Die Befriedung Abessiniens.
Der letzte Rebellenführer besiegt und erschossen.
Rom, 25. Febr. (DNB.) Ras Desta. der sich mit dem Rest seiner Rebellen in das Seengetnet geflüchtet hatte, ist von den ihn verfolgenden italienischen Abteilungen g e s a n g e n g e n o m m e n worden. Rach einem Bericht des Dizekomgs Mar» schall G r a z i a n i an den Duce hatte Ras Desto Unterwerfungsverhandlungen nur dazu benutzt, um feine noch verfügbaren Rebellen um sich zu, versammeln und dann auch weitere Verhandlungen abgelehnt. Es sei ihm nochmals gelungen, m das
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(Scherl-Bilderdienst-M.)
Seengebiet zu entfliehen, wo er aber am 24. Februar mit den letzten Resten seiner Anhänger umzingelt und gefangen genommen worden sei Bei der Aktion seien den italienischen Abteilungen vier Geschütze, 30 Maschinengewehre und über 5000 Gewehre in die Hände gefallen. Mit Ras Desta, der sofort nach seiner Gefangennahme erschossen worden sei, sei der letzte Rebellenführer bezwungen und damit auch der letzte Versuch eines bewaffneten Widerstandes gebrochen worden. Rach Abschluß der militärischen Operationen seien jetzt alle Voraussetzungen für die friedliche Kolonisierung Aethiopiens gegeben. Die italienische Presse feiert in riesigen ganzseitigen Ueberschriften die Gefangennahme und Erschießung des letzten Rebellenführers als das Ende jeglichen äthiopischen Bandenunwesens. Damit sei ein für allemal die endgültige Herrschaft Italiens in Aethlv- pien bewiesen. Zugleich hätten aber auch die Stimmen der ewigen Besserwisser eine eindeutige Widerlegung durch die Tat erfahren.
Gegen die Verladung der ungarischen Llniversitaten.
Die Studenten fordern Einhaltung des numerus clausus»
Fünfkirchen, 25. Febr (DNB.) In einer Massenversammlung der nationalen Universitätsjugend, an der auch der Rektor teilnahm, verlasen die Studenten eine Erklärung gegen die Nichteinhaltung des numerus clausus an der medizinischen und philosophischen Fakultät. Die Zahl der jüdischen Hörer hab,e den festgesetzten Hundertsatz weit überschritten. Die Studentenschaft forderte Garantien dafür, daß an diesen Fakultäten keine jüdischen Hörer mehr ausgenommen würden. Auch von an-
Zehn Reichsdeuische aus der Sowjetunion ausgewiesen. Moskau bleibt die Begründung für seinen neuen Gewaltakt schuldig. Noch 33 Reichsdeutsche in Hast.
Berlin, 25.Febr. (DNB.) Der deutschen Bot- schäft in Moskau wurde heute vom Auhenkommis- sariat amtlich mitgeteilt, daß zehn der seit Monaten in haft befindlichen Reichsdeutschen im administrativen Gerichtsverfahren zur Ausweisung aus der Sowjetunion verurteilt worden feien. Bis jetzt wurden keinerlei Gründe für die Ausweisung angegeben. Es handelt sich um vier in Moskau und um sechs der in Leningrad verhafteten Reichsdeutschen. Ihre Namen lauten: Franz Melchior, Ingenieur, Wilhelm Pfeifer, Viehhändler, Arthur Thilo, Ingenieur, Otto Goldschmidt, Lhauffeur, Eugen klein, Werkmeister, Otto Fischte. Werkmeister, Tatjana Bärwald,
Studentin, Paul Bärwald, Ingenieur (Vater der Tatjana), Emil L a r i s ch, Techniker, Otto Walter, Lithograph.
Die Ausweisung dieser zehn Reichsdeutschen bedeutet für sie zwar die Wiedergewinnung der Freiheit, gleichzeitig aber auch den 23 e r I u ft ihrer bisherigen Existenzgrundlage. Die Ausweisung im administrativen Verfahren ist eine Strafe, die ein Verschulden voraussetzt, für welches indessen die Sowjetbehörden bisher den Beweis nicht erbracht haben. Da im Laufe der letzten Monate 43 Reichsdeutsche in der Sowjetunion verhaftet worden sind, bleiben von ihnen noch immer 33 in haft, über die von den Sowjetbehörden trotz jahlrercher Schritte der deutschen Botschaft bisher jede Auskunft verweigert worden ist. Es muß erwartet werden, daß auch über ihr Schicksal möglichst bald Klarheit geschaffen wird.
deren Fakultäten sollten Juden solange nicht mehr übernommen werden, bis der numerus clausus^ (5 v. h.) wiederhergestellt sei. Ferner forderten die Studenten, daß die von ungarischen Staatsangehörigen imAuslanderworbenen Doktordiplome in Ungarn nicht anerkannt werden. Der Rektor versprach, daß, solange der Anteil der jüdischen Hörer nicht auf die vorgesehenen 5 v. h. zurückgegangen sei, keine neuen jüdischen Hörer zugelassen würden. Die Studenten werden nun wieder regelmäßig an den Vorlesungen teilnehmen.
An der Szegediner Universität fand eine Massenversammlung des Turul-Verbandes statt, auf der gegen die andauernden jüdischen Frechheiten Einspruch erhoben wurde. In Debrezin veranstaltete die nationale Studentenschaft eine Kundgebung gegen die Vorführung eines Filmes, an der auch die Bevölkerung lebhaften Anteil nahm. Kultusminister h o m a n hat die- Rektoren sämtlicher Universitäten zu einer Besprechung über Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ruhe an den Unversitäten aufgefovdert.
Ein deutsch-österreichischer Kutturausschutz.
Berlin, 25. Febr. (DNB.) Der Reichsminister des Aeußeren Freiherr von Neurath ist in Berlin wieder eingetroffen, nachdem er in München Gelegenheit genommen hatte, dem' Führer und Reichskanzler über seine Reise zu berichten. Ein zwischenstaatlicher Ausschuß zur Vertiefung der gegenseitigen kulturellen Beziehungen wurde bereits konstituiert. Von deutscher Seite werden dem Ausschuß Legationsrat von Twardowski (Auswärtiges Amt), Geheimrat Gürich (Kultusministerium) sowie Regierungsrat von Weyßenhoff und Dr. Megerle (Propagandaministerium) angehören. Oesterreich wird vertreten durch Minister a. D. Hammer st ein-Equord, Sektionschef Dr. Soeben ft ein, Gesandten hoffinger und Sektionsrat Dr. W o l f. Die deutschen Herren sind in Wien eingetroffen. Bei den Beratungen wird es sich zunächst daraum handeln, die besonders dringenden Fragen des kulturellen Verkehrs zu besprechen und ein Arbeitsprogramm festzulegen.
Oer ffrideritus-Mm in Graz verboten.
W i e n , 25. Febr. (DNB.) Den Quertreibereien gewisser Elemente der Vaterländischen Front und des klerikalen legitimistischen Klüngels ist es nun doch geglückt, die weiteren Vorführungen des Fridericus- Films in Graz, der nach einem Verbot wieder zugelassen worden war, zu verhindern. Nach offensichtlich einheitlicher Regie waren zunächst zur Nachmit
tagsvorstellung am Mittwoch unter Führung zweier adliger Legitimisten-Jünglinge einige Burschen erschienen, die zu lärmen versuchten, was aber mißglückte. Der Film konnte ruhig bis zum Schluß gezeigt werden. An dieser Vorstellung nahm das Grazer Volksblatt den gewünschten Anstoß und forderte Verbot des Films, da sonst die öffentliche Ruhe und Sicherheit gefährdet sei angesichts der berechtigten Entrüstung über die Herabsetzung des österreichischen Volkes durch den Bildstreifen. Der Landeshauptmann Dr. S t e p a n hatte somit die gewünschte handhabe, kurzerhand das Verbot zu erlassen.
Oer belgische Rexistenführer verhastet.
Br ü s s e l, 25. Febr. (DNB.) In einer Versammlung in G e n t, in der Ministerpräsident v a n Z e e - land einen Vortrag hielt, kam es zu Zwischenfällen, in deren Verlauf der Führer der Rex-Bewe- wegung, Leon Degrelle, verhaftet wurde. Degrelle hatte sich plötzlich, als der Präsident der Handelskammer den Ministerpräsidenten zu Beginn der Versammlung begrüßte, erhoben und den Vorsitzenden aufgefordert, nach der Rede des Ministerpräsidenten a u ch i h m die Möglichkeit zum Sprechen zu geben. Im Saal entstand darauf ein großer Tumult. Polizeibeamte wiesen Degrelle und die mit ihm erschienenen Rexisten aus dem Saal. Degrelle und seine Begleiter wurden in Polizeigewahrsam genommen.
Kleine politische Rachrichten
Der Führer und Reichskanzler empfing den früheren schweizerischen Bundespräsidenten Bundesrat Dr. h. c. Schultheß anläßlich seiner Anwesenheit in Berlin.
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Im Einvernehmen mit dem Reichsminister für die kirchlichen Angelegenheiten hat der Reichsminister des Innern durch Erlaß vom 18. Februar verboten, die Namen von Personen, die aus der Kirche ausgetreten sind, öffentlich bekanntzugeben. Danach ist es insbesondere auch untersagt, die Namen solcher Personen von der Kanzel herab zu verlesen.
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Mährend der Leipziger Frühjahrsmesse veranstaltet die Kommission für Wirtschaftspolitik der NSDAP, eine Kundgebung mit dem Thema „W ille zum Welthande l." Es sprechen Botschafter von Ribbentrop und der Leiter der Kommission für Wirtschaftspolitik Reichsamtsleiter Bernhard Köhler.
Die zweite Siedlung aus den Mitteln des „Dankopfers der SA." wird am 28. Februar
ln Kitzln gen bei Würzburg durch den ersten Spatenstich des Reichskassenverwalters der SA., Gruppenführer M a p p e s , eröffnet Weitere Bauvorhaben mit insgesamt 540 Siedlerstellen werden in Braunschweig, Gleiwitz und Kiel in Angriff genommen. Im April wird auch in diesem Jahre zum Geburtstag des Führer die Sammlung zum „Dankopfer der SA." veranstaltet.
Sprache und Technik.
Gegen sinnlose Verdeutschung technischer Ausdrücke.
Berlin, 25. Febr. (DNB.) In einer technischen Zeitschrift wird der Vorschlag einer V er deut» schung von technischen Ausdrücken gemacht, die ihren Ursprung nicht in einem deutschen Wort haben. Demnach soll die Lokomotive „Zieh" heißen. Früher war für Elektrizität das Wort „B e r n" vorgeschlagen. „Bern — Zieh" soll heißen: Elektrische Lokomotive. Als Leiter des Hauptamtes für Technik der NSDAP, schreibt Generalinspektor Dr.-Jng. Todt in einem Runderlaß an seine Dienststellen dazu u. a.: „In der Technik, beim Militär, in vielen anderen Kultur- und Lebensgebieten gibt es Gebrauchswörter allgemeiner Bedeutung, unter denen sich nicht mehr ein Volk, sondern hie ganze Welt etwas vorstellen kann (z. B. Technik. Elektrizität, Automobil, Lokomotive, Leutnant, Regiment, Artillerie). Die Bedeutung der deutschen Technik wird nicht dadurch gegeben, daß ein paar Menschen nichts besseres zu tun haben, als in Form einer neuen Art von Rätsel- spiel sich darin zu wiegen, für althergebrachte, in der ganzen Welt verstandene Ausdrücke deutsche Neuworte zu erfinden, die zur Folge haben, daß kein Deutscher ohne ein erklärendes Wörterbuch die deutsche Technik in ihrer Sprache versteht, vor allem aber, daß das g e - samte Ausland mit der deutschen technischen Literatur überhaupt nichts mehr anfangen kann. Das nationalsozialistische Deutschland weiß das Ansehen des deutschen Volkes und die Lehren der deutschen Technik durch andere Maß- nahmen zu fördern und zu erhalten, als durch derartige Spielereien. Ich bitte von diesem Unfug ein für allemal Ab st and zu nehmen und verbiete den Gebrauch derartiger Wörter für die Dienststellen des »Hauptamtes für Technik der NSDAP/ und für den »Nationalen Bund deutscher Technik'."
Aus aller Welt.
Das neue „kdF."-Schiff.
Am 5. Mai wird auf der Werft von Blohm 8z Voß in Hamburg der erste neue „KdF."-Dampfer vom Stapel laufen. Das Schiff wird im Frühjahr 1938 vollendet sein. Es hat einen Rauminhalt von 25 000 Tonnen. Im ganzen können 1460 KdF.-Urlauber ausgenommen werden, für die 248 zwei- bettige und 241 vierbettige Kabinen zur Verfügung stehen. Sämtliche Urlauber finden auf Deck mit einem Liegestuhl Platz, außerdem verbleibt reichlich Raum für Bordjpiele. Im E.-Deck liegt eine Schwimmhalle, während auf dem Sonnendeck eine geräumige Turnhalle eingebaut ist.
Internationaler Oasenflug in Aegypten.
Von den in Kairo gestarteten 42 Teilnehmern des Oasenfluges haben 39 die erste Etappe, Assuan, erreicht. Unter den 39 Teilnehmern befinden sich alle deutschen Flieger, die wohlbehalten angelangt sind und sich recht zuversichtlich für den weiteren Flug aussprechen. Drei Flugzeuge mußten wegen kleinerer Pannen aufgeben. Darunter ist Prinz Omar H a l i m und der Tscheche C u t l o ch. Alle Teilnehmer am Fluge haben Wasser und Lebensrnittel für drei Tage mit sich, um bei unvorhergesehenen Zwischenlandungen bis zum Eintreffen von Helfern genügend gerüstet zu sein. Besonderes Interesse sand beim Start und bei der Landung unsere „Junkers 86", die man als die schnellste der im Rennen liegenden Maschinen ansieht. — Am Donnerstag begann das diesjährige Automobil- Wüstenrennen Kairo—Baharia—Kairo, an dem auch der vorjährige Sieger auf DKW. teilnimmt.
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Der zweite einstündige Etappenflug Assuan- Luxor des Oasenfulges ist glücklich überstanden
Letzte Quartette von Mozart, Haydn und Beethoven.
Zum bevorstehenden Kammermusitabend des Wendling-Quartetts.
Das Programm des in Aussicht stehenden Kam- mermusikabends des Wendling-Quartetts gibt diesmal ausschließlich solchen Werken Raum, die der letzten und damit reifsten Schaffensperiode der einzelnen Meister entstammen; sie bedeuten damit für die Gattung des Streichquartetts jeweilige Höhepunkte der Gestaltungskraft und des Ausdrucksvermögens
Unter den drei Gaben ist Mozarts Quartett in D -dur (Köchel Nr. 575) das älteste. Gelegentlich feiner Reife nach Norddeutschland (1789) hatte Mozart von dem preußischen König Friedrich Wilhelm II. den Auftrag für eine Reihe von Quartetten erhalten; da der König sich selber als Cellist ausübend betätigte, nahm Mozart auf dieses Lieb- lingsinstrument seines Gönners hier besondere Rücksicht. Das Quartett in D-dur steht an der Spitze der drei dem König gewidmeten Quartette. Bereits im Juni 1789 konnte Mozart das Werk fertigstellen, und die Uederreichung brachte ihm eine goldene Dose mit 100 Friedrichsdor ein.
Die geistige Einstellung, die „Cosi fan tutte" werden ließ, prägt sich auch hier aus Weniger ein Selbstbekenntnis seelischen Ringens, als eine Freude am Musizieren, die ebenso dem Klangreiz huldigt wie der Schönheit und Gewähltheit des Ausdrucks, bestimmt den Charakter des Quartetts.
Das Eingangsthema des Kopfsatzes entwickelt sich aus dem steigenden Dreiklang in der sotto voce mit strömender Gefanglichkeit; ihm nahe verwandt, führt das Cello soliftifch das Gegenthema ein; die übliche Schlußbildung nach der Aufstellung der Themen vermeidet Mozart durch eine direkte Überleitung zur Durchführung, die in der imitatorischen Verarbeitung des motivischen Materials besondere Eigenheiten ausspricht.
Das Andante, dem die häufige Koppelung der beiden Violinen ein klangliches Helldunkel verleiht, gibt mit feinem dialogartigen Ablösen den einzelnen Instrumenten Entfaltung zu inniger Kanta- bilität. In dem Trio des nachfolgenden Menuetts wird das Cello zum Träger schmiegsamer Gesangslinie. Das Finale gewinnt fein Material für das Hauptthema in enger Beziehung zum Eingangssatz; der Rondoform entsprechend, kehrt der Gedanke in mannigfacher geistiger Beleuchtung und Durchdringung wieder, dabei sich aber nicht in Vielfältigkeit
verlierend. Der bindende Grundgedanke wird hier von Mozart nach allen Möglichkeiten hin vertieft und verknüpft; hochgesteigerte kontrapunktische Kunst läßt die einzelnen thematischen Gebilde in kanonischen Engführungen sich überschneiden und stellt z. B. einzelnen Höhepunkten das Ausgangsmotiv in feiner Originalform mit feiner Umkehrung in gleichzeitiger Verbindung aller vier Instrumente gegenüber. Kurz vor dem Schluß erscheint das Grundmotiv im farbig gebrochenen Lichte chromatischer Abwandlung.
Auch für Haydn bedeutete die in Jahrzehnte langem Schaffen gewonnene Form des Streichquartetts nichts Endgültig-Feftsthendes, Unveränderliches — im Gegenteil gerade die Reihen feiner letzten Quartette (op. 76 und 77) zeigen den schon der zweiten Hälfte der Sechziger Zufteuernden noch jugendlich beweglich im Gewinnen der Synthese von Form und Ausdruckswillen. Die in den Jahren 1797 bis 1798 entstandenen sechs Quartette op. 76 (dem Grafen Erdödy gewidmet) fallen in die Zeit der Komposition der „Schöpfung"
Das Quartett op. 76, Nr. 2 (d-moll), auch „Quintenquartett" genannt, läßt das absteigende Quintenmotio zum zweitenmal piano in hoher Lage ansetzen und spinnt dann den Gedanken zum Seitenthema hinüber. Nach der Durchführung, die hauptsächlich auf dem ersten Thema basiert, haben die Gedanken der Themenaufstellung ein verändertes Ansehen gewonnen; denn bei der Wiederkehr erscheint das Hauptthema z. B. erst piano und schießt mit schwungvoller Passage in das Forte der Höhe hinein; der Seitengedanke ist nun knapper gefaßt; eine Fermate gebietet Einhalten; dann aber drängt der Satz in die pochenden Synkopen der Coda.
Das Andante wird von der quasi konzertierenden Primgeige beherrscht. Der Hauptteil des Menuetts ist ein groß angelegter Kanon der Oktave zwischen den Violinen einerseits und Bratsche und Cello andererseits; das Trio erhält durch klopfenden Orgelpunktrhythmus ein eigenes Gesicht.Das Finale (Vivace assai) entwickelt sich mit rhythmischer Pointierung aus dem Moll heraus und führt mit der letzten Wiederkehr der Themen nach D-dur; sein inneres Leben wird intensiviert durch Momente des Einhaltens und feinsinnige satztechnische Modisika- tion.
Die letzten Quartette Beethovens nehmen in seinem Schaffen eine Sonderstellung ein; sie sind feine letzten instrumentalen Aeußerungen und führen durch die subjektive Vertiefung an die Grenzen der Ausdrucksmöglichkeit im Instrumentalen über
haupt. Ihre abstrahierende innere Symbolik hat biefe' persönlichsten Erkenntnisse des Meisters, in denen er das Letzte feiner Lebenserkenntnis und feiner geistigen Schau niedergelegt hat, erst allmählich den Weg zum Hörer finden lassen; denn von dem Aufnehmenden fordern sie äußerste Konzentratton der Auffafsungskraft und stärkstes inneres Mitgehen.
Auch für diese Werke war der Auftrag eines Gönners, des russischen Fürsten Galitzin, die erste Anregung (1823); aber die tiefe Verankerung des Schaffens im Persönlichen konnte erst dann dem Versprechen nachkommen, nachdem das Erleben das Innere zur Aeußerung reif werden ließ. Wenn sich auch schon Skizzen aus den Jahren 1823 und 1824 nachweisen lassen, so wurde das Quartett op. 13 2 (a-moll) doch erst 1825 vollendet. In einem Brief an den Verlag Schott in Mainz (März 1825) kündet Beethoven das Werk als nahezu fertig an. Eine schwere Erkrankung verhinderte aber die Weiterarbeit für geraume Zeit. Erst im August des Jahres konnte das Quartett beendet werden; allerdings in einer Form, die von der ursprünglichen Planung erheblich abwich.
Wie ein mystisches Symbol stehen zu Beginn des ersten Satzes die geheimnisvollen Assai soste- nuto-Takte; sie geben für das kommende Allegro die Grundidee und ziehen sich wie ein roter Faden durch die ganze Entwicklung, ein Ringen mit dem Schicksal, das die Entschlußkräfte sich ausreifen läßt. — Eine ganz andere Welt aeigt sich im scherzoarttgen Allegro ma non tanto, Das in seinem Trio heitere, ländlerartige Töne anschlägt in einer äußerst sublimierten klanglichen Einkleidung.
Der dritte Satz nimmt auf die Krankheit Bezug; Beethoven überschreibt ihn: „Heiliger Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit, in der lydischen Tonart". Den Dankeschoral wiederholt er zweimal, jedesmal in höherer Tonlage und mit immer mehr intensivierten Begleitstimmen; die letzte Wiederkehr bezeichnet er: „Mit innigster Empfinduna". Dazwischen schalten sich zwei Sätze ein, die Das Erwachen Des Lebensgefühles des Genesenen in seinem Aufsteigern erleben lassen; dem ersten Zwischenteil gibt Beethoven das Motto: „Neue Kraft fühlend". —
Ein Alla marcia kündet vom Erstarken des Kraftbewußtseins; doch noch regen sich Zweifel, eine Rezitattvszene der ersten Geige ringt um Klarheit, nach wildem Aufschrei klingt sie ab, in Schmerzen verloren; das Ringen durchzieht das sich anschließende Finale (Allegro appassionato) und gibt dem Kämpfenden das Sich-Fmden in dem lichten Dur des Schlusses. Dr. Hermann Hering.
Kann man nach Belieben weinen?
Die Frage, die sich besonders für den heutigen Kinobesucher oft ergeben wird, wenn er die großen Schauspielerinnen in Tränen, die nicht immer Glycerinperlen zu sein brauchen, aufgelöst sieht, ist schon viel im Zusammenhang mit der Kunst des Schauspielers erörtert worden. Es gibt große Bühnenkünstler, männlichen und weiblichen Geschlechts, die immer, wenn sie an eine bestimmte Stelle im Stück kommen, so oft sie es auch schon gespielt haben mögen, echte Tränen vergießen. Sie sind wirklich von dem Leid, das sie in ihrem Spiel durchleben, so erschüttert, daß sie meinen müssen. Andere sind wieder imstande, die Tränen künstlich hervorzurusen. Diderot war der Meinung, daß man das Weinen lernen könne wie jede andere Fertigkeit, und es gibt sogar Rezepte, um Tränen hervorzübringen. Manche Schauspielerinnen versteckten in ihrem Aermel ober in ihrem Taschentuch ein tränenerregendes Mittel, es mußte ja nicht immer eine Zwiebel sein. Eine erklärte, daß sie nur scharf nach einer elektrischen Birne zu blicken brauchte, um das Naß in ihre Augen zu zaubern. Es gibt auch Schauspieler, die Tränen vergießen, wenn sie zu schluchzen haben oder wenn ihnen die Stimme bricht. Der französische Schauspieler Mounet brauchte nur sein Gesicht in die düsteren Falten des Grams zu legen, um sofort von Tränen überströmt zu fein. Er war ein Künstler des Weinens, und dr sagte auch: „Man muß seinen Tränen gebieten können", und er konnte dies sogar, wenn er den Kurszettel las, auch ohne daß dessen Inhalt ihn irgendwie zu erregen brauchte.
Im allgemeinen sagt man den Frauen nach, daß sie die Künstlerinnen des Weinens wären. Schreibt doch schon im Altertum der feine Seelenkenner Ta- citus: „Sie meinen um so aufdringlicher, je weniger sie leiden", und der Satiriker Juoenal behauptet, daß die Frauen immer Tränen in der Reserve haben und nur auf das Zeichen warten, um „die Schleusen aufzuziehen". Die Frauen sind indessen auch Meisterinnen im Zurückhalten der Tränen, wenn sie es wollen. Eine Schauspielerin, die in einer tragischen Rolle immer meinte, tat dies eines Abends nicht. Man mar verwundert und fragte sie nach dem Grunde. „Ich würde ja gern gemeint haben", ermiberte sie, „aber ich mar abenbs zu Tee eingelaben." Bei ben Klagemeibern im Orient, die bei den Begräbnisfeiern eine große Rolle spielen, hat man beobachtet, daß sie zmar alles ausführen, mas als Zeichen der Trauer gilt, daß sie jammervolle Schreie ausstoßen, sich die Brust schlagen, die Haare zerraufen, die Kleider zerreißen, daß aber ihre Augen immer trocken bleiben.


