Verpachtungen nicht mehr in Erschei­nung treten, da nach dem neuen Reichsgesetz die Pachtverträge durch die Landesbauernschaft einer Nachprüfung unterzogen werden. Dadurch werden namentlich die ungesunden Verhältnisse von Wert und Pachtpreishöhe bereinigt werden. Weiterhin werden die Gewässer in erster Lj/iie an Vereine und nicht an Einzelpersonen verpachtet werden. Es wird

Vornan von Walther Kloepffer

Copyright 1936 by August Scherl G. m. b. H., Berlin.

5. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

2.

Als Doktor Fogg am dritten Tag nach dieser Begegnung, von einem Ausgang zurückkehrend, fein Hotelzimmer betreten wollte, fing ihn das Stuben­mädchen ab.

Eine lütte Deern will Sie sprechen, Herr Dok­tor. Ich habe sie einstweilen in Ihr Himmer gelas­sen. Eigentlich ist das ja verboten, noch? Aber sie sieht so unschuldig aus, sie heult drinnen."

Lütte Deern? Keine Anhnung. Ich kenne in ganz Hamburg keine lütte Deern. Mal sehen", brummte Fogg und öffnete die Tür.

Tatsächlich. Da saß auf feiner Couch ein junges Ding und schnaubte herzbrechend in fein Sacktüch- lein. Fogg schob verdutzt die Stummelpfeife in die Jackettasche und legte seine braune Tatze auf die schlitternde fremde Schulter.

Aberaberaber, ist das so arg? Wo brennts denn, kleines Fräulein? Hat uns jemand etwas getan? Ich bin der Doktor Fogg", Hub er beschwichtigend an und in feinem guten, erprobten Arztton.

Aus dem verheulten Sacktüchlein kam eine ge­rötete kleine Nasenspitze zum Vorschein.

Mutter ist krank, sehr krank, und schickt mich her. Du sollst gleich mitkommen, Onkel Fogg. Ich bin Anna Stransky aus Hamelskoog." Das Mädchen sagte dies weinerlich, aber voll Vertrauen und mit großer Eindringlichkeit.

Fogg muß sich da erst zurechtfinden. Das kleine Fräulein setzte entschieden zuviel bei ihm voraus. Aber er ist schnell im Bild.

Du bist die Tochter von Donka Stransky?" Natürlich."

Und was fehlt deiner Mutter? Eine kleine Ahnung wirst du ja wohl haben?"

Eine Erkältung, glaub' ich. Sie hustet und fie­bert, und manchmal ist sie ganz weg." Tränenstrom. Fogg ist es unbehaglich zumute, wenn er an die

dumme Bank im Freien denkt, die an allem schuld ist.

Da müssen wir freilich gleich hin, Anna. Wir nehmen ein Auto, mein Kind, das geht fixer. Du wirft mich führen." Obschon hungrig und müde, ist er voll Hilfsbereitschaft. Er legt kleine Paketchen, die ihm aus allen Taschen quellen, auf den Tisch. Dann bittet er:Komm, Anna", und steigt mit dem Mädchen die Hoteltreppe hinab.

Du siehst deiner Mutter sehr ähnlich", sagt er drunten in der Halle und denkt: Sieh mal, die Donka hat also ein Kind. Davon hat sie mir gestern ja gar nichts gesagt.

Findest du?"

Das finde ich sehr, Anna. Die Gestalt, das Ge­sicht, die Haare, alles hast du von deiner Mutter." Ja, ja, Anna ist eine jüngere und zierlichere Aus­gabe von ihrer Mutter. Dasselbe dunkelbraune, mit einem fünften Schimmer ans Rötliche gren­zende Haar, die gleiche vorwitzige Himmelfahrts­nase, die gleiche biegsame Gestalt, kurz, ein nettes, ein leckeres junges Ding. Nur die Augen sind anders, nicht so schwermütig und wissend. Anna trägt ein billiges farbiges Fähnchen, Ausverkauf, Vierfünfundneunzig, aber sie geht darin, als ob es ein Schneiderkostüm wäre.Wie alt sind wir denn?"

Achtzehn", stellt sie aufschnupfend fest. Denn die Tränen fitzen noch immer sehr locker.

Und was ist mit Hamelskoog?"

Da war ich die letzten Jahre. Mutter hatte mich zu Gorch Pitter als Stütze gegeben. Hamelskoog, mußt du wissen, ist ein kleines Dorf an der Elb- münbung. Nichts als Dünensand und Wasser, Wind und Wolken. Einmal hat es uns die ganze Wäsche in die See geweht.- Und Fischerhütten sind natür­lich auch da. Manchmal war es schön und manch­mal langweilig. Gorch Pitter ist ein pensionierter Steuermann nicht Uebersee, ach nein, nur so'n kleiner Kahn auf der Elbe, Steuermann und hat eine rote Knollennase und einen weißen Kranz­bart. Leider priemt er. Aber sonst kann man nichts wider ihn sagen", unterrichtet sie den zuhorchenden Fogg. Er kann sich Gorch Pitter und Hamelskoog gut vorstellen, obzwar er beide nicht kennt.

Hm. Und was hast du bei Gorch Pitter zu tun gehabt?"

Ach, viel! Mal das Hauswesen, Kochen, Flicken,

Aufräumen. Du bist ein Mann und verstehst das ja nicht. Dann das Gärtchen. Huch, hatten wir Tomaten! Auch zwei Felder waren da, Roggen und Kartoffeln. Dann die Ziegen. Junge Schweine finde ich zwar süßer. Manchmal hat mich Pitter in seinem Boot zum Fischen mitgenommen; aber die Frau durfte das nicht wissen. Die war immer gleich so ängstlich, nöch."

Donnerwetter, du bist ein tüchtiges Haus- mütterchen!"

Das kann man wohl sagen", meint sie ernsthaft.

Fogg gibt sich, wie man sieht, alle Mühe, das betrübte Landpomeränzchen abzulenken, und hat auch einigen Erfolg damit. Che sie ins Auto steigen, möchte Anna wissen:

Sag mal, bist du nun ein richtiger Onkel oder nur so? Ich hab' das aus Mutter nicht heraus­bekommen."

Nur so, Anna. Deine Mutter und ich kennen uns vom Krieg her und sind befteundet."

Kuck, das hab' ich mir gleich gedacht. Für einen richtigen Onkel bist du zu jung", nickt sie altklug. Wenn es Mutter besser geht, mußt du mir das mit euch beiden erzählen. Mutter sagt mir nie etwas von sich. Sie meinte vorhin, ich sollte dich einfach mit ,Onkel Fogg* * anreden."

Dns Haus in der Hafengaffe, in dem Donka Stransky wohnte, war ein alter Bau von bedroh­lichem Aussehen. Man mußte durch einen finsteren Hof, in dem es nach Kernseife und Goffe roch. Die vernachlässigten Fenster waren durch Kinderwäsche und Jammergeranien verunziert. Diele schmal­brüstige Hinterhäuser teilten sich in diesen Hof, und es war nicht zu entscheiden, zu welchem er nun eigentlich gehörte. Fogg und Anna ftiegen ein knarrende Stiege hoch, dann traten sie in eine Wohnung, vor der ein schmutziges Schild besagte:

Pension Heidenfroh. Zimmer, möbliert, für jede Zeitdauer."

In den schmalen Korridor mündeten sechs ver- schabte Türen. Der Raum, dessen Tür Anna jetzt aufklinkte, war dürftig und lieblos ausgestattet. Am Fenster stand ein abgeblühter, kränkelnder Azaleen­stock. Graues, mageres Licht lastete auf den Gegen­ständen. Donkas Bett stand in einer Ecke. Die Kranke atmete beschwerlich und reichte Fogg eine heiße, feuchte Hand, deren Puls flog. Eine alte, bekümmerte Frau dachte Fogg mitleidig.

Du machst ja schöne Geschichten, Donka", scherzte er behutsam und versuchte, eine gewisse Leichttgkeit in seine Stimme zu legen.

Die Stransky lächelte schwach. Auf ihren Backen flammten abgezirkelte hektische Flecken. Mindestens 40 Fieber, schätzte Fogg und strich über das nasse Haar der Patientin.

Also darum habe ich gestern und vorgestern um­sonst auf dich gewartet! Wenn ich geahnt hätte, was los ist, wäre ich schon längst gekommen. Gut, daß du die Anna geschickt hast. Was sagt dein Arzt dazu?"

Ich habe keinen", entgegnete sie schamvoL Aerzte sind so teuer."

Dann möchte ich die Behandlung übernehmen, wenn du gestattest?"

Bitte!" nickte sie dankbar. Fogg untersuchte ziem­lich lange. Der Fall lag klar: Lungenentzündung, vergesellschaftet mit Tuberkulose. Prognose schlecht.

Donka bedeutete ihrer Tochter, sie möge in die anstoßende Kammer gehen. Sie wollte allein sein mit Fogg.

Nicht wahr, es steht schlimm? Muß ich sterben?" Aber, Donka! Wer redet gleich vom Sterben!" log er tapfer.

Ich muß mich erkältet haben. Damals auf der Bank. Ich bin selbst schuld. Du hast mich gewarnt. Ich war schon vorher nicht fest. Immer ist Blut getornrhen. Es ist mir nicht um mich, nur um Anna. Du hast ihr doch nichts gesagt von mir? Ich meine, das mit der Bar und so?" fragte sie angstvoll.

Kein Wort, Donka."

Das ist gut. Denn Anna soll nie erfahren, wie es um ihre Mutter bestellt war. Sie glaubt, ich nähe Hemden und Kleider für die Leute. Ich habe sie vor vier Jahren bei einem braven alten Ehe­paar untergebracht, an der See. Leider kann sie dort jetzt nicht mehr bleiben, weil Pitters Tochter aus England heimkommt und dann selbst den Haus­halt besorgt. Pitters haben es mir durch Anna sagen lassen, als ich sie gestern zurückrief. Anna ist ein gutes Kind, aber so jung. Sie ist so lebhaft urtb vertrauensselig, und man muß stets auf sie auf3 passen. Sie kommt jetzt in die Jahre, wo die Lieb­schaften anfangen. Ich habe so Angst um sie. Ich quäle mich immer mit dem Gedanken, was aus ihr werden soll, wenn ich--" (Forts, folgt.)