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Am schönsten ist auch hier die Helle Freude unserer Landsleute, wenn sie ihre blauen Jungs bei sich zu Hause haben und sie recht von Herzen verwöhnen können! Ich selbst schließe herzliche Freundschaft mit dem gleichaltrigen Kameraden von Scadta und seiner jungen rheinischen Frau, in deren Haus ich ein unvergleichliches Wachende verleben darf,
spritztouren in die reizvolle Umgebung während der luftigen Abwesenheit des Hausherrn. Nach dem Bordfest, das wieder viel zu schnell herangekommen ist, sitzen wir noch im kleinen Kreise auf der mondbeschienenen Veranda der Vina del Mar in Puerto Columbia und reden von der Heimat, wo wir uns schon im Mai in meinem Hause Wiedersehen wollen, wenn sie nach achtjähriger Auslandstätigkeit in der Fliegerei zurückkehren werden, um in Deutschland weiter zu arbeiten. Zu den Klän-
schen Feldzuges. Aber nirgends sind Kulissen gestellt, nirgends ist aus Rücksicht auf die persönlichen Gefühle oder politischen Interessen irgend etwas kaschiert, was so kurz nach Beendigung der Operationen und eigentlich noch während der politischen Sicherung des Eroberten durchaus begreiflich wäre. Mit einem männlichen Freimut, der ebenso sehr für die Persönlichkeit des Marschalls wie für die selbstbewußte Stärke des durch den Faszismus zur inneren Haltung erzogenen italienischen Volkes spricht, schildert de Bono die ungeheuren Schwierigkeiten seiner Aufgabe ebenso wie die dem Ausland bisher wenig bekannt gewordenen, aber gewiß bei der Durchführung keines großen politisch-militärischen Plans ausbleibenden Hemmungen, die ihm aus Ressort-Rivalitäten sowohl wie aus Besserwisserei, Kurzsichtigkeit und Mießmacherei von Kollegen und Mitarbeitern erwuchsen. Zahlreich sind die oft ganz persönlich gehaltenen Depeschen und Briefe eingestreut worden, die in der Vor- bereitungszeit und während der Operationen zwi-
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Klang des deutschen Namens heute wieder fest und unerschütterlich dasteht, trotz aller Verhetzung und Verleumdungsversuche einer haßerfüllten internationalen Weltpresse und ihrer erbärmlichen geistigen Väter. Fast die gesamte deutsche Kolonie gehört zur Scadta. Stolz zeigt uns der Direktor das schöne neue Verwaltungsgebäude im Zentrum der Stadt, modern, mit luftigen Arbeitsräumen, mit Fahrstuhl und allem Notwendigen versehen, um jederzeit neue Stockwerke aufsetzen zu können. Zwei kleine Abordnungen haben das Glück, im Flugzeug zu einem Besuch der entlegeneren deutschen Kolonien in die schöne Stadt Medellin im Innern (145 OOO Einwohner) und Cartagena, der weiter südwestlich gelegenen altspanischen Hafenstadt, für mehrere Tage das Schiff zu verlassen. Wir trösten uns indessen an den wachfreien Tagen aufs beste in Barranquilla, wo der deutsche Klub uns seine schönen Räume, Kegelbahn und Tennisplatz zur uneingeschränkten Benutzung öffnet und zweimal erheblich das Tanzbein geschwungen wird. Dazwischen gibt es offizielle Einladungen durch die deutschfreundlichen Behörden, ein Spitzenessen im schönen Prado-Hotel und einen Ball im Klub von Barranquilla, der bereits unter dem Zeichen des hier früh beginnenden Karnevals steht, wobei die Blüte der dunkeläugigen Schönen des Landes Revue passiert. Wieder darf ich die Ehrenkompanie mit klingendem Spiel durch die Stadt zum Denkmal des auch hier hochverehrten Freiheitshelden Simon Bolivar führen. Eine feldmarschmäßig ausgerüstete eolumbische Kompanie steht bei dem feierlichen Akt an unserem Flügel, deren Front der Kommandant vor der Kranzniederlegung unter dem Beifall der Menge mit abschreitet. Dichtgedrängt stehen die Menschenmassen auf dem imponierenden Paseo de Colon, wo der Kommandant den Vorbeimarsch ad-
gen einer rasch inszenierten Amateurkapelle versammelt sich eine mehr und mehr zunehmende lustige Gesellschaft an diesem Abschiedsabend und es wird getanzt und so fidel, daß wir dem braven Hafenstädtchen im stillen manches harte Wort abbitten. Als es sich bestätigt, daß wir anderen Tags erst um Mittag auslaufen, kehren wir kurz entschlossen nochmals in die Stadt und die mir lieb gewordene „Casa terciera“ zurück, wo der eigene Whisky besser und billiger ist und wir bis in den frühen Morgen hinein angeregt zusammen sitzen. Schwer wird das Aufstehen dann in aller Herrgottsfrühe, bis ein kräftiges Frühstück die Lebensgeister wieder weckt und der Freund und Hausherr mich in sausender Fahr nach Puerto hinunter bringt. Selbst die holde Weiblichkeit läßt es sich trotz meines — allerdings nicht ganz ehrlichen Protestes nicht nehmen, mir das Geleit bis zum Boot zu geben. Des hübschen Aschbechers aus columbischem Bergsilber hätte es wahrlich nicht bedurft, um das Andenken an diese Tage als Höhepunkte unserer Reise und an die prächtigen Landsleute, die den Tagen ihren Inhalt gaben, für immer in der Erinnerung zu verankern!
lieber Kolumbien, in dessen Hochebenen das sagenhafte Eldorado, das Land der Goldsucher und Abenteurer aller Rassen und Völker, nach der Entdeckerzeit immer wieder gesucht worden ist, ließe sich vielelicht viel Interessanteres berichten. Leider war es mir nicht vergönnt, weiter ins Innere zu kommen. Die schönste und höchste der drei Kordillerenketten, die berühmte Sierra Nevada de Santa Martha mit ihren schneebedeckten Gipfeln liegt der atlantischen Küste am nächsten. Fantastischer Anblick von See aus, den wir am Sonntag, den 10. Januar, genießen durften, als malerischer Hintergrund über einer leuchtend weißen Wolkenwand und dem unendlichen Blau des Ozeans. Im Osten dehnen sich riesige Hochflächen, die Llanos, die gewaltigen Viehherden Nahrung und Raum bieten. Im mächtigen Tal des Magdalena, der zur Regenzeit weit über seine Ufer tritt, gedeihen Kaffee, Kakao und alle tropischen Früchte. Gold, Silber und Platin bergen die Kordilleren in nicht abzuschätzenden Mengen, deren Ausbeutung erst in den Anfängen, noch unwahrscheinliche Möglichkeiten bietet — endlich Erdöl, vornehmlich in den nördlichen Küstengebieten, mit dessen Gewinnung auch erst vor wenigen Jahren begonnen worden ist. Ein schönes, fruchtbares und reiches Land, das man hinter der trostlosen Fassade nicht vermutet, wenn man Puerto Columbia ansteuert. Dankbaren Herzens scheiden wir nach erlebnisreichen Tagen und mit dem Bewußtsein, unseren Landsleuten ein Stück vom deutschen Vaterland, wie es heute wirklich ist, gebracht zu haben, von Columbien. Drückend heiß ist es, als wir um Mittag auslaufen, und viele gute Wünsche und manches ehrlich gemeinte „Auf Wiedersehen drüben in der Heimat", begleiten uns die kommenden Tage auf dem Wege nach Costa Rica, der „Reichen Küste" im Herzen Zentralamerikas.
112 wird von den nicht ebenbürtigen Kindern des Thronfolgers Franz Ferdinand als Enkel des Kaisers Franz Joseph gesprochen. Es waren natürlich nur seine Großneffen und -Nichten, womit auch die Tendenz der Unterschrift ihren Sinn verliert. Jn einer unter den oben gemachten Vorbehalten doch reizvollen Verbindung von Wort und Bild entrollen sich die erschütternden Tragödien Kaiser Friedrichs, des unglücklichen Bayernkönigs Ludwig II., der Kaiserin Elisabeth und ihres Sohnes, des Kronprinzen Rudolf, und schließlich das Leben Franz Ferdinands und seiner morganatischen Gemahlin, deren Ermordung in Serajewo der Anstoß zum Weltkrieg geworden ist, den zu verhindern Franz Ferdinands politische Pläne vielleicht kühn genug gewesen wären. Aber davon ist in diesem Buch ebenso wenig die Rede wie von den andern großen politischen Problemen der beiden verbündeten Reiche. Das Menschliche steht überall im Vordergrund, der Konflikt zwischen persönlichen Neigungen und Staatsinteresse klingt als Leitmotiv an, wenn nicht wie in Berlin um die Wende der 80er Jahre der Konflikt der Generationen die Szene beherrscht. So zeigt das Buch auch eine Seite der Vorkriegsgeschichte. Fr. W. L a n g e.
— Almanach d e Gotha 1 937, Verlag Justus Perthes in Gotha. — (11) — Der Almanach de Gotha, der aus wirtschaftlichen Gründen seit einigen Jahren auschließlich in französischer Sprache erscheint, gibt nicht nur die vollständige Genealogie aller regierenden und ehemals regierenden Herrscherhäuser der Welt und des europäischen Hochadels, sondern, was für seine meisten Benutzer weit wichtiger ist, in seinem zweiten Teil staatsrechtliche, diplomatische und statistische Angaben über alle Länder der Welt nach dem neuesten Stand. Wir finden hier also nicht nur eine knappe Darlegung der Verfassung eines jeden Staates, sondern auch genaue Angaben über die Zusammensetzung der Regierungen und der Zentralbehörden der Provinzverwaltung, der Kirchenbehörden, des Diplomatischen Korps, ferner Angaben über die Streitkräfte und die gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse, besonders auch unter Berücksichtigung der Bevölke- rungspolittk, des Verkehrs und des Handels. Nicht vergessen find Angaben über den Völkerbund und internationale Kommissionen und Vereinigungen wirtschaftlicher, politischer und wissenschaftlicher Art. Der neue Band bringt zum ersten Mal einen Aufriß der NSDAP, und ihrer Gliederungen. Abessinien ist bereits als Kaiserreich Aethiopien unter Jtalienisch-Ostafrika aufgeführt. Der Band enthält Porträts Eduards VIII., dessen Abdankung jedoch bereits im Nachtrag verzeichnet worden ist, ferner des Großmeisters des souveränen Malteser-
größter Beliebtheit durch ihre unbedingte Zuverlässigkeit und solide Ausstattung. Leider wird aus dem geplanten Flug nach Bogota in der Böing- Schnelloerkehrsmaschine nichts, wozu mich mein neugewonnener Freund, der Flugkapitän E., ein- aeladen hat, da der freie Platz noch in letzter Minute durch einen kofferbeladenen Amerikaner besetzt wird. So erlebe ich in Begleitung seiner Gattin lediglich den Start des mächtigen silber- grauen Vogels um 9 Uhr früh nach eingehender Besichtigung der Maschine und wenige Stunden später bereits wieder die Landung gegen 15 Uhr. Ein imponierender Eindruck von dem Raum und Zeit überbrückenden Tempo unserer Tage!
Hier wie überall, wo wir mit der deutschen Fliegerei draußen in Südamerika in engere Berührung kamen, sind mir stolz auf unsere Kameraden von der luftigen Dimension, die für deutsche Zuverlässigkeit und deutschen Aufbauwillen in schwerster Zeit den Kampf ausgenommen haben und sich heute täglich durch die Tat, fern der Heimat, einsetzen für das deutsche Ansehen! Ihnen gebührt ein groß Teil des Verdienstes, wenn der gute
Anschaulichkeit und der Spannung willen die großen „Sensationen", persönliche Schwächen und per- jönliche Tragik, den erregenden Hofklatsch der Kulissen als schmackhafte Rosinen aus dem zähen Kuchen historischer Dokumente und Memoiren zu picken und mit einer pikanten Sauce angemacht einem für solche Gaben seit den Tagen Homers immer wieder empfänglichen Publikum vorzufetzen. Daß Paul Sethe, der sich mit feinem Büchlein über Holstein schon als Fachmann für „historische Belletristik" ausgewiesen hat, der oben gekennzeichneten Gefahr nicht immer entgangen ist, ist anscheinend auch ihm selber nicht verborgen geblieben. Er spricht in seinem Vorwort von einer „freieren Behandlung", die Methoden und Maßstäbe wissenschaftlicher Forschung bewußt Nicht anwandte, die innere Wahrheit des historischen Vorganges aber sorgsam achtete. Letzteres mag im großen und ganzen zutreffen, wenn auch die ungeheure Memoirenliteratur der letzten drei Menschenalter keineswegs kritisch gesichtet, sondern ausschließlich nach interessanten und reizvollen Einzelzügen für diese „Hofgeschichte" durchsucht wurde. Der Hauptakzent des amüsanten Buches und seine Bedeutung auch für den kritischen Leser liegt in dem Bildmaterial, das in so einzigartiger Reichhaltigkeit hier wohl zum ersten Male der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Leider sind dem Verfasser bei den Bildunterschriften einige Flüchtigkeiten unterlaufen. So ist die nach Seite 112 abgebildete Großherzogin Alexandra van Mecklenburg nicht die Mutter, sondern die Schwägerin der ehemaligen Kronprinzessin Cäcilie. Unter einer weiteren Abbildung nach Seite
Miidtt„Schlesw!g-HMein"aufSchuWffsreise
Don Karl Friedrich Birnbaum, Sapitänleutnant.
lung in München. — (591) — Unsere Leser kennen aus Aufsätzen unseres römischen Korrespondenten die gleich nach Beendigung des abessinischen Feldzuges veröffentlichten Kriegsbücher der beiden italienischen Feldherren, die gleichsam als der verlängerte Arm des Duce die Operationen auf dem Kriegsschauplatz geleitet haben und deren strategische Ueberlegenheit wesentlich zu einem so schnellen Sieg der italienischen Waffen beigetragen haben, der eine Voraussetzung dafür war, daß Mussolinis Okkupa- plan auch politisch gelungen ist. Hier liegt nun erste dieser Kriegsvücher in deutscher lieber- setzung vor, und man muß sagen, daß trotz der durch Berichte und Auszüge schon weit verbreiteten Kenntnis seines Inhalts die nachmalige Beschäftigung mit dem Buch selber sich voll und ganz lohnt. Denn nur so spürt man den Zauber der großen Persönlichkeit, den eigenartigen Reiz, der von der Zusammenarbeit zweier so bedeutender und energiegeladener Männer ausgeht, wie es Mussolini und sein Marschall Emilio de Bono sind. Wir tun einen unmittelbaren Blick in die Werkstatt des abessini-
— Bernhard Schwertfeger, Oberst a. D., Dr. phil. h. c.: Das W e l t k r i e g s e n d e, Gedanken über die deutsche Kriegführung 1918 (Aka- ! demische Verlagsgesellschaft Athenaion m. b. H., Potsdam, Preis geb. 5,80 Mark). — 24 — Der Verfasser ist als Herausgeber einer Reihe von Dokumentensammlungen zur Vorgeschichte des Krieges, der schon vor Jahren vom Untersuchungsausschuß als Gutachter über die Frage der politischen und militärischen Verantwortlichkeiten der Offensive 1918 gehört worden ist und die Herausgabe der Aufzeichnungen des in diesem Zusammenhang viel umstrittenen Kabinettschefs des Kaisers, von Valentin!, betreut hat, find schließlich als Kriegshistoriker der Hochschulen Göttingen und Hannover und ehemaliger Lehrer an der Kriegsakademie sicher einer der vielseitig unterrichtetsten militärischen Fachleute, dem man wohl zutrauen kann, daß er sich auch in einer der meist erörterten und doch problematischsten und heikelsten Fragen der ganzen Weltkriegsgeschichte zu einer elbständigen, endgültigen Meinung durchgerungen hat. Er rollt an Hand einer Darstellung der politischen und militärischen Geschichte des Schicksalsjahres 1918 des Verhältnis der obersten Gewalten im Weltkrieg auf, das dadurch vielleicht zu einem für den unglücklichen Ausgang des Krieges mit entscheidende Problem geworden war, daß die Machtverteilung innerhalb des Triumvirats van Oberstem Kriegsherrn, Reichskanzler und Generalstabschef sich im Verlauf des Krieges derart verschob, daß sich die ausgleichende und entscheidende Spitze des Obersten Kriegsherrn mehr und mehr, wenn auch nicht formal, so doch tatsächlich ausschaltete und nun aus Mangel in dem Gegengewicht einer überragenden politischen Führerpersönlichkeit die Grenze zwischen politi sicher und militärischer Führung sich immer mehr verwischte und Zuständigkeit und Verantwortung auch für die politischen Fragen der Kriegführung mehr und mehr dem Chef des Generalstabs teils zugeschoben, teils von ihm beansprucht wurden. Schwertfegers Buch zeigt in chronola gisch em Ab- l rollen der Geschehnisse, deren prägnante Gliederung । die Zusammenhänge verdeutlicht, den Gang dieser ; Entwicklung, die zu Beginn des Jcchres 1918 mit i der von der OHL. erzwungenen Entlassung des = Kabinettschefs von Valentini, den Obersten Kriegs- i Herrn beiseite treten ließ und unter der Kanzlerschaft des Grafen Hertling dazu führte, daß Die politische Führung sich von ber, militärischen ins Schlepptau nehmen ließ. Schwertfeger legt dar rote es trotzdem aus der Eigenart der Persönlichkeiten und dem Mangel einheitlicher Meinungs- und Wil- gefchehen konnte, daß trotz Dran- utns uti ^)L. die politische Führung aus unberechtigtem Optimismus über unsere militärische Lage den möglicherweise günstigen Augenblick zu einer politischen Friedensoffensive versäumte und der Nachfolger des Grafen Herttmg, Prinz Max van Baden, bereits eine Lage vorfand, m der das von der OHL. auf jede nur denkbare Weise dringend gemachte Waftenstillstandsangebot, dessen Herausgabe er ahne psychologische Vorbereitung der deut-- |d)en Oeffentlichkeit für voreilig und m dieser Form für inopportun hielt, nicht mehr seiner freien Ent- chließung unterlag. Schwertfeger schließt mit einer Erörterung der Kaiserfrage, wobei man allerdings eine Darstellung der Vorgänge tn Spaa, die zur Abreise des Kaisers nach Holland führten, vermißt.
Wenn wir aus dieser in ihrer strengen Sachlichkeit packenden und erschütternden, mit allem nur greifbaren Dokumentenmaterial und den Aussagen vieler maßgeblich beteiligten Persönlichkeiten beweiskräftig unterbauten Darstellung Schwertfegers etwas lernen können, so ist es die Lehre, daß die Einheit von politischer und militärischer Führung eine der wesentlichsten Voraussetzungen ist für die Aussicht, einen Krieg zu einem guten Ende zu bringen. Wir mögen glauben, in bald zwanzig Jahren von den Ereignissen des Schicksalsjahres 1918 Distanz genug gewonnen zu haben für eine ruhige und \aty liche Betrachtung, aber gerade die abgeklärte, nach allen Seiten wohl ausgewogene Darstellung Schwertfegers läßt uns fvüren, wie sehr uns auch heute noch dieser letzte Akt der Weltkriegstragödie ergreift und bis ins Innerste erschüttert.
Friedrich W. Lange.
— Marschall Emilio d e Bono: Die Vorbereitungen und die ersten Operationen zur Eroberung Abessiniens mit einem Vorwort von Mussolini, aus dem Italienischen übertragen von A. Dehio. Mit 31 Abbildungen und zwei Karten. Preis 4,80 Mark, gebunden 6 Mark. C. H. Becksche Verlagsbuchhand-
vrieren in dem schmalen Hafenbecken bei dem jetzt ständig wehenden auflandigen Wind und dem Fehlen geeigneter Schlepper zu unsicher und die Wasserttese nur eben ausreichend für unser tiefgehendes Schiff wäre. So müssen wir wohl oder übel den zeitraubenden An- und Rücktransport auf der recht guten Autostraße nach Puerto Columbia in Kauf nehmen. Durch die großzügige Bereitstellung von Omnibussen durch die Deutsch-Colum- bische Fluggesellschaft und zahlreicher Privatwagen der deutschen Kolonie wird uns der Anmarsch erheblich erleichtert und erhält der Landgang hier seine besondere, reizvolle Note.
Die Studt Barranquilla hat in den letzten Jahren einen erstaunlichen Aufschwung erlebt und ist heute eine der schönsten und gesündesten atlantischen Küstenstädte des nördlichen Südamerika. Breit hingedehnt in die nördliche Tiefebene der Magdalenen- mündung, mit schönen breiten Straßen und gartenumgebenen Villen und tropischen Landhäusern in dem großzügig angelegten Wohnviertel E l P r a d o. Gleich wenn man von der durch die wildwachsenden Baumwollfelder und Viehweiden in sanften Steigungen und Kurven sich hinziehenden Straße in Den Prado einfährt, empfängt einen freundliches Grün, in das sich malerisch die leicht gebauten Häuser der Europäer und die stattlichen Klubgebäude des deutschen und des Country-Klubs hineinfügen.
Auf einem Hügel thront imponierend der moderne Pr-achtbau des Prado-Hotels, dessen gediegene Eleganz und sonstigen Vorzüge wir bald kennenlernen sollen. Man genießt von hier einen prächtigen Rundblick über die Stadt mit ihren verkehrsreichen Geschäftsstraßen und modernen Häuserzeilen, über Kirchen und Regierungsgebäude hin zu dem breiten, im Sonnenlicht schimmernden Strombett des Magdalena, der seine trüben Fluten träge dem Meere zuwälzt. Mit ihren 140 000 Einwohnern ist Barranquilla die drittgrößte Stadt des Landes, deren günstige Lage an der Mündung der großen einzigen Wasserstraße ihr erstaunlich rasches Aufblühen als Handelsstadt bedingt. Durch die Verwirklichung des Hafenprojektes wird in den kommenden Jahren Puerto Columbia immer mehr an Bedeutung verlieren und der ganze Warenumschlag nach Dem Osten auf dem Fluß selber vor sich gehen, den auch größere Dampfer jetzt bereits gefahrlos bis Barranquilla befahren können, während die Reede von Puerto Columbia durch den Fluh immer stärker versandet.
Das große Problem des reichen Landes, Das, Dreimal so groß wie Deutschland, von drei unwegsamen Gebirgsketten der Kordilleren durchzogen wird, ist der Verkehr. Hier haben weitblickende Landsleute mit der Gründung der „Scadta“ (So- ciedad Columbiana-Alemana de transportos Aeros) im Jahre 1919 den richtigen Weg gewiesen und dem deutschen Ansehen wie der deutschen Wirtschaft in den schweren Jahren nach dem Kriege hier draußen bedeutende Auftriebsmöglichkelten beschaffen. Mit einer Junkersmaschine für zwölf Passagiere fing man damals an und bewältigte die Reise nach Der HauptstaDt Bogota, Die in 2600 Meter Hohe 900 Kilometer von Barranquilla entfernt in Der hohen Kordillere liegt, in wenigen Stunden. Bisher hatte der Kolumbianer oder sonstige Reisende 8 bis 14 Tage und noch langer benötigt, um auf der einzigen Verkehrsader, dem Fluß, in beschwerlicher Reise die Hauptstadt zu erreichen. Heute verfügt Die Gesellschaft über einige 20 Der modernsten Verkehrsflugzeuge deren schnellste Vertreter, zweimotorige amerikanische Boing-Ma- schinen, die Fahrt nach Bogota in knapp zweieinhalb Stunden bewältigen! Zur Zeit werden hauptsächlich amerikanische Maschinen geflogen, da sie gleichwertig in der Leistung, erheblich billiger und schneller lieferbar sind, während unsere deutschen Fabriken Lieferfristen von einem halben Jahr und länger stellen müssen. Hier rote m den früher be- Achten südamerikanischen Ländern erfreuen sich eher die schweren Junkersmaschinen, von denen auch die Regierung verschiedene besitzt, nach wie vor
— Paul Sethe: Europäische Fürsten» höfe — damals, Berlin-Wien mit 80 Bildtafeln und 152 Textseiten. Preis kart. 3,80 Mk. Sozietäts-Verlag Frankfurt a. M. — (596) — Der Versuch, die geschichtliche Entwicklung des modernen Europa, das Wirken der Persönlichkeit in Der Geschichte, Die engen Zusammenhänge zwischen Der Politik und Dem, was man Die „aristokratische Internationale" genannt hat, einem breiten Publikum zu erschließen, ist lobenswert, wenn damit wirkliches Verständnis für geschichtliche Ursache und Wirkung geweckt wird. Dabei liegt die Gefahr nahe, um der
X.
An den Toren des Eldorado.
Wie im Fluge vergehen die beiden kurzen Seetage, Die einen beschaulichen Sonntag einrahmen. Im Morgengrauen roirD Die See trüb unD gelblich, mir steuern auf westlichen Kurs auf haarscharfer Stromkante Der MünDung des Magdalena zu und erleben das unwahrscheinliche Schauspiel, an Steuerbord tiefblaue atlantische See mit weißen Schaum- kopfen und an Backbord die unendlich sich dehnende träge und schmutzig-gelbe Wassermasse des zweitgrößten Stroms Latein-Amerikas. In der Strömung schwimmt Gras und Stroh und was alles der große Fluß bis hier hinaus geschwemmt hat. Ein eigenartiges Bild, wie wir es schon damals vor der Mündung des Amazonas erlebt haben, der auch seine schmutzigen Wassermassen viele Meilen in Das Meer hinein schwemmte. Und dann rücken die braunen, trostlos ausgeDörrt aussehenden Berge der kolumbianischen Küste langsam näher heran, während Das klare Blau des Ozeans, über dem Pelikane und große Möven hinstreichen, sich mehr und mehr mit dem schlammigen gelbbraunen Flußwasser mischt. Drückend heiß liegt die Sonne über der Bucht, wo wir weit draußen vor Anker gehen.
11.1.27. Puerto Eolumbia: Man hat uns nicht zu viel gesagt, wenn man den ersten Eindruck dieses Hafens als ausgesprochen trostlos bezeichnet. Eine endlose schmale Landungsbrücke wächst von der öden braunen Küste dem Schiff entgegen, an' ihrem äußersten Ende liegen zwei kleine Dampfer. Dahinter einige unschöne Häusergruppen vor Dem eintönigen HintergrunD Der kahlen Bergrücken. Um den bebrüdenben Eindruck zu verstärken, ragen unweit der Küste die verrosteten Aufbauten eines großen Wracks, Masten und Brücke eines Dampfers aus Der trüben Flut — es soll ein Deutsches Schiff fein, das, wie man sagt, bei Kriegsausbruch von seiner Besatzung verlassen und auf Strand gesetzt worben ist, um es nicht in Feindeshand fallen zu lassen.
Sehr schnell soll sich dieser trübe erste Eindruck, den bas „Wunberlanb" Kolumbien bei unserer Ankunft machte, verwischen unb ftaunenber Bewunbe- rung Platz machen, als wir nach herzlicher Begrüßung der ersten beutschen Lanbsleute an Borb am Nachmittag im Kraftwagen nach bem eigentlichen Ziel unseres Besuches, ber großen, hinter ben kahlen Bergkuppen am Ufer bes Magbalenenstromes gelegenen Hafenstabt Barranquilla zum festlichen Empfang im Eountry-Elub fahren! Die 350 deutschen Landsleute erwarten uns seit Wochen mit Spannung und heißen uns nun in ihrem schönen Gastlande aufs herzlichste willkommen. Groß ist das allseitige Bedauern, daß es nicht möglich gemacht werden konnte, in den neuausgebauten Flußhafen von Barranquilla selbst einzulaufen, da das Manö-
unterbrochen durch einen Ausritt und «eine Auto- fdjen dem Hauptquartier und Rom gewechselt ir» hin mtinnffn HwAnknMn wÄhronh hör worden sind. Sie schassen ben unmittelbaren Lin- Druck, Der Den Reiz Dieses Buches ausmacht. Wohl am interessantesten ist Die Schilberung ber schon Jahre zuvor mit größter Sorgfalt unb starker persönlicher Anteilnahme König Viktor Emanuels (besten scharfer Blick für wirtschaftliche Dinge auch früher schon beutschen Besuchern oft aufgefallen ist) eingeleiteten Arbeiten für bie Bereitstellung ber Operationsbasis in Eritrea. Man hat sich aus ben Berichten ber Presse bisher boch nur ein sehr ungefähres Bild machen können von ben ungeheuren Schwierigkeiten Des Straßenbaues unD Der Wasser-, Proviant-, Material- unD Munitionsversorgung eines moDernen Heeres in einem Lanbe, bas zu ben heißesten unb ungesünbesten ber Erbe gehört. Die nimmermübe Zähigkeit unb eiserne Energie be Bonos, ber ba- mals schon in einem Alter stanb, in bem anbere Leute sich zur Ruhe setzen, hat zuwege gebracht, was Den meisten auslänDischen Beobachtern unmöglich schien. Sein Rechenschaftsbericht ist ohne Ruhm- reberei, ohne Beschönigung unb ganz unkonventionell ein offenes Manneswort von ber ersten bis 3ur letzten Zeile. Viele, noch unbekannte Bilber, bie ber beutschen Ausgabe beigegeben würben, unterstreichen Die Vielseitigkeit unD Große ber Leistung, bie hier ein bebeutenber Solbat vollbracht hat.
Fr. W. Lang e.


