Aus -er Giadt Gießen.
Ratschläge.
Es war im Personenzug zwischen Bad-Nauheim und Gießen. Wir kamen ins Gespräch, denn unsere Verbundenheit bestand in unseren gemeinsamen Leiden, die da sind: Husten, Schnupfen und allerlei mehr ...
„Ich weiß schon gar nicht mehr, was ich machen soll", sagte ein älterer Herr, „ich kriege meinen Husten nicht mehr los!"
„Sie haben einen Katarrh", meinte ein anderer, „das hört man gleich; Sie müssen zum Arzt!"
„Wenn ich einmal so etwas habe", meinte ein dritter, „dann nix wie ins Bett und geschwitzt, daß das Bett wegschwimmt!"
„Am besten sind eiskalte Umschläge, die nehmen die Hitze megr — Entrüstet sah eine Dame den Sprecher an.
„Eiskalte Umschläge? Sie täten den Mann ja ganz krank machen! Lauwarme Umschläge, sage ich Ihnen, und sonst nichts!"
Ein dicker, recht gesund aussehender Herr ergriff das Wort. „Mir kann nichts geschehen", sagte er würdevoll, „wenn ich etwas spüre, dann mache ich mir ein Liter Rotwein heiß, etwas Zimt hinein, und dann wird einer getönt, daß ich net mehr grab stehen kann — weg sind Husten und Schnupfen!^
„Alkohol ist Gift!" rief die Dame „Täten Sie Kamillentee trinken ...!"
Da waren sie sich einig, Gesunde und Kranke! „Hören Sie auf mit Kamillentee!" schrie der entrüstete Chor ...
Der Zug lief in Gießen ein, aber noch auf dem Bahnsteig hörte man sie vorschlagen: „Stellen Sie doch mal Ihre Füße in heißes Wasser ..." E. H.
Dornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
NSLB. Kreis Gießen, Fachschaft „Körperliche Erziehung": 16 Uhr Turnhalle des Lyzeums. — Stadttheater: 19.30 bis 21.30 Uhr: „Ich liebe dich". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Patrioten". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Austernlilli". — Skiklub Gießen: 20 Uhr Kunstwissenschaftliches Institut, Ludwigstraße 34, Skifilm- und Lichtbildervortrag. — Ev. Stadtmission, Löberstraße 14: 10.15 und 14 Uhr Frauen-Missionstag; Vortrag von China-Missionar Spohr. — Tierschutzverein für Gießen und Umgebung: 20.30 Uhr „Aquarium", Walltorstraße, Feier des Geburtstages des Reichstierschutzgesetzes.
Stadttheater Gießen.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet die erste Wiederholung des Lustspiels ,Zch liebe dich" von Niewiarowicz statt. Spielleitung Wolfgang Kühne, Bühnenbild Karl L ö f f- l e r. Die Vorstellung findet als 9. Vorstellung der Mittwoch-Miete statt. Anfang 19.30, Ende 21.30 Uhr.
kunterbunte Tierschau im Fröbel-Seminar.
Am Samstag und Sonntag veranstaltet das Frö- bel-Seminar eine kunterbunte Tierschau, die den Kindern, aber auch den großen Leuten viel Fröhlichkeit bereiten soll.
BOM- u. ZM.-Llntergau 116, Gießen
Dienstbefehlt
Die Kreispropagandaleitung teilt uns mit, daß am 25.11. in der Neuen Aula der Universität durch die Ortsgruppe Gießen des VDA. ein Vortragsabend stattfindet. Es spricht der Bundesredner des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland, Pg. Alfred R i g e r l aus Graz. Die Kundgebung ist von großer Wichtigkeit, und aus diesem Grund tritt die gesamte Führerinnenschaf^ Mädel sowie Iungmädel um 20 Uhr vor der Aula (Haupteingang) an.
Velr.: Kundgebung der Ortsgruppe Giehen-Nord.
Am Montag, 29. 11., um 20.30 Uhr, findet im Saale des Cafe Leib eine öffentliche Kundgebung der Ortsgruppe Gießen-Nord statt. Es spricht Pg. Ringshausen. Die BDM.-Gruppe 2/116 nimmt geschlossen an der Veranstaltung teil. Die JM.-Gruppe 2/116 entsendet lediglich die Führerinnenschaft.
Deutsches Jungvolk.
Stamm V/116.
Am Donnerstagabend wird um 15 Uhr in Wieseck am Festplatz der Sport und die weltanschauliche Schulung abgenommen für diejenigen, die das Leistungsabzeichen angefangen haben.
Vlandine seht sich durch
Vornan von
Sans-Joachim Zreiherrn von Reihenstein
Copyright by Carl Ouncker
31 Fortsetzung (Nachdruck verboten.)
„Ich kann mir nicht denken, wer das gewesen sein soll", sagte Elfe ehrlich betrübt. „Außerdem, wir wissen doch schon mal alle, baß gnä’ Frau ihr Geld und ihren Schmuck in der Kassette oben aufhebt."
„Ich habe weder^Sie noch die anderen verdächtigen wollen. Ich dachte nur, Sie könnten mir vielleicht einen Wink geben."
„Das einzige, was ich weiß, ist, daß ich den Herrn Doktor hier mal an dem Pult gesehen habe. Als ich im gelben Salon die Gardinen zum Reini- gen abnahm. Er hatte doch sicher auch einen Schlüssel?"
„Sicher", sagte Frau Molny. „Ich danke Ihnen, Else. Dumm, daß ich nicht gleich daran gedacht hatte. Ich bin eben noch zu aufgeregt."
Und nun war sie wirklich aufgeregt. Als Else sie verlassen hatte, setzte sie sich noch einmal an das Pult. Aber plötzlich stand sie auf, ging in das rote Boudoir und nahm das Notenblatt in die Hand.
Auf der einen Seite das Liebeslied. Auf der andern Seite stand eine Rechenaufgabe.
Sie trug es zum Pult. Und nun verglich sie: Die Unfallversicherung lautete zugunsten von Harry Engemann. Sie lautete auf sechzigtausend Mark im Todesfall.
Da auf dem Notenblatt standen die sechzigtausend Mark ganz deutlich. Und nun minus, die Summe, die da abgezogen wurde, war der genaue Betrag des Wechsels, oierzehntausend Mark.'
Die Katerstimmung erzeugte eine andere Logik und Kritik als die Weinlaune. Jntuitto begriff Lucienne das Geheimnis.
Also: Wenn man feine Frau umbrachte und dabei selbst am Leben blieb, erhielt man sechzigtausend Mark. Wenn man davon oierzehntausend Mark Schulden bezahlte, blieb immerhin ein schöner Rest.
Oie Lichischleufe.
Die bevorstehende große Derdunkelungsübung in Gießen hat in der Bevölkerung die Fraae auftauchen lassen, wie denn eigentlich eine Lichtschleuse beschaffen sei, die an den Hauseingängen vorhanden sein muß, um jedes Hinausdringen von Lichtstrahlen aus dem erleuchteten Hausflur in das Dunkel der Straße zu verhindern.
Man errichtet zur Schaffung einer Lichtschleuse etwa 1 bis llA Meter hinter der Haustür eine parallel zu dieser stehende lichtundurchlässige Abdichtung, sei es — als Beispiel — unter Verwendung von Pappe in Holzrahmen mit einem Türeinschnitt, oder aus einem Stvffoorhang bestehend, der an einer Querstange hängt und die Breite des Hausflures einnimmt. Beide Ab bl ende- arten müssen mindestens die Höhe und Breite der Haustür haben und auch von oben her lichtundurchlässig fein. Eine derartige Einrichtung muß die Wirkung haben, daß zwischen der Haustür und dem erleuchteten Hausflur ein völlig dunkler Zwischenraum entsteht, in den die von außen kommenden Personen eintreten, ehe sie in den beleuchteten Hausflur selbst gelangen, bzw. den die Hausbewohner nach dem Passieren des erleuchteten Hausflurs betreten, ehe sie an die Haustür kommen.
Wenn in dieser Lichtfchleuse — die man etwa mit der Form einer Fahrstuhlkabine in einem Personen- aufzug vergleichen kann — eine ganx schwache und nach außen hin gut abgeblendete Beleuchtung (elektrische Birne) als Notbeleuchtung brennt, so ist nichts dagegen einzuwenden. Die Hauptsache ist jedoch immer, daß weder dieses Notlicht, noch der erleuchtete Hausflur irgendeinen Lichtschein nach außen werfen.
Eine derartige Lichtschleuse ist mit verhältnismäßig einfachen Mitteln und ohne allzu hohe Kosten in jedem Hause zu schaffen, denn beide hier nur als Beispiel bezeichnete Herstellungsarten kann jedermann mit einigem Geschick selbst aus führen. Jeder Hausbesitzer muß sich darüber klar fein, daß bei der Verdunkelung bas Treppenhaus und der Hausflur nach innen voll beleuchtet und nach außen völlig abgedunkelt fein müssen. Dazu gehören die Lichtschleuse vor der Haustür und die etnmanbfreie Abblendung aller Treppenhausfenster. Hausbesitzer und Luftschutz-Hauswart müssen dabei in verständnisvoller Weise Zusammenarbeiten und darauf bedacht sein, daß für ihr Haus alle Luftschutzmaßnahmen einwandfrei getroffen werden.
Gang durch die deutsche Kriegsgeschichte
Gin interessanter Vortrag.
Der Goethe-Bund und Kaufmännischer Verein, in Verbindung mit der Volksbildungsstätte der NSG. „Kraft durch Freude", hatten für den gestrigen Dienstagabend zu einem Lichtbildervortrag über das Thema „Deutsche Kriegsgeschichte von den Urzeiten bis zur Gegenwart" in die Neue Aula der Universität eingelaben. Der Vortragende, Universitäts-Professor Dr. von Frauenholz, gab der zahlreichen Zuhörerschaft in etwa anderthalbstündi- gern Vortrage ein umfassendes und fesselndes Bild über das weitschichtige Thema des Abends.
Dor dem geistigen Auge der Hörer ließ der Vortragende zunächst die Germanenzeit erstehen, die ausgefüllt war von. den Kämpfen der Germanen gegen die Römer und als deren Ursache immer wieder das Streben nach Landnahme für das auf zu engem Raume lebende Volk der Germanen in Betracht kam. Im Anschluß an die Schilderung der Kriegszüge der Germanen berichtete der Redner kurz über die Züge der Ost- und Westgoten, über die Zeiten der Völkerwanderung und über die bedeutsamsten Abschnitte aus der Geschichte des Frankenreiches. Einen breiteren Einblick gab er bann in die heeresgeschichtlich interessanten Begebenheiten ber Zeit Karls bes Großen, in der sich immer mehr die Entwicklung von den einstigen, den ganzen Stamm umfassenden Volksheeren hin zu dem Stand der Berufssoldaten geltend machte, da die an sich bestehende allgemeine Wehrpflicht aller Stammesangehörigen prakttsch nicht mehr in Erscheinung trat.
Sodann machte Prof, von Frauenholz mit ber Blütezeit des deutschen Rittertums von 900 bis 1250 bekannt, die er als eine glänzende Pe- riode deutscher Geschichte und insbesondere der deutschen Kriegsgeschichte den Hörern eindrucksvoll zu schildern wußte. Er erinnerte dabei u. a. an die Zeiten der Kreuzzüge ber deutschen Ritterschaft, an die Rom-Fahrten, und hob den starken militärischen Impuls hervor, den das Rittertum aus den großen Zielsetzungen erhielt. Er wußte aber auch deutlich zu machen, daß die staatlichen Interessen unter jenen Verhältnissen schwere Nachteile erlitten, vor allem dadurch, daß der Staat auf die Wehrhaftigkeit seiner übrigen Glieder verzichtete. Den Abschluß dieses Vortragsteils bildeten Hinweise auf die Verfallszeit des Rittertums.
Anschließend ließ ber Redner die Zeit des Söld- nertums des 15. und 16. Jahrhunderts in großen Zügen lebendig werden, wobei er insbesondere den für den Staat außerordentlich fchwerwiegenden Nachteil des Verlustes der Vaterlandsliebe bei den Söldnerhaufen hervorhob. Er schilderte hierauf die Zeiten der Türken- und Franzosengefahr in den Jahren von 1500 bis 1650 und in breiterem Ausmaß die für die deutschen Lande verhängnisvolle Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Dabei ließ er die heeresgeschichtlichen Gesichtspunkte und Begebenheiten besonders hervortreten, er ließ aber auch die in diesem Rahmen auftauchenden staatlichen Belange und Fragen nicht unberücksichttgt. Die in
jener Zeit besonders weitwirkenden Ereignisse schilderte er in den wesentlichsten Grundzüaen, so daß die Hörer ein aufschlußreiches Gesamtbild erhielten.
Ebenso umfassend in den großen Linien waren die Schilderung der kriegerischen Zeit des Prinzen Eugen, ferner die Betrachtungen über die kriegerischen Ereignisse in der Zeit Friedrichs des großen und Maria Theresias. In diesem Teile des Vortrags machte der Redner die weltgeschichtlich weit- ausgreifende Wirkung des Siebenjährigen Krieges, wie der Kämpfe zwischen Preußen und Oesterreich um Schlesien überhaupt deutlich. Er machte auch darauf aufmerksam, daß das Söldnertum der damaligen Heere zwar immer noch allerlei Nachteile für die Operationen der Heerführung hatte, jedoch der üble Zug der nur auf Plündern eingestellten Soldateska ber früheren Iahrhunberte nicht mehr in Erscheinung trat, ba sich der Soldat der sriderizia- nischen Zeit enger mit seinem soldatischen Dienst verbunden fühlte und die Heerführung bei ihren Entschlüssen auch die Rücksicht auf die Magazine zur Geltung kommen ließ.
Sodann lenkte ber Vortraaenbe bie Aufmerksamkeit seiner Hörer auf bie Zeit Napoleons mit besten zahlreichen Heereszügen unb Kämpfen in allen Teilen Europas, den beispiellos glänzenden militärischen Aufstieg des Korsen und seinen Sturz in die Tiefe. In diesem Teile machte ber Redner auch mit den grunblegenben Aenderungen auf bem Gebiete des Heeresdienstes in ber Entwicklung zur Wehrpflicht aller Volksglieber und auf die Auswirkung dieser Umgestaltung bei ben kriegerischen Ereignissen ber napoleonischen Zeit aufmerksam. Er umriß bann in großen Zügen bie weittragende Bedeutung ber Waffengänge zwischen Preußey unb Oesterreich im Felbzug 1866 unb zwischen dem danach geeinten Deutschen Reich unb Frankreich im Kriege von 1870/71, sowie bie heeresgeschichtlich außerordentlich bedeutsame Entwicklung im Ausbau der allgemeinen Wehrpflicht unb ber erstmals burch Moltke ausgefüllten Stellung bes Generalstabschefs.
Mit einem kurzen Blick auf bie Entwicklung nach 1870/71 unb auf bie jüngsten Ereignisse unserer Zeit unter ben Gesichtspunkten ber heeresgeschichtlichen Betrachtung schloß ber Dortragenbe seine mit lebhaftem Beifall aufgenommenen fesselnben Darlegungen.
Sitzung des Bezirksgerichts Gießen.
Am nächsten Samstag, 8.30 Uhr beginnend, sind et eine Sitzung bes Bezirksoerwaltungsgerichts Gießen im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen, Landgraf-Philipp-Platz 3, statt. Tagesordnung:
Klage des Wilhelm Speier in Gießen wegen Versagung des Wanbergewerbescheins für Kalenderjahr 1937.
Klage des Bezirksfürsorgeverbandes Frankfurt am Main gegen den Bezirksfürsorgeverbanb Kreis
„So ein Schuft!" sagte Lucienne laut vor sich hin.
Unb ihr Liebeslieb?
Das würbe kaum an biefelbe Frau gerichtet fein, deren Hinterlassenschaft ihr lieber Harry auf eben biefem Blatt errechnet hatte.
Also spielte auch noch eine anbere Frau hinein.
Saubere Sache!
Lucienne hielt es im leeren Hause nicht mehr aus. Sie mußte wenigstens jemand sehen, dem sie ihren Kummer annertrauen konnte.
Durch Herrn Schmittkes Apparat ließ sie bei Frau Hertel anfragen, ob sie zu Hause wäre.
Dann ging sie zu ihr. Es war das erstemal, daß sie Frau Hertel aufsuchte. Sie zog einen Man- tel an, der gut, aber schon recht eng war, stülpte einen Hut auf und ging zu Fuß fort. Sie kam sich ärmlich und schäbig vor. Und sie sah auch etwas ärmlich aus in ihren Sachen, die nirgends mehr paßten. Sie empfand es vorläufig noch als Degradierung, zu Fuß zu gehen.
Frau Hertel, in guter Kleiduna über guter Korsage und nett frisiert, öffnet« bie Tür. Sie sah frisch unb appetitlich aus.
Der Gegensatz zwischen ber robusten Frau, bie morgens zu ihrer Arbeit auszog, unb ber gut ge* gepflegten Bürgerin in guter Haltung, im gebiegenen Heim, war erstaunlich für Frau Molny. Sie kannte diese behagliche Wohnung noch nicht, bie sich Frau Hertel mit sicherem Geschmack von ihrer HÄnde Arbeit eingerichtet hatte.
Sie wurde in das helle Wohnzimmer geführt, von dessen Fenstern mit frischen weißen Gardinen man genau so gut die Aussicht auf alte Grune- waldgärten hatte wie von ihrer kostbaren Villa aus.
Es war auch ruhig. Unb sehr gemütlich war es auch. Große Eleganz gegen mein Elternhaus! buchte Lucie Müller. Ihr würbe heimatlich zumute wie lange nicht, währenb sie auf bem Sofa vor dem Mahagonitisch taß und Streuhelkuchen in den Kaffee stippte.
Dann erzählte sie bie Geschichte von dem Autv- unfall, so wie sie sie heute sah.
„Es klingt unglaublich, nicht?" sagte sie, als sie geendet hatte.
Frau Hertel schüttelte den Kopf. „Een doller Junge
war er. Een Windhund! Aber glauben Sie, daß es sich wirklich so ereijnet hat?"
„Wozu macht er denn sonst die Rechnung auf dem Notenblatt?"
„Erzählen Sie mir doch das nochmal!"
Lucienne zeigte ein etwas beleidigtes Gesicht. Sie verlangte offenbar, baß Frau Hertel als Freundin ihr gestern so und heute so blinden Glauben schenke. Aber sie stippte auf Aufforderung hin ein weiteres Stück Kuchen in den Kaffee und erzählte dann alles noch einmal ausführlich.
„Und kurz und gut, ober vielmehr gar nicht gut: ich habe nichts mehr. Nur einen Haufen Bankschulden, ben ich abzahlen muß. Unb bis ich mein Haus loswerbe, habe ich jedes Vierteljahr die großen Hypothekenzinsen zu zahlen. Aber wer kauft denn heute solche Villa? Und wovop lebe ich einstweilen?"
Ratsuchend wanderten ihre Augen durchs Zimmer. Da sah sie auf dem Schreibtisch Karten liegen. Frau Hertel hatte eine Patience gelegt, ehe sie kam.
Sofort griff Lucienne dieses Thema auf und fragte: „Sie können Karten legen?"
„Lassen Sie bas boch jetzt!" wehrte Frau Hertel ab. „Wir müssen jetzt für Sie nachdenken unb einen Beruf für Sie finden."
„Bei dem Wort .Beruf' wird mir auch nicht bester", entgegnete Lucienne und gähnte vor Ab- fpannung.
„Also nun hören Sie mal vernünftig zu!" sagte nun Frau Hertel energisch. „Was kommt für eine Frau wie Sie in Frage? Es gibt ba eine Menge Möglichkeiten. Heiratsvermittlung? — Nee, nee, ich sehe schon, bet is nix für Sie. Aber pendeln lernen unb Gesunbheitstees verkaufen, wie wäre benn bet? Wenn bie Leute benn in so ne feine Villa kommen, imponiert ihnen bet."
,^ch weiß nicht recht, ob ich mich bazu eigne", brachte Lucienne bescheiden, fast etwas kleinlaut vor.
In nachdenklicher Besorgtheit sprach Frau Hertel weiter. Alle möglichen Dinge wurden erwogen unb wieber verworfen.
"Wissen Sie", sagte Lucienne schließlich, „ich wußte etwas tun, was mehr auf ber Linie meiner bisherigen Talente liegt."
Da würbe Frau Hertel lebhaft, unb es zeigte stch nun, bah all ihre Vorschläge nur ber Vorbereitung bienten für ben einen großen Vorschlag, den
Friedberg wegen Erstattung von Pflegekosten für Christine Henn.
Klage des Bezirksfürsorgeverbanbes Frankfurt am Main gegen den Be^irksfürsorgeverband Kreis Lauterbach wegen Erstattung von Fürsorgekosten für Hedwig Klein.
Klage bes August Greulich in Freiensteinau (Kreis Lauterbach) gegen ben Bescheid des Kreisamts Lauterbach vom 17. August 1937 wegen Entziehung des Wandergewerbescheins für Kalenderjahr 1937.
HZ., Bann und Zungbann 116.
Velr.: Vorkrag bes Vundesredners bes Volksbunbes für bas Deutschtum im Ausland, Pg. Alfred Rigerl, Graz.
Am kommenden Donnerstag, 25. November, findet in der Neuen Aula der Universität ein Vortrag des Bundesredners des Dolksbundes für bas Deutschtum _____________________________________________k— Die ganze Bevölkerung ist eingeladen zum Winterfest der Studentenschaft
am 4. Dezember in der Volkshalle 7719D
im Ausland, Pg. Alfred Rigerl, Graz, statt. Zur Teilnahme an diesem Vortrag werden hiermit alle Unterbannführer, Gefolgschaftsführer und Stellenleiter des Bannes 116, ferner alle Stammführer, Fähnleinführer und Stellenleiter des Jungbannes 116 aufgefordert.
Polizei gegen Verkehrssünder.
Die Dottzei schritt in der Zeit vom 12. bis 18. Novemoer ein:
gegen Kraftfahrzeugführer mit 54 Verwarnungen und Belehrungen und 20 Anzeigen;
geaen Radfahrer mit 14 Verwarnungen unb Belehrungen und 20 Anzeigen;
gegen F u ß g ä n g e r mit 48 Verwarnungen und Belehrungen.
Trauerfeier für die verstorbene frühere Großherzogin
Am gestrigen Nachmittag hatten sich die Mit- güeber bes Ortsvereins Fremck)innen junger Mädchen im würdig ausgeschmückten Saal der Krippe versammett, traue mb ihrer hochverehrten Leiterin, ber ftrau Großherzogin Eleonore von Hessen zu gedenken.
Nach einleitenbem Choral unb kurzen Worten ber Ortsführerin, Frau Hotz, die hervorhob, was ber Derbanb ber Freundinnen an seiner langjähri- gen Leiterin verloren hat, gab ein verlesenes Grußwort ber Nachfolgerin, Fürstin Löwen- st e t n und ber hessischen ßarcbesleiterin Gräfin v. Schlitz, genannt von Görtz, Zeugnis von ber tiefen Trauer unb ber Dankbarkeit für bie Verewigte, in ber der Verband nun an ihrer Bahre steht.
Pfarrer Ausfeld knüpfte an das Losungswort bes Tobestages an bas Psalmwort: „Herr, in Deine HärGe befehle ich meinen Geist, Du hast mich erlöset, Herr, Du treuer Gott." Er schilderte bie so jäh aus bem Leben Gerissene als treue Christin unb Frau, bie ihre Pflicht darin gesehen, ihr Leben lang nicht nur ihrer Familie, sondern auch ihrem Volk zu dienen. Und dieser Dienst in ber mannigfachen Arbeit bes Freundinnen-Dereins war ihr besonders ans Herz gewachsen. Ihre Dankbarkeit für diese Treue möchten b*ie Mitglieder beweisen, indem sie jetzt weiter selbst in Treue zu dieser Arbeit stehen.
Mit dem gemeinsamen Gesang „Christus der ist mein Leben.schloß bie Feier.
*
** 8 5 Jahre alt. Am morgigen Donnerstag, 25. November, begeht ber Schlossermeister i. R. Carl Flett, wohnhaft Teufelslustgärtchen, in voller körperlicher unb geistiger Frische feinen 85. Geburtstag.
**Ein'kleinerBrand entstaub gestern abend in einem Kraftwagen, ber verschlossen in ber Schul- straße ftanb. Im Innern bes Wagens waren, vermutlich burch eine herabgefallene brennenbe Zigarre ober Zigarette entftanben, bie Polsterung unb eine Decke leicht in Branb geraten. Die rasch herbeigerufene Feuerwache löschte ben Branb in wenigen Minuten.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach. mittag geschloffen
sie sich schon überlegt hatte, während Lucienne noch in der Klinik lag. Sie hing an dieser Idee. Im Sinne ihrer Freundin. Und sie hatte durchaus vermeiden wollen, daß die ehemalige Diva sie etwa hochmütig ablehnte. Denn sie war richtig, das wußte Frau Hertel.
Und sie entwickelte Lucienne die Idee, in ihrem großen Hause und auf ihren Namen hin eine Filmschule einzurichten. Junge Mädchen, die zum Film wollten — und welches junge Mädchen wollte das nicht einmal in ihrem Leben — durften von der großen Diva lernen, wie man spielen sollte. Und sie durften diese Erlaubnis und die Gnade, in ihrem Hause zu weilen, natürlich auch gut bezahlen.
Anfangs bäumte sich Luciennes Künstlerstolz dagegen auf.
Aber Frau Hertel sagte: „Derreden wir das nid), Frau Molny. Schlafen Sie erst mal darüber! Ich glaube, daß Ihnen die Idee noch mal jefaUen wird. Und nu woll'n wir heute jar nicht mehr davon reden. Also, wie war die Sache mit dem Harry? Heute, wo wir nischt mehr zu verheimlichen brauchen, da kann ich Ihnen sagen, daß det een doller Hecht war."
„Wieso?" fragte Frau Molny.
„Na eben so in jede Weise. Besonders doch in puncto Weiber. Wat der mit Ihrem sauer verdienten Jeld anjeriert hat, bet jeht doch uff feene Kuhhaut."
„Sie meinen, er hat sich viel mit Weibern abgegeben?"
„Liebe Frau Molny, Sie sinb boch eene kluge Frau! Unb heute brauchen Sie sich boch nischt mehr vorzumachen. Warum sinb Se benn in diese Lage? Sie haben boch feene noblen Passionen jehabt. Sein Se froh, bet Se ihn los sinb. Zu Hause jefeffen hat ber boch nur, wenn er mußte."
„Unb benfen Sie, wie dlöbsinnig von mir, Frau Hertel, ich habe mir eingerebet, er wäre in letzter Zelt häuslich geworben."
„Det konnte bei bem nur een Zeichen von Krankheit ober von total ausjepowert fein."
„Recht haben Sie, Frau Hertel. Aber was meinen Sie, was das für eine war, die er angehim- melt hat? Mit der hat er boch offensichtlich den Raub teilen wollen."
__ Fortsetzung folgt


