Ausgabe 
26.5.1937
 
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trotz der gegenteiligen Haltung der anderen Kleinen- Entente-Staaten weiterhin der Sowjetunion die Anerkennung verweigere. Es scheint, daß das offi­zielle Tfchechentum von heute nur die Deutschen­feindschaft, aber nicht die Sowjetfeindschaft von dem Programm seines alten Mitkämpfers Dr. Kramarsch übernommen hat.

Staatssekretär Milch von König Leopold empfangen Große Beachtung der deutschen Leistungen aus der Brüsseler Luftfahrtausstellung.

Brüssel, 26. Mai. (DNB.) Der König der Belgier empfing den Staatssekretär der Luft­fahrt, General der Flieger Milch. Im Anschluß daran begab sich General Milch mit seiner Beglei­tung zu dem Grabmal des unbekannten Soldaten, wo er in Anwesenheit des deutschen Luftattaches Generalmajor Wenninger und des Legationssekretärs an der deutschen Gesandtschaft Freiherrn von Neurath einen Kranz nie­derlegte. Der Kriegsminister General Denis gab sodann zu Ehren von Staatssekretär Milch ein Frühstück. Im Anschluß an die Eröffnung der Internationalen Luftfahrtausstellung, auf der die deutsche Beteiligung unbestritten im Vordergrund des Interesses der Besucher steht, fand am Abend ein großes Bankett statt. In den hierbei gehal­tenen Reden wurde der deutschen Luftfahrt und ihren Vertretern vollste Anerkennung gezollt. Der Derkehrsminister Marcel Henry Jasper begrüßte mit besonders herzlichen Worten den Staatssekretär Milch und sprach den Vertretern der deutschen Luftfahrtindustrie Dank und Anerkennung aus für die hervorragenden deutschen Leistungen, die man auf der Ausstellung bewundern könne. Die Blätter bringen Bilder von Staatssekretär Milch und der Kranzniederlegung am Grabmal des Unbekannten Soldaten, wobei darauf hingewiesen wird, daß gestern zum erstenmal deutsche Offiziere in Uniform diesen feierlichen Akt pietätvollen Gedenkens zu Ehren der im Krieg gefallenen belgischen Sol­daten vollzogen haben.

Aegypten

in den Völkerbund ausgenommen.

Genf, 26. Mai. (DNB.) Die Völkerbundsver­sammlung beschloß am Mittwoch einstimmig die Aufnahme Aegyptens in den Völkerbund. An der Abstimmung nahmen nicht teil Australien, die Dominikanische Republik, Spanien und Mexiko. Doch erklärten die Vertreter der drei letztgenannten

Staaten nachträglich, daß sie sich dem Votum der Versammlung anschließen. Der Präsident lud dar­aufhin die ägyptischen Delegierten ein, ihren Platz in der Versammlung einzunehmen. Als Präsident der Versammlung und als Vertreter der Türkei wid­mete ihnen der türkische Außenminister herzliche Be­grüßungsworte. Der ägyptische Ministerpräsident Nahas Pascha sprach die Hoffnung aus, daß der Völkerbund alle Schwierigkeiten überwinden und die Mitarbeit aller genießen werde. Die Entwick­lung gehe stufenweise vor sich. Aegypten habe durch den englisch-ägyptischen Freundschaftsvertrag seinen Willen zur Zusammenarbeit bewiesen.

OasWahleraebnis mHolland

Die bisherigen Negierungsparteiengestärkt.

A m st e r d a m , 27. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die vorläufige Verteilung der Sitze für die zweite holländische Kammer in der amtlichen Reihenfolge ist folgende: Römisch-katholische Staats­partei 31 Sitze (28 auf Grund der Wahlen im Jahre 1933); Sozialdemokraten 23 (22) Sitze; Anti- revolutionäre Partei (Colijn) 17 (14) Sitze; Christ­lich-historische Union 8 (10) Sitze; Liberale 4 (7) Sitze; Freisinnige 6 (6) Sitze; Kommunisten 3 (4) Sitze; Reformierte Partei 2 (3) Sitze; Christlich­demokratische Union 2 (1) Sitze; NSB. (Mussert- Bewegung) 4 (0) Sitze. Die übrigen zehn Parteien bekommen keine Sitze. Dieses Wahlergebnis zeigt, daß die bisherigen Regierungspar­teien (Katholiken. Äntixevolutionäre, Christl.-hi- storische, Liberale, Freisinnige) mit 66 gegen bis­her 65 gestärkt aus der Wahl hervorgegangen sind.

Doriat seines Amtes ofe Bürgermeister enthoben.

Paris, 26. Mai. (DNB.) Auf Grund einer Ent­scheidung des Innenministers ist der Führer der Französischen Volkspartei, Jaques D o r i o t, seine» Amtes als Bürgermeister von St. Denis ent­hoben worden. Die Maßnahme, fo erklärt man, sei auf Unregelmäßigkeiten in der Verwaltung Do- riots zurückzuführen. Während die Blätter der Lin­ken unumwunden ihrer Freude Ausdruck geben, daß die Volksfront-Regierung endlich diesem Gegner das Genick gebrochen und die angebliche Unzuver­lässigkeit in der Verwaltungstätigkeit Doriots nach­zuweisen suchen, sprechen die Blätter der Rechten von einer rein politischen Maßnahme,

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187. Jahrgang

Donnerstag, 27. Mai 1937

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.ein überspieltes Luxus-

kn Dreibund nannte er

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und forderte innenpolitisch die Anerken-

ing des böhmischen Staatsrechtes und die U m = ! staltung Oesterreich-Ungarns in einen über- itgenö slawischen föderativen Staat If Grund der Rechte der historischen Königreiche d Länder. Außenpolitisch forderte er die An- iherung an Rußland. Er war Mitbegrün- r und langjähriger Leiter der Auslandssektion tschechischen Nationalrates, welche die über- viegenden tschechischen politischen Kräfte zusammen- s^ie und durch eine umfangreiche Propaganda die richsseindliche Stellung der Tschechen im Weltkriege i rirbereitete.

3m Zusammenhang damit begründete Dr. Kra- lioilch den Neo-Slawismus, der innige kul- treile und politische Zusammenarbeit aller slawi- fen Völker nach dem Grundsatz der Gleichberech- tiiung predigte. Große Slawenkongresse in I'«g und Sofia dienten diesem Gedanken sowie !i»lreiche Reisen Dr. Kramarschs nach Moskau und k-«ersburg, wo er Beziehungen zu russischen Staats- Rnnern und führenden Persönlichkeiten in seinem eine anknüpfte. An seinem Widerstand scheiterten li letzten deutsch-tschechischen Ausgleichsverhand- di'gen vor dem Kriege.

Bei Au^ruch des Krieges stellte sich Dr. Kra- ^rsch die Seite der Gegner der Monarchie und B-rbe am 1. Mai 1915 im Auftrage des öfter» fischen Armeekommandanten Erzherzog Fried­as wegen Hochverrats verhaftet. Nach 'item Prozeß, der 128 Verhandlunastage umfaßte, vwde Dr. Kramarsch im Juli 1916 wegen Hoch- trats zum Tode verurteilt, später zu 15 Jahren Eueren Kerkers begnadigt. Die Amnestie Kaiser Ms im Juli 1917 hob auch diese Strafe auf, setzte Kramarsch auf freien Fuß und ließ alle Hem- nmgen wegfallen, die Kramärsch an einer offe - [_n feindseligen Haltung gegen die glitte lm ächte gehindert hatten. Während seines ^^esses bestritt er aufs lebhafteste, irgendeine ^«tsfeindliche Handlung begangen zu haben und e!mte die Bestrebungen der tschechischen Auslands- olution unter Führung Masaryks aufs ent- !c edenste ab. Nach dem Kriege allerdings hat er in ,'Hien eigenen Schilderungen und Erinnerungen die 1'freichische Militärjustiz glänzend gerechtfertigt, ism er selbst bekannte, daß er von Kriegsbeginn fr ein eifriges und tätiges Mitglied Hir geheimen tschechischen Verschwö - llm g gegen Oesterreich unter dem Namen der Mia gewesen war. In aller Ruhe und vor aller Deutlichkeit konnte Dr. Kramarsch für den Fall * militärischen Zusammenbruchs die Errich- yng eines selbständigen tschechischen Staates vorbereiten und am 28. Oktober 1918 " Früchte seiner Arbeit vflücken.

l:r wurde der erste Ministerpräsident ^tschechoslowakischen Regierung, trat allerdings Mck, als die Gemeindewahlen 1919 zeigten, daß 'lr2 neugegründete Nationaldemokratische c rte i eine weitaus geringere Zahl von An­dern zählte als angenommen worden war. Die l|,,n Parlamentswahlen in der Tschechoslowakei im jsl'jahr 1920 brauten seiner Partei eine weitere ^'Verlage, die namentlich dadurch herbeigefuhrt v'Se. daß die tschechisch-nationalen S o - ^'listen im ganzen Staat das unterwürfige b e n g e f u d) plakatieren ließen, das Dr. Kra­uch unter Berufung auf seine angebliche Dynastie- sts nach seiner Verurteilung zum Tode an Kaiier fcnz Joseph gerichtet hatte. Immerhin konnten "tschechischen 'Nationaldemokraten unter Führung ^-Kramarschs lange Jahre hindurch die Aufnahme ^malischer Beziehungen zu Sowie t- Uanb verhindern, das Kramarsch als Femd .rnationalen Slawentums glühend haßte. Als Dr. enefd) als Außenminister die Anerkennung "'jetrußlands durch die Prager Regierung durch- und den Pakt mit Sowjetrußland schloß, trat Kramarsch mit seiner Partei aus der Regierung

Oer tschechische Clemenceau.

Zum Tode von Dr. Karl Kramarsch.

Drahtberichi unseres C. A.-Korrespondenien.

Nachdruck verboten!

Prag, den 26. Mai 1937.

Im Alter von 77 Jahren ist der Vorsitzende der cheschischen oppositionellenNationalen Vereini- pmg", früher der tschechischen national-demokrati- )en Partei, Dr. Carl K r a m a r s ch gestorben. Mit im ist eine markante Persönlichkeit des nationalen ilchechentums dahingegangen, die trotz ihrer grund- itzlichen deutschfeindlichen Einstellung is durchaus anständiger Charakter über das tsche- chche Mittelmaß hinausragte. Auf der Universität Wien und an reichsdeutschen Hochschulen zum svtionalökonomen gebildet, trat Kramarsch als iohn eines reichen nordböhmischen Industriellen 891 in das politische Leben ein und errang sich ii.Ib eine führende Stellung in der radikalen jrngtschechischen Partei, welche die ge- iiaßigte und kompromißbereite alttschechische Par- i vollständig überwand. Dr. Kramarsch wurde Ab- lvrdneter im Wiener Reichsrat und 1897 dessen ! zepräsident, in welcher Eigenschaft er die Polizei z Hilfe rufen ließ, um die gegen die Badenischen korachenoerordnungen obstruierenden national- i!utschen Abgeordneten aus dem Parla- i?nt entfernen zu lassen.

Die fortschreitende Parteizersplitterung unter den !chechen zerkleinerte zwar die Partei Dr. Kra- »rschs, die später zur tschechischen fort- Iirittlichen Partei umgetauft rour^e, ver- mderte aber nicht seine politische Bedeutung. In ki österreichisch-ungarischen Delegationen trat Dr. kvmarsch frühzeitig als Feind des Drei- bindes dnb als Gegner einer deutschen außen- »litischen Orientierung Oesterreich-Ungarns auf.

Eckener über die Vedeulimg des Heliums für die Lustfchiffchrt.

Washington, 27. Mai. (DNB.) Die An­wesenheit Dr. Eckeners in Washington hat die Regierung und den Bundeskongreß zu einer ener­gischen Inangriffnahme des Heliumproblems veranlaßt. Wie schon gemeldet, haben bereits am Dienstag fünf Ministerien ihre übereinstimmende Auffassung erklärt, daß man Deutschland das für einen regulären Handelsverkehr' benötigte Helium zur Verfügung stellen müsse. Präsident Roosevelt sandte an den Vundeskongreß ein Gut­achten mit dem Zusatz, er halte dies für eine ge­sunde nationale und internationale Politik. Der Chef des Vergbauamtes im Innenministerium führte vor dem Senatsausschuß aus, Amerikas Mo­nopol des ungewöhnlichen Stoffes sei jetzt von großer Bedeutung für den Schuh von Men­schenleben geworden, und es sei Ameri­kas Pflicht, diesen Vorrat mit ande­ren Rationen zu teilen. Der Vorrat reiche für wenig st ens 15 0 Iahre aus, und die Wissenschaft werde bis dahin sicher einen Ersah da­für gefunden haben. Auf Veranlassung der Bundes­regierung war nach der Hindenburg-Katastrophe im Kongreß ein Gesetzentwurf eingebracht worden, der das Weiße Haus zum Verkauf von Helium für aus­ländische Luftschiffahrtzwecke ermächtigen soll. Da es sich bei dem Helium um ein Monopol handelt, auf dessen Erhaltung Amerika besonders aus militärischen Gründen Werk legt, wird der Gesetzentwurf zur Zeit in den Militärausschüs­sen der beiden Häuser beraten.

Dr. Eckener erschien am Mittwoch auf Ein­ladung des Senatskomitees vor einem dieser Aus­schüsse. Er gab eine längere Darlegung seiner Wünsche ab, die darin gipfeln, daß die deutsche Luft­fahrt den Bei st and Amerikas brauche, um im nächsten Frühjahr mit dem Luftschiffverkehr be­ginnen zu können. Darum bitte er, daß die erfor­derlichen gesetzlichen Maßnahmen mit möglich- ster Beschleunigung getroffen würden. Ein Luftschiff brauche, so sagte er, bei etwa 25 Rund­fahrten jährlich etwa 18 bis 20 Millio­nen Kubikfuß. Für die erste Vollfüllung des Luftschiffes würden sieben Millionen Kubikfuß He­lium und der Rest für Rachfüllung benötigt, da auf jeder Rundreise 5 v. h. des Heliums verloren gingen. Lr hoffe, daß bei Beginn der amerikanischen Massenproduktion des Heliums der Preis für 1000 Kubikfuß auf zwei bis drei Dollar heruntergehe.

Dr. Eckener führte schließlich aus, das gegenwär­tig im Bau befindliche Luftschiff könne

durch Einfügung weiterer Ringe so vergrößert wer­den, daß trotz der geringeren Tragfähigkeit des Heliums 70 Passagiere befördert werden können. Er hoffe, einen Verkehr mit zwei Luftschiffen einrichten und damit jährlich 50 Rundreisen ausführen zu können, hierfür benötige er jährlich 36 bis 40 Millionen Kubikfuß.

*

Dem sterbenden Kapitän Lehmann gab Com­mander Rosendahl das Versprechen:Zu einer solchen Tragödie darf es nie wieder kommen. Wir werden euch jetzt alles Helium geben, das ihr be­nötigt!" Der Präsident der Vereinigten Staaten hat nun seinen Willen kund getan, dies Versprechen ein­zulösen. Der Bericht, den Roosevelt an den Kongreß gesandt hat und der die Aufhebung des Aus­fuhrverbotes für Helium empfiehlt, wird besonders von uns Deutschen als eine Tat des gesunden Menschenverstandes begrüßt. Denn die früher von amerikanischer Seite gehegte Befürch­tung, wir könnten das kostbare Edelgas für kriege­rische Zwecke verwenden, sind natürlich gegenstands­los. Im übrigen wird wohl auch eine Klausel in der zu erwartenden Heliumverordnung eine solche Möglichkeit ausfchließen. Alle Welt weiß und auch die Amerikaner können davon überzeugt sein, daß die von Deutschland gebauten Luftschiffe ausschließ­lich dem friedlichen, völkerverbindenden Verkehr dienen sollen.

Eine andere Frage ist es, wie die praktische Bedeutung einer Helium-Ausfuhr für den deut­schen Luftschiffbau einzuschätzen ist. Wenn die all­gemeine Ueberzeugung auch richtig ist, daß das Hindenburg-Unglück nicht geschehen wäre, wenn der Bauch des Luftriesen mit Helium statt mit Wasser­stoffgas gefüllt gewesen sei, so muß doch anderer­seits auch auf die Tatsache hingewiesen werden, daß das Wasserstoffgas sich bislang ausgezeichnet be­währt hat. Fast drei Jahrzehnte hindurch wurde das Wasserstoffgas vom deutschen Zeppelinbau ver­wendet, ohne daß jemals aus dieser Ursache ein Unglück entstanden wäre. Der Schrei nach dem un­brennbaren Helium ist gewiß verständlich, aber seine Bedeutung darf auch nicht übertrieben werden, wie ja überhaupt die Katastrophe von Lakehurst keinen Anlaß zur Schwarzseherei gibt. Man muß sich immer wieder vor Augen halten, daß auch bei anderen Verkehrsmitteln täglich und stündlich schwere Unglücksfälle zu verzeichnen sind, deren Verluste an Menschenleben und materiellen Werten das Ausmaß der durch die Hindenburg- Explosion hervorgerufenen Schäden weit übersteigt.

Es ist auch nicht so, daß die Heltumfüllung und die Heliumausfuhr sozusagen eine Generallösung aller mit dem Luftschiffbau zusammenhängenden technischen Probleme gestatteten. Die entgegenkom­mende Haltung der amerikanischen Regierung ist

gewiß sehr hoch zu bewerten, aber sie betrifft nur einen Punkt in einer ganzen Reihe von Umständen, die alle bedacht werden müssen. Da ist zunächst ein­mal die 23 o r r a t 5 f r a g e, ,i)ie heute allerdings wohl im wesentlichen gelöst ist, da ist ferner die Preisfrage, die noch durchaus offen steht. Nach dem augenblicklichen Stand der Dinge müßten wahrscheinlich mehrere hunderttausend Mark auf­gewendet werden, um nur ein einziges Luftschiff mit Helium zu füllen. Das Gas hält sich zwar sehr lange im Luftschiff, muß aber doch von Zeit zu Zeit ergänzt werden. Bekannt ist die geringere Tragfähigkeit des Heliums im Gegensatz zum Wasserstoffgas. Um hierfür einen Ausgleich zu schaffen, hat der Luftschiffbau schon früher einmal beschlossen, die Gaszellen nur zu 70 Prozent mit Helium und die restlichen 30 Prozent mit Wasser­stoffgas zu füllen, und zwar ist die Anordnung dann so, daß ein unbrennbarer Heliummantel um einen kleinen mit Wasserstoffgas gefüllten Kern gelegt wird. Diese Lösung hat neben technischen Vorteilen (Unbrennbarkeit, verhältnismäßig hohe Tagfähig­fähigkeit) auch einen wirtschaftlichen Vorzug, weil auf diese Weise das bei jeder Fahrt abzublasende Gas statt aus den teuren Heliumbeständen, aus den billigeren Wasserstoffzellen genommen werden kann.

Daß die Kosten für das amerikanische Helium einmal geringer werden, ist anzunehmen. Bevor Amerika mit der Gewinnung des Heliumgases im großen begann, betrug die Gesamtmenge des auf der ganzen Welt überhaupt verfügbaren Heliums nur mer Kubikmeter. Der Preis pro Kubikmeter belief sich auf etwa 250 000 Mark. Das war 1918. Inzwischen ist der Herstellungspreis in Amerika auf 75 Pfennige pro Kubikmeter gesunken. Eine wei­tere Schwierigkeit ergibt sich ohne weiteres aus dem langen Transportweg für auszuführendes Helium nach Deutschland. Nicht weniger als 35 000 Gasflaschen wären notwendig, um die für eine Fül­lung ausreichende Heliummenge von den amerika­nischen Erzeügungsstätten nach Friedrichshafen zu befördern. Ein solches Unternehmen ist wegen der ungeheuren Transportkosten praktisch nicht denk­bar, so daß auch das i. diesem Herbst zur Voll­endung kommende neue Luftschiff LZ 130 seine erste Fahrt über den Ozean mit Wasserstoff­gasfüllung machen muß. Das Heliumgas wird voraussichtlich immer nur auf amerikanischem Boden seiner Verwendung zugeführt werden können. Das ist aber kein schwerwiegender Umstand, weil, wie schon gesagt, die Zeppelinfahrten mit Wasserstosf- gas gleichfalls sich in der Praxis tausendfach be­währt haben. Gegen einmalige Schicksalsschläge ist allerdings das Luftschiff ebenso wenig gefeit wie jedes andere Verkehrsmittel. Ev.

aus und eröffnete gegen diese neue tschechische Außen­politik einen heftigen Feldzug, in dem er so weit ging zu behaupten, daß die Slawen einst jenen fluchen würden, welche dieses Bündis mit den Hen­kern des russischen Volkes geschlossen hätten. Er ver­einigte seine Partei mit der von dem Abgeordneten Stribrny geführten, von den tschechischen Na­tionalisten abgesplitterten Gruppe zurNatio­nalen Vereinigung" und konnte zwar bei den Wahlen 1935 in Prag einen bedeutenden Er­folg erringen, der Widerhall feiner Bestrebungen in den breiten Massen des tschechoslowakischen Vol­kes blieb aber aus.

\ Seither bemühte sich Dr. Kramarsch alstsche­chische Kassandra", wie er häufig genannt wurde, immer wieder auf die Gefährlichkeit des tschechoslowakischen Bündnisses mit Sowjetrußland hinzuweisen und vertrat tn seinem BlattNarodny Listy" immer wieder die Notwendigkeit einer Annäherung an die kon­servativen Mächte Europas, vor allem an Ita­lien und Polen. Er hörte dabei nicht auf, d e n deutschen Drang nach d e m O st e n" als die größte Gefahr für das Tfchechentum zu bezeichnen. Er war vielleicht der populärste Führer unter den Tschechen, und von dieser Volkstümlichkeit hatte er bis in die Gegenwart hinein kaum etwas ver­loren, so daß noch bei der vorjährigen P r a s l- dentenwahl eine Kandidatur von ihm sicherlich einen großartigen Erfolg gehabt hätte. Aber Dr. Kramarsch, der damals 74 Jahre zählte, war schon zu leidend, um sich einer solchen aktiven Aufgabe zu unterziehen. Im übrigen aber hatte es die Rich­tung Masaryk - Benesch geschickt verstanden, den alten innenpolitischen Gegner in den Hintergrund zu drängen. So ist denn Dr. Kramarsch, den man wegen seiner unversöhnlichen Vernichtungspvlitlk gegenüber dem böhmischen Deutschtum, wegen ferner antideutschen Einstellung überhaupt den tsche­chischen Clemenceau nennt, einsam und ver­gessen in seinem Winkel gestorben. Wenn seine Stimme sich bis zuletzt erhob, um vor den Sonyets und dem Moskaupakt zu warnen, so horte man diese Appelle an das allslawische Gewissen m der tschechischen Bevölkerung mehr aus Achtung vor dem Alter, denn aus politischer Einsicht. Noch vor wenigen Wochen schrieb der greise Mann tn einer rechtsoppositionellen Zeitung:D i e 6ow j et - freundschaft bringt fein Gluck. Die Sowjetpolitik war das gräßlichste Verbrechen gegen das russische Volk, ein Verbrechen an der Kultur und Zivilisation, ein Verbrechen an allem, was der Menschheit heilig ist." Bekannt ist auch sein Glück­wunschschreiben an den König Alexander I. von Jugoslawien, in dem er ihmim Namen der slawi­schen Nationen" dafür dankte, daß Jugoslawien